Muss dass sein, dass die Grüne Jugend diesen Tag zur Regierungsschelte nutzt? Nach dem richtigen und wichtigen Hinweis auf den 69. Jahrestag des Beginns der Progrome der Nazis gegen Juden, im Volksmund oft “Reichskristallnacht” genannt, liest man in der aktuellen Meldung das hier:
“Doch die Große Koalition erschwert dies immer wieder – die Umstrukturierung der Finanzierung von Projekten gegen Rechts hat Anfang des Jahres das Aus für viele Projekte bedeutet.”
Gerade so, als müsste man nur genug Geld in die Hand nehmen, um Nazis zu Demokraten zu machen… die Bedeutung dieser Projekte scheint mir doch sehr überschätzt zu werden. Ehrliche Politiker und couragierte Bürger sind die wahren Mittel gegen politischen Extremismus und beides hat nichts mit Geld zu tun.
Im Gegenteil: Woher soll das Bewusstsein kommen, dass jeder Einzelne gefordert ist für Freiheit und Demokratie einzutreten, wenn er immer im Hinterkopf hat, dass es ja genug bezahlte Projekte gibt, die ihm die “Drecksarbeit” (couragiertes und mutiges Auftreten gegenüber Nazis verlangt mut und ist oft unangenehm) abnehmen?
Aber vielleicht irre ich mich und diese Projekte haben in der Vergangenheit viele Wahlerfolge von NPD und Konsorten verhindern können.
Wenn diese Projekte jedoch so toll und sinnvoll sind, wo sind dann all die Grünen Lehrer und Windenergieunternehmer, die einen Teil ihres dafür mit Sicherheit ausreichenden Gehalts dafür hergeben, dass diese Projekte weiter bestehen können? Vielleicht würde sogar ich überlegen, ob ich etwas spenden würde – wenn ich jemals von einem dieser Projekte gehört hätte.
Aber die denkbar schlechteste Finanzierungsmethode von Projekten, die jeder unterstützen würde, ist die die Steuergeld benötigt. Wenn sich die Initiatoren nun eben um private Gönner bemühen müssen, dann tut das den Projekten im Zweifel nur gut, weil Erfolgloses dann entweder verbessert oder beendet wird. Der Kampf gegen Rechts würde effizienter.
Um auf den Jahrestag zurückzukommen, stelle ich mal die Preisfrage: Was hätte alles, was der Reichskristallnacht gefolgt ist wohl eher verhindern können: Millionen couragierte Bürger, die das Unrecht sehen und begreifen und dagegen kämpfen – oder einzelne Projekte, die in diesem Fall ganz bestimmt auch ohne staatliche Finanzierung hätten auskommen müssen…?
Es gibt offenkundig Situationen, in denen wir uns nicht auf den Staat verlassen sollten und dürfen und egal wie unwahrscheinlich diese Situationen erscheinen mögen, es ist gefährlich das zu vergessen.
Auch daran sollten wir denken, wenn wir uns an die Ereignisse damals erinnern.
PS: Natürlich hat dieser Tag in der deutschen Geschichte auch darüberhinaus eine besondere Bedeutung, immerhin jähren sich außer der Progromnacht 1938 auch die Novemberrevolution von 1918, der Hitler-Putsch von 1923 und natürlich der Fall der Berliner Mauer 1989. All diesen Ereignissen könnte man Gedenken – aber ich halte das Jahr 1938 was das Gedenken angeht für das Wichtigste, weil hier durch ziviles Engagement viel Unheil hätte verhindert werden können.