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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Leben retten kann so einfach sein

Posted on | März 26, 2011 | 25 Comments

Hast Du, lieber Leser, gerade einen Organspendeausweis in der Tasche? Wenn nicht, solltest Du Dich und Dein Gewissen mal fragen, warum eigentlich nicht. Denn jeder, der ohne Organspenderausweis durch die Gegend läuft, trägt dazu bei, dass Menschen sterben. Das ist eine Tatsache und allein in Deutschland sind das pro Tag drei.

Drei Menschen müssen also täglich sterben, weil zu viele Bürger zu bequem sind, sich wenigstens ein paar Minuten mit der Frage zu beschäftigen, ob man sämtliche möglicherweise noch voll funktionsfähigen Organe tatsächlich noch benötigt, wenn man tot ist.

Ex-Stoiberianer Markus Söder hat auf der Suche nach eigenem Profil ebenfalls dieses Problem erkannt. Das ist erstmal positiv, denn für gewöhnlich suchen sich gerade bayerische Regierungsmitglieder gerne sehr viel destruktivere Vorhaben aus wie Computerspielverbote oder fahren bescheuerte Kruzifixe-in-Schulen-Kampagnen, deren Wert für die Gesellschaft gleich Null ist.

Söder beweist allerdings zielsicher, dass er halt Bayer ist – und greift dabei zu einer recht paternalistischen Lösung, nach der tatsächlich jeder, der nicht ausdrücklich widerspricht, im Fall seines Ablebens zum Organspender wird:

Die CSU will die Organspendebereitschaft in Deutschland erhöhen und dazu die Gesetze verschärfen. Gesundheitsminister Markus Söder plant eine Bundesratsinitiative mit dem Ziel, dass künftig jeder Bürger als Organspender gilt, solange er nicht zu Lebzeiten selbst oder Angehörige einer Organentnahme widersprochen haben. Dies geht aus einem Positionspapier aus seinem Ministerium hervor. Der CSU-Politiker sagte der Süddeutschen Zeitung, mit dem von ihm favorisierten Modell werde in Deutschland “die Organspende zum Normalfall”.

Sofern sich nicht plötzlich massenweise Leute sich mit dem Thema Organspende beschäftigen und zu dem Ergebnis kommen, dass sie unbedingt gemeinsam mit allen ihren Organen begraben oder verbrannt werden müssen, kann kein Zweifel daran bestehen, dass Söders Idee die wahrscheinlich effizienteste zur Lösung des Organmangels sein dürfte. Die Frage, ob man das so machen darf, ist daher eine rein moralische.

Im Zentrum steht wohl die Frage, wem die Organe eines Menschen letztlich gehören, wer über sie verfügen darf. Im Erbrecht ist es meines Wissens so, dass ohne vorher bestimmte Erben der Staat zum Erben wird – aber kann man das vergleichen? Und sollte man es überhaupt vergleichen?

Das Problem ist zudem mehrschichtiger, als man vielleicht erstmal denkt:

Für die Entnahme mehrerer Organe eines Spenders („Multiorganentnahme“) erhält ein deutsches Krankenhaus 3300 Euro – ein Almosen, so Kritiker. „Die Krankenhäuser in Deutschland machen ein Minusgeschäft bei einer Organentnahme“, sagt Professor Meiser. Zum Vergleich: In Spanien werden dafür 6000 Euro bezahlt – plus 1500 Euro für jede Stunde im Operationssaal. Selbst ein Land wie Kroatien, in dem die Preise und Löhne viel niedriger liegen als in Deutschland, zahlt 6000 Euro an die Krankenhäuser.

Man kann sich vorstellen, dass Kliniken unter ihrer Kundschaft eventuell etwas aktiver für die Bereitschaft zur Organspende werben würden, wenn sie davon nicht einfach nur Kosten hätten, sondern ihr wichtiger Job sich auch finanziell auszahlen würde. Aber das im Gesundheitswesen lieber Mangel verwaltet wird, statt sich einzugestehen, dass Gesundheit sehr wohl eine Ware ist, die noch dazu einen sehr hohen Wert hat, ist ja noch wieder eine ganz andere Baustelle.

Doch zurück zu Söders Idee. Die ist – wie man da unten so schön sagt – all ihrer Effizienz zum Trotz, Schmarrn. Zumindest solange, bis nicht alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft worden sind. Denn der Kern des Problems ist doch wohl das, was ich eingangs erwähnte: Es beschäftigen sich schlicht zu wenig Menschen mit der Frage, ob sie Organspender sein wollen. Das hat man bisher gerne versucht, mit breit angelegten Kampagnen zu lösen – aber eigentlich wäre für so etwas jedermanns Zivilcourage gefragt: Warum nicht mal mit den Arbeitskollegen über dieses Thema reden, wieso nicht den einen oder anderen in der eigenen Familie mit der Nase drauf stoßen, dass man hierzulande schnell zum Todeskandidaten wird, wen man ein Spenderorgan braucht, warum denn nicht einen Schwung Organspendeausweise bestellen (kriegt man völlig umsonst, ich habe meinen vor Jahren selbst daher) und im Bekanntenkreis, im Sportverein vielleicht auch dem politischen Verband verteilen oder auslegen?

In einem Land, in dem eine völlig abstrakte Gefahrenwahrnehmung über 200.000 aufgeregte Menschen an einem einzigen Tag auf die Straße treibt, sollte es doch wohl mit dem Teufel zugehen, wenn sich ein solches Problem, für dessen Lösung lediglich ein paar Minuten des in-sich-gehens nötig wären, nicht auch auf freiwillige, statt auf die Söder-Weise lösen ließe.

Darum: Courage zeigen, Ausweise bestellen, ausfüllen und verteilen, aktiv Menschenleben retten.

Comments

25 Responses to “Leben retten kann so einfach sein”

  1. Muriel
    März 26th, 2011 @ 23:17

    Sapperlot, haben wir doch mal ein Thema gefunden, wo wir uns uneins sind. Mir ist Söders Lösung noch nicht paternalistisch genug.
    Oder anders gesagt: Ich halte deinen Vorschlag nicht für besonders vielversprechend, denn es bleibt doch das Problem, dass es lästig ist, so einen Ausweis auszufüllen und herumzutragen (Nur ein bisschen, aber das reicht ja.), und dass man gar nichts davon hat.
    Handelbarkeit von Organen wäre vielleicht noch die sinnvollste marktwirtschaftliche Lösung, aber aus meiner Sicht derzeit sehr, sehr unrealistisch.

  2. Jan
    März 27th, 2011 @ 04:57

    Ich konnte leider keine Zahlen finden, die aussagen, wieviel Prozent der Bürger so einen Ausweis haben müssten, um den Bedarf an Spenderorganen einigermaßen zu decken. Ohne diese Erkenntnis ist es ziemlich schwer, allgemeine Aussagen darüber zu treffen, ob freiwillige Lösungen grundsätzlich die Chance haben, für genügend Spenderorgane zu sorgen.

    Ich denke auch, dass eine Legalisierung des Organhandels (von mir aus in engen Grenzen – aber immerhin so, dass zum Beispiel Kliniken ihre Transplantationskosten wieder reinholen können) das Hilfreichste wäre. So etwas in Ansätzen zu realisieren, wäre doch vielleicht sogar möglich. Sofern unsere Politiker die Eier hätten, so etwas zumindest mal zu versuchen…

  3. Muriel
    März 27th, 2011 @ 12:41

    Einen Versuch wäre es vielleicht wert, auch wenn ich zweifle, dass das BVerfG mitmachen würde. In der bisherigen Rechtsprechung klingt m.E. durch, dass Organhandel nicht verfassungsgemäß zu regeln wäre. Aber vielleicht käme es auf die Gestaltung an.
    Ich verstehe aber aufrichtig auch nicht, wieso es so problematisch ist, Organspenden als Pflicht zu regeln.
    Wenn jemand in einem brennenden Auto eingesperrt ist, fragt niemand den Eigentümer des Autos oder des Hammers, ob sie damit einverstanden sind, wenn ich die Scheibe einschlage. Und die hätten im Gegensatz zu einem Toten sogar noch ein legitimes Interesse an ihrem Eigentum. (Ja, der Vergleich hinkt. Aber nicht da, wo es drauf ankommt, finde ich.)

  4. Jan
    März 27th, 2011 @ 19:15

    Ich finde das Menschenbild dahinter einfach beängstigend. Als wären die Körper der Bürger Eigentum des Staates.

    Eventuell wäre ja auch dieses sich aneignen von Leichenteilen etwas, das gegen die Menschenwürde verstößt? Würde ich jetzt mal nicht ausschließen.

  5. Muriel
    März 27th, 2011 @ 19:19

    Wessen Eigentum sind die Körper denn nach dem Tod der Bürger? Niemandes mehr. Sie werden entsorgt, um zu verrotten.
    Vielleicht denke ich da naiv, aber ich kenne keine befriedigende Antwort auf die Frage, welches Interesse eines Toten am Verrotten seiner Organe auch nur entfernt abwägungsfähig wäre mit dem Interesse eines Sterbenden am Weiterleben.
    Ich teile deine Vermutung, dass das BVerfG meinen Weg nicht mitgehen würde (von der Bevölkerung ganz zu schweigen), aber im Prinzip halte ich ihn für den angemessenen.

  6. Jan
    März 27th, 2011 @ 19:30

    Naja, wenn einem Toten so egal zu sein hätte, was mit seinem Körper angestellt wird, gäbe es sicherlich keinen Straftatbestand der Leichenschändung, oder? Ganz so einfach ist es also nicht.

    Ich bin aber in jedem Fall dafür, erstmal alle denkbaren normalen Wege auszuprobieren, bevor man über extreme Maßnahmen auch nur ernsthaft nachdenkt.

  7. Muriel
    März 27th, 2011 @ 19:35

    Ich halte den Straftatbestand der Störung der Totenruhe (der natürlich nicht die Toten schützt, sondern sozusagen die öffentliche Ordnung und Sittsamkeit, Pietätsgefühle etc.) für Unfug, obwohl er ja durchaus auch mild geahndet wird.
    Aber dass meine Lösung nicht praktikabel ist, habe ich ja schon am Anfang eingestanden. Ich sprach hier nicht über die aktuelle Rechtslage, sondern über das, was ich persönlich für richtig hielte.
    Insofern ist Söders Lösung – so ungerne ich ihm Recht gebe – aus meiner Sicht der sinnvollste Vorschlag, der derzeit eine Chance auf Umsetzung hat.

  8. Jan
    März 27th, 2011 @ 19:59

    Ja, das Söders Vorschlag bezogen auf das Problem selbst absolut sinnvoll ist, hatte ich ja schon im Artikel eingeräumt. Die Vorstellung gruselt mich trotzdem.

  9. Muriel
    März 27th, 2011 @ 20:02

    Und ich glaube, das ist Teil des Problems. Dass wir uns von irrationalen Gruselgefühlen davon abhalten lassen, dieses beschämende Problem der Organknappheit zu lösen. Wie du schon schriebst: Man könnte da Leben retten, und es müsste sich dafür nicht mal jemand in irgendwas einschränken.
    Ist jetzt kein Vorwurf an dich. Bei dem Thema werden ich manchmal auch ein bisschen zu emotional.

  10. politbuerokrat
    März 28th, 2011 @ 00:18

    Wessen Eigentum sind die Körper denn nach dem Tod der Bürger?

    Das Eigentum der Angehörigen. Das ist in ziemlich allen Kulturen so. Deswegen ist es ja so barbarisch, daß bestimmte Diktaturen die Leute nicht nur ermodet haben, sondern den Angehörigen danach noch die Leichname vorenthalten.

  11. Michael Klein
    März 28th, 2011 @ 14:03

    Wie seltsam, so etwas in einem liberalen Blog zu lesen…. Ist es nicht die freie Entscheidung eines jeden, ob er sich zum Spenden von Organen bereitfindet oder nicht? Und wenn es viele Deutsche gibt, die nicht einmal an Organspende denken, dann sagt das auch etwas. Gehören Liberale jetzt auch schon zu denen, die im Namen des von Ihnen für gut befundenen, anderen das richtige Bewusstsein vermitteln wollen? Erschreckend!
    Gerade habe ich über den abuse von “ordinary men” geblogt, man kann grade so weiter machen… o’ tempora, o’ mores
    http://against-newspeak.net/20.....inary-men/

  12. Muriel
    März 28th, 2011 @ 17:14

    @politbürokrat: Eigentum der Angehörigen? Wenn es denn so wäre!
    Wenn die Angehörigen wirklich Verfügungsgewalt über den Körper hätten und ihn zum Beispiel verkaufen könnten, wäre ich ja schon beinahe zufrieden.
    Aber in welchem Sinne haben sie denn z.B. in unserer Kultur Eigentum daran? Weil sie zwischen verschiedenen Alternativen wählen dürfen, wie er vernichtet wird?

  13. Michael Klein
    März 28th, 2011 @ 18:25

    @Muriel
    “Ich verstehe aber aufrichtig auch nicht, wieso es so problematisch ist, Organspenden als Pflicht zu regeln.”

    Schon mal was von Selbstbestimmung gehört oder von individueller Freiheit…?

  14. Muriel
    März 28th, 2011 @ 18:29

    @Michael Klein: Gilt für Menschen, nicht für Gegenstände. Ich sehe ein, dass es aus kulturellen und emotionalen Gründen schwierig ist, eine Leiche als einen Gegenstand zu sehen, aber sie ist trotzdem einer. Leichen sind zur Selbstbestimmung nicht mehr fähig, sie sind auch keine Individuen mehr, und spätestens nach der Beerdigung bzw. Einäscherung ist es mit der Freiheit auch endgültig vorbei.
    Wir haben kein Problem damit, dass unser Staat uns vorschreibt, wie wir mit Leichen zu verfahren haben und dass er uns bestraft, wenn wir sie nicht so bestatten, wie er es für richtig hält, aber wenn er ein paar Organe entnimmt, um Menschenleben zu retten, dann schreien wir plötzlich auf?
    Kommt mir inkonsistent vor.

  15. Michael Klein
    März 28th, 2011 @ 18:53

    @Muriel
    Wer sagt, dass “wir” damit kein Problem haben?
    Im übrigen soll es religiöse Menschen geben, die massive Probleme damit haben, nach dem Tod ausgenommen zu werden, und bei aller Gutheit, die man sich als Organspender anheften kann, soll man doch nicht vergessen, dass damit auch dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet wird, wie z.B. der schwunghafte kroatische Organhandel mit Nieren und sonstigen Innereien, die Kriegsgefangenen entnommen wurden, zeigt. Und um es einmal deutlich zu sagen, ich gehöre nicht zu denen, die denken, die Rettung menschlichen Lebens sei um jeden Preis notwendig, wenn ich die Wahl zwischen Freiheit und Weiterleben habe, dann wähle ich die Freiheit und das ist mit einer Pflicht zur Organspende nicht zu vereinbaren.
    Der Schluss, dass dann, wenn einem “der Staat” so viel vorschreibt, man ihm ruhig zugestehen kann, noch mehr vorzuschreiben, ist mir übrigens überhaupt nicht nachvollziehbar. Ich hätte das Gegenteil, gegen die Hegemonie des Staates anzugehen, für normal gehalten…

  16. Muriel
    März 28th, 2011 @ 18:59

    @Michael Klein: Du hast Recht, ich wusste nicht, ob du ein Problem damit hast. Ich hätte das nicht so formulieren sollen.
    Ich verstehe schon dein Argument, und ich bin auch ein großer Freund der Freiheit, aber wie gesagt: Gegenstände haben keine und brauchen sie auch nicht.

  17. Michael Klein
    März 28th, 2011 @ 19:03

    @Muriel
    ich bin nicht religiös, mein Problem liegt darin, dass ich Staaten keinerlei Recht in welcher Form auch immer auf meinen Körper oder Teile meines Körpers einräume, auch nicht in Form von Organspende. Und wie willst Du mit so seltsamen Menschen wie mir umgehen, die ihre Organe einfach nicht zur Rettung anderer hergeben wollen… nicht einmal dann, wenn sie tot sind?

  18. Muriel
    März 28th, 2011 @ 19:10

    @Michael Klein: So, wie man mit jedem anderen Menschen umgeht, der sich nicht an Gesetze hält, eigentlich. Aber da du dann ja tot bist, stellt sich die Frage ja nicht mehr.
    (Ja, klar, du kannst dann in ein anderes Land gehen zum Sterben. Es sei dir gegönnt.)
    Mich würde interessieren, wie du zu meinem Beispiel oben stehst: Wenn jemand in einem brennenden Auto gefangen ist, würdest du den Rettungskräften dann auch verbieten, deinen Hammer zu benutzen, weil du ihnen kein Recht einräumst, dein Eigentum zu verwenden?
    Oder falls du damit kein problem hättest: Wie würdest du mit einem seltsamen Menschen umgehen, der seinen Hammer einfach nicht zur Rettung anderer hergeben will?

  19. Michael Klein
    März 28th, 2011 @ 19:21

    @Muriel
    Das Problem mit Deinem Beispiel besteht darin, dass es nicht analog ist. Es besteht ein Unterschied zwischen einem Hammer und einer Niere und eigentlich dachte ich, dass Du diesen Unterschied nunmehr eingesehen hast. Der Unterschied besteht schlicht darin, dass es relativ wenige Gründe dafür gibt, an einen Hammer affektiv gebunden zu sein, dafür um so mehr, um einen gewissen (religiösen) Wert auf seine Niere zu legen. Das erste Argument geht also dahin, Menschen, die keine Organe spenden wollen, Toleranz und Akzeptanz entgegen zu bringen. Das zweite Argument bezieht sich auf den Gutmenschen-Faschismus, der darin zum Ausdruck kommt, dass man staatliche dafür sorgen will, dass alle bei der Organspende im Gleichschritt marschieren. Im Unterschied zum 3. Reich nun nicht mehr zu den Klängen des Horst Wessel Liedes, sondern eher zu Harfenmusik aus dem Paradies in dem die Andersdenkenden nunmehr nicht mehr mit physischer Gewalt zum richtigen Weg bekehrt werden, sondern mit juristischer Gewalt.

  20. F.Alfonzo
    März 29th, 2011 @ 00:39

    @ Jan:

    Ich gehe mit dem Soeder d’accord *wuerg*… weil … *wuerg*… sorry, musste erst mal schlucken…

    Naja ich gehe von mir selbst aus und denke, dass die meisten Menschen die Organspendegeschichte aehnlich handhaben wie ich:
    Gar nicht.
    Es gibt im Leben in jeder Situation mindestens 500 Dinge, die jederzeit hoehere Prioritaet in der Verwendung der Knappen Zeit finden.
    Das hat nicht nur Einfluss auf die Anzahl der Organspender, sondern auf viele Dinge. Wie oft bist du an einem Bettler vorbeigelaufen, der ein bisschen Geld wollte? Und nicht deswegen, weil du zu geizig bist, sondern deswegen, weil du keine Zeit verschwenden willst, eine Muenze auszupacken oder gar mit dem Mann zu reden.
    Was soll man sagen, Leute sind halt Arschloecher, und ich bin einer von ihnen.

    side note: so kann man’s auch machen:
    http://www.facebook.com/video/.....p;comments

    Fakt ist doch (ich schaetze hier nur, habe keine Daten), dass vermutlich 95% oder mehr der 0 – 50-jaehrigen sich nicht dafuer interessieren, was mit ihrem Koerper passiert, wenn sie tot sind.

    Das Argument der “Selbstbestimmung ueber den toten Koerper” (oder wie auch immer) kann man durchaus diskutieren. Der Soeder-Vorschlag sieht ja m.W. vor, dass jeder Mensch, der das nicht will, widersprechen kann.

    => Manchmal macht sowas durchaus Sinn, auch wenn es nicht liberalen Prinzipien genuegt.

    P.S.:
    Wie erklaerst du einem Sterbenden, dass indifferenten Leuten Recht auf den eigenen, toten Koerper wichtiger ist als sein Leben?

  21. Michael Klein
    März 29th, 2011 @ 11:33

    F. Alonzo,
    Woraus leitest Du die Notwendigkeit ab, dass “indifferente Leute” sich für einen Sterbenden interessieren müssten? Und wenn Du dazu eine moralische Verpflichtung siehst, was tust Du gegen Schlachthäuser, oder findest Du es einfacher, Rindern zu erklären, dass sie jetzt halt geschlachtet werden, damit wer auch immer das Fleisch vergammeln lassen kann?

  22. politbuerokrat
    März 29th, 2011 @ 14:37

    Wenn die Angehörigen wirklich Verfügungsgewalt über den Körper hätten und ihn zum Beispiel verkaufen könnten, wäre ich ja schon beinahe zufrieden.

    Das wird ihnen vom Staat (zur Interessenwahrung bestimmter Wirtschaftszweige) verboten, nicht vom Naturrecht. Deswegen spricht Dein Argument nicht gegen das Vorliegen eines Eigentumsverhältnisses. Du wirst mir zustimmen: Man hat auch Eigentum an seinem Grundstück, obwohl die Verfügungsgewalt staatlicherseits eingeschränkt ist (Baurecht, …).

  23. Muriel
    März 29th, 2011 @ 14:48

    @politbuerokrat: Worüber reden wir denn? Reden wir nun über die Rechtslage, wie sie hier bei uns ist oder über das luftig darüber wabernde Naturrecht? Oder über das, was wir persönlich für richtig halten? Ich bin mir gerade nicht so sicher.
    Dass man an Grundstücken Eigentum hat, würde ich bejahen, auch wenn die Eigentumsrechte eingeschränkt sind.
    Wenn ich mein Grundstück aber weder verkaufen noch nutzen dürfte, sondern nur (mit)entscheiden, wie es zerstört wird, würde ich sicherlich nicht mehr von Eigentum sprechen. Und du?

  24. Miss_Understood
    April 15th, 2011 @ 11:16

    Nein, ich habe keinen Organspenderausweis in der Tasche und werde es auch nie haben. Weil ich kein Ersatzteillager bin und nichts dafür kann, wenn Menschen krank werden. Körper und Organe als austauschbare Waren zu sehen, ist nicht mein Ding. Was ist dieses Die-Würde-des-Menschen-ist-unantastbar-Geschwurbel noch wert, wenn man die Würde des einen gegen die Würde eines anderen aufwertet? Und der unbrauchbare Rest einer Leiche lieblos wegwirft? Vom Leben ganz zu schweigen. Der Spender ist trotzdem tot, ihm kann niemand helfen. Selbst wenn 8 Menschen dadurch gerettet werden, gibt es immer noch den Spender, der quasi dafür sein Leben ließ. Für mich ist Organspende (genau wie Fortpflanzungsmedizin und “Designerbabys”) ein kranker Auswuchs des Machbarkeitswahns der größenwahnsinnigen Maximalmedizin. Organspende rettet keine Leben, denn der Tod ist die Voraussetzung für Organspende. Und zum sogenannten Hirntod: Berichten zufolge haben Hirntote tatsächlich noch Schmerzempfinden und erleben die Organentnahme live mit. Ein verzweifelter Todeskampf! Ein “Hirntoter” ist also ein Sterbender. Keine Ahnung, ob das wirklich stimmt, aber ich wills nicht herausfinden. Die Idee, dass jeder der nicht widerspricht, Spender ist, geht gar nicht. Wer spenden will, soll das von mir aus tun, aber er sollte es ausdrücklich mitteilen (eben durch Ausweis). Mir liefen Tränen übers Gesicht, als ich dieses schrieb. Ich hab das Video von dem 12-jährigen Robin gesehen, der nach einem epileptischen Anfall die Treppe hinunterstürzte und starb. Die Eltern gaben seine Organe zum “Recyclen” frei. Und ernteten dafür Applaus. Ich komm nicht darüber hinweg.

  25. Jan
    April 15th, 2011 @ 11:36

    Das muss natürlich jeder für sich entscheiden. Mir zum Beispiel gefällt der Gedanke, dass ich posthum noch das eine oder andere Leben retten könnte, eigentlich ganz gut. In meinen Augen wertet das meine Menschenwürde eher auf als ab aber das soll, wie gesagt, jeder selber wissen.

    Auf nicht belegte Verschwörungstheorien gebe ich generell eher wenig. Objektiv betrachtet sterben eben tausende Menschen, weil sie keine Spenderorgane erhalten. Organe von Menschen, die ohnehin tot sind, wohlgemerkt – von daher ist die These, Organspenden könnten keine Leben retten, offenkundig Unsinn.

    Wer NICHT will, dass seine Organe nach dem Tod Leben retten, sollte erst Recht einen Ausweis dabei haben. Denn was, wenn die Angehörigen, die nach dem Tod gefragt werden wie das denn nun ist mit der Organspendebereitschaft, nicht wissen, dass mans partout nicht möchte und aus versehen einwilligen? Ein Ausweis, der ja nicht nur Zustimmung, sondern auch Ablehnung ausweisen soll, macht das Ganze in jeder Richtung sicherer.

    Übrigens würde ich dann ohne Ausweis auch nie zum Beispiel nach Österreich fahren, wenn ich so ein großes Problem damit hätte. Ohne österreichischen Ausweis, versteht sich.

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