CDU: Junge Menschen sind von Natur aus völlig nutzlos
Posted on | August 29, 2010 | No Comments
Das jedenfalls meinen namhafte Vertreter der CDU.
Saarlands MiniPräsi Peter Müller zum Beispiel findet, dass der staat dringend die “Verantwortung des Bürgers für sein Gemeinwesen wir gesetzlich etablieren” muss und fragt
Ist es nicht legitim, zu verlangen, dass sich junge Menschen auch für das Gemeinwesen für eine begrenzten Zeitraum zur Verfügung stellen?
Ist das nicht in der Tat legitim, wo junge Menschen doch ansonsten bekanntermaßen lediglich Killerspiele spielen oder die Politiker mit verrückten Forderungen, wie doch bitte nicht das Internet zu zensieren, nerven, wie doch wirklich jedes CDU-Mitglied weiss?
Auch Hessens lahme Ente scheint sich noch nicht ganz in Polit-Rente geflüchtet zu haben und tönt rum, als wäre Wahlkampf:
“Die Gesellschaft wird ärmer, wenn junge Menschen vor jeder Art von Herausforderungen, etwas für die Gesellschaft zu tun, verschont bleiben”
Diese Schmarotzer, die nichts anderes mehr können als asoziales Karrieredenken – und damit Steuern oder in die Rente einzahlen und Arbeitsplätze schaffen – dürfen eben nicht “ungeschoren” davon kommen. Und Koch weiss, dass Jugendliche sich freiwillig sowieso nicht engagieren, wenns kein Geld dafür gibt.
Eine Viertelmillion Jugendfeuerwehrleute zählen für Koch und Konsorten da genausowenig wie das Deutsche Jugendrotkreuz mit 113.000 Mitgliedern oder dutzende weiterer Vereine und Organisationen, die man an dieser Stelle nennen könnte. Denn für Koch zählt Engagement nur, wenns unter Zwang geleistet wird. Für ihn ist ja auch der Staat nunmal für die mit Zwangsdiensten einhergehende “Erziehung” seiner Bürger zuständig, Volljährigkeit hin oder her:
Er betrachte die Frage der Wehrpflicht als „Erziehungsthema“, sagte Koch. „Muss es nicht das Ziel sein, dass sich junge Menschen eine bestimmte Anzahl von Monaten für die Allgemeinheit einbringen?“, fragte der CDU-Politiker. „Wenn man den Wehr- und Zivildienst aussetzen will, muss die Frage eines sehr attraktiven freiwilligen Jahres bis hin zu einer allgemeinen Dienstpflicht wieder auf die Tagesordnung.“
(Quelle: Welt-Online) Jugendliche und junge Erwachsene sind in den Augen von Menschen, die so argumentieren, nichts wert, wenn man sie nicht zwingt, “Sinnvolles” zu tun. Dass es junge Leute gibt, die sich freiwillig und auf vielfältigere Arten, als es sich dahergelaufene Ministerpräsidenten jemals vorstellen könnten, “für die Allgemeinheit einbringen”, ignorieren solche Politiker komplett und treten Jugendlichen, die ohne Androhung von Gefängnis dieses oder jenes zu leisten bereit sind, damit kräftig in die Magengrube.
Dabei sehen Kochs und Müllers Gehirnabfälle wenigstens noch eine geschlechtliche Gleichberechtigung in Sachen Zwangsarbeit vor, denn ihre Modelle würden auch für Frauen gelten, die ja aus unerfindlichen Gründen seit 1955 von jeglichem Zwangsdienst verschont geblieben sind.
Niedersachsens Freiheitsberaubungsminister Schünemann hingegen möchte die Geschlechterdiskriminierung im Unterschied dazu lieber doch beibehalten und die Wehrpflicht “Weiterentwickeln” – zur “Heimatschutzpflicht“, was sich für mich schon anhand dieses Titels nach einem Vorhaben anhört, dass ich eher so in die Dreißiger- oder Vierzigerjahre des letzten Jahrhunderts verordnet hätte, wüsste ich es nicht besser. Im Endeffekt will Schünemann praktisch die Wehrpflicht aufbohren und junge Männer dürfen sich dann großzügigerweise zwischen verschiedenen Diensten frei entscheiden. Ausser natürlich für den Dienst am Finanzamt, wie ihn jeder steuerzahlende Bürger ohnehin schon im Übermaß leisten muss, was auf eine recht schauerliche Prioritätensetzung des Innenministers hinweist.
Im Deutschland von heute sind Zwangsdienste durch nichts mehr zu rechtfertigen. Wir brauchen keine Armee mit hunderttausenden Soldaten, weil ein Angriff irgendeines Nachbarlandes in den nächsten 10 Jahren und vermutlich auch darüber hinaus extrem unwahrscheinlich ist.
Und dass es im Zivildienst offensichtlich keine Rolle spielt, wie teuer beispielsweise die Pflege alter und kranker Menschen wird, hat ausgerechnet die CDU unlängst dadurch bewiesen, dass sie hier einen Mindestlohn eingeführt hat. Es ist für mich selbstverständlich, dass Zivildienstleistende zumindest in diesem Bereich ab sofort mindestens 8,50 Euro erhalten müssten – denn andernfalls besteht die Gefahr, dass Zivildienstleistende reguläre Jobs ersetzen würden und somit diesem Mindestlohn jeden Sinn nehmen. Zivildienst – ob freiwillig, wie die zuständige Ministerin sich das wünscht, oder eben erzwungenerweise – kann ja nicht zum Ziel haben, aktives Lohndumping zu betreiben.
Aus ähnlichen Gründen finde ich übrigens, dass jegliche Förderung durch Steuergeld des sogenannten “Freiwilligen Sozialen Jahres” und ähnlichen Veranstaltungen spätestens mit Einführung von Mindeslöhnen in den Betreffenden Bereichen eingestellt werden muss. Auf der einen Seite zwingt der Staat pflegebedürftige Menschen regulär beschäftigten Pflegern einen bestimmten Lohn zu zahlen und fördert auf der anderen Seite dessen Billig-Konkurrenz.
Zumal die Förderung bestimmter Ehrenämter andere ähnliche Tätigkeiten wiederum diskriminiert. Und wer wollte denn bitte bewerten, ob nun eine funktionierende freiwillige Feuerwehr, eine von engagierten Jugendlichen geführte Fussballmannschaft in einem Problem-Stadtteil oder eben das unentgeltliche Helfen von alten Menschen im Alltag im direkten Vergleich wichtiger oder unwichtiger wäre?
Soziales Engagement kann und sollte man nicht erzwingen. Zu groß ist die Gefahr, dass dann irgendwann ohne staatliche Unterstützung oder Verpflichtung kaum jemand mehr etwas tut, weil er sich auf die Position “wieso, ich habe meinen Teil doch schon geleistet” zurückzieht und damit ignoriert, dass es durchaus auch Tätigkeiten gibt, die nur dann wirklich sinnvoll sind, wenn man sie kontinuierlich einen großen Teil seines Lebens lang tut (wie zum Beispiel bei der Feuerwehr, wo sich der eigene Nutzen erst mit zunehmendem Ausbildungsstand vergrößert, was mindestens einige Jahre regelmässigen Engagements bedeutet).
Was aber freiwilliges Engagement vor allem, aber nicht nur, junger Menschen gefährdert, ist zu allererst die offen zur Schau gestellte Geringschätzung der Herren Müller, Koch und Schünemann. Diese Herrschaften sollten sich in Grund und Boden schämen und haben in politischen Ämtern nichts verloren.
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