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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Interview mit einem Hirsch

Montreal - Hamburger Punkrock vom Feinsten

Diese sympathischen Jungs hier, die ich schon vor langer, langer Zeit mal empfohlen habe und die ich, sofern mich Staus, Unfälle, Schietwetter und die Abwesenheit einer vernünftig ausgeschilderten Autobahnabfahrt aus südlicher Richtung nicht davon abgehalten hätten, auf dem Open Flair letztens beinahe Live gesehen hätte, haben eine ganz ordentliche Einstellung zum Thema Musikpiraterie:

F: Wie steht Ihr zu Raubkopien und illegalen Musikdownloads?
A: Wir sehen das sehr entspannt. Um das zu erklären, muss ich aber etwas weiter ausholen…
Der Tod der CD-LP-Plattenindustrie kommt ja nun schon seit ca. 10 Jahren mit großen Schritten näher. Da kann man sich doch zumindest nicht beschweren, dass man von heut auf morgen ins kalte Wasser geworfen wird und jetzt klarkommen muss. Klar verkauft kaum noch irgendwer Platten – aber das muss ja nicht nur Nachteil sein. Wenn man sich darauf einläßt und einfach akzeptiert, dass die 70er/80er/90er vorbei sind und es nie wieder so sein wird, wie es war, dann kann man dem ganzen auch sehr viel Positives abgewinnen. Witzfiguren wie Lars Ulrich und ihre lächerlichen Kampagnen gegen Raubkopien können einem eigentlich nur Leid tun, weil sie kaum noch mehr demonstrieren können, wie sehr sie von gestern sind. Wo ist denn das Problem? Es werden kaum noch Platten verkauft, aber die Leute gehen viel mehr auf Konzerte und kaufen Merchandise wie nie zuvor. Noch nie konnten Bands unabhängig von großen Plattenfirmen, deren Kapital und Vertriebsstrukturen so viel erreichen wie heute.

Mit der heutigen Technik kann jeder für ein paar Tausen Euro ein brauchbares Album produzieren, das wäre vor 15-20 Jahre undenkbar gewesen. Über das Internet kann man besser denn je Kontakte zu anderen Bands, Veranstaltern und direkt zum Hörer aufbauen. Wenn eine Band sich also auf den Hosenboden setzt und fleißig ist – viel – sehr viel live spielt, dann sehen die Chancen heutzutage deutlich besser aus, als zu der Zeit, wo alles einzig und allein von der Gunst von Plattenfirmen abhing.

Unsere Lieder zum Beispiel wurden allein bei MySpace 300.000 mal angehört – ich habe keine Ahnung wie viele sich unsere Alben runtergeladen haben, aber es wird ein vielfaches sein von dem was wir verkauft haben. Nun ist es doch aber so, dass sich somit die Musik ähnlich dem Schneeballverfahren verbreitet und im Idealfall Hörer überzeugt – und wenn man dann ein Konzert in der Stadt gibt, kommt der überzeugte Hörer vorbei, zahlt Eintritt und nimmt vielleicht noch ein Shirt mit. Das ist doch ein gesunder Prozess, den wir für sehr angemessen und verhältnismässig halten.

Im Grunde wurde die Macht über den Musikmarkt, die jahrzehntelang in den Händen von wenigen Plattenfirmen lag und verstaubt ist verlagert zum Musikhörer und auf viele kleine Indie-Labels und Bands. Jahrezehntelang haben unbewegliche Plattenfirmen entweder nur bereits große Stars weiter verwaltet wurden oder eben in auf schnellen finanziellen Gewinn ausgelegte Chart-Projekte investiert wurde, die bei auch nur angedeutem Misserfolg wieder eingestampft wurden. Dieses Konstrukt ist jetzt nahezu komplett aufgebrochen und alles wuselt umher – wo das alles hinführt kann man kaum absehen, aber der frische Wind tut der Musikwelt sicher sehr gut.

Und ich sag es nochmal: für kleine, jetzt erst wachsende Bands ist das alles sicherlich eher von Vorteil – insofern danke danke danke danke liebe Downloadleute – allein, die panischen Gesichter der ganzen alten peinlichen Rockstars war es uns doch wert. Lars Ulrich wacht bestimmt heute noch schweißgebadet im Westflügel seines Anwesens auf und hadert mit dieser ungerechten Welt, die es so schlecht gemeint hat mit seinem Leben – all die schönen Urheberrechtslizenzen: Futschikato – und warum? Wie immer: wegen diesem Scheiß-Internet. Alles macht es kaputt, A L L E S!!

Und so etwas sagt ein junger Musiker, der vermutlich in den drei Jahren, die es seine Band Montreal aus Hamburg gibt, noch nicht soviel Kohle verdient haben dürfte, dass er sich zur Ruhe setzen könnte. Der Mann ist einfach nur realistisch, statt auf hohem Niveau rumzujammern.

Auch der Rest des Interviews ist übrigens zu empfehlen und wenn man intelligenten, witzigen deutschsprachigen Punkrock schätzt (hier kann man die Lyrics nachlesen), sollte man ruhig mal auf der entsprechenden Myspace-Seite unverbindlich reinhören.

Und vielleicht sogar ne CD kaufen.

PS: Nur zur Erläuterung der vielleicht Fragen aufwerfenden Überschrift: Hirsch heißt das interviewte Drittel der Band.

Die Hütte rockt

Bin grade auf ein interessantes Festival hingewiesen worden, das “Die Hütte rockt” in Georgsmarienhütte.

Für lumpige 18 Euro kriegt man zwei Tage Punk, Metal und Ska satt.

Die Bandliste sieht wie folgt aus (dahinter steht jeweils das Genre, so wie die Veranstalter es einordnen):

  • Nutellica – Heavy Metal
  • Karpatenhund – Deutsch-Rock
  • Radiant – Alternative/Indie Rock
  • Indoor – Alternative Rock/Punk Rock
  • ReplicA – Metal
  • Frog Bog Dosenband – Fun Rock
  • The Skatoons – Hamburg Ska Punk
  • Nachtgeschrei – Mittelalter-Rock
  • Drone – Thrash Metal
  • Predator – Moderner Power Metal
  • Bitter Piece – Thrash Metal
  • Bitter Orange – Kickass Rock
  • the unfading beauty – New Rock
  • Nezzer – Rock – Indie – Postpunk
  • proud addiction – Highschool-Punk
  • Drunkards – Rock

Ja ich weiß, ich kenn da auch jetzt nur einige wenige Namen flüchtig. Aber das ist mir bei dem Preis erstmal wurst und da es relativ dicht bei ist, wird wohl kein Weg dran vorbei führen.

Letztendlich geht es bei einem Festival auch weniger darum, die Bands zu hören die man sonst auch hört, sondern darum interessante Leute kennen zu lernen und mit ihnen zu feiern, neue Bands kennen zu lernen und die zu feiern und natürlich das ganze Flair drumherum zu genießen.

N paar Mitstreiter suchen wir uns noch und denn gehts los. Wer sich anschließen möchte soll sich melden.

Mehr Info gibts hier.

Brennerstudie

Ausgerechnet die Musikindustrie gibt jedes Jahr eine sogenannte “Brennerstudie” heraus. Darin geht es nicht um eine Autobahn durch die Alpen, wie man meinen könnte. Eigentlich geht es inzwischen sogar kaum noch um CD-Brenner. Das aktuelle Feindbild der Musikindustrie scheinen laut Spiegel Online vor allem MP3-Dateien und dazugehörige Player zu sein:

Die Zahl der auf MP3-Playern, Musikhandys und PC-Festplatten gespeicherten Musikdateien soll sich im letzten Jahr verdoppelt haben, sagt die Musikindustrie – und legt noch einen nach: Jeder zweite Jugendliche hört seine Musik vom MP3-Player.

Okay, ich bin entsetzt… Mal ehrlich, was er wartet denn die Musikindustrie? Dass man, nur weil Dateien als Format ihr ein Dorn im Auge sind, auf die 80er- und 90er-Jahre-Technik der Diskmans zurückspringt? Ich mein die Dinger sind knapp 10 mal so groß gewesen wie ein kleiner MP3-Player von heute, gleichzeitig bekomme ich aber ein Vielfaches an Musik drauf, die ich dann zu jeder Zeit an jedem Ort hören kann.

CDs sind scheiße. Ich kauf mir zwar meine Musik trotzdem fast ausschließlich auf CD. Noch bevor ich sie das erste Mal anhöre, wandert sie jedoch erstmal zum Rippen in den Rechner, damit ich sie parat hab. Die CD kommt dann ins Regal, die Musik liegt ja auf dem Rechner. Von da lade ich sie dann bei Bedarf auf meinen MP3-Player oder spiele sie direkt über den Rechner ab.

Das ist vielleicht nicht unbedingt dass, was sich die Musikindustrie wünscht wie ich mit ihren Produkten umzugehen habe – aber es ist praktisch und im Zusammenhang mit der heutigen Technik für mich die einzig logische Vorgehensweise.

Was also soll ich nun davon halten, wenn in dieser Brennerstudie die Existenz von MP3-Playern, Musikhandys und 16 Milliarden digitalisierten Musikstücken (was, oh Schreck, einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr entspricht) mehr oder weniger angeprangert wird?

Michael Haentjes, Vorsitzender der Deutschen Phonoverbände, fürchtet, durch diesen Trend zur Digitalisierung der Musik könne “das Gefühl für den Wert von Musik verloren” gehen, “weil eine Festplatte immer das Gleiche wiegt – egal ob 100, 1000 oder 10.000 Musikdateien darauf gespeichert sind”.

Die Hervorhebung stammt von mir, das Zitat aus oben verlinktem Artikel. Eine interessante These. Dadurch, dass Musik endlich nicht mehr nur aus einer mehr oder weniger sperrige Anlage kommt, soll sie weniger wert sein? Nach dieser Logik sollte man private Wasseranschlüsse verbieten, damit wir uns bewusst werden wie wertvoll Wasser eigentlich ist. Diesen Unfug von wegen wiegt immer das Gleiche und so ignorier ich mal gar nicht erst, das ist einfach zu albern (wiegt eigentlich eine Maxi-Single weniger als ein Album?).

Es ist schon erstaunlich, wie sehr sich eine Industrie – deren Kerngeschäft das Aufspüren und Vermarkten von Trends und Modeerscheinungen ist – sich seit Jahren gegen die digitale Revolution (die sie selbst mal mit ihren Musik-CDs eingeläutet hat, aber das mal nur nebenbei) sperrt, die ihre wichtigsten Kunden ohnehin längst verinnerlicht haben.

UPDATE: Einen weiteren guten Kommentar zum Thema gibt es übrigens hier (mit Dank für den Tipp an den Wendländer, siehe Kommentar)

Rolling Stones in Hamburg

Wie mich soeben ein Newsletter informierte, kann man ab sofort Tickets für die Rolling Stones kaufen. Voraussetzung ist, außer dass man die Musik toll finden sollte, dass einem die legendäre Truppe zwischen 80 und knapp 190 Euro wert sind, die die Tickets für das Konzert am 15. August in Hamburg kosten.

Montreal

Sie heißen einzeln Yonas, Hirsch und Max Power und haben vor zwei Jahren ihre Band “Montreal” gegründet. Im letzten Jahr haben sie ihr erstes Album “Alles auf Schwarz” veröffentlicht, dessen stolzer Besitzer ich seit kurzem bin – nachdem man mir die Band empfohlen hat.

Sie klingen ein bisschen wie die deutsche Antwort auf The Offspring, ein wenig vielleicht auch wie die Ärzte. Auf den letzten 4-5 Partys bei denen mein eigener Rechner für die Musik zuständig war, war bereits des öfteren der Titel “Solang die Fahne weht” zu hören – eine nette Nummer, ordentlich flott und mit einem interessanten und witzig aufgemachten Thema (das man vielleicht mit “Was wir von Möchtegern-Punks halten” überschreiben könnte). Der Titel kommt jedenfalls an. Wer das selber testen möchte: Den Titel kann man (so wie zwei weitere) legal kostenlos auf Myspace herunterladen: http://www.myspace.com/montrealmusic.

Seit kurzem kann ich nun also quasi das bisherige “Gesamtwerk” der drei beurteilen – und bin nicht enttäuscht worden. Wer gutgemachte, punkige Rockmucke mag und nichts gegen zumeist witzige deutsche Texte hat (hat natürlich zur Folge dass man sich mit den Liedern mehr beschäftigt als sie einfach nur in falschem Englisch mitzugröhlen…), dem dürfte diese junge Hamburger Band genauso gut gefallen wie mir.

Website: http://www.montrealmusic.de

Alles auf Schwarz

  • Löffel voller Weisheit

    Goethe ist eigentlich der klassische Blogger: zu jedem Thema alles besserwissen. — Christian Soeder

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