Ich Idiot
Posted on | Mai 6, 2010 | 7 Comments
Wolfgang Grupp (bekannt aus Film, Funk und Fernsehen) hat da in einem Interview ein paar interessante Sachen gesagt. Zum Beispiel:
Ich bin der Meinung, dass die Welt besser wäre, wenn es das Internet nicht gäbe. Früher hat man Briefe geschrieben, sich persönlich unterhalten und sich für ein Gespräch Zeit genommen. Früher hat man auch Bücher gelesen und sich gebildet. Heute hängen die Menschen stundenlang vor dem PC und verblöden.
Wunderbar auch dieser Satz:
Twitter ist für mich einfach nur dumm und die Menschen, die das nutzen, sind für mich Idioten.
Ich glaube ja, Wolfgang Grupp wäre glücklich, wenn man Deutschland mit einer hohen Mauer umgeben würde, am besten auch noch überdachen. Damit all diese störenden technischen und wirtschaftlichen Fortschritte auf keinen Fall mehr die friedliche Insel Deutschland in ihrer Ruhe stören können.
Grupp ist eine Art lebendiges Museum. Er führt sein Unternehmen nach den Regeln von Vorvorgestern (er bewirbt es faszinierenderweise sogar mit Fernsehspots, die den Charme der 80er-Jahre versprühen) – aber immerhin scheinbar mit Erfolg.
Der sei ihm auch von Herzen gegönnt aber dass dieses Modell und dieser scheuklappenartige Blick auf die Welt nichts weiter als ein kurioser Sonderfall ist, der in erster Linie davon lebt, dass er eben “Anders” ist, liegt ja auf der Hand.
Naja aber vielleicht liegt dass auch nur für uns, die wir verblödete Idioten sind auf der Hand.
Jungsozialisten machen ihrem Namen alle Ehre
Posted on | Mai 5, 2010 | 8 Comments
Die Bundesvorsitzende der Jungsozialisten, Franziska Drohsel, hätte kein Problem mit einem Bündnis auch mit der Die Linke in Nordrhein-Westfalen – jedenfalls dann, wenns nicht reicht für eine Regierungsbeteiligung der SPD.
Das verwundert nicht, Drohsel selbst kann vermutlich den größten Teil des Programms der Partei unterschreiben, die noch bis vor 20 Jahren die Wirtschaft der DDR so gründlich kaputtgemacht hat, dass dort vielerorts auch heute noch Arbeitslosigkeit und Transfers aus dem Länderfinanzausgleich horrend sind.
Der Kurs, den Drohsel fährt, hat das Zeug dazu, die SPD dauerhaft unter 25% zu halten. Das dürften viele SPD-Mitglieder (unter anderem jenes, dass mich in eine interessante und wachsende Facebook-Gruppe zu diesem Thema eingeladen hat) ähnlich sehen. Leute wie Drohsel haben immer noch nicht geschnallt, dass der Sozialismus so krachend und menschenverachtend gescheitert ist, weil sein System es gar nicht anders zulässt.
Wenn die SPD wirklich in NRW mit der Die Linke zusammenarbeiten will, dann wünsche ich schonmal gute Reise. Sie würde damit deutlich machen, dass sie nichts aus der Geschichte gelernt hat, machtversessen ohne Ende ist und inhaltlich geradezu grotesk flexibel, um nicht zu sagen beliebig. Wenn dass die neue Strategie der Sozialdemokraten werden soll, wird sie für normale Bürger wohl endgültig und dauerhaft unwählbar.
Das ergäbe ein Bündnis mit einer Partei, die sich auf Europaebene mit sämtlichen kommunistischen Parteien zusammengetan hat, die mit Bisky den Vorsitzenden dieser Europäischen Kommunistischen Partei gestellt hat, deren Topleute regelmäßig Diktaturen wie Kuba oder Venezuela besuchen und sich offenbar nur zu gerne zu Bütteln dieser Unrechtsregime machen.
Eine Partei, deren wirtschaftspolitische(!) Sprecherin im Bundestag bekennende Kommunistin ist. Kann man wirklich so blind sein und nicht erkennen, wes Geistes Kind die SED* auch 20 Jahre nach der Wende noch immer ist. Verharmlosen nur um der Macht willen mag ja taktisch reizvoll erscheinen – aber es wird sich bitter rächen, garantiert.
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* Tatsächlich handelt es sich lediglich um den alten Namen der bis heute gleichen Partei. Die SED ist nie aufgelöst worden, sie hat sich lediglich mehrfach umbenannt. Die Linke ist nicht etwa Rechtsnachfolgerin, sondern rechtsidentisch mit der Partei, die für Mauerbau, Stasi, Unterdrückung jeder politischen Opposition und der Ermordung tausender Menschen, die nicht mit dem Strom schwimmen mochten, verantwortlich.
“Wer Risiken eingeht, muss dafür auch geradestehen”
Posted on | Mai 5, 2010 | No Comments
…das sagte Frank Schäffler heute morgen im Radio mit Blick auf die Banken, die dem griechischen Staat Geld geliehen haben und nun offenbar vom deutschen Steuerzahler “freigekauft” werden sollen. Schäffler wird folglich am Freitag dem entsprechenden Gesetz nicht zustimmen.
Allerdings war er nur einer von zwei Abgeordneten der Bundestagsfraktion, die ihre Zustimmung im Vorfeld verweigert haben. Ein relativ klares Meinungsbild also – ob die Entscheidung wirklich richtig war, werden vermutlich die kommenden Monate zeigen. Ich glaube ja, eine Art geordnetes Insolvenzverfahren – zu dem sich Gläubiger und Schuldner an einen Tisch setzen und aushandeln, wer welchen Teil der Verluste übernimmt – wäre mehr im Sinne des Steuerzahlers und auch der Griechen gewesen.
Das Versprechen jedenfalls, dass die gut 22 Milliarden Euro, die nun über die staatliche Bank KfW an den griechischen Staat fließen, kämen irgendwann wieder zurück, ist so unglaubwürdig, dass man wohl von der größten Verarschung seit dem Versprechen der berühmten “Blühenden Landschaften” reden kann. Die bereits an einen Volksaufstand erinnernden Krawalle in Griechenland sagen jedem deutschen Steuerzahler sehr deutlich, dass der von der Athener Regierung geplante Sparkurs fast unmöglich durchzusetzen ist. Der ist aber Bedingung dafür, dass das deutsche Staatsgeld wirklich nur geliehen ist und nicht irgendwann zwangsläufig zum Geschenk wird.
Zivilcourage
Posted on | Mai 4, 2010 | 7 Comments
Anlässlich Wolfgang Thierses* Ausflug in die Selbstjustiz erklärt die Grüne Jugend
Wenige Methoden des zivilen Ungehorsams sind so effektiv und friedlich wie die Sitzblockade. Jegliche Strafandrohung für diese Art der Meinungskundgebung ist vollkommen unangemessen.
Nun halte ich zwar weder die Grünen noch die Grüne Jugend irgendwie für vergleichbar schlimm, wie die NPD.
Wenn die Be-, beziehungsweise sogar eine (versuchte) Verhinderung einer politischen Meinungsäußerung in Form einer Demonstration für “effektiv und friedlich” erklärt wird und Strafandrohungen dagegen in grünen Kreisen als “vollkommen unangemessen” gelten, muss dann also nicht mit einer Anzeige durch Grüne Rechnen, wer wiederum diese daran zu hindern versucht, gegen – zum Beispiel – Gentechnik, Atomenergie oder wirtschaftliche Freiheit zu demonstrieren?
Manchmal wäre es wirklich spannend, die Moralvorstellungen gewisser Mitbürger einmal auf die Probe zu stellen. Kann und werde ich so schnell nur nicht machen, da es für mich weder “ziviler Ungehorsam”, noch mit meinem Verständnis von Meinungs- und Versammlungsfeiheit vereinbar ist, eine Demonstration gewaltsam zu verhindern zu versuchen – und einen regulär angemeldeten Demonstrations-Zug zum anhalten zu nötigen, ist und bleibt nunmal ein Akt der Gewalt. Im Straßenverkehr riskiert man mit vergleichbarem Verhalten schnell mal den Führerschein – und das, obwohl man dabei in der Regel niemandes Meinungsfreiheit einzuschränken versucht.
Ziviler Ungehorsam kann also kaum sein, einfach politische Gegner – und was für einen Scheiss sie auch erzählen mögen – mundtot zu machen. Sowas erinnert mich ganz im Gegenteil eher an Methoden, wie sie Gegner einer freiheitlichen Grundordnung anwenden würden. Ich habe keine Zweifel, dass Nationalsozialisten (und wohl auch alle anderen Sozialisten, gar keine Frage) ebenfalls versuchen würden, Widersacher von deren freier Meinungsäußerung abzuhalten – warum nicht auch mit Blockaden?
Was ziviler Ungehorsam ist, erklärt Wikipedia übrigens so:
Durch einen symbolischen, aus Gewissensgründen vollzogenen, und damit bewussten Verstoß gegen rechtliche Normen zielt der handelnde Staatsbürger mit einem Akt zivilen Ungehorsams auf die Beseitigung einer Unrechtssituation und betont damit sein moralisches Recht auf Partizipation. Die Normen können sich durch Gesetze, Pflichten oder auch Befehle eines Staates oder einer Einheit in einem staatlichen Gefüge manifestieren. Durch den symbolischen Verstoß soll zur Beseitigung des Unrechts Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung genommen werden. Der Ungehorsame nimmt dabei bewusst in Kauf, auf Basis der geltenden Gesetze für seine Handlungen bestraft zu werden. In der Regel beansprucht er ein Recht auf Widerstand für sich, das sich jedoch von einem verfassungsgemäß gegebenen Widerstandsrecht unterscheidet. Demjenigen, der zivilen Ungehorsam übt, geht es damit um die Durchsetzung von Bürger- und Menschenrechten innerhalb der bestehenden Ordnung, nicht um Widerstand, der auf die Ablösung einer bestehenden Herrschaftsstuktur gerichtet ist. Die Methoden und Aktionsformen von zivilem Ungehorsam und Widerstand gleichen sich jedoch in vielen Fällen.
Nun sind Nationalsozialisten natürlich eine Gefahr, gar keine Frage. Hätten sie die Chance, Macht auszuüben, dann wären in der Tat Bürger- und Menschenrechte in Gefahr und dann wäre wirklich jede Menge ziviler Ungehorsam gefragt.
Sofern Wolfgang Thierse davon ausgeht, dass Nazis demnächst die Macht über Bundestag und Regierung erlangen werden, mag man ihm von mir aus zivilen Ungehorsam unterstellen. Realistisch betrachtet hat er aber wohl nur freie Bürger daran hindern wollen, ihr gutes Recht wahrzunehmen.
Dieses Recht gilt selbstverständlich und völlig zurecht auch für dumme Arschlöcher – solange sie jedenfalls friedlich bleiben.
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* Der Mann ist nicht irgendwer, sondern Vizepräsident des Deutschen Bundestages, dass nur zur Info.
Der doppelplusgute Weg aus der Krise
Posted on | April 29, 2010 | 27 Comments
Es liegt auf der Hand, dass die Hauptschuld an der gegenwärtigen Finanzkrise natürlich der Kapitalismus trägt.
Das können auch Liberale nicht leugnen, denn wenn uns der wunderbare Sozialismus kollektiv in dem Maß an Armut halten würde, dass seine Führer für richtig halten (wie die Modellregion Nordkorea bereits bewiesen hat, ist das sogar für bettelarme Länder problemlos realisierbar, keine Sorge), entstehen so schnell keine Blasen und wer sowieso nichts hat, der bemerkt so eine Krise wahrscheinlich gar nicht erst – weil er ja nichts verlieren kann. Nichtmal seinen Job, denn Geld verdient man ja im Sozialismus sowieso nicht, man bekommt es quasi zugewiesen, egal was man tut.
Das ist natürlich nur eine sehr oberflächliche Analyse. Vielfach liest mans ja dankenswserterweise auch viel konkreter. Da sind manchmal “die Banken” schuld oder auch “die Spekulanten”.
Neuerdings sinds dann öfter mal “die Ratingagenturen”. Denn die arbeiten total willkürlich, wie man am Fall Griechenland sieht.
Also jetzt mal objektiv betrachtet: Schöne Strände, tolles Essen, die Wiege der Demokratie, eine faszinierende Götterwelt, Fussball-Europameister a.D. Ganz im Ernst: So ein Land kann doch gar nicht pleite gehen. Staatsschulden hin oder her, das Land hatte null Problemo, bis diese fiesen Ratingagenturen gekommen sind und aus reiner Boshaftigkeit dieses schöne Land ultrafies verleumdet haben.
Doch seid unbesorgt, liebe Genossen, denn die Lösung ist – wie alles im Sozialismus – wieder mal sehr einfach: Wir brauchen eine staatliche, am besten eine gesamteuropäische Ratingagentur!
Deren einzige Aufgabe wird es dann sein, sämtliche europäische Staaten grundsätzlich mit dem Rating “Jawoll, alles Bestens, wirklich – versprochen! Bitte glaubt uns doch!” zu bewerten, damit Anleger sehen, dass hier in Europa alles knorke ist, Schulden (die Schulden, die durch Importe aus Deutschland resultieren müssten sowieso eigentlich in so einer Rechnung ignoriert werden, denn an denen ist allein Deutschland schuld, logisch) kein Problem sind und die Wirtschaft entgegen der Meinung fieser Kapitalisten brummt wie nie.
Die Anleger werden sich nach Schaffung dieser wohl Größten Ratingagentur aller Zeiten (GröRatZ wäre doch ein handliches und einprägsames Kürzel dafür) selbstverständlich nur noch nach jener vertrauenserweckenden und mordsobjektiven staatlichen Agentur richten und die Bewertungen von Banken oder anderen von ähnlich gemeinwohlfeindlichen Unmenschen gelenkten Unternehmen, die immer nur alles schlecht machen, ignorieren.
Spätestens dann, wenn das Bewerten von finanziellen Risiken untersagt worden ist (was unweigerlich erfolgen muss, wenn dieses doofe Gerede, Griechenland sei praktisch zahlungsunfähig und andere Staaten kurz davor, nicht endlich aufhört) kann die EU-Kommission darauf hinwirken, dass Wort “Wirtschaftskrise” aus dem NeusprechwörterbuchDuden zu streichen – wir werden es ja dann wohl ohnehin nicht mehr brauchen (dürfen).
Parteitagsblogger im Phoenix-Interview
Posted on | April 25, 2010 | 5 Comments
David Harnasch war so freundlich, uns einen Live-Mitschnitt des kurzen Phoenix-Interviews von gestern zu besorgen:
Es endete – wie ich gestern schon geschrieben hatte – westerwellebedingt ein wenig abrupt. Im Vorgespräch fragte der Reporter unter anderem auch so Sachen wie “und warum machen Sie das?” und lies ausserdem durchblicken, dass er Blogs durchaus als eine gewisse Konkurrenz sieht. Eigentlich war das Vorgespräch fast interessanter, als das eigentliche Interview – aber dass Daniel geistesgegenwärtig das Konzept von LiberalHome so detailliert vorgestellt hat, ist doch eine schöne Sache.
“#fdp2010″ – Erste Eindrücke
Posted on | April 24, 2010 | 5 Comments
Wie schon im vergangenen Jahr berichte ich ja an diesem Wochenende – wie erwähnt – wieder live vom Bundesparteitag der FDP.
Allererste und eher oberflächliche Eindrücke dazu: Seit die FDP regiert, sind die Sicherheitsvorkehrungen, nunja, explodiert. Absperrungen mitten im Saal, BKA-Beamte in Zivil oder Uniform an jeder Ecke, Check-In-Vorgänge wie am Flughafen (und eben so lange Schlagen davor) – Vizekanzlerstellen habe ich naiver Wirrkopf mir ja nicht ganz so stressig vorgestellt.
Eine weitere Erfahrung: Es gab mindestens sechs Gegendemonstrationen direkt vor der Tür de Halle. Daniel Bahr hat dazu geschrieben, die FDP sei damit wohl endgültigin der Regierung angekommen. Das kann schon sein. Wenn man sich allerdings ansieht, was für Gestalten da demonstriert haben und was für hohle Phrasen da teilweise gedroschen worden sind,* war mein Eindruck eher der, dass mancher in diesem Land einfach nur froh ist, endlich wieder eine Regierung zu haben, auf die er ohne Gewissensbisse eindreschen kann. Das ist natürlich okay – aber ernst nehmen kann ich solche Leute nicht.
Insbesondere, wenn man sich mal überlegt, was Vertreter anderer Parteien für wirres Zeug reden. Da wünscht man sich als Liberaler dann doch dringend mehr inhaltliche Auseinandersetzung statt platter, oberflächlicher Opposition. Man kann über Themen wie die Zukunft des Gesundheitssystem zur Abwechslung ja ruhig mal reden, statt ständig nur immer mit Scheisse zu werfen.
Während ich diesen Artikel geschrieben habe, wurden Daniel Fallenstein und ich übrigens kurz live fürs Fernsehen interviewt. Etwas überstürzt zwar, weil Phoenix offenbar eine kleine Lücke im Liveprogramm hatte, die dann doch eher als eigentlich abgesprochen gefüllt werden wollte. Aber nun haben wir LiberalHome auch mal im Fernsehen vorgestellt, hat man auch nicht alle Tage.
Das Interview endete so abrupt, wie es begonnen hat, als der kleine Mann im Ohr des Phoenix-Mannes “Westerwelle” gesagt hat. Ich werde natürlich versuchen, einen Mitschnitt zu bekommen und den dann nachliefern.
Der sicherlich für manchen etwas seltsam anmutende Titel dieses Beitrags ist übrigens der offizielle Hashtag** zum Bundesparteitag. Den ich etwas suboptimal finde, weil er sich zum einen praktisch gar nicht vernünftig in einen Satz einbauen lässt und zum anderen unnötig lang ist. Das vielleicht als Anregung in Richtung derer, die sowas festlegen.
In etwa einer halben Stunde zeichen wir unser Interview mit Christian Lindner auf, der heute nicht nur ein fulminantes Wahlergebnis eingefahren und im Anschluss die vermutlich beste Rede des kompletten Parteitages abgeliefert hat (Westerwelle wirds schwer haben, das morgen noch zu toppen). Morgen gibts dann noch ein paar Videos und den einen oder anderen weiteren Artikel.
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* Eine Alt-68erin, die uns auf dem Weg vom Bahnhof zur Halle begleitet hatte, meinte dazu lapidar, dass sie genau diese Sprüche vor 40 Jahren auch schon gebracht hätte. Soviel zum Einfallsreichtum im linken/linksradikalen Milieu.
** Das ist etwas, dass man zum Twittern braucht. Zum Beispiel kann man darüber eine Twitterwall konfigurieren, die dann genau diesen Begriff anzeigt.
FDP-Bundesparteitag 2010
Posted on | April 23, 2010 | 5 Comments
Morgen beginnt in Köln der 61. Bundesparteitag der FDP und wie im letzten Jahr sind auch wieder einige Blogger mit von der Partie.
Irgendwann an diesem Wochenende wird es dann – dass ist bereits zugesagt – am Rande des Parteitages zu einem Interview mit Generalsekretär Christian Lindner kommen und Achim hat auf Antibuerokratieteam.net schonmal dazu aufgerufen, mögliche Fragen vorzuschlagen, die wir stellen könnten – was ich an dieser Stelle auch nochmal gerne wiederholen möchte (auch auf die Gefahr hin, dass mir auf der langen Zugfahrt auch so schon genügend einfallen könnten).
Also: Wer eine gute Idee hat, gerne her damit!
Öffentlich-rechtliche Onlineprogramme – ein Ärgernis für alle Beteiligten
Posted on | April 22, 2010 | 1 Comment
Die Tagesschau zitiert ihren obersten Boss angesichts der Meldung, dass bereits 100.000 Dokumente aus den Online-angeboten der ARD dank des “12. Rundfunkänderungsstaatsvertrags” (Himmel, wie ich diese schwachsinnig-euphemistischen Bezeichnungen für Quasi-Gesetze liebe…) entfernt worden sind, wie folgt:
“Die von einigen Verlegern und ihren Verbänden unterstellte Expansion der ARD im Internet ist daher ein unhaltbarer Vorwurf.”
Großes Gejammer also bei der ARD – nur zum Teil wirklich gerechtfertigt, da zumindest Nachrichten sowieso nur interessant sind, solange sie aktuell sind und jene “Verläger und ihre Verbände” vor allem unter der Konkurrenz um aktuelle Meldungen zu leiden haben werden. Aus Nutzer- und Gebührenzahlersicht ist diese Löschpraxis aber natürlich nichts als ärgerlicher Unsinn.
Doch nehmen wir mal an, ARD und ZDF fänden im Internet einfach überhaupt nicht mehr statt. Wäre dann wirklich – wie Verteidigern des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems ja immer wieder schnell warnen – die Demokratie in Gefahr? Die Pressefreiheit?
“Wichtige” Fernsehbeiträge öffentlich-rechtlicher Sender finden sich so oder so auf Youtube und ähnlichen Plattformen. Größtenteils sogar ohne jeden Auftrag (und übrigens normalerweise auch ohne einen Cent Bezahlung) von Privatleuten eingestellt.
Aber selbst wenn ARD und ZDF einfach nur ihr normales Programm komplett online stellen würden, wäre das ja noch irgendwie nachvollziehbar. Das wäre ja schließlich bereits alles vom Nutzer bezahlt und damit hat er irgendwo ein Recht darauf, dass auch zu sehen zu bekommen. Private Anbieter hätten dann allerdings immer noch das Problem, es mit übermächtiger, weil finanziell praktisch unbegrenzt potenter Konkurrenz zu tun zu haben. Wer öffentlich-rechtlichen Rundfunk insgesamt befürwortet, sollte sich über diese krasse Wettbewerbsverzerrung – die ja schon im Fernsehen dazu geführt hat, dass fast alle privaten Sender eher seichtes Programm bringen – im Klaren sein.
Warum es gebührenfinanzierte schriftliche Artikel von Fernseh- oder Radiosendern geben muss, ist schwer einzusehen. Wer der Meinung ist, dass sowas einen Sinn hat, der darf mir bei Gelegenheit dann gerne erklären, warum es dann andererseits solche (beziehungsweise sogar genau diese Artikel) nicht auch noch in Form einer gedruckten öffentlich-rechtlichen Zeitung oder Zeitschrift gibt. Die dann praktischerweise jedem ungefragt zugestellt wird, denn er hat ja schließlich Gebühren bezahlt (die dann sicherlich noch ein bisschen höher wären, ist ja klar). Es hat ja immer noch nicht jeder einen Internetzugang und somit könnten die wertvollen Online-Beiträge einen Bogen um manche Menschen machen – das ist im Sinne einer wirklich ernstgenommenen Grundversorgung wohl kaum hinnehmbar und im Sinne derer, die in zwangsgebührenfinanziertem Fernsehen überhaupt etwas Gerechtes sehen mögen vermutlich auch ungerecht.
Die öffentlich-rechtliche Medienlandschaft ist also insgesamt nicht sehr konsequent aufgebaut und in der derzeitigen Form zumindest im Onlinebereich eigentlich ein Ärgernis für alle Beteiligten. Es stellt sich die Frage, warum wir uns diesen Ärger überhaupt noch antun, zumal Tagesschau.de oder die Seiten der öffentlich-rechtlichen Regionalsender weder besser noch journalistisch sauberer*, weniger tendenziös oder gar seriöser sind, als die Onlineangebote der Millionen großer, kleiner oder auch winzig kleiner privaten Medien.
Zu denen neben den Online-Varianten der großen Zeitungen ja auch das zählt, was ganz normale Menschen ins Netz stellen. Private Onlinemedien sind daher zum Beispiel auch hunderttausende von Twitter-Profilen oder Facebook-Updates, Millionen Blogs, Websites wie Wikipedia, Wikileaks oder Foren. Das freie Internet hat eine Medienvielfalt geschaffen, den ein gelenktes Unternehmen allein niemals zustande gebracht hätte, egal ob durch Zwangsgebühren, Werbung oder freiwillige Beiträge finanziert.**
Die Welt von heute – und erst recht die von morgen – braucht keine öffentlich-rechtlichen Medien mehr.
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* Wer da bisher noch anderer Meinung ist, dem dürfte dieser Zahn zum Beispiel mithilfe von David Harnaschs TV-Kritik auf Cicero.de recht schnell gezogen werden.
** Diese Tatsache allein widerlegt übrigens nebenbei bemerkt auch die Grundhaltung aller Staatsgläubigen, alles müsste irgendwie von oben kommen, wenn es was taugen soll. In einem freien Internet wird sozusagen im Modell vorgemacht, was in einer freien Marktwirtschaft mit der realen Welt geschehen könnte – und was der Staat stattdessen an jeder Ecke unter dem Preis von Arbeitslosigkeit mit seinem bürokratischen, fiskalischen oder sozialstaatlichen Tot-trampeln tausender Unternehmergeister zum Leidwesen der Allgemeinheit verhindert.
Kirche und Kernenergie, Menschenketten und Hysterie der Massen
Posted on | April 21, 2010 | 7 Comments
Preisfrage: Wer kennt sich wohl mit Technik und Kernphysik sogar noch ein bisschen weniger aus, als Sozialkundelehrer, Gewerkschafter oder Bundestagsabgeordnete? Na klar: Kirchenleute. Deren Fachgebiet ist der Himmel, vielleicht auch noch die Hölle. Alles, was dazwischen liegt, sollten sie – das kann man immer wieder feststellen – lieber Leuten überlassen, die etwas davon verstehen.
Tun sie natürlich nicht und so lesen wir aktuell auf der Website des Kirchenkreises Winsen in der Ankündigung der unter anderem von ihm unterstützten “Aktion Menschenkette”:
“Technologisch ist Deutschland soweit, dass in wenigen Jahren die gesamte Stromversorgung durch Sonne, Wind und Wasser möglich ist,” sagt Wilfried Staake, Öffentlichkeitsbeauftragter des Kirchenkreises.
Eine mutige These. Oder vielleicht auch nicht: Immerhin redet man über Ereignisse, die tausende Jahre her sind so, als wären sie erst gestern passiert. Vielleicht verliert man unter solchen Bedingungen den Überblick, was für einen normalen Menschen “wenige Jahre” sein können. Oder vielleicht hat die Kirche ja auch konkrete Belege für diese Behauptung, womöglich baut sie selbst bereits massenweise leerstehende Kirchen in große Energiespeicher um?
Im Einzugsbereich des Kirchenkreises Winsen, in dem ich lebe, ist direkte Energie aus der Sonne eher nichts, auf dass ich mich verlassen möchte. Wäre aber ja, das muss man der Ehrlichkeit halber festhalten, auch bei Umsetzung der Kirchenvision so nie der Fall, denn wenn die Sonne mal nicht scheint, kommt der Strom halt wie früher aus der Steckdose. ersatzweise aus osteuropäischen Atomkraftwerken oder so. Wasserkraftwerke sind hier oben – mangels Bergen – auch eher selten und daher keine Option für die Zukunft. Bleibt noch Wind – das funktioniert hervorragend und rechnet sich auch, soweit ich weiss. Also wenn nicht grade Flaute ist … aber hey, zurück zur Natur heisst eben auch, sich im Energieverbrauch gefälligst an den Goodwill der Natur/des lieben Gottes (je nach Geschmack) anzupassen.
Man merkt hier, dass die Arbeit, die man so als Kirchenmitarbeiter zu erledigen hat notfalls auch ohne Strom funktioniert. Kerzen sind üblicherweise ja genügend vorhanden. Dass es Menschen gibt, die ihr Geld mit der Arbeit an auf Elektrizität angewiesenen Maschinen und Geräten verdienen, weiss in Gläubigenkreisen vielleicht nicht jeder. Vielleicht sind solche Äußerungen auch einfach nur einer zunehmenden Konzentration auf die Zielgruppe “Rentner und Rentnerinnen” geschuldet, die ihr Geld halt auch ohne Strom kriegen – keine Ahnung.
Ein weiterer Knüller ist diese Äußerung in der selben Meldung:
“Darum darf jetzt nicht wieder auf die Risiko-Technologie Kernkraft gesetzt werden. Tschernobyl ist anscheinend schon wieder vergessen. Dort leider über 500.000 Menschen an den Folgen, viele sind schon gestorben. Wenn es in Krümmel einen schweren Unfall gibt, ist Hamburg mitsamt Umland verloren. Hier wohnen über 2 Millionen Menschen. “
Tschernobyl als Beispiel für deutsche Kernkraftwerke heranzuziehen ist weder fair, noch sachdienlich. Ich unterstelle auch hier mal wohlwollend eher Ahnungslosigkeit, als Absicht aber die Reaktoren vom “Typ Tschernobyl” (eigentlich tragen sie den hübsch sozialistisch klingenden Namen “RBMKS”) sind eben schon aufgrund ihrer eigentümlichen Konstruktion ein Sicherheitsrisiko, weil sie über eine Reaktor-Bremsvorrichtung verfügen, die beim Bremsvorgang erstmal eine Steigerung der Aktivität im Reaktor verursachen, bevor die Bremswirkung zum Tragen kommt. Das geht offensichtlich meistens gut, denn immerhin stehen und laufen im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion viele dieser faszinierenden Fehlkonstruktionen, ohne dass es jemals zu vergleichbaren Unfällen gekommen wäre. Am 26. April 1986, als man unter Abklemmung des Notkühlsystems eine Fehlfunktion eigentlich nur simulieren wollte ging es allerdings gründlich daneben und aus der Simulation am realen Reaktor wurde ein sehr realer Unfall.
Tschernobyl ist also nicht etwa, wie von der Kirche hier angedeutet, das zwangsläufige Ergebnis der Nutzung von Kernenergie, sondern eine Verkettung von einer Fehlkonstruktion mit einer Reihe von menschlichen Fahrlässigkeiten und Fehlern. Tschernobyl ist damit sicher ein Mahnmal – aber keines gegen, sondern für deutsche Kernkraftwerke, deren Stromproduktion wir doch nicht im Ernst durch andere, noch laufenden tschernobyl’sche RBMKS-Kraftwerke ersetzen wollen können – worauf es allerdings hinauslaufen würde, wenn man allein auf Sonne, Wind und Wasser setzen will, ohne dass die dazu notwendigen Voraussetzungen (System von Energiespeichermöglichkeiten plus – so ist das mit der gerade von Umweltbewegten eingeforderten dezentralen Versorgung eben – vieler neuer Leitungen, die übrigens auch keiner vor der eigenen Haustür haben will) bereits bestehen.
Von uns in Winsen aus gesehen steht Krümmel nicht nur auf der anderen Seite der Elbe, sondern auch in einem anderen Bundesland. Das hat zur Folge, dass wenn dort – wie vorgekommen – etwas brennt, wir diesseits der Elbe bisher entweder gar nicht oder sträflich spät darüber informiert worden sind, was denn der Rauch und Qualm aus dem Atomkraftwerk so zu bedeuten hat. Nicht nur der Betreiber von Krümmel hat sich in der Vergangenheit mehrfach ausgesprochen dämlich angestellt, was Öffentlichkeitsarbeit rund um sein Kraftwerk angeht, auch die zuständigen Aufsichtsbehörden haben da nicht immer eine besonders vertrauenserweckende Informationspolitik betrieben. Dass sich die Anwohner dagegen wehren und ihnen inzwischen jedes Vertrauen fehlt, kann daher niemanden wundern und mich würde eine Abschaltung des Kraftwerks auch nicht weiter stören. Aber Angst vor einem “Tschernobyl an der Elbe” zu schüren ist sachlich falsch und nichts als stumpfe Panikmache, zumal offenbar auch noch in Tateinheit der politischen Schützenhilfe – denn dass kurz vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen großartig gegen Kernenergie aufgefahren wird, ist ja irgendwo auch ein interessanter Zufall.
Ich halte Kernenergie schon aus marktwirtschaftlichen Gründen für einen Fehler, beziehungssweise ein Auslaufmodell. Angefangen bei den Kosten, die die Transporte und Zwischenlagerung verursachen über die weiteren Kosten, die eine jahrtausendelange “Endlagerung” (inklusive Über- und Bewachung des strahlenden Materials) halt so mit sich bringen dürfte, bis hin zu der Erkenntnis, dass ohne massiv subventionierte Forschung wahrscheinlich bis heute kein Atomkraftwerk in Deutschland in Betrieb gegangen wäre, ist die Kernenergie insgesamt ohne staatliche Unterstützung wahrscheinlich kaum lebensfähig.
Panikmache – die sowieso meistens unsachlich ist, wie auch dieses Beispiel wieder zeigt – wäre etwas, das Kernkraftgegner überhaupt nicht nötig hätten, wenn sie sich wenigstens ausnahmsweise mal dazu herablassen könnten, den Markt nicht als Erzfeind, sondern als Verbündeten zu betrachten. Solange sich allerdings Kernkraftgegner mit offensichtlichen Lobbyisten, Nutznießern und Befürwortern anderer Energiesubventionen*bedenkenlos zusammentun, werden wir das natürlich eher nicht erleben.
Mit einer derart perfiden Kampagne, die Ängste der Bürger gezielt schürt, ausnutzt, zu Hysterie hochschaukelt und dann für die eigenen Zwecke und finanziellen Interessen ausbeutet, möchte ich auf jeden Fall nichts zu tun haben. Diese “Menschenkette” wird ohne mich auskommen müssen, auch wenn sie vor meiner Haustür stattfindet und ich gegen das grundsätzliche Ziel des Atomausstiegs nichts habe.
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* Beispielsweise der SPD als allerletzter Fürsprecher für die steuerfinanzierte Ruhrgebietsuntertunnelung, Greepeace als Energieerzeuger und damit direkter Profiteur von Subventionen oder den Grünen als Lobbypartei für Windanlangenhersteller und -betreiber.