Stintzeit
Nun gehts also wieder los: Der Stint ist da. Und mit ihm kommen dann wie jedes Jahr wieder busseweise Touristen aus nah und fern in meinen kleinen Heimatort Hoopte, der sowas wie das Zentrum dieses traditionellen Gerichtes ist.
Das liegt vor allem am hiesigen Fischer Grube, dem es gelang diese alte Tradition zu einem inzwischen auch weit über die Grenzen der Region zwischen Hamburg und Lüneburg hinaus bekannten Erlebnis zu machen.
Dabei geht es ist vielleicht gar nicht so sehr um ein kulinarisches Highlight. Im Prinzip werden da ja bloß kleine geköpfte Fische gebraten und gewürzt, dazu gibts rustikale Bratkartoffeln. Schmeckt schon prima, ist aber ja nun nichts wahnsinnig Ungewöhnliches. Was die Stintesserei so berühmt gemacht hat ist wahrscheinlich eher der Event-Charakter. Einmal ist es ja schon etwas Besonderes, dass es eine Stintsaison gibt, weil der Fisch nunmal nur ein paar Wochen lang bei uns in der Elbe vorbeischwimmt (sofern er nicht in Grubes Netzen, beziehungsweise auf unseren Tellern landet). Außerdem ist es in seiner Rustikalität in Verbindung mit der Tradition einfach so richtig typisch norddeutsch.
Im Idealfall versetzt einen beim Essen dann noch ein mit einer Quetschkommode ausgerüsteter Musiker in Stimmung. Dank des obligatorischen Bierkonsums entwickelt sich so ein Stintessen dann auch schonmal zu einem spontanen Shantychor weiter.
Es geht also schon um mehr als einen normalen Restaurantbesuch und ein bisschen macht es einen ja schon stolz, quasi direkt im Epizentrum dieses schönen Brauches zu leben. Als Anwohner habe ich allerdings eine Bitte an alle potentiellen Stinttouristen unter meinen Lesern: Auch in kleinen Dörfern fahren Autos und auch wenn man sich beim Neubau unserer einzigen richtigen StraßeHauptstraße entschlossen hat, den Mittelstreifen wegzulassen handelt es sich um eine vielbefahrene wichtige Durchgangsstraße. Wenn man sie überqueren will um zur Elbe zu gelangen (was vermutlich zum Pflichtprogramm der touristischen Verdauungsspaziergänge gehört, dann kann man a) dazu erstmal links und rechts gucken, ob sich Autos nähern (wie man das eben so macht, wenn man eine Straße überqueren will) und b) den eigentlichen Überquerungsvorgang möglichst zügig gestalten, um den Verkehr, den man ziemlich oft dann doch nicht gesehen oder einfach ignoriert hat, nicht unnötig aufzuhalten.
Wer diese Regeln beherzigt, der ist allerdings herzlich willkommen, eines unserer Hoopter Stintlokale zu besuchen – von denen ich übrigens nix für diesen kleinen Artikel bezahlt bekomme, wie man vielleicht meinen könnte;)
Hoopter Faslam 2008 – ein Rückblick auf das größte Kulturereignis des Universums
Für den Winsener Vizebürgermeister André Wiese, der das erste Mal unseren Faslamsumzug miterlebt hat (wofür er sich aber wenigstens auch gleich entschuldigt hat), waren wir die zweifachen Faslamsweltmeister – einmal wegen dem beschissensten Faslamswetter, und dass auch noch in Folge. Aber vor allem wegen der Bombenstimmung, der auch der durchgängige Regen nichts anhaben konnte.
Damit hat er für mich sehr treffend zusammengefasst, was am Hoopter Faslam immer wieder so bemerkenswert ist: Allen noch so nervtötenden Begleitumständen zum Trotz wird gefeiert, was das Zeug hält. Und es gelang uns offenbar auch ganz gut, das teils von weither angereiste (das Weiteste, von dem ich gehört hab war Düsseldorf – und wenn unser Umzug Düsseldorfer begeistern kann, dann sollte dass doch für sich sprechen) Publikum mitzureißen. „Faslam ist, wenn man trotz des Wetters Party macht“ avancierte zu einem heimlichen Untertitel der ganzen Veranstaltung. Doch der Reihe nach.
Freitag.
Schon am Freitag, bei der traditionellen „Buddelversteigerung“ und der Verlosung der Startplätze war die Stimmung bestens. So muss das auch sein, denn der Faslamsfreitag ist immer der Abend, an dem die Faslamsbrüder noch ganz unter sich sind und sich so langsam warm feiern. Das hat super funktioniert. Ich habe zwar keine Ahnung, bis wieviel Uhr es wirklich ging. Was ich noch weiß ist, dass der klägliche Rest anschließend noch auf ein Feierabendbierchen bei mir im Zimmer saß. Heimliches Highlight des Abends: Ein kleiner Scherz mit einem Zollstock und einer Lampenfassung unserer “Faslamsfreitagskneipe” sorgte für einen Stromausfall, der zirka 5 (betrunkene) Elektriker gleichzeitig und ratlos vor dem Sicherungskasten an ihrem Bier nippen ließ.
Samstag.
Der Samstag war tagsüber geprägt von eifrigen „letzten Schliffen“ an den Wagen. Beim diesjährigen Bestplatzierten reichte es offenbar nur für den vorletzten Schliff, die Unglücklichen mussten nämlich sogar Sonntag morgen nochmal ranklotzen. Ich selbst hatte auch noch Einiges zu tun, es mussten zum Beispiel unsere „Pedro-Dollars“ zugeschnitten werden und dann wollte die Musik für den Wagen auch noch zu Ende ausgewählt werden.
Gegen Abend verwandelte sich mein Zimmer einmal mehr in eine viel zu enge Kneipe; bei mir war nämlich, wie eigentlich jedes Jahr, Treffpunkt bevor man gemeinsam zur offiziellen Party aufbrach. Die war in diesem Jahr erstmals, wie angekündigt, in ein Rockkonzert verwandelt worden.
Und um es mit Hannibal Smith zu sagen: „Ich liebe es wenn ein Plan funktioniert“, denn so gut besucht war unsere Faslamsparty ewig nicht mehr. Es war eben wirklich etwas völlig anderes, als die sonst üblichen Lumpenbälle oder Faschingspartys, die dieser Tage beinahe schon inflationär die Wochenenden in unserer Gegend bestimmen.
Auch zu uns nach Hoopte kamen etliche in Verkleidung – aber es lässt sich auch in Kostümen prima rocken. In den Pausen der Band (die sichtlich ebenfalls ihren Spaß an dem ungewöhnlichen Rahmen hatte) wurde auch genügend konventionelle Partymusik gespielt, wie man das von derartigen Veranstaltungen kennt. Für Rockfans waren das gute Gelegenheiten, sich noch ein Bier zu holen. Für alle Anderen Gelegenheit wie in den vorigen Jahren zu Tanzen, ohne von pogotanzenden Verrückten angerempelt zu werden. Auf diese Weise war wirklich für jeden etwas dabei.
Ich denke, der Hoopter Faslam hat mit dieser Veranstaltung endlich auch am Samstag sein Alleinstellungsmerkmal gefunden. Die Stimmung war jedenfalls den ganzen Abend über absolut grandios.
Sonntag.
Das drittschlechteste Faslamswetter seit der biblischen Sintflut (Platz 1 belegt der Hoopter Faslam 2007 mit durchgehendem Regen, der die Haut binnen weniger Minuten erreicht hatte, Platz 2 geht an den Fliegenberger Faslam 2007, wo sich nicht ganz so schlimmer Regen mit verfluchtem Eisregen abwechselte, bis es auf unserem dortigen Gastwagen so glatt war, dass man eigentlich hätte streuen müssen) drückte die Stimmung zu Anfang ein bisschen. Vielleicht wars aber auch der Kater der beiden Abende davor – lässt sich nur schwer feststellen.
Sicher ist: Spätestens als sich der Umzug, natürlich mit Verspätung (meiner Gruppe fiel erst der eigentlich vorgesehene Trecker aus, die Gruppe mit der Kirche hatte noch schwerwiegendere Probleme, überhaupt ihren Wagen an den Start zu bekommen, um nur mal zwei Beispiele zu nennen – es war also alles wie in so ziemlich jedem Jahr…) in Bewegung setzte und die ersten Zuschauer unterhalten werden wollten, stieg die Stimmung. Auf dem Weg zum Wendeplatz, von dem der Umzug traditionell immer startet, brachte sich meine Gruppe mit „Wir ham noch lange nicht genug“ von den Böhsen Onkelz in Fahrt. Eine bessere Durchhaltehymne gibts vermutlich nicht, hat jedenfalls bestens geklappt.
Was jeden Faslamsbruder beeindrucken musste und ebenfalls zu gesteigerter Stimmung beigetragen haben dürfte, war die schiere Zahl der Besucher, die trotz des wirklich miesen Wetters die Veranstaltung genossen.![]()
Das lag sicher nicht ausschließlich daran, dass ich Unzähligen von ihnen als „Weltumweltminister Gabriel“ als „kleinen Gruß von Frau Merkel“, wie ich gern hinzufügte, ein bisschen Schlechtwettergeld zahlte, sondern die Stimmung zwischen Faslamsbrüdern und Zuschauern schaukelte sich wie eine Art Trotzreaktion auf das unfaire Wetter einfach irgendwie hoch.![]()
Stolze 16 Themen haben die Hoopter zu bieten gehabt, hinzu kamen je ein Gastwagen aus unseren Nachbarorten Fliegenberg und Stöckte, die Kutsche mit Mudder und Vadder und natürlich die Spielmannszüge. Ein Umzug, der sich sehen lassen kann.
Der Tag klang typisch Hoopter Faslam aus. Die Kirchenbauer öffneten ihre Bauhalle und verschenkten die Reste ihres Fassbieres an jeden, der wollte. Auch die Freunde aus Stöckte und Fliegenberg waren dort, so stellt man sich Faslam doch vor: Spontane Partys, die bekanntlich ohnehin die besten sind, mit spontanen Gästen, die größtenteils eher zufällig von dieser Fete erfahren haben dürften. Das ist Faslam!
Montag.
So sehr sich viele der Faslamsverrückten am Sonntag auch verausgabt hatten, zum Eieressen, zur Siegerehrung und dem traditionellem Danz op de Deel traf man sich dann doch in alter Frische wieder. Anders ist die Länge der Veranstaltung nicht zu erklären. Yuri Davidoff legte sich mit seiner Band ordentlich ins Zeug: Polonaisen, sich chaotisch bewegende Menschenringe und bei geeigneten Songs auch vereinzelte Pogoeinlagen unterbrachen das allgemeine Discofox-Getanze von Zeit zu Zeit.
Zu den Platzierungen: Es kam beinahe so, wie ich es vorausgeahnt hatte. Was mich besonders freut: Meine ehemalige Baugruppe, die sich im vergangenen Jahr geteilt hatte, belegte nun zusammen die beiden ersten Plätze. So eine Trennung (nach 10 jährigem Bestehen) ist nie sehr einfach (in jeder Gruppe gibt es nur eine begrenzte Zahl von wirklich fähigen Wagenbauern und wenn zuviele davon verschwinden, dann leiden die Wagen nunmal darunter) und man hätte befürchten können, dass die Qualität darunter leidet. Dem war aber nicht so, beide neu entstandenen Gruppen machen genauso weiter, wie sie es vorher gemeinsam getan haben.
Ich selbst habe in diesem Jahr das erste Mal bei einer völlig anderen Gruppe mitgemacht – mit unserem Zapfsäulen-Goldesel haben wir auch immerhin den sechsten Platz gemacht, was ich bereits vorher prognostiziert und gehofft hatte. Wir sind auch zufrieden damit – ich jedenfalls hatte meine Freude an dem knackigen Thema.
Den ersten Platz belegte die „Hoopter Sonnenkirche“. Ich denke man kann sagen, dass das vor allem an der sauberen Bauweise lag – denn auf das Wetter hatte dieses Thema, anders als beabsichtigt, offensichtlich ja doch keinen Einfluss ausüben können.
Die Gruppe hat ihren Wagen am Computer entworfen und sehr sauber gearbeitet. Allein die Idee, entstanden nur Stunden nach dem 2007er Umzug als Reaktion auf das Wetter (unser Nachbarort, der eine eigene Kirche hat, hat nämlich fast immer gutes Wetter – das gab eben zu denken…) war ja schon genial, die Ausführung dann dicht an der Perfektion. Auf dem Wagen selber wurde Fassbier ausgeschenkt und auch die Kostüme sahen gut und authentisch aus.
Späte Genugtuung dabei für mich persönlich: Noch vor wenigen Jahren hatte ich den selben Leuten „Wir sind Papst“ als Thema vorgeschlagen, wo ich allerdings überstimmt wurde. Ich stellte mir das Thema ähnlich vor, wie der diesjährige erste Platz: Als kleine Satire auf Kirche insgesamt eben, die man in Form eines Petersdoms gleichzeitig eindrucksvoll hätte umsetzen können. Jetzt ist immerhin bewiesen, dass ich damals eine gute Idee gehabt hatte.
Das offizielle Faslamsende bildete am Montagabend das traditionelle Lagerfeuer: Kerze in die Mitte, alle bis zum Schluss standhaft gebliebenen Faslamsbrüder setzen sich drumrum, ein Bierstiefel kreist abwechselnd mit ner Buddel Sekt und es werden getreu dem alten Motto „nicht schön, dafür laut“ außer den üblichen Liedern viele sinnlose Selbstbeweihräucherungen und Lobeshymnen auf den eigenen Ort gebrüllt. Mag für Außenstehende reichlich bekloppt aussehen, ohne diese Form des Faslamsabschlusses würde aber nunmal irgendwas fehlen. Juri machte wie immer die passende Musik dazu: „Ich war noch niemals in New York“, „Johnny Walker“ und all die anderen Klassiker, die man zu diesen Gelegenheiten spielt und mitsingt. Premiere allerdings war Metallica: „Nothing else Matters“ gabs noch nie bei nem Lagerfeuer. Sehr schön – doch auch das schönste Lagerfeuer geht mal zuende, so ein Stiefel ist halt auch irgendwann leer.
Das inoffizielle Ende des Faslams ist das Eieressen irgendwo privat. Das gabs in diesem Jahr gleich mehrfach und wie üblich spontan. Es besteht, wenig überraschend, aus ein paar Eiern und Bieren und bestensfalls noch ein bisschen Musik. Immer jedoch aus hohlem Gelaber, wie mans wohl auch nicht anders erwarten kann von Leuten, die den Vierten Tag ohne großartige Unterbrechung am Feiern sind.
Faslamsfazit.
Der Hoopter Faslam ist klein aber fein, sehr ortsspezifisch und wird mit großem Engagement der Mitwirkenden betrieben. Mit der ungewöhnlichen samstäglichen Rocksause haben wir in diesem Jahr außerdem mal gezeigt, dass Faslam eben nicht einfach nur eine Art Karneval des Nordens ist, sondern etwas völlig Eigenes, dass lediglich einige Elemente (wie den Umzug) mit dem katholisch geprägten Karneval gemeinsam hat.
Alle hier gezeigten Bilder und noch viele weitere sind übrigens auch auf unserer offiziellen Faslams-Website zu finden.
Stöckter Faslam
Erst erstaunt, dann leicht zornig auf die Selektivität der Lüneburger Landeszeitung war ich, als ich zufällig diesen Artikel zum am Wochenende bevorstehenden Stöckter Faslam entdeckte.
Ja, der Umzug der Stöckter mag größer sein als alle anderen aber dass es ein 800-Einwohner-Dorf alleine (im Gegensatz zu so ziemlich allen anderen Umzügen, insbesondere dem der Stöckter ist der Hoopter Faslam nämlich wirklich der Hoopter Faslam und nicht internationales Sammelbecken aller Faslamsverrückten südlich von Hamburg) schafft, 16 Themen auf den Deich zu bringen und trotz absolut beschissenem Wetter eine grandiose Stimmung zu erzeugen, die auch im kommenden Jahr eine beachtliche Besucherzahl anlocken dürfte, dass könnte man ruhig auch in der Landeszeitung mal erwähnen.
Von den anderen sehenswerten Umzügen ganz zu schweigen, die Fliegenberger sind ja dann schon das Wochenende drauf an der Reihe.
Aber trotzdem wird sich jetzt erstmal auf den Stöckter Faslam gefreut und das ist auch in Ordnung so. Begleitet wie immer von der Hoopter Feuerwehr (von wem auch sonst) und, im Gegensatz zum vergangenen Jahr, diesmal komplett ohne meine Beteiligung, weder als Feuerwehrbegleitung, noch als kurzentschlossener 24-Stunden-Faslamsbruder – die Prüfungen drücken einfach zu sehr.
Trotzdem meine Empfehlung: Kommenden Sonntag nachmittags die Winsener Innenstadt aufsuchen und genießen, was geboten wird.
Die Hoopter Wahlergebnisse
Zweitstimmen (nur die fünf größten Stimmenmagneten):
- CDU: 50,4%
- SPD: 15,7%
- FDP: 19,8%
- Grüne: 5,7%
SEDDie Linke: 3,4%
Direktwahlstimmen:
- André Wiese (CDU): 47,4%
- Uwe Harden (SPD): 15,2%
- Nino Ruschmeyer (FDP): 26,7%
- Joachim Bartels (Die Grünen): 4,2%
- Manfred Leschinski (Die Linke): 3,4%
- Marina Lemmermann (Freie Wähler): 1,8%
- Joachim Bäätjer (
Die BraunenNPD): 1,3%
Die CDU insgesamt hat bei uns natürlich ihre starke Stammwählerschaft und André Wieses Besuch bei unserem Faslam hat ihn sogar mir überaus sympathisch erscheinen lassen – aber ich würde mal sagen, dass sich das örtliche FDP-Ergebnis durchaus sehen lassen kann: Jeder fünfte Hoopter wählt Zweitstimme FDP, mehr als jeder Vierte hat sich für Nino als Direktkandidaten entschieden – wohlwissend, dass es Wahlkreisweit eher unwahrscheinlich für einen FDP-Kandidaten ist, einen Sieg einzufahren.
Die Wahlbeteiligung in Hoopte war weit über dem Durchschnitt, was leider nicht sehr schwer gewesen ist. An der Wählermotivation muss offenbar noch etwas geschehen. Andererseits gab es einige gute Gründe nicht wählen zu gehen: Im Prinzip standen die Ergebnisse schon vorher fest, angeblich (ich war ja nicht da, sondern habe das erste mal in meinem Leben per Brief gewählt) war den ganzen Tag echtes Schietwetter und außerdem gab es so gut wie keine kontroversen, polarisierenden Themen.
Jedenfalls keine, die sich auswirken konnten, denn die Positionen der SPD in Punkto Deichbau wechseln offensichtlich immer je nachdem ob sie sich gerade in der Regierung oder der Opposition befinden – wenn das Stimmen gebracht hätte, dann hätte das nicht unbedingt für die Intelligenz der Niedersachsen gesprochen.
Fünf direkte und sieben Zweitstimmen für die NPD sind ärgerlich aber zu verschmerzen. Je 13 Erst- und Zweitstimmen für “Die Linke” sind noch etwas ärgerlicher aber ebenso zu verschmerzen. Insgesamt hält sich der Protest- und Extremwähleranteil in meinem Heimatort aber offensichtlich in Grenzen und das sagt einiges über Hoopte aus, finde ich.
Als FDP-Vertreter und vermutlich größtem “Publizisten” meines kleinen Ortes bedanke ich mich schonmal ganz persönlich für das überdurchschnittliche Vertrauen in die Politik der Freiheit. Zuhause ist die Welt eben doch noch irgendwie in Ordnung.
Faslamszeit
An Faslam gehts ja mitunter heiß her. Ob das der Grund ist, weshalb mein derzeitiger Arbeitgeber einige Seiten der Website des Hoopter Faslam sperrt?
Ich halte die Einstufung als “Pornographie” dann doch für leicht übertrieben. Zumindest die Seite ist dahingehend wirklich unbedenktlich und auch die Veranstaltung selbst ist alles Mögliche, aber nicht pornographisch.
Trotzdem, und das bleibt festzuhalten, wird der nächste Hoopter Faslam Maßstäbe setzen. Denn erstmals wird bei der obligatorischen Faslamsparty eine reine (und feine) Rockband auftreten, die die Veranstaltung gründlich verändern wird.
Nicht dass es grundsätzlich etwas am Konzept der üblichen Faschingspartys auszusetzen gäbe – aber warum nicht mal Pogo statt Discofox tanzen?
Mit der Verpflichtung der “Rock and Roll Deputyz“, die zwischen Hamburg und Lüneburg und darüberhinaus mittlerweile einen recht guten Bekanntheitsgrad erreicht haben, hat der Faslamsverein sich einen Stimmungsgaranten ins Haus geholt.
Eine reine Rockband zu Faslam – das ist zwar recht unkonventionell. Aber die Jungs sind einfach geil und bringen mit bekannten Hits von ACDC, den Stones, Status Quo, Westernhagen, Bon Jovi, Guns n Roses, Metallica, Queen und Green Day regelmäßig die Luft zum kochen und Fans guter Musik zum Schwitzen, so dass man wohl davon ausgehen kann, dass unsere Faslamsparty im Januar ausnahmsweise auch mal ein Pflichttermin für Rockfans ohne Faslams- oder Faschingsmentalität werden wird. Für Rockfans mit Faslamsmentalität wie mich ist das natürlich absoluter Zucker;)
Wer Bock gekriegt hat, der möge sich auf jeden Fall den 19. Januar 2008 vormerken – und sich dann ab 21 Uhr in Sievers Gasthaus in Hoopte einfinden – und auf eine höchstwahrscheinlich legendäre Rocknacht im Zeichen des “Hooptis” freuen.
Weiterer wichtiger Termin ist selbstverständlich der Faslamsumzug, der am nächsten Tag stattfindet. Der startet – High Noon – um 12 Uhr Mitags und wenn man sich irgendwo in Hoopte an die Straße (um es auswärtigen Besuchern einfach zu machen haben wir auch nur eine “richtige” Straße…) stellt, dann kommt er irgendwann vorbei.
Mit dabei übrigens auch ein sturzbesoffener verdächtig fröhlicher Blogautor, der das Thema seines Wagens an dieser Stelle noch nicht verraten möchte, jedoch mit dem Gedanken spielt, sich dazu passend als ein bekannter SPD-Politiker (oder einer Karikatur dessen) zu verkleiden.
Aber da das alles noch nicht ganz zuende gedacht ist, müssen diese Hinweise erstmal genügen um Interesse zu wecken;)
Wer sich bei Erwähung des Begriffs ‘Faslam’ immer noch verwundert und fragend die Augen reibt, dem empfehle ich einmal mehr meinen erläuternden Artikel aus dem Januar und zur Abrundung noch meinen hautnahen Erlebnisbericht zu meiner etwas ungeplanten Teilnahme am benachbarten Umzug der Stöckter Faslamsbrüder.
Habemus Mudder und Vadder 2008
Und das sind in Hoopte
Jens Meyer als Mudder
und
Thomas Sander als Vadder.
Herzlichen Glückwunsch!
Mehr Infos und ein Foto von den beiden gibts exklusiv hier.
Wer keine Ahnung hat, was Sache ist, dem biete ich, serviceorientiert wie ich bin, hier eine ältere, aber weiterhin aktuelle Erklärung an, was es mit Mudder, Vadder und Faslam so auf sich hat.
Weiterhin empfohlen sei mein Erfahrungsbericht von meinem jüngsten Faslamsmitwirken anfang des Jahres, als mich Bier und ein alter Freund gemeinsam einen Abend vor dem Umzug dazu brachten, doch noch mitzumachen…
Im kommenden Januar werd ich dann wieder voll einsteigen und bei “meinem” Hoopter Umzug alles geben. Ein Thema steht schon so gut wie fest und ich mach mir schon jetzt so meine Gedanken dazu. Beizeiten gibts dazu hier voraussichtlich noch mal mehr zu lesen.
Living on Video
Es ist soweit, auch meine kleine Heimatstadt will künftig Videoüberwachung einsetzen, weil es auch in einer Kleinstadt wie Winsen “Gefährdungsbereiche” gibt.
Da ich zurzeit eher fern der Heimat weile und nur ab und zu mal vorbeikomme, um nach dem Rechten zu sehen, bin ich weder in der Lage, selber etwas gegen diese Gefährdungsbereiche zu unternehmen, noch kann ich so richtig objektiv beurteilen, was da nun genau los ist oder war.
Aber einige grundsätzliche Ansichten traue ich mir dann doch zu.
Und ganz grundsätzlich ist Videoüberwachung an sich immer erstmal kritisch zu hinterfragen.
Leben kann ich damit, wenn durch Videokameras zum Beispiel bestimmte “schutzbedürftige” Stellen überwacht werden. Geldautomaten zum Beispiel oder auch Tankstellen. Meinetwegen auch Sehenswürdigkeiten oder sonstwie wertvolle Dinge im Freien.
Bedenklicher finde ich allerdings, wenn Polizei oder andere Sicherheitsbehörden grundsätzlichen, also straftatunabhängigen, Zugriff auf solche Bänder hätten. Denn in dem Moment ist es mir nicht mehr möglich, ohne potentielle staatliche Zuschauer mal eben Geld zu holen und auch wenn ich noch nie in meinem Leben etwas verbotenes gekauft habe, geht mir das zu weit.
Polizeiliche Überwachungskameras kann ich aber auch tolerieren, wenn sie sinnvoll sind. In Winsen soll zum Beispiel der Bahnhof oder Teile davon überwacht werden. Wenn ich das der eher mäßig über das Internet abrufbaren Lokalpresse richtig entnommen habe, dann geht es da vor allem um einen dunklen Fussgängertunnel, in dem es häufiger zu gewalttätigen Übergriffen kommt und in dem zu bestimmten Uhrzeiten nicht unbedingt damit zu rechnen ist, dass wer vorbeikommt. Auch hier kann ich mit dem Einsatz von Videoüberwachung leben.
Wenn meine Haus- und Hofzeitung nun schreibt “Die aufgezeichneten Bilder werden gespeichert,” dann fehlt mir allerdings die wirklich wichtige Information, nämlich wer das tut und vor allem wie lange.
Solange es nur um einige wenige neuralgische Punkte geht, kann man die Frage vielleicht noch vernachlässigen aber da in Winsen noch mehr geplant ist, wäre das schon ne wichtige Frage.
Immerhin sagt “das andere” Hoopter Stadtratsmitglied, Steffen Behr (CDU), dass Videoüberwachung kein Allheilmittel ist.
Und in der Tat: Letztendlich wäre sie erst dann so richtig effektiv, wenn sie alles abdeckt und damit unerkannte Straftaten unmöglich machen würde. Das aber unterbindet jede Privatsphäre außerhalb der eigenen vier Wände und will darum auch in meiner Heimat kein Mensch.
Als anderen Nebeneffekt von zu viel Videoüberwachung sehe ich außerdem die Abstumpfung: Man sieht, wie jemand im Bereich einer Kamera zusammengeschlagen oder ausgeraubt wird, vertraut aber automatisch ein Stück weit den Profis hinter der Kamera und tut weiter nichts – die Polizei sieht ja zu und ist folglich ganz sicher schon unterwegs – Pech für das Opfer, falls der Wachmann hinter der Kamera im entscheidenden Moment auf dem Klo sitzt…
Was einem ein paar verhinderte oder gar nur verlagerte Verbrechen wert sind. Das Gefühl, ständig unter Beobachtung zu stehen ist nicht angenehm und wenn man dann noch im Hinterkopf hat, dass man sich angeblich strafbar machen kann, wenn man diesen unmenschlichen Kreaturen den Stinkefinger zeigt, dann wiegt dass bisschen gewonnene Sicherheitsgefühl das allgemeine Unbehagen und Misstrauen gegenüber den Dingern wohl nicht mehr auf.
Das sind, wie gesagt, nur einige grundsätzliche Überlegungen zum Thema. Sicherlich sehr unvollständig aber wenn das Thema etwas akuter und für mich nachvollziehbarer wird, werde ich bestimmt nochmal drauf zurück kommen.
Aus aktuellem Anlass: Blick in die Zukunft
Winsen, 17. November 2017: Landkreis und Stadt haben allen Schulen in ihrer Trägerschaft verboten, das Ballspiel “Völkerball” im Rahmen des Sportunterrichtes anzubieten. Ziel dieses Spiels, dass nach Ansicht kommunaler Spitzen schon durch den Namen höchst verdächtig sei (“Völker geht gar nicht,” wird ein Mitglied des Stadtrates zitiert), sei es, auf Menschen zu schießen, ja sie zu erschießen, um sie aus dem Spiel ausscheiden zu lassen. Das verstoße gegen die Menschenwürde, als deren Schutzheiliger sich Kreis und Stadt gegenüber allzu sportgierigen Zeitgenossen bereits seit 10 Jahren berufen fühlen.
Weitere Schritte gegen Schützenvereine sind in Planung, hier werde schließlich allen Ernstes bereits Kindern (!) beigebracht, gezielte, per Zielscheibe simulierte Tötungsschüsse bis zur Perfektion zu trainieren. Besonders perfide: Die besten Todesschützen werden hier auf verharmlosend “Schützenfesten” genannten öffentlichen Mordübungen noch dafür ausgezeichnet, dass sie im Zweifel einen Menschen genau zwischen die Augen treffen könnten.
Auch besonders verletzungsgefährliche Sportarten wie das für seine Brutalität berüchtigte sogenannte “Fussball (bei dem viel zu oft eben nicht nur der Ball getreten wird – obwohl besonders scharfe Kritiker schon dass als eine gewaltverherrlichende Tätigkeit ansehen), das vor allem durch Doping Schlagzeilen machende Radfahren sowie sämtliche Wassersportarten, die bereits durch ihre Nähe zu diesem gefährlichen und menschenfeindlichen Element an sich für jeden normaldenkenden Bürger offen als hochriskant erkannt werden müssten, sollen möglichst bald geächtet und verboten werden.
Auch Hardliner und Freiheitsfanatiker, die immer noch die antiquierte Meinung vertreten, dass es jedem selbst überlassen bleiben sollte, welche Sportarten er betreibt, müssten endlich die neuen gesellschaftlichen Normen anerkennen. Es könne nicht sein, dass Individualisten und Querköpfe immer wieder ihre Extrawurst erhielten. Das Wohl der Allgemeinheit habe um jeden Preis Vorrang vor persönlichen Interessen sporttreibender Egoisten.
Auch Liberale müssten schließlich und endgültig einsehen, was in breiten Kreisen der Bevölkerung und der Politik bereits im Jahr 2007 nach der Absage an eine damals geplante Reball-Anlage akzeptiert worden sei: Der Einzelne ist nichts, die Volksgemeinschaft ist alles!
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Dieser Text steht natürlich damit im Zusammenhang, dass die Stadt Winsen, die inzwischen allein verantwortlich ist die Genehmigung für die längst fertigen Reball-Arena, auch weiterhin ihren jugend- und sportfeindlichen Kurs fährt.
Hier gehts zu den Artikeln zu diesem Thema.
Unfassbar und für junge Politiker wie mich peinlich ohne Ende.
Es fehlt nicht mehr viel und ich bezeichne mich nie wieder als Winsener, sondern nur noch als Hoopter.
Blogroll: Nino Ruschmeyer, Mike und Sören, Eigenes
Ich musste da wirklich endlich mal einiges aktualisieren.
Ninos Blog zum Beispiel hatte ich zwar für ihn eingerichtet, dann aber wohl total verschwitzt ihn gleich bei mir zu verlinken.
Verdient hat er das aber. Seine Website ist natürlich im Umfeld des beginnenden Landtagswahlkampfs entstanden. Als unser Direktkandidat aus Winsen hat er sich damit etwas getraut, das sich bisher nur wenige Politiker wagen. Die eigene Meinung festnagelbar im Internet zu veröffentlichen, dass erschwert dem wankelmütigen Politiker nunmal sehr sein Handwerk. Ninos Leitmotive lauten allerdings “prinzipientreu, aufmüpfig, ehrlich, loyal“, weshalb diese durchaus mutige Form der Selbstdarstellung ausgezeichnet zu ihm passt.
Da ich ihn als Freund und als politischen Mitstreiter schätze, wurde es jedenfalls höchste Zeit seine Seite in meine Blogroll aufzunehmen.
Kein Blog aber aus anderen Gründen Promotion-würdig ist die Website von zwei weiteren Freunden aus dem “richtigen Leben”. Mike und Sören haben zusammen ein Buch geschrieben, für das sie derzeit auf ständiger Verlagssuche sind, was kein einfaches Unterfangen in einem Geschäft ist, dass sich lieber um markterprobte, erfahrene Autoren kümmert als neue Talente zu entdecken. Ich habe das Buch in einer ursprünglichen Fassung mal in Teilen zu lesen bekommen und halte es durchaus für Lesenswert – nur habe ich im Augenblick weder einen Verlag noch das nötige Kleingeld, um den beiden da irgendwie weiter zu helfen. Also bleibt mir nichts anderes übrig als auf diesem Wege ein bisschen zu Werben und Aufmerksamkeit zu erregen…
Ebenfalls kein Blog im klassischen Sinn, aber für politisch interessierte Junge Menschen in meinem Landkreis sicher wertvoll ist die Website des Kreisverbandes Harburg-Land der Jungen Liberalen, die ich selbst betreue.
Auch mein jüngstes Projekt, das sich mit meinen “Auslands”-Erfahrungen in Baden-Würtemberg beschäftigt, darf in meiner Blogroll nicht fehlen. Mehr zum Warum und Wozu kann man hier nachlesen – oder durch eigene Erfahrungen unter kfurt.hoopte.de herausfinden;)
Warum hier grade kaum noch was passiert…
Das liegt weder an mangelndem Interesse noch an Lustlosigkeit. Genau genommen liegt es nichtmal am Zeitmangel.
Der Grund ist, dass ich seit anfang September (also direkt im Anschluss an meine Urlaubsreise) mein Praxissemester begonnen habe. Und zwar im tiefsten Süden der Bundesrepublik, zwischen Weinbergen und lauter High-Tech-Unternehmen (kein Witz – stellenweise sieht man hier beides wirklich direkt nebeneinander).
Das Örtchen in dem ich Wohne heißt Wannweil und dürfte den meisten Menschen genauso unbekannt erscheinen wie mir noch vor wenigen Wochen. Laut Wikipedia hat allerdings Guido Buchwald hier das Fussballspielen gelernt und unser Bundespräsident hat während seines Studiums in Tübingen ebenfalls hier gewohnt.
Das ich Fussballprofi werde glaube ich eher nicht, auch Bundespräsident zu sein gehört bisher nicht zu meinen Lebenszielen – aber gut zu wissen, das die Eigenschaft, mal für längere Zeit hier gewohnt zu haben beiden Karrieren zumindest nicht zu schaden scheint…
Nachteil an dem sonst netten Ort ist allerdings, dass ich bisher noch keinen eigenen Internetzugang habe. Und von meiner Firma aus schreibe ich nicht (hab auch genug zu tun, als dass ich meine Zeit mit Bloggen vertun könnte).
Der erste DSL-Anschluss, den ich in meinem Leben endlich mal benutzen darf ist allerdings schon beantragt und soll die nächsten Wochen irgendwann funktionieren. Und ab da, das darf ich jetzt schonmal versprechen, gibts hier dann auch wieder regelmäßiger was zu lesen!
Eindrücke und Erlebnisse während meiner Praktikumszeit werde ich übrigens separat bloggen. Ich habe dafür ein eigenes Blog eingerichtet, weil die dortigen Beiträge sich vom Charakter her sehr von den übrigen hier unterscheiden werden. Im “Allns, man blot keen hochdüütsch”-Blog wird es um Unterschiede zwischen Nord und Süd gehen, um dortige Eigenheiten und ein bisschen sicher auch um meine Arbeit. Also ein eher privates Blog, das ich in erster Linie für mich und interessierte Freunde und Bekannte schreibe. Aber natürlich darf auch jeder andere gerne reinschauen.
