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Irrsinn Tanzverbot

Posted on | August 10, 2010 | 5 Comments

Es ist natürlich so oder so total gaga, Menschen vorzuschreiben, wie sie einen Feiertag zu begehen haben und wie nicht. Wie sich das Tanzverbot in Baden-Württemberg aber praktisch auswirkt, hätte von keinem Schildbürger grotesker erdacht werden können:

Derzeit dürfen die etwa 600 Diskotheken im Südwesten am Sonntagfrüh zwar bis 5 Uhr morgens geöffnet sein, müssen aber um 3 Uhr ihren Gästen das Tanzen verbieten. Damit soll die Ruhe des Tages geschützt werden. CDU und die Kirchen wollen daran festhalten.

“So, liebe Gäste: Nun stellt bitte alle das Tanzen ein und beschränkt Euch aufs Saufen.”

Zweifellos ist das der Königsweg, die angestrebte “Ruhe des Tages” vor bösen Menschen zu beschützen, die sogar an Feiertagen nicht aufhören wollen, sich ihres Lebens zu freuen.

Als deren Lobby wiederum haben sich übrigens die Jungen Liberalen geoutet, die ein Ende dieses Irrsinns fordern. Auf ihrer Homepage beschreiben sie aus diesem Anlass das Ausmaß dieses albernen Verbotes, das dem Ganzen irgendwie nochmal ein bisschen die Krone aufsetzt:

Das Tanzen ist im Südwesten derzeit an 18 Feiertagen im Jahr untersagt. Das Kuriose daran ist, dass am Karfreitag und am Karsamstag das Verbot rund um die Uhr gilt, am Ostersonntag aber nur von 3 bis 11 Uhr. Am Karfreitag und am Totensonntag ist neben dem Tanzen auch das Spielen von Musik verboten. An Neujahr wird dagegen etwas weniger auf das Einhalten der Gesetze geachtet „Wenn zusätzlich die 52 Sonntage berücksichtigt werden, kommen wir unter Berücksichtigung der Feiertage die fix auf einen Sonntag fallen, auf über 60 Tage Tanzverbot – damit sind wir Weltspitze.

Mal schauen, ob die JuLis in Baden-Württemberg ihre Mutterpartei dazu bringen können, ihren “bürgerlichen Wählern” in diesem Punkt endlich mal auf die Spießerfüße zu treten.

Comments

5 Responses to “Irrsinn Tanzverbot”

  1. Tanzen zerstört die Werte, die die Gesellschaft zusammen halten? | ars libertatis
    August 10th, 2010 @ 22:28

    [...] zu bestrafen? welt – Streit über Tanzverbot an Feiertagen / via Jan Filter – Irrsinn Tanzverbot [↩] Author: | Date: Tuesday, August 10th, 2010 | Categories: Reaktionen | Tags: [...]

  2. Daniel
    August 12th, 2010 @ 09:34

    Hlört sich für Dich als Norddeutschen kurios an, ich bin in BaWü aufgewachsen, da war das normal. Allerdings wusste ich nicht, dass es 15 Jahre nach meiner “Auswanderung” gen Norden dort noch immer so ist.
    Am besten war eigentlich immer der völlig fassungslose Blick von Austauschschülern und anderen auswärtigen Gästen, wenn man denen erklärt hat, das Tanzverbot sei kein Scherz. Oder die Polizisten, die mitten in der Nacht durch eine Disco voller Darkwaver patroullierten, um zu kontrollieren, dass die düsteren Gestalten das christliche Nichttanzgebot auch einhalten.
    Apropos christlich. Könnte man nicht mal analog zu den ganzen “der Koran ist friedlich”-Diskussionen ein paar Theologen damit beauftragen, das Tanzverbot hinsichtlich seiner Gottgegebenheit zu prüfen?

  3. Nur mal so
    August 13th, 2010 @ 15:42

    Wirkt auf mich immer noch wie ein schlechter Scherz, auch wenn es entsprechende “Verbote” tatsächlich gibt.

    Ich bin der Meinung, dass sich die Kirchen und die so genannten christlichen Parteien besser mal mit der “Ruhe des Abends” in Bezug auf unsinnige Öffnungszeiten von Supermärkten bis 23 Uhr (und sicher bald auch darüber hinaus) befassen sollten.

    Das das “Tanzverbot” auch noch polizeilich überwacht wird, setzt dem Ganzen im Übrigen die “Schildbürgerkrone” auf.

  4. Jan
    August 15th, 2010 @ 19:55

    Sehr richtig: Dass es überhaupt ein Gesetz gibt, dass etwas so lapidares wie Öffnungszeiten regelt ist an sich schon eine Katastrophe. Was gehts den Staat an, wann ich mir einen Liter Milch kaufen möchte? So etwas ist in der Tat unsinnig.

    Wobei dass allerdings die Kirchen noch viel weniger anzugehen hat.

  5. Restebloggen zum Wochenende (52) « überschaubare Relevanz
    August 15th, 2010 @ 22:54

    [...] Heute ist es anscheinend das Motto des Bundesstaates Baden-Württemberg: „Derzeit dürfen die etwa 600 Diskotheken im Südwesten am Sonntagfrüh zwar bis 5 Uhr morgens geöffnet sein, müssen aber um 3 Uhr ihren Gästen das Tanzen verbieten.“ [via Filterblog] [...]

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