Jul 04 2009
Kritisches zum Umgang mit Alkohol
Für gewöhnlich sehen meine Artikel, wenns um Drogen im Allgemeinen und Alkohol im Besunderen geht, recht einseitig aus. Das liegt daran, dass dort im Augenblick viel Mist passiert und Politiker Zigaretten und Alkohol immer häufiger für Teufelszeug halten und ein Gängelungsgesetz nach dem nächsten planen und leider auch viel zu häufig beschließen. Es gibt hier einen deutlichen Trend in Richtung Verbotspolitik und der gehört nunmal kritisch begleitet wenn man – wie ich – der Ansicht ist, dass Rauchen und Trinken gefälligst Privatsache sein sollten.
Diese Grundeinstellung bedeutet allerdings nicht, dass ich dem Thema Alkohol total unkritisch gegenüber stünde. Das verbietet sich allein schon aufgrund überreichlicher Erfahrungen mit Alkoholismus in meiner unmittelbaren persönlichen Umgebung aber natürlich hat es auch etwas mit Vernunft zu tun, so ein Thema ernsthaft zu behandeln.
Den Fall der “tödlichen Tequila-Trinkwette”, wie ihn das Hamburger Abendblatt nennt, bietet genau dazu Anlass. Was da in einer Berliner Kneipe passiert ist, macht regelrecht fassungslos. Als wäre es nicht schon genug damit, wenn sich ein Erwachsener einen offensichtlich im Alkohol trinken unerfahrenen 16jährigen (zumindest spricht sein Trinkverhalten gegen allzuviele Erfahrungen damit und im Übrigen hätte er ja sowieso keine harten Sachen trinken dürfen) zu einem Wetttrinken aussucht und dieses dann auch noch richtig übertreibt (über 45 Gläser eines ziemlich harten Schnapses müssten allein von der Menge her selbst einen in dieser Hinsicht vielleicht etwas abgehärteten Kneipenwirt mal zum Nachdenken bringen), bescheisst der Mann bei diesem sowieso saublöden Wettkampf auch noch schamlos, indem er, der doch wissen muss, dass dieser minderjährige Junge vor dem Tresten doch im Zweifel nicht mehr, sondern eher weniger als er selbst wird vertragen können, sich selbst zwischendurch Wasser einschänken lässt.
Am Ende war der Junge mit irren 4,4 Promille Alkohol im Blut ins Koma gefallen und wenige Wochen später gestorben. Und auch wenn der Anwalt des Wirtes ins Feld geführt hat, dass der 16jährige grundsätzlich doch um die Gefahren gewusst habe und über einige Trinkerfahrung verfügte, ist doch ziemlich klar, dass den Wirt mindestens die moralische Schuld voll trifft. Denn er hat schon mit der Entscheidung, einem Minderjährigen etwas zu trinken zu geben, eine gewisse Verantwortung für diesen Übernommen. Dass man in dem Alter natürlich gerne herumprahlt ist eine Binsenweisheit und einen Jugendlichen bei so einem Wettbewerb noch zu betrügen und so bewusst dafür zu sorgen, dass dieser mehr trinkt als er selbst (in diesem Artikel ist die Rede davon, dass er ungefähr 20 mal Wasser getrunken hat), dass alles ist so dämlich, das es bestraft gehört.
Und ich habe nicht einmal Lust darüber nachzudenken, ob drei Jahre und fünf Monate Gefängnis jetzt die gerechte Strafe dafür sind oder nicht. Um so ein Arschloch, dass leichtfertig Gesundheit und Leben eines Jugendlichen aufs Spiel zu setzen bereit war, nur um auf Teufel komm raus zu zeigen, dass er mehr saufen kann als der Junge, dürfte es dieser Gesellschaft wohl nicht schade sein.
Es bleibt abschließend anzumerken, dass es sich bei alledem nicht um eine Flatrate-Party gehandelt hat, das Ganze weder in einer Tankstelle noch in einem Supermarkt stattfand und Verkaufsverbote dort diese Geschichte also auch nicht verhindert hätten und dass der Junge sich nicht an Bier vergiftet hat, weshalb es also ebenfalls nichts geändert hätte, dürften erst 18jährige es trinken. Auch nichts geändert hätte es, wäre Alkohol erst mit 21, 25 oder 30 Jahren erlaubt, denn um Jugenschutzgesetze haben sich beide in diesem Fall einfach mal nicht gekümmert – mag man verurteilen, kommt aber offenbar vor.
Dummheit und mangelndes Risikobewusstsein lassen sich einfach nicht verbieten.










