Am Wochenende fand der diesjährige Kreisfeuerwehrtag statt – praktischerweise direkt im Nachbarort, der den interessanten Namen Fliegenberg trägt. Organisaorisch war das alles erste Sahne, sogar die “Blaulichtparty” am Freitag war gut gemacht und ebenso gut besucht – unter anderem auch von mir – aber dass nur am Rande.
Worum es mir geht und was die Feuerwehren und auch die Gemeinden (deren gesetzmäßiger Auftrag nunmal das Aufstellen einer funktionsfähigen Feuerwehr ist) seit Jahren beschäftigt, ist die Tatsache, dass die Freiwilligen Feuerwehren auf absehbare Zeit ein ernstes Personalproblem zu bekommen drohen. Wesentlicher Grund dafür ist der demographische Wandel, der dafür sorgt, dass sich die Reihen der Feuerwehr mit der Zeit immer weiter ausdünnen.
Natürlich gibt es Alternativen zum Modell Freiwillige Feuerwehr. Im Prinzip schonmal mindestens zwei: Die Pflichtfeuerwehr und die Berufsfeuerwehr.
Pflichtfeuerwehr ist dass, was automatisch passiert, wenn die Entwicklung mancherorts einen kritischen Punkt erreicht. Dann kannmuss die Gemeinde sich Bürger aussuchen und sie zwangsverpflichten, ab sofort Feuerwehrmann zu sein. Wie motiviert eine solche Truppe wäre, kann man sich vorstellen. Ob sich darauf eine wirklich funktionsfähige Feuerwehr aufbauen ließe, darf bezweifelt werden und ich persönlich nehme dieses Modell allenfalls als existent zur Kenntnis, als reine Theorie und maximal temporären Notbehelf falls aus irgendwelchen Gründen eine Feuerwehr überraschend heftigen Personalschwund hatte. Eine echte dauerhafte Lösung kann so etwas natürlich nicht sein und ginge es nach mir, würde ich das entsprechende Gesetz sogar ersatzlos streichen.
Berufsfeuerwehren dagegen sind zweifellos irgendwo eine ernstzunehmendere Alternative. In größeren Städten wie Hamburg oder Hannover gibt es die ja längst.
Die Vorteile liegen auf der Hand: Wer so etwas vollzeit macht, der befindet sich im Schnitt 8 Stunden am Tag entweder im Einsatz oder zumindest in Ausbildung, Erfahrung und Fachkompetenz sind entsprechend groß und in aller Regel auch weit größer als es der aktivste freiwillige und erst Recht zwangsverpflichtete Feuerwehrkamerad je erreichen könnte. Der Nachteil sind die Kosten, die entsünden, wollte man die derzeitige Mannstärke und Standortdichte beibehalten und einfach professionalisieren. Denn was in Ballungszentren noch recht effizient zu lösen ist, stellt kleinere Gemeinden schnell vor Probleme.
Eine Kleinstadt wie Winsen könnte es zwar sicherlich noch hinbekommen, ihren zentralen Standort in eine Berufsfeuerwehr umzuwandeln aber die Kernstadt umgeben ja noch 13 umliegende, ehemals eigenständige Dörfer – von denen die allermeisten jeweils eine eigene Feuerwehr mit einer eigenen, oft über hundertjährigen Tradition haben.
Die Stadt erstreckt sich jedenfalls mit ihren ganzen “Außenposten” auf immerhin knapp 110 Quadratkilometer – von der Fläche her ist das an sich überschaubare Winsen an der Luhe damit etwa halb so groß wie die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover, nur eben wesentlich dünner besiedelt.
Diesen Bereich angemessen abzudecken (beachtet werden müssen dabei neben Ballungsräumen wie der Winsener Innenstadt zum Beispiel auch angrenzende Autobahnen, auf denen öfter mal Feuerwehr benötigt wird oder die Wasserstraßen Elbe und Ilmenau, auf denen allein für meine Hoopter Ortswehr eine große Zahl von Einsätzen ablaufen) dürfte auch für eine professionelle Berufsfeuerwehr nicht ganz einfach sein und ginge im Zweifel zulasten der Sicherheit.
Der langen Rede kurzer Sinn ist: Auf dem platten Land ist eine Freiwillige Feuerwehr in jedem Fall noch die beste Lösung für größtmöglichen Brandschutz. Dass sie darüberhinaus auch enorm wertvoll für die Gesellschaft an sich sein kann, erwähne ich nur am Rande, weil das allein natürlich kein Argument für das freiwillige Feuerwesen ist. Man kann sich aber ausmalen, dass es sich nicht unbedingt positiv auf die Bereitschaft, sich überhaupt irgendwie gesellschaftlich einzubringen auswirkt, wenn man beispielsweise in einem 800-Einwohner-Ort, der über eine 40-Mann-Feuerwehr verfügt, diese plötzlich dichtmachte und den Bewohnern erklärte, der Brandschutz würde jetzt von irgendwo weiter weg, näher am Zentrum aus sichergestellt, man würde die aktiven und engagierten Leute vor Ort also nicht mehr brauchen…
Gute Gründe, das Modell Freiwillige Feuerwehr aufrechtzuerhalten, gibt es also. Einige Ideen, wie man das hinbekommt auch, nur haben die oft das Grundproblem, dass es der berühmten Quadratur des Kreises entspricht, einen Freiwilligendienst über Anreize attraktiver machen zu wollen, ohne letztlich genau diesen Freiwilligencharakter zu gefährden.
Wie freiwillig ist schließlich ein Dienst, für den man Gegenleistungen erhält? Wie verhindern wir, dass wichtige ehrenamtliche Dienste wie die Feuerwehr irgendwann von sozial Schwächeren aus lauter Verzweiflung genutzt werden, weil sie auf vielleicht irgendwann gebotene finanzielle Vorteile aus sind? Denn sollte es dazu kommen, wäre das im Prinzip kein Ehrenamt mehr, sondern Ausbeutung und man sollte dann wirklich besser gleich eine vernünftige Berufsfeuerwehr aufstellen, wo die Leute natürlich auch in erster Linie wegen des Geldes den Job machen – dafür aber wenigstens ordentlich bezahlt werden, statt mit mehr oder weniger bedeutenden kleinen Aufmerksamkeiten abgespeist zu werden.
In diese Kategorie fällt für mich die Idee einer sogenannten Feuerwehrrente, die nun auch anlässlich des Kreisfeuerwehrtages bei uns ins Gespräch gebracht wurde. Das Konzept sieht ungefähr so aus, dass derjenige, der eine bestimmte Zeit aktiv bei der Feuerwehr mithilft, später eine kleine Zusatzrente von der Gemeinde bekommt. Angesichts der katastrophal organisierten regulären staatlichen Rente sicher ein Angebot, dass etwas für sich hat – aber nur für ein paar Euro extra im Alter 20 oder 30 Jahre aktiven Feuerwehrdienst zu leisten? Wer das wirklich nötig hat, dem sollte die Gesellschaft eigentlich anders helfen können, als mit einem solchen Angebot.
Habe ich eine bessere Idee? Vielleicht. Mir fällt schon seit längerem auf, dass Feuerwehr sich nicht unbedingt geschickt verkauft. Das Selbstmarketing lässt sozusagen ein wenig zu wünschen übrig.
Klar – es gibt die Wettkämpfe, wie zum Beispiel jetzt am Rande des Kreisfeuerwehrtages auch. Dank der wirklich exzellenten Vorbereitung unserer Nachbarn und des geschickt gewählten Standortes (der Platz lag direkt neben dem Deich und der daneben verlaufenen vielbefahrenen Hauptstraße, die nach Hamburg führt) waren dort vergleichsweise viele Zuschauer zu Gast – das ist aber eher die Ausnahme. Meistens interessieren sich nur Familienmitglieder oder eben andere Feuerwehrleute für diese Veranstaltungen. Das ist vermutlich so, weil das Ganze nach meinem Eindruck für Außenstehende einfach nicht besonders interessant daherkommt und was für diese eigentlich bewusst öffentlich stattfindenden Veranstaltungen gilt, lässt sich auch auf andere Bereiche übertragen: Das meiste, was die Feuerwehr so macht, richtet sich an die Feuerwehrleute. Das ist okay, solange man genug Leute hat aber wenn sich das ändert, dann muss man seine Aktivitäten eben mal ein bisschen mehr nach Draußen richten und ernsthaft über Werbemaßnahmen nachdenken.
Das kann dann auch mal Geld kosten* – aber bevor man (irgendwo las ich die Summe) 150.000 Euro pro Jahr und Gemeinde in so eine Feuerwehrrente steckt und so dem Ehrenamt einen Teil der Ehre nimmt, wäre ein bisschen geschicktere Selbtvermarktung doch wohl der erste logische Schritt.
Warum also nicht zum Beispiel mal eine dieser ohnehin stattfindenden Feuerwehrrallye auch für normale, aber aufgeschlossene Bürger öffnen und vielleicht durch etwas anspruchsvollere Preise attraktiver machen?
Warum nicht die Feuerwehrwettbewerbe etwas offensiver auf Action trimmen, damit Zuschauen auch ohne feuerwehrtechnische Ausbildung, bzw. fundamentale Kenntnisse aller möglichen UVVen interessant** ist?
Ich denke, es gäbe noch viele weitere Möglichkeiten, die Feuerwehr von ihrem leicht verstaubten Image (das sie sowieso nicht verdient) zu befreien. Allein die Selbstdarstellung im Internet könnte zum Beispiel auf jeden Fall noch viel besser, moderner, frischer sein.
Über eine Rente oder andere Vergünstigungen können wir ja, wenns sein muss, immer noch reden, wenn all dass nichts bringt.
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* Wobei Sponsoren für die Feuerwehr zu finden nicht allzuschwer sein dürfte, ist doch der Werbeeffekt für das Unternehmen im Gegenzug auch nicht zu unterschätzen.
** Tatsächlich gleichen solche Wettbewerbe mittlerweile oft eher exakt einstudierten Theaterstücken, weil buchstäblich jeder Handgriff und jeder Schritt normiert und winzigste Abweichungen, zum Beispiel eine Leiter falsch anzufassen, zu drakonischen Strafpunkten führen kann – was natürlich kein Mensch weiss, der nicht “vom Fach” ist.