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Das Dilemma des “Dritten Weges”

Was in der Bundesrepublik vor vielen Jahrzehnten mal vergleichsweise harmlos als “Soziale Marktwirtschaft” begann, die einen “Dritten Weg” zwischen Marktwirtschaft und Sozialismus darstellen sollte, lässt den Bürger heute an so ziemlich allen Fronten des täglichen Lebens immer wieder verzweifeln:

Albern hohe Benzinpreise aufgrund einer unfair hohen Steuer (deren Sinn zudem nicht nur das Füllen der Staatskasse, sondern offenbar auch Bürgererziehung ist) ist ein aktuell wieder eindrucksvoll am Straßenrand sichtbares Beispiel. Wenn man versucht, Sozialhilfe zu beantragen dreht man halb durch vor Papierkrieg, noch schlimmer ist es bei der Steuererklärung. In Niedersachsen können Landwirte auf 44 verschiedene Arten EU-Subventionen erhalten. Und weil die Konkurrenz jede einzelne dieser Möglichkeiten nutzt und entsprechende Preise anders auch gar nicht machbar sind, müssen eben alle diese Subventionen haben – und dazu hunderte von Formularen ausfüllen. Wer dabei nur einen flüchtigen Fehler macht, riskiert, dass man ihm den Betrieb schließt.┬áDiese und viele andere Dinge gründen auf Millionen von Regeln, mit denen es angeblich gerechter zugeht als ohne sie. Und jedes Jahr kommen hunderte neuer Regeln auf allen Gebieten dazu.

Das waren nur ein paar aus dem Ärmel geschüttelte Beispiele. Man kann leicht hunderte weitere finden, jeden Tag und bei allem, was man so tut. Sieht so wirklich eine freie, geschweigedenn eine “soziale” Marktwirtschaft aus? Oder gar Kapitalismus?

Ich halte diese Dinge für Ergebnisse mindestens jenes “Dritten Wegs”, der allerdings über Jahrzehnte anscheinend nur eine einzige Richtung kannte. Und die hat all die Jahre immer zu mehr Bürokratie und weniger Entscheidungsfreiheit geführt, ging also tendenziell immer deutlich in Richtung Sozialismus. Solange wir das entweder nicht erkennen oder aber tatsächlich überzeugt davon sind, dass es doch so besser sei als wenn jeder innerhalb seiner Eigentumsphäre eben doch wenigstens weitgehend machen könnte, was er will, muss dieser Trend anhalten und unser Leben immer nur noch komplizierter gestalten. Regierungen ändern daran auch nichts, allenfalls ein wenig das Tempo mit dem neue Regulierungen uns quälen. Aber die Begehrlichkeiten nach immer neuen Regeln sind so groß, dass freiheitlich gesinnte Kräfte in den Parlamenten bereits alle Hände voll zu tun haben, den größten Quatsch zu bremsen, vielleicht sogar zu verhindern, aber kaum eine realistische Chance haben, bereits bestehende Regeln in mehr als nur symbolischem Ausmaß wieder zurückzunehmen.

Der Punkt ist: Jeder denkbare “Dritte Weg” ist leider nie ein von vorn herein definierbarer. Er kann nie wirklich geradlinig sein. Weil alles, was nicht rein marktwirtschaftlich organisiert ist, zwangsläufig der politischen Debatte ausgesetzt ist – und damit automatisch Gefahr läuft, irgendwann irgendwie dann doch reguliert zu werden. Und alles, was vom Staat in Regeln gegossen wird, ist mit Zwang verbunden, nimmt dem Bürger also Alternativen, schaltet Wettbewerb und damit Marktwirtschaft aus.

Nimmt man für das Ausmaß, dass der beschrittene “Dritte Weg” angenommen hat, die durchschnittliche Belastung an Steuern, Abgaben und Zwangsgebühren jedes Bürgers, dann besteht unser aller Leben – vorsichtig geschätzt – zu 70% aus Entscheidungen, die Andere für uns treffen und deren Wirkung wir uns (legal) nicht entziehen können. Und es sieht angesichts aberwitzig hoher Verpflichtungen, die unsere Regierung zum Beispiel während der laufenden Währungskrise übernommen hat, ganz und gar nicht so aus, als würde sich diese Belastung in absehbarer Zeit spürbar in eine andere als die seit Gründung der Bundesrepublik eingeschlagene Richtung bewegen.

Woraus für mich bis auf Weiteres folgt, dass Ludwig van Mises Recht hatte, als er behauptete:

“Es gibt keine andere Wahl als die: entweder von Eingriffen in das Spiel des Marktes abzusehen, oder aber die gesamte Leitung der Produktion und der Verteilung an die Obrigkeit zu übertragen. Entweder Kapitalismus oder Sozialismus ein Mittelding gibt es nicht.”

Das Traurige an diesem Zitat ist: Der Mann hat das 1929 gesagt. Wir haben seitdem in dieser Hinsicht nichts dazugelernt.

1 Comment

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  1. Ja von Mises hat mit dem Satz recht und des weiteren mit einer der Kreditexpansion die früher oder später in das Disaster führt. Wenn man sich Human Action durchliest könnte man meinen einen Tatsachenbericht über die derzeige Ausbeutung zu lesen. Und wer wurde und wird immer in’s Lächerliche gezogen (Eben auch von Mises, weil dieses Mal ja immer alles anders ist))….

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