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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Gehts der GEZ (endlich) an den Kragen?

Unter der interessanten* Überschrift, “Der GEZ-Gebühr droht das Aus” lesen wir auf Handelsblatt:

Die Ministerpräsidenten der Bundesländer diskutieren in dieser Woche bei ihrem Treffen eine grundlegende Reform der Finanzierung von ARD und ZDF. Als Alternative zu der geräteabhängigen Gebühr könnten sie eine Haushaltsabgabe einführen. Statt nach Endgerät gestaffelt würden Haushalte dann pauschal eine Medienabgabe entrichten, mit der die Nutzung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks abgegolten wäre.

Es “droht” also womöglich das Aus für die GEZ in ihrer derzeitigen Form, nicht aber der Rundfunkgebühr.

Wäre eine Haushaltsabgabe eine Verbesserung? Na klar – unbürokratischer und wie gesagt, könnten wir uns einen großen Teil des GEZ-Apparates sparen, vielleicht sogar die GEZ komplett, wenn die Gebühren direkt übers Finanzamt eingezogen würden.

Ich bin allerdings dafür, gleich Nägel mit Köpfen zu machen, dem Internetzeitalter Rechnung zu tragen und ARD, ZDF und ihre Dutzenden angeschlossenen Kanäle komplett mit einer freiwilligen Gebühr zu belegen. Das ist fairer und billiger und könnte ja vielleicht sogar dazu führen, dass man sich endlich auf gewisse Kernkompetenzen besinnt und Trash wie Telenovelas den mehr als reichlich vorhandenen Trashsendern überlässt.** Unseren neuen/alten Bundestagspräsidenten würds freuen.***

* Interessant ist vor allem, ob dem Handelsblatt demnächst auch eine teure Abmahnung ins Haus flattert.

** Und sollte es anders kommen, dann muss und werde ich das als demokratischen Mehrheitsentscheid der Zuseherschaft hinnehmen.

*** Auch wenn man strenggenommen hier von einer Einmischung seitens der Politik in die Programmgestaltung sprechen müsste und es sich dementsprechend um einen bösen Fauxpas Lammerts handeln müsste. Zumindest, wenn irgendwer wirklich glauben würde, dass ARD und ZDF ” unabhängig wären… in Wahrheit erwarten wir ja nichts anderes von der Politik, als dass sie sich einmischt und solange sie nicht versucht, bekannte Gesichter zu entfernen, regt das (leider) auch keine Sau auf.

Angst vor Hyperlinks

Im Rahmen des World Media Summit in Peking haben Rupert Murdoch (News Corporation) und Tom Curley (Associated Press) vor 300 Vertretern von 170 Medien aus 80 Ländern gefordert, Suchmaschinenbetreiber und andere Webseiten sollten künftig für Nachrichtenmaterial zahlen, das sie zurzeit noch ohne Gegenleistung erhielten.

(zu lesen bei Heise)

Ein interessanter Ansatz. Es geht dabei nicht nur, aber sicher wesentlich um Google News. Wenn man sich auf Seiten der Medienvertreter einig ist, könnte man das eventuell sogar irgendwie durchsetzen – die Frage ist nur, ob Google, Facebook und andere ernsthaft bereit sind, zu zahlen.

Die Sichtweise der Vertreter dieser alten Medien wirkt auf mich völlig der Realität entgegengesetzt. Jeder kleine Blogger weiss, dass Links und Hinweise auf eigene Inhalte in Wahrheit etwas Gutes sind. Nur durch sie kann man wachsen und überhaupt Aufmerksamkeit auf sich ziehen, sich letzten Endes dann vielleicht mal so etwas wie einen Namen machen. Nur wessen Seite von anderen Seiten verlinkt wird, taucht überhaupt bei Google auf – je häufiger und prominenter die Verlinkungen, desto wahrscheinlicher taucht der Link dann bei einer Suche möglichst weit oben auf. Links sind in der Welt des Internets beinahe schon so etwas wie eine Währung. Auch dieses Blog hätte vermutlich einige hundert Besucher am Tag weniger, gäbe es nicht überall Links zu einzelnen Artikeln oder dem Blog an sich. Ich bekomme zudem ziemlich häufig Anfragen von irgendwelchen mehr oder weniger brauchbaren Seiten, ob ich nicht Lust hätte, sie hier zu verlinken.

Das, worum andere also teilweise geradezu betteln oder Geld zu zahlen bereit sind und was im Grunde essenziell ist für alles, was man im Internet so treibt, planen jene Medienvertreter sich also bezahlen zu lassen. Ob das wirklich klappt und damit doch nicht ganz so wahnsinnig ist, wie es sich anhört bleibt abzuwarten. Ich gehe davon aus, dass Google auch ohne Google News ein profitables Unternehmen wäre – ob die großen Zeitungsverlage ohne den Vorteil, Millionen von Besuchern über Google News auf ihre Seiten verwiesen zu bekommen wirklich besser dran sind, darf man aber bezweifeln.

Ehrlicher wäre es wohl, wenn die Holzmedien Internet Internet sein ließen und einfach gar nichts mehr dort veröffentlichen würden. Dann bräuchten sie zumindest keine Angst mehr vor Links zu haben.

Tagesschau jetzt auch bei Freenet! Wow!

Der NDR kommt heute mit einer Sensationsmeldung:

Der ARD-Nachrichtenüberblick “Tagesschau in 100 Sekunden” ist ab sofort auch unter nachrichten.freenet.de zu finden.

Die Dimension dieser Medienrevolution wird einige Sätze später erst richtig deutlich:

Thomas Hinrichs, Zweiter Chefredakteur von ARD-aktuell: “Für unser schnelles Format ‘Tagesschau in 100 Sekunden’ gewinnen wir durch die Zusammenarbeit einen zusätzlichen Verbreitungsweg. Damit können jetzt auch alle freenet-User ohne Umwege auf verlässliche News mit dem Qualitätssiegel ‘Tagesschau’ zugreifen.”

1 zusätzlicher Verbreitungsweg! Ja, da kommt man aus dem Staunen kaum raus…

Na klar, die ARD könnte auch gleich ihre 100-Sekunden-Tagesschau – wie so viele andere Anbieter auch – bei Youtube reinstellen und dann ARD-unüblicherweise mal nicht das Einbetten in fremde Websites untersagen. Dann gewänne sie nämlich noch viel mehr an Reichweite, weil jeder schnöde Blogger und wer sonst noch Internetseiten betreibt die Tagesschau verbreiten und so den Ruhm des Ersten Deutschen Fernsehens mehren könnte.

Das machen allerdings auf der ganzen Welt bereits Millionen von Inhalteanbietern so und wahrscheinlich verstößt es gegen die interne Coolness-Richtlinie der ARD, Sachen einfach so zu machen wie der Rest der Welt, weshalb man sich lieber mühsam Vertriebspartner sucht.

Realitätsverdreher bei der Arbeit

Sieht man sich diesen Artikel und die Reaktionen im Internet (z.B. bei Twitter oder auf Rivva) dazu an, kommen Fragen auf. Zum Beispiel nach der Medienkompetenz einiger Zeitgenossen.

Oder auch die Frage, ob es wirklich zielführend ist, gegen Sicherheitsgesetze insgesamt zu Felde zu ziehen oder ob es nicht eigentlich reicht, solche Gesetze so zu machen, dass der Bürger nicht unter Generalverdacht gestellt und pauschal überwacht wird.

So jedenfalls würde ich interpretieren, wenn Telepolis schreibt

“Offenbar als Schritt zur Union hin sagte Westerwelle, dass man zwar Bürgerrechte schützen, sich neuen Sicherheitsgesetzen aber nicht verweigern wolle.”

Telepolis macht daraus kurzerhand die Überschrift

“Westerwelle kündigt schärfere Sicherheitsgesetze an”

- was man vielleicht böswillig unterstellen könnte, sich zumindest anhand dessen, was im Artikel steht aber nicht bestätigt und aus dem Interview selbst heraus kann ich eine solche Ankündigung auch nicht erkennen.

Weil der Artikel bis dahin zu kurz wäre, wurde er noch ein bisschen größer getrickst und auf die aktuelle “Argulineraffäre” – oder wie immer man es nennen will – eingegangen wird. Das hat mit Guido Westerwelle oder der FDP eigentlich nichts zu tun, auch wenn es sich bei dem in der letzten Woche veröffentlichten Arguliner laut Telepolis um einen “Wahlkampfleitfaden der FDP” handelt, der “an die Öffentlichkeit gelangt” war.

Es wird so getan, als wäre hier wunder was aufgedeckt worden – dabei geht es in Wahrheit um einen stinknormalen Arguliner, wie es ihn zu praktisch jedem Thema und jeder Partei und Gruppierung, auf die man im Wahlkampf nun einmal angesprochen werden könnte, gibt. Speziell dieser ist nun aber nicht von der FDP, sondern den Jungen Liberalen, namentlich von Nils Droste und Hanni Wolf. Beide sind, soweit ich weiss, natürlich nicht nur im Bundesvorstand der Jungen Liberalen, sondern auch aktive FDP-Mitglieder. Wenn dass aber neuerdings reicht, einen Text zu einem Parteipapier zu machen, dann sollte ich als FDP-Mitglied die vielen Artikel, in denen ich FDP-Positionen öffentlich kritisiere wohl lieber sofort löschen, bevor die Piratenpartei sie “leakt”… jedenfalls handelt es sich eindeutig um ein Papier der Jungen Liberalen, was ja auch – wer lesen kann ist hier wie so oft klar im Vorteil – groß und deutlich oben drüber steht und im Übrigen wäre es auch recht unüblich, dass aktive Bundesvorstandsmitglieder der JuLis plötzlich anfangen, offizielle FDP-Papiere zu verfassen.

Überhaupt ist es faszinierend, wie im Hinblick auf diesen Arguliner so getan wird, als wäre da ein großes internes Geheimnis dank unerschrockener Hacker ans Licht gekommen. Die Wahrheit ist, dass solche Arguliner sämtlichen Mitgliedern frei zugänglich sind und dass sie natürlich nicht besonders gesichert irgendwo rumliegen. Wozu auch, der Inhalt ist kein bisschen brisant. Es geht lediglich darum, jungen Wahlkämpfern relevante Informationen und ein paar Argumente an die Hand zu geben, wenn jemand an den Wahlkampfstand kommt und einen mit der Piratenpartei und ihren Positionen konfrontiert. Daraus auf Angst der FDP vor den Piraten zu schließen, wie das momentan vielerorts gemacht wird, ist also reichlich abenteuerlich – eine solche “Angst” ist dann nämlich gegenüber allen anderen Parteien genauso vorhanden – auf deren Positionen bereitet man sich als Wahlkämpfer ja nunmal ebenfalls vor.

Und selbstverständlich ist der Hinweis, dass es irgendwie dämlich wäre, von sich aus im Wahlkampf die Piratenpartei anzusprechen, richtig und nur legitim. Daraus einen Vorwurf zu stricken ist ungefähr so sinnvoll wie den Piraten wiederum vorzuwerfen, dauernd zu behaupten die FDP würde nur so tun, als ginge sie Bürgerrechte etwas an – dem gemeinsamen Ziel in dieser Hinsicht das Land zu verändern dient das eindeutig auch nicht.

Aber Telepolis ist Telepolis. Und so erschreckt es kaum, dass im gleichen Artikel dann gleich mal ein bisschen Anti-FDP-Kampagne gefahren wird, indem man die “sexuelle Orientierung” (was ja fast schon klingt, als wäre Guido Westerwelle irgendwie total schräg drauf und nicht einfach nur homosexuell) des FDP-Vorsitzenden zu einem Problem hochstilisiert:

“Aufgrund seiner sexuellen Orientierung könnten sich in diesem Falle allerdings Probleme mit Staatsbesuchen in einer Reihe von Ländern wie Saudi-Arabien, Nigeria oder Jamaica ergeben.”

Klingt so allerdings viel eleganter, als wenn Telepolis direkt geschrieben hätte

“Wählt nicht die FDP, sie hat einen Schwulen zum Chef!”

Immernoch: Sommerloch

Sommer – dass ist offenbar selbst vor Bundestagswahlen die Zeit, in der jede noch so sinnlose Äußerung zu einer Meldung aufgeblasen wird.

Dass Deutschlands bunteste Zeitung eine halbgare Behauptung aufnimmt, in einen knalligen Satz umwandelt und das obligatorische Ausrufezeichen dahintersetzt, ist ja nix Neues und

Deutsche sollen Urlaub opfern!

ist eine Schlagzeile, die wir schon öfter und immer zu dieser Zeit gelesen haben.

Diesmal hat das nach Ansicht von BILD der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft Mario Ohoven gefordert.

Wie genau durch das Pfeifen auf Urlaub und damit verbundener Mehrarbeit dem Wirtschaftskrisen nun Mal eigenen Problem, dass es den meisten Unternehmen sicher nicht an Mitarbeitern und deren Arbeitszeit mangelt, sondern schlicht an Aufträgen, bleibt bis auf Weiteres das Geheimnis von BILD – soviel Tiefgang würde vermutlich aber auch die Wirkung einer so reißerischen Schlagzeile vermindern – und das wäre nicht nur ärgerlich, sondern fast schon richtiger Journalismus.

Piratenjagd im Kino

“Wer den neuen Harry-Potter-Film genießen will, muss offenbar damit rechnen, überwacht zu werden. Sicherheitsleute kontrollierten im Auftrag des Verleihers Zuschauer in zehn deutschen Kinos mit Nachtsichtgeräten. Das soll Filmpiraten abschrecken. Datenschützer ermitteln, ob diese Praxis legal ist.”

lesen wir in der Welt. Und ich frage mich: Warum um alles in der Welt sollte denn so etwas nicht legal sein? Jeder olle Supermarkt hat Kameras oder sogar Ladendetektive, die sozusagen die Einhaltung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen und letztlich auch geltender Gesetze überwachen, indem sie die Kundschaft beobachten. In diesem Fall wird noch nicht einmal etwas aufgezeichnet – wo ist das datenschutzrechtliche Problem?

Ob sich Kinos, die so etwas in Kauf nehmen, um bestimmte Filme zeigen zu dürfen, einen Gefallen damit tun, ob das Ganze wirklich verhältnismäßig ist und sich Filmverleiher Warner, auf dessen Betreiben die Kino-Detektive unterwegs sind, nicht völlig zum Gespött unter Filmfans macht, wenn er meint seine wichtigste Zielgruppe mit solchen Mitteln überwachen zu müssen, steht auf einem anderen Blatt.

Verglichen mit anderen datenschutzrechtlichen Sauereien, beispielsweise jene der deutschen Bundesregierung, ist der Preis, dass ein paar Detektive checken, ob ich meinen Camcorder zuhause gelassen habe, doch ein Witz.

Aber mal was anderes: Wie sinnvoll ist eigentlich die Bezeichnung “Pirat” für Leute, die ihre Lebenszeit für das Mitfilmen im Kino verschwenden, nur damit andere sich die dann in völlig beschissener Qualität irgendwo aus dem Internet saugen können? Sind Piraten nicht normalerweise blutrünstig oder wenigstens gierig? Man sollte mal über eine treffendere Bezeichnung nachdenken. Wie wärs mit Urheberrechtsverletzer? Klingt wahrscheinlich zu harmlos.

Fortschrittsverhinderungssteuer

Ob wohl (Straf-)Steuern auf Autos den Fortbestand eines weltweiten Postkutschennetzes hätte sichern können? Oder künstlich verteuerte Druckmaschinen den Beruf des Schreibers bis heute eine wirtschaftliche Relanz?

Über sowas Ähnliches denkt man gerade in den Niederlanden nach:

Eine niederländische Kommission hat eine Internetsteuer vorgeschlagen, die notleidenden Zeitungen helfen soll. Internetnutzer sollten jährlich zwei Euro zusätzlich zu ihrem Online-Anschluss bezahlen, empfiehlt eine von der Regierung eingesetzte Kommission in ihrem am Dienstag in Den Haag vorgelegten Bericht.

Immerhin finden die Verleger selbst diese Idee wohl eher blöde. Journalistengewerkschaften eher weniger – was ulkig ist, denn ich hätte erwartet, dass sich eher Druckereiangestellte freuen würden.

Wie dem auch sei: Beten wir, dass diese Vorschläge auch weiterhin weitgehend ignoriert und verlacht werden. Eine (weitere) Steuer mit dem einzigen Zweck den Fortschritt aufzuhalten wäre mehr als ärgerlich.

New Media

Gestern habe ich in einer Hamburger Buchhandlung das erste Mal einen E-Book-Reader ausprobieren können. Es handelte sich um den Sony Reader und zuerst dachte ich kurz, dass es sich um ein nichtfunktionierendes Plastikmodell des Gerätes handelte, weil der Bildschirm nicht wirkte wie ein Bildschirm, sondern wie, nunja, eine bedruckte Fläche. Aber genau dass ist ja der Witz an diesen Readern: Dass sie echtes bedrucktes Papier so perfekt nachahmen, wie es geht.

Das ist schon ziemlich gut gelugen, wie ich feststellen konnte. Der Sony Reader ist ansonsten zwar noch ein Stück vom (für mich) perfekten Gerät entfernt. Zum einen dauert das umblättern noch fast so lange, als hätte man ein richtiges Buch in der Hand, zum anderen ist der Preis von 300 Euro weit jenseits jeder Schmerzgrenze – um nur mal zwei offensichtliche Nachteile zu nennen. Aber das Teil gehört zur ersten Generation seiner Klasse und ich kann mir gut vorstellen, dass die Dinger sich in ein paar Jahren preislich auf dem Niveau von gewöhnlichen MP3-Playern, also zwischen 20 und 50 Euro bewegen könnten. Ob sie den Buchmarkt dann ähnlich krass umkrempeln werden, wie es die MP3-Technik mit dem Musikmarkt getan hat, bleibt abzuwarten – viele Menschen hängen vermutlich mehr an der Papierform von Büchern, als sie es an der Musik in CD-Form taten. Denn während es den Ohren (bei gleicher Qualität, versteht sich) egal ist, ob die Musik nun als Datei von einer Festplatte gelesen und in Sound umgewandelt wird oder von einer CD, ist die Sinneswahrnehmung insgesamt beim elektronischen Buch natürlich schon eine etwas andere, auch wenn der Bildschirm sich von einer Papierseite optisch kaum unterscheidet.

Stellen wir uns aber einen solchen E-Reader einmal mit einer schnellen und individuell konfigurierten (und am besten pauschal abgerechneten) drahtlosen Internetschnittstelle vor, dann bekommen wir plötzlich so etwas wie die ideale Zeitung: Über Newsfeeds, die der Nutzer seinem Geschmack entsprechend genau anpassen kann (was ja längst Stand der Technik ist – ich jedenfalls lese bereits seit Jahren auf diese Weise Zeitung), wird so ein Gerät zur stunden-, ja sogar minutenaktuellen und zudem an individuell einstellbare Interessen angepassten Tageszeitung.

Das mag sich für Manchen noch sehr nach Science Fiction anhören und für einige Vertreter der Medienbranche womöglich auch nach einem Horrorszenario, würde es doch nicht nur das Ende gedruckter Zeitungen und Zeitschriften, wie wir sie heute kennen bedeuten, sondern auch das Ende von der Zeitung als Einheit, wenn künftig die Nachrichten artikelweise von jedem Nutzer selbst zusammengesucht, statt von einer Redaktion zusammengestellt werden.

Dieses Szenario gleicht auch ohne den Gedankenausflug zur E-Paper-Zeitung einer echten Medienrevolution. Aber es deutet einiges darauf hin, dass diese Revolution nicht nur schon begonnen, sondern längst eine unaufhaltsame Eigendynamik entwickelt hat, die sich aufgrund der derzeitigen Wirtschaftskrise nur noch weiter beschleunigt.

Besonders deutlich wird das in Amerika, wie Manfred Messmer unlängst dargestellt hat. Die wichtigsten Säulen der gedruckten Zeitungen, nämlich das Geschäft mit Kleinanzeigen und eben die normale Werbung, ist dort seit Jahren rückläufig und bricht derzeit regelrecht in sich zusammen (nackte Zahlen dazu bietet diese Tabelle der Newspaper Association of America). Die ersten kleineren regionalen Zeitungen geben denn auch bereits ihr Printgeschäft auf und werden reine Onlinemedien – die nunmal gewisse Kostenvorteile haben.

Amerika ist natürlich Vorreiter und ein Grund für den Rückgang der Kleinanzeigen wird in der Tat sein, dass der kostenlose Online-Kleinanzeigenhoster Kijiji noch längst keine Craigslist ist, wie Netzwertig feststellt. Der Trend abnehmender Auflagen von gedruckten Tageszeitungen ist aber auch bei uns festzustellen. Nicht unwahrscheinlich, dass oben angesprochene technische Neuerungen diese Entwicklung schon in ein paar Jahren spürbar beeinflussen könnten.

Ein anderer Aspekt ist eine Art demographischer Schere: Der Durchschnittsleser von Gedrucktem wird immer Älter, beziehungsweise fangen weniger junge Menschen das Papierzeitunglesen überhaupt erst wirklich an. Auch damit hat Manfred Messmer sich kürzlich ausführlich befasst und empfiehlt Print-Verlegern, die jungen Leute lieber zu vergessen und sich stattdessen lieber auf die Menschen zu konzentrieren, die bereits jetzt den größten Teil der Kundschaft ausmachen. Vielleicht keine dumme Strategie – es dürfte schließlich kein Zufall sein, dass sich die Auflage der Jugendzeitschrift Bravo innerhalb von ungefähr 10 Jahren um gut zwei Drittel von 1,4 Millionen auf gut 400.000 reduziert hat. Andererseits treibt man, indem man sich auf eine Ältere Leserschaft einschießt diesen Trend im Zweifel noch ein bisschen weiter voran.

Trotzdem dürfte sich nicht allzuweit aus dem Fenster lehnen wer behauptet, dass es mittelfristig zu einem größeren Printmedien-Sterben kommen wird. Wenn die Anzeigenerlöse erstmal so weit weggebrochen sind, dass die Preise von Zeitschriften und Zeitungen über die Schmerzgrenzen ihrer jeweiligen Zielgruppen steigen und auch die Verboulevardung (oder wie sonst soll ich die Tatsache nennen, dass selbst der Spiegel immer seltener Politik auf dem Titel hat, dafür gerne mal so richtig esoterischen Kitsch, neben der dreiundneunzigsten Serie über Hitler oder die Mauer etc.pp.?) ausgereizt ist, kommt wohl für viele Medien irgendwann unweigerlich der Punkt, an dem sich die Verantwortlichen entweder für Online-only oder einen dauerhaften Redaktionsschluss entscheiden müssen.

Das alles wird natürlich auch negative Auswirkungen haben. Die ersten spürt jetzt schon, wer genau hinsieht. So ist gerade heute bekannt geworden, dass in unserem Nachbarort eine Druckerei (die haben alles Mögliche gemacht, unter anderem eben auch Zeitungen und Zeitschriften) schließen soll und der dahinterstehende Konzern in ganz Deutschland derzeit 350 Stellen abbauen muss und einige Druckmaschinen stillegen wird. In der aktuellen Krise ist so etwas vielleicht kaum mehr als eine Fußnote. Die Ursachen dürften aber die oben genannten sein.

Wie gesagt: Die Revolution hat längst begonnen.

Warum machen die das?

In der aktuellen Printausgabe des Spiegels beschweren sich die Autoren eines Artikels darüber, dass die böse Schützenlobby ihrer Meinung nach zuviel Macht hat und darum das Waffenrecht kaum verschärft wird und sich CDU und SPD stattdessen auf das inzwischen zum inoffiziellen und beim besten Willen nicht belegbarem Amoklaufgrund avancierte Paintball gestürzt haben. Jedenfalls habe ich auch in diesem Artikel nicht gelesen, wieviel Paintball denn nun der Winnendener Massenmörder gespielt haben soll.

Dafür kann man dort etwas anderes lesen: Wieder einmal den vollen Namen dieses Unmenschen. Und davon kriege ich jedes Mal die Krise. Offenbar arbeiten unsere Massenmedien systematisch daran, solche Killer, die in Wahrheit nichts, aber auch gar nichts als Verachtung verdient haben, zu Helden zu stilisieren, indem sie immer wieder völlig grundlos und auch ohne, dass es für den Leser irgendeinen Informationswert hätte, volle Namen und oft genug auch Fotos der Täter drucken.

Was soll sowas, was bezwecken die damit? Soll so sichergestellt werden, dass der nächste Vollversager  davon zu träumen beginnt, mithilfe einer unbegreiflichen Wahnsinnstat in die Annalen der Geschichte einzugehen und jedes Schulkind über Nacht sein Gesicht kennt und fürchtet? Ich begreif sowas nicht.

Appell: Konjunkturpaket 3 verhindern!

Die Freude darüber, Recht zu haben, ist zugegebenermaßen ganz gut fürs Ego. Darum habe ich in den letzten Tagen Artikel, in denen erklärt wird, wie überflüssig und schädlich die Abwrackprämie wirklich ist, gerne gelesen.

Und auch wenn heute in unserer nicht gerade für liberalen Kampfgeist bekannten Offline-Zeitung “Wochenblatt Elbe & Geest” das Konjunkturprogramm schon in der dicken Überschrift “Lizenz zur Geldverschwendung” genannt wird und beklagt wird, dass bürokratische Regeln zum Beispiel den millionenschweren Umbau einer 60 Jahre alten Sporthalle, nicht aber deren annähernd gleich teuren Neubau gestatten, gemeckert wird, fühle ich mich natürlich im Recht und geradezu mit visionärer Begabung gesegnet, weil ich von einem staatlichen Konjunkturpaket schlicht nichts anderes erwartet hatte.

Das Problem ist aber: Wenn nun eine kritische Masse der Menschen anfängt, dieses alles zu glauben, dann ist allen anders lautenden Beteuerungen zum Trotz ein drittes Konjunkturpaket vielleicht näher, als dem Steuerzahler lieb sein kann.

Die Mehrheit der Menschen glaubt nunmal an die Allmacht des Staates und dass der selbstverständlich auch die Wirtschaft zum Guten oder Schlechten lenken kann, wie es ihm gerade gefällt. Wenn also die bisherigen Konjunkturpakete Blödsinn waren, dann sind sie in den Augen dieser Menschen wahrscheinlich einfach nur zu klein gewesen. Kaum ein Geist ist zu klein um dann daraus zu schließen, dass halt noch mehr Kohle verpulvert werden muss, damit alles gut wird.

Darum mein Appell an die vierte Gewalt dieses Landes: Schreibt die Konjunkturprogramme schön, dass es kracht! Jubelt schamlos, wie hervorragend der neue Fünfjahresplan von StaatsratsvorsitzenderBundeskanzlerin Merkel sich auswirkt. Macht Bilder von all den schicken neuen Wärmedämmungen in Schulen und wachsenden Schrotthaufen auf den Autofriedhöfen der Republik, bildet all die glücklichen Besitzer von auf Raten bezahlten französischen Neuwagen ab.

Und verschweigt doch einfach Autohändler, die sich durch die späte Auszahlung der staatlichen Provision ein bisschen zu hoch verschulden mussten, hört auf damit, volkswirtschaftliche Schäden auszurechnen, die durch die Verschrottung von funktionsfähigen Fahrzeugen entstehen und bitte nehmt es auch mit der damit verbundenen Energieverschwendung nicht zu genau, egal wie toll ihr auch sonst jede noch so drollige Energiesparmaßnahme (Glühlampenverbot) oder blödes Zeichengesetze für den Klimawandel (“Licht aus, Kerzen an”) finden mögt.

Denn ein drittes Konjunkturpaket würde selbst nach heutigen Maßstäben, nach denen 100 Milliarden Euro eine Größenordnung sind, mit der man mal eben herumjongliert, exorbitant groß werden (wir haben schließlich Wahlkampf, die größte Koalition aller Zeiten wartet also nur auf eine Gelegenheit, unser Geld zu verjuxen) – und doch genauso wirkungslos, wie seine Vorgänger.

Also liebe Journalisten, nehmt bitte diese gesamtgesellschaftliche Verantwortung wahr und haltet schön die Klappe, wenn ihr versehentlich mal was von der Realität erkennt.

« go backkeep looking »
  • Löffel voller Weisheit

    Der McCarthyismus war die Pervertierung der guten und richtigen Sache des Antikommunismus. Dass die rote Ideologie daraus bis heute propagandistischen Nutzen ziehen kann, darf dem Senator nie verziehen werden. — Daniel Fallenstein

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