Gipfel gegen Markt
“E10″, dieser tolle neue gewissensschonende Treibstoff fürs Auto, hat sich als Ladenhüter erwiesen: Das Zeug hat auf dem freien Markt deutlich versagt.
Die Gründe dafür scheinen reichhaltig zu sein. Die Regierung, deren Idee das Ganze offenbar war, hat den neuen Sprit ebensowenig angemessen beworben wie Autohersteller oder Mineralölfirmen. Zumindest vom Urheber und einzigem echten Nutznießer, nämlich dem Staat, hätte man etwas mehr Kampagne eigentlich erwarten können.
Nun schiebt man sich halt gegenseitig die Schuld dafür zu, dass kein Mensch das Zeug kaufen will. Wozu auch? Einen Mehrwert für den Kunden gegenüber dem normalen Superbenzin konnte bisher noch niemand feststellen, “E10″ scheint tatsächlich vollkommen nutzlos zu sein. Wer kauft schon ein Produkt, dass ihm nichts bringt, ausser einem gewissen Restrisiko, dass er mit dem preislich identischen herkömmlichenKonkurrenzprodukt nicht hat? Produkte scheitern eben auch mal, das ist völlig normal und das ein dermaßen unsinniges und nutzloses Produkt scheitern muss, kann eigentlich niemanden ernsthaft wundern.
Folgerichtig wird am Dienstag beim “Benzingipfel” sicherlich das Thema endgültig beendet werden, indem man genau dies feststellt, dass nämlich das von Politikern ersonnene Produkt erwartungsgemäß ein Flop wurde und vom Markt verschwinden muss. Wäre es ein von auf Kundschaft angewiesenen Unternehmern erdachtes Produkt gewesen, bräuchte man nicht einmal so einen Gipfel dafür. Aber was solls, das Thema ist so oder so durch*.
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* Jedenfalls gilt das, wenn man einen freien Markt voraussetzt. Leider spricht viel dafür, dass wir den auch in diesem Fall und auch trotz parteiliberaler Regierungsbeteiligung einmal mehr nicht erleben werden. Warum eigentlich nicht?
Wie gefährlich ist Vorratsdatenspeicherung?
Wir haben also einen neuen Innenminister. Der ist CSU-Mitglied, ansonsten ist mir der Mann bislang ehrlichgesagt kaum aufgefallen, so dass ich ihn nicht weiter einschätzen kann und hier jetzt auch nichts unterstellen möchte, dass allerdings die Fans der Vorratsdatenspeicherung innerhalb seiner Partei recht stark vertreten sind, wissen wir wohl alle.
Welche Möglichkeiten gespeicherte Kommunikationsdaten heute, wo keiner mehr ohne aktives Handy aus dem Haus geht und unter Umständen auch noch ein wenig öffentlich über soziale Netzwerke kommuniziert, sich für Nutzer all dieser Daten ergeben, zeigt beeindruckend aufbereitet Zeit Online am Beispiel eines Bundstagsabgeordneten, der seine Daten eingeklagt und der Zeitung zur Verfügung gestellt hatte.
Einem Liberalen reicht fürs Unbehagen schon die Tatsache, dass der Staat über derart intime Details des Lebens praktisch all seiner Bürger verfügen kann, wenn er will. Aber natürlich wissen wir alle, dass so große Datensammlungen leider auch immer wieder “abhanden” kommen und auf rätselhafte Weise plötzlich in die Hände meistbietender Krimineller kommen können.
Man muss also das automatisch bestehende Risiko, dass die bloße Existenz solcher Datenmengen auslöst, plus das Misstrauen gegenüber einem Staat, der meint über seine Bürger so pedantisch genau im Bilde sein zu müssen, bei der Beantwortung der Frage, ob ein solches Instrument tatsächlich mehr nützt als schadet, berücksichtigen.