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Die Milchmädchen-Bürger

Oder wenigstens Manche. Ein Zeitungsartikel meldet, dass im nächsten Jahr das Elterngeld schrumpf – und der Sturm der Entrüstung geht sofort los. Kostproben:

  • “Soviel zum Thema kinderfreundliches Deutschland!”
  • “Passt doch nach Deutschland, eins der kinderunfreundlichsten Länder.”*
  • “Ich bitte doch sehr um Verständnis. Das Geld wird für unsere Asylanten benötigt, die bekommen nämlich bald mehr Geld vom Steuerzahler. Gute Nacht.”
  • “das hat man nu davon, dass man erst beruflich abgesichert sein will bevor die Kinder kommen – danke Staat -.-”

et cetera.

Sicher, mich würde es auch ärgern, wenn ich betroffen wäre. Und selbst wenn ich es inhaltlich nicht ganz so dramatisch finde, wenn dort gekürzt wird (schon deswegen, weil ich kein Elter bin  und im Übrigen der Meinung, dass auch ich ab und zu das gleiche Recht habe, eigennützige Positionen einzunehmen, wie Eltern), darf es doch beim bloßen “Hilfe, ich verliere Staatszuschuss!” nicht bleiben.

Trotzdem hören hier viele mit dem Nachdenken auf. Sie reduzieren ihre Erwartungen an die Politik auf möglichst viel Einmischung und möglichst viele Subventionen in ihre eigenen Taschen. Das ist menschlich verständlich. Unverständlich und eigentlich sogar sehr dämlich ist es, dabei zu übersehen, dass das alle so machen und auch hierin ein Grund liegen kann, warum diese und jene staatliche Leistung gekürzt wird: Weil man die Kohle halt lieber für andere Sachen, deren Nutznießer vielleicht lauter geschrien haben, verpulvert.

Was Bürgern, wie den oben zitierten, oft abgeht, ist der Blick aufs Große Ganze. Wer eine Politik unterstützt, die mutwillig Preise für Energie explodieren lässt (Ökosteuer, EEG, Mehrwertsteuer) und gleichzeitig Arbeitsplätze und Löhne durch immer mehr Bürokratie und Verbote vernichtet, sollte vielleicht ganz kurz mal darüber nachdenken, warum eigentlich sein eigener Nettolohn ist, wie er ist oder warum Kitas kosten, was sie kosten und warum das Geld, ob es nun vom Staat kommt oder selbst erwirtschaftet wird, immer seltener ausreicht. Anschließend kann man es dann immernoch scheisse finden, wenn bestimmte Leistungen gekürzt werden aber man sollte sich zumindest klar darüber geworden sein, dass das der kleinere, wenn auch offensichtlichere Teil des Problems ist.

Und wenn man an Verschwendung und das Ausgeben von Geld an der falschen Stelle denken will, dann muss man nicht erst mit diesen bösen Asylanten, die frecherweise vor dem sicheren Tod aus ihrer Heimat geflüchtet sind (und zur Belohnung dafür von uns erstmal Arbeitsverbote verpasst kriegen, weswegen sie schlicht keine andere Wahl haben, als auf Staatskosten zu leben, denn wer vor Krieg oder Verfolgung flüchtet, hat eher selten größere Barreserven bei sich, was doof ist, aber nicht zu ändern) kommen. Aber jedenfalls ich wäre zum Beispiel sofort bereit, die 132 Millionen Euro im Jahr, die der Bund dafür ausgibt, dass Sportler irgendwelche Medaillen bei olympischen Spielen einheimsen können, komplett für Kindergelderhöhungen auszugeben. Wenn dieses viele Geld schon nicht einfach gleich wieder denen überlassen werden soll, die es durch eigener Hände Arbeit mühsam verdient haben, versteht sich.

Würde man einmal ernsthaft darüber nachdenken, was denn alles wirklich zwingend staatlich finanziert, geregelt und verboten werden muss und was vielleicht auch nicht, wäre 1. der Bedarf an Sozialleistungen deutlich niedriger und 2. im Zweifelsfall aber wenigstens mehr Geld für die Dinge, die sich als wirklich wichtig herausstellen.

Solange die Leute sich aber dermaßen einfach von der Politik einwickeln und instrumentalisieren lassen, die ja einfach nur den blinden Eigennutz des Einen geschickt gegen den blinden Eigennutz des Anderen ausspielen muss, was – siehe obige Kommentare – hervorragend funktioniert, kann sich daran nichts ändern.

* “eins der kinderunfreundlichsten Länder” scheint mir ja auch so eine geschickte Medienkampagne zu sein. In nicht wenigen Ländern gehen Kinder arbeiten, statt zur Schule, weil sie sonst verhungern würden und in einigen Gegenden der Welt zwingt man sie sogar dazu, Soldaten zu sein. Mit solchen Verhältnissen soll Deutschland auf einer Stufe stehen? Ich weiss ja nicht.

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