“Intelligente” Einwandungerungspolitik
Posted on | Juni 30, 2010 | 4 Comments
Man könnte es ja durchaus auch mal erfrischend finden, wenn aus der Union auch mal Sätze kommen, die nicht genausogut aus der linken Ecke zu erwarten wären. Peter Trapp, der wohl, auch wenn ihn vermutlich kaum jemand kennt, irgendwas wichtiges im Berliner Landesverband der CDU ist, hat folgendes gesagt:
Wir müssen bei der Zuwanderung Kriterien festlegen, die unserm Staat wirklich nützen. Maßstab muss außer einer guten Berufsausbildung und fachlichen Qualifikation auch die Intelligenz sein. Ich bin für Intelligenztests bei Einwanderern.
Sein Kollege Markus Ferber aus Bayern haut in die gleiche Kerbe und bringt sogar ein konkretes Beispiel für diese Praxis:
Kanada ist da viel weiter und verlangt von Zuwandererkindern einen höheren Intelligenzquotienten als bei einheimischen Kindern. Humane Gründe wie Familiennachzug können auf Dauer nicht das einzige Kriterium für Zuwanderung sein.
Die Provokation ist gelungen und es ist interessant, dass es trotz Fussball-WM, Finanzkrise, G8-Gipfel und der anhaltenden Umwandlung des Golfs von Mexiko in einen Öltank noch immer genug Sommerloch zu geben scheint, dass trotzdem auch diesen Sommer wieder Politiker, die keiner kennt eine Rolle spielen. Finde ich ja bemerkenswert.
Aber kommen wir mal zum Thema an sich. Intelligenztests also, die darüber entscheiden sollen, ob jemand nach Deutschland einwandern darf. Die Grüne Jugend nennt das “rassistisch”, auch wenn ich zumindest aus den obigen Zitaten nicht rauslese, dass tatsächlich Unterschiede zwischen Zuwanderungswilligen verschiedener Nationalitäten gemacht werden sollen, was jawohl die Grundvoraussetzung für rassistisches Handeln wäre.
Und da es so oder so verschiedene Kriterien zu geben scheint, nach denen Einwanderung bei uns geregelt ist, fänd ich jetzt, wenn ich ehrlich bin, nichts wirklich schlimmes daran, diese halt noch um ein weiteres zu erweitern. Man kann vielleicht in Frage stellen, ob es generell okay ist, Einwanderung an irgendwelche anderen Kriterien zu knüpfen als “der will hier halt leben”. Aber zumindest moralisch und logisch finde ich es absolut okay, hier die Intelligenz zumindest mal in Erwägung zu ziehen.
Tun würde ichs trotzdem nicht. Weil es doch eigentlich schnurz ist, ob ein Einwanderer intelligent ist oder nicht – was hätte ich denn davon, wenn nur noch intelligente Leute nach Deutschland kommen würden? Viel wichtiger wäre doch, dass Einwanderer schlicht die Eigenschaften mitbringen, an denen es hier gerade mangelt. Das kann ja vielleicht auch mal Intelligenz sein, vermutlich sind aber bestimmte erlernte Fähigkeiten (im Volksmund auch Fachkräfte genannt) weitaus gefragter. Sobald wir hier endlich eine saftige Vermögenssteuer eingeführt haben, sind vielleicht auch Leute mit viel Geld plötzlich willkommene Einwanderer, wer weiss.
Solange man für Einwandung sowieso irgendwelche Kriterien festlegt, ist es eigentlich auch legitim, dafür eben auch die Intelligenz in Betracht zu ziehen. Problematisch dabei ist höchstens, dass sich Intelligenz wirklich objektiv kaum messen lässt (“Intelligenztests” jedenfalls kann man nunmal trainieren, wenn man will) – und obs wirklich darauf ankommt, wie intelligent jemand ist, um einem Land irgendwelche Fortschritte zu verschaffen, sei sowieso mal dahingestellt.
Ob es übrigens intelligent gerade von linker Seite ist, derartigen Kriterien generell sofort eine “Rassismus!”-Stempel aufzudrücken, ebenfalls. Denn klar ist für mich, dass eine Einwanderungspolitik ohne Kriterien wie Bildungsstand langfristig einen Sozialstaat zerstören muss.
Comments
4 Responses to ““Intelligente” Einwandungerungspolitik”
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Juni 30th, 2010 @ 07:26
Ich halte den Intelligenztest für Blödsinn. Ich sehe aber auch gar keinen Grund nicht bestimmte Anforderungen zu stellen. Nur die haben mit Intelligenz nichts zu tun sondern mit “Fähigkeiten”. Nehmen wir mal an das mit den Facharbeiteitern ist ein Problem nun ja dann nimmt man eben bevorzugt Leute die hier “etwas können”. In NZ nennen sich dieses Listen
Long Term Skill Shortage List (LTSSL) and the Immediate Skill Shortage List (ISSL)
Also langfristig gesuchte Fähigkeiten und “hier brennt es wirklich” Fähigkeiten. Damit kommen in NZ die meisten Einwanderer. die politischen “Flüchtlinge” sind da eine Minorität…
Andere Kriterien (denen sich die Neuseeländer aber auch Australier nicht schämen) sind Investoren. Hier sieht es ja so aus als ob man diese auch hofierte, aber nur um Sie dann gleich richtig “niederzumachen”….
Juni 30th, 2010 @ 17:16
Man ersetzt also quasi einen freien Markt durch zwei Listen in Neuseeland.
Juli 1st, 2010 @ 09:35
Eine freie Einwanderung ohne Kriterien wäre meiner Meinung nach nur sinnvoll, wenn es keine staatlichen Sozialsysteme gäbe. Wenn jeder für seinen Lebensunterhalt selbst sorgen müsste, kämen auch nur dazu fähige Einwanderer.
Mit unserem System laden wir aber zur Einwanderung in eine soziale Rundumversorgung ein, ohne etwas einbringen zu müssen.
Solange dies der Fall ist, sind Kriterien für die Qualifizierung von Einwanderern absolut notwendig. Schließlich sollen diese durch ihre Arbeit dem aufnehmenden Staat nützen und nicht die Sozialsysteme weiter belasten.
Ob hier ein Intelligenztest das geeignetste Mittel wäre, kann man gerne diskutieren. Das Einwanderer aber auf die eine oder andere Weise ihre Fähigkeit nachweisen sollten, daß sie in der Lage sind für ihren Lebensunterhalt selbst zu sorgen, halte ich für unabdingbar.
Juli 3rd, 2010 @ 12:49
Ein Intelligenztest ist m.E. nach überhaupt kein geeignetes Mittel. Wie Jan schon schreibt, kann man für diese Tests trainieren, und außerdem sind die klassischen Tests auch nicht wirklich aussagekräftig (von kanadischer Seite wurde es auch bereits dementiert, dass es solche Tests gäbe).
Viel wichtiger wäre, wie ich finde, dass man im Ausland erworbene Qualifikationen besser anerkennen lassen kann und so dafür sorgen kann, dass Leute, die in ihrem Heimatland bereits einen höheren Schulabschluss gemacht, eine qualifizierte Ausbildung und/oder ein Studium vorzuweisen haben, schneller in Deutschland eine angemessene Arbeit finden können.
Klar ist das keine leichte Aufgabe, hier vergleichbare Kriterien einzuführen, aber unlösbar ist diese Aufgabe in meinen Augen nicht.
Aber es kann ja keine Lösung sein, Leute, die mit abgeschlossenem Studium nach Deutschland kommen, nochmal dazu zu zwingen, das deutsche Abitur nachzumachen und dann ein komplettes Studium zu absolvieren. Wenn man schon rein wirtschaftlich denkt: Wer hier nichts arbeiten darf (oder nur Hilfsarbeiten verrichten kann), weil seine Abschlüsse nicht anerkannt werden, der verdient im Zweifel nicht genug, um seinen Lebensunterhalt alleine bestreiten zu können und ist doch wieder auf staatliche Unterstützung angewiesen. Da schneidet sich der Staat ins eigene Fleisch.