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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Pieper, Genscher und Kinkel wollen Bildungszentralismus statt Wahlfreiheit und Wettbewerb

Posted on | August 29, 2010 | 13 Comments

Viele Köche verderben den Brei, sagt man. Wer allerdings zum Beispiel meine eigenen Kochkünste kennt, der weiss: Auch ein einziger Koch kann sich ziemlich unappetitliches Zeug zurechtbrutzeln.

Gleich drei prominente FDP-Politiker fordern dessen ungeachtet, dass künftig der Bund massiv Bildungspolitik machen soll. Cornelia Pieper, Hans-Dietrich Genscher und Klaus Kinkel wünschen sich “zentrale Bildungsinitiativen” und “nationale Bildungsstandards”. Das Ganze soll selbstverständlich grundgesetzlich verankert werden und schon verbessert sich die Bildungspolitik in sämtlichen Bundesländern schlagartig, so der Plan.

Warum um alles in der Welt soll eine schwarz-gelbe Bundesregierung bessere Bildungspolitik machen können als eine schwarz-gelbe Landesregierung? Wieso sollte Bildungspolitik besser werden, wenn die politischen Mitwirkungsmöglichkeiten von Eltern, Schülern und Lehrern sich verringern (denn Bundespolitik ist nunmal deutlich schwerer beeinflussbar als Landespolitik)?

Klaus Kinkel (die älteren werden sich erinnern, er war mal in einer wahnsinnig liberalen Bundesregierung tätig) wird dazu folgendermaßen zitiert:

“Das Kooperationsverbot muss weg! Die FDP muss endlich ihre Haltung ändern.” Die Länder sollten im Interesse eines besseren Schulsystems über ihren Schatten springen.

Das ist aus liberaler Sicht kompletter Nonsens, denn ein liberales, also wettbewerbsorientiertes Bildungssystem sieht zum Beispiel Schulen vor, die in hohem Maß selbstbestimmt sind und in der allein die Betroffenen und eben nicht der Staat, respektive profilgeile Politiker, die aber oft genug lieber irgendwelchen ideologischen Wunschträumen folgen, statt sich um die Begehrlichkeiten der Schüler zu scheren, zum Beispiel darüber befinden, ob eine Gesamtschule, eine Ganztagsschule, ob Religionsunterricht oder bestimmte Schulbücher “im Interesse eines besseren Schulsystems” sind oder eben nicht.

Ich kann nur an die FDP appellieren, Piepers, Genschers und Kinkels Forderung als das zu sehen, was es ist: Als krampfhaften Versuch, mit irgendwas nochmal in den Medien zu erscheinen. Liberale sollten diesen Unfug tunlichst vollständig ignorieren, beziehungsweise Parteien überlassen, die offen dazu stehen, dass sie ihr Personal für klüger als die Bürger halten und darum gegen Wettbewerb ankämpfen.

Comments

13 Responses to “Pieper, Genscher und Kinkel wollen Bildungszentralismus statt Wahlfreiheit und Wettbewerb”

  1. Jaquento
    August 29th, 2010 @ 18:33

    Weil der Wettbewerb zwischen den Ländern auch zu so guten Ergebnissen geführt hat, bin ich für eine Zentralisierung von Bildung als das kleinere Übel.
    Lieber ein zentrales System bei dem ein Unternehmer rechnen kann das ein Abiturient aus Hamburg das selbe kann wie der aus München, als das Lehrpläne-wirrwarr das wir jetzt haben.

  2. Christian S.
    August 29th, 2010 @ 18:35

    Moment. Das Kooperationsverbot soll liberal sein? So ein Unsinn.

  3. Jan
    August 29th, 2010 @ 18:41

    @Jaquento
    Bildungspolitik hat aber nicht die Aufgabe, es Unternehmern recht zu machen. Ich sehe kein vordringliches politisches Ziel darin, Münchner Abiturienten auf z.B. Bremer Niveau runterzubringen.

    @Christian
    habe ich zwar so nicht geschrieben, da eine Aufhebung des Kooperationsverbotes wohl letztlich das Ende des Föderalismus im Bildungswesen (und damit langfristig des Föderalismus insgesamt, der ja im Wesentlichen nur noch in der Bildung eine Rolle spielt) bedeuten würde, ist es sehr wohl liberal, davon nichts zu halten. Es ist natürlich aber nicht damit getan, Kooperation zu verbieten, Wettbewerb muss her – und zwar gestern!

  4. Christian S.
    August 29th, 2010 @ 18:42

    Das Kooperationsverbot ist mit der Föderalismusreform II auf Betreiben von Roland Koch reingekommen, ist also ziemlich neu. Und es war eine dumme Idee, ganz und gar nicht liberal.

  5. Jan
    August 29th, 2010 @ 19:10

    Angesichts der ständigen Versuche (den jüngsten habe ich ja hier kommentiert) seitens des Bundes, Bildungspolitik zu machen, halte ich es eher für eine Art Notbremse.

  6. Jaquento
    August 29th, 2010 @ 22:47

    Bildungspolitik hat aber nicht die Aufgabe, es Unternehmern recht zu machen. Ich sehe kein vordringliches politisches Ziel darin, Münchner Abiturienten auf z.B. Bremer Niveau runterzubringen.

    Dann erklär mir mal was gut an unserem Bildungsflickenteppich ist?
    Es ist doch auch in der Industrie möglich einheitliche Standarts zu setzen die jeder erreichen muss. Ich denke auch nicht das auf Bildungspolitik umgelegt dies Konkurenz aushebelt.

  7. Jan
    August 29th, 2010 @ 22:50

    Standards in der Industrie gibt es aber nicht, weil irgendwer die von oben anordnet, sondern weil sie sich freiwillig durchsetzen. Das ist es, was man in der Bildung endlich zulassen sollte und was profilierungssüchtige Politiker bisher flickenteppichschaffenderweise verhindern.

  8. Christian S.
    August 29th, 2010 @ 22:52

    “Standards in der Industrie gibt es aber nicht, weil irgendwer die von oben anordnet”

    Doch.

  9. Christian S.
    August 29th, 2010 @ 22:52

    DIN kennst Du aber schon, oder?

  10. Christian S.
    August 29th, 2010 @ 22:53
  11. Jan
    August 29th, 2010 @ 22:57

    Offensichtlich besser als du, Christian. Oberstes Prinzip des DIN ist Freiwilligkeit und es handelt sich um keine Regierungsorganisation, sondern vom Charakter her um einen Arbeitskreis derjenigen, die es betrifft.

    Eine Art DIN für Bildung könnte ich mir daher ganz gut vorstellen, sofern denn Schulen ansonsten frei wären.

  12. Laszlo Riedl
    August 30th, 2010 @ 07:11

    Es besteht doch überhaupt kein Wettbewerb in der Bildungspolitik! Eltern in Nürnberg bleibt doch nichts anderes übrig als ihr Kind in Nürnberg auf eine bayerische Schule zu schicken. Wettbewerb würde bedeuten jeder einzelnen Schule mehr Freiheiten einzuräumen, wobei es natürlich Vorgaben für Lernziele geben muss. Bildungsföderalismus bremst nur die Mobilität von Familien, als Eltern schulpflichtiger Kinder überlegt man es sich dreimal, bevor man in ein anderes Bundesland zieht.
    Der Bildungsföderalismus an sich hat doch keinen positiven Effekt!
    Vom bayerischen Erfolgen in PISA-Studien profitieren Schüler in anderen Bundesländern überhaupt nicht. Und in Grenznähe torpedieren unterschiedliche Regelungen sinnvolle Kooperationen.

  13. Jan
    August 30th, 2010 @ 17:55

    Ich plädiere ja auch eher für Schulautonomie, als für Bildungsföderalismus. Politiker sollten Schulen von sich und ihren Ideologien verschonen. Das erreichen wir aber nicht, indem wir einfach nur die Zuständigkeit von der einen Regierung an eine andere abgeben.

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