Interview
Kleiner Hinweis in eigener Sache: Sascha Staudt von “Webmaster Interview” hat mich in der vergangenen Woche interviewt und das Ergebnis nun online gestellt. Es geht, natürlich, um dieses Blog, wie es entstanden ist und sich entwickelt hat, ausserdem gibts einige allgemeine Feststellungen rund ums Thema bloggen.
Wen das interessiert, der kann ja mal reinschauen.
Zwischen Blog und Twitter
Vor gut einem Jahr habe ich Twitter begonnen, zu nutzen, nachdem ich davor zwar schon länger damit rumgespielt, aber nie so wirklich einen Sinn darin gesehen hatte. Und auch im letzten August wollte ich eigentlich weniger wirklich “twittern”, ich hatte lediglich gedacht, Twitter als Plattform zu nutzen, einfach nur interessante Links plus kurze Kommentare zu posten, die dann automatisch auch auf meinem Blog auftauchen. Dafür nutze ich es jetzt, ein Jahr später, zwar immernoch hauptsächlich, wenn man davon absieht, dass ich Twittermeldungen nicht mehr im Blog auftauchen lasse. Aber darüberhinaus nutze ich es eben auch für kurze Statements, Gedanken, Minikommentare oder eben zur kurzen, einfachen Kommunikation mit anderen Leuten – was trotz der relativ krassen Beschränkung auf 140 Zeichen pro Nachricht manchmal interessanter sein kann, als man denkt.
Es kommt aber vor, dass man mal mehr Zeichen braucht. Es gibt zum Beispiel auch interessante oder einfach lustige Zitate, die dummerweise entweder schon von Haus aus zu lang für einen “Tweet” sind oder bei denen zumindest der Name des Zitierten keinen Platz mehr findet. Es gibt noch zig andere Fälle, in denen Twitter einfach zu klein ist und wo ich früher die Wahl hatte, einen Blogartikel draus zu machen oder es unter den Tisch fallen zu lassen – letzteres war dann oft der Fall, weil vieles eigentlich zu Kurzweilig ist, um sich die Arbeit zu machen dazu großartig lang zu schreiben.
Neuerdings fällt so etwas allerdings auch bei mir nicht mehr unter den Tisch denn ich habe nach ein paar Experimenten in der letzten Woche beschlossen, zusätzlich zu Blog und Twitter Tumblr zu nutzen. Das ist sozusagen das logische Zwischending zwischen Twitter und Blog. Es kommt in seiner Funktionalität natürlich nicht ans Blogsystem von Wordpress ran – lässt sich dafür aber auf denkbar einfache Weise füllen.
Praktisch sieht es nämlich so aus, dass ich in der Bookmark-Leiste meines Browsers einen einzigen weiteren Knopf habe, bei dem sich dann der Tumblr-Editor in einem neuen kleinen Fenster öffnet. Tumblr erkennt dann normalerweise von selbst, ob ich ein Video, ein Bild, ein Zitat oder eben nur freien Text notieren will und schlägt das von ihm erkannte als Bearbeitungsmodus vor – kann man natürlich aber auch genausoschnell ändern.
Auf diese Weise dauert es lediglich Sekunden, bis ein neuer Eintrag bei Tumblr entstanden ist und ich nutze mein auf den Titel “2091″ getauftes Tumblog (so nennt Tumblr seine Blogs) seit seiner Einrichtung darum gerne und häufig als einfache Materialsammlung, als so eine Art öffentlichen Notizblog sozusagen – maximal ergänzt durch ein paar Gedanken und Kurzkommentare. Eben weils so schön einfach und schnell geht und ich mir über Formulierungen und längere Kommentare dort erstmal keine Gedanken machen muss, während ich hier im Blog dann schon immer und immer mehr versuche, ordentliche und durchformulierte Artikel abzuliefern – die zum Beispiel aus den bei Tumblr festgehaltenen Inhalten entstehen können.
Soweit dazu, wie ich Tumblr nutze. Man kann es darüberhinaus sicherlich auch prima anstelle eines richtigen Blogs nutzen. Für Manchen, der einfach erstmal planlos loslegen möchte, dürfte so ein Dienst da schon aufgrund seiner Einfachheit ganz interessant sein. Ein Newsfeed wird automatisch generiert und Posten ist einfacher als in jedem durchschnittlichen Internetforum. Eine Kommentarfunktion direkt auf der Seite gibt es allerdings nicht – was dann schon einen relevanten Unterschied zu einem konventionellen Blog darstellt.
Wenn man allerdings seine Tumblogs automatisch auch auf Facebook veröffentlicht (was über eine von Tumblr selbst zur Verfügung gestellte Facebook-App wiederum sehr einfach hinzubekommen ist), kann natürlich dort ganz normal kommentiert werden.
Wer Kommentare und eine vergleichbar einfache Plattform will, der sollte sich Posterous ansehen. Das ist ein Dienst, der Tumblr funktional sehr ähnlich ist, zum Beispiel aber Kommentare zulässt und für mich durchaus in der engeren Wahl gewesen ist – da ich aber finde, dass ich mit der Moderation und dem Zurückkommentieren auf diesem Blog genug zu tun habe, war diese Funktion für mich sowieso nicht weiter wichtig und Tumblr fand ich vom Handling her ansprechender.
Inhaltlich ist mein Tumblog ein wenig breiter aufgestellt als dieses Blog, eben weil ich da ohne groß zu überlegen alles mögliche reinhaue – ähnelt also in dieser Hinsicht etwas meinen Twitter-Inhalten, geht vielleicht sogar noch darüber hinaus (jedenfalls habe ihm ganz bewusst einen anderen Namen verpasst, der übrigens gewissermaßen nach meiner unmittelbaren Umgebung benannt ist). Feste Regeln dafür habe ich aber nicht, Twitter und Tumblr funktionieren (speziell bei mir, natürlich aber auch von ihrem Konzept her) sehr spontan und nur beim Blog überlege ich vor dem Schreiben, ob was ich vor habe überhaupt ins Blog passt oder ich es lieber anderswo veröffentlichen sollte.
Ein solches anderswo könnte in Zukunft das “2091″ sein, zu dem man bei Interesse über den Tumblr-Button in der Seitenleiste gelangt.
Gewalt und so
Eigentlich wollte ich das Thema Reball ja bis auf Weiteres auf sich beruhen lassen. Immerhin beschäftigen sich ja seit Jahren die Gerichte damit (gibt scheinbar nix Wichtigeres zu klären als Sportarten auf ihre “Menschenwürde” zu überprüfen – wie beneidenswert glücklich muss eine Gemeinde sein, die Zeit und Muße hat, sich mit solchen “Problemen” zu beschäftigen…) und deren Entscheidung müssen wir ja nun erstmal abwarten.
Doch wenn einzelne Zeitgenossen sich in bestimmter Weise zu dem Thema äußern, dann kommt man als beinahe einziger Vertreter der Befürworter dieses Sportangebots schlicht nicht um eine Reaktion herum.
In diesem Fall war es folgende, am 21. Juli gedruckte Äußerung eines Lesers unseres “Winsener Anzeigers”, die mich zu einer angemessenen Reaktion nötigte:
Gewalt wird verherrlicht
Betriftt:,,8ürgermeisterin gegen Reball” im WA vom 29. Mai 2009
Bravo, Frau Bürgermeisterinl Das nenne ich eintreten für die Gesellschaft. Gewalt hat in unserem Lande wie auch in der Welt nichts zu suchen und sollte mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden.
Auch Reball verherrlicht die Gewalt. Leider hört man von den politischen Parteien zu wenig über die Bekämpfung der Gewalt.
Frau Bürgermeisterin, machen Sie so weiterl Es gibt in Winsen und Umgebung noch zu viel Gewalt.
Alfred Frobarth. Winsen
Als ich damit fertig war, mich vor lachen zu kringeln, antwortete ich (und das wurde dann heute schließlich an gleicher Stelle im WA veröffentlicht)
Lieber Herr Frobarth,
vielen Dank für ihre köstliche Satire vom 21. Juli, in der sie die eigenartige Wahrnehmung mancher Zeitgenossen gegenüber gewissen Sportarten so herrlich auf die Schippe nehmen. Spätestens bei der Zeile “Reball verherrlicht die Gewalt” konnte ich nicht mehr vor Lachen und dachte nur: “Jaja genau – und Schach löst Weltkriege aus!”
Köstlich auch die Pointe, mit der sie quasi andeuten, Winsen wäre eine in Gewalt versinkende Stadt und deshalb müsse die Winsener Reball-Arena geschlossen bleiben. Mit dieser herrlichen Persiflage haben sie eine schöne Breitseite auf diejenigen abgegeben, die wirklich der Meinung sind, Reball hätte auch nur irgendetwas Gewaltverherrlichendes, Brutales oder gar Menschenverachendes an sich.
Davon scheint es in dieser Stadt ja leider immer noch einige zu geben – denen ich bei dieser Gelegenheit nachdrücklich empfehlen möchte, sich umgehend über diese Sportart Reball zu informieren; Anders scheinen solche Wahrnehmungsstörungen leider nicht ausgeräumt werden zu können.
Jan Filter,
Kreisvorsitzender Junge Liberale Harburg-Land
Als ich ein Alien im Zoo war – oder: Erster Eindruck vom 60. Bundesparteitag der FDP
Als mich Achim (antibuerokratieteam.net) vor einigen Wochen fragte, ob ich denn eigentlich zum Bundesparteitag der FDP delegiert wäre oder nicht, weil er da ansonsten so ein Blogprojekt in den Startlöchern hätte, da dachte ich an einen vernünftigen Internet-Arbeitsplatz irgendwo auf dem Parteitag und ein bisschen zusätzliche Publicity für mein Blog, die den ganz normalen Parteitagswahnsinn, wie ich ihn mir so vorstellte* halt irgendwie ergänzte.
Das klang nett und die Gelegenheit, einige andere liberale Blogger – und dann gleich so bekannte – kennenzulernen, reizte mich ohnehin.
Zudem: Wenn schonmal ein Parteitag “vor der Haustür” stattfindet, dann wollte ich da so oder so mal vorbeischauen. Und so war ich natürlich gerne dazu bereit, sofern ich denn nicht doch noch mein Ersatzdelegiertenmandat hätte wahrnehmen müssen (was erwartungsgemäß und offensichtlich nicht der Fall gewesen ist).
Ansonsten machte ich mir nicht allzuviele Gedanken, sondern ließ es halt erstmal alles auf mich zukommen.
Vor wenigen Tagen dann kam eine Email, in der etwas von “Akkreditierung” stand und von einem “Presseabend” und so weiter und so fort. Alles so Sachen, von denen ich bisher eine eher verschwommene Vorstellug hatte.
Unter “Presseabend” stellte ich mir beispielsweise mehr oder weniger ein durch Dirk Niebel eröffnetes Besäufnis für Journalisten vor. Damit lag ich zwar nicht vollkommen falsch. Womit ich aber nicht gerechnet hatte war, dass so ungefähr alles, was in der FDP Rang, Namen oder wenigstens einen wie auch immer gearteten Ruf hat oder wenigstens mal hatte, mit von der Partie war.
Das zeichnete sich allerdings schon ab, als ich so im Shuttlebus saß und plötzlich Parteiprominenz begann zuzusteigen. Im Zoo angekommen, sah ich dann noch mehr “hohe Tiere” (Bundesschatzmeister Solms zum Beispiel) und hohe Tiere (Elefanten zum Beispiel) und das Ganze gipfelte schließlich, als Guido Westerwelle und Hans-Dietrich Genscher sich in einem heftigen Blitzlichtgewitter zugeprostet haben, während ich am Nebentisch zu essen versuchte.
Eröffnet worden war das Ganze kurz vorher wirklich durch Dirk Niebel und zumindest gegen Mitternacht verwandelte sich die Veranstaltung wirklich in eine relativ stumpfe Party, auf der, soweit ich das überblicken konnte, auch so gut wie keine bekannten FDPler mehr anwesend waren.
Vorher aber konnte man viele interessante und manche situationskomische Szenen beobachten. Wie einzelne Abgeordnete gegenüber Journalisten über Kollegen lästern (und umgekehrt) oder versuchen, sie auf potenzielle künftige Storys hinzuweisen. Man konnte sozusagen Journalisten und Politikern bei der Arbeit zusehen und -hören – was ja irgendwie doch wieder ziemlich gut in einen Zoo passt…
Eine der vielen Szenen des Abends: Guido Westerwelle am Stehtisch und eine gewaltige Menschentraube um ihn herum. Was er erzählt hat, hab ich nicht mitbekommen (hatte auch keine Lust, mich da noch irgendwie reinzudrängeln) aber jedenfalls hatte er einen großen Teo der Leute, die nicht grade am Buffet oder der Bar waren, um sich gescharrt.
Dass dieser “Presseabend” im Hannoveraner Zoo stattfand, hatte ich ja ohnehin zuerst für einen fiesen Gag gegen die Presse gehalten. Allerdings kannte ich den Zoo da auch noch nicht, denn der erwies sich als eine Art Freizeitpark mit Tieren – und die Veranstaltung fand in einer Art Maharadschapalast statt, der mich spontan sehr an jenen Palast erinnerte, in dem Indiana Jones in “Tempel des Todes” Affenhirn auf Eis serviert bekam.
By the way: Auch das Buffetdes Abends bot eine ganze Menge – Affenhirn allerdings nicht. Dafür konnte man aber wenigstens, während man am Buffet anstand, echten Affen beim rumalbern zusehen.
Der Abend endete mit einer gemeinsamen Aufzugfahrt meinerseits zusammen mit Wolfgang Kubicki und Andreas Pinkwart. Die mich natürlich nicht kennen – und so habe ich mich auch dort wie schon den ganzen Abend ein wenig wie ein Alien gefühlt.
Soweit mein erster Eindruck von diesem Parteitag, dessen eigentliches Programm ja seit heute Vormittag bereits voll im Gange ist – wie Twitterleser sicher schon mitbekommen haben. Auf Twitter werde ich versuchen, auch weiterhin aktuelle Updates abzugeben – ausführlichere Infos folgen dann später über dieses Blog. Dann auch mit etwas mehr politischem Inhalt, versteht sich.
Gebloggt wird übrigens aus der vorletzten Reihe, wo der Bundesverband der FDP wunderbare (Blogger-) Arbeitsplätze bereitgestellt hat. Dort sitzen dann auch meine drei Kollegen, mit denen ich zusammen unser Parteitagsblogger-Aggregat füttere, auf dass ich bei dieser Gelegenheit nochmals gerne hinweisen möchte.
Wer außerdem die geballte Ladung aktueller Twitter-Updates lesen möchte, kann dass entweder bei den JuLis oder der FDP tun. Direkt aus der Reihe hinter mir bloggen außerdem einige andere JuLis, die für dieses Wochenende extra ein Blog gestartet haben.
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* Meine Vorstellung sah mangels Erfahrung bisher in etwa so aus, wie ein JuLi-Bundeskongress plus dass, was ich bisher so via Fernsehen von Bundesparteitagen kennen gelernt hatte. Mal schauen, inwieweit das hinkommt…
Wie zum Henker kommt man darauf, zur FDP zu gehen?
Endgültig für mich geklärt habe ich die diese Frage irgendwann im Laufe des Jahres 2000. Gegenüber anderen erklären musste ich diese Entscheidung bereits kurze Zeit später, als eben auch mein Name auf den Wahlzetteln zur Niedersächsischen Kommunalwahl auftauchte – und seitdem eigentlich immer und immer wieder, weil es offensichtlich nicht ganz selbstverständlich ist, a) Mitglied einer Partei zu werden, b) dann ausgerechnet zu einer der kleineren zu gehen und sich dann frecherweise auch noch c) die FDP auszusuchen.
An diese Zeit, in der ich diesen für mein damaliges Umfeld ungewöhnlichen Entschluss damals gefasst hatte, fühlte ich mich zum Beispiel am vorvergangenen Wochenende wieder einmal erinnert, als wir uns unsere Geschichten zu unserer “Politikerwerdung” in der kleinen Runde des niedersächsischen Landesvorstandes der JuLis erzählten.
Und gestern grade wurde ich dann über Twitter erneut daran erinnert und zugleich von Anka aufgefordert, meine Beweggründe und die Umstände, die mich einmal zur Politik und im nächsten Schritt zur FDP gebracht haben, mal aufzuschreiben. Finde ich eine schöne Idee und ich freue mich auch schon auf die Artikel anderer politisch aktiver Blogger, die bei diesem Stöckchen* mitmachen.
Meine Geschichte ist im Grunde ein Zweiteiler, vielleicht auch ein Zweieinhalbteiler – denn lange Zeit war ich zwar interessiert wie eh und je, aber so gut wie gar nicht engagiert. Aber der Reihe nach.
Der erste Teil beginnt eigentlich nicht erst im Jahr 2000, denn schon während meiner Schulzeit stieg ich irgendwann direkt von gelegentlicher Bravo-Lektüre auf zunächst Focus und dann den Spiegel um, weil mich Politik zunehmend zu interessieren begann.
Völlig uninteressiert war ich dabei allerdings nie. Solang ich denken kann, habe ich zum Beispiel zumindest ein bis zwei Mal in der Woche Woche im Fernsehen die Nachrichten verfolgt. Oft natürlich ohne sie zu verstehen – aber es kam mir halt irgendwie unheimlich wichtig vor.
Als ich dann viel später begann, Presseartikel zu lesen, interessierten mich zunächst vor allem Geschichten um Medien, Medienkonzerne und da besonders die Entwicklungen der großen Fernsehsender. Damals tat sich da ziemlich viel rund um Premiere, Pro7, Kirch und RTL. Mich hat das einfach interessiert – wahrscheinlich, weil man davon im Fernsehen selbst eher wenig mitbekam und ich gespannt war, inwiefern sich die Programme so ändern, wenn sich Besitzverhältnisse ändern. Später interessierten mich dann auch Artikel über Wirtschaftsunternehmen, die ich ebenfalls kannte. Und irgendwann schließlich, las ich auch öfter mal den einen oder anderen Artikel über Politik.
Das führte irgendwann dazu, dass ich aufhörte, den Focus zu lesen, denn dessen politische Artikel waren für meinen Geschmack doch ein wenig zu einseitig – auch wenn ich oft inhaltlich nichtmal falsch fand, was da so stand aber es war mir eben nicht differenziert genug.
Eine ganze Weile habe ich das trotzdem noch in Kauf genommen, bis irgendwann dann doch der Zeitpunkt kam, an dem ich merkte, dass die halbseitige Harald-Schmidt-Kolumne und der Umstand, dass der Spiegel (was mir damals nunmal die einzige adäquate Alternative zum Focus zu sein schien) immerhin 50 Pfennig mehr (nämlich 5 Mark) in der Woche kostete, die einzigen wahren Gründe geworden waren, aus denen ich überhaupt noch Focus kaufte. Mit dieser Erkenntnis begann es zu kippen und ich wurde nach und nach zum reinen Spiegelleser, der ich danach eine ganze Weile blieb.
Im Sommer 1998 machte ich dann mit einem Jahr Verspätung meinen Schulabschluss. Zum Erstaunen mancher Lehrer hatte ich in letzter Minute beschlossen, kein Abitur zu machen, sondern eine Elektrikerlehre zu beginnen.
Ich war damals 17 und jobmäßig hatte ich außer Zeitungenaustragen so gut wie nichts gemacht. Jetzt kam die komplette Bürokratie auf mich zu, mit richtigen Lohnabrechnungen, Steuerkarte und so weiter. Als Azubi ist das alles natürlich überschaubar. Aber was zum Beispiel an diverse Sozialversicherungen abfloss und mir zur freien Verfügung fehlte, das stand auch dort schon schmerzhaft deutlich drauf – und sorgte ab der ersten Abrechnung für einiges Unbehagen.
Parallel dazu hatte ich nun täglich 45 Minuten Pause, in der ich mich anders als früher nicht mit sinnfreiem Rumblödeln mit Mitschülern beschäftigen musste. Das war der entscheide Grund, zum ersten Mal in meinem Leben überhaupt eine Zeitschrift fest zu abonnieren (bis dahin hatte ich nur jeweils die Ausgaben gekauft, die mir interessant genug erschienen waren) – und also las ich nun an 3-4 Tagen jeweils 45 Minuten lang den Spiegel (was zuviel war, ich habe damals eine ganze Reihe uninteressanter Artikel gelesen, weil halt keine interessanten mehr da waren – tat meiner Allgemeinbildung allerdings vielleicht sogar ganz gut…) und so beschäftigte ich mich immer mehr mit unterschiedlichsten politischen Themen.
Außerdem parallel dazu begann eine Zeit in meinem Leben, die von durchzechten Wochenenden bestimmt wurde (und mehr oder weniger bis heute anhält, was allerdings eine ganz andere Geschichte ist). Ich traf mich damals fast jede Woche mit denselben Leuten und mit einigen entwickelte sich ebenfalls fast wöchentlich ein interessanter politischer Diskurs, der fast immer über Stunden anhielt und jedes Mal so gut wie alle politischen Themen streifte.
Irgendwann in dieser Zeit reifte der Gedanke, dass natürlich vieles falsch läuft, dass ich natürlich vieles ganz anders machen würde und dass es vielleicht eine Überlegung wert wäre, sich ernsthaft damit anzufreunden, dass das realistisch betrachtet nur über die Mitgliedschaft in einer etablierten politischen Partei möglich wäre.
Ich war nicht der Einzige, der diesen Gedankengang ging. Einer aus dieser wöchentlichen Runde war politisch nicht allzuweit von meinen eigenen Ansichten entfernt und mit ihm zusammen beriet ich nun also, auf welcher Basis wir versuchen sollten, die Welt zu verbessern. Wir hatten gewisse Vorstellungen, in welche Richtung das gehen sollte. Und die waren bereits klar liberal ausgerichtet – aber so einfach, dass das allein nun Argument für oder gegen einzelne Parteien sprechen sollte, wollte ich es mir dann auch wieder nicht machen.
Es galt also, sich mit der Programmatik der führenden Parteien auseinanderzusetzen. Und es galt dabei möglichst auszublenden, was ich bis dahin so über einzelne Parteien an Vorurteilen gehört hatte, denn es sollte ja möglichst objektiv sein.
Der September 1998 war ja noch nicht so lange vorbei und ich habe es damals durchaus als etwas Positives empfunden, dass es nach so vielen Jahren einen Regierungswechsel gegeben hat (ohne dass ich damals hätte sagen können, dass diese Regierung nun grundlegend besser wäre als die vorherige aber ich fand 16 Jahre Kohl dann einfach mal genug. Dieser Mensch war schließlich fast mein ganzes Leben Bundeskanzler, zumindest aber solange, wie ich das Wort Bundeskanzler überhaupt kannte).
Es wurde also einige Zeit ganz nüchtern beobachtet, was einzelne Politiker aus bestimmten Richtungen so von sich geben und parallel dazu gelesen, was einem so in die Finger kam, was grundlegende Programmatik angeht.
Relativ schnell schieden bei dieser Betrachtung dann Union und SPD aus. Bis heute mag ich dem Wischiwaschi, dass wahrscheinlich nötig ist, wenn man Volkspartei ist (und sein will), nicht viel abgewinnen. Positionen werden eher selten aufgrund von Vernunft oder irgendwelchen Grundsätzen bezogen, sondern - positiv ausgedrückt – aus rein demokratischen Überlegungen. Populismus allein mochten wir uns beide nicht als politischen Grundsatz Nummer 1 für uns vorstellen.
Dass uns selbstverständlich keine Sekunde die PDS als mögliche politische Heimat einfiel, sollte nicht weiter verwundern. Abgesehen von den recht eigenartigen Zielen dieser Partei war das damals eine in Westdeutschland faktisch nicht vorhandene Partei.
Die Grünen schieden ebenfalls aus. Das hatte rein praktische Gründe: 1999 hatte ich Führerschein gemacht und fuhr nun mit dem Auto täglich 30 Minuten zur Arbeit und 30 Minuten zurück, mit entsprechendem Verbrauch. Die Alternative Bus und Bahn hätte bedeutet, mindestens doppelt solange unterwegs zu sein und dass ich mich aufgrund solcher Umstände nicht recht für Pläne wie dass Benzin 5 Mark pro Liter kosten sollte begeistern mochte, sollte keiner weiteren Erläuterung bedürfen. Einige grüne Positionen fand ich damals und finde ich bis heute wichtig oder wenigstens richtig, fast immer stört mich aber die rein ideologische und wenig sachliche Herangehensweise dabei. Das fand ich auch damals schon furchtbar. Ich war und bin vermutlich einfach zu weltoffen für ein Engagement bei den Grünen.
So blieb unter Anwendung des Ausschlussverfahrens nur noch eine Partei übrig – eben die FDP. Der es damals nicht unbedingt gut ging: Die lange Bindung an die Union hatte viele Sympathien gekostet. Ich persönlich fand das komplette Spitzenpersonal damals vergleichsweise langweilig (ich muss zugeben, dass sich daran allerdings wenig geändert hat) – aber mit den Positionen konnte ich etwas anfangen. Einiges sprach mir aus der Seele, anderes empfand ich als interessante Ansätze. Erschien die FDP zunächst als das kleinste Übel, begann mich die Idee der Freiheit, die von der FDP versucht wurde in realpolitisch brauchbare Programme zu kleiden, mehr denn je zu faszinieren.
Mein Kumpel (dem es da ähnlich ging) und ich begannen nun wiederum einige Wochen lang abzuwägen, was für und was gegen einen Beitritt zur FDP sprach. Die Frage war nun weniger, wo unsere politische Heimat sein sollte, sondern mehr, ob wir wirklich ernst machen sollten.
Ein vielleicht interessantes Detail am Rande: Als Auszubildender in einem Industriebetrieb wird ja fast vom ersten Tag an versucht, einen dazu zu bringen, in die Gewerkschaft einzutreten. Diese Versuche liefen natürlich exakt parallel zu all diesen Überlegungen. Hätte ich vielleicht in einem Handwerksbetrieb gelernt und die entsprechenden Löhne, die damals so ungefähr die Hälfte von dem waren, was ich bekam, gekriegt, wäre ich der Gewerkschaftsidee sicherlich ein wenig aufgeschlossener gegenüber gewesen. In diesem Fall fand ich es allerdings übertrieben, mich für noch höhere Löhne für mich selbst einzusetzen, während etliche meiner Freunde erheblich weniger bekamen und dafür deutlich länger arbeiten mussten. Eine Zeitlang habe ich aber in Sachen Engagement abgewogen, dies vielleicht über eine Gewerkschaft und nicht eine Partei zu versuchen. Klar war allerdings, dass es höchstens ein entweder/oder und nicht beides gleichzeitig werden sollte.
Am 7. Oktober 2000 veranstaltete der MTV Hoopte (mein heimischer Sportverein) zum ersten Mal ein Weinfest. Dementsprechend hatte ich an diesem Tag das erste Mal einen Brand auf Weinbasis – und irgendwann kam, wie jede Woche, wieder dieses Thema auf: Sollten wir wirklich? Konnten wir überhaupt noch anders, nachdem wir uns dermaßen eingehend damit beschäftigt hatten?
“Man kann da ja auch online Mitglied werden,” war irgendwann die Feststellung, die dem Ganzen den nötigen Schubs gab: Bewaffnet mit einer Flasche Rosé und zwei halbvollen Gläsern überquerten wir ausgehend von der Hoopter Turnhalle (Wo bis heute regelmäßig das Weinfest wiederholt wird) die Straße, denn da wohnte ich praktischerweise gleich. Nino Ruschmeyer trug sich wenige Minuten vor Mitternacht über das Online-Formular ein, ich wenige Minuten danach. Anschließend tranken wir aus und unterschrieben noch kurz unsere Gläser, die seitdem bedeutungsschwanger und vollgestaubt in meinem Regal herumstehen und von diesem denkwürdigen Abend künden.
Wieder zurück auf dem Fest verkündeten wir einzelnen Leuten schonmal unseren Parteibeitritt und ernteten erwartungsgemäß nicht eine einzige wirklich positive Reaktion. Das blieb eine ganze Weile so, die wenigsten Freunde und Bekannten haben diesen Schritt in den ersten Jahren verstanden und es brauchte zum Teil ein ziemlich dickes Fell, die ganzen dummen Sprüche zu ignorieren. Gelang aber – und mittlerweile hat sich die Lage grundlegend gewandelt. Eine FDP-Mitgliedschaft ist in meinem unmittelbarem Umfeld heute nichts Schlechtes mehr.
Soweit der erste Teil. Teil zweieinhalb ist die Ernüchterungsphase.
Denn unmittelbar nach dem Onlinebeitritt passierte eine ganze Weile erstmal gar nichts, bis wir dann mal zu einer Sitzung des Winsener Ortsverbandes eingeladen wurden. Ich war dann relativ schnell gelangweilt von kommunalpolitischen Kleinigkeiten – um die großen Themen ging es mir da viel zu selten und ich wurde irgendwann zum rein passiven Mitglied – auch, weil ich meine Zeit lieber für andere Dinge nutzen wollte. Vorher gründete ich allerdings mit einigen anderen jüngeren FDP-Mitgliedern den Kreisverband der Jungen Liberalen Harburg-Land. Die Gründung war aber gleichzeitig auch schon mehr oder weniger die letzte politische Veranstaltung, die ich mitgemacht hatte. Mein parteipolitisches Interesse verebbte unmittelbar danach jedenfalls recht stark.
Bei meinem Kumpel Nino war das übrigens ganz anders: Der engagierte sich von Anfang an stark und zog einfach sein Ding durch. Mittlerweile sitzt er nicht nur im Stadtrat, sondern auch im Landesvorstand der FDP Niedersachsen und ist einer von denen, die jeder halbwegs engagierte FDPler im Lande kennt.
Teil zwei kam für mich allerdings erst im Jahr 2006.
Denn auch wenn ich mich in der Zwischenzeit weniger für Parteiinterna und aktives Gestalten interessiert hatte, blieb natürlich mein allgemeines politisches Interesse, blieben die Infos, die ich durch Nino bekam und es blieb natürlich auch mein freiheitlich gesinnter Geist. Letzterer bekam im August 2006 ein wichtiges Ventil: Dieses Weblog. Entstanden war es zwar eher zufällig, zumindest war es ursprünglich nicht als Ventil, ja nichtmal als langfristiges Projekt geplant. Aber die Themen lagen auf der Straße, Aufreger gab es genug.
Und ganz plötzlich kam die gute alte Kommunalpolitik auf mich zu. Mit voller Wucht und diesmal so, dass sie mich packen nachhaltig konnte. Bezeichnenderweise ging es um ein auch heute noch brandaktuelles Thema: Eine Reball-Anlage (Reball = Paintball mit billigerer Munition) wurde fast geschlossen von Kreistag und Stadtrat abgelehnt, was mich dazu brachte, mich aufzulehnen. Denn die Begründung, Reball sei mit den “grundsätzlichen Wertvorstellungen” meiner Stadt nicht vereinbar, fand ich absolut daneben. Noch viel ärgerlicher fand ich, dass selbst die FDP das so gesehen hatte. Und es war sofort klar, dass ich das thematisieren wollte (auch auf die Gefahr hin, dass kein Mensch liest, was ich schreibe – was damals nunmal der Fall gewesen ist).
So gab es also, nur Wochen nach Gründung meines Blogs, einen Artikel über Reball und die eigenartige Einstellung der geschätzten gewählten Vertreter. Einer dieser Vertreter war natürlich Weggefährte Nino, der allerdings als Einziger politisch Verantwortlicher überhaupt ebenso wie ich seine Probleme mit dem Verbot der Reball-Anlage hatte (und bis heute hat).
Es folgten weitere Artikel und ich knüpfte schnell auch wieder Kontakte zur Kreis-FDP, wo ich versuchte, das seltsame öffentliche Bild, dass diese Sportart hatte, ein wenig geradezurücken. Mit Ninos Hilfe gelang es im Juli 2007 dann auch, die niedersächsisschen Landes-JuLis für dieses Thema einzuspannen. Björn Försterling, der damals Landesvorsitzender war und heute im Landtag sitzt, kam zusammen mit seinem Stellvertreter Florian Bernschneider, der hoffentlich ab September im Bundestag sitzt, nach Winsen und besichtigte mit uns und der Presse die umstrittene Anlage – undwir ließen uns von der Presse dafür ein wenig grillen.
Ein solcher Diskurs hat das Zeug zu nachhaltiger Motivation. Ich spürte also: Wenn die Welt so dumm ist, wie es scheint, braucht sie mich dringender, als ich jemals gedacht hätte. Seither ist Engagement für mich zunehmend eine Gewissensfrage geworden und längst kein Selbstzweck oder ein reines Produkt meines Interesses mehr.
Es ergab sich in der Folge, dass ich schon kurz danach und auch nicht zuletzt meines durch diese Geschichte wiedererstarkten aktiven Engagements zum Vorsitzenden der Jungen Liberalen im Landkreis gewählt wurde und das bis heute bin (auch wenn der Kreisverband seither um mehrere hundert Prozent gewachsen ist). Daraus entwickelte sich dann in den letzten Jahren ein Engagement, dass bei den JuLis bis hinauf zur Landesebene reicht und bei der FDP bin ich inzwischen auch wieder aktiv dabei, wenngleich bisher vor allem auf Orts- und Kreisebene.
So gesehen bin ich eigentlich schon zweimal in meinem Leben zur FDP gestoßen und erst beim zweiten Mal war der Wille, etwas zu verändern, stark genug. Manches braucht eben seine Zeit.
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* “Stöckchen” bedeutet, dass bestimmte Fragen / Themen gestellt werden und ausgewählten Leuten sozusagen “zugeworfen” werden, die sich dann, sofern sie es möchten, damit beschäftigen und ihrerseits das Stöckchen weiterreichen. Es handelt sich also um so eine Art Bloggerspiel. Normalerweise beteilige ich mich an sowas ja nicht mehr aber da ich das Thema in diesem Fall recht spannend finde und gleichzeitig als tollen Beitrag dazu sehe, anderen ein paar Anhaltspunkte zu geben, wie politisches Engagement beginnen kann.
Freuen würde ich mich, wenn “der Lord” Lust hätte, seine Geschichte zu erzählen. Auch Simons würd mich interessieren und wissen will ich das außerdem von den niedersächsischen JuLibloggern David und Nikolaus, freue mich aber wie Anka natürlich über jeden anderen, der seine Politikerwerdung einmal aufschreiben will.
Die Könige der Schlümpfe im Goldenen Mettwurstdreieck
Mein vorvergangenes Wochenende war, wie erwähnt, ziemlich vom Landeskongress der JuLis Niedersachsen bestimmt. 160 Junge Liberale aus dem ganzen Land haben sich in Göttingen getroffen, um engagiert über Politik zu diskutieren und auch um einen neuen Vorstand zu wählen. Der Kongress hatte so seine Licht- aber auch seine Schattenseiten.
Schattenseite war für mich vor allem, dass der Leitantrag nicht beschlossen, sondern erst noch einmal verwiesen worden ist. Zu diesem Antrag durfte ich als kooptiertes Mitglied des Landesvorstands meinen bescheidenen Teil beitragen – natürlich neben den anderen Vorstandsmitgliedern, allen Voran David Salm, der die Ursprungsfassung entworfen und ordentlich mit den ganzen Änderungswünschen zu tun gehabt hat. Über Wochen lief das Ding alleine schon im Vorstand hin und her. Mindestens so intensiv haben sich aber anschließend zahlreiche JuLis von der Basis mit dem Antragsentwurf beschäftigt und zum Teil sehr ausführliche und auch gute Änderungsanträge eingebracht. Dass dieser Antrag trotzdem verwiesen werden konnte, kann ich mir nur damit erklären, dass wohl gerade ein paar Leute zuviel Mittagessen gewesen sind – sachlich zu begründen war das meines Erachtens nicht. Aus dem Entwurf hätte man zusammen mit den vielen Änderungsanträgen mit Sicherheit ein konsensfähiges und hervorragendes Papier beschließen können. Ich finde es schade, dass die Arbeit dutzender engagierter JuLis so wenig Beachtung durch diejenigen, die diese Verweisung haben wollten, so verkannt wurde – aber Demokratie ist manchmal ganz schöner Mist, muss man mit leben.
Es gab da auch viel Licht. Die Wahlen am Sonntag verliefen zum Beispiel dermaßen harmonisch, dass es (mir) schon fast zu langweilig wurde. Auf jeden Posten kam genau ein Kandidat und das waren durchweg Kandidaten, die mein vollstes Vertrauen genießen – mit den meisten habe ich bisher ja auch schon gut zusammengearbeitet, kann das also, denke ich, einigermaßen beurteilen.
Matthias Seestern-Pauly ist in seinem Amt als Vorsitzender bestätigt worden, ebenso die stellvertrende Vorsitzende für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Verony Reichelt – beide mit gutem Ergebnis.
Stellvertretender Vorsitzender für Finanzen ist nun Felix Bensmann, der im letzten Jahr noch zum stellvertretender Vorsitzender für Programmatik gewählt worden war, nach dem Rücktritt von Gerd-Hermann Rahmann vor einigen Monaten aber bereits dessen Aufgaben als Schatzmeister übernommen hatte.
David Salm, der bisher Beisitzer gewesen ist, wurde dafür als Nachfolger von Felix zum stellvertretenden Landesvorsitzenden für Programmatik gewählt. Sein gutes Wahlergebnis kann man, denke ich, auch als Würdigung seiner Arbeit am Leitantrag verstehen.
Ganz neu im Vorstand, wenn auch mit reichhaltiger Erfahrung auf Landes- und Bundesebene, ist nun Oliver Olpen, der nun stellvertrender Landesvorsitzender für Organisation ist.
Auch bei den Beisitzern gabs Bewegung. Julian Schulte und Caroline Covolo traten nicht noch einmal an. Ganz neu im Vorstand dabei sind dafür Niklas Drexler und David Piotrowski. Sie wurden zusammen mit Tanju Satiloglu, der bisher als Landesorganisator tätig war, vom Kongress zu Beisitzern gewählt. Komplett wird das neue Vorstandsteam mit Fabian Ettrich, der in seinem Beisitzeramt bestätigt wurde.
Ich denke, wir haben uns da ein gutes Team gewählt. An der tatsächlichen Vorstandsarbeit war ich ja zumindest im vergangenen halben Jahr doch ein wenig näher dran, als die meisten anderen JuLis, denke daher einen wenn vielleicht nicht hundertprozentig objektiven, so doch wenigstens einen klaren Eindruck von der Arbeit der wiedergewählten Leute zu haben. Die neu gewählten kenne ich immerhin gut genug, um mich über deren Wahl zu freuen.
Am Rande sei noch erwähnt, dass für mich bis vor etwa einem Jahr so ein Landesvorstand etwas mehr oder weniger schwer Greifbares, abstraktes Ding gewesen ist. Ein Ort, an den ich zwar die Mitgliederbeiträge meines Kreisverbandes zu überweisen hatte und von dem ich ab und zu mal Emails bekommen habe, ansonsten aber gar nichts zu tun hatte. Ich war einfach mehr auf die kommunale Ebene konzentriert, hatte ja schließlich mit der Winsener Reball-Anlage und der unrühmlichen Rolle der hiesigen Politik meinen eigentlichen (und leider nach wie vor aktuellen) Grund für mein Engagement gefunden, alles weitere hat mich damals einfach nicht interessiert. Für verrückt erklärt hätte ich jeden, der mir damals hätte erzählen wollen, dass ich schon kurze Zeit später aktiv im Landesvorstand einen Beitrag zur Arbeit der Jungen Liberalen leisten sollte, wo ich doch dergleichen niemals vorgehabt habe. Mittlerweile habe ich festgestellt, dass ich wohl sogar so eine Art Erwartungshaltung verursacht habe und mancher so ein bisschen damit gerechnet hatte, dass ich mich vielleicht nun auch zur Wahl stellen würde. Ernsthaft nachgedacht habe ich darüber nie, sehe meine wichtigere Aufgabe wenigstens für das laufende Jahr auch noch in meinem Kreisverband, der im Augenblick fast Wöchentlich wächst und darum einiges an Organisation und Gestaltung erfordert. Aus all den neu gewonnenen Mitgliedern zusammen mit den älteren einen einen gut funktionierenden und aktiven Kreisverband zu gestalten ist für mich wichtiger als alles, was ich vielleicht auf Landesebene bewegen könnte.
Gleichwohl gilt für mich, was immer galt: Wenn man mich fragt und um Hilfe bittet, dann engagiere ich mich gerne und helfe, so gut ich kann. So war dass im letzten Herbst, als der Vorstand meine Anregungen bezüglich der Onlineaktivitäten des Landesverbands insgesamt gut fand und mich darum bei der Umsetzung gerne mit im Boot haben wollte – und so ist das auch weiterhin. Mir hat die Arbeit dort in den letzten Monaten viel Spaß gemacht und es war darüberhinaus auch eine interessante Erfahrung, mal das ganze Organisationsgedöns aus nächster Nähe mitzubekommen, dass auf so einer Ebene unweigerlich anfällt. Mein Angebot, den Vorstand auch weiter zu unterstützen, steht selbstverständlich – aber Anlass mich zur Wahl zu stellen, ist das für mich aus den genannten Gründen trotzdem nie gewesen – was nicht heißen muss, dass das ewig so bleibt.
Die Wahlen waren jedenfalls aus meiner Sicht eindeutig eine Lichtseite. Nach den Turbulenzen im vergangenen Jahr mag ich langweilige Wahlen nicht unbedingt als Nachteil sehen. Die vereinzelt geäußerte Meinung, es wäre undemokratisch nur einen einzigen Kandidaten pro Amt zu haben, teile ich nicht. Wer das so sieht, soll halt antreten – das geht auch im Wahljahr und ist in liberalen Kreisen meines Erachtens auch überhaupt kein No-go.
Da die Leitantragsdebatte deutlich kürzer ausfiel, als gedacht, konnten verstärkt Anträge aus den Kreisverbänden, also direkt von der Basis behandelt werden. Das Themenspektrum war entsprechend groß: Über Energiepolitik, Sterbehilfe, Waffenrecht, Verschuldung, Börsenumsatzsteuer, Alkoholverbote, Glühbirnen, Rentenpolitik und vieles mehr wurde beraten. Nicht alles hat meine Zustimmung gefunden und bei einigen Diskussionen habe ich mich schon gefragt, ob ich mich nicht doch auf einem Juso- oder JU-Kongress befindewie sich einzelne Ansichten mancher Diskutanten mit dem Anspruch, liberal zu sein, noch vertragen. Bei anderen Themen war ich dagegen beruhigt, mit welch breiten Mehrheiten für liberale Positionen gestimmt worden ist.
Etwas schade fand ich, dass die Debatte zum Thema CO2 so einseitig geführt worden ist. Natürlich fehlte es uns allen da am nötigen Sachverstand, um so richtig fundiert debattieren zu können. Aber Zweifel an wenigstens einem Teil der sogenannten Klimapolitik müssen doch wenigstens geäußert werden dürfen, ohne vom ganzen Saal lächerlich gemacht zu werden. Es war nicht gerade eine liberale Sternstunde, wie das im Einzelnen abgelaufen ist. Mit welcher Bravur da auf den sogenannten Weltklimabericht des IPCC hingewiesen wurde, fand ich bisweilen schon peinlich, wo es doch ausgerechnet in eben diesem Bericht heißt
“Klimamodelle arbeiten mit gekoppelten nichtlinearen chaotischen Systemen. Dadurch ist eine langfristige Voraussage des Systems Klima nicht möglich.”
Reichlich dünn, um das als unanfechtbare Realität zu verkaufen und Zweifler, die immerhin so mutig sind, ihre Zweifel zu äußern, einfach wegzulachen. Ganz so eindeutig, wie einige das versucht haben darzustellen, ist die Faktenlage nun wirklich nicht. Hinzu kommt, dass die Theorien und Hinweise die eine, daraus abzuleitende Maßnahmen aber eine ganz andere Sache sind. Fast alle Maßnahmen sind vor allem industriepolitisch motiviert und schlicht verbraucherfeindliche Klientelpolitik. Das saublöde Glühlampenverbot sei einmal mehr als Beispiel dafür genannt. Wird, wie andere Energiespargesetze, als Projekt gegen den Klimawandel verkauft und ist doch in Wahrheit nur ein Projekt gegen billige Konkurrenz von Osram & Co, deren Interessen zufällig grade ausgezeichnet zu denen der Brüsseler Umweltlobbys passen. Sowas passiert, wenn allzu unkritisch irgendwelche Theorien versucht werden in Gesetze zu gießen und darum ist es wichtig und richtig, Zweifel zuzulassen und eben auch Ernst zu nehmen. Schade, dass das bei manchen Themen nichtmal mehr bei den JuLis möglich ist und dabei bei anderen Themen, die eigentlich jedem Liberalen peinlich sein müssten, krudeste Verbotsforderungen und etatistische Ideen ganz ernsthaft diskutiert wird. Wenn schon, denn schon, auch unpopuläre Dinge sollten in so einem Rahmen offen diskutiert werden können.
Erfreulich aus Sicht meines eigenen Kreisverbandes war natürlich, dass unser Antrag zum Thema Verjährungsfristen nun Beschlusslage der JuLis Niedersachsen geworden ist. Ich habe zwar dagegen gestimmt, als Kreisvorsitzender ist es aber trotzdem irgendwo ein gutes Zeichen: Harburg-Land ist wieder voll dabei und arbeitet programmatisch erfolgreich.
Unser zweiter Antrag zum Thema Presseausweise wurde an einen Arbeitskreis verwiesen, was ich ebenfalls als Erfolg verbuche. Denn natürlich wäre es schöner gewesen, der Antrag wäre so beschlossen worden – da dieses Anliegen ohne jede Absprache relativ weit nach vorne gewählt wurde und ein Antrag auf Nichtbehandlung abgelehnt wurde, haben wir mit dem Thema auf jeden Fall einen Nerv getroffen und werden da am Ball bleiben.
Auch ein dritter Antrag aus unseren Reihen kam zur Beratung, konnte allerdings aus Zeitgründen nicht mehr beschlossen werden. Es ging dabei darum, den verpflichtenden Theorieunterricht für Führerscheinanwärter abzuschaffen. Aber auch hier werden wir hartnäckig bleiben und den Antrag notfalls nochmal wieder stellen.
Soviel zum Inhaltlichen.
Auch einige Gäste beehrten den Kongress mit ihrer Anwesenheit. Besucht haben uns zum einen der hessische Landesvorsitzende Lasse Becker und Sven Haller, der Chef der JuLis Sachsen-Anhalt sowie Johannes Vogel, der “König der Schlümpfe” auf Bundesebene, wie Tagungspräsident Björn Försterling es so schön ausgedrückt hat. Für die Seniorenorganisation der Jungen Liberalen kamen Phillip Rösler, Niedersächsischer Minister für Wirtschaft und eben auch Verkehr, sowie der Verkehrspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Patrick Döring, ebenfalls Niedersachse.
Die Göttinger FDP schickte natürlich auch Vertreter, die dem Kongress sehr schnell sympathisch wurden. Denn einerseits spendete sie, da wir offenbar im “Goldenen Mettwurstdreieck” zu Gast waren, ein paar Mettwürste und andererseits gut angelegte zwei Fässer Bier für den Samstagabend.
Womit wir beim Rahmenprogramm der Göttinger wären. Das kam nach meinem Eindruck gut an. Für die Teilnehmer, die schon Freitag angereist waren (das waren vor allem Teilnehmer des erweiterten Landesvorstands) gab es eine Kneipentour, die wie üblich vor allem aus Biertrinken und Diskutieren bestand. Nicht nur über Politik, übrigens, auch unter anderem über die Tapeten der Lokale, schwarze Löcher und den coolen Dönerladen, der pfandfreie Coladosen verkauft hat… die Interessen der Jungen Liberalen sind eben sehr vielseitig.
Die obligatorische Lako-Party am Samstag gab mir dann reichlich Gelegenheit, die Menschen mal näher kennen zu lernen, mit denen ich sonst meist nur über Facebook & Co oder auch hier im Blog Kontakt habe. Die Party war insgesamt ganz lustig. Für mich ein bisschen zu lustig – ich bin irgendwie auf dem Heimweg irgendwo falsch abgebogen und latschte dann in exakt die verkehrte Richtung, bis ich mir irgendwann ein Taxi gerufen habe.
Mein Fazit: Unter dem Strich war der Kongress natürlich ein Erfolg. Was mit dem Leitantrag passiert ist, finde ich (und nicht nur ich) ziemlich scheisse aber mir scheint, mit dem neuen Vorstand kehrt dann endlich mal wieder die nötige Ruhe ein und rechtzeitig zu den Wahlen ziehen wir zur Abwechslung mal wieder am selben Ende am gleichen Strang.
Blödes Plugin
Ich hatte die fabelhafte Idee, meine Empfehlungen aus dem Google Reader vollautomatisch als Artikel veröffentlichen zu lassen. Dazu gibts für Wordpress nämlich so ein vielversprechendes Plugin.
Ich weiss nicht genau, was ich falsch gemacht habe – aber jedenfalls hat das Plugin binnen Sekunden zigmehrere hundert Mal den gleichen Artikel “geschrieben” und veröffentlicht. Vielen Lesern kann das egal sein – aber wer meine Seite im Reader abonniert hat, wird auf eine Erklärung in Verbindung mit einer Entschuldigung gewartet haben – was ich hiermit in hoffentlich ausreichender Form liefere: Tut mir Leid, das Ding hat sich aus mir schleierhaften Gründen völlig anders verhalten, als ich es geplant hatte.
Von der Idee, hier irgendwas automatisch veröffentlichen zu lassen nehme ich damit mal ganz fix wieder Abstand, bis auf Weiteres wird wieder ausschließlich per Hand verfasst.
Mein erster “Sponsor”
JuLi- und FDP-Kreisvorstandskollege Phillip hat mir zum Geburtstag und zu Weihnachten einfach mal die Domain Filterblog.de geschenkt, unter der diese Seiten ab sofort ebenfalls erreichbar sind. Das ist sicherlich für all jene interessant, die immer erst nach “filterblog” googeln müssen, weil sie sich die – für Leute, die mich nicht persönlich kennen – relativ komplizierte Adresse nicht merken können. Und dass sind, wie ich immer wieder anhand meiner Referer-Links feststelle, recht viele.
Herzlichen Dank an Phillip dafür! Neben der Mötley-Crüe-Bandgeschichte und der Rüdiger-Nehberg-Biografie eines der wenigen wirklich nützlichen Geschenke, die obendrein nichtmal dick machen;)
WordPress 2.7
Hab grade mal meine Blog-Software aktualisiert – und festgestellt, das die Oberfläche im Backend jetzt mal wieder völlig anders aussieht. Ob mir das gefällt, kann ich nach 5 Minuten noch nicht sagen.
Jedenfalls scheint das mit Update aber unfallfrei geklappt zu haben, was ja nicht selbstverständlich ist.
In eigener Sache
Es ist irgendwie schon seltsam: Ich bin damals vor allem deswegen JuLi-Kreisverbandsvorsitzender geworden, weil schlicht niemand anderes da war, der das machen wollte oder es zeitlich konnte. Ich bin aus ähnlichen Gründen in diesem Jahr FDP-Ortsverbandsvorsitzender geworden. Um beides habe ich mich nie gerissen, auch wenn ichs jetzt natürlich gerne und engagiert mache.
Seit gestern bin ich nun auch noch Mitglied im niedersächsischen Landesvorstand der Jungen Liberalen. Auch dass habe ich eigentlich niemals angestrebt oder bewusst werden wollen. Es waren einfach nur ein paar Ideen und Vorschläge, die mich wohl dafür qualifiziert haben, diese nun auch umzusetzen – eben als kooptiertes Vorstandsmitglied.
Den genauen Titel, den wir mir nach einer mir irgendwie sinnlos lang erscheinenden Diskussion (in meinen Augen sind solche Titel mehr oder weniger Schall und Rauch, da scheine ich allerdings der einzige gewesen zu sein, der das so sieht – nunja…) gegeben haben, habe ich schonwieder vergessen aber es geht im Kern um die Darstellung der JuLis Niedersachsen nach außen hin, insbesondere, was den Online-Bereich angeht. Eine Aufgabe, die Einiges an Arbeit mit sich bringt also. Aber eine, die im Hinblick auf die kommenden Wahlkämpfe nunmal so oder so dringend angegegangen werden muss und ich fühle mich dann doch geehrt, da meinen Teil zu beitragen zu dürfen.
Einige zentrale Ideen dazu habe ich natürlich längst im Kopf. Kritik und Anregungen dazu sind aber logischerweise hoch willkommen.