Filterblog

Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Tach der Niedersachsen läuft an

An sich ja schön, dass in Winsen mal richtig was los ist.

Aber muss das wirklich sein, dass der Tag der Niedersachsen mit Stadtwerke Winsen, Die Insel, Sparkasse Harburg-Buxtehude, Volkswagen, Nord LB und Lotto Niedersachsen ausschließlich Staatsunternehmen als Hauptsponsoren hat? Konnte man nicht versuchen, freie Geldgeber zu finden, statt so indirekt den Steuerzahler zur Kasse zu bitten?

Naja und das Programm ist alles in allem scheinbar schwerpunktmäßig für die Zielgruppen Kinder und Jugendliche bis 15 und Erwachsene ab 35/40 aufwärts zugeschnitten. Das ist okay, vermutlich ist das für Familien ne ziemlich lockende Kombination.

Aber beim Hessentag gabs dagegen beispielsweise Kracher wie Fettes Brot oder Jan Delay, Grönemeyer und Badesalz und nicht zu vergessen Die Ärzte.

Die Highlights in Winsen an diesem Wochenende sind dagegen Extrabreit und eher unbekanntere, aber feine Bands wie 104 Elements oder Rock n Roll Deputyz. Nicht schlecht, wirklich nicht – aber doch kein Vergleich mit den Highlights aus Hessen!

Naja, hoffen wir im Interesse meiner Heimatstadt aber all diesen Widrigkeiten zum Trotz, dass das Wetter doch noch überraschend aufhört so scheiße zu sein und die Menschen nur so in Scharen herströmen. Wie gesagt: Für Familien ist das sicherlich der Hammer, es gibt wirklich viel zu sehen, auch außerhalb des Showprogramms und Winsen ist alles in allem auch ein hübsches kleines Städchen, dass sich, so mein Eindruck beim durchfahren vorhin, zu diesem Wochenende natürlich nochmal besonders rausgeputzt hat.

Also nicht von meinem Genörgle abhalten lassen und sich selbst ein Bild machen;)

Servicetipp am Rande: Wer einfach nur so durch Winsen fahren will oder muss sollte beachten, dass die wichtigen Straßen alle gesperrt sind, wie ich heute mittag schon leidvoll erfahren musste…

Punkrock war auch schonmal systemkritischer

Ich war vergangenes Wochenende auf einem „Ärzte“-Konzert.

Okay, ich weiß ja: Für echte Punks sind „Die Ärzte“ sowieso noch nie richtig punk gewesen und wahrscheinlich sind sie sowieso schon immer viel zu erfolgreich gewesen und kommerziell und so weiter und so fort.

Dass man als mutmaßliche Millionäre genauso wenig ein Punk im ursprünglichen Sinn sein kann, wie wenn man, wie ich, ein Studium macht, um irgendwann mal einen hoffentlich gut bezahlten Job zu bekommen, liegt ohnehin auf der Hand.

Für mich gilt allerdings, dass mich vor allem die Musik mitreißt und die ihr zugrunde liegende politische Ungestümheit, Wildheit – vor allem ihr keine Grenzen kennender Freiheitsdrang. Das ist dann auch schon alles, was mich mit Punk verbindet – ich wasche mich nämlich regelmäßig und gehe sogar mal arbeiten oder wählen.

Und den Ärzten merkt man auch an, dass sie sich der echten Punkszene in erster Linie nostalgisch zugehörig fühlen und soweit ich weiß auch noch etliche Freunde dort haben. Aber trotzdem kommen die drei Berliner ja doch irgendwie aus der Punkszene, egal wie man zu ihnen stehen mag.

Kommerziell im Sinn von Coca-Cola- oder Mercedes-Benz-kommerziell ist die Band aber trotzdem ganz eindeutig. Die Ticketpreise lagen zwar mit knapp über 30 Euro für eine seit Jahrzehnten erfolgreiche Chartstürmerband wirklich sehr im Rahmen (man vergleiche das mal mit Tickets für die Weltverbesserer Grönemeyer, 59 Euro  oder Maffay, 51-68 Euro).

Die angebotenen Merchandise-Artikel waren aber teilweise preislich sowas von jenseits von gut und böse: Beispielhaft seien der Original Ärzte-Kaffeebecher für 9,99 Euro oder das Ärzte-Schlüsselband, ebenfalls 9,99 Euro genannt. Das ist, um mal im linken Fachjargon zu sprechen, schon irgendwo eine Ausbeutung der Fangemeinde.

Aber egal, auf solches Zeugs kann ich ohnehin verzichten, ich war ja wegen der Musik da.

Und eigentlich nur wegen der Musik, nicht etwa, um das Klima vor seinem sicheren Tod zu retten. Das hab ich aber dabei offenbar auch noch getan.

Denn das erste, was mir am Ticket aufgefallen war, war ein kleiner runder Button, der darauf hinwies, dass 50 Cent des Ticketpreises dafür verwendet werden, die Klimaneutralität des Tickets zu sichern.

Nun meine ich mal gelesen zu haben, dass z.B. Krombacher für den Quadratmeter Regenwald nur einen Cent zahlt – keine Ahnung obs stimmt, ist an sich ja auch Rille, weil ungefähr genausoviele Menschen Krombacher saufen, um die Welt zu retten, wie aus dem selben Grund Ärztekonzerte besuchen. Wenn da aber etwas dran ist, wenn vielleicht der Quadratmeter sogar 10 oder 50 Cent kostet (was ich angesichts des damit nicht steigenden Kistenpreises für unwahrscheinlich halte, weil die Herren Jauch und Völler sich schließlich mit deutlich über 50 Cent ihren Weltrettungseinsatz vergüten lassen dürften), dann scheinen allein die Tickets unfassbare Klimakiller zu sein, wenn man den Gegenwert von womöglich mehreren Quadratmetern Regenwald benötigt, um ihre Existenz umweltpolitisch korrekt zu rechtfertigen.

Oder aber das Konzert-Management hat eine von diesen neuen Ablass-Händlern beauftragt, der davon (weil er ebenfalls kommerziell ist) diverse Angestellte und vermutlich die eine oder andere Dienstreise an Amazonas oder Kongo finanziert, was dann natürlich teurer werden kann.

Ein weiterer Button wies darauf hin, dass das Konzert insgesamt „klimaneutral“ veranstaltet wird. Was war ich beruhigt, monatelang hatte mich mein Gewissen schon geplagt und mir so jede Vorfreude auf das Konzert verhagelt!

Nun gut, damit können die Veranstalter allerdings nicht meine Anreise aus Baden-Württemberg bis nach Kiel gemeint haben. Und damit meinen sie wohl auch nicht, dass meine Kumpels immerhin auch aus dem südlichen Hamburg nach Kiel fahren mussten und schon gar nicht kann die Rede von den vielen völlig Verrückten sein, die sich jedes einzelne Konzert geben und der Band durchs ganze Land hinterherreisen.

Konsequente Klimaneutralität ist also so oder so nicht zu erreichen – wer aber an die Menschengemachte Klimakatastrophe glaubt, der soll meinetwegen gerne versuchen, so klimaneutral wie er kann zu leben. Auf Konzertbesuche würde ich dann allerdings verzichten. Und auf Bananen und Fernsehen auch.

Ärgerlich wird’s natürlich, wenn man als Kunde keine Wahl hat und zum Beispiel von Konzertveranstaltern zu Klimaneutralität gezwungen wird.

Oder hatte man umweltethische Bedenken, dass Ärztefans doch nicht so politisch korrekt sind, wie sie es sein sollten und man Klimaneutralität darum lieber nicht per freiwillige Abgabe sondern durch „Druck von oben“, durch das Management eben, sichern wollte?

Naja, egal. Ich habe ja gewusst was es kostet, bevor ich das Ticket gesehen hatte und der Preis war für mich okay, insofern will ich mich darüber jetzt gar nicht beschweren.

Das aber ausgerechnet eine Band, die sich grob dem Punk zurechnet, zu Bütteln multinationaler Organisationen und sogar der Regierung macht, indem sie deren Politik bis ins kleinste Detail nachvollzieht, ja sie übererfüllt und sich gnadenlos politisch korrekt verhält, das ist die reinste Realsatire.

Sid Vicious würde sich im Grab umdrehen. Vorausgesetzt, er hätte Bock dazu.

Allerdings: Überraschend kam das nicht. Denn ich habe die Ärzte vor Jahren kurz vor den Senatswahlen in der Hamburger Color-Line-Arena gesehen, wo sie dann vor vielen Tausend ihnen lauschenden Fans ziemlich offen Partei ergriffen haben. Die Vorband Fettes Brot übrigens auch.

Spricht ja auch im Prinzip nichts dagegen aber mit Punkrock im ursprünglichen Sinn hat das noch weniger zu tun, als bloßer kommerzieller Erfolg es hätte.

Man kann allerdings beobachten, dass viele andere Bands und Künstler, die sich selbst gerne als „kritisch“ inszenieren, ziemlich unkritisch vielen kollektivistischen, paternalistischen und etatistischen Ideologien nachrennen. Vielfach wird da mehr oder weniger Stimmung in bestimmte, konkret durch Parteien darstellbare Richtungen gemacht, statt einfach nur die eigene Meinung zu vertreten.

Nun lass ich mich von der politischen Einstellung von Künstlern ohnehin nicht einlullen und sie ist mir meistens auch schnurzegal, wenn mir die Produkte und Werke denn ansonsten gefallen. Ich finde mich halt damit ab, dass Genie und Wahnsinn dicht beieinander liegen – was solls. Wenn ich nur Musik hören wollte, die von vernünftigen Menschen gemacht wird, könnte ich wahrscheinlich gut 90 Prozent meiner Tonträger sofort entsorgen.

Aber muss man meine Toleranz immer gleich so sehr auf die Probe stellen? Was Bands wie die Ärzte, vielen genialen Songs zum Trotz, aus dem einstmals parteipolitisch neutralen und unkommerziellen Punk gemacht haben, macht einen spätestens am Tag nach dem Konzert (wenn man so langsam wieder nüchtern wird und alles revue passieren lässt) schon etwas wehmütig.

Und lässt einen dann doch lieber zu den Klassikern des Punkrock greifen.

Das Gegenteil von gut

…ist bekanntlich gut gemeint.

Warum dass zum Beispiel auf Entwicklungshilfe zutreffen kann, für die sich gerade in diesen Tagen prominente Weltverbesserer wie Bono oder Herbert Grönemeyer so vehement einsetzen, fasst Manfred Messmer in seinem Blog zusammen.

So lehnen Presseberichten zufolge immer mehr afrikanische Intellektuelle westliche Entwicklungshilfer der jetzigen Form strikt ab, weil sie es afrikanischen Regimen erlaubt, die Bevölkerung abhängig zu machen und ihnen jeden Druck nimmt, für eine florierende Wirtschaft zu sorgen.

„Die Antwort ist, dass Entwicklungshilfe zweifelhaften politischen Führern immer mehr Mittel zur Unterdrückung in die Hand gegeben hat. Mengistu (Äthiopien) oder Idi Amin (Uganda) gehören zu den berühmtesten Profiteuren der Entwicklungshilfe, von der Afrika seit 1960 etwa 500 Milliarden Dollar bekam.“

Weitere Quellen und Originalzitate dazu sind ebenfalls in dem Artikel zu finden, das reine wiederholen spare ich mir jetzt mal. Dennoch finde ich es wichtig, auch mal darauf hinzuweisen dass es ganz so simpel, wie es uns viele Demonstranten dieser Tage mit vereinfachenden Parolen wie “Eine andere Welt ist möglich” oder “Make poverty History” glauben machen wollen, ist es also nicht.

Es sind eben nicht die großen Konzerne der Welt, die Afrika arm machen – die haben von wirtschaftlich starken Regionen nämlich viel mehr, weil sie nur dort ihre Kunden finden.

Die Probleme des Kontinents entstehen vor allem durch Abwesenheit von Demokratie und Freiheit, was wiederum direkt mit dortigen Machthabern zusammenhängt.

Mit einen weiteren Themenkomplex, der in diese Richtung geht, beschäftigt sich Statler & Waldorf. Europa hat nämlich mit seinen Wettbewerbsverzerrenden Agrarsubventionen dafür gesorgt, dass in Ghana die Hühnerfarmen aufgeben.

“da Subventionen schon immer gerne Überproduktion verursachten, muß man dann eben schauen, wo man das gackernde Äquivalent zum Butterberg unterbringt. Früher hätte man sie vielleicht durch den Fleischwolf gedreht und an die Kühe verfüttert, aber das ist seit BSE nicht mehr en vogue. Danach wären Verbrennen und Verbuddeln naheliegende Alternativen gewesen, aber jetzt sind sie da, die sinkenden Transaktionskosten, und wenn man in Ghana noch einen akzeptablen Preis erzielt — naja, warum nicht.”

Für die Menschen dort bedeutet dass unter dem Strich günstigeres Essen, was wir mit unseren Steuern allerdings bezahlt haben und was Statler darum als eine Art indirekte Entwicklungshilfe ansieht.

Es gibt viele Menschen, die der Meinung sind der Markt könne nicht alles lösen.

Beide Fälle zeigen aber, dass die Abwesenheit von freien Mäkten und den damit verbundenen Anreizen für Wirtschaftlichkeit und Wettbewerb schnell zu Verhältnissen führen, die niemand wollen kann.

  • Löffel voller Weisheit

    Alle menschlichen Einrichtungen sind unvollkommen – am allermeisten staatliche. — Otto von Bismarck (1815-98), preuß.-dt. Staatsmann, Gründer d. Dt. Reiches u. 1871-90 dessen erster Kanzler

  • Filterblog@Facebook


  • Switch to our mobile site