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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Hilfe, ich bin süchtig

Posted on | September 26, 2011 | 5 Comments

Doch, es ist wahr. Ich bin Internetabhängig. Das ist man, wenn man täglich vier Stunden oder mehr am Netz hängt.

Ohne Internet bekomme ich mittlerweile keine Nachrichten mehr mit, könnte mich nur sehr umständlich mit Freunden verabreden, würde in sehr viel längeren Intervallen mitbekommen, was sich in den politischen Gruppierungen so tut, in denen ich Mitglied bin, könnte ich ohne Auto keine Bücher kaufen oder Bahnverbindungen finden, würde mich in unbekannten Städten ständig verlaufen, hätte keinen Überblick über meine Termine und, ach ja, dieses Blog gäbs dann in Papier und per Post oder so. Vier Stunden bekomme ich spielend online zugebracht und ohne Internetzugang kriege ich eine ganze Menge lebenswichtiger Dinge entweder gar nicht mehr oder deutlich schwieriger auf die Reihe.

Es gibt Politiker, die aufgrund solcher Anzeichen dann tatsächlich so etwas wie “Internetsucht” definieren und uns panisch darüber informieren, dass ihren (nichtsdestotrotz von uns finanzierten) Recherchen zufolge 560.000 Menschen mein Schicksal teilen und ohne Internet nicht mehr klar kommen. Das seien damit ungefähr genau so viele, wie Cannabis konsumieren, dröhnt uns die Bundesdrogenbeauftragte voll.

Das wirft natürlich Fragen auf. Zum Beispiel die, ob Pendler nicht vielleicht für Autofahrsüchtig erklärt werden sollten, wenn ihr Arbeitsweg stauträchtig ist oder halt einfach ein bisschen länger.

Oder ob nicht, wenn anscheinend Cannabiskonsum als quasi deckungsgleich mit Cannabissucht angesehen wird, es in diesem Land eventuell ein massives Problem mit der Brotsucht gibt, der vorsichtigen Schätzungen meinerseits zufolge zig Millionen Menschen leiden dürften.

Ganz wichtig natürlich auch die Frage nach möglichen Konsequenzen aus dieser wirklich schlimmen Nachricht. Cannabis hat man ja zum Beispiel irgendwann mal einfach verboten. Mit dem durchschlagendem Erfolg, dass Kiffen mittlerweile nicht mehr nur aus Gründen seiner direkten Wirkung, sondern gerne auch mal als Symbol für eine gewisse Aufmüpfigkeit herhalten muss.

Dass es Internetflatrates gibt, ist jedenfalls nach Expertenmeinung Teil des Problems. Na sowas. Vermutlich tragen die Existenz von Facebook und Google auch nicht gerade zur Linderung bei.

Eigentlich bin ich seit Jahren der Meinung, dass es für uns alle das Beste wäre, wenn die sogenannte Bundesdrogenbeauftragte (anscheinend machen das immer nur Frauen?) entsprechend ihres doch sehr lustigen Titels künftig wirklich vor allem dafür zuständig sein sollte, Bundestag und Regierung mit soviel gutem Stoff zu versorgen, dass wir fortan auch ganz ohne Galgenhumor über Berlin lachen können.

Comments

5 Responses to “Hilfe, ich bin süchtig”

  1. Jaquento
    September 27th, 2011 @ 06:21

    Da gibt es nur eine Lösung der Staat erlässt ein Verboot, und jeder der dieses böse Internet ins Land schmuggelt kommt hinter Gittern.

  2. Frank Meier
    September 27th, 2011 @ 15:11

    Stück für Stück zimmern wir mit wohlwollen einen neuen goldenen Käfig.

  3. Jürgen
    September 27th, 2011 @ 15:57

    Wonach man heute alles süchtig sein kann… Da wird Aktionismus nicht mehr lange auf sich warten lassen. Wetten? Es gibt unter unseren Gesellschaftklempnern nämlich auch eine Sucht, eine Verhaltenssucht namens “Regulierungswahn”!

  4. Alreech
    September 27th, 2011 @ 19:48

    das Problem ist, das Du dich damit der Gesellschaft entziehst !

    Vermutlich geht deine Internetsucht zulasten deines Fernsehkonsums.
    Statt die Qualitätsmedien von ARD und ZDF zu konsumieren liest Du obskure Webseiten von seltsamen Menschen die keine akademische Ausbildung zum Journalisten hatten und deswegen gar nicht in der Lage sind das Weltgeschehen richtig zu deuten.

    Zum Glück wollen die öffentlich rechtlichen ab 2013 eine Flatrate für ihre Qualitätsprodukte einführen, das dürfte der Internetsucht das Wasser abgraben ! ;-)

  5. Telefondiagnose: Internetsucht – how to make a living « Kritische Wissenschaft – critical science
    September 30th, 2011 @ 13:12

    [...] gibt es auch erste Outings uneinsichtiger Internetsüchtiger, wie z.B. Jan Filter, der wohl als nicht therapierbar zu gelten hat. Bewerten: Share [...]

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