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Schluck aus der Pulle

Die Bundestagsabgeordneten genehmigen sich, wie üblich nach Wahlen, erstmal einen ordentlichen Schluck aus der Pulle. Und wir stellen, wie üblich nach Wahlen, wieder einmal fest: Es ist und bleibt ärgerlich, wenn Leute sich selbst aussuchen dürfen, wie viel Steuergeld ihnen monatlich überwiesen wird. Aber vermutlich wäre auch sonst niemand in der Lage, fair und unvoreingenommen zu beurteilen, was für eine Diät so ein MdB denn erhalten sollte. Meiner persönlichen Meinung nach hätten die allermeisten eigentlich keinen müden Cent “verdient” – aber genau um das, was verdient wäre, geht es bei der Abgeordnetenentschädigung ja eben nicht. Wahrscheinlich wäre das “Zettel-Modell” darum nach wie vor das fairste Verfahren. Da aber für die weitaus meisten Abgeordneten des Deutschen Bundestages der Einzug in eben diesen – finanziell betrachtet – einen großen Sprung nach vorn bedeutet, werden wir die Einführung eines Modells, dass Abgeordnete auf Basis ihres Lohns vor dem Mandat entschädigt, garantiert niemals erleben. Fairness hört auch im Bundestag beim eigenen Geldbeutel auf.

Es bleibt die Erkenntnis, dass Parlamentarier sich offenbar für genau so wichtig halten, wie sie Bundesrichter finden. Das ist ein interessantes Selbstbild, wo doch Parlamentarier – theoretisch gesehen – einfach nur den Willen des Volkes abbilden sollen, ihre Funktion also – theoretisch – rein repräsentativ sein sollte. Während Bundesrichter wiederum in Wahrheit diejenigen sind, die die Bürger – theoretisch – vor den großen Fehlern von Parlament und Regierung beschützen sollen. Was ich in meiner jugendlichen Naivität ja als den sehr viel größeren Dienst an der Allgemeinheit werten würde. Aber wer bin ich schon, dass ich die weisen Entscheidungen der klügsten Männer und Frauen der Welt anzweifeln dürfte. Von daher: Sollen se halt machen, man muss auch gönnen können. Immerhin kurbeln höhere Löhne ja die Wirtschaft an und so weiter, hurra, hurra.

Wie ist das eigentlich: Dürfen eigentlich Bundesrichter nebenbei noch als Anwalt oder Unternehmer ein paar Tausender dazu verdienen? Ich frag ja nur.

Womit die FDP in den Europa-Wahlkampf zieht

“Wir sind davon überzeugt, dass Europa langfristig auf der Basis einer gemeinsamen Verfassung ein föderaler Bundesstaat werden sollte. Dieser Weg mag noch weit sein, aber er ist das erklärte Gegenmodell zum Rückfall Europas in eine nationalstaatliche Kleinstaaterei.”

Sagt die FDP. Das mit der Verfassung ist ja bekanntlich schon vor Jahren gescheitert. Nicht an bösen Nationalisten, sondern den Bürgern. Demnach hätte sich alles Weitere also eigentlich schon erledigt – wenn die FDP Demokratie ernst nehmen würde und ein Problem damit hätte, einfach immer wieder abstimmen zu lassen, bis das gewünschte Ergebnis rauskommt. Wieviel Prozent der EUropäer wohl in so einem europäischen Superstaat leben wollen? Wieviel Prozent der Deutschen? Aber klar, des Volkes Wille interessiert FDP-Parlamentarier ja ohnehin nicht. Ihr Einsatz für eine Volksabstimmung zur Europäischen Verfassung auch bei uns damals ist ja bekannt. Und diese geile Idee, so einen Kampfbegriff wie “Kleinstaaterei” da reinzuschreiben. In Deutschland kamen nach dem Ende der Kleinstaaterei erstmal zwei Weltkriege, weil sich Großdeutschland einfach noch nicht groß genug fühlte. Tolle Tradition, der wir uns da annähern! Und überhaupt, seit wann bedeuten möglichst große Staaten mehr, nicht weniger Freiheit? Wird Amerika, seit es seine aktuelle Größe hat, etwa freier und nicht unfreier? China? Russland? Sind wir so dämlich?

Wie Extra3 “recherchiert” – und wie Rot und Grün das nutzen

An einer Posse aus meiner Heimatstadt und dem, was die von uns allen zwangsweise finanzierte Satiresendung des NDR daraus macht, lässt sich sehr schön aufzeigen, wie die Extra3-Redaktion durch Weglassen und Verbiegen im Dienste der Witzischkeit so arbeitet.

Es geht dabei darum, dass Kinder Krach machen. Das ist jetzt keine neue Erkenntnis, sondern sollte jedem, der mal selber Kind gewesen ist, bekannt sein. Kinderspielplätze sind darum zwangsläufig besonders laut und so schön es auch ist, wenn Kinder einen Platz haben, an dem sie spielen und toben können: Wenn dieser Platz Anwohner hat, dann fühlen die sich ab einem gewissen Lautstärkegrad über eine gewisse Dauer am Tag einfach gestört. Das kann man jetzt verdammen oder verstehen – in Winsen ist ein solches Problem aber jedenfalls irgendwann in die Hände der Politik gewandert.

Und so hat bereits im Jahr 2010 der Lenkungsausschuss zu einem “Soziale-Stadt-Projekt” im Rahmen seines Gesamtkonzeptes den Bau einer Lärmschutzwand an einem Spielplatz einstimmig empfohlen, was anschließend durch den Verwaltungsausschuss wiederum einstimmig beschlossen wurde. Einstimmig heisst, dass nur zum Verständnis dass alle dafür waren. Also auch diejenigen, die jetzt Zeter und Mordio schreien, weil sie ihr sprichwörtliches Geschwätz von gestern nicht mehr schert – und die sich dann auch nicht entblöden, bei Extra3 vor die Kamera zu treten und ihren eigenen Beschluss zu verteufeln.

Irgendwann zwischen 2010 und 2013 fand die Winsener Politik (mit Ausnahme der CDU) die Idee mit der Lärmschutzwand doch nicht mehr gut und man wollte das Ganze möglichst geräuschlos (um sich nicht selbst ins Knie zu schießen, weil man ja vorher einstimmig dafür war und so) aus der Welt schaffen. Was man wiederum finden kann, wie man will – ich persönlich finde es allerdings nachvollziehbar und halte es für einen harmlosen, pragmatischen Politikertrick. Es gab jedenfalls den Antrag, eine alte Lärmschutzwand der Bahn zu verwenden, die die Stadt umsonst hätte haben können. Allerdings – und das war der eigentliche Trick – unter der Maßgabe, dass die Wand schadstofffrei sein müsste. Was sie logischerweise nach Jahrzehnten direkt an einer der vielbefahrensten Bahnstrecken Deutschlands nicht sein konnte – und auf diese Weise hätte man sich mit einem lockeren “ja dann gibts halt keine Wand” allerseits einigermaßen gesichtswahrend aus der Affäre ziehen können.

Wenn nicht die linke Seite des Hauses bei ihren Kumpels von Extra3 angerufen hätte und aus der Wand, die sie einst selbst mitbeschlossen hat, ein “Privatprojekt” eines einzelnen CDU-Mannes*, der dort Anwohner ist, hingelogen hätte:

Da kann man als Winsener nur noch sagen: Danke für den sinnlosen Imageschaden – für dessen (absichtlich) schlecht recherchierte, dafür aber allzu willige Verbreitung auch jeder Winsener knapp 20 Euro Fernsehsteuer im Monat abzudrücken hat.

* Der sich mit dem seltendämlichen Beirut-Vergleich sicher auch keinen Gefallen getan hat.

FDP macht wieder Spaß!

Bewährtes soll man pflegen, never chance a winning team. Werden sich die Initiatoren der (übrigens nicht spießig gemeinten, lol) “Kartoffelküche” gedacht haben, als sie in Anlehnung an die legendäre “Pizza-Connection” zwischen schwarz und grün beschlossen, regelmäßige Treffen zwischen der außerparlamentarischen FDP und der regierenden Union zu organisieren. Denn jetzt, wo die FDP in Berlin nicht mehr vorhanden ist, muss man ja schließlich trotzdem irgendwie versuchen, ihr das eigene Programm immer und immer wieder einzuimpfen – nur für den Fall, dass sie doch nicht völlig tot ist und man irgendwann wider Erwarten in die Bredouille kommt, wieder mit ihr regieren zu müssen.

Offiziell geht es natürlich, auch wenn man “der natürliche Partner” vom jeweils anderen sei (Zitat Otto Fricke)* um was ganz Anderes. Nämlich um die Frage “Was heißt eigentlich bürgerlich heute?”

Der Club scheint recht exklusiv zu sein, FDP-Mitglieder erfahren von diesem Projekt ausgerechnet über Spiegel-Online. Namen werden da zur Sicherheit bisher aber gar nicht genannt. Ich habe ja den leisen Verdacht, dass es sich vor allem um ehemalige Bundestagsabgeordnete handelt. Also genau die Leute, die immer noch meinen, die letzten vier Jahre definiert zu haben, was wohl “bürgerlich” bedeutet. Mit dem bekannten, wahnsinnigen Erfolg. Diejenigen, die völlig losgelöst von der Basis den Karren nach allen Regeln der Kunst und unter Verrat an den wichtigsten Prinzipien des Liberalismus vor die Wand gefahren haben, basteln völlig ohne Machtperspektive und ohne Mandat schon mal an der Neuauflage dieses Desasters. Dieses Kartoffelprojekt ist so absurd, dass man es einfach lustig finden muss.

Doch auch eine weitere Nachricht sorgt für Heiterkeit: Christian Lindner, selbsternannter Messias und Vorsitzender, den die FDP nur los wird, wenn er nach der (auch für ihn als damaligen Vizevorsitzenden) herben Niederlage im letzten Jahr auch 2017 die Wahl verliert, will neben dem Bundesvorsitz auch den Landesvorsitz in Nordrhein-Westfalen weiter führen. Zur Vollendung seiner perfekten One-Man-Show sei dazu von meiner Seite wärmstens empfohlen, auch die 15 anderen Landesverbände am besten persönlich zu übernehmen. Schließlich kann man ja nie wissen.

Leute, wer hätte gedacht, dass die FDP ausgerechnet nach dem Rauswurf aus dem Bundestag ihr Image als Spaßpartei dermaßen konsequent reaktivieren würde? Ich bin begeistert – und kann die Endhüllung des Lindner-Mobils für den 2017er-Wahlkampf jetzt schon kaum noch abwarten.

* Otto Fricke wies mich inzwischen darauf hin, dass das Zitat unvollständig ist, was er als unfair empfindet. Im Interview heisst es vollständig: “Wir wollen einen langjährigen Gesprächskreis zusammenbekommen, um zu sehen, wo man Gemeinsamkeiten hat und wo man sich unterscheidet. Das ist doch besser als, wie früher, einfach zu sagen: Man ist der natürliche Partner des Anderen.”

Klar, es ist polemisch, es so auszulegen, wie ich es getan habe. Trotzdem klingt das Ganze auch im Kontext für mich schwer danach, möglichst bald wieder eine schwarzgelbe Koalition veranstalten zu wollen. Was ein legitimer, für mich aber nichtsdestotrotz und besonders zu diesem Zeitpunkt absurder Wunsch bleibt. Den Hinweis auf das unvollständige und dadurch vermutlich missverständlich rüberkommende Zitat bitte ich als Beitrag zu einer fairen Debatte zu verstehen. Mit Erlaubnis von Herrn Fricke darf ich ihn aus einer Mail an mich zu diesem Thema zitieren:

“Es gibt für eine demokratische liberale Partei keinen natürlichen Partner, weil dieses schon in dem kleinen intellektuellen Diskurs und den Grundsätzen von Freiheit zur Verantwortung vollkommen widersprechen würde.”

Das unterschreibe ich gern.

Mehr Regierung, mehr Parlament für Europa?

Die EU braucht keine Regierung, bevor sie kein Staat ist. Ein Staat ist sie nicht, bevor nicht alle EU-Bürger für eine gemeinsame Verfassung gestimmt haben. Ein vernünftiger Schritt nach dem anderen anstelle des seit Jahrzehnten von oben verordneten irrwitzigen Laufschritts würde schon viel fürs Image der EU tun.

Allerdings bleiben Dinge wie “europäische Gesetze” überflüssig: Schleswig-Holstein braucht keine Seilbahn-Verordnung, daran ändern anderslautende EU-Gesetze auch nichts. Wir haben zudem in der Bundesrepublik bereits Parlamente auf Bundes- und auf Landesebene und beide sägen stetig an unserer Freiheit, weil sie netto jedes Jahr mehr Gesetze produzieren als abschaffen. Dem einfach eine weitere Ebene hinzuzufügen beschleunigt diese Erosion lediglich. Das kann keiner wollen.

Unweihnachtliches von linksaußen

Unsere Hypothese für die Flora-Räumung: 200 Leute, 400 Mollis und dazu 50 GenosInnen mit Zwillen, jeweils 15 Schuss Stahlkugeln – und die Bullen werden den Abstand einhalten der geboten ist. Zweitausend bewaffnete, mit Hand- und Schnellfeuerwaffen – und die Bullen werden das Viertel verlassen.

Das Traurige zum Schluss: Irgendwann werden wir schießen müssen. Das ist unvermeidlich.

So planen Linksextreme ihren “Bürgerkrieg” (keine Übertreibung sondern ein Zitat aus dem selben Artikel) und es drängt sich mehr und mehr der Verdacht auf, dass etliche hier die Dreißigerjahre des letzten Jahrhunderts herbeisehnen, inklusive dem Wunsch nach den selben politischen Ergebnissen an deren Ende. Diese Leute verdrehen komplett die Realität, faseln irgendwas von “Diktatur”, weil die Polizei das von ihnen gewaltsam besetzte und verteidigte Eigentum anderer Leute befreien will und schrecken, zumindest in ihren Worten, mittlerweile vor nichts mehr zurück. Das ist nicht nur ein gemeingefährlicher Mob, der da am Werk ist, sondern diese Leute haben letztlich nichts weniger als den Sturz unserer freiheitlichen Grundordnung zum Ziel. Man sollte da auch nicht mehr von “Chaoten” sprechen, denn das verharmlost, dass sie mehr als dass sind und ihre menschenverachtenden politische Ziele mit allen Mitteln zu verfolgen bereit sind.

Meines Erachtens ist das eine Kriegserklärung. Die Polizei und Rechtsstaat auch entsprechend beantworten sollten.

Autonome Lösung

Wenn es nicht so wichtig wäre, das Grundrecht Privateigentum durchzusetzen, wäre ich ja dafür, die Rote Flore sich selbst, bzw. ihren “Besetzern” zu überlassen. Wenn das Ding endgültig in sich zusammenfällt (was nicht mehr sehr lange dauern kann), setzt dass möglicherweise selbst beim einen oder anderen Rotfloristen einen heilsamen Denkprozess in Gang, ob nicht die Konzepte Eigentum und Kapitalismus doch die etwas nachhaltigeren Methoden gewesen wären, als der seit Jahrzehnten praktizierte Scheissegal-Sozialismus, bei dem allen alles “gehört” – und damit niemand für irgendwas die Verantwortung trägt.

Und selbst wenn nicht, wäre das Problem damit immerhin elegant, weil sehr “autonom” gelöst.

Endlich wird wieder regiert!

Erinnerst Du Dich noch an die Bundestagswahlen? Schon ne ganze Weile her, was? Damals war beinahe noch Sommer, inzwischen ist Winter. Den ganzen Herbst hindurch, fast ein viertel Jahr lang, hatten wir keine Regierung. Naja, wir hatten halt die alten Minister und so – aber es wurden keine neuen Weichen gestellt, keine Entscheidungen mehr getroffen, nichts. Dass die Welt trotzdem nicht untergegangen ist, kein Chaos ausgebrochen ist und sich wie durch ein Wunder auch immer noch einer gefunden hat, der Straßen bauen wollte, hat uns sicher alle sehr überrascht. Das Lotterleben ist nun allerdings vorbei, denn das neue Kabinett steht. Und ich möchte es hier kurz vorstellen.

Den Ton werden natürlich auch weiterhin Finanzminister Wolfgang Schäuble und Angela Merkel, die Bundesmuttikanzlerin angeben, die ihre jeweiligen Ressorts behalten und darüber praktisch alles Andere wunderbar kontrollieren können. Für mich in sofern enttäuschend, als dass ich die leise, wenn auch wenig realistische Hoffnung gehegt hatte, dass die Sozen mit Schäuble den wahrscheinlich gefährlichsten Mann der deutschen Politik endlich in den Ruhestand schicken könnten. Wäre das gelungen, hätte ich dem Wahlergebnis tatsächlich etwas Gutes abgewinnen können – aber wirklich erwartet habe ich das natürlich nicht. Auch die Bildungsministerin Wanka bleibt übrigens im Amt. Was eigentlich ziemlich egal ist.

Belanglos ist außerdem, dass Peter Altmaier jetzt Kanzleramtschef wird, weil Pofalla bekanntlich keinen Bock mehr hatte.

Der Innenminister macht jetzt Landwirtschaft. Das ist gut, denn da kann er vermutlich weniger Schaden anrichten und prinzipiell ist es (glaube ich) auch besser, wenn die CSU sich um Landwirtschaft kümmert, als wenn die SPD das tut. Wobei ich das auch nicht allgemeingültige Faustregel verstanden wissen möchte, denn die Art und Weise, wie sich Facebook-Ilse um uns doofe Verbraucher gekümmert hat, war ab und zu dann auch eher lästig. Man muss es wohl abwarten. Jedenfalls übernimmt Thomas de Maiziere wieder das Innenministerium. Ich fand ihn für einen Innenminister ja vergleichsweise erträglich. Man wird sehen, ob das so bleibt.

Der neue Entwicklungshilfeminister heisst Gerd Müller, dem Foto, dass ich in der Zeitung gesehen habe nach zu urteilen handelt es sich allerdings nicht um den “Bomber der Nation”, sondern um jemanden völlig unbekannten. Gleiches gilt für die neue Umweltministerin der SPD, die Barbara heisst. Sie ist laut Wikipedia sowas wie die Chefin des SPD-Medienimperiums. Gewiss nicht unpraktisch, so jemanden im Kabinett zu haben.

Hermann Gröhe sorgt jetzt für unsere Gesundheit, soll er halt. Ich glaube ja, dass man bei diesem Gesundheitssystem nicht mehr allzuviel kaputt machen kann, von daher ist mir auch das ziemlich wurscht.

Kommen wir zu den Kuriositäten. Die neue Verteidigungsministerin heisst von der Leyen! Sie hat nicht gedient. Da ist sie nicht die erste aber da sie außerdem eine Frau ist, regen sich alle darüber auf. Ich finde viel kurioser, dass damit 1. kein Mensch gerechnet hätte und 2. der Meldung, dass sie Verteidigungsministerin werden würde am gleichen Tag mindestens zwei weitere Meldungen für zwei völlig andere Ministerien voraus gingen.  Eine wahre Wundertüte, die UvdL. Sowas mag ich ja.

Kurioser, als der in Wirtschaftsfragen vollkommen inkompetente (aber das gilt mehr oder weniger für sämtliche realexistierenden Politiker) neue Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ist nur noch Andrea Nahles, die, sofern man 20 Semester Studium nicht als reguläre Vollzeitarbeit sehen will, noch nie einen richtigen Job außerhalb des Politikbetriebes hatte und uns jetzt als neue Arbeitsministerin erklärt, zu welchen Bedingungen wir zu arbeiten haben.

Mit Alexander Dobrindt gibt es nun einen “Minister für digitale Infrastruktur”, der ein großer Freund von Internetzensur ist, der neue Außenminister Steinmeier hat sich, als er das letzte Mal dieses Amt bekleidete, vor allem dadurch hervorgetan, deutsche Bürger wissentlich der CIA-Folter auszusetzen und der neue Justizminister Heiko Maas will nicht nur “Killerspiele”, sondern auch Paintball am liebsten verbieten. Bürgerrechte haben in dieser Regierung keine Lobby, was allerdings zu erwarten war und von der demokratischen Mehrheit der Bundesbürger offenbar auch so gewollt ist. Die deutschen stehen halt auf einen starken Staat, der ihnen zeigt, wo es langgeht.

Zu guter letzt sei noch Manuela Schwesig zu nennen. Auch sie eine vorbildliche Staatsgläubige, deren Arbeitsziel voraussichtlich die weitere Verstaatlichung von Deutschlands Familien sein wird. Wäre ja noch schöner, wenn sich die Bürger selbst um ihre Kinder kümmern würden.

Fazit: Es werden interessante zwei bis vier Jahre und meine Erwartung ist, dass der Abbau individueller Freiheit in dieser Zeit größer werden wird, als er die letzten vier Jahre war. Bei der nächsten Wahl werden Union und SPD natürlich trotzdem, bzw. gerade deswegen wieder eine bequeme Mehrheit erhalten.

Habemus Lindner – noch eine Chance für die Liberalen?

apo403Seit der – leider zurecht – nach allen Regeln der Kunst verlorenen Bundestagswahl, war in der FDP in den letzten Monaten viel von einem “Neustart” die Rede. Ebenso, wie wichtig doch die FDP trotzdem sei und wie sehr sie im Bundestag fehle. Sogar der politische Gegner behauptet angeblich bisweilen, ihm würde die FDP fehlen. Gut, dass den Linken und Rechten Sozis ihr offenbar irgendwie systemrelevanter Prügelknabe abhanden gekommen ist, muss einem jetzt nicht wirklich Leid tun.

Ich habe mich in dieser Zeit erinnert, wie es war, als ich in die FDP eingetreten bin. Das ist inzwischen gut 13 Jahre her. Damals wurde man dafür ausgelacht, Mitglied der FDP zu werden. Es war zwei Jahre nach der krachenden Niederlage von 98, als nicht Kohl, sondern auch die “FDP-Wählen-damit-Kohl-Kanzler-bleibt”-Partei aus der Regierung flog und die Leute haben die FDP einfach nicht ernst genommen. Das wurde besser, nachdem sie 2003 in Niedersachsen an die Regierung kam und gut arbeitete. Offenbar wurde auch anderswo gut gearbeitet. Und das Bundestagswahlergebnis von 2009 war dann so etwas wie die Krönung.

Und seitdem ging es stetig bergab. Inzwischen wird man längst wieder dafür ausgelacht, Mitglied der FDP zu sein, sich da womöglich sogar zu engagieren. Das würde man wahrscheinlich sogar noch ganz gut aushalten, wenn der Hohn nicht dermaßen gerechtfertigt wäre.

All das sollte aber nun an diesem Wochenende ein Ende finden. Nun sollte, nach vier furchtbaren Jahren voller Versagen, alles besser, alles neu gemacht werden.

Neu war vor allem der Tagungsort. Die Berliner “Station” erinnerte mich tatsächlich an eine Location, in der ich vor knapp einem Jahr ein ziemlich ranziges Punkrock-Festival besucht hatte. So richtig schön Arbeiterklasse, nicht so ganz sauber alles, nackte Betonwände und bei jeder vorbeifahrenden S-Bahn bebte alles. Kein Ort, an dem man bisher die FDP vermutet hätte – aber gerade deswegen ein guter Ort, wenn man neu starten will.

Und jetzt, gute 10 Stunden später, schaue ich mir den heute gewählten Bundesvorstand an – und finde fast nur alte Bekannte. Der ehemalige 2. Vorsitzende ist nun 1. Vorsitzender, Ex-Vize Kubicki ist auch neuer Vize und diejenigen, die tatsächlich neu in dieser Truppe sind, scheinen von Christian Lindner handverlesen zu sein. Sieht so ein Neuanfang aus?

Natürlich nicht, möchte man entgegnen. Nein, personell sieht es gewiss nicht nach einem Neuanfang aus. Aber die Partei hat sich eben bis jetzt auch nur um das Personal gekümmert – und wer die Partei ein bisschen kennt, den überrascht das Ergebnis im Großen und Ganzen nicht. Na klar ist es enttäuschend (und für die Einheit der Partei Gift), dass Leute wie Frank Schäffler auch im neuen Vorstand keine Rolle spielen, ich persönlich hätte durchaus damit gerechnet, dass zumindest das gelingen könnte – habe da aber wohl Lindner ein bisschen zuviel strategisches Geschick zugetraut.

Zum Glück geht es in der Politik wenigstens ab und zu aber auch um Inhalte. Christian Lindner, der “Messias”, wie ihn seine Anhänger schon seit Monaten gerne (und vermutlich nur so halb unernst gemeint) nennen, steht inhaltlich erst einmal für gar nichts. Gut, er hat mal einen “mitfühlenden Liberalismus” erfunden – der aber ja auch alles und nichts bedeuten kann. Lindner ist Flexibel genug, praktisch jeden Inhalt gekonnt und vor allem auch medial ansprechend zu verkaufen. Das ist in jedem Fall gut für eine Partei, die keine Bundestagsfraktion mehr hat. Wenn sich jetzt dann auch noch die Erkenntnis breit macht, dass man, wenn man schon den personellen Neustart nicht hinbekommt, zumindest einige wesentliche Inhalte anpassen muss, damit sich nicht nur die eigenen Mitglieder nicht verschaukelt fühlen, sondern auch die Wähler einem glauben, dass man es wirklich ernst meint, wird sich dem der neue/alte Vorsitzende, Messias hin oder her, nicht völlig verschließen können.

Und das ist sie, die Chance für die FDP. Vielleicht ihre letzte.

freies.org

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Ich habe vor wenigen Wochen ein Blogaggregat gebaut. Warum? Naja, verkürzt gesagt: weil mir der Google-Reader fehlte. Den gibt es jetzt fast ein halbes Jahr nicht mehr und mit den zahlreichen Alternativen bin ich nie wirklich warm geworden. Das ist aber natürlich nur einer der Gründe, die mich dazu bewogen haben.

Ein weiterer ist, dass die meisten Menschen gar nicht wissen, was ein Newsfeed ist, geschweigedenn in der Lage sind, ihn zu abonnieren und zu nutzen. Das hat mich, wie vermutlich jeden Blogger, natürlich immer gestört, denn RSS ist auch im Jahr 2013 noch die einzige Technologie, mit der wirklich jedes Blog und auch sonst die meisten Seiten arbeiten. Nur ist sie offenbar zu freaky für die meisten Normalnutzer.

Mich treibt aus naheliegenden Gründen vor allem die Verbreitung liberaler Inhalte um. Neben der in den vergangenen Jahren leider vollkommen unfähigen liberalen Partei ist die generelle Verbreitung freiheitlicher Gedanken das größte Problem, dass der Liberalismus hat. Ich möchte zur Lösung dieses Problems nun versuchen, einen kleinen Beitrag zu leisten. Mit einem Blogaggregat!

Jaja, alter Hut eigentlich. Aber zum Einen gibt es seit geraumer Zeit kein liberales Blogaggregat mehr, zum Anderen geht das, was ich mir da ausgedacht habe, schon ein wenig darüber hinaus. Denn natürlich kann es bei einem Aggregat im Jahr 2013 nicht mehr nur darum gehen, Artikel einzusammeln und als neuen, gebündelten RSS-Feed wieder rauszublasen. Sondern der Trick ist, das Ergebnis irgendwie an den Leser zu bringen, also die Verteilung. Und mein Anspruch ist – neben einer möglichst ansprechenden und interessanten Auswahl der Quellen – die Artikel überall dorthin zu bringen, wo die Leser schon sind. Ist ja heute alles kein Hexenwerk mehr aber trotzdem gab es so etwas nicht, was ich sowohl aus Nutzersicht, wie auch als Anbieter äußerst schade fand.

Aktuell gibt es also neben der ganz normalen (natürlich RSS-fähigen) Website freies.org den kompletten Nachrichtenstrom auch über eine zugehörige Facebookseite und auf Twitter. Das soll noch nicht das Ende der Fahnenstange sein, verdeutlicht aber schonmal das Konzept. Weitere Ziele, die ich mir momentan gesetzt habe sind Google+ und wenn ich es halbwegs “hübsch” hinbekomme auch eine Möglichkeit, das Ganze per E-Mail zu abonnieren. In Kürze werde ich zudem noch (automatisch aus den Facebook-Feeds erzeugte) Apps fürs Smartphone anbieten können.

Damit erschöpfen sich erstmal meine Ideen, was die Verbreitung betrifft – aber vielleicht kann der Eine oder Andere mir da ja weitere Vorschläge machen. Denn wie gesagt: Das Ziel ist größtmögliche Verbreitung. So wie ich auch Vorschläge für weitere Blogs, Podcasts, Videostreams und Nachrichtenseiten gerne entgegennehme und auch Feedback generell zum Projekt freies.org. Ich bin in solchen Sachen absoluter Laie und dankbar für jeden Vorschlag zur Verbesserung. Feuer frei.

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