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Imagepflege: Aktion “Saubere Stadt 2011″ läuft an

Posted on | Dezember 30, 2010 | 1 Comment

Früher gab es so einen pseudo-lustigen “Running Gag” über meine Heimatstadt:

“Warum fühlen sich Chinesen in Winsen so wohl?” – “Na, weil sie da ihre Luhe haben”

Ha-ha.*

Dieser Spruch ist uralt und zeigt, wie gerne Winsen eine verschlafene, möglichst langweilige Kleinstadt sein will.

Darum kriegt auch jeder, der diese schöne Ruhe bereit wäre aufzugeben die Winsener Version eines Shitstorms zu spüren. Der ist im Großen und Ganzen in seinen Ausmaßen zwar kaum der Rede wert aber trotzdem ärgerlich.

Als zum Beispiel ein kleiner Haufen JuLis sich vor einigen Jahren einfach nicht einsehen wollte, dass Paintballspielen gegen die Menschenwürde verstößt, traten sie damit in Opposition zu sämtlichen Parteien, der Verwaltung und der Presse**, die einhellig und teilweise auch heute, zwei anderslautende (und für die Stadt voraussichtlich millionenteure) Gerichtsurteile später, immer noch von “Kriegsspielen” und “Tötungssimulationen” dummschwätzen.

Man hat sich damals mit albernen Argumenten gegen eine Sportart gewehrt. Weil sie neu war, weil keiner was damit anfangen konnte. Und weil zu erwarten war, dass Menschen von außerhalb in die Stadt kommen könnten und hier womöglich Geld ausgeben würden. Das riecht eben nach Unruhe ohne Ende!

Natürlich finden trotzdem jedes Jahr haufenweise Veranstaltungen statt. Angefangen vom Faslam ab Januar über das alljährliche fünftägige Stadtfest bis hin zu diversen Sommer- und Weinfesten. Die Stadt hat immerhin über 30.000 Einwohner und besteht aus 13 Ortsteilen, von denen fast jeder eine eigene kleine Gemeinschaft bildet mit eigenen Veranstaltungen. Damit man da den Überblick behält, gibt die Stadt jedes Jahr ein Heft heraus, in dem neben allgemeinen Informationen der Stadt vor allem solche Veranstaltungen aufgelistet werden. Damit das Ganze zwar gebührenfrei verteilt werden kann, aber die Stadtkasse nicht unnötig belastet, wird dieser Veranstaltungskalender mit Werbung finanziert.

Man sollte nun meinen, dass die Stadtverwaltung glücklich wäre über jeden, der dieses Ding finanziert. Ist aber nicht so. Denn wer Dessous verkauft, der gilt in Winsen schon als zu anrüchig dafür, wie das “Wochenblatt” diese Woche meldete:

Stören Dessous das Winsener Image?

Winsen dürfte also auch im kommenden Jahr eine ruhige und saubere Stadt bleiben. Hier gibt’s keine Erotik und hier wird auch nicht gevögelt. Sowas bringt nur Unruhe.

Natürlich will man gleichzeitig “Familienstadt” sein und überbietet sich im Stadtrat geradezu mit teuren Forderungen nach noch mehr Kinderbetreuung, die folgerichtig den Bedarf weit übersteigen wird. An sich wäre es angesichts dessen ja sogar sinnvoll, die Stadt würde eine eigene Erotik-Kampagne auflegen, statt eine harmlose Annonce zu bekämpfen. Und natürlich hat man auch kein Problem damit, wenn beispielsweise mal ein Bordell die “Winsener Wiesn” (ein hochseriöses Saufgelage nach Münchner Vorbild) sponsort.

Aber so ist das eben in Winsen. Konsequenz war noch nie unsere Stärke, wir verstehen nur was von Luhe. Irgendwie.

* Der Scherz funktioniert nur unter zwei Bedingungen: Man muss zum Einen wissen, dass Winsener glauben, Chinesen würden “L” statt “R” sprechen und zum anderen die Luhe als Winsens Fluss im Hinterkopf haben. Dass das ganze auch dann nur mäßig lustig ist, liegt dann tatsächlich am Scherz selber und nicht an Dir.

** Die krassesten Anti-Paintball- und Anti-JuLi-Kommentare kamen übrigens damals ausgerechnet von der Zeitung, die hier nun von “Verklemmten Bürokraten” schreibt und davon, dass die Stadt sich lächerlich machte. Vielleicht ist das ein positives Zeichen.

Comments

One Response to “Imagepflege: Aktion “Saubere Stadt 2011″ läuft an”

  1. Karsten
    Dezember 31st, 2010 @ 00:43

    Den “Luhe”-Gag bringe ich immer noch, wenn gerade mal ein “Bad-Joke-Contest” läuft (kennst Du die? Da erzählt man so lange schlechte Witze und Kalauer, bis einer einen bringt, nach dem keiner mehr weitermachen will. Dieser ist da ein echter Bringer!).

    Und on-topic: Äh? Wirklich? Nein. Wie doof (Ist jetzt nich eloquent, aber das einzige, was mir dazu einfällt…).

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