2,5 Millionen Zivildienstleistende
Gestern wurde der 2,5 Millionste Zivldienstleistende zum Dienst ohne Waffe verpflichtet. Das ist dem Tagesspiegel einen Artikel Wert gewesen, in dem wir so manche interessante Information finden können.
Zum einen die, dass es mittlerweile deutlich mehr Zivildienstleistende als Wehrdienstleistende gibt. Das Verhältnis steht bei 68.000 zu 88.000. Es leisten also satte 20.000 Männer mehr einen Wehrersatz- als einen Wehrdienst ab.
Das mag man begrüßen, spricht es doch dafür, dass die meisten jungen Männer offenbar eher friedfertig zu sein scheinen. Allerdings erregt diese Schieflage bei den Zahlen, dass mittlerweile eher der Wehrdienst der Ersatzdienst wird.
Dieser Verdacht erhärtet sich, wenn man das hier liest:
“Heute gelten “Zivis” als jung, billig und in der Pflege oder Betreuung von alten, kranken oder behinderten Menschen als unentbehrlich. “Wenn wir sie nicht hätten, hätten wir große Not”, sagte etwa der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes in Baden-Württemberg, Lorenz Menz. Knapp 1000 “Zivis” würden im Südwesten etwa das Essen auf Rädern oder die Behindertenhilfe aufrechterhalten. “Ich habe große Hochachtung vor diesen jungen Männern”, betonte Menz.”
Klar hat er große Hochachtung: Da schuften immerhin junge Männer für einen ziemlich lächerlichen Lohn. Natürlich tun die meisten dass nach wie vor nur, weil sie es müssen. Insofern ist das Gerede dieses Rotkreuz-Menschen schon ziemlich dahingeheuchelt.
Wie der Hase läuft wird später im Artikel noch ein bisschen deutlicher:
“Drohte der Wehrdienst zu kippen, zuletzt im Jahr 2004, zitterten auch die Sozialverbände um ihre zuverlässigen – und relativ günstigen – Mitarbeiter. Zivildienstleistende erhalten nicht mehr Geld als Wehrpflichtige. Ein Großteil des Soldes wird zudem vom Bundesamt übernommen.”
Ja, die Sozialverbände und ihre zuverlässigen, günstigen Mitarbeiter. In anderen Zusammenhängen spricht man bei sowas schnell mal von Ausbeutung, in diesem Fall sogar staatlich subventioniert. Damit steht Zivildienst moralisch wohl so ungefähr auf einer Stufe mit Ein-Euro-Jobs. Je größer nun aber das Verhältnis Zivildienstleistende zu Wehrdienstleistenden wird, desto größer wird womöglich das Interesse dieser Sozialverbände, entsprechend gute Lobbyarbeit zu leisten damit nicht irgendwann selbst die Union auf die Idee kommt, es all unseren Nachbarn gleichzutun und junge Männer in Ruhe ihr Leben leben zu lassen, statt sie zu mehr oder weniger sinnvollen Tätigkeiten zu zwingen.
Wo wir grade beim Thema Sinn und Unsinn in diesem Zusammenhang sind – auch dazu kann man ja unterschiedlicher Auffassung sein, denn
“inzwischen sagen nicht wenige, dass die “Zivis” aus ihrer Dienstzeit sehr viel fürs Leben mitnehmen. Viele Arbeitgeber schätzten die Zivildienstzeit inzwischen als “klares Plus im Lebenslauf”. Die sozialen Kompetenzen wiegen schwerer als vermeintlich verlorene Monate.”
Wer meint, dass wäre ein Argument für diesen Zwangsdienst, der irrt. Denn wenn Zivildienste so heilsam auf Lebensläufe wirken, dann dürften sich unsere Sozialverbände sicher auch ohne Pflicht vor Bewerbern kaum retten können.
Ich halte es da ganz mit dem jugendpolitischen Sprecher der Grünen, Kai Gehring, der sagt:
“Da aber kaum jemand, der den Kriegsdienst verweigere, am Zivildienst vorbeikommt, habe sich das Gesamtkonstrukt “überlebt”, stellt Kai Gehring, jugendpolitischer Sprecher der Bundestags-Grünen, fest. Auch volkswirtschaftlich sei es vernünftiger, die Zivildienststellen in reguläre Arbeitsplätze umzuwandeln und freiwilliges Engagement zu fördern.”
E Pluribus Unum
So heißt dass neben JuLi-Blogs.de andere Blogaggregat, über dass mein Blog seit einer Weile ebenfalls “verteilt” wird.
Wasn das, n Blogaggregat?
Das ist, wenn man so will, eine Art Metablog: Viele, optimalerweise thematisch irgendwie verbundene, Blogs veröffentlichen ihre Artikel auf einer besonderen Seite, um auf diese Weise Lesern, die sich für bestimmte Themen interessieren, einfachen Zugang zu mehreren Blogs zu geben.
So verbindet die Autoren bei JuLi-Blogs.de vor allem ihre Mitgliedschaft bei den Jungen Liberalen, der Jugendorganisation der Freien demokratischen Partei – und ist damit zumindest nach meinem Kenntnisstand nach wie vor Vorreiter, weil es Ähnliches weder von den Jusos (SPD) noch von der Grünen Jugend (Bündnis 90 / Die Grünen) oder der Jungen Union (CDU / CSU) gibt.
Wer jedenfalls bei JuLi-Blogs.de reinklickt oder gleich den Feed abonniert, der kriegt meist politische Artikel, die immer von Menschen unter 35 stammen und liberaler Gesinnung sind. Obendrein betreiben die meisten Autoren aktiv Politik, sei es rein programmatisch bei den Jungen Liberalen, sei es in der Kommunalpolitik oder in andern FDP-Gliederungen.
E Pluribus Unum (oder kurz EPU) ist ebenfalls ein weitgehend politisches Blogaggregat. Das politische Spektrum ist etwas breiter, bewegt sich zwischen libertär (z.B. PAXX) und konservativ-liberal (wie der immer wieder gerne auch hier zitierte Zettel).
Was irgendwie passt. Ich zitiere mal Wikipedia:
E Pluribus Unum (lat.: aus vielen Eins) ist, unter anderem, der Wahlspruch der USA. Ursprünglich bezog er sich auf die einzelnen Bundesstaaten, die zusammen die Vereinigten Staaten bilden. Nach heutiger Interpretation bezieht sich E Pluribus Unum auf die verschiedenen Völker und Ethnien, aus denen das Volk der Amerikaner entstanden ist (Schmelztiegel).
“Aus vielen Eins” also. Man ist beileibe nicht immer einer Meinung, gibt dem Leser aber auf diese Art eben eine umfassende, liberale Sichtweise auf die Themen, die grade auf dem Tisch liegen.
Und dabei geht es nicht nur um originär politische Themen. Oekologismus.de befasst sich zwar mit Umweltpolitik, hält aber wissenschaftliche Fakten und Beurteilungen dagegen und vergleicht kritisch. Und das im vergangenen Jahr für den Grimme-Online-Award nominierte USAerklärt ist sowieso betont unpolitisch und möchte schlicht und einfach über Land, Leute und Kultur Amerikas aufklären, was dort seit Jahren auf informative und locker unterhaltsame Weise bestens gelingt.
Etliche der “EPU”-Blogs finden sich seit langem in meiner Blogroll, die beiden soeben genannten gehören dazu und B.L.O.G. und das Antibürokratieteam sind so ungefähr seit ich eine Blogroll habe auch in ihr vertreten.
Ich kann regelmäßiges anschauen oder abonnieren des “E Pluribus Unum“, hinter dem maßgeblich Daniel Fallenstein von den “Freunden der Offenen Gesellschaft” (auch die sind hier schon lange Zeit verlinkt) steckt also nur wärmstens empfehlen.
Da jetzt mein Theme wieder voll funktionsfähig zu sein scheint, weise ich darauf hin, dass die neuesten Artikel des EPU ab sofort in der Sidebar angezeigt werden. Und in der Blogroll findet sich das Aggregat nun auch wieder.
“Aber in Irland funktioniert es doch!”
Das scheint mir, nach tapferem Zuendegucken von “Anne Will”, so dass wichtigste Argument für Rauchverbote in der Gastronomie zu sein. Da wäre doch die Zahl der Herzinfarkte zurückgegangen und die der Raucher sowieso und was das nicht alles für tolle Auswirkungen auf die Gesellschaft gehabt hätte!
Ich bin mir ziemlich sicher, dass all diese segensreichen folgen noch viel drastischer ausfallen würden, würde man Zigaretten oder besser Tabak komplett verbieten. Das Alkoholgesaufe am besten gleich dazu. Und andere völlig Nutzlose Gifte wie Zucker oder Fett.
Wobei – gestern Abend kam ja mal wieder “Die Unbestechlichen” – die Folgen davon müssen also nicht ausnahmslos positiv sein.
Aber solche Begleiterscheinungen werden doch unsere Experten und Guttuer genauso wenig davon abhalten, unser großartiges (weil staatlich organisiertes) Gesundheitssystem mit allen Mitteln retten zu wollen wie die Tatsache, dass seit Jahrzehnten stetig jedes Jahr weniger Menschen rauchen oder saufen.
Die persönliche Freiheit ist doch ein wirklich unbedeutend kleiner Preis für totale Gesundheit!
Es lässt nebenbei bemerkt tief blicken, dass ausgerechnet Irland immer wieder als Beispiel für “gute” Drogenpolitik genannt wird. Die Biersteuer ist dort mehr zehn mal so hoch wie in Deutschland (steht hier, PDF, Seite 30) und aus “Jugendschutzgründen” dürfen Erwachsene dort bei vielen Sportveranstaltugnen und auch im freien in der Regel keinen Alkohol trinken. Kein Wunder, dass grün, rot, schwarz oder (bedauerlicherweise) auch der ein oder andere gelb gestrichene Gesundheitsapostel beim Gedanken an Irland ganz feuchte Träume kriegt.
Alkoholverbot für Kinder
In den Stuttgarter Nachrichten schlägt man sich mal wieder mit einem altbekannten Problem herum:
“Bis zur Besinnungslosigkeit betrunkene Kinder lassen auch in der Region den Ruf nach strengeren Alkoholverboten laut werden. Um den Jugendlichen das Koma-Saufen zu erschweren, denken etliche Städte über die Sperrung öffentlicher Plätze nach.”
Hm. “Strengere Alkoholverbote” – wie macht man das? Für Kinder isser ja in jeglicher Form verboten, wie sollte man das noch strenger regeln können?
Ich empfehle: Die Kräfte, die im Fall einer solchen Sperrung diese Sperrung kontrollieren müssten, könnte man auch einfach dazu verwenden, den Kindern ihre Drogen wegzunehmen. Das hat den Vorteil, dass den Kindern ihre Drogen weggenommen werden und gleichzeitig Städte vor dem Spießerimage bewahrt werden.
Zumindest würde diese Argumentation dann ziehen, wenn es wirklich um “betrunkene Kinder” und nicht um die fortschreitende Prohibition für alle gehen würde.
Kultur
Ich gehöre zur “verlorenen Generation” habe ich gerade erfahren. Weil ich nämlich zu den “heute 20- bis 35jährigen” gehöre und die haben “kaum Kulturkontakt in der Jugend gehabt” – und sollen darum nach Meinung irgendwelcher Kulturfuzzis “nun mit zielgruppenspezifischen Programmen angesprochen werden.”
Kulturkontakt, eine grandiose Wortkonstruktion. Ich dachte immer, Kultur wäre, was Menschen so machen.
Wie also kann man “kaum Kulturkontakt” haben? Zumal als komplette “verlorene Generation”?
Es ist erschütternd, aber Kultur scheint in Deutschland – und leider auch für die FDP, auf deren Veranstaltung das zitierte Gefasel stattgefunden hat – nur dann als solche zu gelten, wenn sie mit Steuergeld bezuschusst werden muss, damit sie überhaupt jemand betreibt.
Wenn 70.000 zumeist junge Menschen freiwillig viel Geld zahlen, um auf einem niedersächsischen Acker unter widrigsten hygienischen Bedingungen drei Tage lang ihren ganz eigenen Lifestyle zu zelebrieren zählt das offenbar ebenso wenig wie wenn 1,6 Millionen Menschen durch Dortmunds Straßen ziehen und ein Fest feiern, dass ausgerechnet diese “verlorene Generation” erst geschaffen hat. Und statt wenigstens die echten Klassiker unter den Computerspielen als Kulturgüter zu betrachten, erwägen die wahren Kulturbanausen (vornehmlich welche aus CDU und CSU) regelmäßig deren Verbot.
Es gibt keine verlorene Generation. Höchstens leichte Verständnisprobleme unterschiedlicher Generationen untereinander aber so schlimm ist es nun auch nicht, dass diese Generation, so wie jede vor ihr, nunmal irgendwo auch ihre eigenen kulturellen Bräuche pflegt.
Kulturgüter aus früheren Zeiten, Veröffentlichungen von Goethe, Beethoven oder Caspar David Friedrich zum Beispiel, müssen deswegen weder verlorengehen noch in Vergessenheit geraten. Aber Kultur im Wesentlichen auf Dinge zu reduzieren, die mindestens 200 Jahre auf dem Buckel haben, ist einfach nur traurig.
Parteiendiktatur
Ende April beschäftigte ich mich schonmal mit dem Thema Meinungsfreiheit in Parteien. Damals gings um Wolfgang Clement, der sich einen Tick zu diebisch über die verlorene Wahl von Andrea Ypsilanti in Hessen gefreut hat – obwohl beide ja nunmal Top-Persönlichkeiten der Sozialdemokratishen Partei sind und damit eigentlich am selben Strang ziehen sollten.
Da scheinen sich die Wogen inzwischen etwas zu glätten aber das scheint für die SPD nur der Auftakt gewesen zu sein. Der DJ Paul van Dyk, der offenbar in der SPD ist und sich nun einmischt, hat ziemlich böse gegen den Vorsitzenden gestänkert, was in der Chefetage der Partei für weiteren Wirbel sorgt. Und ein Internetforum mit dem recht eindeutigen Titel „Keine Zukunft mit Kurt Beck“ wurde jetzt offenbar auch durch Initiative von ganz oben dichtgemacht.*
Bei den Grünen kam dafür Margareta Wolf offensichtlich einem Parteiausschlussverfahren zuvor, indem sie aus der Partei ausgetreten ist. Ihr Vergehen: Eine von der Partei abweichende Meinung zur Atompolitik. Auch Oswald Metzgers Weggang von den Grünen vor einiger Zeit hatte seine Gründe natürlich in Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und der Partei.
Bei all diesen Fällen stellt sich die Frage, wieviel Meinungsfreiheit eine Partei verträgt und ab wann Rügen, Parteiausschlüsse, mobbingartige Vorgänge, Streitereien und Ähnliches nicht mehr nur verständlich, sondern auch wirklich zu rechtfertigen sind.
Was inhaltliche Fragen angeht, so sollte innerhalb von Parteien eigentlich alles toleriert werden, was in der Basis diskutiert wird, beziehungsweise was Mitglieder so denken und sagen. Insofern enttäuschen die Grünen da und legen eine wenig tolerante Art und Weise an den Tag.
Grundsätzlich sollte es auch erlaubt sein, die Parteiführung zu kritisieren und anzugreifen, wenn einigen das nötig erscheint – und in der SPD scheint das so einigen sehr nötig zu erscheinen. Allerdings sollte eine gewisse Fairness dann doch gewahrt bleiben. Ich kenne dieses Forum nicht näher, habe aber den Verdacht, dass ausreichende Fairness hier insofern vorhanden war, als dass Kurt Beck selbst oder seine Befürworter vermutlich für ihn hätten eintreten können, statt mit Kritiker einfach mundtot zu machen und deren Treffpunkte wo immer es geht zu schließen.
Ich kann solche Vorgänge höchstens versuchen, nach FDP-Maßstäben zu bewerten. Mal angenommen, jemand würde ein Forum „Westerwelle muss weg“ betreiben, in dem sich Menschen aus der FDP „zusammenrotten“, um sich gegenseitig in dieser Meinung zu bestärken oder sogar eine entsprechende Abwahl zu organisieren und das ganze Fände auf Servern des Bundesverbandes statt (z.b. bei my.FDP.de, dem Sozialen Netzwerk der FDP) – wie weit ginge die Toleranz wohl bei uns? Es ist ja nicht so, dass die FDP ein einziger großer Guido-Westerwelle-Fanclub wäre, die „One-Man-Show“-Vorwürfe sind noch nicht allzulange her und haben irgendwo ja ihre Berechtigung.
Ein kritisches Diskussionsforum zu diesem Thema habe ich im Sozialen Netzwerk der FDP nicht gefunden, die FDP-Umfragewerte animieren aber im Gegensatz zur SPD bei uns auch nicht zu irgendwelchen heftigen Auseinandersetzungen oder Panikhandlungen.
Allerdings würde ich (und vermutlich nicht nur ich) es meiner Parteiführung extrem übel nehmen, wenn sie ein Problem mit ihrer Kritikfähigkeit hätte. Irgendwo gehört dass zu einer Demokratie dazu – erst recht, wenn Parteien dank ihres Sonderstatus die Macht besitzen, die sie in Deutschland haben.
Auf reine Wähler müssen solche Machtdemonstrationen zulasten der Meinungsfreiheit zwangsläufig negativ wirken. Wenn nichtmal die eigenen Leute sagen dürfen, was sie denken, wieso sollten die da oben dann ausgerechnet einem schnöden Basismitglied der Bundesrepublik Deutschland und seiner Meinung eingehendere Beachtung schenken?
Vielleicht helfen auch hier die Forderungen, die aktuell bei den Freunden der offenen Gesellschaft zu lesen sind, ein möglicher Ausweg:
“Wir brauchen eine Personalisierung des Wahlrechts: Die Unabhängigkeit des Politikers von der Partei bricht deren Macht. Wir brauchen mehr direkte Demokratie-Elemente, schon allein, um die Strategie der Ministerialbürokratie zu konterkarieren, Gesetze, Verordnungen und Erlasse so umfangreich und kompliziert zu formulieren, dass schon der Ausschußsekretär im Bundestag keine Chance mehr hat, sie zu erfassen.
Wir brauchen ein Ende der Parteienfinanzierung und wir müssen befreít werden vom kumulierten Meinungsmonopol von Parteien und dem von ihnen beherrschten öffentlich-rechtlichen Medien. Nur dann kommt das Ende der Diktatur der Spin-Doctors.”
Das sind schon bedenkenswerte Überlegungen, die Grundsätzlich meinen Segen hätten. Nur: Die, die darüber zu entscheiden haben sind die, die in diesen Fällen wohl am Meisten verlieren würden. Parteiämter und öffentliche Mandate konzentrieren sich nunmal leider oft auf die selben Personen.
Dass Parteiapparate massiven Einfluss auf die Äußerungen einzelner menschen haben und auch ausüben ist ein Mangel an demokratischer Vielfalt, ein Missstand unserer Demokratie. Und solange derart hohe Marktzugangsbeschränkungen für neue Parteien bestehen (tausende Unterstützungsunterschriften vor Wahlen plus Fünf-Prozent-Hürde als zusätzliche Diskriminierung kleiner Parteien), ist möglichst viel Meinungsfreiheit, Transparenz und Chancengleichheit innerhalb der etablierten Parteien nicht allein deren Angelegenheit, sondern letztlich eine Frage des Gemeinwohls und der Demokratie insgesamt.
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*Dazu muss man sagen, dass sich das Forum auf einem SPD-eigenen Sozialen Netzwerk befand – dort allerdings in einem Bereich, der nur SPD-Mitgliedern zugänglich ist, während dem Netzwerk jeder beitreten kann, was ich übrigens auch irgendwann mal spaßeshalber getan habe.
Tach der Niedersachsen läuft an
An sich ja schön, dass in Winsen mal richtig was los ist.
Aber muss das wirklich sein, dass der Tag der Niedersachsen mit Stadtwerke Winsen, Die Insel, Sparkasse Harburg-Buxtehude, Volkswagen, Nord LB und Lotto Niedersachsen ausschließlich Staatsunternehmen als Hauptsponsoren hat? Konnte man nicht versuchen, freie Geldgeber zu finden, statt so indirekt den Steuerzahler zur Kasse zu bitten?
Naja und das Programm ist alles in allem scheinbar schwerpunktmäßig für die Zielgruppen Kinder und Jugendliche bis 15 und Erwachsene ab 35/40 aufwärts zugeschnitten. Das ist okay, vermutlich ist das für Familien ne ziemlich lockende Kombination.
Aber beim Hessentag gabs dagegen beispielsweise Kracher wie Fettes Brot oder Jan Delay, Grönemeyer und Badesalz und nicht zu vergessen Die Ärzte.
Die Highlights in Winsen an diesem Wochenende sind dagegen Extrabreit und eher unbekanntere, aber feine Bands wie 104 Elements oder Rock n Roll Deputyz. Nicht schlecht, wirklich nicht – aber doch kein Vergleich mit den Highlights aus Hessen!
Naja, hoffen wir im Interesse meiner Heimatstadt aber all diesen Widrigkeiten zum Trotz, dass das Wetter doch noch überraschend aufhört so scheiße zu sein und die Menschen nur so in Scharen herströmen. Wie gesagt: Für Familien ist das sicherlich der Hammer, es gibt wirklich viel zu sehen, auch außerhalb des Showprogramms und Winsen ist alles in allem auch ein hübsches kleines Städchen, dass sich, so mein Eindruck beim durchfahren vorhin, zu diesem Wochenende natürlich nochmal besonders rausgeputzt hat.
Also nicht von meinem Genörgle abhalten lassen und sich selbst ein Bild machen;)
Servicetipp am Rande: Wer einfach nur so durch Winsen fahren will oder muss sollte beachten, dass die wichtigen Straßen alle gesperrt sind, wie ich heute mittag schon leidvoll erfahren musste…
Bundesweite Alkoholverbote in Planung
Kaum lobt man, wenn auch nur ganz vorsichtig, mal die Bundesregierung, schon planen die Berliner Häuptlinge weitere Freiheitsberaubung.
Weil die Baden-Württemberger Regierung verrückt geworden ist und die Drogeninquisitorinbeauftragte der Bundesregierung Sabine „irgendwann-verbiete-ich-Euch-auch-noch-das-Rauchen-im-Auto“ Bätzing im Zweifel immer für Verbote zu haben ist, denken die klügsten Männer und Frauen der Welt in Berlin nun über bundesweite Alkohol-Verkaufsverbote nach.
Erstmal an Tankstellen und Raststätten und erstmal zwischen 22 und 6 Uhr. Man muss kein Prophet sein um vorherzusehen, dass das nur ein Anfang sein dürfte. Denn in einem Land, in dem die Freiheit des Einzelnen schon lange nichts mehr gilt und die Volksgesundheit zunehmend zulasten unserer Rechte optimiert wird, kann das endgültige Ziel sowieso nur die totale Prohibition sein.
Ja klar, in diesem Fall geht es – wie immer – nur darum, die Jugend vor Alkohol zu schützen. Scheinbar rennt die nachts permanent in die Tankstellen und Autobahnraststätten und kauft sich Stoff.
Wobei sich dann doch die Frage aufdrängt, wie Menschen unter 18 denn bitteschön zu Autobahnraststätten kommen sollen.
Und überhaupt sieht jeder Blinde, dass das ein vorgeschobenes Argument ist. Als ich noch keine 18 war, da hab ich mir meine Bierchen nämlich tunlichst nicht an der Tanke gekauft, wo sie erheblich teurer gewesen wären, sondern bin rechtzeitig vorm gesetzlich verordneten Ladenschluss in die Supermärkte gegangen.
Normalerweise wurde ja auch irgendwann mal ein Jugendschutzgesetz beschlossen, damit erwachsene Menschen nicht entmündigt werden müssen, nur weil manche Eltern versagen.
All das zeigt uns doch, dass es kein bisschen um Jugenschutz geht sondern dass hier das Wohlergehen junger Leute vorgeschoben wird, um den Menschen politisch nicht gewünschte Verhaltensweisen abzugewöhnen.
Liberalisierung der Hochzeit – nach 133 Jahren
Ich habe sicherlich öfter mal den Eindruck erweckt, als würde die Größte Koalition aller Zeiten in Berlin nichts anderes tun, als unser aller Freiheit in Salamitaktik einzuschränken.
Das ist natürlich falsch und wie wir heute bei Spiegel-Online, dem größten Online-Nachrichtenmagazin aller Zeiten nachlesen können, stellt die Bundesregierung das jetzt unter Beweis. Denn Heiraten darf man künftig auch dann, wenn der Staat zuvor noch nicht seinen Segen zur Ehe dazugegeben hat.
In meinem jugendlichen Leichtsinn war ich zwar bisher davon ausgegegangen, dass das schon imm möglich gewesen ist aber laut Spiegel-Online mussten Geistliche seit 1875 mit Strafen rechnen, wenn sie staatlich unverheiratete Menschen verheirateten.
Trotzdem bitter, dass man sich in Berlin bei solchen Lapalien zu mehr Freiheit durchringen kann, während bei den wirklich wichtigen Themen im Zweifel immer für mehr Staat und dessen Einmischung in privateste Angelegenheiten votiert wird.
Motorsport á la Feuerstein
Kopfschüttelnd und wortefehlenderweise möchte ich kurz auf den jüngsten Erguss des “Fachforums Ökologie” der Grünen Jugend Bayern aufmerksam machen:
“Frei nach dem Prinzip “we love to entertain you” wird hier dem Klima eingeheizt. Dieser sinn- und zwecklose “Sport” muss endlich verboten werden! Die Grüne Jugend Bayern fordert deshalb ein weltweites Verbot jeglicher Formen des durch umweltschädigende fossile Brennstoffe betriebenen Motorsports”, erläutert Stefan Christoph, Sprecher der Grünen Jugend Bayern.
heißt es da.
Nicht das mich persönlich Motorsport interessieren würde aber muss man sich unbedingt auf Sachen stürzen, die Millionen Menschen faszinieren und lieben?
Und wenn man diese Frage schon mit ja beantwortet, warum dann nur den Sport verbieten und nicht gleich den gesamten motorisierten Verkehr?
Wäre doch wohl viel umweltfreundlicher und wenigstens konsequent. Vermutlich außerdem auch ehrlich.
Die Überschrift der Meldung lautet übrigens
“Motorsport neu gedacht – Familie Feuerstein ist unser Vorbild!”
Alles klar, ihr Steinzeit-Fans. Noch deutlicher kann man seine fortschrittsfeindliche Einstellung kaum zeigen. Und mit solchen Leuten solls mal nach Jamaika gehen? Ich weiß ja nicht.