Steuerhinterzieher!
Posted on | September 16, 2010 | 10 Comments
Wenn von Steuerhinterziehung die Rede ist, werden immer gerne leichtfertig Phrasen gedroschen wie dass das ein Verbrechen und eben keiner dieser berühmten “Kavaliersdelikte” wäre. Strafen für Steuerhinterziehung können manchem gar nicht groß genug sein und dass dafür Gefängnis droht, scheint längst allgemein akzeptiert zu sein.
Nicht jedem dürfte unterdessen klar sein, was denn alles Steuerhinterziehung sein kann. Ein besonders schaurig-schönes Beispiel dafür erleben wir derzeit in Hammerbrücke in Sachsen, wo ein Prüfer des Finanzamtes zu große Schnitzel in einem Imbiss moniert. Offenbar hat man also beim Finanzamt gewisse Vorstellungen, wie ein Schnitzel auszusehen hat und wenn es in seiner Größe diese Vorstellungen eben übertrifft, wird mal eben Steuerhinterziehung unterstellt, weil ja zahlenmässig zu wenige Essen verkauft worden sind und der Gewinn so geringer ist, als bei kleineren Portionen.
Wer weiss, vielleicht arbeitet Wirt tatsächlich unsauber. Vielleicht aber auch nicht. Die Lösung des Finanzamtes jedenfalls, dem Mann kurzerhand eine existenzbedrohende Nachzahlung aufzubürden, ist so herrlich bürokratisch, dass dieser Fall beinahe wie ein Musterbeispiel dafür wirkt, wie der Staat in seinem Kontroll- und Bürokratiewahn jeden gesunden Menschenverstand beiseite lässt. Oberste Priorität sind möglichst hohe Steuereinnahmen, ob darüber ein paar Bürger mit ihrer Existenz über die Klinge springen müssen, ist natürlich nachrangig. Bürger sind in den Augen unserer Finanzbeamten im Zweifel eben kriminell.
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10 Responses to “Steuerhinterzieher!”
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September 16th, 2010 @ 22:25
Sowas ist ein bekanntes Problem unter Gastronomen. Wer mehr als 2cl in den Longdrink kippt, dem präsentiert das Finanzamt eine Umsatzhochrechnung, basierend auf der eingekauften Schnapsmenge. Und dann darf er zwei Wodka-Lemon versteuern, obwohl er nur einen (gut eingeschenkten) verkauft hat.
Der Ausweg? Entweder so ein beklopptes Schnapsportioniergerät oder eben Einkauf ohne Rechnung.
Die Geräte sieht man nicht oft…
September 16th, 2010 @ 22:26
Also ich bitte dich, der Prüfer hat nur dem genius loci Tribut gezollt: Der Wirt hat einfach die Norm nicht erfüllt, und das ist ein Vergehen.
September 16th, 2010 @ 22:31
Dem Steuerzahler einfach mal zu vertrauen scheint jedenfalls kein in Betracht zu ziehender Ausweg aus einem solchen “Dilemma” zu sein.
September 17th, 2010 @ 11:14
“Vertrauen” ist nicht das, was ich von einem Steuerprüfer erwarte. Aber nach Sichtung des real servierten Schnitzelformats könnte er ruhig etwas Einsicht zeigen.
September 17th, 2010 @ 19:38
Fuer den Wirt ist das sicher nicht lustig, aber was, ausser Lachen kann man ueber derartig falsch verstandenes Pflichtbewusstsein? Ich wette, der Steuerpruefer ist der erste, der moniert, wenn ihm ein Schnitzel serviert wird, das seiner Meinung nach zu klein ist … Und wenn man sich dann noch ueberlegt, wofuer die Steuern ausgegeben werden, dann kann man nur Hochachtung vor dem Wirt in Hammerbruecke haben, dafuer, dass er seinen Laden nicht einfach dicht macht und Hartz-IV kassiert.
September 17th, 2010 @ 19:45
Nene, ich gehe schon davon aus, dass das kein Einzelfall ist. Vielleicht gehts nicht immer um Schnitzel.
September 20th, 2010 @ 21:00
Verstehe ich nicht. Wieso darf der Wirt nicht mehr rausgeben? Macht irgendwie keinen Sinn.
September 20th, 2010 @ 21:07
Weils seine Gewinnmarge schmälert und er damit weniger Steuern zahlt. Das Finanzamt macht auch schon mal solche “Vorgaben” bezüglich alkoholischer Mischgetränke.
September 20th, 2010 @ 21:12
Aha. Das ist doch Schwachsinn.
September 20th, 2010 @ 21:21
Kann man wohl sagen.