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Bundestagswahlen werden überbewertet

Posted on | Januar 29, 2011 | 13 Comments

Deutschland hat vorletztes Jahr eine vermeintlich liberale Regierung gewählt, weil es die Schnauze voll von besserwisserischen Politikern hatte. Da hat Deutschland hat sich vertan:

Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) hat sich am Freitag dafür ausgesprochen, den Frauenanteil in Führungspositionen mit Hilfe einer „flexiblen Quote“ zu erhöhen und angekündigt, ein entsprechendes Gesetz auszuarbeiten. Es soll eine Pflicht zur Selbstverpflichtung enthalten: Jedes größere Unternehmen solle sich eine Frauenquote für Vorstand und Aufsichtsrat setzen und diese binnen zweier Jahre erfüllen. „Wir müssen an den Ursachen ansetzen, nicht an den Symptomen“, sagte Schröder in Berlin.

Eine Position, die so dämlich ist, dass man gar nicht weiss, wo man anfangen soll, sie lächerlich zu finden. Eine “Pflicht zur Selbstverpflichtung” beispielsweise muss man als denkender Mensch ja zwangsläufig beherzt für den George-Orwell-Preis für Neusprech nominieren. Was für eine sinnfreie Wortkonstruktion!

Das Vorhaben an sich ist zudem eines, dass man von Rotgrün oder der Großen Koalition erwartet hätte. Ja sicher, nicht der Markt und schon gar nicht die Eigentümer (eh böse!) sollen fortan entscheiden, wer in ihren eigenen oder den Unternehmen ihres Vertrauens das Sagen haben soll, sondern der gute Vater Staat. Nur der weiss schliesslich, was der Kunde wirklich will und was wirklich dem eigenen Unternehmen hilft. Wir blöden Schafe stecken unser Geld nämlich grundsätzlich in die Falschen und brauchen darum eine Regierung, die erstmal die gesamte Wirtschaft so richtig schön gleichschaltet, damit wir keine Fehler mehr machen können.

Den Gipfel der Verarschung erklimmt Schröder natürlich mit der sagenhaften Feststellung, bei der Personalauswahl von Führungskräften handele es sich um eine “Ursache” (für was auch immer) und nicht um ein “Symptom” (für was auch immer).

Cool auch, dass die Familienministerin meint, sich derart tief in die Interessen der (auch von der vermeintlich liberalen Regierung höchstens so genannten) freien Wirtschaft einmischen zu müssen. Natürlich total streng in deren Sinn – denn ganz bestimmt geht es jedem Unternehmen augenblicklich doppelt so gut, wenn es eine Frau in den Vorstand bestellt, ganz egal, ob die besser ist als ihr männlicher Mitbewerber oder nicht, das Geschlecht allein bestimmt, wer was drauf hat.

Wann schlägt die vermeintlich liberale Regierung vor, dass jedes neue Vorstandsmitglied jedes “größere” Unternehmen von der Frau Bundeskanzlerin persönlich genehmigt werden muss? Die Auswahl so wichtiger Positionen darf man doch unmöglich diesen hirnamputierten Trotteln namens Volk überlassen!

Sehr bezeichnend, wenn auch in der Wirkung (aus versehen) positiv, ist natürlich auch, dass auch diese Regierung wieder vor allem auf die großen Unternehmen schielt. Die, die die Minderheit der Arbeitsplätze schafft, die, die ab und zu mit Steuergeld aus der selbstverschuldeten Scheisse gezogen werden muss, die, die zu großen Teilen dem Staat gehört (VW, Post, Bahn, Telekom etc.) oder so groß ist, dass sie via “Wichtigkeit” ohnehin praktisch Teil irgendwelcher Landesregierungen sind. Only Big is beautiful, fuck you Mittelstand.

Manchmal glaubt man, die Wahlen von 2009 waren ein schlechter Scherz. Manchmal kriegt man auch richtig Angst, mit welchen Irrsinnsprojekten eine mögliche nächste Rot-Rot-Grüne Regierung die derzeitige in Sachen Besserwisserei und Zwang noch übertrumpfen wollen wird, um sich von “den bösen Marktradikalen” abzuheben.

Comments

13 Responses to “Bundestagswahlen werden überbewertet”

  1. Alrik
    Januar 29th, 2011 @ 17:18

    Keine Panik, die Quote sagt ja nichts darüber aus ob die Quotenfrau auch dafür qualifiziert sein muß.
    Als alleinige Qualifikation reicht das Geschlecht.
    Es werden sich schon genügend weibliche Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder finden lasse die ausser Arfüllung der Quote keine Aufgabe haben.

    Ganz sicher das, was viele Frauen unter Gleichstellung verstehen, oder ? ;)

  2. Jan
    Januar 29th, 2011 @ 19:02

    Na klar und zur Akzeptanz von Frauen in Führungspositionen wird das ganz gewaltig beitragen. Nicht.

  3. vonhaeften
    Januar 30th, 2011 @ 11:54

    Eine guter Artikel, spricht mir aus der Seele! Nur eins sollte man nicht vergessen zu erwähnen: Gleichstellung wird immer nur dann gefordert, wenn es um Positionen in der GEsellschaft geht, die Macht, Einfluß und Geld versprechen. So habe ich z.B. noch nie davon gehört, daß eine Frauenquote für Elektroingenieure, Maschinenbauer oder Systemprogrammierer eingeführt werden soll, obwohl dies Berufszweige sind, in denen Frauen total unterrepräsentiert sind. Worans wohl liegt?

  4. politbuerokrat
    Januar 30th, 2011 @ 23:36

    Eine rot-rot-grüne würde eine frauenquote um eine transgenderquote ergänzen. Das ist wichtig, weil die gefahr besteht, dass die unternehmensbonzen sonst tunten und transgender gegen frauen ausspielen.

  5. Jan
    Januar 31st, 2011 @ 11:29

    Ist anzunehmen.

  6. Friedrich
    Januar 31st, 2011 @ 12:45

    Und da wunderst Du Dich wenn ich sage die FDP war einmal. Wer macht denn bei dem ganzen Schmarr’n mit?

    Auch wenn es langweilig klingen mag. Man darf da ruhig Atlas shrugged lesen. Dort ist das alles konsequent durchgezogen. Leide mit einem Schönheitsfehler diejenigen die noch was schaffen seilen sich in D nicht ab. Und somit bleiben Sie “Sklaven”, aber wie sage Galt dann auch. “Ich tue alles was Sie wollen wenn Sie mich mit Waffen bedrohen”. Er sollte auch der Wirtschaftsdiktator sein um die Bürokraten zu retten, seine Vorschläge wurden nicht sonderlich freundlich aufgenoimmen.

    Und wir haben den Schaden.
    - Unser Geld wird entwertet werden
    - Es wird mehr Eingriffe geben, weil a) man keinen Bock hat mehr zu schaffen b) weil Politiker ja irgendetwas “machen” müssen. (dabei spielt falsch/richtig keine Rolle) c) weil es alle Leute bevorzugen nicht in’s Gefängnis zu wandern um sich den unberechtigten Ansprüchen der Bürokraten zu entziehen. d) es bleibt immer ein bisschen Markt bestehen der das Überleben sichert….

    Die Frauenquote ist nur ein Weg um etwa zu machen. Es kann ja wohl nicht unanständig sein etwas für vermeintlich oder wirklich Benachteiligte zu machen. Offensichtlich sind die Frauen die der Ministerin vorschweben so benachteiligt, daß das jede Arbeit dagegen als “Kampf für die Gerechtigkeit” gilt…

    Und gerecht sind unsere Politiker

    oder nur selbstgerecht?

  7. Für Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen… | King of Blog
    Februar 1st, 2011 @ 05:27

    [...] zum vollständigen Beitrag auf “blog.jan-filter.de” … other posts by Fabian [...]

  8. Toni
    Februar 1st, 2011 @ 10:56

    die frauenquote ist halt momentan ein modethema, da wunderts nicht, dass auch konservative auf diesen zug aufspringen. ist vielleicht ein versuch, junge gut ausgebildete frauen zum cdu-wählen zu kriegen…
    die diskussion über quoten kommt doch in schöner regelmäßigkeit wieder auf, dann werden immer die gleichen argumente ausgetauscht und es ändert sich nix. deswgeen mach ich mir da auch keine großen sorgen. ich denke, wichtiger als eine quote (und auch wirksamer) wäre es, konsequenter als bisher frauen mit der vereinbarkeit von familie und beruf zu fördern – denn das ist schon noch das haupthindernis für frauen, karriere zu machen. wenn eine frau weiß, dass sie sich nicht endgültig entscheiden muss, ob sie kinder will oder eine karriere, dann wird sie sich sicherlich auch eher für die karriere entscheiden.
    und weil immer skandinavien als beispiel gebracht wird: klar, norwegen hat eine quote, aber finnland z.b. nicht und dort hat man auch einen frauenanteil von 40% (ca.) in den führungspositionen, einfach weil die betreuungsmöglichkeiten für kinder besser sind und es eher so ist, dass sich beide eltern um das kind kümmert, also der vater öfter genauso lange in elternzeit bleibt wie die mutter. daher wird gar nicht davon ausgegangen, dass die frau wenn sie schwanger wird länger ausfällt als ein mann – einfach weil der mann auch eine zeit weg vom job sein wird, wenn er vater wird.
    so ein “mentalitätswechsel” würde m.e. besser und umfassender wirken und auch besser sein für das selbstbewusstsein der frauen, die karriere machen.

  9. Michael Klein
    Februar 2nd, 2011 @ 11:55

    @vonhaeften
    Ich kann mich Deinem Kommentar nur voll anschliessen und ergänzend eine Frauenquote für die Müllabfuhr, den ärztlichen Notdienst, die Werksschutz, Nachwächter, Klempner, Maurer und Schlachthofarbeiter fordern…

    Ausserdem wäre, wie dieser Beitrag sehr schön deutlich macht, eine Weiterbildung in logischem Denken (meinetwegen paritätisch besetzt) für PolitikerINNEN sicher von erheblichem Nutzen, aber wie die Diskussion um die Quote in der Unternehmensführung zeigt, gehört (geistige) Qualifikation (man mag Intelligenz gar nicht schreiben) ja nicht zu den Problemen dieser …Innnen.

  10. Daniel
    Februar 2nd, 2011 @ 14:36

    Ich wusste, dass ich keine “Liberale Regierung” wähle sondern lediglich eine liberale Partei, die verhindern soll, dass die rückwärtsgewandten Knochen der CDU nicht wieder mit den Sozen koalieren.

    Hat auch relativ gut geklappt, finde ich. Auch wenn Jammern gerade en vogue ist, so liberal war die BRD schon lange nicht mehr.

  11. Daniel
    Februar 2nd, 2011 @ 14:37

    @ Friedrich: Die FDP macht ja gar nicht mit.

  12. Friedrich
    Februar 2nd, 2011 @ 17:48

    @Daniel, stimmt: NOCH nicht.

    Deutschland liberal, das kann ich nicht erkennen. Seit wann ist es den liberal Betrüger zu schützen und Gesetze zu brechen?

  13. A.K.
    Februar 4th, 2011 @ 21:16

    In was für einem Land leben wir denn. Wo bleibt die soziale Kälte?
    Dafür wäre die BRD schon längst reif.

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