Filterblog

Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Wenn Unglücke nicht schlimm genug sind

Wie wahrscheinlich so ziemlich jeder mitbekommen hat, hat es da in der vergangenen Woche auf der Elbe ein großes Schiffsunglück gegeben. Und zwar nicht irgendwo auf der Elbe, sondern direkt vor meiner Haustür. Man konnte zeitweise den Diesel atmen und ihm eine Weile regelrecht beim Vorbeischwimmen zusehen – und zwar zweimal pro Tide, denn natürlich gibts bei uns Ebbe und Flut, was das Dieseleinfangen nicht unbedingt erleichtert hat.

Nun sind nach Medienangaben sowieso 98 Prozent verdunstet, weils eben zum Glück bloß Diesel und nicht etwa Rohöl gewesen ist. Den weitaus größten Teil der restlichen 2 Prozent konnten Feuerwehren aus drei Ländern – darunter selbstredend auch meine Hoopter Feuerwehr aus Niedersachsen – sowie das Technische Hilfswerk mit enormem Aufwand einsammeln (wahrscheinlich um den gewöhnlichen Medienkonsumenten nicht zu verwirren wird trotzdem ständig von “Hamburger Behörden” gesprochen, naja…) und nun fehlt nach offizieller Rechnung immer noch ne Tonne von dem Zeug, das quasi futsch ist.

Und natürlich melden sich da sofort die ersten Umweltschützer zu Wort, die mutmaßen, diese Tonne könnte irgendwie in die Nahrungskette gelangt sein.

Könnte sie ja tatsächlich, wenigstens teilweise – denn irgendwo wird sie schließlich abgeblieben sein.

Aber um mal die Kirche im Dorf zu lassen: Die Tonne Diesel verteilt sich nach wirklich sehr vorsichtiger Schätzung mindestens auf die 15 Flusskilometer zwischen Unfallort bei Altengamme/Drage und dem Hafenbecken in Oortkarten, in dem man das Zeug zu sammeln versucht hatte. Die Elbe ist hier so etwa 300 Meter breit und mindestens zwischen zweieinhalb und drei Metern tief, wenigstens in der Mitte.

Zur Veranschaulichung hier eine entsprechende Karte, die ich mit freundlicher Unterstützung einer Firma namens Google gemacht habe:

elbe.jpg

Wir reden hier also von einer ganzen Menge Wasser, in der sich die verlorene Tonne irgendwie aufgelöst hat.

Natürlich ist ne Tonne Diesel immer noch ne Tonne Gift und man darfs auch nicht verharmlosen. Das will ich auch gar nicht, zumal Freunde von mir ihre Brötchen mit Elbfischerei verdienen und ich “meinen Fluss” auch lieber sauber mag.

Ich erinnere mich nämlich noch ziemlich gut an die Elbe, wie sie war als sie von den Kommunisten der DDR und der CSFR noch als Giftmülldeponie (fließt ja eh alles bloß in den bösen Westen) missbraucht worden ist.

Gemessen daran sind 1000 Kilogramm Diesel eigentlich sowieso nicht der Rede wert, allerdings ist die Elbe von heute ach eine ganz andere, weil deutlich lebendigere, weswegen der ökologische Schaden entsprechend größer werden kann.

Aber ich denke, für die Panikmache, die da zum Teil die Runde macht, besteht trotzdem überhaupt kein Anlass. Da werden Pflichten für Doppelhüllen-Tanker gefordert, als würde es sich nicht etwa um leicht verdunstende Endprodukte, sondern um wirklich ekliges Rohöl handeln und als wären hier, wie früher, massenweise Tanker unterwegs und da wird dann beinahe reflexartig, so muss es einem vorkommen, auch gleich die ökologische Entwarnung der Behörden angezweifelt. Angeblich will sogar irgendwer einen “ölverdreckten Vogel” gesehen haben (was interessant ist, wo doch gar kein Öl ausgelaufen ist, sondern Diesel).

Für mich sieht der Fluss, sein Ufer und seine Bewohner, soweit sie sich zeigen, wieder gesund aus. Am Ufer ist kein Diesel mehr zu sehen und der Geruch ist zum Glück auch nur am ersten Tag spürbar gewesen. Nun bin ich alles andere als  Experte auf dem Gebiet – aber die glücklicherweise ausgebliebene Katastrophe auf Teufel komm raus herbeischreiben zu wollen, tut nun wirklich nicht Not.

Ein wenig Kaffeesatzleserei zur lokalen Presselandschaft

Passend zu einer kurzen Diskussion, die ich gestern mit meinem Vater hatte, bringt Spiegel Online heute einen Artikel zum Thema Lokalzeitungen und Internet.

Beide Male geht es letztendlich um die Frage, wie Medien das Internet für sich nutzen können oder sollten oder wie sie es bereits tun.

Im SPON-Artikel wird eines der Hauptprobleme der Lokalzeitungen recht eindeutig beim Namen genannt:

“Den Lokal- und Regionalzeitungen – klassische Abo-Zeitungen – sterben buchstäblich die Kunden weg. Im vergangenen Jahrzehnt schnurrte der Anteil der 14- bis 19-jährigen, die Zeitung lesen, von 50 Prozent auf gerade einmal 38 Prozent zusammen.”

Es ist davon auszugehen, dass der Anteil weiter zurückgeht – aber das liegt wohl vor allem daran, dass Zeitung scheinbar immer noch nur dann Zeitung ist, wenn sie aus Buchstaben auf totem Baum besteht.

Bevor der gute Gutenberg seine Druckmaschine erfunden hat, wurden Nachrichten entweder von Kurieren verlesen oder „per Deichfunk“, wie man bei uns sagt, von Mund zu Mund verbreitet. Die Zeitung auf Papier war da natürlich ein Fortschritt, ein sehr bedeutender noch dazu. Aber technisch gesehen hatte sich eigentlich nur die Methode verändert, wie Nachrichten verbreitet wurden.

Dummerweise ist das natürlich so lange her, dass sich heute niemand mehr daran erinnert.

Junge Leute lesen viele Nachrichten im Internet. Ich beziehe mittlerweile etwa 95 Prozent meiner täglichen Information über irgendwelche Onlinemedien, den Rest teilen sich Fernsehen und gedruckte Zeitung und ganz marginal auch das Radio. Aber ganz subjektiv habe ich nicht den Eindruck, dass junge Leute sich weniger für aktuelle Nachrichten interessieren als früher, zumindest nicht in dem Ausmaß, dass den drastischen Rückgang der Zeitungsabos erklären könnte.

Was vor allem viele kleinere Zeitungen noch nicht begriffen haben oder zumindest zu ignorieren scheinen ist, dass wir gerade wieder einen ähnlichen technischen Umbruch erleben, wie er nach Gutenbergs Erfindung stattgefunden hat. Während vor allem viele ältere Menschen wahrscheinlich nur ungern auf ihre gedruckten Nachrichten verzichten würden, steht für jüngere meistens der Inhalt im Vordergrund, während die Darreichungsform Nebensache ist und man sich halt so einfach wie möglich informieren will. Das hat seine Gründe, am Bildschirm lesen ist nicht jedermanns Sache und daran will sich erstmal gewöhnt werden. Hier ist es allerdings nur noch eine Frage der Zeit, bis es erschwingliche technische Möglichkeiten gibt, die der gedruckten Zeitung in nichts mehr nachstehen. Amazons „Kindle“ ist da schonmal ein vielversprechender Ansatz. Ansonsten muss man wohl feststellen, dass das selber Drucken der Nachrichten, die einen wirklich interessieren, um sie beispielsweise unterwegs zu lesen, auch nur unwesentlich teurer ist als der Kauf einer fertig gedruckten Zeitung.

Zumindest ist das bei meiner Lokalzeitung so. Den Teil, der mich wirklich interessiert, könnte ich regelmäßig auf eine Doppel-A4-Seite kriegen, wenn überhaupt.

Handydisplays werden immer größer, PDAs verbreiten sich immer mehr und ich warte im Moment noch darauf, dass die ersten Navis auf den Markt kommen, die einem automatisch ausgewählte Nachrichten herunterladen und unterwegs vorlesen.

Ich fasse mal zusammen:

  • die technischen Möglichkeiten für rein elektronische Zeitungen sind längst da
  • es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich entsprechende Geräte verbreiten – das wird dann aber schneller gehen, als wir glauben, man denke nur, wie schnell MP3-Player oder Digitalkameras eine Selbstverständlichkeit geworden sind
  • junge Leute, aka die Zeitungsleser der Zukunft, nutzen so oder so bevorzugt elektronische Medien

Nun haben aber gedruckte Lokalblätter ein großes Problem. Und zwar ein so großes, dass man eine große Halle braucht, um es unterzubringen.

Man nennt es Druckmaschine. Die Dinger sind nunmal da und waren mal sauteuer. Das dürfte wohl einer der Gründe sein, weshalb viele Verlage sich mit dem elektronischen Anbieten ihrer Inhalte nicht recht anfreunden mögen.

Das ist nachvollziehbar, denke ich, schützt aber nicht vor Konkurrenz: War früher das kleine Lokal-Käseblatt das Nonplusultra, wenn es um Fotos von Veranstaltungen, Ankündigungen und Werbung für lokale Belange aller Art, so kann heute buchstäblich jedes Kind binnen weniger Minuten eine Website basteln und die Adresse per Email an seine Freunde senden – von den Möglichkeiten, die soziale Netzwerke oder Newsfeeds bieten, ganz zu schweigen.

Viele Fussballvereine schreiben ihre Spielberichte selbst und stellen sie Online, die Zielgruppe für diese Informationen weiß das natürlich im Regelfall und hat womöglich einen Grund weniger, eine Zeitung zu kaufen.

Für so simple Sachen wie Partyfotos gibt es allein in meiner relativ überschaubaren Region bereits diverse sogar sehr gute Portale.

Und was Politik angeht, so bemühen sich auch kleine Verbände um eine aktuelle Website – sieht nicht immer professionell aus und mit der Aktualität ist das auch immer so eine Sache für sich. Aber oft sorgt schon der Wettbewerb zwischen unterschiedlichen Meinungen und Positionen für den nötigen Druck, sich selbst um die Veröffentlichung zu kümmern.

Seit außer mir Nino und Wilfried Rieck regelmäßig bloggen, die Ortsverbände der SPD und der FDP sogar einen Newsfeed anbieten, finden aktuelle und Meldungen, Meinungen und Kommentare zur Kommunalpolitik auch immer öfter online statt – natürlich intensiver, als es in einer gewöhnlichen Zeitung möglich wäre.

Gleiches gilt für private Vereine aller Art – man sehe sich nur an, wie hiesige Faslamsvereine in den letzten Jahren technisch aufgerüstet haben oder auch die Feuerwehr.

Das alles sind Sachen, die der gedruckten Lokalpresse direkt Konkurrenz machen und das tun sie immer besser und erfolgreicher, als es eine Zeitung könnte, die immer eine begrenzte Seitenzahl hat und den auch noch zu einem großen Teil mit Werbung füllen muss, damit der Kaufpreis nachher noch stimmt.

Ein echter Strukturwandel ist nie einfach und so habe ich ein gewisses Verständnis für die Situation von Zeitungsverlegern, die sich nicht zu einer zeitgemäßen Internetstrategie durchringen können. Trotzdem bleibt es aber doch dabei, dass letztendlich die Inhalte das sind, worauf es ankommt und einzig und allein der Leser sollte entscheiden, wie ihm diese Inhalte vermittelt werden.

Wers gedruckt will, der solls gedruckt haben. Aber allzulange würde ich mich als Verleger nicht mehr zieren, alle meine Inhalte auch online anzubieten – selbstverständlich werbefinanziert und nicht per Abogebühr.

Denn es gibt genügend Menschen in jeder Stadt, die die paar Inhalte, die eine kleine Zeitung Tag für Tag druckt, mindestens genauso gut ehrenamtlich und hobbymäßig ins Netz stellen könnten. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis solche Leute das Bloggen für sich als Hobby entdecken – und ohne überheblich wirken zu wollen, gibt vermutlich selbst mein kleines Blog hier an manchen Tagen mehr her, als die örtliche Tageszeitung.

Der Trend ist für mich eindeutig und die vielleicht letzte Chance für etablierte Zeitungen hier in der Gegend, ihm noch zu folgen und damit erfolgreich zu sein, rückt unaufhaltsam näher.

“Hoopter FDP”

Die kleinste reguläre Einheit innerhalb der Freien Demokratischen Partei ist, abgesehen vom einzelnen Mitglied, der Ortsverband. Das bedeutet zwar, dass Hoopte offiziell keinen eigenen Ortsverband haben kann, weil es kein eigenständiger Ort ist.

Da aber die Winsener FDP in Hoopte personell verhältnismäßig stark vertreten ist und auch entsprechende Wahlergebnisse erzielt (zuletzt 2006 bei den Kommunal- und 2008 bei den Landtagswahlen), gibt es inoffiziell dann doch so etwas wie eine gefühlte Hoopter FDP.

Und als solche möchten wir zu unserer ureigensten Basis Kontakt auch abseits von Wahlen halten. Darum verteilen wir in dieser Woche in Eigenregie einen Infobrief, den ich der Vollständigkeit halber und aus Archivierungsgründen wie immer in solchen Fällen auch an dieser Stelle veröffentlichen möchte.

Liebe Hoopter,

Ihr werdet Euch vielleicht wundern und fragen, was denn nun wieder für eine Wahl ansteht, dass wieder mal so ein seltsamer Parteizettel in Eurem Briefkasten liegt.

Simple und beruhigende Antwort: Keine.

Seit der letzten Kommunalwahl sind fast zwei Jahre vergangen und aus aktuellem Anlass gibt es heute einen Zwischenbericht. Wie Ihr sicher wisst, gibt es im Winsener Rat keine klaren Mehrheiten, so dass die Parteien immer gezwungen sind sich Ihre Mehrheiten zusammenzusuchen. Trotzdem konnten einige Erfolge erzielt werden. Vor der letzten  Kommunalwahl haben wir versprochen, uns in der Kommunalpolitik für zwei Themen in Hoopte besonders einzusetzen:

1. Eine Busverbindung am Elbdeich zwischen den Bahnhöfen Winsen und Harburg. Der Kreis hat
diese Verbindung mittlerweile eingerichtet. Unser Ratsherr Nino Ruschmeyer und Steffen Behr (CDU) haben das Projekt auf Stadtebene positiv begleitet. Das Problem ist nur: Die Busse sind ziemlich leer.

Wir fänden es Schade, wenn die Linie nach einjähriger Probephase eingestampft oder zurückgefahren würde; bei Spritpreisen um die 1,50 Euro mit steigender Tendenz denken wir aber, dass die Entscheidung, den Busverkehr zu fördern, richtig ist. Nino hat die Buslinie nicht nur die letzten Wochen ausprobiert (und festgestellt, dass er in etwa einer Stunde am Hamburger Hauptbahnhof ist – also nur ca. 10 Minuten länger braucht, als wenn er mit dem Auto nach Stelle fährt). Er hat sich auch die Mühe gemacht, den Fahrplan für Hoopte nochmal zusammenzuschreiben. Ihr findet ihn auf der Rückseite dieses Schreibens. Wir würden uns freuen, wenn Ihr die Linie einfach auch mal ausprobiert.

Unter www.hvv.de kann man sogar die Hoopter Haltestellen eingeben – und bekommt dann die
Verbindungen ins ganze HVV-Netz ausgespuckt.

2. DSL für Hoopte. Auf Antrag der FDP hatte der Rat einstimmig den Auftrag an die Stadtverwaltung gestellt, sich für eine Flächendeckende DSL-Versorgung in Winsen einzusetzen. Leider waren die bekannten Telekommunikations-Unternehmen von der Stadtverwaltung auch nicht mehr beeindruckt, als von den entnervten Versuchen, die viele Hoopter in Eigeninitiative unternommen haben. Noch immer ist nicht ganz Hoopte versorgt. Allerdings hat der Kreis jetzt die Initiative ergriffen und eine Umfrage zur Breitband-Vesorgung im Kreis gestartet.

Gegebenenfalls können so Fördergelder gezielt eingesetzt werden. Auch deshalb wenden wir uns heute an Euch: Wir haben die Hoffnung, dass der Kreis aktiv den Ausbau bei uns vorantreibt, wenn möglichst viele Hoopter den Fragebogen, der unter

http://breitband.landkreis-harburg.de

im Internet steht ausfüllen.

Wir bitten also um Eure Mithilfe! Die Umfrage läuft noch bis zum 30. Juni.

Wir danken Euch für Euer Vertrauen und Eure Unterstützung auch bei der Landtagswahl, wo ihr uns 27% der Erst- und 19% der Zweitstimmen gegeben habt.

Dass das gute Abschneiden der FDP nicht unbemerkt geblieben ist, zeigt sich vielleicht auch darin, dass in den letzten zwei Jahren sowohl beide FDPLandesminister als auch der Fraktionsvorsitzende der FDP im Landtag Hoopte besucht haben.

Eure Hoopter Liberalen

Jan Filter
Hans-Hermann „Henne“ Hentrich
Wolfgang „Wolli“ Jung
Nino Ruschmeyer
Frank Wolf

PS: Wir sind alle nicht zufällig in der FDP sondern von den grundsätzlichen Gedanken hinter den
Programmen auf allen Ebenen überzeugt. Wenn Ihr wissen wollt, warum dürft Ihr uns gerne befragen.

Soweit also die Hoopter FDP.

Auf der Rückseite dieses Schreibens gibts dann noch den Busfahrplan, der zumindest gefühlt unseren kleinen Ort endlich wieder mit dem Rest der Welt verbindet – was aber wie gesagt noch ein bischen besser genutzt werden müsste, damit nicht irgendwer uns irgendwann unseren Bus wieder wegnimmt, weil er angeblich überflüssig ist.

Ist er nämlich nicht, er stellt vielmehr die einzige erschwingliche Verbindung nach Winsen oder Hamburg dar, die wir haben. Wenn die aber keiner nutzt, wird das argumentative Eis, auf dem man sich gerade bei solchen Projekten als Liberaler bewegt, natürlich ratz fatz dünner.

Um das zu vermeiden haben wir also wie gesagt nochmal den Busfahrplan der Linie 149 des HVV an alle Haushalte verteilt – und zwar ohne dafür auch nur einen Cent Steuergeld auszugeben, was wir einer lieben Freundin der FDP verdanken, die über entsprechende technische Möglichkeiten verfügt und uns da unkompliziert und selbstlos unterstützt hat.

Die PDF-Version des Rundschreibens inklusive Rückseite gibts hier zum Download.

Sicherheitsbefinden und Bürgerstreife – am Beispiel Winsen

Nach dem letztjährigen Stadtfest in Winsen wurden einige Ideen diskutiert. Ob man es verkürzen sollte zum Beispiel, weil soviel Randale und soviel Schlägerei geschehen war. Und weil es so viele Schnapsleichen gegeben hatte. Und weil ja die Jugend ohnehin immer schlimmer würde, das wüsste doch jeder. Und so weiter und so fort.

Man hat keine so weitgehenden Maßnahmen ergriffen, höchstens ein bisschen an der Polizeipräsenz gearbeitet.

Nach dem diesjährigen Stadtfest wird deutlich: Das vergangene Jahr war wohl einfach nur ein Ausreißer, was negative Erfahrungen angeht und eine Verkürzung hätte den Winsenern Unrecht getan. Denn es ist so wenig wie seit langem nicht an unerwünschten Zwischenfällen geschehen – sogar im Umgang mit Alkohol scheinen die Winsener in diesem Jahr “besser” geworden zu sein.

Oder aber die Zahl der negativen Begleiterscheinungen schwanken halt doch mehr oder weniger zufällig, vielleicht weil sie doch mehr von äußeren Erscheinungen wie Regenwetter, den Bierpreisen óder gar der Musik des Autoscooters oder ähnlichen Nebensächlichkeiten abhängen, als wir vielleicht meinen. Es scheint also doch nicht ganz einfach zu sein, konkrete Ursachen beim Namen zu nennen.

Was man aber feststellen kann: Jede mehr oder weniger machbare oder wünschenswerte Maßnahme, die nach dem letzten etwas krawallenerem Stadtfest debattiert worden ist, wäre wohl überflüssig und vielleicht sogar schädlich in vielerlei Hinsicht gewesen (eine Halbierung der Dauer macht aus Winsens wichtigster Touristenattraktion neben Faslam mal schnell ein Allerwelts-Stadtfest, wie es jede Kleinstadt hat). Ich weiß nicht, inwieweit die Polizei wirklich etwas geändert hat – aber wenn überhaupt, dann hat man nur daran gedreht. Rein subjektiv hab ich aber auch nicht mehr Polizei als sonst gesehen.

Vielleicht kann sich diese Erfahrung einfach mal hinter die Ohren schreiben, wer nach jedem vermeintlich als eindeutig erkannten Trend sofort nach kolossalen Änderungen und Verboten schreit. Denn manchmal ist das dumme Volk wohl doch besser als sein Ruf.

Kein direktes Gegenargument aber vielleicht einen Anhaltspunkt könnten diese Erfahrungen auch insgesamt auf die aktuelle Sicherheitsdebatte meiner Heimatstadt liefern. Denn die CDU-Fraktion wünscht sich eine „Bürgerstreife“ und die Freien Winsener wohl scheinbar auch.

Nun ist Winsen weit davon entfernt, dass man sich wie in einem Polizeistaat fühlt. Ein paar Streifen mehr in der Stadt würden vermutlich eher das Sicherheitsbefinden der Menschen erhöhen, als dass man Beklemmung bekäme – vorausgesetzt, die Polizisten stellen sich nicht als prinzipienreiterische Arschlöcher heraus, die wegen jeder blöden Lapalie (Radfahren ohne Licht oder auf der falschen Straßenseite zum Beispiel) gleich zum Strafzettelblock greifen, heraus.

Da muss man sich mit der Frage, ob eine zivile Bürgerstreife diesen Job nicht im Prinzip genauso gut und eventuell kostengünstiger machen könnte, schon ernsthaft stellen.

Wirklich fachkundig beantworten kann ich selbst sie zwar nicht aber ich halte es schon für möglich, dass das geht.

Allerdings: Durchsetzung von Recht und Gesetz ist Sache der Polizei, die wiederum ist Sache des Landes Niedersachsen. Wenn die Stadt Winsen im Alleingang beschließt, Bürgerstreifen loszuschicken, kostet das städtisches Geld und entlastet im Zweifel die Portemonaies aller Niedersachsen, weil das Land zumindest in Winsen weniger Steuergeld in dei Polizei stecken muss, um das Ziel „Sicherheit“ zu erreichen.

Man kann das rechtfertigen, wenn die Sicherheitssituation so desolat ist, dass sich die Stadt nicht anders zu helfen weiß. Das ist aber ja nun auch nicht der Fall, auch wenn man natürlich immer Verbesserungsbedarf sehen kann, wenn man will.

Wer eine Bürgerstreife haben will, der muss sich die Frage gefallen lassen, ob er denn die derzeitige „Versorgung“ unserer Stadt mit Polizisten für schlecht hält. Und wenn dem so ist, warum er dann nicht zuerst beim Land nachfragt (wo ja die Parteifreunde der hiesigen Bürgerstreifenbefürworter aus der Union immerhin Ministerpräsident und Innenminister stellen), wie dem Missstand abzuhelfen wäre.

Aber Winsen ist wahrlich keine Verbrechenshochburg. Es gibt hie und da Probleme – wie in jeder Stadt. Es gibt kriminelle Jugendliche, randalierende Besoffene und kürzlich sogar einen Raucher, der gegen einen Wirt handgreiflich wurde, der ihm das Rauchen verbieten wollte.

Aber es gibt auch große Einigkeit, besondere Problemecken notfalls eben per Video zu überwachen – wie das bereits am Bahnhof gemacht wird, mit Erfolg soweit ich weiß. Und weitere wirklich problematische Ecken sind mir zumindest derzeit nicht gegenwärtig.

Aber wie gesagt: Für sowas ist erstmal die Polizei zuständig und im Zweifel muss dann eben auch mal eine CDU-Fraktion im Stadtrat ihrer Landesregierung auf die Füße treten, wenn sie mehr Polizeipräsenz haben will.

Fleisch ist mein Gemüse

Das Buch war ein Bestseller – wie der derzeit in den Kinos laufende Film dazu abschneidet weiß ich nicht. Ich hab ihn aber grade gesehen und muss einfach ein bisschen was dazu schreiben.

Schon in der ersten echten Filmszene (also nach der Erläuterung, unter welcher Sorte Akne der Protagonist leidet) sieht man einen mit Schafen übersäten Deichabschnitt, der nur einen Steinwurf von dem Ort entfernt liegt, an dem ich gestern erst an einer Feuerwehrübung teilgenommen hatte. Die Kamera schwenkt dann auf ein Lokal, bei dem wirklich jeder, der es mit einem Wort beschreiben sollte, sofort auf „Provinz“ (und zwar im negativen, nicht etwa im romantischen Sinn) käme – und just in dem Moment wusste ich, ich kauf den Film auf DVD, egal wie der Rest wird.

Zur Story muss man nicht viele Worte verlieren. Ist halt stark autobiographisch und das Leben des „Heinz Strunk“ (was ja an sich ein Künstlername ist) ist im Prinzip eher unspektakulär – dass wenige aufregende, Leiden und Tod der Mutter oder der Nachbarin, ist eher bedauernswert und traurig, als spannend. Das Ende des Films fand ich im großen und ganzen völlig bescheuert, so wie eigentlich alles, was nach Strunks Zeit mit „Tiffanys“, seiner Band, so kam.

Aber was den Film für mich zu einem echten Klassiker macht, dass ist die Situationskomik, die sich am einfachsten als sowas von Hamburg beschreiben ließe. Wobei mit Hamburg nur zum Teil wirklich Hamburg gemeint ist, sondern auch vor allem das südliche Umland, eben der Teil der Welt aus dem ich komme und in dem „Strunk“ damals viel unterwegs war.

Der Film spielt zwar in den Achtzigern – aber die gezeigten Partys sind heute noch ganz genauso. Gezeigt wird ein Schützenfest in Stelle, das bloß 15 Autominuten von meinem Zuhause entfernt ist und in der dortigen Schützenhalle, in der Strunk beinahe versehentlich von einem besoffenen Schützen erschossen wird, bin ich selbst schon auf der einen oder anderen Fete so richtig abgestürzt.

Unvermeidlich war auch, dass Faslamszenen gezeigt werden. Die Band bringt das Faslamslied (wenn auch in einer mir fremden Version, was aber kein Wunder ist, weil eigentlich jeder noch so kleine Ort da seine ureigene und natürlich „einzig wahre“ Version hat) und eine der berühmten „Danz-op-de-Deel“-Polonaisen bleibt natürlich auch nicht aus.

Wahrscheinlich ist dass das insgesamt das erste Mal, dass es Szenen vom Faslam ins Kino geschafft haben.

Um es mal zusammenzufassen: Ich würde sagen, man kann durchaus darüber streiten, ob das ein guter oder grottiger Film ist. Auf jeden Fall aber handelt es sich um eine authentische Darstellung jener Sorte von Festen, mit der ich und jeder aus dieser Gegend groß geworden ist.

Und wer sowas mal Live sehen will, der sollte sich so eine Faslamsparty oder ein Schützenfest hier in der Gegend mal antun – der Film übertreibt und beschönigt nichts.

Liberales Grillen in Hoopte

Der Vorstand der Jungen Liberalen Harburg-Land lädt mal wieder ein: Am 4. Mai, also kommenden Sonntag, wird wieder gegrillt.

Und zwar im Winsener Ortsteil Hoopte, am Hoopter Sportplatz 5 in 21423 Winsen (Luhe), ab 19 Uhr.

Eingeladen fühlen darf sich jeder, auch jenseits der offiziellen JuLi-Altersgrenzen zwischen 14 und 35, man muss sich selbst nicht einmal als liberal bezeichnen – Interesse am politisches Tagesgeschehen und/oder geselligem Beisammensein mit netten jungen Leuten genügen völlig als Teilnahmebedingungen.

Einzelheiten und das offizielle Einladungsschreiben gibt es hier (als PDF). Wer vorbeikommen will, sollte sich spätestens bis morgen abend bei mir melden (Daten dazu stehen ebenfalls auf der Einladung).

Stadtfest Winsen

Nächste Woche Mittwoch, also am 30. April, ist es wieder soweit: Das mittlerweile 31. Winsener Stadtfest beginnt. Fünf Tage lang verwandelt sich Winsens normalerweise eher mäßig aufregende Innenstadt in eine Partymeile.

Meine persönlichen Highlights:

  • Mittwoch gehts einfach nur los, das reicht eigentlich schon;)gehts nicht einfach nur los, sondern auf der Herforder-Bühne an der Kirche spielen ab 19.30 Olaf und Dieter Klassiker aus Rock und Pop.
  • Donnerstag um 19 Uhr auf der Herforder-Bühne – 104 Elements
  • Freitag 20.30 Uhr Bühne Sparkasse Harburg-Buxtehude – Rock n Roll Deputyz (genau, die von unserer legendären Faslamsparty!)
  • Samstag: Crush2002 und April May June ab 19 Uhr auf der Herforder-Bühne (könnte auch n Fehler auf der Website sein, vielleicht treten die aber wirklich irgendwie abwechselnd auf)
  • Sonntag: 15 Uhr Elbdeichbrummer

Mir ist durchaus bewusst, dass der letzte Programmpunkt ein bisschen aus der Reihe fällt. Aber der Chor besteht nunmal zu einem nicht unerheblichen Teil aus Hooptern, darunter logischerweise diverse Bekannte und sogar Verwandte meinerseits und außerdem ist das eine lustige Truppe. Trotzdem ist es an sich eher ein Chanty/Männerchor und eben keine Rockband. Rockt trotzdem, nur eben anders;)

Das wären, wie gesagt, die Punkte, die mich neben dem allgemeinen Trubel besonders interessieren. Es findet natürlich noch mehr statt – Einzelheiten gibts hier.

Stintzeit

Nun gehts also wieder los: Der Stint ist da. Und mit ihm kommen dann wie jedes Jahr wieder busseweise Touristen aus nah und fern in meinen kleinen Heimatort Hoopte, der sowas wie das Zentrum dieses traditionellen Gerichtes ist.

Das liegt vor allem am hiesigen Fischer Grube, dem es gelang diese alte Tradition zu einem inzwischen auch weit über die Grenzen der Region zwischen Hamburg und Lüneburg hinaus bekannten Erlebnis zu machen.

Dabei geht es ist vielleicht gar nicht so sehr um ein kulinarisches Highlight. Im Prinzip werden da ja bloß kleine geköpfte Fische gebraten und gewürzt, dazu gibts rustikale Bratkartoffeln. Schmeckt schon prima, ist aber ja nun nichts wahnsinnig Ungewöhnliches. Was die Stintesserei so berühmt gemacht hat ist wahrscheinlich eher der Event-Charakter. Einmal ist es ja schon etwas Besonderes, dass es eine Stintsaison gibt, weil der Fisch nunmal nur ein paar Wochen lang bei uns in der Elbe vorbeischwimmt (sofern er nicht in Grubes Netzen, beziehungsweise auf unseren Tellern landet). Außerdem ist es in seiner Rustikalität in Verbindung mit der Tradition einfach so richtig typisch norddeutsch.

Im Idealfall versetzt einen beim Essen dann noch ein mit einer Quetschkommode ausgerüsteter Musiker in Stimmung. Dank des obligatorischen Bierkonsums entwickelt sich so ein Stintessen dann auch schonmal zu einem spontanen Shantychor weiter.

Es geht also schon um mehr als einen normalen Restaurantbesuch und ein bisschen macht es einen ja schon stolz, quasi direkt im Epizentrum dieses schönen Brauches zu leben. Als Anwohner habe ich allerdings eine Bitte an alle potentiellen Stinttouristen unter meinen Lesern: Auch in kleinen Dörfern fahren Autos und auch wenn man sich beim Neubau unserer einzigen richtigen StraßeHauptstraße entschlossen hat, den Mittelstreifen wegzulassen handelt es sich um eine vielbefahrene wichtige Durchgangsstraße. Wenn man sie überqueren will um zur Elbe zu gelangen (was vermutlich zum Pflichtprogramm der touristischen Verdauungsspaziergänge gehört, dann kann man a) dazu erstmal links und rechts gucken, ob sich Autos nähern (wie man das eben so macht, wenn man eine Straße überqueren will) und b) den eigentlichen Überquerungsvorgang möglichst zügig gestalten, um den Verkehr, den man ziemlich oft dann doch nicht gesehen oder einfach ignoriert hat, nicht unnötig aufzuhalten.

Wer diese Regeln beherzigt, der ist allerdings herzlich willkommen, eines unserer Hoopter Stintlokale zu besuchen – von denen ich übrigens nix für diesen kleinen Artikel bezahlt bekomme, wie man vielleicht meinen könnte;)

Hoopter Faslam 2008 – ein Rückblick auf das größte Kulturereignis des Universums

HooptiFür den Winsener Vizebürgermeister André Wiese, der das erste Mal unseren Faslamsumzug miterlebt hat (wofür er sich aber wenigstens auch gleich entschuldigt hat), waren wir die zweifachen Faslamsweltmeister – einmal wegen dem beschissensten Faslamswetter, und dass auch noch in Folge. Aber vor allem wegen der Bombenstimmung, der auch der durchgängige Regen nichts anhaben konnte.

rundflieger.jpgDamit hat er für mich sehr treffend zusammengefasst, was am Hoopter Faslam immer wieder so bemerkenswert ist: Allen noch so nervtötenden Begleitumständen zum Trotz wird gefeiert, was das Zeug hält. Und es gelang uns offenbar auch ganz gut, das teils von weither angereiste (das Weiteste, von dem ich gehört hab war Düsseldorf – und wenn unser Umzug Düsseldorfer begeistern kann, dann sollte dass doch für sich sprechen) Publikum mitzureißen. „Faslam ist, wenn man trotz des Wetters Party macht“ avancierte zu einem heimlichen Untertitel der ganzen Veranstaltung. Doch der Reihe nach.

Freitag.

Schon am Freitag, bei der traditionellen „Buddelversteigerung“ und der Verlosung der Startplätze war die Stimmung bestens. So muss das auch sein, denn der Faslamsfreitag ist immer der Abend, an dem die Faslamsbrüder noch ganz unter sich sind und sich so langsam warm feiern. Das hat super funktioniert. Ich habe zwar keine Ahnung, bis wieviel Uhr es wirklich ging. Was ich noch weiß ist, dass der klägliche Rest anschließend noch auf ein Feierabendbierchen bei mir im Zimmer saß. Heimliches Highlight des Abends: Ein kleiner Scherz mit einem Zollstock und einer Lampenfassung unserer “Faslamsfreitagskneipe” sorgte für einen Stromausfall, der zirka 5 (betrunkene) Elektriker gleichzeitig und ratlos vor dem Sicherungskasten an ihrem Bier nippen ließ.

Samstag.

lumpenball1.jpgDer Samstag war tagsüber geprägt von eifrigen „letzten Schliffen“ an den Wagen. Beim diesjährigen Bestplatzierten reichte es offenbar nur für den vorletzten Schliff, die Unglücklichen mussten nämlich sogar Sonntag morgen nochmal ranklotzen. Ich selbst hatte auch noch Einiges zu tun, es mussten zum Beispiel unsere „Pedro-Dollars“ zugeschnitten werden und dann wollte die Musik für den Wagen auch noch zu Ende ausgewählt werden.

Gegen Abend verwandelte sich mein Zimmer einmal mehr in eine viel zu enge Kneipe; bei mir war nämlich, wie eigentlich jedes Jahr, Treffpunkt bevor man gemeinsam zur offiziellen Party aufbrach. Die war in diesem Jahr erstmals, wie angekündigt, in ein Rockkonzert verwandelt worden.

DeputyzUnd um es mit Hannibal Smith zu sagen: „Ich liebe es wenn ein Plan funktioniert“, denn so gut besucht war unsere Faslamsparty ewig nicht mehr. Es war eben wirklich etwas völlig anderes, als die sonst üblichen Lumpenbälle oder Faschingspartys, die dieser Tage beinahe schon inflationär die Wochenenden in unserer Gegend bestimmen.

Auch zu uns nach Hoopte kamen etliche in Verkleidung – aber es lässt sich auch in Kostümen prima rocken. In den Pausen der Band (die sichtlich ebenfalls ihren Spaß an dem ungewöhnlichen Rahmen hatte) wurde auch genügend konventionelle Partymusik gespielt, wie man das von derartigen Veranstaltungen kennt. Für Rockfans waren das gute Gelegenheiten, sich noch ein Bier zu holen. Für alle Anderen Gelegenheit wie in den vorigen Jahren zu Tanzen, ohne von pogotanzenden Verrückten angerempelt zu werden. Auf diese Weise war wirklich für jeden etwas dabei.

lumpenball2.jpgIch denke, der Hoopter Faslam hat mit dieser Veranstaltung endlich auch am Samstag sein Alleinstellungsmerkmal gefunden. Die Stimmung war jedenfalls den ganzen Abend über absolut grandios.

Sonntag.

bild0056.jpgDas drittschlechteste Faslamswetter seit der biblischen Sintflut (Platz 1 belegt der Hoopter Faslam 2007 mit durchgehendem Regen, der die Haut binnen weniger Minuten erreicht hatte, Platz 2 geht an den Fliegenberger Faslam 2007, wo sich nicht ganz so schlimmer Regen mit verfluchtem Eisregen abwechselte, bis es auf unserem dortigen Gastwagen so glatt war, dass man eigentlich hätte streuen müssen) drückte die Stimmung zu Anfang ein bisschen. Vielleicht wars aber auch der Kater der beiden Abende davor – lässt sich nur schwer feststellen.

tanke.jpgSicher ist: Spätestens als sich der Umzug, natürlich mit Verspätung (meiner Gruppe fiel erst der eigentlich vorgesehene Trecker aus, die Gruppe mit der Kirche hatte noch schwerwiegendere Probleme, überhaupt ihren Wagen an den Start zu bekommen, um nur mal zwei Beispiele zu nennen – es war also alles wie in so ziemlich jedem Jahr…) in Bewegung setzte und die ersten Zuschauer unterhalten werden wollten, stieg die Stimmung. Auf dem Weg zum Wendeplatz, von dem der Umzug traditionell immer startet, brachte sich meine Gruppe mit „Wir ham noch lange nicht genug“ von den Böhsen Onkelz in Fahrt. Eine bessere Durchhaltehymne gibts vermutlich nicht, hat jedenfalls bestens geklappt.

Was jeden Faslamsbruder beeindrucken musste und ebenfalls zu gesteigerter Stimmung beigetragen haben dürfte, war die schiere Zahl der Besucher, die trotz des wirklich miesen Wetters die Veranstaltung genossen.gabriel.jpg

Das lag sicher nicht ausschließlich daran, dass ich Unzähligen von ihnen als „Weltumweltminister Gabriel“ als „kleinen Gruß von Frau Merkel“, wie ich gern hinzufügte, ein bisschen Schlechtwettergeld zahlte, sondern die Stimmung zwischen Faslamsbrüdern und Zuschauern schaukelte sich wie eine Art Trotzreaktion auf das unfaire Wetter einfach irgendwie hoch.jaegermeister.jpg

Stolze 16 Themen haben die Hoopter zu bieten gehabt, hinzu kamen je ein Gastwagen aus unseren Nachbarorten Fliegenberg und Stöckte, die Kutsche mit Mudder und Vadder und natürlich die Spielmannszüge. Ein Umzug, der sich sehen lassen kann.

pict2759.jpgDer Tag klang typisch Hoopter Faslam aus. Die Kirchenbauer öffneten ihre Bauhalle und verschenkten die Reste ihres Fassbieres an jeden, der wollte. Auch die Freunde aus Stöckte und Fliegenberg waren dort, so stellt man sich Faslam doch vor: Spontane Partys, die bekanntlich ohnehin die besten sind, mit spontanen Gästen, die größtenteils eher zufällig von dieser Fete erfahren haben dürften. Das ist Faslam!

Montag.

spontanparty.jpgSo sehr sich viele der Faslamsverrückten am Sonntag auch verausgabt hatten, zum Eieressen, zur Siegerehrung und dem traditionellem Danz op de Deel traf man sich dann doch in alter Frische wieder. Anders ist die Länge der Veranstaltung nicht zu erklären. Yuri Davidoff legte sich mit seiner Band ordentlich ins Zeug: Polonaisen, sich chaotisch bewegende Menschenringe und bei geeigneten Songs auch vereinzelte Pogoeinlagen unterbrachen das allgemeine Discofox-Getanze von Zeit zu Zeit.

Zu den Platzierungen: Es kam beinahe so, wie ich es vorausgeahnt hatte. Was mich besonders freut: Meine ehemalige Baugruppe, die sich im vergangenen Jahr geteilt hatte, belegte nun zusammen die beiden ersten Plätze. So eine Trennung (nach 10 jährigem Bestehen) ist nie sehr einfach (in jeder Gruppe gibt es nur eine begrenzte Zahl von wirklich fähigen Wagenbauern und wenn zuviele davon verschwinden, dann leiden die Wagen nunmal darunter) und man hätte befürchten können, dass die Qualität darunter leidet. Dem war aber nicht so, beide neu entstandenen Gruppen machen genauso weiter, wie sie es vorher gemeinsam getan haben.

Ich selbst habe in diesem Jahr das erste Mal bei einer völlig anderen Gruppe mitgemacht – mit unserem Zapfsäulen-Goldesel haben wir auch immerhin den sechsten Platz gemacht, was ich bereits vorher prognostiziert und gehofft hatte. Wir sind auch zufrieden damit – ich jedenfalls hatte meine Freude an dem knackigen Thema.

Den ersten Platz belegte die „Hoopter Sonnenkirche“. Ich denke man kann sagen, dass das vor allem an der sauberen Bauweise lag – denn auf das Wetter hatte dieses Thema, anders als beabsichtigt, offensichtlich ja doch keinen Einfluss ausüben können.

Die Gruppe hat ihren Wagen am Computer entworfen und sehr sauber gearbeitet. Allein die Idee, entstanden nur Stunden nach dem 2007er Umzug als Reaktion auf das Wetter (unser Nachbarort, der eine eigene Kirche hat, hat nämlich fast immer gutes Wetter – das gab eben zu denken…) war ja schon genial, die Ausführung dann dicht an der Perfektion. Auf dem Wagen selber wurde Fassbier ausgeschenkt und auch die Kostüme sahen gut und authentisch aus.

platz1.jpgSpäte Genugtuung dabei für mich persönlich: Noch vor wenigen Jahren hatte ich den selben Leuten „Wir sind Papst“ als Thema vorgeschlagen, wo ich allerdings überstimmt wurde. Ich stellte mir das Thema ähnlich vor, wie der diesjährige erste Platz: Als kleine Satire auf Kirche insgesamt eben, die man in Form eines Petersdoms gleichzeitig eindrucksvoll hätte umsetzen können. Jetzt ist immerhin bewiesen, dass ich damals eine gute Idee gehabt hatte.

Das offizielle Faslamsende bildete am Montagabend das traditionelle Lagerfeuer: Kerze in die Mitte, alle bis zum Schluss standhaft gebliebenen Faslamsbrüder setzen sich drumrum, ein Bierstiefel kreist abwechselnd mit ner Buddel Sekt und es werden getreu dem alten Motto „nicht schön, dafür laut“ außer den üblichen Liedern viele sinnlose Selbstbeweihräucherungen und Lobeshymnen auf den eigenen Ort gebrüllt. Mag für Außenstehende reichlich bekloppt aussehen, ohne diese Form des Faslamsabschlusses würde aber nunmal irgendwas fehlen. Juri machte wie immer die passende Musik dazu: „Ich war noch niemals in New York“, „Johnny Walker“ und all die anderen Klassiker, die man zu diesen Gelegenheiten spielt und mitsingt. Premiere allerdings war Metallica: „Nothing else Matters“ gabs noch nie bei nem Lagerfeuer. Sehr schön – doch auch das schönste Lagerfeuer geht mal zuende, so ein Stiefel ist halt auch irgendwann leer.

Das inoffizielle Ende des Faslams ist das Eieressen irgendwo privat. Das gabs in diesem Jahr gleich mehrfach und wie üblich spontan. Es besteht, wenig überraschend, aus ein paar Eiern und Bieren und bestensfalls noch ein bisschen Musik. Immer jedoch aus hohlem Gelaber, wie mans wohl auch nicht anders erwarten kann von Leuten, die den Vierten Tag ohne großartige Unterbrechung am Feiern sind.

Faslamsfazit.

Der Hoopter Faslam ist klein aber fein, sehr ortsspezifisch und wird mit großem Engagement der Mitwirkenden betrieben. Mit der ungewöhnlichen samstäglichen Rocksause haben wir in diesem Jahr außerdem mal gezeigt, dass Faslam eben nicht einfach nur eine Art Karneval des Nordens ist, sondern etwas völlig Eigenes, dass lediglich einige Elemente (wie den Umzug) mit dem katholisch geprägten Karneval gemeinsam hat.

Alle hier gezeigten Bilder und noch viele weitere sind übrigens auch auf unserer offiziellen Faslams-Website zu finden.

Stöckter Faslam

Erst erstaunt, dann leicht zornig auf die Selektivität der Lüneburger Landeszeitung war ich, als ich zufällig diesen Artikel zum am Wochenende bevorstehenden Stöckter Faslam entdeckte.

Ja, der Umzug der Stöckter mag größer sein als alle anderen aber dass es ein 800-Einwohner-Dorf  alleine (im Gegensatz zu so ziemlich allen anderen Umzügen, insbesondere dem der Stöckter ist der Hoopter Faslam nämlich wirklich der Hoopter Faslam und nicht internationales Sammelbecken aller Faslamsverrückten südlich von Hamburg) schafft, 16 Themen auf den Deich zu bringen und trotz absolut beschissenem Wetter eine grandiose Stimmung zu erzeugen, die auch im kommenden Jahr eine beachtliche Besucherzahl anlocken dürfte, dass könnte man ruhig auch in der Landeszeitung mal erwähnen.

Von den anderen sehenswerten Umzügen ganz zu schweigen, die Fliegenberger sind ja dann schon das Wochenende drauf an der Reihe.

Aber trotzdem wird sich jetzt erstmal auf den Stöckter Faslam gefreut und das ist auch in Ordnung so. Begleitet wie immer von der Hoopter Feuerwehr (von wem auch sonst) und, im Gegensatz zum vergangenen Jahr, diesmal komplett ohne meine Beteiligung, weder als Feuerwehrbegleitung, noch als kurzentschlossener 24-Stunden-Faslamsbruder – die Prüfungen drücken einfach zu sehr.

Trotzdem meine Empfehlung: Kommenden Sonntag nachmittags die Winsener Innenstadt aufsuchen und genießen, was geboten wird.

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    Manche meinen, sie seien liberal geworden, nur weil sie die Richtung ihrer Intoleranz geändert haben. — Wiesław Brudziński

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