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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Weil die allgemeine Beflaggung wieder los geht

…und bevor wie damals, 2006, wieder spiessige Langweiler kommen und uns einen vom Pferd erzählen, dass es ja gar kein gutes Licht auf uns werfen würde (Vergangenheit und so) wenn wir die Deutschlandfahne an unsere Autos, Fahrräder, Balkone, Hauswände StudiVZ-Profile machen, gibts ein paar Anmerkungen von mir dazu.

Man kann nicht ausschließen, dass Menschen, die so etwas machen, “stolz auf ihr Land” oder ganz offen nationalistisch gesinnt sind. Denn solche Menschen gibts nunmal.

Die allermeisten Leute, die dieser Tage Flagge zeigen, die tun das – das mag besagte spiessigen Langweiler überraschen – ausschließlich wegen unserer Fussballnationalmannschaft. Die spielt nämlich gerade eine Europameisterschaft und selbst Sportbanausen wie ich gehen felsenfest davon aus und drücken entsprechend die Daumen, dass sie es da weit bringen werden.

Das kann man zum Beispiel auch durch das Symbol der Nationalmannschaft tun und das ist halt zu allererst mal die Deutschlandfahne. Und ehrlichgesagt: Bevor ich überall diesen DFB-Adler sehe, ist mir die Fahne hundertmal lieber, weil sie bunt ist und im Gegensatz zu Adlern auch eine respektable Vergangenheit hat.

Womit die Fahne allerdings gar nichts zu tun hat, sind die 12 Jahre des Tausendjährigen Reichs. Die Fahne, die damals verwendet wurde, sah bekanntermaßen ganz anders aus und nur wer sich richtig lächerlich machen will, unterstellt deutschland-beflaggten Autofahrern automatisch eine Nähe zum Nationalsozialismus.

Gleichwohl muss man den Flaggenzauber natürlich nicht mögen. Aber tolerieren kann und sollte man ihn schon. Denn er ist in diesem Fall, wie bei allen anderen europäischen Fussballnationen auch, nichts weiter als ein Symbol der Verbundenheit zur deutschen Mannschaft. Und das ist nichts, dessen man sich schämen müsste – spätestens nach dem erfolgreichen Endspiel sehen das hoffentlich auch die spiessigsten Langweiler ähnlich.

Für mich stellt sich die Frage, ob ich mein Auto beflagge übrigens schon deshalb nicht, weil ich keins habe. Hätte ich eins, würde ich wahrscheinlich auch drauf verzichten, wie ichs 2006 auch getan habe.

Von Europa aus reisen sie jedenfalls nicht mehr ein

die Terroristen, die nach Amerika wollen.

Dafür soll ein neues Abkommen sorgen – dass allerdings auch seine Kritiker hat. In der FDP zum Beispiel:

Fluggastdaten werden schon längst an die USA übermittelt. Jetzt hat die Bundesregierung ein Abkommen zwischen Deutschland und den USA verhandelt, nach dem im Namen der vermeintlichen Steigerung der Sicherheit Angaben zur sexuellen Orientierung und der Mitgliedschaft in Gewerkschaften weitergegeben werden sollen. Ob jemand in der Gewerkschaft ist oder nicht, ob jemand eine Frau liebt oder einen Mann – das geht den Staat nichts an. Und das darf der Staat erst recht nicht an andere Staaten übermitteln. Die Mitgliederverzeichnisse der Gewerkschaften sind für Wolfgang Schäuble tabu – und das gleiche gilt für George Bush. Mit Terrorismusbekämpfung oder der Bekämpfung der organisierten Kriminalität hat das nichts zu tun.

sagt Gisela Piltz, innenpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Bundestag.

Und damit hat sie vollkommen recht.

Nicht ganz klar ist mir, wie das praktisch gedacht ist. Sollen Gewerkschaften zur Datenweitergabe gezwungen werden oder setzt man darauf, dass die schon freiwillig damit rausrücken (nicht völlig unwahrscheinlich, sind Gewerkschaften doch durch ihre steuerliche Sonderbehandlung letztlich auch sehr vom Staat abhängig, also nicht frei)?

Noch komplizierter stell ich mir das mit der sexuellen Orientierung vor. Haben Swingerclubs und Bordelle Gästelisten?

Oder sollen solche intimen Details einfach automatisiert für jeden durch die Datenbanken der Vorratsdatenspeicherung ergoogelt werden – viele Emails geben da sicher einiges Preis?

Der Phantasie unserer sich so väter- und mütterlich um unser Wohl kümmernden Sicherheitspolitiker ist in jedem Fall zuzutrauen, dass sie diese Fragen klären. Notfalls muss halt die Schäublische “Rote Linie”* noch ein wenig verschoben werden, was inzwischen eine der leichteren Übungen zu sein scheint.

Unklar ist mir übrigens auch noch, ob es von Vor- oder Nachteil in der Beurteilung “Terrorist ja oder nein” ist, ob man zum Beispiel Schwul ist. Denn von schwulen Islamisten hat man ja schließlich noch nie gehört…

Aber Spaß beiseite: Die Datensammelwut erreicht damit eine Phase, in der wohl jedem klar wird, dass dieses alte, dumme Argument mit dem “nichts zu verbergen” nicht mehr zieht, wenn dass, was man zu verbergen hat, unter anderem auch die Gewerkschaftsmitgliedschaft oder die sexuelle Orientierung sein kann.

 

*”Die rote Linie ist ganz einfach: Sie ist immer durch die Verfassung definiert, die man allerdings verändern kann.” Wolfgang Schäuble im Interview

Festung Europa

Die französische Regierung arbeitet offenbar daran, wirklich arme Menschen aus Europa effektiver als bisher fern zu halten.

Mit wirklich arm meine ich Menschen, die nicht bloß, wie bei uns, willkürlich als ”relativ arm” in irgendwelche Statistiken einfließen, weil sie mit weniger als 781 Euro im Monat öfter mal die Noname-Pizza statt Dr. Oetker kaufen müssen und bei denen es Oettinger statt Beck’s zu trinken gibt, sondern die, die schon auch mal hungern müssen und womöglich noch nie in den Genuss eines guten kalten deutschen Bieres gekommen sein dürften.

Europa, dass sich selbst gern und oft als weltoffen und, natürlich, Weltzentrum der sozialen Wärme sieht und fühlt. Selbstredend sind wir auch die Oberhüter der Menschenrechte und Moralapostel gegen die wirklich fiesen Länder der Welt, schließlich haben wir ja aus unserer Geschichte gelernt. Wir halten uns in grenzenloser Selbstgerechtigkeit natürlich für viel besser als zum Beispiel die bösen Amis mit ihrem Schutzzaun gegen mexikanische Einwanderer.

Wir kriegen es also spielend hin, auszublenden, dass auch bei uns tausende Einwanderungswillige dank der von uns gewollten Politik im Mittelmeer ersaufen, weil sie – ich erwähnte ja, dass es sich um wirklich arme Menschen handelt – sich nunmal nicht alle ein seetaugliches Boot bauen oder Floß zimmern können und wir ihnen andere Einreisewege schlicht verweigern.

Aber all die menschenverachtenden Schutzmaßnahmen sind noch nicht so gut, wie mancher sie gern hätte.

“Der Migrationsdruck werde “wegen der sozialen und internationalen Realitäten” weiter zunehmen. Daher solle Europa seine Grenzkontrollen verschärfen und illegale Einwanderer “effektiver” abschieben.”

schreibt Spiegel-Online dazu. Und nennt konkret folgende Maßnahmen:

  • härtere Auflagen für legale Einwanderung
  • Abschiebepraxis durch Abkommen mit den Flüchtlingsstaaten verschärfen
  • verbesserte Kontrolle der Außengrenzen durch gemeinsame Grenzpolizei
  • Visa für Nicht-EU-Ausländer nur noch mit biometrischen Daten
  • keine Generalamnestien mehr für illegal eingewanderte Menschen

Hauptsache uns hier drinnen gehts gut und wir beweisen uns ständig selbst wie gut und sozial wir alle sind, indem wir was von gerechter einer Welt faseln, gegen “Armut” auf die Straße gehen, Regenbogenfahnen schwenken und uns bei Erdbeben und Naturkatastrophen zu Spendenweltmeistern mausern, sofern sowas nicht grade in China passiert.

Aber wenns darum geht, wirklich großzügig, wirklich sozial und solidarisch mit den Ärmsten dieser Welt zu sein, dann zeigt sich doch, dass wir in Wahrheit ein feiger Haufen von Egoisten sind. So wie wahrscheinlich der Rest der Menschheit auch – nur dass wir es nie zugeben würden.

Sozialismus ist machbar – aber nicht erstrebenswert

Das Ende des letzten offiziellen sozialistischen Experiments in Deutschland ist mittlerweile schon knapp 20 Jahre her.

Für viel zu viele und immer mehr werdende Zeitgenossen, die heute nach mehr Staat rufen, wohl schon zu lange, um zu erkennen, wohin Sozialismus, Plan- und Staatswirtschaft und die Utopie, dass es das Beste wäre, der Staat kümmerte sich um alles und Jeden bisher immer geführt haben: Zu kaum begreifbaren wirtschaftlichen Mängeln.

Ich war 1989 acht Jahre alt, bin niemals in der “echten” DDR gewesen – konnte sie aber in ihrer Auflösungsphase irgendwann zwischen 89 und 90 mit meiner Grundschulklasse im Rahmen eines Schüleraustausches für 2 Tage (glaube ich) besuchen.

Es war eine Art Kulturschock in umgekehrter Richtung. Alles wirkte wie von einem anderen Stern, alles sah alt und farblos aus und natürlich hatte uns niemand erklärt, warum das alles so aussah. War uns auch nicht weiter wichtig, aber etwas verwundert umgesehen haben sich natürlich alle.

Die Leute waren natürlich alle nett und ganz normal (nicht das ich mit meinen 8 oder 9 Jahren irgendwas anderes erwartet hätte), auch wenn mir die gemeinsame Sportstunde komisch vor kam, weil die Gastgeber völlig übermotiviert schienen. Aber Sportunterricht war ohnehin nie mein Ding, auch zuhause wirkte der Rest nach meinem Verständnis eigenartig übermotiviert.

Meine etwas diffuse Erinnerung an diese beiden Tage ist wenig brauchbar für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Sozialismus. Brauchbarer sind da schon Beschreibungen, die ahnen lassen, wie weit der Mangel bei völlig profanen Dingen ging.

So ist bei Zettel heute zu lesen, dass sich die Inhaftierten Bewohner des selbsternannten Arbeiterparadieses kurz vor dem offiziellen Ende dieses verachtenswerten Gebildes wohl empört darüber gezeigt hatten, in welchem Luxus Staatschef Honecker schwelgte – denn dessen Bad verfügte über eine – festhalten - Mischbatterie.

Dieses kleine Beispiel macht deutlich, was dabei herauskommen kann wenn der Staat entscheidet, was seine Untertanen brauchen und was nicht.

Wozu Ressourcen verschwenden, nur um den Leuten das Regulieren ihrer Wassertemperatur mit nur einem, statt zwei Wasserhähnen zu ermöglichen? Andere Dinge sind doch viel wichtiger!

Sind sie wirklich – aber Marktwirtschaft kann eben sowohl unwichtige als auch wichtige Dinge hervorbringen, während es in einer gelenkten Wirtschaft immer jemanden an der richtigen Stelle braucht, der etwas als wichtig genug erkennt, damit davon soviel hergestellt werden kann, dass jeder etwas davon hat. Und selbst dass ist dann eher Glückssache (man denke nur an die wahnwitzigen Wartezeiten auf ein Auto!).

Der Leser möge nun seine Phantasie spielen lassen, welche liebgewonnenen Alltagsgegenstände im Prinzip durch einfachere Versionen ersetzbarer oder schlicht überflüssiger Luxus sind.

Kaffeemaschine, Handy, Farbfernseher (womöglich noch Plasma, LCD oder gar HDTV), MP3-Player, Computer, “Übergangsjacken”, mehr als 2-3 Biersorten, Flugreisen (womöglich innerhalb Europas oder gar Deutschlands), große Autos, Gameboys, Stereo- oder gar Surround-Anlagen und Eierkocher sind so die Sachen, die mir auf Anhieb einfallen.

Möchte irgendwer bezweifeln, dass vieles davon in einem sozialistischen Staat wahrscheinlich nichtmal erfunden worden wäre, weil Forschung in diese Richtung brotlos gewesen wäre? Und die Chance, dass der ganz normale Bürger ohne weiteres in den Genuss solcher Ausgeburten der kapitalistischen Ausbeutungswirtschaft gekommen wäre, ist wohl noch viel geringer.

Kurz gesagt: Vieles, über das heute selbst der durchschnittliche HartzIV-Empfänger häufig ganz selbstverständlich verfügt und das wir alle uns kaum noch wegdenken können, wäre in einer sozialistischen Planwirtschaft sehr wahrscheinlich heute noch für den normalen Bürger unerreichbarer Luxus.

Nahrungsmittelpreise: Realismus statt Ideologie

In der Debatte um Nahrungsmittelpreise / Nahrungsmittelknappheit ist viel Ideologie im Spiel. Je nach Standpunkt sind Kapitalismus, Marktwirtschaft, Gentechnik und industrialisierte Produktion oder Planwirtschaft und technologische Rückständigkeit schuld an der Preisexplosion, die zu einer Hungerkrise zu werden droht.

Ich neige tendenziell zu letzterem. Aber nicht aus rein ideologischen Gründen, nicht weil ich Marktwirtschaft für grundsätzlich besser, effizienter und für die Menschen dienlicher halte, als die vielfältigen Formen des Gegenteils davon. Sondern weil alles andere irgendwie unlogisch wäre:

Ziel von genetisch veränderten Pflanzen war und ist es zum Beispiel immer gewesen (egal ob man dies nun durch genetische Manipulation oder simple Zucht erreicht), wirtschaftlich besser nutzbare Nutztiere und -pflanzen zu schaffen. Ein Verzicht darauf muss zwangsläufig zu weniger Effizienz und damit zu weniger Ertrag führen – ob uns der Gedanke, genmanipulierte Nahrung zu essen nun gefällt oder nicht. Man darf von mir aus gerne für sich die Entscheidung treffen, auf solche Nahrungsmittel zu verzichten, wenn man sich das leisten kann (dementsprechend befürworte ich klare Kennzeichnungen ausdrücklich, solange sie neutrale Hinweise und keine hysterischen Warnungen sind) – aber die ganze Technologie im Angesicht einer solchen Krise in Abrede zu stellen, ist ganz sicher nicht einer vernünftigen Lösung dienlich.

Ähnliches gilt für die industrielle Produktion. Industrie insgesamt zielt auf stetige Effizienz- Produktionssteigerung ab. Warum sollte dieses Streben die Krise verschärfen? Na klar kann man immer sagen, dass vor allem ärmere Gegenden der Welt von industrieller Produktion eben sehr weit entfernt sind und daher womöglich einen wirtschaftlichen Nachteil gegenüber unserer technisierten Landwirtschaft haben könnten. Aber wäre das Problem wirklich kleiner, wenn bei uns insgesamt weniger hergestellt würde? Denn dann würde der deutsche Kunde womöglich den haitianischen Dank seines relativen Reichtums bei jedem Kartoffelhandel hoffnungslos überbieten. Wenn es insgesamt weniger Produkte gibt, dann muss das nunmal zu höheren Preisen führen und die treffen immer vor allem arme Menschen – was die aktuelle Krise letztendlich ja auch beweist.

Ich schließe daraus, dass ein simples mehr in diesem Zusammenhang im Zweifel ein guter Anfang ist.

Kapitalismus und Marktwirtschaft basieren auf dem simpelsten Mechanismus, durch den Menschen überhaupt miteinander ins Geschäft kommen können: Jeder der Teilnehmer hat etwas, dass er im Tausch gegen etwas anderes vom Partner eintauschen würde. Alles freiwillig, alles darum zum gegenseitigen Vorteil. Soweit die Theorie.

In der Praxis ist es natürlich schon so, dass derjenige mit viel Geld immer einen Vorteil gegenüber denen ohne Geld hat und diese Ungleichheit existiert nunmal in der Welt. Der Vorwurf, dem in Bezug auf die Nahrungskrise Menschen oder mehr noch Organisationen mit viel Geld gemacht wird, ist dass sie die Armut anderer ausnutzen, indem sie ihnen für teures Geld Saatgut verkaufen – weil diese es gar nicht oder nur in minderer Qualität selbst herstellen können. Daraus entstehen Abhängigkeiten – und weil einige Saatgutproduzenten inzwischen echte Giganten geworden sind, gibt es da möglicherweise Strukturen, die die marktwirtschaftlichen Mechanismen unterlaufen, weil die Abnehmer kaum eine andere Wahl haben, als von einem bestimmten Produzenten zu kaufen.

Wo dies der Fall ist, besteht sicher ein Problem. Zwar keines, dass durch Marktwirtschaft direkt verursacht wurde – aber ich will mich nicht einfach mit der Subventionsplanwirtschaft rausreden, die heute zu marktfeindlichen Strukturen geführt hat, denn das wäre ja auch nur eine Problembeschreibung und kein Lösungsansatz. Angewandte Entwicklungspolitik wäre für mich aber, an der Marktmacht großer Hersteller zu rütteln. Natürlich nicht mit Exportbeschränkungen oder anderen Zwangsmaßnahmen. Kredite zum Aufbau von Konkurrenz wären aber eine saubere Alternative dazu, auch wenn dass letztlich wieder ein Eingriff in die Wirtschaftskreisläufe bedeuten würde und man höllisch aufpassen muss, dass man damit nicht einfach nur die nächste Generation an Oligopolisten schafft. Nur: Da die Strukturen eben sind, wie sie sind, sind nicht ganz lupenreine marktwirtschaftliche Lösungen denke ich durchaus gerechtfertigt.

Vielleicht müssten auch die Patent- und Sortenregeln mal auf den Prüfstand, damit die Nachzucht von nicht mehr durch Patente geschützten Pflanzen erstmal möglich wird.

Patente und Subventionen sind aber keine Produkte von Marktwirtschaft und Kapitalismus. Es sind hausgemachte Regeln, um auf Wirtschaft einzuwirken – nicht mehr und nicht weniger.

Insgesamt geht für mich die ideologische Komponente der Debatte um die Preisexplosion bei Nahrungsmitteln etwas am Problem vorbei. Sie trägt nichts zur Lösung bei, weil hier erstmal praktisches Handeln gefragt wäre.

Klar hat jeder sein Idealbild einer freien und gerechten Welt und meins habe ich grade versucht zu schildern. Aber erstmal muss die Welt genommen werden, wie sie ist.

Für Europa mit seinen Produktionsquotierungen bedeutet dass zweifellos, dass die Landwirtschaft von der EU-Bürokratie mit ihren Subventionen und den daran geknüpften Regeln (zu denen so Dinge wie die Milchquote gehören) befreit gehört. Für andere Teile der Welt muss mehr wirtschaftliche Freiheit nicht das kurzfristig beste Mittel sein, um der Krise zu begegnen. Vielleicht sind hier Subventionen nötig, um überhaupt erstmal ein Gegengewicht gegen die bislang hochsubventionierten Agrarproduzenten der Welt schaffen zu können.

Will man langfristige Stabilität auf dem Nahrungsmittelmarkt, dann kommt man um möglichst liberale Regeln für Handel und Produktion allerdings ganz sicher nicht herum. Nur werden hungernde von Freiheit allein auch nicht satt.

Eine Frage des “Willens”

Wir haben kein Energieproblem, wir haben ein Energieumwandlungs- und Verteilungsproblem.

Und um das zu beseitigen, habe ich mir etwas ausgedacht. Da sich für den Radsport so langsam durch die alljährlichen Dopingskandale keine Sau mehr interessiert, könnte man doch diese dank der modernen Medizin zu wahren Maschinen gewordenen Sportler zur Stromerzeugung einsetzen – man braucht ja nur effiziente Dynamos an gängige Strampelmaschinen anzubringen. Energiespitzen könnten durch ein paar zusätzliche Hamster in Laufrädern kompensiert werden.

Die Technik ist da, die Sportler sind da. Einzig ein paar Fragen wären noch zu klären:

Verkraften die Franzosen es, wenn es keine Tour de France mehr gibt? Und Kann man sich auf einen gemeinsamen garantierten Einspeise-Tarif für solarthermischen Strom einigen? Denn die Sportler sind ja Spitzengagen gewöhnt und die ausbleibende Publicity muss ich ihnen irgendwie vergüten.

Völliger Schwachsinn? Stimmt. Aber so ähnlich kommt mir diese Desertec-Idee vor, von der Spiegel Online berichtet. Ich zitiere:

Die Technik ist da, die Industrie will investieren – nur die Politik zögert.

Die böse Politik! Warum zögert sie?

Eben weil die ach so investitionsbereite Industrie diese garantierten Einspeisepreise braucht, damit sich diese Weltverbesserungs-oder-gar-rettungs-Idee überhaupt lohnt. Mit anderen Worten: Die Zeit dafür ist noch nicht reif und bisherige Energieträger einfach immer noch – trotz der derzeitigen Rekordpreise – zu günstig.

Doch statt sich zurückzulehnen und auf die Marktreife zu warten, fordert die Solarlobby Preisgarantien, die natürlich zulasten der Kundschaft gehen und den vermeintlich uneigennützigen Umweltrettern die Taschen füllen.

Und Spiegel Online lässt sich für diesen Werbefeldzug auch noch gerne einbinden und titelt locker flockig “Wie Europa von Kohle und Gas loskommt” – und tut so, als wäre es (im Gegensatz zur Mondlandung – doch, den Vergleich bringen die!) allein eine Frage des Wollens:

“Die Technik ist da, aber am Willen mangelt es noch.”

Es könnte so leicht und bequem sein, Geld zu scheffeln. Wenn nur die vermaledeite Kundschaft nicht wäre, die ihre Kohle einfach freiwillig nicht rausrückt sondern auf einer angemessenen Gegenleistung besteht.

Freiburg – Bundeshauptstadt der Prohibition?

Radikalen Liberallalas wie mir wird wohl nie einleuchten, wie man den Verkauf von Alkohol zu bestimmten Uhrzeiten verbieten kann. Ach ja: Um die Jugend vor sich selbst zu schützen natürlich – während man nebenbei, Gelegenheit macht bekanntlich (Freiheits-)Diebe, natürlich auch jeden “mündigen” Bürger, der nach Meinung der Baden-Württembergischen Landesregierung offenbar zu blöde ist, sich freiwillig an den Erziehungszielen der weisen Staatsmacht zu orientieren.

In einem Land voller Weinberge und mit unfassbar vielen regionalen Biermarken steht die Regierung mit dem Alkohol also auf Kriegsfuß. Doch in Karlsruhe, wo schon seit einer Weile ein partielles Alkoholverbot gilt, will man von Seiten der CDU noch viel mehr:

“Das Verbot soll im so genannten Bermuda-Dreieck zwischen Europaplatz, Hirsch- und Amalienstraße gelten, aber auch ganz allgemein vor Diskotheken und in bestimmten Zonen bei öffentlichen Veranstaltungen. Gleiches gilt für Haltestellen und Kinderspielplätze. Die Christdemokraten versprechen sich davon, die oft mit dem Konsum von Alkohol verbundene Randale sowie Gewalttaten zu unterbinden.”

Wäre es nicht einfacher, die paar Orte aufzuzählen, an denen noch gesoffen werden darf?

Nur zur Erinnerung

Wer sich ärgert, dass ihm an diesem Wochenende schon wieder eine Stunde Zeit einfach so gestrichen wurde und die Zeitumstellung nervig, lächerlich und überflüssig findet, der sollte in Erwägung ziehen, beim nächsten Mal der FDP seine Stimme zu geben.

Meine persönliche Sicht auf das derzeitige Zeitgesetz hab ich vor ungefähr einem Jahr schonmal breitgetreten. Daran hat sich nix geändert.

By the Way: Wärend bei uns am liebsten gleich in ganz Europa einheitliche Regeln zur Zeitumstellung gelten, scheint es nach dieser Karte in Staaten wie Kanada, Amerika oder Australien Ländersache zu sein, einige Bundesstaaten dort haben nämlich einfach so diese Arbeitsbeschaffungsmaßnahme abgeschafft. Faszinierend, dass innerhalb dieser Länder die Mitgliedsstaaten mehr Freiheiten zu haben scheinen als in Europa.

Bundesregierung murkst Jugend weiter in den Ruin

Der “Riester-Faktor” soll ausgesetzt werden. Der “Riester-Faktor” ist der Teil in der Rentenformel, der bisher ein Bisschen Generationengerechtigkeit im Rentensystem vorgaukeln sollte:

Der Riester-Faktor hat eigentlich die Funktion, die Entwicklung der Renten zu dämpfen. Er ist letztlich ein Abzug von der jährlich möglichen Rentenerhöhung. Begründung ist, dass die Arbeitnehmer wegen der privaten Altersvorsorge weniger in der Tasche haben und diese Lasten mit der heutigen Rentnergeneration geteilt werden sollen.

Überflüssiger Unsinn also, was interessiert denn auch Politiker, die in 4 Jahren gewählt werden wollen, welche Belastungen unsereiner in 40 Jahren zu tragen hat?

Die Renten könnten also dank diesem Beschiss an künftigen Rentnern in diesem Jahr fast um 1% steigen.

Und, machen sie Luftsprünge, die Rentner von heute? Mitnichten, scheinbar ist 1% genau so lächerlich wenig, wie es klingt.

Doch während all das bisher nur Gerüchte sind, ist eine andere Volksbeglückung schon beschlossene Sache: Die Pflegeversicherung wird jetzt noch besser.

Nicht in dem Sinn, dass man endlich eine Wahl hätte, sich zu versichern oder nicht – sondern sie wird vor allem erstmal teurer. Und zwar gleich um 0,25 Prozentpunkte. Das soll dann, so haben die Superhirne in den Ministerien in ihrer grenzenlosen Weisheit ausgerechnet, bis 2014 auf finanziell sicheren Füßen stehen. Nunja, hoffen wir mal, dass wenigstens das, entgegen allen bisherigen Erfahrungen mit derartigen Aussagen, stimmt.

So sicher wie das Amen in der Kirche kommt aber spätestens dann die nächste Beitragserhöhung. Pflege kostet nunmal und da die gleichen Politiker, die uns auf diese Weise daran hindern, vernünftig für die Zukunft (egal ob sie einen gesunden Ruhestand oder einen in Pflegebedürftigkeit bringen mag) vorzusorgen, verteuern die Altenpflege noch zusätzlich, indem sie uns verbieten, beispielsweise Pflegekräfte aus Osteuropa anzustellen, die das womöglich für weniger Geld machen würden.

Wie lange will sich das alles bieten lassen, wer unter 30-35 Jahren alt ist?

Und damit das mal klar ist: Über junge Leute, die Deutschland den Rückenkehren, darf man sich angesichts solcher Dummheiten natürlich nicht beschweren.

Lebensmittelpreisungerechtigkeiten

“La Tribune” heißt eine französische Zeitung, die berichtet, dass viele Lebensmittel in Deutschland deutlich günstiger seien als in Frankreich (und den allermeisten anderen Ländern Europas).

Spiegel Online berichtet über die zu diesem Ergebnis kommende Untersuchung:

“Selbst ausländische Produkte kosten zum Teil weniger als in ihrem Herkunftsland – schuld ist der Preiskrieg deutscher Discounter.”

Diese verdammten Discounter.. wie können sie sich nur einen Wettbewerb liefern und uns Verbraucher zu niedrigen Preisen versorgen? Warum bilden sie nicht einfach ein Kartell oder so?

Wie lange wird es dauern, bis die EU-Kommission hier gesamteuropäische Preise vorgibt? Es kann doch schließlich nicht sein, dass Deutsche günstiger einkaufen können als Franzosen, so kanns ja nichts werden mit der Europäischen Einheit und so.

« go backkeep looking »
  • Löffel voller Weisheit

    Freiheit war niemals gleichbedeutend mit einem Freibrief für Willkür. — Mahatma Gandhi

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