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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Die CSU versteht immer nur Bahnhof

Posted on | April 29, 2011 | 3 Comments

Der Innenminister eines der lustigsten Bundesländer überhaupt fordert ein bundesweites Alkoholverbot im Nahverkehr. An sich ist es schon bescheuert genug, dass ein Landesminister sich berufen fühlt, die Sicherheit von ganz Deutschland zu organisieren. Zumal, wenn er ein solches Verbot noch nichtmal in seinem eigenen Land eingeführt hat – Wettbewerbsnachteile für das eigene Land sind ja hier wohl kaum zu befürchten, immerhin gehts um Nahverkehr und da hat man in der Regel ja nicht die Möglichkeit, sich einfach so das Land auszusuchen, in dem man mit der Bahn zur Arbeit fährt. Ich schätze, dass sich Joachim Hermann in seinen feuchten Innenministerträumen wünscht, dass die Münchner Polizeibehörde jene eine bundesweite Elitetruppe stellen darf, die dieses Verbot dann durchsetzen darf. Irgendwas in der Art.

Denn so ein Verbot ist ja schließlich eine schwerwiegende Entscheidung für alle Beteiligten. Nicht nur, weil man dem Fahrgast die Erkenntnis abnötigt, ihn ein kleines bisschen zu bevormunden und ihm zu unterstellen, er wäre ein potenzieller gewalttätiger Säufer. Denn sowas kostet überdies auch enorm viel Geld (direkt das des Verkehrsbetreibers – aber der holt sich das natürlich vom Fahrgast und/oder vom Steuerzahler wieder). In meiner Heimatstadt Winsen, wo zumindest auf der Schiene längst ein solches Verbot gilt, kostet es an Wochenenden zum Beispiel soviel, wie (mindestens) zwei Sicherheitsleute pro Zug kosten. Es kommt natürlich auch wieder was rein – wer dann im Zug ein Bier trinkt, zahlt 40 Euro Strafe, bevor er die Bahn an der nächsten Station verlassen muss. Es geschehen selbstverständlich auch mal Kollateralschäden, in denen der Sicherheitsdienst lediglich denkt, ein Fahrgast würde Alkohol trinken. Mancher Fahrgast soll bereits dazu genötigt worden sein, die Sache durch die Polizei am Bahnsteig klären zu lassen, was diesen neben einer Menge Nerven auch mehrere Stunden Lebenszeit gekostet hat und die Eisenbahngesellschaft ihr bis vor dem Verbot relativ gutes Image. Aber: Die Entscheidung, Alkohol zu verbieten hat wenigstens der Nahverkehrsbetreiber freiwillig und bewusst getroffen und nicht die Politik. Einfach, weil er der Ansicht war, damit sein Angebot zu verbessern. Die Kosten, die das verursacht, trägt er allein und sie schwächen ihn im Wettbewerb, denn er muss sich alle paar Jahre von neuem gegen die Konkurrenz durchsetzen und da zählt eben vor allem der Preis, den Kommunen und Fahrgäste für das Angebot insgesamt zahlen werden müssen.

So ein Verbot hat also offensichtlich für alle Beteiligten nicht nur Vorteile – wer hätte das gedacht? Aber es geht hier schließlich um die Sicherheit. Von Verboten und von Sicherheit versteht die CSU was.

Weil besoffene Vollidioten manchmal gewalttätig werden können, ist es für den aktuellen Sicherheits-Oberexperten der Partei des christlichen Sozialismus sonnenklar, dass man dergleichen am Besten durch Alkoholverbote im Nahverkehr verhindern kann. Besoffene Vollidioten müssen sich dann zuhause oder jedenfalls vor Betreten der Bahnsteige einen ansaufen, was sie garantiert automatisch friedlicher macht. Und garantiert werden sich besoffene Vollidioten auch zukünftig grundsätzlich an Bahnhöfen aufhalten, wenn ihnen ihr Spatzenhirn sagt, dass sie jetzt einfach mal den nächstbesten Mitmenschen in die Bewusstlosigkeit prügeln müssten. Überhaupt ist es total nachvollziehbar, dass sich diese Hirnamputierten, die ohne ersichtlichen Grund bleibende Schäden bis hin zum Tod in Kauf nehmen, wenn sie wahllos auf Leute eindreschen – was wahrscheinlich bereits bundesweit nicht nur im Nahverkehr sondern grundsätzlich und überall, selbst in Bayern, verboten sein dürfte – selbstverständlich brav an irgendwelche Alkoholverbote halten werden.

Nein im Ernst: Warum meinen unsere Freunde von der CSU eigentlich, dass der Bahnhof das wesentliche Problem dieser Geschichte gewesen ist und nicht zum Beispiel der Schläger oder gar der Alkohol? Wenn man schon nicht vor extremen Mitteln wie einem bundesweiten Alkoholverbot (obwohl ja in den meisten Gegenden Deutschlands wenig bis gar nichts Schlimmes passiert) zurückschreckt, warum fordert man dann nicht gleich ein generelles bunedsweit Alkoholkonsumverbot?

Vermutlich, weil es im Unterschied zu einem Verbot im Nahverkehr sofort jeden treffen würde, auch den CSU-Wähler. Vermutlich, weil meint man das doofe Volk noch nicht genügend weichgekocht zu haben, um ein generelles Alkoholverbot durchsetzen zu können. Ginge es wirklich um die Sicherheit, müsste man es trotzdem fordern. Aber es geht – wieder mal – vor allem darum, “Zeichen zu setzen”, den Leuten zu zeigen: Guck an, die CSU. Die verstehen Bahnhof, die tun wenigstens irgendwas. Und weil die CSU es sich mit den Wählern, die sie noch hat, nicht verscherzen mag, versteht sie lieber (erstmal) nur Bahnhof.

Grundprinzipien wie das, das solche Fragen Marktteilnehmer selbst entscheiden könnten, dass nahezu 100% aller, die im Nahverkehr mal ein Feierabendbierchen schlürfen anschließend niemanden totschlagen und dass geschultes Personal wesentlich mehr gegen Gewaltexzesse tun könnte, als Verhaltensregeln für Reisende, interessieren in den sogenannten Volksparteien ja ohnehin niemanden, dort geht es für gewöhnlich immer nur um politische Symbole und die Vermittlung des Gefühls, dass man halt “gehandelt” habe. Wo soll das noch hinführen?

Comments

3 Responses to “Die CSU versteht immer nur Bahnhof”

  1. Daniel
    April 29th, 2011 @ 09:57

    Die JuLis Hamburg sollten ihre Forderung nach einem Alkoholverbot für CDU/CSU nochmal bekräftigen.

  2. Jan
    April 29th, 2011 @ 17:47

    Bei manchen von denen habe ich allerdings eher den Eindruck, die würden zu wenig trinken als zuviel.

  3. Alreech
    Mai 4th, 2011 @ 01:11

    NaJa, wenn man besoffen ist muß man nicht umbedingt die Bahn nehmen.
    Man kann ja immer noch mit dem Auto fahren ! ;-)

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