Wasser predigen, Wein saufen
Wenn unsere großen Volkstribunen die Massen regelrecht besoffen machen mit ihren staatlich organisierten Segnungen wie Mindestlöhnen, gebührenfreiem Studieren, Sozialtarifen für Energie und dutzenden anderen Vorschlägen, bei denen eine “Solidargemeinschaft” geschaffen werden soll für Menschen, die weniger haben als andere, dann funktioniert das fast immer.
Fast immer finden sich ganz schnell große Mehrheiten in der Bevölkerung, die es als menschlich geboten und im Sinne einer noch nie definierten und darum schwammigen, schön dehnbaren “sozialen Gerechtigkeit” geradezu notwendig erscheinen lassen, immer mehr “soziale Errungenschaften” zu fordern und auf das unterdrückte Volk herabregnen zu lassen.
Gleichzeitig beobachten wir, dass ehrenamtliches Engagement spürbar nachlässt. Erste Feuerwehren werden quasi aus Personalmangel geschlossen oder mit anderen zusammengelegt, Sportvereine suchen händeringend nach engagierten Helfern, Umweltschutzorganisationen finden keine Mitglieder mehr, die bereit wären, Führungsaufgaben zu übernehmen.
Für mich ist ziemlich offensichtlich, dass es da einen Zusammenhang gibt. Dass beispielsweise ein BUND-Kreisverband seit Ewigkeiten seinen Vorstand nicht voll bekommt, das mag einerseits an gewissen bürokratischen Hürden hängen, auf die viele Engagement-willige Bürger schlicht keinen Bock haben. Schuld an diesen Hürden hat natürlich der Staat, der sie geschaffen hat.
Es könnte aber auch daran liegen, dass der Verein nicht mehr Mitglieder hat. Denn mehr Mitglieder bedeuten in der Regel natürlich auch mehr engagierte Mitglieder. Doch wozu einem Umweltschutzverein beitreten, wenn man schon Mitglied der Bundesrepublik Deutschland ist und einen immensen Mitgliedsbeitrag für Weltretter wie Angela Merkel oder Sigmar Gabriel zahlt?
Denn so ist doch die Wahrnehmung: Die Herrschaften eiern in der Welt herum und gerieren sich als die Umweltschützer schlechthin. Kein Wunder, dass viele mit dem Umweltschutz befasste Menschen das Gefühl bekommen, ihr privater Beitrag täte so nötig nun auch wieder nicht.
Das war ein Beispiel.
Ein anderes: Ich komme bekanntlich aus dem Speckgürtel um Hamburg. Zu uns ziehen häufig Großstädter, die gewohnt sind, dass Dinge wie Feuerwehr “von selbst” also mit Steuergeld und sonst gar nichts geregelt werden. Geht natürlich bei uns nicht, bei uns machen die Bürger diesen Job selbst, lediglich Gerät und Ausbildung werden mit Steuermitteln finanziert.
Das wiederum wissen aber viele der Zugezogenen nicht, vermutlich weil sie über den Zusatz “Freiwillige” vor “Feuerwehr” an den Gerätehäusern nicht weiter nachdenken und es ihnen sonst auch niemand erzählt. Ich unterstelle mal, einige können sich auch schlicht nicht vorstellen, dass man etwas so Wichtiges wie den Brandschutz tatsächlich mit ähnlichen Methoden sichern kann, mit denen sonst profane Schützenvereine oder Fussballclubs organisiert werden: Nämlich durch ganz normale Menschen mit ganz normalen Berufen. Okay, natürlich gibt es einen Haufen Gesetze und Vorschriften, die andere Vereine nicht haben – aber im Endeffekt sorgen lauter unbezahlte Amateure für Sicherheit in Orten ohne Berufsfeuerwehren – also in fast allen.
Was wir erleben ist, dass immer mehr Menschen das Gefühl bekommen, der Staat regele alles.
Und leider ist das nicht bloß so ein Gefühl, sondern vielfach die Realität.
Ich habe den Eindruck, dass dieses Denken längst eine gewisse Eigendynamik entwickelt hat. Die Menschen rufen inzwischen bei jedem Problem nach dem Staat. Wenn sie das zur Abwechslung mal nicht tun, kommt stattdessen irgendein Politiker daher, sagt “Chefsache” und kriegt dafür dann ebenfalls die Unterstützung der Bevölkerung.
Ist ja auch viel bequemer, als sich erstmal selbst darum zu kümmern. Oder sich auch nur zu fragen, ob man etwas tun kann.
Wer von denen, die von einem Mindestlohn zwar nicht profitieren würden, ihn aber dennoch lautstark unterstützen, hat denn jemals seinem Frisör ein so hohes Trinkgeld gezahlt, dass der Frisör am Ende faktisch einen Lohn in Höhe des Mindestlohns gehabt hätte? Die Ausrede, solange das nicht jeder machen würde, würde das ja auch nichts helfen gilt nicht, es geht um die Bereitschaft, mehr zu zahlen und die müsste man, wenn man ehrlich ist, jawohl so oder so haben.
Aber ich habe nicht den Eindruck, diese Leute hätten auch nur eine Sekunde einen solchen Gedanken gehabt. Ebensowenig rennen Menschen, die sich als “sozial”bezeichnen würden ständig zum teuersten Frisör.
Oder zahlen für jeden “zu billig” gekauften Liter Aldi-Milch dem Milchviehhalter ihres Vertrauens 10 Cent extra.
Das wär zu kompliziert? Okay, also dann mein Alternativvorschlag: Wo bleibt der Verein, der diese 10 Cent zugunsten notleidender Landwirte einsammeln geht? Genug Freiwillige zum sammeln müsste es ja geben, Spendenwillige sowieso, so wie die Bevölkerung nach hohen Milchpreisen schreit.
Statt solcher Initiativen ist jeder Andere der Böse: Die Politik, wenn sie sich nicht kümmert (genau deswegen “kümmert” sie sich allerdings ständig, Politiker können es sich nicht leisten, böse zu wirken), “die Wirtschaft”, weil sie frecherweise nach marktwirtschaftlichen Prinzipien arbeitet, gerne auch mal “der Kapitalismus” insgesamt, denn wäre der erstmal abgeschafft, gäbs keine Geldsorgen mehr (wie auch, ohne Geld…).
Wer jedenfals nie schuld an irgendwelchen Miseren ist und wer nie einen Beitrag zur Verbesserung der Gesellschaft leisten kann, dass sind wir selbst, finden wir.
Und gehen weiter bei Lidl & Co billige Milch einkaufen*, freuen uns auch sonst über jedes Schnäppchen oder verbringen unseren Urlaub lieber mit Faulenzen als mit nervigem sozialem Engagement.
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*Nur dass wir uns richtig verstehen: Ich kaufe ausschließlich nach dem Kriterium Preis ein, außer irgendwas taugt nichts. Aber ich halte niedrige Preise auch nicht für einen staatliche Interventionen rechtfertigenden Missstand
Wenn Unglücke nicht schlimm genug sind
Wie wahrscheinlich so ziemlich jeder mitbekommen hat, hat es da in der vergangenen Woche auf der Elbe ein großes Schiffsunglück gegeben. Und zwar nicht irgendwo auf der Elbe, sondern direkt vor meiner Haustür. Man konnte zeitweise den Diesel atmen und ihm eine Weile regelrecht beim Vorbeischwimmen zusehen – und zwar zweimal pro Tide, denn natürlich gibts bei uns Ebbe und Flut, was das Dieseleinfangen nicht unbedingt erleichtert hat.
Nun sind nach Medienangaben sowieso 98 Prozent verdunstet, weils eben zum Glück bloß Diesel und nicht etwa Rohöl gewesen ist. Den weitaus größten Teil der restlichen 2 Prozent konnten Feuerwehren aus drei Ländern – darunter selbstredend auch meine Hoopter Feuerwehr aus Niedersachsen – sowie das Technische Hilfswerk mit enormem Aufwand einsammeln (wahrscheinlich um den gewöhnlichen Medienkonsumenten nicht zu verwirren wird trotzdem ständig von “Hamburger Behörden” gesprochen, naja…) und nun fehlt nach offizieller Rechnung immer noch ne Tonne von dem Zeug, das quasi futsch ist.
Und natürlich melden sich da sofort die ersten Umweltschützer zu Wort, die mutmaßen, diese Tonne könnte irgendwie in die Nahrungskette gelangt sein.
Könnte sie ja tatsächlich, wenigstens teilweise – denn irgendwo wird sie schließlich abgeblieben sein.
Aber um mal die Kirche im Dorf zu lassen: Die Tonne Diesel verteilt sich nach wirklich sehr vorsichtiger Schätzung mindestens auf die 15 Flusskilometer zwischen Unfallort bei Altengamme/Drage und dem Hafenbecken in Oortkarten, in dem man das Zeug zu sammeln versucht hatte. Die Elbe ist hier so etwa 300 Meter breit und mindestens zwischen zweieinhalb und drei Metern tief, wenigstens in der Mitte.
Zur Veranschaulichung hier eine entsprechende Karte, die ich mit freundlicher Unterstützung einer Firma namens Google gemacht habe:
Wir reden hier also von einer ganzen Menge Wasser, in der sich die verlorene Tonne irgendwie aufgelöst hat.
Natürlich ist ne Tonne Diesel immer noch ne Tonne Gift und man darfs auch nicht verharmlosen. Das will ich auch gar nicht, zumal Freunde von mir ihre Brötchen mit Elbfischerei verdienen und ich “meinen Fluss” auch lieber sauber mag.
Ich erinnere mich nämlich noch ziemlich gut an die Elbe, wie sie war als sie von den Kommunisten der DDR und der CSFR noch als Giftmülldeponie (fließt ja eh alles bloß in den bösen Westen) missbraucht worden ist.
Gemessen daran sind 1000 Kilogramm Diesel eigentlich sowieso nicht der Rede wert, allerdings ist die Elbe von heute ach eine ganz andere, weil deutlich lebendigere, weswegen der ökologische Schaden entsprechend größer werden kann.
Aber ich denke, für die Panikmache, die da zum Teil die Runde macht, besteht trotzdem überhaupt kein Anlass. Da werden Pflichten für Doppelhüllen-Tanker gefordert, als würde es sich nicht etwa um leicht verdunstende Endprodukte, sondern um wirklich ekliges Rohöl handeln und als wären hier, wie früher, massenweise Tanker unterwegs und da wird dann beinahe reflexartig, so muss es einem vorkommen, auch gleich die ökologische Entwarnung der Behörden angezweifelt. Angeblich will sogar irgendwer einen “ölverdreckten Vogel” gesehen haben (was interessant ist, wo doch gar kein Öl ausgelaufen ist, sondern Diesel).
Für mich sieht der Fluss, sein Ufer und seine Bewohner, soweit sie sich zeigen, wieder gesund aus. Am Ufer ist kein Diesel mehr zu sehen und der Geruch ist zum Glück auch nur am ersten Tag spürbar gewesen. Nun bin ich alles andere als Experte auf dem Gebiet – aber die glücklicherweise ausgebliebene Katastrophe auf Teufel komm raus herbeischreiben zu wollen, tut nun wirklich nicht Not.
Verkehrssicherheit durch Anarchie?
In Hamburg soll es demnächst einige Straßen völlig ohne Schilde geben. “Shared Space” nennt sich das dahinter stehende Verkehrskonzept, dass vor allem darauf basiert, dass man aufeinander Rücksicht nimmt, statt sich auf die Unfehlbarkeit und absolute Wirkung von Verkehrszeichen zu verlassen.
Ein interessanter Ansatz, der andernorts offenbar ganz gut funktioniert. Natürlich ist das nur was für Straßen, die nicht unbedingt verkehrstechnische Achillesfersen sind, es will also gut überlegt sein, wo man so etwas einführt. Aber der Gedanke dahinter ist mir doch recht sympathisch: Wozu komplizierte Regeln aufstellen, mit deren Befolgen man womöglich so beschäftigt ist, dass man die Dinge, auf die es ankommt (zum Beispiel auf die Straße rennende Kinder) unter Umständen genau deswegen übersieht?
Eine interessante Geschichte auf jeden Fall.
Schlick vor Cuxhaven
“Ausgedehnte Schlickfelder haben das Wattenmeer vor den Badestränden von Cuxhaven verschmutzt. Der Schlick stelle zwar keine Gefährdung dar, sei aber für die Urlauber unangenehm, sagte ein Sprecher der Stadt am Montag.”
Woran das liegt weiß keiner und kann nach so kurzer Zeit im Prinzip ja auch keiner wissen. Außer natürlich Politiker, die schon immer alles wussten und so dürften manche, je nach Geschmack und Posten, nun wahlweise der Elbvertiefung, dem Klimawandel oder den Urlaubern die schuld zuschieben.
Die Elbvertiefung als Bösewicht hat schonmal der Cuxhavener Bürgermeister ausgemacht – klar, auf der prügeln sowieso alle grade rum und Cuxhaven gehört bekanntlich auch nicht zu Hamburg, sondern zu Niedersachsen.
Erstaunlicherweise hält die Nationalparkverwaltung des Nationalparks Wattenmeer auch natürliche Phänomene als Ursache für denkbar.
Das wäre für die Politik allerdings eine Katastrophe, denn mit natürlichen Phänomenen lässt sich weder Geld verdienen, noch das eigene Profil schärfen. Ich setze darum ne Kiste Bier drauf, dass das Ganze jetzt solange untersucht wird, bis irgendwer Schuldiges gefunden oder ernannt worden ist.
Großes Trara um Sterbehilfe
Roger Kusch gehörte mal zur Regierung der schönsten Stadt der Welt.
Heute ist er hauptberuflich Sterbehelfer, wenn man so will.
Er hat einen Apparat entwickelt, mit dem sich Menschen sanft umbringen können. Der kam zwar noch nicht zum Einsatz, aber der Justizsenator a.D. hat einer 79 Jahre alten Frau Sterbehilfe geleistet.
Und es hagelt kritische Fragen und Vorwürfe: Darf der das? Wollte die Frau wikrlich? Ist das alles richtig?
Das Thema Sterbehilfe ist eigentlich immer heiß, diskutiert wird schnell emotional und es ist ja außerdem ein Thema, dass jeden irgendwie berührt – sofern man sich nicht für unsterblich hält.
Ich würde sagen, man kann in diesem Fall sicher davon ausgehen, dass die Frau wirklich sterben wollte. Das bedeutet natürlich nicht, dass man das Instrument Sterbehilfe nicht auch missbrauchen könnte und es bedeutet auch nicht, dass es nicht möglich wäre, Menschen zu überreden, sich beim sterben helfen zu lassen. Denkbar ist so Einiges in dieser verrückten Welt.
Aber reichen solche Argumente aus, um der Sterbehilfe und damit letztlich dem Wunsch von Menschen, sterben zu wollen, gesetzliche Riegel vorzuschieben? Ich denke nein. Nichts ist privater, als das eigene Leben und kein Mensch sollte irgendeinem Staat gehören, der an seiner statt bestimmen darf, ob ein Mensch leben oder sterben darf.
Eine andere Frage ist, ob man Sterbehilfe gewerblich betreiben dürfen sollte oder nicht. Geschäftemacherei mit dem Tod – ist das in Ordnung?
Die Frage ist eigentlich leicht zu beantworten: So wie Bestattungsunternehmen längst ihr Geschäft mit dem Tod machen und selbstverständlich, so makaber das auch klingt, mit mehr Leichen auch mehr Geld verdienen, so sollte das doch analog auf gewerbliche Sterbehelfer auch zutreffend sein.
Natürlich tu ich mich etwas schwer mit der Vorstellung, demnächst Werbespots von Kuschs Tötungsmaschine im Fernsehen zu sehen. Noch etwas skuriler wäre die Vorstellung von “Informationsveranstaltungen” in Altenheimen mit anschließendem Broschürenverteilen.
Das läge dann natürlich im Ermessen der Beteiligten, solche Werbemaßnahmen zuzulassen oder nicht aber das spricht ja so für sich genommen auch nicht dagegen, Derartiges gegen Geld anzubieten.
Der denkbare Missbrauch ist natürlich ein Thema. Aber keins, dass sich nicht auch vernünftig klären ließe. Man kann mit Zeugen arbeiten, mit Anwälten oder Notaren – Möglichkeiten gibts genug.
Ich bin der Meinung, man kann Sterbehilfe so regeln, dass sie sicher, menschlich und ethisch nicht nur als vertretbar, sondern auch als das einzig Richtige erscheint.
Und ich bin der Meinung, dass das jedem Kritiker letztlich auch klar ist. Das Brimborium das jetzt um Kusch gemacht wird und die emotionalen Ausbrüche, die solche Themen immer wieder hervorrufen, auch zum Beispiel als kürzlich das Thema Patientenverfügungen im Bundestag behandelt wurde, hat wohl letztlich seinen Ursprung in der Religion vieler Meinungsführer.
Für religiöse Menschen stellt sich die Frage nämlich anders. Das Schicksal des Betroffenen ist erstmal zweitrangig – vorher muss die Frage geklärt werden, ob er, also der Abgeordnete oder auch der Sterbehelfer, Gott spielen oder ihm zumindest assistieren darf. Wenn man den Vorzug genießt, nicht über einen konkreten Fall reden zu müssen, in dem vielleicht sogar ein Familienmitglied oder ein enger Freund oder Bekannter die tragische Rolle eines Sterbewilligen spielt, beantwortet sich die Frage nach dem Gottspielen sicher nicht mehr ganz so einfach.
Nur: Vielleicht ist der Betroffene gar nicht religiös? In dem Fall wäre es höchst unethisch, ihn den religiösen Regeln einiger Abgeordneter einfach so unterzuordnen.
Im Fall der Patientenverfügung, wo erst vor wenigen Tagen im Bundestag darüber debattiert wurde, ob der letzte Wille von Menschen, die im sterben liegen, unbedingt bindend befolgt werden müssen oder nicht, führt man noch ein anderes Argument an: Was, wenn der Patient zum Zeitpunkt des Abschaltens der Lebenserhaltenden Maßnahmen längst anderer Meinung ist, dass aber nicht mehr mitteilen kann?
Hier würde ich dafür plädieren, davon auszugehen, dass das nicht der Fall ist. Ich bin seit einiger Zeit Organspender und habe eingewilligt, dass man mir Organe entnehmen kann, wenn ich zwar technisch gesehen nicht mehr am Leben bin, mein Herz aber trotzdem noch schlägt. Selbstredend lässt es sich ohne Leber, Niere oder Herz erst recht nicht weiterleben, weshalb die Einwilligung zur Organspende natürlich nicht das Gleiche ist, wie eine Patientenverfügung – aber irgendwo artverwandt. Denn je nach Ausfertigung einer Patientenverfügung könnte die ja auch nahelegen, im Falle eines beinahe ausgeschlossenen Erwachens aus dem Koma, Lebenserhaltende Maßnahmen nach einer gewissen Zeit einzustellen.
Um die Einwilligung zur Organspende wird aber kein Glaubenskrieg geführt: Im Gegenteil: Hier diskutiert man ganz offen, ob nicht jeder Mensch von vornherein als Organspender gelten sollte und man dem erstmal widersprechen sollte. Das halte ich wiederum für nicht ethisch, zeigt im Zusammenhang aber ein merkwürdiges Menschenbild von Teilen der Politik auf die Menschen: Die Möglichkeiten jedes Einzelnen über sein Leben und seine körperliche Unversehrtheit zu etnscheiden, werden ohne große Bedenken beschnitten – wenn der Staat das selbe mit seinen Menschen tun will, dann finden sich plötzlich viele Befürworter.
Insofern muss man auf die ethischen Grundsätze diverser Meinungsfrüher nicht allzuviel Geben. Der Gesunde Menschenverstand empfiehlt allerdings: Ob bei Patientenverfügungen, Organspende oder Sterbehilfe, im Zweifel muss der Betroffene das entscheidende letzte Wort haben und das sollte dann auch möglichst respektiert werden.
PS: Da ich nicht müde werde, Organspendeausweise unter die Leute zu bringen, empfehle ich dir, lieber Leser, bei der Gelegenheit gerne nochmal, kostenlos einen zu bestellen. Man kann dort auch ankreuzen, dass man NICHT zum Spender werden möchte – dass nur als Tipp. Denn wer weiß, vielleicht setzen sich in diesem Land irgendwann doch diejenigen durch, die das Erstzugriffsrecht des Staates auf unsere Organe befürworten… ich empfehle allerdings, anderes anzukreuzen, Schließlich kann man selbst, die Freundin oder Frau oder die eigenen Kinder auch mal in die dumme Lage kommen, ein Spenderorgan zu benötigen.
Mensch gegen Natur gegen Mensch
Im Jahr 1936 wurde im Auftrag einer Hamburger Firma ein Hafenbecken ausgehoben. Denn diese Firma wollte Flugboote bauen.
Das Hafenbecken wurde “Mühlenberger Loch” genannt und nachdem Flugboote aus der Mode gekommen waren, ließ man das teuer gebuddelte Becken versanden – es war halt über.
Auf diese Weise schuf der Mensch das größte Süßwasserwatt Europas.
Da Flugboote, wie gesagt, aus der Mode gekommen waren, die Menschen aber aufs Fliegen nicht verzichten wollen, baut heute die firma EADS an gleicher Stelle moderne Flugzeuge – unter anderem den Airbus A380.
Für letzteren musste der “Mühlenberger Sand” geschaffen werden: Ein Fünftel des Mühlenberger Lochs musste zugeschüttet werden. Das passte aber diversen Umweltengeln gar nicht, denn die originäre Industrieanlage war innerhalb kürzester Zeit zu einem Naturparadies geworden. Und davon sollte nun ein Fünftel einfach zugeschüttet werden.
Man stelle sich nur mal vor, das Hafenbecken wäre seit 1936 stetig ausgebaggert worden, unter enormen Kosten und natürlich auch Umweltbelastungen. Völlig sinnlos – aber immerhin hätte man sich viel Ärger erspart.
EADS setzte sich aber jedenfalls durch, auch weil die Politik es so wollte und mit harten Bandagen gekämpft wurde.
Inzwischen ist die Produktion des A380 längst angelaufen und die ersten Exemplare drehen auch schon weltweit ihre Runden. Es ist das weltweit größte Verkehrsflugzeug und in der Version A380-900 passen laut Wikipedia 656 Passagiere an Bord. Wollte man die mit kleineren Flugzeugen transportieren, dann bräuchte man mindestens dreieinhalb A320-Jets oder immerhin ^das eineinhalbfache des größten Jumbo-Jets, der Boeing 747-8l. Letzteren gibts allerdings noch gar nicht.
Selbstredend trägt also der A380 auch zum Umweltschutz bei, weil er mehr Passagiere zu niedrigeren Preisen und bei niedrigerem Energieverbrauch befördern kann.
Auf dem Gelände am Mühlenberger Loch arbeiten knapp 12.000 Menschen. Zwei gute Freunde von mir haben dort ihre Ausbildung gemacht, immer mehr Freunde und Bekannte von mir finden dort gut bezahlte Arbeit. Für die Region Hamburg ist das EADS-Werk inzwischen also enorm wichtig geworden. Von den vielen davon abhängenden Zulieferern in der Umgebung ganz zu schweigen.
Wir fassen zusammen: Mensch schafft Naturparadies, stellt dann aber fest, dass er einen kleinen Teil des Platzes benötigt, um 12.000 Menschen und deren Familien zu ernähren, die ein umweltschonendes Flugzeug bauen sollen.
Aber weil die Sache mit der Umwelt noch nie eine einfache Sache war, beschäftigt die erwähnte Aufschüttungsaktion, die ja nun wirklich längst gelaufen und nicht mehr umdrehbar ist, immer noch die Gerichte. Denn obwohl für die 170 Hektar, die nun halt nicht mehr Naturparadies sind und es ohne den Menschen ja auch niemals gewesen wären, diverse andere Flächen neu geschaffen wurden, feilschen Umweltschützer vor Gericht scheinbar um jeden Hektar.
Mir scheint, das Verhältnis Arbeitsplätze zu Umweltschäden spricht in diesem Fall doch eher für den Menschen.
Aber in einem Land, in dem man so ein Trara um so wenig macht, muss man die Natur wohl über alles lieben.
Trotzdem wärs schön, wenn alle Beteiligten die Geschichte abhaken würden. Kompliziert genug ist sie längst und gelutscht genug ist dieser Drops auch inzwischen.
“Hoopter FDP”
Die kleinste reguläre Einheit innerhalb der Freien Demokratischen Partei ist, abgesehen vom einzelnen Mitglied, der Ortsverband. Das bedeutet zwar, dass Hoopte offiziell keinen eigenen Ortsverband haben kann, weil es kein eigenständiger Ort ist.
Da aber die Winsener FDP in Hoopte personell verhältnismäßig stark vertreten ist und auch entsprechende Wahlergebnisse erzielt (zuletzt 2006 bei den Kommunal- und 2008 bei den Landtagswahlen), gibt es inoffiziell dann doch so etwas wie eine gefühlte Hoopter FDP.
Und als solche möchten wir zu unserer ureigensten Basis Kontakt auch abseits von Wahlen halten. Darum verteilen wir in dieser Woche in Eigenregie einen Infobrief, den ich der Vollständigkeit halber und aus Archivierungsgründen wie immer in solchen Fällen auch an dieser Stelle veröffentlichen möchte.
Liebe Hoopter,
Ihr werdet Euch vielleicht wundern und fragen, was denn nun wieder für eine Wahl ansteht, dass wieder mal so ein seltsamer Parteizettel in Eurem Briefkasten liegt.
Simple und beruhigende Antwort: Keine.
Seit der letzten Kommunalwahl sind fast zwei Jahre vergangen und aus aktuellem Anlass gibt es heute einen Zwischenbericht. Wie Ihr sicher wisst, gibt es im Winsener Rat keine klaren Mehrheiten, so dass die Parteien immer gezwungen sind sich Ihre Mehrheiten zusammenzusuchen. Trotzdem konnten einige Erfolge erzielt werden. Vor der letzten Kommunalwahl haben wir versprochen, uns in der Kommunalpolitik für zwei Themen in Hoopte besonders einzusetzen:
1. Eine Busverbindung am Elbdeich zwischen den Bahnhöfen Winsen und Harburg. Der Kreis hat
diese Verbindung mittlerweile eingerichtet. Unser Ratsherr Nino Ruschmeyer und Steffen Behr (CDU) haben das Projekt auf Stadtebene positiv begleitet. Das Problem ist nur: Die Busse sind ziemlich leer.Wir fänden es Schade, wenn die Linie nach einjähriger Probephase eingestampft oder zurückgefahren würde; bei Spritpreisen um die 1,50 Euro mit steigender Tendenz denken wir aber, dass die Entscheidung, den Busverkehr zu fördern, richtig ist. Nino hat die Buslinie nicht nur die letzten Wochen ausprobiert (und festgestellt, dass er in etwa einer Stunde am Hamburger Hauptbahnhof ist – also nur ca. 10 Minuten länger braucht, als wenn er mit dem Auto nach Stelle fährt). Er hat sich auch die Mühe gemacht, den Fahrplan für Hoopte nochmal zusammenzuschreiben. Ihr findet ihn auf der Rückseite dieses Schreibens. Wir würden uns freuen, wenn Ihr die Linie einfach auch mal ausprobiert.
Unter www.hvv.de kann man sogar die Hoopter Haltestellen eingeben – und bekommt dann die
Verbindungen ins ganze HVV-Netz ausgespuckt.2. DSL für Hoopte. Auf Antrag der FDP hatte der Rat einstimmig den Auftrag an die Stadtverwaltung gestellt, sich für eine Flächendeckende DSL-Versorgung in Winsen einzusetzen. Leider waren die bekannten Telekommunikations-Unternehmen von der Stadtverwaltung auch nicht mehr beeindruckt, als von den entnervten Versuchen, die viele Hoopter in Eigeninitiative unternommen haben. Noch immer ist nicht ganz Hoopte versorgt. Allerdings hat der Kreis jetzt die Initiative ergriffen und eine Umfrage zur Breitband-Vesorgung im Kreis gestartet.
Gegebenenfalls können so Fördergelder gezielt eingesetzt werden. Auch deshalb wenden wir uns heute an Euch: Wir haben die Hoffnung, dass der Kreis aktiv den Ausbau bei uns vorantreibt, wenn möglichst viele Hoopter den Fragebogen, der unter
http://breitband.landkreis-harburg.de
im Internet steht ausfüllen.
Wir bitten also um Eure Mithilfe! Die Umfrage läuft noch bis zum 30. Juni.
Wir danken Euch für Euer Vertrauen und Eure Unterstützung auch bei der Landtagswahl, wo ihr uns 27% der Erst- und 19% der Zweitstimmen gegeben habt.
Dass das gute Abschneiden der FDP nicht unbemerkt geblieben ist, zeigt sich vielleicht auch darin, dass in den letzten zwei Jahren sowohl beide FDPLandesminister als auch der Fraktionsvorsitzende der FDP im Landtag Hoopte besucht haben.
Eure Hoopter Liberalen
Jan Filter
Hans-Hermann „Henne“ Hentrich
Wolfgang „Wolli“ Jung
Nino Ruschmeyer
Frank WolfPS: Wir sind alle nicht zufällig in der FDP sondern von den grundsätzlichen Gedanken hinter den
Programmen auf allen Ebenen überzeugt. Wenn Ihr wissen wollt, warum dürft Ihr uns gerne befragen.
Soweit also die Hoopter FDP.
Auf der Rückseite dieses Schreibens gibts dann noch den Busfahrplan, der zumindest gefühlt unseren kleinen Ort endlich wieder mit dem Rest der Welt verbindet – was aber wie gesagt noch ein bischen besser genutzt werden müsste, damit nicht irgendwer uns irgendwann unseren Bus wieder wegnimmt, weil er angeblich überflüssig ist.
Ist er nämlich nicht, er stellt vielmehr die einzige erschwingliche Verbindung nach Winsen oder Hamburg dar, die wir haben. Wenn die aber keiner nutzt, wird das argumentative Eis, auf dem man sich gerade bei solchen Projekten als Liberaler bewegt, natürlich ratz fatz dünner.
Um das zu vermeiden haben wir also wie gesagt nochmal den Busfahrplan der Linie 149 des HVV an alle Haushalte verteilt – und zwar ohne dafür auch nur einen Cent Steuergeld auszugeben, was wir einer lieben Freundin der FDP verdanken, die über entsprechende technische Möglichkeiten verfügt und uns da unkompliziert und selbstlos unterstützt hat.
Die PDF-Version des Rundschreibens inklusive Rückseite gibts hier zum Download.
Besserwisser
Zum Wochenanfang lass ich mal eben den Besserwisser gegenüber der TAZ raushängen:
Soweit sich das nicht bloß auf Hamburg beziehen sollte, ist die Aussage natürlich Quatsch.
Denn Philipp Rösler war seit seiner Wahl zum Landesvorsitzenden der FDP-Niedersachsen noch ungefähr zwei Jahre lang JuLi. Das ist er erst seit seinem Geburtstag in diesem Februar nicht mehr (der witzigerweise exakt am Tag der Hamburg-Wahl gewesen ist…).
Punkrock war auch schonmal systemkritischer
Ich war vergangenes Wochenende auf einem „Ärzte“-Konzert.
Okay, ich weiß ja: Für echte Punks sind „Die Ärzte“ sowieso noch nie richtig punk gewesen und wahrscheinlich sind sie sowieso schon immer viel zu erfolgreich gewesen und kommerziell und so weiter und so fort.
Dass man als mutmaßliche Millionäre genauso wenig ein Punk im ursprünglichen Sinn sein kann, wie wenn man, wie ich, ein Studium macht, um irgendwann mal einen hoffentlich gut bezahlten Job zu bekommen, liegt ohnehin auf der Hand.
Für mich gilt allerdings, dass mich vor allem die Musik mitreißt und die ihr zugrunde liegende politische Ungestümheit, Wildheit – vor allem ihr keine Grenzen kennender Freiheitsdrang. Das ist dann auch schon alles, was mich mit Punk verbindet – ich wasche mich nämlich regelmäßig und gehe sogar mal arbeiten oder wählen.
Und den Ärzten merkt man auch an, dass sie sich der echten Punkszene in erster Linie nostalgisch zugehörig fühlen und soweit ich weiß auch noch etliche Freunde dort haben. Aber trotzdem kommen die drei Berliner ja doch irgendwie aus der Punkszene, egal wie man zu ihnen stehen mag.
Kommerziell im Sinn von Coca-Cola- oder Mercedes-Benz-kommerziell ist die Band aber trotzdem ganz eindeutig. Die Ticketpreise lagen zwar mit knapp über 30 Euro für eine seit Jahrzehnten erfolgreiche Chartstürmerband wirklich sehr im Rahmen (man vergleiche das mal mit Tickets für die Weltverbesserer Grönemeyer, 59 Euro oder Maffay, 51-68 Euro).
Die angebotenen Merchandise-Artikel waren aber teilweise preislich sowas von jenseits von gut und böse: Beispielhaft seien der Original Ärzte-Kaffeebecher für 9,99 Euro oder das Ärzte-Schlüsselband, ebenfalls 9,99 Euro genannt. Das ist, um mal im linken Fachjargon zu sprechen, schon irgendwo eine Ausbeutung der Fangemeinde.
Aber egal, auf solches Zeugs kann ich ohnehin verzichten, ich war ja wegen der Musik da.
Und eigentlich nur wegen der Musik, nicht etwa, um das Klima vor seinem sicheren Tod zu retten. Das hab ich aber dabei offenbar auch noch getan.
Denn das erste, was mir am Ticket aufgefallen war, war ein kleiner runder Button, der darauf hinwies, dass 50 Cent des Ticketpreises dafür verwendet werden, die Klimaneutralität des Tickets zu sichern.
Nun meine ich mal gelesen zu haben, dass z.B. Krombacher für den Quadratmeter Regenwald nur einen Cent zahlt – keine Ahnung obs stimmt, ist an sich ja auch Rille, weil ungefähr genausoviele Menschen Krombacher saufen, um die Welt zu retten, wie aus dem selben Grund Ärztekonzerte besuchen. Wenn da aber etwas dran ist, wenn vielleicht der Quadratmeter sogar 10 oder 50 Cent kostet (was ich angesichts des damit nicht steigenden Kistenpreises für unwahrscheinlich halte, weil die Herren Jauch und Völler sich schließlich mit deutlich über 50 Cent ihren Weltrettungseinsatz vergüten lassen dürften), dann scheinen allein die Tickets unfassbare Klimakiller zu sein, wenn man den Gegenwert von womöglich mehreren Quadratmetern Regenwald benötigt, um ihre Existenz umweltpolitisch korrekt zu rechtfertigen.
Oder aber das Konzert-Management hat eine von diesen neuen Ablass-Händlern beauftragt, der davon (weil er ebenfalls kommerziell ist) diverse Angestellte und vermutlich die eine oder andere Dienstreise an Amazonas oder Kongo finanziert, was dann natürlich teurer werden kann.
Ein weiterer Button wies darauf hin, dass das Konzert insgesamt „klimaneutral“ veranstaltet wird. Was war ich beruhigt, monatelang hatte mich mein Gewissen schon geplagt und mir so jede Vorfreude auf das Konzert verhagelt!
Nun gut, damit können die Veranstalter allerdings nicht meine Anreise aus Baden-Württemberg bis nach Kiel gemeint haben. Und damit meinen sie wohl auch nicht, dass meine Kumpels immerhin auch aus dem südlichen Hamburg nach Kiel fahren mussten und schon gar nicht kann die Rede von den vielen völlig Verrückten sein, die sich jedes einzelne Konzert geben und der Band durchs ganze Land hinterherreisen.
Konsequente Klimaneutralität ist also so oder so nicht zu erreichen – wer aber an die Menschengemachte Klimakatastrophe glaubt, der soll meinetwegen gerne versuchen, so klimaneutral wie er kann zu leben. Auf Konzertbesuche würde ich dann allerdings verzichten. Und auf Bananen und Fernsehen auch.
Ärgerlich wird’s natürlich, wenn man als Kunde keine Wahl hat und zum Beispiel von Konzertveranstaltern zu Klimaneutralität gezwungen wird.
Oder hatte man umweltethische Bedenken, dass Ärztefans doch nicht so politisch korrekt sind, wie sie es sein sollten und man Klimaneutralität darum lieber nicht per freiwillige Abgabe sondern durch „Druck von oben“, durch das Management eben, sichern wollte?
Naja, egal. Ich habe ja gewusst was es kostet, bevor ich das Ticket gesehen hatte und der Preis war für mich okay, insofern will ich mich darüber jetzt gar nicht beschweren.
Das aber ausgerechnet eine Band, die sich grob dem Punk zurechnet, zu Bütteln multinationaler Organisationen und sogar der Regierung macht, indem sie deren Politik bis ins kleinste Detail nachvollzieht, ja sie übererfüllt und sich gnadenlos politisch korrekt verhält, das ist die reinste Realsatire.
Sid Vicious würde sich im Grab umdrehen. Vorausgesetzt, er hätte Bock dazu.
Allerdings: Überraschend kam das nicht. Denn ich habe die Ärzte vor Jahren kurz vor den Senatswahlen in der Hamburger Color-Line-Arena gesehen, wo sie dann vor vielen Tausend ihnen lauschenden Fans ziemlich offen Partei ergriffen haben. Die Vorband Fettes Brot übrigens auch.
Spricht ja auch im Prinzip nichts dagegen aber mit Punkrock im ursprünglichen Sinn hat das noch weniger zu tun, als bloßer kommerzieller Erfolg es hätte.
Man kann allerdings beobachten, dass viele andere Bands und Künstler, die sich selbst gerne als „kritisch“ inszenieren, ziemlich unkritisch vielen kollektivistischen, paternalistischen und etatistischen Ideologien nachrennen. Vielfach wird da mehr oder weniger Stimmung in bestimmte, konkret durch Parteien darstellbare Richtungen gemacht, statt einfach nur die eigene Meinung zu vertreten.
Nun lass ich mich von der politischen Einstellung von Künstlern ohnehin nicht einlullen und sie ist mir meistens auch schnurzegal, wenn mir die Produkte und Werke denn ansonsten gefallen. Ich finde mich halt damit ab, dass Genie und Wahnsinn dicht beieinander liegen – was solls. Wenn ich nur Musik hören wollte, die von vernünftigen Menschen gemacht wird, könnte ich wahrscheinlich gut 90 Prozent meiner Tonträger sofort entsorgen.
Aber muss man meine Toleranz immer gleich so sehr auf die Probe stellen? Was Bands wie die Ärzte, vielen genialen Songs zum Trotz, aus dem einstmals parteipolitisch neutralen und unkommerziellen Punk gemacht haben, macht einen spätestens am Tag nach dem Konzert (wenn man so langsam wieder nüchtern wird und alles revue passieren lässt) schon etwas wehmütig.
Und lässt einen dann doch lieber zu den Klassikern des Punkrock greifen.
Verschwörungstheorien
In der einen oder anderen Form liest man immer wieder, was ich in einem (natürlich thematisch überhaupt nicht zum eigentlichen Thema passenden)Kommentar bei Kammerwatch entdeckt habe:
Ist Ihnen überhaupt bekannt, daß am 17. Juli 1990 auf Veranlassung des damaligen Außenministers der USA, Herrn James Baker, der Art. 23 GG gelöscht wurde?
Welche Konsequenzen hat es aber, wenn der Geltungsbereich einer Verfassung gelöscht wird?
Nach internationalem Verfassungs- und Völkerrecht erlischt mit der Löschung des Geltungsbereiches einer Verfassung der in ihr oder über sie definierte Staat mit all seinen Gesetzen, Verordnungen, Verwaltungsanweisungen und Dienstverhältnissen.
Danach kann eine Regierung bestenfalls noch geschäftsführend tätig sein. Sie ist jedoch nicht mehr befugt, völkerrechtliche Handlungen vorzunehmen, zu denen auch das Ausstellen von Pässen und Ausweisen zählt.
Haben Sie sich eigentlich einmal Gedanken darüber gemacht, was der Begriff Personalausweis bedeutet? Der Besitzer ist Angehöriger des Personals (der Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH).
Die Farbe der Reisepässe wurde von grün auf rot geändert. Grün bedeutet militärisch besetztes Gebiet. Rot bedeutet, der Besitzer ist staatenlos. Souveräne Staaten stellen blaue Reisepässe aus.
Über alle diese Dinge und Zusammenhänge wurde das deutsche Volk bisher nicht informiert. Nach Art. 20 und 146 GG vom 23. Mai 1949 hätte ihm die Gelegenheit gegeben werden müssen, sich in freier Selbstbestimmung eine Verfassung zu geben. Daran wird es aber seitdem gehindert. Stattdessen hat man heimlich den Art. 23 GG und die Präambel des Grundgesetzes durch andere Texte ersetzt und so ein gefälschtes Grundgesetz in Umlauf gebracht.
Ich jedenfalls weiß jetzt genau, was “unsere” Politker sind und was ich von ihnen zu halten habe.
Das mit den Personalausweisen habe ich ohnehin immer geahnt, micht nur immer gefragt, wo denn die entsprechenden Stempeluhren sind…
Nein, natürlich völliger Mumpitz, wenn auch recht unterhaltsam.
Der Artikel 23 des Grundgesetzes lautete:
“Dieses Grundgesetz gilt zunächst im Gebiete der Länder Baden, Bayern, Bremen, Groß-Berlin, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein, Würftemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern. In anderen Teilen Deutschlands ist es nach deren Beitritt in Kraft zu setzen.”
Und selbst ich Nichtjurist lese daraus, dass er folgerichtig mit dem Einigungsvertrag von 1990 gestrichen werden musste, weil “Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland” von da an wirklich für ganz Deutschland galt und der Artikel 23 bis dahin nur eine Einschränkung und keine Beschreibung des Geltungsbereichs gewesen ist. Denn für welchen Geltungsbereich sollte ein “Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland” denn sonst gelten, wenn nicht für die Bundesrepublik Deutschland?
Der Rest ist ja auch ganz phantasievoll – aber wo soll denn bitteschön geschrieben stehen, wie “souveräne Staaten” ihre Pässe zu lackieren haben?
Oder anders gefragt: Wie souverän ist ein Staat, der sowas nicht alleine entscheidet?
