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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Juniorehrung

Posted on | Januar 28, 2011 | 2 Comments

Meine Stadt vergibt seit vielen Jahren regelmässig Ehrungen an Bürger, die sich in irgendeiner Form besonders um die Stadt verdient machen. Meistens durch überdurchschnittliches ehrenamtliches Engagement. “Luhekiesel” nennt man diesen Bürgerpreis, benannt nach dem kleinsten der drei Winsener Flüsse (aber “Elbkiesel” wäre zugegebenermaßen auch sehr albern). Seit noch nicht ganz so langer Zeit hat die Stadt nun auch einen “Juniorkiesel” eingeführt, der speziell jüngere Leute in einer Sonderveranstaltung ehren soll.

In diesem Jahr gingen diese Preise an den 22 Jahre alten Jan Brinckmann, der sich bei der DLRG in der Jugendarbeit engagiert und den Sommer über in der Hoopter Station Badegäste vor dem Ertrinken bewahrt. Alter und Engagement rechtfertigen sicherlich einen solchen “Juniorkiesel”, denke ich. Aber fragen könnte man trotzdem: Der Mann ist in jeder Hinsicht volljährig und tut mehr, als die meisten anderen Ehrenamtlichen egal welchen Alters, warum also “nur” ein Juniorkiesel, warum nicht die Erwachsenenversion?

Noch krasser stellt sich diese Frage hinsichtlich des anderen Preisträgers. Der heisst Sebastian Behr und organisiert seit einigen Jahren federführend den Stöckter Faslam. Dabei handelt es sich um eine der größten Veranstaltungen, die es in der Stadt gibt, auch wenn Stöckte selbst nur ein kleiner Ortsteil davon ist. Zur Veranstaltung gehört neben einer jedes Jahr von gut 1000 Gästen besuchten Party der größte Festumzug des Landkreises, der einmal quer durch die Stadt fährt. Ich denke, man kann sich so ungefähr vorstellen, wieviel Arbeit schon dann in der Organisation solcher Veranstaltungen steckt, wenn alles läuft, wie es soll. Das lief es bei dem Stöckter Faslam aber bevor Behr den Vorsitz übernommen hatte gerade nicht, denn sein Amtsvorgänger hatte den Verein um einen vierstelligen Betrag erleichtert. Der heute 26 Jahre alte Sebastian Behr hat das Ganze also als damals Anfang 20-jähriger aus einer echten Notsituation, die obendrein den Ruf des Ganzen arg mitgenommen hatte, übernommen und das Fortbestehen der Tradition mit viel Einsatz gesichert. Wer von uns hätte mit 23 Jahren Lust gehabt, einen solchen Sanierungsjob anzunehmen, für den er natürlich in keiner Weise bezahlt wird?

Beide diesjährigen Preisträger, insbesondere aber Sebastian Behr, hätten einen echten Luhekiesel verdient. Die “Juniorversion” wertet die Leistungen nur unnötig als “für Euer Alter nicht schlecht, weiter so” ab, denn ihre Leistungen stehen denen vieler älterer Preisträger in Nichts nach.

Liebe Winsener, schafft den Juniorkiesel entweder ab oder vergebt ihn wenigstens an wirklich junge Leute, deren Leistungen zwar gewürdigt gehören, aber die nicht von ganz so großem Kaliber sind, wie die Preisträger in diesem Jahr.*

* Denen ich nichtsdestotrotz von dieser Stelle aus als jemand, der im Sommer den Elbstrand nutzt und sich im Winter gern an diversen Faslamsveranstaltungen beteiligt, herzlich gratuliere und danke.

Comments

2 Responses to “Juniorehrung”

  1. Maik
    Januar 28th, 2011 @ 14:13

    Du hast absolut recht. Gerade junge Menschen, die sich engagieren sollten eher einen Sonderpreis statt einem “kleinen Juniorpreis” kriegen. Denn zumindest aus sicht der “Alten” gibt es unter 30 ja nur noch selbstsüchtige Idioten…

    Was mich dabei mal interessieren würde: Wer waren denn in den letzten Jahren die Preisträger des “echten” Luhekiesels?
    Haben die wenigstens auch richtig was geleistet oder wird der Preis (wie so viele andere auch) aus Pseudogründen an die Kumpels und Parteifreunde des Bürgermeisters für so grandiose Leistungen wie “Er ist 3 mal in Folge Schützenkönig geworden” oder “Er hat in unserer polnischen Partnerstadt eine Rede über die Grausamkeiten der Nazis gehalten” verliehen?

    Btw.: Zu deiner Einleitung bzgl. der Namensgebung des Preises nach dem Fluss: Ich wäre gar nicht drauf gekommen, dass die Luhe nur ein kleiner Fluss ist… Ich kenne den Ort nur als “Winsen an der Luhe” – heißt das eigentlich wirklich offiziell so oder kommt das nur umgangssprachlich zur Abgrenzung zum 100km entfernten Winsen an der Aller?

  2. Jan
    Januar 28th, 2011 @ 14:35

    Viele Preisträger des echten Kiesels haben sich den schon verdient, er wird auch nicht von der Stadtverwaltung, sondern dem Rat vergeben, soweit ich weiss. Aber die Leistungen der Preisträger sind halt auch nicht größer, als zum Beispiel Sebastians. Mir ist schleierhaft, nach welchen Kriterien man da unterschieden hat und finds einfach etwas albern.

    Winsen liegt an Elbe, Ilmenau und Luhe. Es heisst offiziell “Winsen (Luhe)”, so stehts auch auf den Ortsschildern. Dass es so heisst liegt daran, dass das eben schon vor 1975 und der damaligen Gebietsreformen so war. Zu der Zeit lag Winsen halt bloß an der Luhe. Die Elbe fließt aber durch die “neuen” Ortsteile Hoopte und Lassrönne, die Ilmenau mündet in Hoopte in die Elbe und fließt vorher noch durch Stöckte. Es gab vor Jahren mal den Aprilscherz, dass sich Winsen in “Winsen an der Elbe umbenennen würde, damit es sich weltstädtischer anhört aber ich gehe trotzdem davon aus, dass es auch weiterhin Winsen an der Luhe heissen wird;)

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