Kleiner Kragenplatzer zur “Bildungskleinstaaterei”
Posted on | Juli 22, 2011 | 3 Comments
Ist es wirklich so entscheidend, ob Schulen von Landes- oder Bundesebene bevormundet werden?
Gäbs echten (also politikfreien!) Wettbewerb, würden sich die Probleme, die angebliche oder tatsächliche Mehrheiten der Betroffenen mit ihren jeweiligen Schulen haben, weitgehend (bei entsprechender Finanzierung wohl vollständig) von selbst auflösen. Wenn es dort dann nach Meinung der Schüler und Eltern an Standards fehlt, dann würden die eben Entstehen, wenn nicht mehr länger die Politik im Wege stünde. Denn 16-17 fast immer ideologisch geprägte Ansichten der jeweiligen Landesregierungen plus einen Bund, der eigentlich sowieso am liebsten alles bestimmen wollen würde (haben Zentralregierungen halt so an sich) sind selbstverständlich ein großer Hemmschuh, wenn man dummerweise gerade Kompromisse sucht.
Die liberale Antwort darauf kann doch aber nicht heißen, Kompetenzen den Ländern zu entziehen, um sie anschließend ausgerechnet dem Bund zuzuweisen, damit dann nur noch enie Ideologie zur Zeit an zentralen Fragen der Schulbildung herummanipuliert. Liberal wäre es, den Markt, also in diesem Fall Eltern, Schülern und Lehrern endlich die Freiheit zurückzugeben, die jeweils besten Lösungen auf die bestehenden Probleme zu finden und auch umzusetzen.
Stattdessen diskutieren deutsche Parlamente regelmäßig völlig irrelevante Fragen. Wie ob man Abitur nach 12 oder 13 Jahren bekommen darf oder muss und wer überhaupt auf ein Gymnasium gehen darf oder welche Fächer inwiefern Pflicht zu sein haben und wenn ja mit wievielen Stunden pro Woche der von ganz weit oben verordnete Lehrplan ins Schülerhirn gepresst werden soll. Selbst die Lehrer werden meistens nicht von den Schulen, sondern dem jeweiligen Land ausgesucht und eingestellt. Damit auch ja niemand aus der Reihe tanzt und staatliche Schulen das alberne bisschen Restwettbewerb, dass tatsächlich noch besteht auch ja immer gewinnen, werden Privatschulen oder auch nur -lehrer in der Regel natürlich nicht gleichwertig mit Steuermitteln gefördert, was Privatschulen häufig zu einem exklusiven Club für Best- und Besserverdiener macht. Und wer seine Kinder selber unterrichten will, beziehungsweise selbst Lehrer bezahlen will, die das tun, riskiert schnell mal Knast.
Keine Frage: Die sogenannten Bildungssysteme haben etliche Schwachstellen. Aber “zuviel Wettbewerb” (was jawohl grundsätzlich im nervend häufig bemühten Kampfbegriff “Kleinstaaterei” immer mitschwingt) gehört garantiert nicht dazu, sondern ist meines Erachtens wesentlicher Grund für die meisten Probleme.
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3 Responses to “Kleiner Kragenplatzer zur “Bildungskleinstaaterei””
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Juli 22nd, 2011 @ 08:18
Wenn in der Kleinstaaterei tatsächlich etwas Wettbewerb stecken würde, wäre ich auch ein Freund des Bildungsföderalismus. Zum Wettbewerb gehört aber, dass die Kunden eine Wahl zwischen den Wettbewerbern haben. Diese Wahl haben (unter Überwindung bürokratischer Hürden) lediglich wenige Familien in Grenznähe. Hier in Nürnberg ist man zwangsweise Konsument bayerischen Bildungspolitik, im Frankfurt der hessischen.
Den einzelnen Schulen mehr Freiheit zu geben im Sinne eines echten Wettbewerbs ist sicher sinnvoll.
Aber der Föderalismus ist dabei wahrscheinlich nicht hilfreich. Aber er schränkt die Mobilität von Familien und auch von Lehrern massiv ein und erzeugt einen Bedarf an Ministerialbürokratie in allen Bundesländern.
Juli 24th, 2011 @ 20:38
Ich behaupte doch auch gar nicht, dass das Schulsystem wie es ist toll ist und es so etwas wie einen funktionierenden Wettbewerb gibt. Im Gegenteil: Ich sehe die Schaffung von mehr Wettbewerb als wichtige Aufgabe der Bildungspolitik. Und auch mein Ansatzpunkt wäre eher der, dabei den Schulen mehr Freiheit zu geben, statt Wettbewerb nur zwischen den Ländern stattfinden zu lassen, was, wie du ja selbst sagst, halt nicht so fürchterlich hilfreich ist.
Juli 25th, 2011 @ 01:12
Interessant ist auch das zwar viele gegen die Bildungskleinstaatlerei sind, aber auch gegen ein Bundesweites Zentralabitur…
Welchen Sinn soll es machen, das im ganzen Bundesgebiet eine einheitliche Schulpolitik betrieben werden soll, dann aber nicht alle Schüler die gleiche Abschlußprüfung machen ?