Was E10 voraussichtlich mit der kaiserlichen Kriegsflotte zu tun haben wird
Posted on | August 26, 2011 | 3 Comments
Normalerweise müsste die amtierende Bundesregierung die sogenannte “Ökosteuer” längst abgeschafft haben. Alle sie stützenden Parteien wollten sie nie haben und ein Teil der Koalition ist ja sogar, daran muss man immer wieder erinnern, mit der festen Absicht, unsere Steuerlast massiv runterzufahren, vor zwei Jahren in ungeahnte Höhen gewählt worden.
Dass wir beim Tanken immer noch auch dank der Ökosteuer Woche für Woche einen zuviel kriegen, hat vermutlich den einfachen Grund, dass dieses gefräßige Monster namens Staat sich längst an diese zusätzlichen Einnahmen “gewöhnt” hat: Der Apparat hat sich mit Einführung der Steuer entsprechend weiter aufgebläht und nun geht es nicht mehr zurück, ohne irgendwem (für gewöhnlich diversen Wählern) auf die Füße zu treten.
Das das so läuft, ist auch kein Einzelfall. Aus ähnlichen Gründen zahlen wir schließlich immer noch die sogenannte Schaumweinsteuer, mit der Deutschland, beziehungsweise sein Kaiser, vor über 100 Jahren eigentlich nur seine Kriegsmarine finanzieren wollte. Steuern werden also praktisch niemals wieder abgeschafft – deswegen sollten wir alle uns übrigens unbedingt davor hüten, immer noch weitere einführen zu wollen.
Auch wenn mir die Gründe, aus denen Steuern nicht abgeschafft werden, durchaus klar sind, muss mir das natürlich nicht gefallen. Aber bis zu dem doch eher hypothetischen Tag, an dem sich das Parlament zu 50% aus liberalen Spinnern wie mir zusammensetzt, wird sich daran wohl trotzdem nichts ändern.
Dass Sprit an der Tankstelle zu teuer ist, ist aber nichtsdestotrotz eine Tatsache, die kein normaler Autofahrer abstreiten wollen wird und da wäre es vielleicht doch spannend, mal nach anderen Kostentreibern zu schauen.
Kartellbehörden und sogenannte Verbraucherschützer unterstellen bei der Gelegenheit gerne mal Preisabsprachen, weil sämtliche Tankstellen zu den Zeiten, zu denen sie mehr Kundschaft erwarten (also an Wochenenden oder in den Ferien und so weiter), üblicherweise ihre Preise hochschrauben (übrigens ähnlich regelmäßig auch wieder runter, wenn auch nicht immer ganz so weit wieder runter). Jenen Kartellbehörden und sogenannten Verbraucherschützern ist offensichtlich nicht so richtig klar, dass sie diesen Effekt, wenn sie wollten, bei praktisch jedem Produkt beobachten könnten: Wo Nachfrage steigt und/oder das Angebot sinkt, da geht der Preis halt häufig nach oben. Das ist kein Hexenwerk, sondern kann man mit ein wenig gesundem Menschenverstand sehr schnell begreifen. Was wiederum erklärt, weshalb ausgerechnet Kartellbehörden und sogenannte Verbraucherschützer diesen Zusammenhang nicht erkennen können – aber ich schweife ab.
Jedenfalls gibt es daneben noch mindestens einen Kostentreiber, den man sehr einfach beseitigen könnte: E10.
Man muss kein Marketinggenie sein, um zu erkennen, dass schon dieser Markenname nicht unbedingt zum Erfolg beiträgt. Für diese Erkenntnis hätte bereits ein bisschen gesunder Menschenverstand genügt – aber wie gesagt: Behörden und so. Jedenfalls verbirgt sich hinter dem leicht giftig klingenden Kürzel nicht nur eine gewisse Prozentzahl an qua Gesetz dem Benzin zugemischtem Bioethanol, sondern gleichzeitig auch die Verpflichtung der Tankstellen, das Zeug bei Strafandrohung zu soundsoviel Prozent auch zu verkaufen.
Echt Tricky: Die Regierung erfindet da also ein Produkt, betreibt – wenig verwunderlich – ein mehr als lausiges Marketing dafür, entsprechend will es keiner haben (welchen Vorteil der Kunde davon konkret hat, gehört unter anderem zu den Dingen, die die Regierung nach wie vor nicht so wirklich erklären konnte) und weil es keiner haben will, verlangt die Regierung nun Strafzahlungen von den Tankstellen. Und nein, nicht etwa, weil die Regierung den ihren Ladenhüter etwa pflichtschuldigst wieder zurückkaufen und entsorgen möchte, sondern tatsächlich einfach nur so. Weil sie es kann. Und weil sie noch ein bisschen reicher davon wird. Und den bösen Ölkonzernen nebenbei nochmal kurz zeigt, wer der Boss ist, vermutlich.
Letztendlich läuft also diese E10-Geschichte auf so eine Art Geheimsteuer hinaus. Denn dass die Konzerne diese Strafgelder irgendwo her nehmen müssen, ist wieder so eine Sache für den gesunden Menschenverstand: Selbstverständlich nehmen sie sie vom Kunden, also von uns. Subventionieren also den aufgezwungenen Ladenhüter nebst der mit der Ladenhüterei verbundenen Strafe mit den erfolgreichen Produkten quer. Wie auch sonst.
Und was können wir dagegen tun? Sehr einfach: E10 und seine Gesetze umgehend abschaffen. Und wenn die Regierung Glück hat, haben schon bald alle Leute vergessen, was für eine Schnapsidee das doch in Wirklichkeit gewesen ist.
Was wird stattdessen passieren? Gar nichts. Weil diese Regierung sich weder für marktwirtschaftliche Zusammenhänge noch für die Entlastung der Bürger interessiert. Man wird sich schnell an die schönen Einnahmen aus den Strafzahlungen gewöhnen und noch schneller tolle Dinge finden, für die man diese 400 Millionen Euro ausgeben kann.
Comments
3 Responses to “Was E10 voraussichtlich mit der kaiserlichen Kriegsflotte zu tun haben wird”
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August 27th, 2011 @ 09:21
Oder Firma X wird demnächst verpflichtet, auch einen ordentlichen Werbeetat aufzulegen für das Produkt, dass sie anzubieten verpflichtet wurde. (Ich befürchte, diese Idee spukt in manchen Köpfen völlig satirefrei tatsächlich umher.)
August 27th, 2011 @ 13:11
Mag sein aber die Einnahmen des Staates würde das ja wieder leicht Senken, sofern solche Kampagnen Erfolg hätten.
August 28th, 2011 @ 14:58
@ Jan:
…und DU hast mich kuerzlich wegen meiner Kritik an der Koeter-Steuer zerrissen