Was würden wir wohl von einem Restaurant denken, dass einen Restaurantkritiker rauswirft, weil seine Kritik ja negativ ausfallen könnte? Und jetzt stellen wir uns mal vor, man würde uns Gefängnis androhen, wenn wir dieses Lokal, dass sich nicht einmal öffentlicher Kritik zu stellen bereit ist, nicht länger besuchen wollten.
“Freiheit ist die Freiheit zu sagen, daß zwei und zwei gleich vier ist. Sobald das gewährleistet ist, ergibt sich alles andere von selbst.”
schrieb schon Orwell. Und in meinen Augen ist von diesem Freiheitsbegriff das Recht, Missstände als solche zu benennen nicht allzuweit entfernt.
Nun haben wir in Deutschland eine Schulpflicht, was bedeutet, dass eben Knast droht, wenn man nicht in die Schule gehen will. Diese Tatsache allein sollte eigentlich Rechtfertigung genug dafür sein, dass sich Schulen und Lehrer einer öffentlichen Bewertung zu stellen haben sollten. Woher sonst sollte in einem verbeamteten Schulsystem auch der für eine optimale Ausübung des Lehrererberufs nötige Druck kommen, den wir bei so gut wie allen anderen Berufsgruppen nicht nur akzeptieren sondern wo wir uns empören würden, würde es ihn nicht geben?
Wer – wie zum Beispiel CDU-Generalsekretär Volker Kauder – solche Anliegen pauschal als Denunziantentum abtut, lässt recht tief blicken, wie er von Schülern denkt. Es ist schon klar, dass über schlechte Noten enttäuschte Schüler oder solche, die bestimmte Lehrer einfach nicht abkönnen vielleicht auch mal nicht objektiv bewerten könnten. Taugt der Lehrer ansonsten etwas, dann muss ihn eine solche Aussicht aber doch nicht weiter schrecken.
Auch sonst gehe ich mit dem eigentlichem Anlass zu diesem meinem Artikel, nämlich Gideon Böss’ Artikel über das Internetportal Spickmich.de, beziehungsweise die Aufregung darum ziemlich konform. Es müssen endlich Mechanismen her, damit gute Lehrer sich hervorheben und damit nicht ganz so gute eine bessere Motivation bekommen, eben besser zu werden. Ich verstehe jeden Lehrer, der davon weniger begeistert ist – aber hier geht es nicht um ein paar Einzelinteressen, hier geht es nichtmal darum, partout marktwirtschaftliche Methoden zu etablieren. Es geht alleine darum, Bildung zu verbessern und dazu sind Mechanismen wie Evaluierung und Qualitätssicherung ebenso wie zielgerichtete Weiterbildung der Mitarbeiter unerlässlich – das gilt in jedem Betrieb in jeder Branche und letztlich nunmal auch in Schulen.
Debattenbeiträge wie der folgende von Volker Kauder sind dabei natürlich wenig hilfreich. Er sagt:
“Sollen Lehrer demnächst anonym ihre Schüler bewerten? Oder Verurteilte die Richter?”
Die ehrliche Antwort darauf müsste lauten: Sofern Schüler sich dafür von Lehrern bezahlen ließen, dass diese ihnen etwas beibringen dürfen, würde ich eine solche Bewertung sicherlich befürworten, wenngleich der Datenschutz zum Beispiel bei minderjährigen Schülern sicherlich eine andere Rolle spielen dürfte als bei erwachsenen Lehrern.
Aber dass Produzenten und Dienstleister sich öffentlicher Kritik stellen sollten oder diese zumindest nicht verbieten dürfen sollten, dass sollte angesichts der Beliebtheit unterschiedlichster Bewertungswebsites oder auch (teis sogar staatlichen!!) Institutionen wie den Verbraucherzentralen, der Stiftung Warentest, dem ADAC, dem TÜV, Ökotest usw. usf. doch nicht im Ernst in Zweifel gezogen werden.
Mal ganz davon abgesehen, dass Meinungsfreiheit selbstverständlich auch eine Rolle spielt in so einem Zusammenhang. Die elementar wichtige Freiheit sagen zu dürfen, daß Mist Mist ist eben.