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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Ab durch die Mitte: Gedanken zum politischen Spektrum

Das klassische Politische Spektrum kennt links, rechts und mitte als grobe Richtungen. Streber wie ich wissen, dass das mit der Sitzverteilung in den ersten Parlamenten zusammenhängt.

Heute fällt es allerdings oft schwer, diese Begriffe bestimmten politischen Maßnahmen noch zuverlässig zuzuordnen, weil sich alles vermischt.

Sind zum Beispiel Mindestlöhne oder andere Ausgrenzungsmaßnahmen für ausländische oder schlecht ausgebildete Arbeitnehmer nun eher links oder eher rechts? Ausgrenzung ist für mich eigentlich irgendwo klassisch konservativ: Bloß keine Veränderung, bloß nicht zuvielen Menschen Zugang zum funktionierenden System zugestehen. Berührungsängste mit anderen Milleus und Kulturen.

In der Praxis wollen aber vor allem linke den Mindestlohn. Linke und natürlich auch jene Arbeitgeber, die sich billigere Konkurrenz vom Leib halten möchten – was dann ja doch wieder eher rechts ist!?

Andererseits haben viele Linke Angst vor der Globalisierung, weil das Konkurrenz bedeutet. Konkurrenz mit anderen Menschen, die für weniger Geld arbeiten können und wollen und angesichts zum Teil bitterer Armut oft auch dringend müssen.

Globalisierung ist aber eigentlich nur die andere Seite der Medaille, die früher gern und heute meist nur noch abwertend ”Multikulti”genannt wird. Paradoxerweise demonstrieren manche Menschen das eine Mal für “Die eine Welt” und beim nächsten Mal gegen ein weltweit zusammenhängendes Wirtschaftssytem.

Das wiederum befürworten die sogenannten Rechten gerne: Sie sehen die Chancen auf große Fortschritte für Wirtschaft und Wohlstand in einer immer enger zusammenwachsenden Welt.

Ich übrigens auch, obwohl ich mich nie als rechts oder links bezeichnen würde, schon weil ich, wie dieser Artikel sicher zeigt, so meine Probleme mit der Unterscheidung habe.

Rechts- und linksextreme Gruppen hingegen scheinen sich inzwischen allenfalls noch durch ihre geschichtliche Bedeutung zu unterscheiden. Politisch trennt sie nichts: Ob man, wie Oskar Lafontaine, “Fremdarbeiter” nicht haben will oder gleich “Ausländer raus” ruft, wie es Rechtsextreme seit jeher tun, ist für mich eher eine Stilfrage, solange das nicht mit Gewalt einher geht. Einen echten Unterschied für die betroffenen Menschen dürfte es jedenfalls nicht machen, ob sich die Menschen, die sie nicht im Land haben wollen rechts oder links nennen.

Und spätestens seit NPD-Sympatisanten neben linken Globalisierungsgegnern gegen G8 demonstriert und teilweise leider auch im Wortsinn gekämpft haben, fällt auch zwischen den extremen Rändern der beiden Richtungen eine Unterscheidung immer schwerer.

Was blieb, war die Mitte.

Aber die wird inzwischen von verschiedensten politischen Gruppen vereinnahmt, die sich auf anderen Veranstaltungen und zu früheren Zeiten eindeutig als links, rechts oder liberal zu erkennen gaben. Insofern dürfte jeder, der sich als “politisch mittig” bezeichnet, seinem Gegenüber damit wirklich gar keinen Hinweis auf seine politische Meinung geben.

Andererseits ist es relativ leicht, sich zur Mitte zugehörig zu fühlen. Vermutlich kann ein Großteil der Deutschen gut damit leben, “Mitte” zu sein. Wir sind nunmal ein harmoniesüchtiges Völkchen, wir schließen uns gerne zusammen, sind uns gerne einig. Auf jeden Deutschen kommen (ungefähr) drei Vereine, wir sind das Mutterland der Geselligkeit.

Wahrscheinlich hat das CDU, SPD und FDP bewogen, sich als Parteien der Mitte zu inszenieren. Egal obs stimmt oder nicht, wer der offensichtlich existierenden “Mitte” weismachen kann, ihre Partei zu sein, der bekommt ihre Stimmen – sofern die Politik auch ansonsten – so ungefähr – den mittigen Mainstreamgeschmack trifft.

Und das ist eigentlich das, was die “Volksparteien CDU und SPD seit langem anstreben. Aber gibt es wirklich eine einheitliche politische Richtung, die man “Mitte” nennen kann?

Wenn ja, dann scheint das die Schnittmenge von CDU und SPD zu sein, das Fundament der großen Koalition also. Deren Protagonisten werden freilich nicht müde zu erwähnen, dass sie diese Koalition niemals gewollt haben. Das hat natürlich irgendwo strategische Gründe: Wenn zwei Meinstreamparteien zusammen regieren, fällt es beiden schwer, sich zu profilieren. Man würde gern die gleichen Themen ansprechen, die Problemlösungen beider Richtungen unterscheiden sich oft genug nur in Details.

Gleichzeitig versuchen beide Lager von Zeit zu Zeit an den Rändern Stimmen zu sammeln. Aber auch hier sind Unterschiede nicht so klar wie es im Moment scheinen mag.

In Niedersachsen ebnete sich Gerhard Schröder 1997 mit seinem Wahlerfolg den Weg ins Kanzleramt. Ein großes Thema in seinem damaligen Wahlkampf war “Jugendkriminalität mit Migrationshintergrund”, also im Grunde genommen das Thema von Roland Koch heute.

Jürgen Rüttgers wurde in Nordrhein-Westfalen für die CDU Ministerpräsident, weil er sich sich mit markigen Worten zum ”Arbeiterführer” stilisieren ließ, wie es heute Kurt Beck und andere immer wieder versuchen, wenn sie nicht grade völlig blind den PDS-Linken hinterherrennen.

Links und rechts an Parteien festzumachen greift also definitiv zu kurz. Einzelne Personen so zu kategorisieren mag einfacher sein – solange es sich nicht um aalglatte Wendehälse (eigentlich nur das hässlichere Wort für Taktiker) handelt, wie zum Beispiel Gerhard Schröder oder unsere Bundeskanzlerin.

Vielleicht gibt es auch echte Vertreter der “Mitte”. Aber entweder sind die identisch mit jenen Wendehälsen, weil die Mitte leider nicht so homogen ist, dass man sich als deren Vertreter allzu sehr festlegen dürfte, wenn man denn diesen Status behalten will. Oder sie sind mir bisher nie als solche aufgefallen – was mich allerdings angesichts meines seit vielen Jahren intensiven Phoenix-Konsums ehrlich überraschen würde.

Soviel also zum Verhältnis der Volksparteien zur Mitte, aber was ist mit den Liberalen? Auch die machen Jagd auf die Mitte, die sich damit vor Zuneigung kaum noch retten kann.

Wenn Mitte aber wirklich nur die Schnittmenge der großen Parteien bedeutet, dann kann es nichts Gutes bedeuten, wenn eine liberale Partei den Anspruch erhebt, diese Mitte besser als alle anderen vertreten zu können.

Allerdings habe ich Guido Westerwelle auch etwas anders verstanden, als er beim Stuttgarter Dreikönigstreffen in der vergangenen Woche zu meinem Leidwesen ebenfalls immer wieder was von “Mitte” erzählte. Was aber Westerwelle mit Mitte meinte, das beschränkte sich im Wesentlichen auf eine Senkung der Steuern und Abgaben – während SPD und Union sich ja eher auf eine Erhöhung derselben zu verstehen scheinen.

Das wiederum ist nicht neu und eigentlich klassische liberale Politik, seit jeher. Dafür den Begriff Mitte zu benutzen fand und finde ich überflüssig. Natürlich profitiert die Mitte von einer solchen Politik, vielleicht sogar mehr als andere Teile der Gesellschaft (an dieser Stelle sei kurz erwähnt, dass es meiner festen Überzeugung nach überhaupt keine Teile der Gesellschaft gibt, die gar nicht von einer wirklich liberalen Politik profitieren würden). Aber der Begriff ist abgenutzt und restlos ausgelutscht und es kommt nicht unbedingt modern und innovativ rüber, einen Begriff zu benutzen und für sich zu beanspruchen, den schon zwei Parteien davor bis zum Erbrechen verwurstet haben.

Natürlich finden die Liberalen ihre Wähler klassischerweise vor allem irgendwo in dieser “Mitte”, aber doch nicht indem sie sich einfach selbst als Mitte bezeichnen. Wer will sich denn schon noch freiwillig als “mittig orientiert” bezeichnen lassen, wenn das ein solcher Gemeinplatz geworden ist? Mitte ist heute alles und nichts, es ist das, was als gesellschaftlicher Konsenz dabei heraus kommt, wenn sich keine echten Mehrheiten für eine bestimmte Politik finden lassen.

Nur weil die liberale Wählerschaft vor allem aus der Mitte kommt, muss sich die FDP nicht als eine Art “wahrer Anwalt der Mitte” präsentieren. Erstens, weil es sehr wohl genügend “Mittige” gibt, die alles andere als liberale Positionen befürworten und zweitens weil das den Kern der liberalen Politik auch nicht trifft, solange Mitte auch Mainstream repräsentiert.

Das Liberale ist nämlich, im Gegensatz zu links, rechts, mitte heißenden Begriffen der Beliebigkeit, eine wirkliche politische Richtung. Und das Liberale steht in krassem Gegensatz zu rechtsmittiglinken Irrwegen wie Marktabschottung, Vorratsdatenspeicherung, “freiwilliger” oder echter Wehrpflicht, Mindestlöhnen oder nichts lösenden, aber mehrheitsfähigen Verallgemeinerungen á la Koch oder Schröder.

Als Liberaler, der ich mich wahrscheinlich nie im Leben so richtig der Linken, Rechten oder der Mitte zugehörig fühlen werde, finde ich es überaus schade, dass ausgerechnet meine Partei jetzt auch noch irgendwelche Claims in der Mitte abstecken will.

Wen unsere Einstellung zum Leben, zur Politik und zum Staat ohnehin nicht erreicht, der lässt sich auch nicht mit sinnlosen Bekenntnissen zur Mitte ködern. Wer Liberal ist, oder zumindest aus Überzeugung liberal wählt, der tut das aufgrund seiner Lebenseinstellung, aufgrund seines Idealbildes einer freien und gerechten Welt.

Liberale gestalten Politik so, dass die Menschen möglichst frei und selbstbestimmt leben können. Die selbsternannten Parteien der Mitte jedoch gestalten ihre Politik nur noch nach Umfragen. Was die Mitte will, das wird gemacht.

Sehr demokratisch ist das zwar schon, aber letztendlich nicht der Freiheit verpflichtet. Und auch eine Diktatur der Mehrheit bleibt eine Diktatur und ein System der Zwänge und Unfreiheiten.

Ich finde, die einzige liberale deutsche Partei sollte den Mut haben, ihren eigenen Weg zu gehen. Sie sollte den Menschen eine Alternative zum staatsgläubigen und parternalistischen Weltbild der Roten und Schwarzen, Linken und Rechten anzubieten.

So eine Alternative ist nötiger denn je und wären wir da endlich etwas konsequenter, dann würden uns die Menchen auch mehr als diese Alternative wahr- und vor allem ernstnehmen.

Mehr Hirn, weniger Panik

Sebastian beschäigt sich mit dem Thema Angst. Anlass dafür war der gestrige Großrand in London, der jeden Nachrichtensprecher, der was auf sich hält dazu brachte, mindestens einmal deutlich darauf hinzuweisen, dass es sich um keinen Terroranschlag handelt.

Das “leider” hätte noch gefehlt, dann wäre die herrliche Switch-Parodie auf die RTL-Nachrichten, in der es fast genauso skuril zugeht Realität geworden.

Bei Sebastian habe ich jedenfalls einen Kommentar zu seinem Artikel abgegeben, den ich anschließend in weiten Teilen Blogtauglich fand, weshalb ich ihn zu folgemdem Beitrag verwurstet habe:

Politik und Medien schüren die Angst vor Terror bei jeder Gelegenheit und zumindest der Presse kann man das kaum verübeln. Der Politik auch nur bedingt, weil wir das nun mal alle so haben wollen.

Denn wir haben einfach viel zu gerne Angst. Und zwar vor allem Möglichen: Es muss nur einer kommen und uns erzählen, wie gefährlich Passivrauchen ist – schon schreien wir alle nach weitreichenden Maßnahmen. Gleiches gilt für den Klimawandel, der natürlich nur durch deutsche Autos auf deutschen Highspeed-Autobahnen verursacht wird und neuerdings auch durch Kühe. Außerdem haben wir noch panische Angst vor Feinstaub, Gentechnik und Handystrahlen, obwohl es für diese Angst keine wissenschaftlichen Begründungen gibt.

Es interessiert uns aber gar nicht, wenn sich Gefahren relativieren, wir wollen uns fürchten und wir wollen, dass der Staat etwas dagegen tut, damit wir uns geborgen und wieder sicher führen.

Wir merken gar nicht, dass wir gewaltig viel dabei verlieren (meistens Geld oder Freiheit nicht selten auch gleich Beides), weil immer wenn wir unsere tollen Maßnahmen hinterfragen könntenen schon der nächste “Gammelfleisch”skandal oder der nächste – ausschließlich durch Counterstrike und GTA verursachte – Amoklauf unsere Aufmerksamkeit viel zu sehr auf sich zieht und wir uns hierfür die neuesten Gegenstrategien ausdenken müssen.

Medien wollen Sensationen und Politik braucht die Rückendeckung der Bevölerung, wenn sie unpopuläre und teure neue Regeln aufstellen will.

Panikvermeidung, daran haben also weder Regierungen noch die Presse und schon gar nicht die Panikverursacher ein Interesse. Dass müssen wir schon selbst in den Griff bekommen.

Das wird natürlich nichts, solange wir so gerne unser Hirn abschalten und uns berieseln lassen, ohne nachzudenken und zu hinterfragen, warum wohl dieser Al Gore so eine Panik schiebt, die interessanterweise den Börsenkursen seiner Firmen nützt, warum Politiker, die schon immer mehr Überwachung und Bundeswehreinsätze im Inneren legalisieren wollten, diese alten Forderungen neuerdings als Antiterrormaßnahmen verkaufen, warum Konservative und pazifistische Spielverderber, die immer gegen jede Form von medialer Gewalt waren die Augen verschließen vor den wahren Ursachen von Amokläufen und sich stattdessen auf eines ihrer Lieblingsziele stürzen.

Wer auch immer versucht Angst zu erzeugen, der tut das so gut wie nie nur aus Überzeugung oder weil er gar “unser” Bestes will. Das ist eine ganz einfache Regel, die fast immer zutrifft. Man müsste sie einfach mal im Kopf behalten, während man sich die Nachrichten ansieht.

Und wann immer irgendwer vor irgendwas warnt sollten uns eigentlich automatisch die Fragen “Wer steckt hinter dieser Forderung?” und “Was haben die davon?” durch den Kopf gehen. Die Antworten darauf, die man manchmal erst durch nachträgliche Recherche findet, relativieren die geschürte Angst ganz schnell.

Swastika

Vergangenes Wochenende durfte ich dem Dia-Vortrag zweier Amerika-Reisender lauschen, die mit 1954er Vespas über 12.000 Kilometer in Nordamerika zurückgelegt haben (ich berichtete schonmal im Mai, Juni und im Juli darüber). Sie hatten dazu eigens einen Saal des hiesigen Kinos angemietet, der gerade so ausgereicht hat. Es gab zwei Vorstellungen von jeweils 3 Stunden, was lang ist – aber keineswegs langweilig war, was angesichts dieses Abenteuers ja auch nicht verwundert. Wenn ich es zeitlich hinbekomme, dann schreibe ich da nochmal detailliert drüber, im Moment will ich das aber nur als Aufhänger benutzen.

Denn die beiden Abenteurer kehrten auf dem ersten Drittel der Reise in einem auf Indianer-Symbolik gestyltes Hotel ein und zeigten auf ihren Fotos einen Kronenleuchter.

Erst von weitem und dann in Großaufnahme konnte man erkennen, dass dort unverkennbar kleine Hakenkreuze zu sehen waren. Es folgte das unvermeidliche “ohohohoho”, dass man zum Beispiel aus Fernsehsendungen kennt, in denen irgendwelche lustigen Anspielungen oder Gags mit Nazi-Bezug gemacht werden.

Diese Symbole, so sagte einer der Vortragenden “haben offenbar in anderen Kulturen eine andere Bedeutung”. An der Reaktion des Publikums konnte ich schnell erkennen, dass die wenigsten eine Ahnung hatten, dass das Hakenkreuz, dass eigentlich Swastika heißt, ein mindestens 14.000 Jahre altes Glückssymbol in vielen Kulturen der Welt ist.

Nicht nur die Ureinwohner Amerikas kannten es, auch die Minoer auf Kreta (Stück aus dem Archäologischen Museum, Iráklion):

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französische Christen (Fussboden der Kathedrale von Amiens):

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Indische Buddhisten:

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und chinesische Sekten:

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Wer mehr über die Bilder und deren Herkunft erfahren möchte und weitere Beispiele sucht, der findet das im Wikipedia-Artikel zum Thema Swastika, wo ich mir diese Abbildungen entliehen habe.

Warum der durchschnittliche Deutsche das nicht wissen kann, ist klar: Es handelt sich um ein negativ besetztes Symbol. Es wurde sogar verboten, weil eine Bande von Verbrechern unter diesem Symbol Deutschland in eine Diktatur verwandelte, die Völkermord, Rassismus, Krieg und den nationalen Sozialismus letztlich über ganz Europa brachte.

Nach dem Krieg wurde in Deutschland ein neuer Staat aufgebaut, bei dem man offenbar großen Wert darauf legte, in jedem einzelnen Punkt das krasse Gegenteil zur vorherigen Diktatur aufzubauen – besonders in den Einzelheiten, die eine gewisse Symbolik innehatten. Darum steht zum Beispiel an erster Stelle des Grundgesetzes die Würde des Menschen, die Nationalsozialisten nichts galt.

Und weil man der Welt beweisen wollte, dass man die Entnazifizierung mit deutscher Gründlichkeit getätigt hatte und es bis in alle Ewigkeit keine Nazis mehr in Deutschland geben würde, hat man den ganzen Kitsch den Hitler und seine Komplizen in den Jahren ihrer Herrschaft so unters Volk gebracht hatten gleich mit verboten – darunter auch simple Symbole wie das Hakenkreuz.

Hätten die Nazis sich zum Beispiel das Herz-Symbol für ihre Zwecke ausgesucht, dann wären heute eben Herzen verboten.

Nazi-Symbole darf man seither nicht einmal besitzen, selbst wenn man aus reinem historischen Interesse eine kleine Sammlung mit Orden oder Propagandapostern anlegen wollte. Der Verbotswahn geht so weit, dass ernsthaft Menschen dagegen geklagt haben, dass jemand mit zerbrochenen oder im Müll landenden Hakenkreuzen auf seinen Klamotten rumlaufen darf. Natürlich konnte selbst jeder Schulabbrecher sofort erkennen, dass Leute die mit sowas rumlaufen keine Nazis sondern (in punkto Extremismus) höchstens Antifa-Aktivisten sein konnten – aber sie trugen nun einmal verbotene Symbole.

Das Verbot verschafft NPD und Co natürlich eine komfortable Lage: Nazis von heute können auf neue Symbole ausweichen ohne die eigenen Anhänger zu brüskieren. Man will ja schließlich deswegen nicht verboten werden.

Heute muss man sich schon Mühe geben, Nazis von heute in ihrem historischen Kontext zu sehen. Hakenkreuze symbolisieren eher die wirklich schlimmen Nazis, die Völkermorde begangen haben. Die NPD hat ja nichtmal Hakenkreuze und auch ihre Verbrechen erschöpfen sich dank ihrer lächerlich geringen Macht zum Glück in dumpfen Parolen. Aber sollte sich das jemals ändern, dann fällt der Wiedererkennungswert dank eines relativ willkürlichen Verbotes (Symbole anderer Regime auf “Mord-und-Totschlag”-Basis bleiben ja erlaubt, Hammer und Sichel zum Beispiel oder das Tragen von Pali-Tüchern oder der DDR-Fahne) weg.

Die Nazis von heute sind schließlich “Neonazis” und haben nichts mit denen vor 1945 zu tun, will man damit uns und vor allem dem Rest der Welt zeigen. Stimmt natürlich nicht und verharmlost die menschenverachtende Ideologie heutiger und einstiger Nazis so sehr, dass es in einzelnen Gegenden Deutschlands geradezu Mode zu sein scheint, ein Nazi zu sein – in vielen Fällen vermutlich ohne besonders großes historisches Wissen um die Zeit, aus der diese Vorstellungen stammen.

Ich fasse die Wirkungen des Verbotes von Hakenkreuzen mal zusammen:

  1. Kein Mensch weiß mehr, dass es sich ursprünglich um ein völlig normales Symbol handelte, dass die Nazis einfach geklaut und für ihre Zwecke missbraucht haben.
  2. Nazis haben ein Monopol auf bestimmte Symbole.
  3. Das Symbolverbot gibt Nazis einen Sonderstatus gegenüber anderen Mörderstaaten, was unsere Sicht auf diese schnell verharmlost.
  4. Man lässt es nicht nur zu sondern fordert es ganz direkt, dass Nazis von heute sich von den Verbrechen von vor 1945 symbolisch distanzieren können, obwohl die Bewunderung für Hitler und Kumpanen nach wie vor groß ist und erleichtert es damit Jugendlichen, die aus der Schule von den Verbrechen von damals gehört haben aber die äußerlichen Unterschiede zwischen den Nazis von damals und denen von heute ja jeden Tag in den Medien sehen und daher weniger Berührungsängste haben.

Dass diese Symbole nach dem Krieg verboten wurden, dass hatte sicher pragmatische Gründe (es entnazifiziert sich bestimmt leichter, wenn man eindeutige Anhaltspunkte findet) und darum kann ich das den Gesetzgebern von damals nicht ernsthaft verübeln.

Aber wer kann diesem Sonderstatus, den Hakenkreuze und Nazikult durch diese Verbote genießen heute noch etwas Positives abgewinnen? Die Nachteile sind offensichtlich, sie verengen unsere Wahrnehmung und sehen in uralten Symbolen nur Böses.

Jede Wette: Joseph Goebbels wäre stolz auf sich, dass seine Propagandaabteilung auch heute so massiv noch deutsche Gesetzestexte beeinflussen kann, weil er friedliebende Demokraten nachhaltig in Angst und Schrecken versetzt hat.

Über 60 Jahre nach dem Sturz des Nazi-Regimes wird es Zeit, den Sinn solcher Verbote zu hinterfragen. Nazis und ihre menschenverachtende Weltbilder bekämpft man so jedenfalls nicht. Dann eher schon auf die couragierte Art, die Hotelbesitzer und, wie ich nachträglich erfahren habe auch Parteikollege meinerseits, Peter Lohmeyer aus Dresden.

Symbolverbote aber sind der Nazi-Ideologie stets näher, als wahren Demokraten lieb sein kann und schaffen die Illusion, dass alles was nicht verboten ist automatisch irgendwie richtig sein müsste.

Was Globalisierung für mich bedeutet – Teil 1

Das will Sebastian, Autor des Globalisierungsblog im Rahmen einer weiteren Blogparade wissen. Und nachdem mich Arian vor einiger Zeit auch noch mal direkt direkt drauf angesprochen hatte, Sebastian neben einigen anderen auch mich nochmal quasi persönlich eingeladen hat und mich das Thema ohnehin interessiert, habe ich mir dann jetzt endlich mal einige Gedanken dazu gemacht.Da mein Beitrag durch über Tage verteiltes Herumfeilen und Erweitern etwas länger geworden ist, habe ich ihn in zwei Teile eingeteilt. In diesem ersten Teil geht es um den Begriff Globalisierung an sich und grob (bin schließlich kein Wirtschaftswissenschaftler) um seine internationalen Auswirkungen.

Den zweiten Teil gibts dann morgen, darin geht es konkreter darum, warum ich in Deutschland einen Globalisierungsgewinner sehe.

Globalisierung – wenn ich dass in den Medien lese oder höre, dann bekomme ich häufig den Eindruck dass der Begriff immer nur für negative Entwicklungen herhalten muss. Das nervt mich ehrlichgesagt ziemlich, weil ich es für sinnlos halte Globalisierung als solche zu kritisieren und überdies etliche Vorteile in dieser Entwicklung sehe. Doch der Reihe nach.

Globalisierung beschreibt für mich als Begriff erstmal völlig wertfrei die Summe der Auswirkungen einer vernetzten Welt. Zu Beginn des Internetbooms wurde hierfür gerne mal der Begriff „Global Village“ geprägt, was ich für ein schönes Bild halte: Die ganze Welt ist unser Nachbar, zumindest können wir dank moderner Technik das Gefühl haben, als wäre es so. Doch die Vernetzung der Welt ist nicht nur Virtuell. Auch Rationalisierungen auf dem Transportsektor sorgen für eine Vernetzung. Und zwar für eine ganz reale, die es ermöglicht Waren zu akzeptablen Kosten um die ganze Welt zu schicken.

Das hat Auswirkungen, die nicht immer auf Anhieb positiv erscheinen mögen. Wenn es eine geringe Rolle spielt, wo etwas hergestellt wird, dann muss das für manche Dinge bedeuten, dass sie eben nicht (mehr) bei uns in Deutschland oder Europa hergestellt werden – zumindest dann nicht, wenn wir uns ökonomisch vernünftig verhalten, und dort kaufen wo wir die von uns gewünschte Qualität zum günstigsten Preis bekommen. Wenn das dann aus Asien statt aus Europa kommt, dann ist das die logische Folge unseres Verhaltens.

Natürlich führt das zu industriellen Umwälzungen, Firmen bei uns gehen Pleite oder lagern ihre Produktion und damit Arbeitsplätze aus. Wer das aber grundsätzlich schlecht findet und Globalisierung deswegen kritisiert oder gar ablehnt (was ich angesichts der Unvermeidbarkeit einer globalen Entwicklung an sich schon etwas weltfremd finde) der lehnt damit auch den wirtschaftlichen Aufschwung ärmerer Regionen der Welt ab – und natürlich auch möglichst günstige Produkte.

Wenn mancher trotzdem die Auffassung vertritt, dass eine globalisierte Welt mit all ihren Auswirkungen nichts Gutes ist, einem Menschen anderswo egal sind (und man sie lieber mit „Entwicklungshilfe“ am Leben erhält, statt ihnen die Chance auf eigene wirtschaftliche Prosperität zu gewähren), wenn Mancher auf „zu niedrige Preise“ für irgendwas schimpft, dann bin ich Demokrat genug um ihm seine Meinung zu gewähren. Und gerade wer durch diese Entwicklung seinen Arbeitsplatz verliert, dem gestehe ich in diesem Thema eine völlig andere Meinung ohne weiteres zu. Aber ich habe da eben andere Prinzipien. Ich habe nichts gegen weltweite Chancengleichheit, die immer irgendwie bedeuten muss, dass wir dann härter um unseren eigenen wirtschaftlichen Erfolg kämpfen müssen. Und gegen niedrige Preise habe ich auch nichts.

Ich verstehe jeden, dem beim Thema Globalisierung erstmal etwas mulmig wird. Aber gleichzeitig hoffe ich, dass diese anfängliche Angst sich mit ein bisschen Einsicht und Vernunft bei den meisten Menschen in Mut und Ehrgeiz verwandelt. Gründe zu solcher Zuversicht liefere ich dann wie gesagt morgen noch einige;)

Einigkeit und Recht und Sicherheit

Der Spiegel hat unseren Bundesinnenminister interviewt, der ja schon länger einige gelinde gesagt skurile Ansichten in Punkto Sicherheit vertreten hat.

Das Thema Vorratsdatenspeicherung, wird demnächst schonmal dafür sorgen, dass Anbieter von Telekommunikation (dazu gehören auf jeden Fall Handy und Telefon, aber auch Email und falls Instant Messaging wie ICQ irgendwann mal auch in Politiker- und Sicherheitskreisen bekannt werden dürfte wohl auch dass…) sämtliche (also auch deine und meine) Verbindungsdaten speichern und Sicherheitsbehörden zugänglich machen müssen.

Aber Wolfgang Schäuble wird sich nicht auf diesen Lorbeeren ausruhen, wie oben angesprochenes Interview nahelegt:

“Man könnte beispielsweise einen Straftatbestand der Verschwörung einführen, wie in Amerika”, sagte Schäuble im Gespräch mit dem SPIEGEL. Zudem denke er darüber nach, ob es Möglichkeiten gebe, “solche Gefährder zu behandeln wie Kombattanten und zu internieren”.

Also einfach mal wegsperren, wen man für gefährlich hält. Klar, eine verblüffend simple Idee, die in Guantanamo bereits seit Jahren erfolgreich erprobt wird. Denn es hat ja seit 2001 keinen Terror-Anschlag mehr in den USA gegeben.

Uns fehlt zwar (noch) ein geeigneter Militär-Stützpunkt in Übersee und möglicherweise werden sich einige Leute, die hierin elementare Bestandteile des Rechtsstaates gefährdet sehen, nicht sofort begeistern lassen. Aber vielleicht sperrt man die notfalls gleich mit ein, weil sie ja durch ihre mangelnde Kooperation indirekt genauso gefährlich sind, wie potentielle Terroristen.

Eine andere Idee des Innenministers zielt darauf ab, von einer staatlichen Behörde (man könnte sie ja zum Beispiel “Precrime” nennen) als mögliche Terroristen eingestuften Menschen den Zugang zu Handy und Internet zu verwehren.

Da muss ich allerdings sagen (ich helf ja gern wenn ich kann): Technisch einfacher und vor allem wesentlich günstiger, dazu auch mit größerem Abschreckungspotential versehen, dabei aber genauso effektiv wäre es den Verbrechernmöglichen Verbrechern gleich Hände und Zunge abzuschneiden.

Aber unser Innenminister hat nicht nur große Ideen und Visionen, sondern er sieht auch Probleme.

Ein großes Problem sieht er zum Beispiel darin, dass die gezielte Tötung von Verdächtigen (die ja bis zu einer Verurteilung als unschuldig gelten sollten, wenn unsere ganzen Gesetze und unsere Justiz überhaupt irgendwas taugen) bisher leider noch rechtliche Probleme bereitet.

Zu dumm aber auch. Schäuble nennt als Beispiel Osama bin Laden und ich verstehe das ungefähr so: Falls Bin Laden in Deutschland (denn für alles andere ist ein Innenminister wohl kaum zuständig) bei Aldi an der Kasse gesehen wird und reißaus nimmt, dann dürfen ihn unsere Polizisten nicht gleich über den Haufen schießen, sondern müssten ihn behandeln wie jeden anderen Kriminellen. Und das wird diesem Mann ja nun wirklich nicht gerecht, wo kämen wir denn hin, wenn Terroristen nicht mehr die Aufmerksamkeit bekämen, die sie durch ihre kranken Aktionen erreichen wollen, sondern man sie “nur” als irre Massenmörder geringschätzen würde.

Tja, aber wer jetzt denkt, der Schäuble hätte ja einen an der Waffel und ihm wäre die Freiheit scheissvöllig egal, der irrt. Denn im Interview outet er sich als ausgesprochener Freiheitskämpfer:

“Wir sollten versuchen, solche Fragen möglichst präzise verfassungsrechtlich zu klären und Rechtsgrundlagen schaffen, die uns die nötigen Freiheiten im Kampf gegen den Terrorismus bieten.”

Dann kann ja nichts mehr schief gehen.

Stärkung des Föderalismus als Geheimwaffe gegen Politikverdruss?

Der Politische Blog-Karneval hat bereits einige interessante Beiträge hervorgebracht (Eine Übersicht gibt es hier).

In meinem Beitrag dazu hatte ich mich hauptsächlich mit den Möglichkeiten jedes Einzelnen, sich politisch einzubringen, beschäftigt und mich hier vor allem auf die kommunale Ebene konzentriert.

Denn hier beginnt, und dass hatte ich auch vor einigen Tagen schon geschrieben, für mich jedes ernsthafte und längerfristige Engagement. Die nationale oder gar internationale Politik mag zwar auf den ersten Blick interessanter erscheinen, als Fragen und Probleme rund um Ampeln, Schulen oder Fahrradwege. Und doch sind die Berührungspunkte mit dem eigenen Leben auf kommunaler Ebene viel direkter, viel unmittelbarer als alles, was Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerinnen so verzapfen.

Das Dumme ist nur: Es interessiert nur wenige Menschen. Bei der letzten Ratssitzung beispielsweise waren nach meiner Schätzung kaum mehr Zuschauer als Ratsmitglieder anwesend. Was aufgrund der zeitweise etwas lächerlich erscheinenden Sitzung vielleicht in dem Fall besser so war (auch wenn ich persönlich mich prächtig amüsiert habe, wozu sicherlich eine etwas spezielle Art Galgenhumor gehört).

Aber es sagt natürlich auch einiges über das politische Interesse meiner Mitmenschen aus.

Es stellt sich darum für mich die Frage, ob vielleicht die „große“ Politik manchmal zuviel Aufmerksamkeit auf sich zieht, was dann sicher ganz schnell mal die örtlichen Belange überstrahlen kann.

Thomas Matterne hält darum in seinem Beitrag zum Blog-Karneval “eine Rückverlagerung von Entscheidungen auf die Kommune“ für „dringend notwendig“ und wünscht sich mehr Konkurrenz zwischen den Kommunen, auch in den Bereichen Steuern und Abgaben. In der Diskussion zum Artikel wird das auch noch ein bisschen weitergesponnen.

Ich halte das für einen interessanten Gedanken, hatte ich mich doch auch schon öfter mals als Föderalismusfan geoutet.

Leider wird heute immer ganz schnell negativ von Kleinstaaterei geredet. Zuletzt gab es auf Bundesebene nicht wenige Politiker, die sich für eine bundeseinheitliche Regelung beim Nichtraucherschutz eingesetzt hatten. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt von der SPD gehörte zum Beispiel dazu.

Wenn Bundespolitiker diese Meinung vertreten, dann drängt sich mir allerdings schnell der Vedacht auf, dass da die Angst vor dem eigenen Bedeutungsverlust eine Rolle spielen könnte. Ein echtes Argument, dass für bundeseinheitliche Regeln bei irgendwas spricht, ist mir jedenfalls bisher nicht begegnet.

„Ist einfacher für die Menschen weil sie sich nicht umgewöhnen müssen“ lasse ich nicht gelten, dass ist wirklich zu billig und in Zeiten der Globalisierung auch irgendwie Unsinn. Ich erwarte jedenfalls nicht, dass demnächst in Singapur, Timbuktu oder Houston zum Beispiel das deutsche Steuerrecht eingeführt wird, damit wir es einfacher haben, falls wir dort zufällig mal arbeiten müssen.

Und wenn es wirklich gute Gründe für bundesweit einheitliche Regelungen in bestimmten Sachverhalten geben sollte, dann habe ich auch in meine kommunalen Vertreter vor Ort das nötige Vertrauen um davon auszugehen, dass sie sich stets die vernünftigste Lösung einsetzen werden.

Werden sie natürlich nicht immer können – aber dass sie mich schlechter vertreten, als zum Beispiel ein Bundestagsabgeordneter, der nicht ein paar Hundert oder Tausend Wähler vertritt, wie beispielsweise meine Vertreter in Stadtrat oder Kreistag, sondern gleich eine Million oder mehr Stimmen vertreten, kann ich mir nun beim besten Willen nicht vorstellen.

Von den Europaabgeordneten will ich mal gar nicht erst reden.

Das ist für mich das entscheidende Argument für eine Stärkung der kommunalen Politik: Der Draht ist viel direkter. Ich könnte jederzeit die Ratsmitglieder meines Vertrauens zu einzelnen Entscheidungen zur Rede stellen, wenn mir danach wäre. Sogar besuchen könnte ich sie, es wohnt ja keiner weiter als eine knappe halbe Auto-Stunde von mir entfernt.

Bundestagsabgeordnete kann ich höchstens mal bei besonderen Anlässen treffen (vermutlich aber nicht wirklich mit ihnen Reden) oder bei den relativ raren Bürgersprechstunden konsultieren.

Das wirkt ja dann doch wie eine recht abstrakte Geschichte, die einem das „Raumschiff Berlin“ nicht unbedingt als volksnahe, basisdemokratische Einrichtung erscheinen lässt.

Wäre ein „Abgeordneter zum Anfassen“, der viel näher an den eigenen Interessen dran ist und gleichzeitig über mehr entscheiden kann, als nur den Standort der neuen Schule oder die Öffnungszeiten des städtischen Hallenbades nicht eine Überlegung wert?

Letztlich bedeutet eine größere Machtfülle auf kommunaler Ebene auch mehr Entscheidungsmacht für jeden Einzelnen.

Das könnte dem Gefühl von “denen da oben”, die hunderte Kilometer weit weg in einer schillernden Metropole weitreichende Entscheidungen für mich treffen, ohne mich jemals kennen gelernt zu haben, doch auf gewisse Art entgegenwirken.

Politik hätte wieder mehr Bezug zum Wähler, was umgekehrt auch wieder mehr Bezug vom Wähler zur Politik schaffen könnte. Bleibt nur die Frage, ob die vielen hundert Europa- Bundes- und Landespolitiker wirklich Willens und in der Lage wären, ihre eigene Macht an kommunale Parlamente abzutreten oder ob der Druch der Wähler für eine derartige Reform eines Tages groß genug werden könnte.

“Beim Klimawandel macht der Pluralismus Pause”

Schreibt Focus Online in einem “Cicero Exklusiv”. Ein sehr lesenswerter Artikel, der sich kritisch mit dem Phänomen der politischkorrekten Einheitsmeinung beim Thema Klima befasst.

Dass mir diskutierte Maßnahmen wie CO2-Steuern, öffentliche Brandmarkung von Flugreisen oder großen Autos zutiefst suspekt sind, habe ich ja schon öfter mal angedeutet. Daher verwundert es den regelmäßigen Leser wohl kaum, wenn mir ein kritischer Artikel auf einem größeren Medienportal gefällt.

Auch dass Kritik an dieser scheinbar gesellschaftlich genormten Meinung zu geradezu allergischen Reaktionen führen kann, habe ich teils an Kommentaren selbst gemerkt, teils auch an anderer Stelle gelesen und kommentiert.

Man muss meine Meinung nicht teilen, wer sich aber nicht einfach nur der Einheitsmeinung anschließen will, sondern lieber selbst drüber nachdenken möchte, dem sei der Artikel auf jeden Fall dringend empfohlen, denn er regt zumindest zum Nachdenken an und das kann die Debatte gut gebrauchen.

Um Lust auf den Artikel zu machen habe ich mir mal zwei markante Absätze rausgepickt:

Die ganz große Koalition aus Greenpeace und „Bild“-Zeitung hat es so beschlossen, und alle freuen sich: Hurra, wir retten die Welt! Lidl-Supermärkte helfen mit, indem sie dem Greenpeace-Magazin einen Großteil der Auflage zum Festpreis abnehmen (unabhängig davon, wie viele Hefte verkauft werden). Banken und Börsen freuen sich über den Handel mit Emissionsrechten. Rückversicherungen freuen sich auch, denn die gefühlte Zunahme von Unwettern treibt die Preise der Policen hoch. Und sogar die ewig murrenden Bauern freuen sich: Für den Anbau von Biosprit-Pflanzen winken ergiebige Subventionen.

Es sprudeln auch die Fördergelder für Klimawissenschaftler. Weltweit flossen in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten zweistellige Milliarden-Dollarbeträge in ihr Forschungsgebiet. Gut angelegtes Geld, denken sich Politiker, die gern als Weltretter posieren. Sie überbieten sich gegenseitig mit Klimaschutzbekenntnissen und mehr oder weniger intelligenten Vorschlägen, wie die Erderwärmung zu stoppen sei. Der Soziologe Ulrich Beck bezeichnete die Klimapolitik treffend als „eine Sinnressource für die delegitimierte und von Vertrauensverlust gezeichnete Politik“. Und das Schönste ist, man kann mit dem Klimaschutz alles rechtfertigen, jedes Verbot, jede Steuererhöhung. Ob es was gebracht hat, stellt sich angenehmerweise erst in hundert Jahren heraus.

Nachdem ich diesen Artikel gelesen habe, bin ich nur noch einmal in meiner Meinung bestärkt worden: Klimawandel und die Angst vor ihm ist für viele Firmen und Wissenschaftler eben auch ein Geschäft.

Das darf man nicht vergessen, wenn man über Maßnahmen diskutieren oder Kritiker der Debatte als reaktionäre Spinner darstellen will.

via law blog

Doping: Pimp my Body

Es nervt irgendwie, obwohl mich Sport hauptsächlich in Formen von größeren Events wie Weltmeisterschaften oder Olympiaden interessiert. Aber auch an klassischen Dopingfällen bei großen Radrennen wie der Tour de France kommt man als Mediennutzer irgendwie nicht vorbei.

Bei jeder Sportart – und eigentlich bei jeder Art von Wettbewerb – gelten normalerweise fest vereinbarte Regeln. Wer teilnehmen möchte, der muss sich daran halten. Ganz einfach eigentlich.

Beim Fussball gilt halt das Tor nur dann, wenn der Ball im Netz landet und nicht etwa wenn er knapp drüber weg fliegt.

Wer seinem Körper eine Art chemisch-biologisches Zusatztraining, das man gemeinhin Doping nennt, verpasst, der verstößt in jeder mir bekannten Sportart gegen die Regeln, er schummelt halt. Und es ist für mich als Zuschauer interessanter, wenn sich da Menschen messen, nicht die Leistungen ihrer Giftmischermedizinischen Betreuer.

Nach dem Auftritt von Ex-Radprofi Bert Dietz bei Reinhold Beckmann (das war vergangenen Montag), bei dem er recht bereitwillig aus dem Nähkästchen plauderte, was das Doping in seinem Sport und seinem alten Team (Team Telekom) angeht, wabert nun mal wieder eine Welle der Entrüstung durch die Medienwelt.

Dabei ist grade der Profi-Radsport schon seit langem immer wieder wegen Doping ins Gerede geraten. Darum interessiert er mich mittlerweile auch so gut wie gar nicht mehr, außer wenn die Vattenfall Cyclassics mal wieder bei mir vor der Haustür vorbeiradeln. Dann muss es mich allerdins schon aus feuerwehrdienstlichen Gründen interessieren.

Es ist eigentlich ganz einfach: Je mehr Geld in einem Sport verdient wird, desto größer ist die Bereitschaft, den Wettbewerb mit verbotenen Mitteln wie Doping zu verfälschen.

Die Aufregung über solche Fälle ist verständlich und mag sogar den Druck auf die Schummler vielleicht etwas erhöhen. Letztlich bekämpfen kann man diese Dopingmafiosi wohl aber nur durch eiskaltes ignorieren des jeweiligen Sports.

Über Verwickeltes bin ich auf einen Artikel der Süddeutschen gestoßen, wo ich folgenden Absatz fand:

Politiker, Sportler und Funktionäre befürworteten einen Neuanfang in der Antidoping-Politik. Der Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages, Peter Danckert (SPD), forderte eine Amnestie für Sportler, die ein Geständnis über ihre Doping-Praktiken ablegen. ,,Wir können den Dopingsumpf nur trockenlegen, wenn die Aktiven reinen Tisch machen und alle belastenden Dinge freimütig einräumen‘‘, sagte er. Auch Dietz forderte eine Amnestie für geständige Sportler.

Das kanns ja nun auch nicht sein. Wenn Sportler ohne ihr Wissen gedopt worden sind ist das eine Sache, bei der man sicher ein Auge zudrücken kann und sich aufs Staunen über die jeweilige Naivität der Betroffenen Sportler beschränken mag.

Aber wer so etwas nachweisbar bewusst tut oder zugelassen hat, dem kann ich doch schon aus Fairness gegenüber jenen, die nicht schummeln, keine Amnestie gewähren!

Davon abgesehen ist es ein eigenartiges Signal, dass von so einem Schritt ausgehen würde. Einmal schummeln und erwischen lassen ist also erlaubt, oder wie?

Und, um mal den Bogen zurück zu Sport und Geld zu schlagen: Es wird ja mit den durch Doping erziehlten Erfolge nicht selten viel Geld verdient. Geld, dass ungedopte Sportler nie erhalten konnten.

Wer schummelt, der soll auch Angst vor dem erwischt-werden haben. Sonst würde es jeder tun und dann können wir Doping auch gleich erlauben und den Leistungssport zu einem Wettkampf der Mediziner, Chemiker und Biologen machen.

Angst vs. Freiheit

Die Kritik an Schäubles Plänen sei unverantwortlich, meint jedenfalls CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla in einer aktuellen Pressemitteilung. In der Kritik schwingt ihm zuviel Ideologie (so heißt die Liebe zu Privatsphäre und Freiheit also neuerdings im CDU-Sprech) mit. Wir, die wir uns nicht unter einen Generalverdacht stellen lassen wollen und jeden kleinen Aspekt unseres Lebens datenbanktechnisch erfassen lassen möchten, führten eine hysterische Debatte “mit dem Stil und den Rezepten von Vorgestern.”

Er spricht von Sicherheit unter dem Aspekt einer “neuen globalen Herausforderung”, als wenn sich an der Bedrohungslage in jüngster Zeit irgendwas geändert hätte. Er führt als Beispiel dann noch folgendes an:

“Ich erinnere nur an die gescheiterten Kofferbombenattentäter vom Kölner Hauptbahnhof.”

Ja, die sind wirklich noch nicht soo lange her. Also erinnern wir uns auf Pofallas Wunsch einfach mal: Zwei Verrückte wollten selbstgebaute Kofferbomben in Regionalzügen zünden. Das hätte einen Feuerball von 15 Metern durchmesser und damit zweifellos eine Katastrohphe verursacht. Glücklicherweise waren die beiden Gotteskrieger nicht nur verrückt sondern auch ungeschickt, so dass die Bomben nicht hochgegangen sind. Dank Videoüberwachung (die es in Bahnhöfen ja schon ewig gibt) konnte der eine binnen 3 Wochen identifiziert und festgenommen werden, der andere wurde später im Libanon festgenommen und die Prozesse gegen beide haben inzwischen begonnen.

Zu verhindern sind solche Anschläge nicht. Weder durch Fingerabdrücke in Pässen noch durch eine umfangreiche Datenbank. Sie wären vielleicht zu verhindern, wenn man immer und überall jeden Koffer jedes Menschen durchsuchen würde. Mag sein, dass das diese Konzepte sind von denen Schäuble, Pofalla und andere Sicherheitsfetischisten träumen, wenn sie von “ganzheitlichen Ansätzen” schwadronieren. Vielleicht reicht es auch, eine Pflicht für durchsichtige Koffer und Taschen einzuführen. Analog dazu vielleicht noch die Pflicht durchsichtige Klamotten zu tragen, damit man auch die von Sprengstoffgürteln ausgehenden Gefahren bannen kann. Gäbe sicher ein lustiges Bild ab und so etwas würde dem samjatinschen Wohltäter aus “Wir” sicher sehr gefallen.

Natürlich streiten die Verantwortlichen derartige Ziele reflexartig ab. Und doch: Der Überwachung jedes Einzelnen Bürgers wird immer weiter Vorschub geleistet.

Ein Generalsekretär arbeitet laut Wikipedia (und auch laut meiner persönlichen Erfahrung) “maßgeblich an den Zukunftsstrategien und an der Fortentwicklung der Partei” mit. Von daher dürfen Pofallas Worte für freiheitsliebende Menschen durchaus als Drohung verstanden werden.

Das versucht Pofalla allerdings in der selben Pressemitteilung zu verschleiern, indem er den beliebten Allgemeinplatz “Sicherheit und Freiheit bedingen einander” in die Waagschale wirft.

Dem liegt eine völlig unterschiedliche Auffassung von Freiheit zugrunde: für die CDU scheint sich der Begriff Freiheit vor allem in “Angstfreiheit” zu erschöpfen. An der Stelle sei daran erinnert, dass Terroristen in der Regel das Ziel haben, genau diese Angst zu schüren und damit die angegriffenen Gesellschaftssysteme genau in der Richtung verändern wollen, wie wir es derzeit bei uns erleben. Die Regierung nutzt diese Angst schamlos aus, indem sie sie als Begründung für weitreichende Bürgerrechtsbeschneidungen ausnutzt.

Meine Definition von Freiheit ist eine andere. für mich bedeutet Freiheit, dass ich gehen und stehen darf wo ich will, mit und ohne einen Koffer. Und auch wenn ich mich dabei mit einem vielleicht irgendwie arabisch aussehenden Menschen unterhalte, möchte ich nicht in eine Anti-Terrordatei gelangen – denn ich bin nunmal kein Terrorist.

Ich will die Filme sehen, die Musik hören, die Menschen toll finden, die ich will. Auch wenn das meiner Regierung unter Umständen nicht gefällt oder sie aus irgendwelchen Gründen seltsame Schlüsse daraus ziehen könnte.

Freiheit von Angst ist etwas, für das ich selbst durch meine persönliche Einstellung zu sorgen habe. Im Moment machen mir Terroristen weit weniger Angst, als Schäuble mit seinen paranoiden Plänen.

Die oben angesprochenen Kofferbomber wurden gefasst, ohne dass es diesen ganzen angeblich alternativlosen Mist gegeben hätte.

Blutspenden

Anfang April steigt mal wieder ein Blutspendetermin bei uns im Ort.

Ich kann mich noch gut an mein erstes Blutspenden erinnern. Ich wollte damals noch ein paar Freunde überreden mitzukommen, schon damit es nicht langweilig ist wenn man so da liegt. Ich erhielt allerdings (durchaus ernsthaft so gemeinte) Antworten nach dem Motto “Ne, mein Blut brauche ich leider selber, das kann ich nicht spenden.” Ich hab dann auch nicht weiter nachgefragt…

Das ist ein Grund, weswegen ich jetzt mal ein bisschen erläutern will worum es geht und wieso solche und ähnliche Sprüche Unsinn sind.

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  • Löffel voller Weisheit

    Eure Freiheit, vergesst es nicht, taugt gerade so viel, wie ihr taugt. — Alexandre Vinet

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