…unterdessen in Griechenland
Posted on | Mai 11, 2011 | 8 Comments
Man hat fast den Eindruck, die Finanzminister der “EURO-Zone” treffen sich inzwischen wöchentlich. Zumindest scheinen ständig Gipfel und Gipfelchen stattzufinden, auf denen – so nennt unsere Bundeskanzlerin das jedenfalls – “Europa gerettet” wird. Für einen Otto-Normalgeldausgeber wie mich schon eine etwas hanebüchene Vorstellung, dass alles, was von 60 Jahren europäischer Einigung heute noch an Wesentlichem übrig geblieben sein soll, ausgerechnet bunt bedrucktes Papier ist. Mit dem ja noch nichtmal in der ganzen EU bezahlt wird.
Während also halb Europa ziemlich kopflos Panik schiebt, baut der griechische Staat sich demnächst erstmal ne schöne Formel-1-Rennstrecke. Sowas ist wohl das Zukunftsweisendste und Erfolgversprechendste, was sich Finanzbeamten und Finanzbeamtinnen so vorstellen können. Während echte Investoren (das sind solche, die darauf aus sind, dass sich ihre Investitionen irgendwann mal rentieren oder sie zumindest zurückbekommen, was sie reingesteckt haben) so wenig an dem Projekt interessiert sind, dass sie die vermeintliche Rendite verschmähen.
Und was genau ist an diesem Europa, dass den deutschen Steuerzahler heranzieht, um den Griechischen Staat vor dem ultimativen Bankrott zu bewahren, der dieses Geld dann in irre aussichtsreiche Projekte steckt, bitteschön so rettenswert?
Staatsbankrotte sind schon immer der Preis gewesen, den man für die Nutzung des Konzeptes “Papiergeld” früher oder später zahlen muss. Deutschland musste das in den letzten 100 Jahren zwei Mal, am dritten Mal arbeiten wir gerade – und das geht auf der ganzen Welt genauso. Schon immer, dagegen scheint kein Kraut gewachsen zu sein – sofern man jedenfalls nicht doch auf eine marktfähige Währung setzt, statt einfach Papier bunt zu bedrucken und es “Geld” zu nennen.
Statt einen auf Dämonenbeschwörer zu machen (was Märkte nunmal nicht beeindruckt, dazu sind dort zuviele denkende Menschen am Werk, denen was an ihrem Geld liegt), sollten Merkel & Co lieber endlich realisieren, dass der EURO nicht besser und nicht schlechter ist, als jede andere Papiergeldwährung, die es je gegeben hat und als solches muss auch er irgendwann der Überschuldung seiner Mitgliedsstaaten zum Opfer fallen. Denn dass Politiker nicht in der Lage sind, das mit dem Überschulden sein zu lassen, dass dürfte wohl mittlerweile jeder Blödmann begriffen haben, inklusive sämtlicher Finanzminister – die das eigentlich sogar besser als jeder andere wissen dürften. Normalerweise wäre jetzt die Zeit, Konzepte zu entwickeln, wie es nach dem finalen EURO-Crash, wann immer er auch kommen mag, weitergehen kann, ohne dass dabei gleich wieder der halbe Kontinent von Randale, Hass und Kriegen überzogen wird. Normalerweise wäre es an der Zeit, eine echte europäische Zukunftsvision zu präsentieren, statt den status quo für heilig zu erklären und um – buchstäblich – jeden Preis retten zu wollen.
Aber die Tatsache, dass Währungsrettereien die Schlagzeilen beherrschen, während eigentlich ziemlich ungeheuerliche Dinge vorgehen, die im Gegensatz zur Euro-Krise wirklich die Kernidee der Europäischen Union, nämlich freier Handel und offene Grenzen, deutlich und absichtlich in Frage stellen, stimmt da leider nicht besonders euphorisch.
Comments
8 Responses to “…unterdessen in Griechenland”
Leave a Reply
Mai 12th, 2011 @ 06:52
Bitte werfe einen Blick in “This time is different”. Dort bekommmst Du reichlich antworten. Der Weg war aber immer der gleiche.
“Verwässerung des Geldwertes” (weniger Silber, weniger Gold etc)
“einführung von bunten Scheinen” mit strafandrohung diese Scheine als “Geld” zu betrachten.
Irgendwann fängt dann die Inflation an und dann folgt die Zeit die uns Politiker immer vergessen machen wollen. Wenig Staat, keine Schulden und sehenswerte Wohlstandsgewinnd und dann schlagen die Delebets und Bürokraten zu.
Wir sind derzeit wahrscheinlich irgendwo in der Nähe des Endes eines solchen Zyklus. Lass dieses Jahr mal die Ernte schlecht werden und die Preise fangen dann das traben an. Die Delebets werden sagen der Markt und das Wetter ist schuld….
Niemals nicht aber Ihre Eingriffe. Ach ja literarisch mal konsequent durchgezogen kann man es in Atlas shrugged nachlesen..
Für Normalos bleibt nur die Gewissheit, “auch diesemal ist es nicht anders”….
Mai 12th, 2011 @ 08:59
Wieso sollten jetzt auf einmal Politiker, die das Papiergeld zwingend für ihre Verschuldungsorgien benötigen, Visionen für die Post-Paper-Ära entwickeln?
Alleine die Vorstellung erscheint absurd…
Mai 12th, 2011 @ 15:18
Eher legt sich ein Hund einen Wurstvorrat an als eine demokratische Regierung eine Budgetre-serve (J. Schumpeter)
Mai 16th, 2011 @ 16:34
> Staatsbankrotte sind schon immer der Preis
> gewesen, den man für die Nutzung des
> Konzeptes “Papiergeld” früher oder später
> zahlen muss.
Das ist schlicht falsch.
Es gibt viele Staaten, die trotz Papiergeldnutzung noch nie einen Staatsbankrott hatten.
Und umgekehrt gab es zur Zeit der Goldwährung viele Staatsbankrotte.
Papiergeld hat diverse Vor- und Nachteile, je nach Konstruktion der Zentralbank kann staatliche Verschuldung erleichtert werden – aber letztlich ist das Ausmaß staatlicher Defizitpolitik ziemlich unabhängig von der Art des Zahlungsmittels.
Mai 16th, 2011 @ 16:50
@R.A.
Mir fiele da spontan nur Australien oder Neuseeland ein. Aber in NZ war mal in den 80er Jahren etwas. Damals stellten die wohl von “sozialdemokratisch” auf “liberaler um. Seitdem läuft es wohl ganz gut…
Mai 17th, 2011 @ 05:50
Und ich behaupte, es ist einfach immer eine Frage der Zeit. Natürlich kann man das System etwas intelligenter gestalten und so das Unweigerliche zum Teil deutlich verzögern. Aber irgendwann wird anscheinend immer der Punkt erreicht, an dem ehedem in Stein gemeißelt scheinende Regeln gebrochen werden, weil man keine anderen Auswege mehr sieht. Wie jetzt in Europa und wie lang es in Amerika noch so weitergeht, weiss ja auch niemand.
Mai 17th, 2011 @ 11:03
@Friedrich:
> Mir fiele da spontan nur Australien
> oder Neuseeland ein.
Wofür? Mir ist der Bezug nicht klar.
@Jan:
> Und ich behaupte, es ist einfach immer
> eine Frage der Zeit.
Behaupten kann man immer – aber die historischen Erfahrungen stützen diese Behauptung nicht.
Mai 18th, 2011 @ 06:43
@RA. Papiergeld und kein Bankrott.