Mal wieder n Buch gelesen
Es kommt nicht oft vor, dass ich ein Buch binnen drei Tagen durchlese aber wenn doch mal, dann sind das normalerweise auch keine mit 600 Seiten.
War in diesem Fall anders. Gelesen habe ich “Welt in Angst” von Michael Crichton. Eine Art Wissenschaftsthriller, wie es “Jurassic Park” oder “Timeline” ja auch schon sind. Beides Bücher, die mir auch gut gefallen haben.
Allerdings kamen die nicht im Entferntesten an die Aktualität von “Welt in Angst” heran, denn dieses Buch, dass schon 2004 erschien, also eine ganze Weile vor dem jetzigen Klimahype, beschreibt im Prinzip dass, was gerade geschieht: Das Pushen eines Hypes mit allen Mitteln, die moderne PR so her gibt.
Das allein würde noch keinen Thriller machen, also gibt es auch noch radikale Öko-Terroristen, die mit künstlich provozierten Katastrophen versuchen, der Umweltbewegung Rückenwind zu geben. Der Teil ist natürlich (hoffentlich) reine Fiktion. Zeitgenössische Ökoterroristen beschränken sich ja glücklicherweise “nur” auf Zerstörung irgendwelcher Feindbilder (Legebatterien oder Versuchsäcker oder so). Außerdem ist die Umweltbewegung sowas von Establishment, dass sie auf Rückenwind längst nicht mehr angewiesen ist.
Zur Story möchte ich eigentlich weiter nicht viel sagen, das Buch ist halt spannend wie die meisten Crichton-Romane – sonst hätte ich deutlich länger gebraucht es durchzulesen.
Ungewöhnlich allerdings sind die vielen Angaben wissenschaftlicher Quellen mitten im Roman. Knapp 30 Seiten am Ende des Buches sind voll von Quellenangaben und entsprechenden Zitaten. Davor fasst der Autor etliche auch schon im Roman geäußerten persönlichen Schlüsse nochmal zusammen und fügt noch einen Aufsatz über zwei bedeutende in der Vergangenheit gehypten Theorien bei (nämlich Eugenik und Lyssenkoismus), in denen er erläutert wie sie entstanden und groß geworden sind – und wieviele Menschenleben sie so in etwa gekostet haben.
Kernthema sind, wie erwähnt, Klimawandel und die globale Erwärmung und es werden etliche Fakten genannt (und belegt), die verdächtig wenig zu dem passen, was uns Gabriel und Merkel andauernd einbläuen. Natürlich ist es nicht besonders ratsam, aufgrund eines Romans seine Sicht der Dinge umfassend zu ändern. Aber, und das ist wahrscheinlich die wichtigste Botschaft, die ich dem Buch entnommen habe, man sollte trotzdem nie aufhören kritisch zu sein und nichts, auch keine von noch so vielen Wissenschaftlern aufgestellten Theorien einfach so für bare Münze nehmen – erst recht nicht, wenn sie gewaltige negative Auswirkungen auf jeden Einzelnen haben.
Das trifft wohl auf Theorien des menschengemachten Klimawandels eindeutig zu, weshalb das Buch natürlich niemals ein “Beweis” für dessen Nichtexistenz sein kann – aber man darf es ruhig als energisches Plädoyer für ein weiterhin erlaubtes Infragestellen dieser Theorie
Es geht in dem Buch aber auch ganz grundsätzlich um den Irrsweg, den einschlägt, wer einzelne Menschenleben irgendwelchen großen Visionen unterordnet.
Wer eine packende Geschichte mit gewissem Bezug zur Gegenwart sucht, die ihn dabei noch zum kritischen Hinterfragen oft behaupteter Theorien anregen könnte, für den ist das Buch genau das Richtige.
Zu kaufen gibts das Buch je nach Geschmack beim örtlichen Händler oder hier, hier oder hier – mir ist das scheissegal, ich kriege ohnehin keine Provision…
Was an den Grünen nervt
Boche schreibt angesichts jüngster Äußerungen von Bärbel Höhn von den Grünen
“Die Grünen stehen inzwischen, neben ihrem Kernthema Ökohysterie, nur noch für eine patriarchalische Spießermoral,”
womit ich ihm einfach mal Recht geben muss.
Das Einzige, was ich grüner Politik im Augenblick noch abgewinnen kann, sind einige Ansätze was Bürger- und Freiheitsrechte angeht.
In dem Zusammenhang nervt mich allerdings, dass diese andauernd von ideologischen Prestigeprojekten in den Hintergrund gedrängt werden. Wirtschaftliche Freiheit? Klar, nur würden uns viele von den Grünen insgeheim wohl am liebsten schon den bloßen Kauf eines SUVs verbieten. Bekenntnisse zum mündigen Bürger kriegt man auf Nachfrage wohl auch jederzeit – aber das hält bekannte Grünen-Gesichter wie zum Beispiel Frau Höhn auch nicht davon ab, Werbeverbote für alles Mögliche zu fordern.
Meine Definition von Freiheitsrechten schließt das Recht auf Dummheit, auf eine eigene Meinung, die ich nicht der gerade vorherrschenden politischen Korrektheit anpasse oder das Recht ein Auto vor allem deswegen zu kaufen, weil ich es einfach geil finde jedenfalls mit ein.
Mir scheint, die Grünen übertreiben es ständig erst mit ihren Forderungen – und verheddern sich dann in ihrer eigenen Moral, weil sich ihre Ziele manchmal nur schwer unter einen Hut bringen lassen.
Zum Beispiel beim offensichtlichen Konflikt Klima- gegen Umweltschutz: Das Klima vor Kohlendioxid retten und gleichzeitig Atomkraftwerke abschalten ist unmöglich, sofern man auf Importe verzichten will (die natürlich auch irgendwo her kommen müssen…). Statt vernünftigerweise erst das eine und dann das andere Ziel zu verfolgen, wird betonkopfig beides gleichzeitig bei jeder Wahl in die Städte gekleistert.
Oder bei der Gentechnik: Würde man effizientere Nutzpflanzen zum Beispiel zur Herstellung von Bioenergie entwerfen und anbauen, hätte man letztendlich wohl auch mehr Fläche zum Anbau von Nahrung und könnte vielleicht so zwei soziale Probleme auf einmal lindern, nämlich das steigender Nahrungsmittelpreise und das steigender Spritpreise – bei gleichzeitig weniger “Kohlendioxidbelastung”, was bekanntlich ja auch eine grüne Herzensangelegenheit ist. Diese Chance ist in der grünen Ideologie allerdings verbaut, weil alles, was mit Gen-Design zu tun hat, Tabu ist – sofern es nicht züchten heißt, jedenfalls.
Beispiel Drogenpolitik: Auch hier ist man als Grüner schnell bei Werbeverboten (Bärbel Höhns Süßigkeiten sind im Grunde ja auch Drogen, ich kenne jedenfalls etliche schokoladesüchtige Menschen), auch Konsumverbote sind kein Tabu, wie man beim Thema “Nichtraucherschutz” sieht. Vor diesem Hintergrund wirkt das anhaltende Engagement für Cannabis-Legalisierung wie ein Relikt aus Zeiten, als man noch etwas gegen staatliche Bevormundung gehabt hat. Die Grünen von heute kämen vermutlich niemals auf den Gedanken, irgendetwas, dass der Gesundheit schaden könnte, zu legalisieren, wenn sich das irgendwie vermeiden ließe.
Grüne haben bei mir allmählich einfach das Klischee des politisch hyperkorrekten besserverdienenden Spielverderbers weg und offenbar bin ich da ja auch nicht der Einzige. Dabei gab es mal eine Zeit, in der ich so ziemlich jeder politischen Strömung seine Chance gegeben hatte – wem aber außer verbieten, moralisieren und bevormunden aber nichts einfällt, für dessen Sache kann ich mich nunmal nicht erwärmen.
Dabei ist das in diesem Fall eigentlich schade, weil die Grünen gesellschaftspolitisch doch einiges an Potenzial haben. Zentrale Grüne Themen wie die faire Behandlung und Gleichberechtigung von Homosexuellen oder Frauen sind Ansätze, die ich sofort unterschreiben kann.
Aber was machen sie daraus? Die Mehrzahl von Poliker ist mitlerweile PolitikerInnen, egal wie schwachsinnig sich das liest. Als würde das irgendwas verbessern!
Und weil man weiß, dass eine so sinnlose und nervtötende Sprachverhunzung nichts bringt, tritt man noch vehement für sogenannte Gleichbehandlungsgesetze ein, die an bürokratischem Unsinn kaum zu überbieten sind – dafür aber so klingen, als wären sie ein gewaltiger Fortschritt.
Auch hier wieder: Übers Ziel hinaus geschossen. Es verbessert eine Gesellschaft nicht, wenn ihre Mitglieder ständig Angst davor haben müssen, gegen die gesetzgewordene political correctness zu verstoßen, bloß weil sie sich nicht vorsehen. Dazu genügt in unserer heutigen verrückten Welt schon eine unbedacht formulierte Stellenausschreibung – nicht unbedingt ein geeigneter Weg, leider nunmal vorhandene Schranken und Vorbehalten gegen Ausländern, Schwulen oder Frauen abzubauen, wenn man sich, zumindest gefühlsmäßig, wegen dieser Randgruppen juristisch so richtig in die Scheiße reiten kann.
Auch gewisse Leitmotive in der Umweltpolitik der Grünen sind ja so verkehrt nicht. Jeder Blinde sieht, dass das mit dem Erdöl sich in nicht allzu ferner Zukunft wohl erledigen wird. Alternativen Kraftstoffen sollte man da von politischer Seite offen gegenüber stehen und die Vorstellung, jedes Haus würde sich künftig selbst mit Energie versorgen, klingt für mich überaus verlockend. Doch daraus dann ein Dogma zu stricken, das auch noch für alternativlos zu erklären und parallel gegen zu große, zu spritverfressene, zu pferdegestärkte und zu schnelle argumentativ wie auch in politischem Handeln vorzugehen, erweckt eher den Eindruck eines Feldzugs gegen das Auto im Allgemeinen und dass wohlhabenderer Menschen im Besonderen. Und gegen “die Industrie” natürlich, die für einen Grünen, so scheint es mir manchmal, ein bösartiges Monster zu sein scheint. “Die Industrie” hört man Grüne nämlich nur sagen, wenn es um etwas negatives geht. Fast scheint es, als gehörten Windmühlenbauer oder Solarzellenhersteller nicht zu dieser Industrie. Und Ökofood-Hersteller, egal wie groß und profitabel sie sein mögen, erst recht nicht.
Was aber am meisten nervt ist dieser unbändige Staatsglaube. Für die Grünen muss der Staat ständig dies verbieten und jenes ahnden. Am liebsten mag man gar nichts dem Markt oder dem gesunden Menschenverstand überlassen. Der durchschnittliche Grüne scheint zu meinen, dass Freiheit ja gut und schön ist, dass aber grüne Spitzenpolitiker und ihre Positionen besser für die Menschen sind, als die Ansichten der Menschen selbst, weshalb man ihnen gewisse Entscheidungen meint abnehmen zu müssen.
Nicht ich soll entscheiden, wie lieb und teuer mir meine Umwelt ist, nicht ich soll entscheiden, ob ich ein Problem mit Ausländern, Frauen oder Schwulen habe, nicht ich soll entscheiden, ob und wie sehr mich Süßigkeitenwerbung beeinflusst oder Tabakrauch quält. Solche Dinge nehmen mir die Grünen ab – ohne nach meiner Meinung zu fragen.
Liberal ist das nicht.
Nachtrag zur EU-Vertrags-Abstimmung in Irland
Die Iren haben gewählt, nur das Zählen dauert wohl etwas länger, als mans hier gewohnt ist. Im Lauf der Woche solls wohl Ergebnisse geben.
Erste Kaffeesatzlesereien sehen in der geringen Wahlbeteiligung zwar gewisse Indizien für ein no thanks. Aber so ganz trau ich dem Braten noch nicht.
Die Berichterstattung unserer politisch total unabhängigen öffentlich-rechtlichen Sender zur Wahl war am gestrigen Wahlabend teilweise haarsträubend. “Mögen die Iren Europa nicht” oder “Sind die denn undankbar” waren da noch harmlosere Äußerungen. Auch Angst vor einer Krise der EU wurde dem Publikum eingeredet.
Ganz so, als hätte das Volk hierzulande gefälligst der Regierungsmeinung zu sein, dass der Vertrag gut ist. Und wer sich weiter nicht mit dem Thema beschäftigt, der findet ihn vielleicht sogar auch gut, wenn man ihm das nur oft genug einredet.
Etwas Interessantes über den Vertrag habe ich allerdings im Zuge der jetzigen Berichterstattung, die mir breiter als bei der deutschen Unterzeichnung zu sein scheint, dann doch gehört: Angeblich soll der Vertrag eine Klausel haben, die den Austritt aus der EU regelt, wofür es bisher kein geregeltes Prozedere gegeben hat.
Das nenn ich mutig.
Ja zu Europa
Tja, morgen ist es so weit: Das Volk entscheidet, ob es die Verfassung, Pardon, den Reformvertrag der Europäischen Union akzeptiert.
Das Volk? Ja, aber nur das Irische. Und offenbar hängt von seinem Votum ab, ob der ganze Vertrag gilt.
Vier Millionen Menschen (beziehungsweise die, die davon wahlberechtigt sind) bestimmen über die Aushilfsverfassung von 480 Millionen anderen Menschen, die man vorsichtshalber gar nicht erst nach ihrer Meinung fragen wollte.
Was genau drin steht weiß ich auch nicht, weil die Debatte hierzulande ja eher schmalspurig geführt wurde und mir die Zeit fehlt, juristische Machwerke zu durchforsten, die meine geschätzte Regierung ohnehin längst in meinem Namen für mich unterschrieben hat.
Mit Demokratie hat all das wenig zu tun und dass ist für mich Grund genug zu hoffen, dass die Iren den Vertrag wie befürchtet ablehnen.
Denn entweder ist er so unbedeutend, dass man die Bevölkerung nicht zu fragen braucht – oder er ist so weitreichend, dass man Angst vor dem Votum hatte.
Je nach politischer Präferenz vielleicht auch beides.
Wer in der Welt soll eigentlich Europa als die demokratische, freiheitliche und rechtsstaatliche Musterregion erstnehmen, als die wir selbst uns so gerne sehen, wenn nicht einmal Verfassungen oder Verfassungsähnliche Dinge basisdemokratisch verabschiedet werden?
Wäre es nicht besser gar keine Verfassung zu haben, als eine, die die Menschen ablehnen? Muss durch solche obrigkeitsstaatliche Politik der EU-Verdruss unbedingt noch weiter geschürt werden?
Das ein ganzer riesiger Kontinent jetzt durch ein quasi-Parlament aus 3-4 Millionen Iren in einer solchen Sache vertreten wird, ist doch einfach nur peinlich.
Und über die Gründe, aus denen die Iren den Vertrag ablehnen könnten, kann man zwar reichlich spekulieren. Von “Inselmentalität” oder einer falsch gelaufenden Debatte ist da die Rede.
Aber wer kann sagen, wie ein Referendum bei uns ausgegangen wäre? Oder in Frankreich oder den Niederlanden, wo man schon die Verfassung nicht gewollt hat (was vermutlich der Grund ist, warum dort jetzt auch nicht mehr gewählt wird)?
Könnte nicht auch die Kaltschnäuzigkeit, mit der man flugs aus der Verfassung einen Reformvertrag gemacht hat, um nochmal neu Anlauf zu nehmen, Grund genug sein, ihn abzulehnen?
Könnten nicht all die vielen bürokratischen Sinnlosigkeiten vom Vermessen von Gurken über Milchquoten bis hin zum doppelten Parlamentssitz, sowie die in der Vergangenheit immer mehr in die individuelle Freiheit einschneidende EU-Politik (Antirauchergesetze, grenzüberschreitende Ahndung von Falschparken) zu einer grundsätzlichen EU-skeptischen Haltung der Bürger führen?
Die Bürger merken eben auch, wie sie schleichend immer mehr entmachtet werden, weil Entscheidungen nicht vor Ort in ihren Kommunen, nichtmal mehr im eigenen Land oder der ohnehin schon der Realität bisweilen weit entrückten Berliner Zentralregierung getroffen werden, sondern in einem Raumschiff namens Brüssel, dass niemand mehr so recht versteht und dass nur deswegen noch akzeptiert wird, weil es nicht nur für eine hohe Machtkonzentration, sondern auch für ein geeintes Europa steht.
Ein geeintes, grenzenloses Europa ist toll, die Idee dazu genial. Aber wenn weiterhin diese neue Freiheit mit dem Verschieben von Entscheidungsgewalt in Richtung Ganznachoben erkauft werden muss, relativiert sich all diese Freiheit und wir landen bei einem übermächtigen Superstaat, der im Hinblick auf föderale Strukturen und Subsidiarität eher der UDSSR als den USA gleichen wird.
Argumente für und gegen liberale Waffengesetze
Argumente sind kein Plädoyer. Ich glaube nicht, dass mehr Waffen die Welt zu einem besseren Ort machen.
Aber das ist für mich trotzdem kein durchschlagendes Argument gegen liberale Waffengesetze. Spätestens wenn man sich heute, als ganz normaler, harmloser Bürger, fragen muss, ob man mit dem gerade erst erworbenen Set teurer Küchenmesser durch die Kontrolle am Flughafen wagen sollte oder nicht, darf man wohl die Frage stellen, ob das Deutsche Waffen”recht” nicht doch ein wenig übers Ziel hinausschießt.
Und ob nicht auch eine 11,9 Zentimeter lange Klinge ausreicht, um jemandem die Kehle aufzuschlitzen.
Sehr viel mehr an die Substanz geht es, wenn man die Frage in den Raum wirft, ob vielleicht die so harte Gesetze formulierenden Politiker womöglich Angst vorm gemeinen Bürger haben, der sich irgendwann mit Gewalt gegen die zunehmende Bevormundung zur Wehr setzen könnte.
Und verschaffen Bewaffnungsverbote nicht Kriminellen Vorteile, da die sich ohnehin nicht an Gesetze halten (das ist nunmal das Wesen von Kriminellen…), wie es bei den Freunden der offenen Gesellschaft vermutet wird?
Wie sollen wir uns, gemäß unseres Grundgesetzes, eigentlich gegen einen neuen Hitler oder einen neuen Ulbricht wehren, wenn unsere Machthaber uns schon jetzt entwaffnet haben?
Auf der anderen Seite gilt es als erwiesen, dass in waffenstarrenden Gesellschaften die vielen vorhandenen Waffen auch zu vermehrtem Waffeneinsatz führen.
Die Frage, ob überhaupt und wie weit eine Regierung ihren Bürgern Waffenbesitz verbieten darf, ist also offensichtlich nicht ganz leicht zu beantworten. Das zeichnet sich auch in der Diskussion bei den FDOG ab, die verfolgen sollte, wer sich mit dem Thema beschäftigt.
Gedanken zum Liberalismus
Die Welt ist kompliziert, sehr kompliziert. Bereits heute gibt es mehr, als man glaubt – und täglich kommen neue unglaublich nützliche und unfassbar sinnlose Entdeckungen und Erfindungen dazu. Konnten noch vor einigen hundert Jahren einzelne Menschen alles Wissen der Welt erlernen, ist es heute schon schwer genug in einzelnen Fachgebieten auf dem Laufenden zu bleiben.
Auch gesellschaftlich, politisch und kulturell entwickelt sich alles sehr rasant und zu allem Überfluss sind wir dank einiger der vielen tollen neuen Techniken theoretisch alle in der Lage, jede dieser Entwicklung kennen zu lernen – was die Welt aber nur noch rasanter erscheinen lässt.
Man wird ganz irre davon. Man spricht in diesem Zusammenhang häufig auch von “dieser schnelllebigen Zeit”, in der es “sowas” (steht meistens für irgendwelche Möbel, Autos, nette Menschen, pipapo) wie früher ja gar nicht mehr gibt und so weiter und so fort.
Wahrscheinlich sind solche Äußerungen häufig übertrieben und verklären die Vergangenheit. Aber diese Zeit überfordert uns alle tatsächlich ein wenig. Wir verlieren den Überblick – und zwar in allen Bereichen des Lebens.
Was aber tun Menschen, die den Überblick verlieren?
Na klar, sie fangen an zu ordnen. “Schubladendenken” gehört für uns alle, ob uns das gefällt oder nicht, zum Alltag. Ich zum Beispiel merk das, wenns im Fernsehen oder sonstwo um einen dieser Casting-PopSuperstars geht. Die kommen bei mir alle in die selbe Schublade, und zwar unfairerweise in eine, deren Inhalt ich sofort wieder vergesse. Ich bin mir zwar sicher, der einen oder anderen womöglich interessanten Persönlichkeit damit vielleicht doch unrecht zu tun – aber es interessiert mich halt nicht weiter.
Auf diese Weise kann man wahrscheinlich die ganze Welt durchschubladisieren. Manches ist in den oberen fächern, wo man öfter mal ran geht, manches so weit unten, dass man nur eine verschwommene Vorstellung hat, was der Inhalt ist.
Man umgeht so ausführliche, detaillierte Vergleiche, sucht lieber nach Gemeinsamkeiten, statt nach Unterschieden – damit sich alles dem eigenen Kategoriensystem unterordnen kann.
Das Spart anstrengendes Differenzieren und lässt die Welt weniger kompliziert erscheinen. Man gaukelt sich vor, eine ganze Menge zu wissen – dabei überträgt man nur wirr irgendwelche Zuordnungen, ohne deren Wahrheitsgehalt genau prüfen zu können oder zu wollen. Ist ja auch bequem und man kommt auch prima damit zurecht.
Ganz bissig könnte ich auch behaupten, dass Aussagen wie “Die Post ist doch super und braucht gar keine Konkurrenz” zumindest von einigen Zeitgenossen aus genau diesen Motiven getätigt werden. So nach dem Motto “Soll ich denn beim Briefeschreiben auch noch die Preise vergleichen? Ohne mich!”
Man vereinfacht, ebnet ein, ordnet und verflacht die Welt so gut es geht, bis man sie wieder einigermaßen überblicken kann.
Solange das nur in den Köpfen passiert, ist das nichts weiter als eine natürliche Reaktion. Der Versuch, unwichtig erscheinende Details auszublenden eben. Eigentlich ein bewährtes Erfolgsrezept unseres Verstandes, der ansonsten völlig überladen wäre, ohne seine selbstgebastelten inneren Scheuklappen.
Wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist das Unvermögen dieser Ausfilterung ein Ausdruck für Autismus – insofern ist es wirklich zu begrüßen, dass die meisten Menschen über diese Schubladenfähgigkeit verfügen.
Es ist also im Prinzip nichts dagegen einzuwenden, sich die Welt ein bisschen einfacher zu machen, als sie ist. Kritisch wird es allerdings in dem Moment, wo man anderen versucht seine eigenen Scheuklappen aufzusetzen, Anderen vorschreiben zu wollen, was wichtig ist und worauf es ankommt und worauf nicht.
Denn in dem Augenblick versucht man, andere einzuschränken.
Manche nennen das gerne “Chancengleichheit schaffen”: Weil die einen bestimmte Dinge ausblenden, um nicht den Überblick zu verlieren, könnten diese Leute durch andere möglicherweise benachteiligt werden, wenn sie andere Prioriritäten setzen. Als Lösung wird dann einfach für engere Grenzen plädiert, innerhalb der Handlungsfreiheit besteht. Diesen Bereich überblickt dann jeder, keiner kann zum Beispiel deshalb aus der Reihe tanzen, weil er von Natur aus etwas heller ist und womöglich mehr überblicken kann. Zudem lässt sich mit diesem Modell auch einiges an Ideologie durchsetzen, denn die Grenzen müssen ja so oder so gesetzt werden – also warum nicht ausgewählte, mehrheitlich unbeliebte Verhaltensweisen oder Konsumgewohnheiten (Marihuana, „Killerspiele“, Genfood, zucker- oder fettreiche Nahrungsmittel, große Autos) außerhalb der Grenze lassen?
Dieser Ansatz von Chancengleichheit engt die Möglichkeiten der Menschen mitunter soweit ein, bis wirklich nahezu alles gleich ist, alles flach. Das kann in letzter Konsequenz zum Beispiel zu der Vorstellung führen, dass man ja mit einer einzigen Sorte Auto supi klar kommt, wozu brauchen wir einen zweiten “Trabant”? Als das ZDF eingeführt werden sollte und noch später die privaten Fernsehsender wurde ähnlich argumentiert: Was bringt soviel Fernsehen, wenn das sowieso niemand mehr gucken kann?
Solche Aussagen könnte man auch als Angst, etwas zu verpassen, interpretieren – wenn man böse wär. Dann wäre es wieder die selbe Angst, dass ein anderer etwas kriegt, das man selbst aus irgendwelchen Gründen nicht bekommt – zum Beispiel weil man andere Prioritäten setzt.
Nun hat eine weitgehend eingeengte Sicht der Dinge auf jeden Fall ihre Vorteile. Wer eine begrenzte Zahl von Möglichkeiten hat, der kann sich im Prinzip nicht verlaufen. Zumindest wäre es nicht seine Schuld. Alles hat seinen Platz, alles seine felsenfesten Regeln. Hält er sich an sie, kann er keine Fehler begehen, die er selbst sich oder jemand anderee ihm vorwerfen könnte. Das gibt Orientierung, beantwortet jede Frage nach der Zukunft mit einer überschaubaren Zahl von Alternativen. Solange das alles funktioniert, diejenigen, die die Vorgaben machen ihre Sache gut machen und nichts unerwartetes geschieht, wird die breite Masse der Menschen ein solches Gesellschaftsverständnis gut finden und sich darin wohl fühlen. Der zwangsläufig entweder durch rahmende Gesetze oder strenge gesellschaftliche Konventionen auftretende Freiheitsverlust wird von Menschen, denen sonst nichts fehlt, in aller Regel ja auch stillschweigend akzeptiert.
Die Probleme fangen an, wenn sich ein einmal eingeschlagener Kurs irgendwann als katastrophal falsch herausstellt. Oder wenn eine andere Gesellschaft, ein anderer Staat sich an andere Regeln hält, die offenbar viel besser funktionieren. Oder auch wenn eine Gesellschaft mit freieren Regeln dadurch auf allen Gebieten etwas besser vorankommt, weil sie keine Denkverbote kennt. Wenn so etwas geschieht, dann werden die Menschen unruhig und stellen womöglich die geltende Ordnung in Frage.
Mögliche Auswege können dann Abschottung oder Unterdrückung sein, vielleicht auch Reformen und Kurswechsel. Es mag anstrengend und unbequem sein aber man kann solche Krisen durchaus in den Griff bekommen.
Aber spätestens an einem solchen historischen Punkt sollte die Frage gestellt werden, ob es überhaupt so sinnvoll war, die Welt irgendwann mal künstlich eingeebnet zu haben und diese Flachheit zum Maßstab für die gesamte Gesellschaft zu erheben und das Denken weitgehend einer mehr oder weniger exklusiven Klasse von Entscheidern zu überlassen..
Das ist dann das, was zumindest ich den Kern des Liberalismus nenne. Liberalismus bedeutet für mich in erster Linie, die Summe der Möglichkeiten jedes Einzelnen, bestimmte Dinge tun oder lassen zu können, zu maximieren.
Er bildet damit einen absoluten Gegenentwurf zur Scheuklappengesellschaft, wie ich sie oben beschrieben habe. Ein Liberaler lässt es zu, dass andere Leute aus der Reihe tanzen. Er nimmt es in Kauf, dass er wegen zu vieler Sender etwas im Fernsehen verpasst oder dass er aufgrund einer zu großen Auswahl an Joghurts im Supermarkt Probleme hat, sich zu entscheiden. Denn er sieht diese Probleme als pures Luxusproblem und als Preis dafür, dass es keine Denkverbote gibt und die gesetzlichen und gesellschaftlichen Grenzen zwar so eng wie nötig, aber so weit wie irgendmöglich gesteckt werden. Der Liberale hat auch kein Problem damit, anderen Erfolge zu gönnen, die sie aufgrund ihres aus-der-Reihe-tanzens, aufgrund ihres alternativen Denkens, aufgrund ihrer unkonventionellen Handlungsweise erzielen.
Er lebt nach der Maxime “Leben und Leben lassen”, hält es für überflüssig andere zu ihrem Glück oder ihrer Gesundheit zwingen zu müssen. Er ist für einen freien Markt, hält die These “der Markt regelt alles” allerdings für grundsätzlich irreführend: Nicht der Markt, sondern seine Teilnehmer bestimmen seiner Meinung nach maßgeblich, was in der Welt passiert – und das sind für ihn im Endeffekt demnächst sieben Milliarden Menschen, plus weiterer Milliarden von Unternehmern und Unternehmen.
Für einen Liberalen sind wirklich alle Menschen gleich, weshalb er undurchdringbare Grenzen, die nicht dazu dienen, die Freiheit des Einzelnen zu bewahren, für Unrecht hält.
Chancengleichheit bedeutet für ihn im Gegensatz zur Scheuklappenfraktion keine Verknappung von Möglichkeiten, sondern den Schutz der Freiheit der Möglichkeiten. Wenn es nach ihm geht, sollten Staat und Gesellschaft im Zweifel keine Beschränkungen verhängen, sondern nur dort Einfluss nehmen, wo es unbedingt nötig ist um die Freiheit des Einzelnen zu schützen.
Der größte Feind eines solchen Liberalismus ist er selbst. Seine bedingungslose Toleranz lässt zu, dass jene, die ihn ablehnen, mächtig genug werden können, um ein unter Umständen sehr enges Scheuklappensystem zu installieren. Das wiederum sieht eine geordnete Rückkehr in eine freie Gesellschaft im Normalfall nicht vor. Denn das würde ja von vornherein alles in Frage stellen – fatal für ein Modell, dass vor allem vom Glauben an seine Unfehlbarkeit lebt.
Das größte Problem des Liberalismus ist, dass der Mensch tendenziell faul ist und im Zweifel ungern selbst denkt, wenn es sich irgendwie vermeiiden lässt. Das führt dazu, dass Mancher verschiedene Verantwortungen zu oft allzuleicht an höhere Instanzen (zum Beispiel Politikern oder sogar Gott) weiterreicht und verlagert.
Gerade dieser Zusammenhang ist wahrscheinlich eine wesentliche Ursache für die jüngsten Entwicklungen zum Beispiel beim Nichtraucherschutz: Ich kenne Raucher, die die Verbotspolitik auch deswegen begrüßen, weil sie hoffen dank ihr besser mit dem Rauchen aufhören zu können, was natürlich wirklich nichts weiter als eine freiwillige Verlagerung von Verantwortung nach oben ist, die auf Kosten der Freiheit Anderer geht.
Wer für eine liberale Gesellschaft eintreten will, der sollte diese Überlegungen im Hinterkopf behalten. Der Wunsch nach Einheitlichkeit und Einfachheit und die Angst vor wichtigen Entscheidungen – alles urmenschliche Eigenschaften, von denen wohl niemand völlig frei sein dürfte – sind die Angriffsflächen für Populisten, Verführer und Mitschnacker, von denen viele im politischen Alltag auch in Deutschland mit hehren und ehrlichen Motiven antreten mögen, deren Ansinnen aber im Endeffekt auf eine Machtverlagerung nach oben und somit einer Beschneidung der Freiheit des Einzelnen hinwirkt.
“Freiheit statt Angst – Für die Grundrechte”
Bürgerrechtler rufen für Samstag, den 31. Mai 2008 in vielen Städten zur Teilnahme am bundesweiten Aktionstag gegen die ausufernde Überwachung durch Wirtschaft und Staat auf. Im ganzen Land werden besorgte Bürgerinnen unter dem Motto “Freiheit statt Angst – Für die Grundrechte” auf die Straße gehen.
Mehr dazu beim Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung.
Wer findet, dass es nicht okay ist, die heutigen Kommunikationsmittel zu Werkzeugen der Verbrechensbekämpfung umzufunktionieren, so dass durch dumme Umstände theoretisch jeder plötzlich unter schlimmste Verdächtigungen geraten könnte, sollte unbedingt in einer der vielen Städte mitmachen und auf die Straße gehen.
Das scheint in dieser Frage die einzige Sprache zu sein, die Minister wie Schäuble oder Zypries noch verstehen.
Militärische Option
Bei den Freunden der offenen Gesellschaft wird die “militärische Option” für die Zyklonopfer in Burma diskutiert:
Die Amerikaner liegen mit ihrer Flotte vor der Küste bereit. Das ist keine Kanonenbootpolitik, sondern zunächst ein Hilfsangebot. Sie sollten aufhören zu zögern, die angedachte Luftbrücke beginnen und am besten gleichzeitig das Regime mit Waffengewalt entmachten. Anschließend ab damit nach Den Haag zum internationalen Gerichtshof. Da käme schon einiges an strafwürdigen Tatbeständen zusammen. Und das Burmesische Volk zu seinem Recht, seiner Freiheit. Und viele der 1,5 Mio, die vom Tode bedroht sind, könnten gerettet werden. Es gibt eine militärische Option. Sie ist zu nutzen.
Am ersten Tag hieß es zunächst von der dortigen Militärregierung, dass es nur einige hundert Opfer zu beklagen gäbe. Die Bevölkerung wusste sofort nach Verkündung der offiziellen Zahlen, dass sie nicht etwa durch Zählung ermittelt, sondern einfach aus der Luft gegriffen worden waren – denn ihre Quersumme war 9.
Dieses irre Regime hatte, wie üblich, seine Astrologen gefragt, wieviele Opfer es gegeben hat. Und bei denen muss alles immer mit einer 9 zu tun haben. In den Achtzigern wurden sogar mal Geldscheine mit den Werten 100 und 50 durch 90 und 45 ersetzt.
Und jetzt erwarten diese Pfeifen, dass die internationale Hilfsgemeinschaft ihnen die Verteilung der Hilfsgüter überlässt. nur damit die Bevölkerung in ihrer Not nicht mitbekommt, dass ihre “Regierung” aus einem Haufen unfähiger Wurstblinker besteht? Die Angst dieser Leute, nach dem Zyklon von einem wütenden Proteststurm hinweggefegt zu werden ist nicht ganz unbegründet, scheint mir. Sicher ist: Die Welt wäre eindeutig besser ohne abergläubische Despoten, die sich nur mit Gewalt an der Macht halten können.
1.500.000 Menschenleben stehen auf dem Spiel. Da sollte die Entscheidung, ob man diesen Menschen helfen soll auch wenn die Regierung das nicht will, eigentlich nicht schwer fallen.
Spricht auch irgendwas dagegen? Nunja, das Völkerrecht.
Im Endeffekt geht es wieder einmal darum, unter welchen Umständen man sich darüber hinwegsetzen darf. In diesem Fall wird wohl kaum jemand die Notwendigkeit dazu abstreiten wollen. Aber trotz der so offensichtlichen Notwendigkeit darf, wer militärisches Eingreifen in die Katastrophe befürwortet, nicht vergessen, dass er das Völkerrecht damit relativiert – und sich ein Stückweit unglaubwürdig macht, wenn er beispielsweise in Afghanistan oder Irak mit dem Völkerrecht kommt.
Gleichwohl man diese beiden Beispiele auch aus anderen Gründen negativ bewerten kann. Nur fällt eben der Anspruch, dass nichts und niemand Völkerrechtsbruch rechtfertigt, einfach weg, wenn man konsequent bleiben will. Es handelt sich also um eine moralische Zwickmühle, wenn man so will – und ich bin geneigt, die Leben von eineinhalb Millionen Menschen im Zweifel als schützenswerter anzusehen, als ein theoretisches rechtliches Konskrukt, dass in diesem Fall eindeutig nicht weiterhilft.
Der Preis des Fortschritts
Ich halte Atomkraftwerke grundsätzlich für keine zukunftsweisende Idee.
Nicht, weil ich Zweifel an der Technik an sich hätte, sondern weil jeder (geistig) Blinde inzwischen sieht, dass nach wie vor ein schweres Abfallproblem besteht. Und spätestens seit Vattenfalls Sündenfall im vergangenen Jahr, wo man durch den Transformatorbrand im Sommer von meiner Elbseite aus nichts als ein brennendes Atomkraftwerk sehen konnte und dank der unterirdischen Informationspolitik des Betreibers nur spekulieren konnte, ob es was Ernstes ist oder nicht.
Hysterie und Überreaktionen bis hin zu Gesetzesbrüchen und Gewalt sind allerdings unangebracht. Es gibt genügend vernünftige Argumente, die einen Ausstieg nahelegen (das Müllproblem wäre, solange es ungelöst ist, für meinen Geschmack schon völlig ausreichend), man muss sich also nicht unbedingt an dem glücklicherweise etwas zurückgegangenem Castor-Tourismus beteiligen und sich an Gleise ketten und so weiter.
Und gäbe es diese andere Hysterie, die panische Angst vor einer Klima-”Katastrophe” mit um 30 Meter steigendem Meeresspiegel und ewigem Südseewetter für Deutschland, dann herrschte zum Thema Atomausstieg wahrscheinlich immer noch weitgehender Konsens – aber wir Deutschen lassen uns scheinbar gerne von einer Hysterie zur nächsten Jagen.
Eine weitere Hysterie hat sich sozusagen als Ergebnis dieser beiden Hysterien entwickelt: Die Enerneuerbare-Energien-Hysterie. Wir wollen plötzlich alle Energie aus Sonne und Wind und Wasser, bis vor ein paar Wochen akzeptierten wir auch noch Biomasse (das hat sich mit der wieder neuen Hysterie in Bezug auf Lebensmittelpreise wohl etwas relativiert) – jedenfalls nichts nichts mehr aus fossilen Rohstoffen.
Das als Vision ist dabei eigentlich nichts, gegen dass irgendwer etwas hätte, außer den Leuten, die mit Atom, Öl und Kohle Kohle machen, also vor allem den dort Beschäftigten – okay, Aktionäre und Vorstände wohl auch, nur ist es bei denen in der Regel weniger existenziell. Für alle anderen Verspricht eine auf erneuerbaren Energien aufbauende Versorgung Unabhängigkeit von krisengeschüttelten Regionen der Welt, Energie ohne teurer und knapper werdende Rohstoffe und die Chance auf eine dezentrale Energieversorgung – es spricht also viel dafür, dass das die Marschrichtung der Zukunft sein sein könnte.
Dummerweise ist der Wähler ungeduldig und hat mit seinen umweltpolitischen Ansprüchen in vielen Ländern mächtig Druck auf die Mächtigen gemacht, so dass die sich gezwungen sahen, Beschleunigungsmaßnahmen zu ergreifen. In Deutschland heißt dass zum Beispiel, dass Strom aus Windkraft zu garantierten und völlig überhöhten Preisen abgenommen werden muss, egal ob günstigere Alternativen zur Verfügung stünden. Das treibt die Strompreise hoch, worüber undankbare Untertanen jetzt auch wieder jammern, obwohl nicht wenige es bisher doch genau so gewollt haben düften.
Dabei haben nichtmal die Grünen versucht zu verhüllen, dass Umwelt- und Klimaschutz Geld kostet.
Wieviel Geld, dass hat jetzt eine britische Studie ausgerechnet:
Das Ziel der Europäischen Union, bis zum Jahr 2020 den Anteil der erneuerbaren Energieträger (EE) am Energiemix von heute rund 5 % auf 15 % zu erhöhen, soll nach einer aktuellen Studie im Auftrag der britischen Regierung für jeden Europäer, ob jung oder alt, pro Jahr zusätzliche Kosten von 38 bis 51 Euro verursachen.
…und egal ob Sozialhilfeempfänger, Student oder Lobbyist für erneuerbare Energien, möchte man hinzufügen.
Mal angenommen, damit seien sämtliche Energiekrisen für ewig überwunden und obendrein noch der Umwelt gedient – was allerdings kein Mensch wirklich wissen kann – dann könnte man fast von einem guten Geschäft sprechen.
Ein gutes Geschäft würde allerdings auszeichnen, dass man es zu seinem eigenen Vorteil freiwillig tätigt und nicht von der Regierung dazu gezwungen wird noch dazu durch die klammheimliche Vergewaltigung marktwirtschaftlicher Prinzipien und nicht etwa durch eine offene Subvention oder eine Sondersteuer.
Der Sozialismus lässt grüßen. So regt man bei Leuten wie mir höchstens Ablehnung an, aber kein zusätzliches Umweltbewusstsein.
Immerhin kann mit diesen Zahlen jetzt jeder für sich selbst entscheiden, ob er die von der Obrigkeit aufgebrummten Kosten angemessen findet oder nicht.
Zusatz: Die Virtuelle Akademie der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit veranstaltet zu diesem Thema derzeit ein kostenloses Online-Seminar mit folgendem Programm:
21.04. – 22.04.2008
-
Was ist Energie?
-
Die Auslöser der Energiedebatte
-
Welche Konzepte vertreten der Bund, die EU und die Länder?
23.04. – 27.04.2008
-
Mythen der erneuerbaren Energie
28.04. – 07.05.2008
-
Die Energieeffizienz und Energieeinsparung
-
Der Ausbau von erneuerbaren Energien
-
Die Sicherung der Energieversorung
Gleichberechtigung
Abergläubisch scheinen die Kollegen der Grünen Jugend nicht zu sein, heißt es doch, dass vorzeitiges Gratulieren Pech bringt.
Zum Beispiel den, dass Frauengehälter im Schnitt 20% unter denen der Männer liegen. Inwiefern das so stimmt kann ich nicht beurteilen, halte es aber für ungerecht, wenn hier wirklich Männlein und Weiblein bei gleicher Position, Leistung und Qualifikation unterschiedlich bezahlt werden sollten.
Einen anderen Kritikpunkt verstehe ich indess nicht:
“Vätermonate werden beliebter, aber immer noch von nur 10 Prozent junger Väter genutzt”
Was gibt es daran nun konkret zu kritisieren? So etwas ist ja nun wirklich engste Familienangelegenheit und will ganz privat abgesprochen und geplant sein. Dass das Ergebnis aus feministischer Sicht wahrscheinlich am liebsten gänzlich andersrum aussehen sollte, wenigstens aber bei 50:50 hätte liegen sollen kann ich mir ja durchaus vorstellen. Aber indirekt zu kritisieren, dass selbst viele Frauen dieses Quotendenken nicht uneingeschränkt teilen und so zu tun als gäbe es außer Gleichberechtigung nicht noch eine Reihe weiterer Faktoren, die solches Verhalten beeinflussen ist dann doch ein bisschen neben der Realität.
Nun ist es ja nichts weiter Ungewöhnliches, wenn politische Menschen sich bisweilen ein wenig Abseits der Realität bewegen, weil sie nun grade mal ihre jeweiligen Ideale ein bisschen hochhalten wollen.
Wenn man sich in diesem Fall allerdings mal überlegt, wie dagegen politisch etwas unternommen werden könnte, dann fällt mir außer Zwangsmaßnahmen nichts ein. Finanzielle Vorteile hätten solche Vätermonate ja jetzt schon, was eben nur in jedem zehnten Fall ein ausreichender Anreiz ist.
Es stellt sich die Frage, ob diese Regelung nicht überhaupt ungerecht ist. Soweit ich weiß (mangels Bedarfs bin ich mit diesen Regelungen natürlich nur oberflächlich vertraut), erhalten nur die Familien die volle Förderung dieses Elterngeldes, bei denen beide eine bestimmte Zeit zuhause bleiben. Es geht also nicht darum, Eltern zu unterstützen, sondern sie dazu zu bewegen sich bestimmten Idealen unterzuordnen.
Zweifellos sind das für die Grünen Kollegen hehre Ideale und diese Regelung im Grundsatz damit wohl auch über jede Kritik erhaben. Aber was für einen Nutzen hat die Gesellschaft davon, wenn Vater und Mutter sich mal in Vollzeit um das Kind gekümmert haben?
Oder anders gefragt: Wieso traut man Familien nicht zu, selbst zu regeln, welches der Elternteile nun wie lange zuhause bleibt?
Es ist schon irgendwie witzig, dass es immer wieder ausgerechnet Verfechterinnen von Emanzipation und Gleichberechtigung sind, die Frauen solche Entscheidungen wohl nicht völlig allein überlassen möchten. Aus Angst, diese könnten sich fieserweise reaktionär und konservativ verhalten.