Mein vorvergangenes Wochenende war, wie erwähnt, ziemlich vom Landeskongress der JuLis Niedersachsen bestimmt. 160 Junge Liberale aus dem ganzen Land haben sich in Göttingen getroffen, um engagiert über Politik zu diskutieren und auch um einen neuen Vorstand zu wählen. Der Kongress hatte so seine Licht- aber auch seine Schattenseiten.
Schattenseite war für mich vor allem, dass der Leitantrag nicht beschlossen, sondern erst noch einmal verwiesen worden ist. Zu diesem Antrag durfte ich als kooptiertes Mitglied des Landesvorstands meinen bescheidenen Teil beitragen – natürlich neben den anderen Vorstandsmitgliedern, allen Voran David Salm, der die Ursprungsfassung entworfen und ordentlich mit den ganzen Änderungswünschen zu tun gehabt hat. Über Wochen lief das Ding alleine schon im Vorstand hin und her. Mindestens so intensiv haben sich aber anschließend zahlreiche JuLis von der Basis mit dem Antragsentwurf beschäftigt und zum Teil sehr ausführliche und auch gute Änderungsanträge eingebracht. Dass dieser Antrag trotzdem verwiesen werden konnte, kann ich mir nur damit erklären, dass wohl gerade ein paar Leute zuviel Mittagessen gewesen sind – sachlich zu begründen war das meines Erachtens nicht. Aus dem Entwurf hätte man zusammen mit den vielen Änderungsanträgen mit Sicherheit ein konsensfähiges und hervorragendes Papier beschließen können. Ich finde es schade, dass die Arbeit dutzender engagierter JuLis so wenig Beachtung durch diejenigen, die diese Verweisung haben wollten, so verkannt wurde – aber Demokratie ist manchmal ganz schöner Mist, muss man mit leben.
Es gab da auch viel Licht. Die Wahlen am Sonntag verliefen zum Beispiel dermaßen harmonisch, dass es (mir) schon fast zu langweilig wurde. Auf jeden Posten kam genau ein Kandidat und das waren durchweg Kandidaten, die mein vollstes Vertrauen genießen – mit den meisten habe ich bisher ja auch schon gut zusammengearbeitet, kann das also, denke ich, einigermaßen beurteilen.
Matthias Seestern-Pauly ist in seinem Amt als Vorsitzender bestätigt worden, ebenso die stellvertrende Vorsitzende für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Verony Reichelt – beide mit gutem Ergebnis.
Stellvertretender Vorsitzender für Finanzen ist nun Felix Bensmann, der im letzten Jahr noch zum stellvertretender Vorsitzender für Programmatik gewählt worden war, nach dem Rücktritt von Gerd-Hermann Rahmann vor einigen Monaten aber bereits dessen Aufgaben als Schatzmeister übernommen hatte.
David Salm, der bisher Beisitzer gewesen ist, wurde dafür als Nachfolger von Felix zum stellvertretenden Landesvorsitzenden für Programmatik gewählt. Sein gutes Wahlergebnis kann man, denke ich, auch als Würdigung seiner Arbeit am Leitantrag verstehen.
Ganz neu im Vorstand, wenn auch mit reichhaltiger Erfahrung auf Landes- und Bundesebene, ist nun Oliver Olpen, der nun stellvertrender Landesvorsitzender für Organisation ist.
Auch bei den Beisitzern gabs Bewegung. Julian Schulte und Caroline Covolo traten nicht noch einmal an. Ganz neu im Vorstand dabei sind dafür Niklas Drexler und David Piotrowski. Sie wurden zusammen mit Tanju Satiloglu, der bisher als Landesorganisator tätig war, vom Kongress zu Beisitzern gewählt. Komplett wird das neue Vorstandsteam mit Fabian Ettrich, der in seinem Beisitzeramt bestätigt wurde.
Ich denke, wir haben uns da ein gutes Team gewählt. An der tatsächlichen Vorstandsarbeit war ich ja zumindest im vergangenen halben Jahr doch ein wenig näher dran, als die meisten anderen JuLis, denke daher einen wenn vielleicht nicht hundertprozentig objektiven, so doch wenigstens einen klaren Eindruck von der Arbeit der wiedergewählten Leute zu haben. Die neu gewählten kenne ich immerhin gut genug, um mich über deren Wahl zu freuen.
Am Rande sei noch erwähnt, dass für mich bis vor etwa einem Jahr so ein Landesvorstand etwas mehr oder weniger schwer Greifbares, abstraktes Ding gewesen ist. Ein Ort, an den ich zwar die Mitgliederbeiträge meines Kreisverbandes zu überweisen hatte und von dem ich ab und zu mal Emails bekommen habe, ansonsten aber gar nichts zu tun hatte. Ich war einfach mehr auf die kommunale Ebene konzentriert, hatte ja schließlich mit der Winsener Reball-Anlage und der unrühmlichen Rolle der hiesigen Politik meinen eigentlichen (und leider nach wie vor aktuellen) Grund für mein Engagement gefunden, alles weitere hat mich damals einfach nicht interessiert. Für verrückt erklärt hätte ich jeden, der mir damals hätte erzählen wollen, dass ich schon kurze Zeit später aktiv im Landesvorstand einen Beitrag zur Arbeit der Jungen Liberalen leisten sollte, wo ich doch dergleichen niemals vorgehabt habe. Mittlerweile habe ich festgestellt, dass ich wohl sogar so eine Art Erwartungshaltung verursacht habe und mancher so ein bisschen damit gerechnet hatte, dass ich mich vielleicht nun auch zur Wahl stellen würde. Ernsthaft nachgedacht habe ich darüber nie, sehe meine wichtigere Aufgabe wenigstens für das laufende Jahr auch noch in meinem Kreisverband, der im Augenblick fast Wöchentlich wächst und darum einiges an Organisation und Gestaltung erfordert. Aus all den neu gewonnenen Mitgliedern zusammen mit den älteren einen einen gut funktionierenden und aktiven Kreisverband zu gestalten ist für mich wichtiger als alles, was ich vielleicht auf Landesebene bewegen könnte.
Gleichwohl gilt für mich, was immer galt: Wenn man mich fragt und um Hilfe bittet, dann engagiere ich mich gerne und helfe, so gut ich kann. So war dass im letzten Herbst, als der Vorstand meine Anregungen bezüglich der Onlineaktivitäten des Landesverbands insgesamt gut fand und mich darum bei der Umsetzung gerne mit im Boot haben wollte – und so ist das auch weiterhin. Mir hat die Arbeit dort in den letzten Monaten viel Spaß gemacht und es war darüberhinaus auch eine interessante Erfahrung, mal das ganze Organisationsgedöns aus nächster Nähe mitzubekommen, dass auf so einer Ebene unweigerlich anfällt. Mein Angebot, den Vorstand auch weiter zu unterstützen, steht selbstverständlich – aber Anlass mich zur Wahl zu stellen, ist das für mich aus den genannten Gründen trotzdem nie gewesen – was nicht heißen muss, dass das ewig so bleibt.
Die Wahlen waren jedenfalls aus meiner Sicht eindeutig eine Lichtseite. Nach den Turbulenzen im vergangenen Jahr mag ich langweilige Wahlen nicht unbedingt als Nachteil sehen. Die vereinzelt geäußerte Meinung, es wäre undemokratisch nur einen einzigen Kandidaten pro Amt zu haben, teile ich nicht. Wer das so sieht, soll halt antreten – das geht auch im Wahljahr und ist in liberalen Kreisen meines Erachtens auch überhaupt kein No-go.
Da die Leitantragsdebatte deutlich kürzer ausfiel, als gedacht, konnten verstärkt Anträge aus den Kreisverbänden, also direkt von der Basis behandelt werden. Das Themenspektrum war entsprechend groß: Über Energiepolitik, Sterbehilfe, Waffenrecht, Verschuldung, Börsenumsatzsteuer, Alkoholverbote, Glühbirnen, Rentenpolitik und vieles mehr wurde beraten. Nicht alles hat meine Zustimmung gefunden und bei einigen Diskussionen habe ich mich schon gefragt, ob ich mich nicht doch auf einem Juso- oder JU-Kongress befindewie sich einzelne Ansichten mancher Diskutanten mit dem Anspruch, liberal zu sein, noch vertragen. Bei anderen Themen war ich dagegen beruhigt, mit welch breiten Mehrheiten für liberale Positionen gestimmt worden ist.
Etwas schade fand ich, dass die Debatte zum Thema CO2 so einseitig geführt worden ist. Natürlich fehlte es uns allen da am nötigen Sachverstand, um so richtig fundiert debattieren zu können. Aber Zweifel an wenigstens einem Teil der sogenannten Klimapolitik müssen doch wenigstens geäußert werden dürfen, ohne vom ganzen Saal lächerlich gemacht zu werden. Es war nicht gerade eine liberale Sternstunde, wie das im Einzelnen abgelaufen ist. Mit welcher Bravur da auf den sogenannten Weltklimabericht des IPCC hingewiesen wurde, fand ich bisweilen schon peinlich, wo es doch ausgerechnet in eben diesem Bericht heißt
“Klimamodelle arbeiten mit gekoppelten nichtlinearen chaotischen Systemen. Dadurch ist eine langfristige Voraussage des Systems Klima nicht möglich.”
Reichlich dünn, um das als unanfechtbare Realität zu verkaufen und Zweifler, die immerhin so mutig sind, ihre Zweifel zu äußern, einfach wegzulachen. Ganz so eindeutig, wie einige das versucht haben darzustellen, ist die Faktenlage nun wirklich nicht. Hinzu kommt, dass die Theorien und Hinweise die eine, daraus abzuleitende Maßnahmen aber eine ganz andere Sache sind. Fast alle Maßnahmen sind vor allem industriepolitisch motiviert und schlicht verbraucherfeindliche Klientelpolitik. Das saublöde Glühlampenverbot sei einmal mehr als Beispiel dafür genannt. Wird, wie andere Energiespargesetze, als Projekt gegen den Klimawandel verkauft und ist doch in Wahrheit nur ein Projekt gegen billige Konkurrenz von Osram & Co, deren Interessen zufällig grade ausgezeichnet zu denen der Brüsseler Umweltlobbys passen. Sowas passiert, wenn allzu unkritisch irgendwelche Theorien versucht werden in Gesetze zu gießen und darum ist es wichtig und richtig, Zweifel zuzulassen und eben auch Ernst zu nehmen. Schade, dass das bei manchen Themen nichtmal mehr bei den JuLis möglich ist und dabei bei anderen Themen, die eigentlich jedem Liberalen peinlich sein müssten, krudeste Verbotsforderungen und etatistische Ideen ganz ernsthaft diskutiert wird. Wenn schon, denn schon, auch unpopuläre Dinge sollten in so einem Rahmen offen diskutiert werden können.
Erfreulich aus Sicht meines eigenen Kreisverbandes war natürlich, dass unser Antrag zum Thema Verjährungsfristen nun Beschlusslage der JuLis Niedersachsen geworden ist. Ich habe zwar dagegen gestimmt, als Kreisvorsitzender ist es aber trotzdem irgendwo ein gutes Zeichen: Harburg-Land ist wieder voll dabei und arbeitet programmatisch erfolgreich.
Unser zweiter Antrag zum Thema Presseausweise wurde an einen Arbeitskreis verwiesen, was ich ebenfalls als Erfolg verbuche. Denn natürlich wäre es schöner gewesen, der Antrag wäre so beschlossen worden – da dieses Anliegen ohne jede Absprache relativ weit nach vorne gewählt wurde und ein Antrag auf Nichtbehandlung abgelehnt wurde, haben wir mit dem Thema auf jeden Fall einen Nerv getroffen und werden da am Ball bleiben.
Auch ein dritter Antrag aus unseren Reihen kam zur Beratung, konnte allerdings aus Zeitgründen nicht mehr beschlossen werden. Es ging dabei darum, den verpflichtenden Theorieunterricht für Führerscheinanwärter abzuschaffen. Aber auch hier werden wir hartnäckig bleiben und den Antrag notfalls nochmal wieder stellen.
Soviel zum Inhaltlichen.
Auch einige Gäste beehrten den Kongress mit ihrer Anwesenheit. Besucht haben uns zum einen der hessische Landesvorsitzende Lasse Becker und Sven Haller, der Chef der JuLis Sachsen-Anhalt sowie Johannes Vogel, der “König der Schlümpfe” auf Bundesebene, wie Tagungspräsident Björn Försterling es so schön ausgedrückt hat. Für die Seniorenorganisation der Jungen Liberalen kamen Phillip Rösler, Niedersächsischer Minister für Wirtschaft und eben auch Verkehr, sowie der Verkehrspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Patrick Döring, ebenfalls Niedersachse.
Die Göttinger FDP schickte natürlich auch Vertreter, die dem Kongress sehr schnell sympathisch wurden. Denn einerseits spendete sie, da wir offenbar im “Goldenen Mettwurstdreieck” zu Gast waren, ein paar Mettwürste und andererseits gut angelegte zwei Fässer Bier für den Samstagabend.
Womit wir beim Rahmenprogramm der Göttinger wären. Das kam nach meinem Eindruck gut an. Für die Teilnehmer, die schon Freitag angereist waren (das waren vor allem Teilnehmer des erweiterten Landesvorstands) gab es eine Kneipentour, die wie üblich vor allem aus Biertrinken und Diskutieren bestand. Nicht nur über Politik, übrigens, auch unter anderem über die Tapeten der Lokale, schwarze Löcher und den coolen Dönerladen, der pfandfreie Coladosen verkauft hat… die Interessen der Jungen Liberalen sind eben sehr vielseitig.
Die obligatorische Lako-Party am Samstag gab mir dann reichlich Gelegenheit, die Menschen mal näher kennen zu lernen, mit denen ich sonst meist nur über Facebook & Co oder auch hier im Blog Kontakt habe. Die Party war insgesamt ganz lustig. Für mich ein bisschen zu lustig – ich bin irgendwie auf dem Heimweg irgendwo falsch abgebogen und latschte dann in exakt die verkehrte Richtung, bis ich mir irgendwann ein Taxi gerufen habe.
Mein Fazit: Unter dem Strich war der Kongress natürlich ein Erfolg. Was mit dem Leitantrag passiert ist, finde ich (und nicht nur ich) ziemlich scheisse aber mir scheint, mit dem neuen Vorstand kehrt dann endlich mal wieder die nötige Ruhe ein und rechtzeitig zu den Wahlen ziehen wir zur Abwechslung mal wieder am selben Ende am gleichen Strang.