Filterblog

Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Wetterberichte gehören einfach nicht in die Medien

Posted on | August 19, 2011 | 8 Comments

Wer die Nachdenkseiten nicht kennt, der hat im Grunde auch nichts verpasst – aber ich erklär trotzdem mal kurz, was das ist/sind.

Es handelt sich im Prinzip um ein Blog. So wie dieses hier eben auch – nur mit dem Unterschied, dass man dort den Sozialismus vergöttert, dementsprechend Geld und Geldverdienen tendenziell scheisse findet. Zumindest, wenn mans auf die “falsche Weise” verdient, zum Beispiel eben als “Spekulant an der Börse”. Dann ist man für die nachdenkseitigen Autoren praktisch der Belzebub in Person. Richtig Geld verdienen ist für diese Leute dagegen, diverse sozialistische Hetzbücher (findet man auch alle auf den Nachdenkseiten, kann man auch da gleich direkt kaufen, soviel Kapitalismus darf dann doch sein) zu schreiben, die im Großen und Ganzen die Abschaffung wirtschaftlicher Freiheit zum Thema haben. Richtig Geld verdienen ist offenbar auch, die Demokratie allen Ernsts für “gefährdet” zu erklären, wenn man nicht augenblicklich Spenden in Höhe von mehreren Hundert Euro überweist. Soviel Geld braucht man anscheinend, um ein Blog zu betreiben.

Jedenfalls sind die Nachdenker der Nachdenkseiten immer saugut darin, Probleme aufzuspüren, die uns Normalos sonst völlig entgehen würden. So wie dieses:

Wetterberichte haben nichts in den Medien zu suchen, schon gar nicht in der besten Sendezeit, weil sie eindeutig naturgetrieben sind und sagt nahezu nichts über das Wohlergehen unserer Volkswirtschaften aus!

…oder so ähnlich. Wir sollen nun jedenfalls dringend alle mal bei der ARD und sämtlichen anderen Medien anrufen, weil die immer nur WetterBörsenberichte bringt und nie niemals News aus dem “Pflegebereich”. Oder fast nie – heute habe ich im Deutschlandfunk gleich zwei Beiträge gehört, bei denen es genau um dieses nach Meinung der nachdenklichen Nachdenkseiten völlig vernachlässigte Sparte der “Realwirtschaft” ging aber das war bestimmt ein dummes Versehen oder die berühmte Ausnahme, die die Regel bestätigt. Und überhaupt, dass ich den Eindruck habe, dass kaum eine Woche vergeht, an dem mal nicht der Pflegebereich mit irgendwas in den Medien ist oder der – ebenfalls als quasi totgeschwiegen angeprangerte – Maschinenbau (von dem es, glaube ich – aber was weiss ich schon, auch den einen oder anderen börsennotierten Wert gibt?), das muss wohl daran liegen, dass ich ideologisch sowieso völlig im Arsch bin, zumindest nach sozialistischen Maßstäben.

Realwirtschaft ist bei alledem ja so ein tolles Wort, das Sozialisten immer für die einzige Art benutzen, auf die wir, wenns nach ihnen ginge, eigentlich Geld verdienen dürften. Also ausser natürlich, man ist von Beruf Bürokrat, Buchautor oder bettelnder Blogger oder sowas. Das gilt auch noch als redliche Arbeit.

Jedenfalls, wenn man die richtigen Sachen schreibt. So wie die geilen Nachdenkseitennachdenker, die mir zum Beispiel soeben erklärt haben, dass Kursschwanungen an der Börse, und seien sie auch noch so heftig, uns blödem Pöbel mal besser schön egal sein sollten und man sie uns deswegen hoffentlich sehr bald auch in den Medien nicht mehr nahebringen wird, weil die nämlich “nicht unbedingt etwas mit Rezessionsängsten zu tun” haben.

Ginge es nach Leuten wie diesem feinen Herrn Müller, der eben Börsennachrichten aus der öffentlichen Wahrnehmung am liebsten vollständig weghaben will, dürften wir Normalbürger von einer Rezession vermutlich erst durch ein Kündigungsschreiben unseres Arbeitgebers erfahren.

Müller hat laut seinem in seinem Blog veröffentlichten Lebenslauf seit 1968 anscheinend vor allem für den Staat gearbeitet, was in diesem Zusammenhang Einiges erklärt: Den jucken mit der einen oder anderen fetten steuerfinanzierten Pension ausgestattet tatsächlich weder Rezessionen noch Börsenkurse.

Comments

8 Responses to “Wetterberichte gehören einfach nicht in die Medien”

  1. Rayson
    August 19th, 2011 @ 20:21

    Ich bin sicher unverdächtig, Fan der Nichtdenkseiten zu sein, und die dort stehende Begründung enthält sicher vieles, was man kritisieren kann, aber: So ganz falsch liegen die da nicht.

    Wir wissen, dass nach den Erfahrungen von 9/11 und der Finanzkrise 08/09 der kleine Teil der Deutschen, der sich noch an der Börse engagierte, sich mittlerweile weitgehend von dieser Anlageform verabschiedet hat. Vielleicht hält er noch ein paar Fonds.

    Die Börsenberichte sind somit höchstens absolutes Minderheitenprogramm und im Grunde noch nicht einmal das, denn diejenigen, die weiter an den Börsen engagiert sind, werden sicher nicht bis zu den Abendnachrichten warten, um irgendwelche Entscheidungen zu treffen. Tun wir doch bitte nicht so, als gäbe es kein Internet.

    Und außer denen, die an der Börse engagiert sind, dürfte das, was da passiert, keine Sau interessieren. Ist nunmal so. Wozu also GEZ-finanzierte Börsenberichte?

  2. Jan
    August 19th, 2011 @ 20:34

    Öffentlich-rechtliche Medien bringen, was sie für Grundversorgung halten. Dafür gibt es keine objektiven Kriterien und die sind auch nicht erwünscht, weil man dort ja megaunabhängig sein will und so weiter. Deswegen hat alles und nichts etwas in GEZ-finanzierten Medien zu suchen und der einzige echte Ausweg wäre, sie zu privatisieren oder dichtzumachen.

    Der Punkt ist: Medien sollen berichten, was sie wollen. Üblicherweise orientiert sich das an den Zuschauern, Hörern, Lesern und nicht an irgendwelchen Bloggermeinungen. Es kann tatsächlich sein, dass Börsenberichterstattung gemessen an ihren tatsächlichen Interessenten überproportional häufig und umfangreich stattfindet – aber was maßt sich der Mann denn an, darüber zu urteilen, was Leser, Hörer, Zuschauer sämtlicher Medien interessiert und was nicht?

  3. Robert Michel
    August 19th, 2011 @ 20:58

    Auch wenn nur noch wenige selbst betroffen sind, glaube ich dass viele die Börsennachrichten allein wegen des Unterhaltungswerts interessant finden.

  4. politbuerokrat_in
    August 19th, 2011 @ 22:24

    Berichterstattung über die realwirtschaft, so wie genosse Müller es sich vermutlich denkt, gab es ja in der demokratischen presse der deutschen demokratischen republik: Welcher wirtschaftszweig welchen produktionszuwachs hat und wie sich die planungskommission das vorgestellt hat. Jaja, da gab es keine börsennachrichten! Das “r” in börse ist übrigens völlig falsch.

  5. Jaquento
    August 20th, 2011 @ 02:30

    In der Tat scheint es doch eher das Börsenkurse sich aus einem Teil “Stille Post” und einem Teil Massenhysterie zusammensetzen. Kurse zucken aufgrund von gerüchten oder weil überbezahlte Kaffeesatzleser zu wichtig genommen werden. Wenn das so weiter geht wird das System noch irgendwann seine Entropie erreicht haben, und dann haben wir alle verloren.

  6. Jan
    August 20th, 2011 @ 08:17

    Jaquento, Börsenkurse vorzulesen ist ja an sich erstmal reine Tatsachenberichterstattung und keine Kaffeesatzleserei. Über die Wichtigkeit kann man natürlich streiten, ich denke selbst auch, dass Börsen ein wenig überschätzt werden und für zu wichtig genommen werden. Aber solange keine Nachrichtensendung ohne Sportblock mit Bundesligaergebnissen (die derjenige, den es interessiert üblicherweise ja auch längst kennt, wenn sie mal irgendwo in den Nachrichten erzählt werden) plus ähnlich sinnfreier Kaffeesatzleserei wie diese Ergebnisse wohl zustande gekommen sein mögen, sollte man einfach die Kirche im Dorf und den Medien ihre Inhalte selbst aussuchen lassen.

    Den Aspekt der Massenhysterie möchte ich ein wenig differenzieren. Die meiste Zeit gehts an der Börse unspektakulär, friedlich und völlig unhysterisch zu. In Zeiten wie diesen sieht das natürlich anders aus. Der Grund dafür sind aber ja weder böse Spekulanten, noch die Existenz von Börsen und Berichten über sie, sondern überschuldete Staaten und ihre blasenbildenden Papiergeldwährungen. Ich bin generell kein Fan davon, immer bloß auf den Symptomen rumzuhacken. Das verbessert nämlich gar nichts.

  7. Rayson
    August 20th, 2011 @ 22:03

    Aber solange keine Nachrichtensendung ohne Sportblock mit Bundesligaergebnissen (die derjenige, den es interessiert üblicherweise ja auch längst kennt, wenn sie mal irgendwo in den Nachrichten erzählt werden) plus ähnlich sinnfreier Kaffeesatzleserei wie diese Ergebnisse wohl zustande gekommen sein mögen, sollte man einfach die Kirche im Dorf und den Medien ihre Inhalte selbst aussuchen lassen.

    Zunächst mal: Ich halte jede Wette, dass das Interesse an Bundesliga-Berichten in den Nachrichten dasjenige an Börsenberichten um mindestens eine Zehnerpotenz übersteigt.

    Und dann: Ja natürlich sollen die Medien sich ihre Inhalte selbst aussuchen. Wie auch sonst? Aber heißt das, man dürfe nicht mehr Stellung dazu beziehen, was man da selbst für richtig oder für falsch hält? Zumindest für Medien, die nur durch per Zwang eingezogenen Gelder existieren, weil sie angeblich im Auftrag des Herrn unterwegs sind im Interesse des Gemeinwohls handeln, sollte sich jeder “Gebühren”-Zahler das Recht dazu vorbehalten.

  8. Jan
    August 21st, 2011 @ 11:03

    Ohne gleichzeitig für ihre Abschaffung einzutreten ist Kritik an öffentlich-rechtlichen Inhalten allerdings reichlich inkonsequent. Schließlich rechtfertigen die Oberhoschis dort nichts Geringeres als ihre Existenz genau damit, sich von niemandem reinreden zu lassen. Wenn dann ausgerechnet jemand wie Müller, für den normale Medien oft genug quasi des Teufels sind, meint, inhaltliche Kritik üben zu müssen und bei der Gelegenheit auch noch dazu aufruft, die Sender mit Kritik zu überschütten, ist das einfach lächerlich.

Leave a Reply





Protected by WP Anti Spam
  • Löffel voller Weisheit

    Gleichheit vor dem Gesetz und materielle Gleichheit sind nicht nur zwei verschiedene Dinge, sondern sie schließen einander aus. — Friedrich August von Hayek

  • Filterblog@Facebook


  • Switch to our mobile site