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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Alle wollen Fahrradhelme, nur die Bürger nicht

Posted on | Oktober 19, 2011 | 2 Comments

Nachdem die Bundesregierung DAX-Konzerne dazu genötigt hat, sich bestimmte Quoten zum Ziel zu setzen, was “Führungspositionen” angeht, haben die lustigen Jungs und Mädels im Kabinett wohl Feuer gefangen und sind fieberhaft auf der Suche nach Zeug, dass man mit weiteren Quoten belegen kann. Verkehrsminister Ramsauer fielen dazu spontan Fahrradahrer ein und sagte:

“Wenn sich die Helmtragequote nicht signifikant auf weit über 50 Prozent erhöht in den kommenden Jahren, dann muss man fast zu einer Helmpflicht kommen.”

Es ist offenbar wirklich so, dass schiere Quotengeilheit und Regulierungswut zu dieser Überlegung des Herrn Minisers geführt haben. Zumindest heißt es in der zugehörigen Zeitungsmeldung, dass jährlich im Schnitt 450 Radfahrer tödlich verunglücken, was sich nicht nach einer drastischen Steigerung anhört, die drastische Maßnahmen (und Zwang ist immer drastisch) erforderlich machen könnte. Die Zahl der Verkehrstoten insgesamt ist übrigens ohnehin rückläufig: Gab es noch 1980 über 13.000 Tote durch Verkehrsunfälle, waren es im letzten Jahr mit 3.510 fast zehntausend weniger.

Logisch: Immer noch zu viele. Nur waren von diesen rund 3500 Menschen ja offensichtlich die wenigsten mit dem Rad unterwegs, als sie verunglückten. Warum stürzt man sich also nun auf diesen relativ kleinen Anteil, während man bei den tausenden Autoinsassen, die tödlich verunglücken, so gar keinen Handlungsbedarf zu sehen scheint?

Nicht, dass ich mir letzteres wünschen würde. Für Sicherheit im Straßenverkehr ist zunächst mal jeder selbst verantwortlich. Ich habe noch nie den Staat gebraucht, damit ich mich im Auto anschnalle oder um zu wissen, dass ein Airbag im Zweifel eine tolle Sache sein kann. Mit dem Fahrrad bin ich dagegen eher selten unterwegs, was es in meinem Fall ein wenig grotesk erscheinen ließe, für die 4-5 Fahrten im Jahr einen teuren Helm anschaffen zu sollen. Ich glaube, ich würde dann die Zahl der Fahrten nur noch weiter reduzieren.

Und mit dieser Erwartung bin ich anscheinend kein Exot, denn der ADFC, der vermutlich jedem kommunalpolitisch engagierten Menschen als beinharte Lobby der Fahrrad-Enthusiasten bekannt sein dürfte, sieht es ganz genauso:

Der ADFC weist Forderungen nach einer Helmpflicht als untauglich zurück. Es ist seit langem übereinstimmende Meinung aller Experten und der Bundesregierung, dass eine Helmpflicht weder durchzusetzen noch zu kontrollieren sei. Sie würde aber die Fahrradnutzung drastisch senken und damit den Autoverkehr zunehmen lassen. Dies ist weder umwelt- noch gesundheitspolitisch zu verantworten.

(Kleiner Off-Topic-Einschub dazu mal: Ich wäre übrigens dafür, die Promillegrenze beim Radfahren mal aufzuheben, zumindest, wenn nichts passiert. Dass man besoffen seinen Führerschein auch auf dem Rad loswerden kann, hat schätzungsweise nämlich einen ähnlichen  und sehr viel verheerenderen Effekt.)

Die Überschrift des oben verlinkten Artikels lautet bezeichnenderweise “Helmpflicht für Fahrradfahrer rückt näher” – so, als wäre man sicher, dass sie eines Tages so oder so kommt und es höchstens noch um das wann ginge. Und das wäre auch meine persönliche Einschätzung. Zumal die einzige Partei, die explizit Eigenverantwortung als eines ihrer wichtigen Ziele nennt, eine Helmpflicht offenbar ebenfalls toll findet (alle anderen ja sowieso, wissen wir ja) und eine Pflicht für Kinder beinahe selber fordert:

FDP-Verkehrsexperte Oliver Luksic sagte der „Saarbrücker Zeitung“ , man sei „offen für eine klare Helmpflicht für Kinder“. Alles andere könne aber nur „die ultima ratio sein“.

Das “ultima ratio” im Prinzip auch ein “ja” ist, dürfte klar sein.

Überhaupt wären Helme bestimmt auch beim Skilaufen, Fussballspielen, Spazierengehen, Treppensteigen sowie auf etwas ausartenden Sauftouren eine gute Sache. Bei alledem verletzen sich Menschen ihren Kopf und sterben bisweilen. Warum gibt es also bei all diesen Tätigkeiten nicht auch eine Helmpflicht oder warum fordert sie nicht mal jemand (okay: Kann alles noch kommen!)?

Wahrscheinlich, weil auch dem durchgeknalltesten Politiker klar ist, dass das große Ziel, die gesamte Menschheit so richtig schön in Watte zu packen und ihn der totalen Sicherheit und somit letzten Endes der totalen staatlichen Obhut zu überantworten, so dass er nicht mehr selber denken muss sondern nur noch zu tun braucht, was die hohen Herren ihm befehlen, eine echte Jahrhundertaufgabe ist. Die Freiheit stirbt eben Scheibchenweise. Auch die Freiheit, Risiken einzugehen.

Comments

2 Responses to “Alle wollen Fahrradhelme, nur die Bürger nicht”

  1. Frank Meier
    Oktober 20th, 2011 @ 16:51

    Interessant was Frau Dr. Emma Finkelstein, Chefredakteurin der “radzeit”, herausgegeben vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club, ADFC dazu sagt.

    Helme zu Scharen!
    http://www.achgut.com/dadgdx/i.....u_scharen/

  2. Robert
    November 10th, 2011 @ 17:39

    Leider hat Olli Luksic meinem Eindruck nach zahlreiche seiner früheren Überzeugungen mit dem Gang nach Berlin aufgegeben. Auch der Schutz der eigenen Kinder ist Aufgabe der Eltern und nicht des Staates. Wer sich kein Ato leisten kann und gerade eben seinen Kindern ein Fahrrad, der hat garantiert Geld für den Helm übrig. Ergebnis wäre im schlimmsten Fall, dass die Sozialämter einspringen müssten. Und wer zahlt’s also im Zweifelsfall?

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