Filterblog

Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Gähn

Das Thema Alkoholverbote hab ich jetzt ne ganze Weile mal schleifen lassen, weils scheinbar sowieso nicht mehr aufzuhalten ist.

Aber in Amberg hat man jetzt in der kompletten Altstadt das Alkoholtrinken in der Öffentlichkeit verboten und das ist mir jetzt schon mal wieder nen kurzen Hinweis wert gewesen.

Verhindert werden soll dadurch das so genannte “Gruppensaufen” von Jugendlichen” und selbstverständlich hält das die Amberger Stadtväter nicht davon ab, es jedem mündigen Bürger zu verbieten.

Mir scheint, man hat sich folgendes gedacht: Jeder darf zwar grundsätzlich tun und lassen was er will aber wenn zuviele Menschen die ihnen gewährte Freiheit nutzen, sollten sie mit einem Verbot rechnen. Freiheit scheint für manche Menschen seinen Sinn darin zu haben, sich bloß frei zu fühlen. Dass sie aber wirklich wahrgenommen wird, ist dagegen nicht unbedingt erwünscht.

Genau: Berlusconi an die Luhe!

Welt-Online unterstellt, die Menschen in meiner kleinen Kreisstadt würden Silvio Berlusconi als Stadtrat “lieber sehen als irgendwo anders” – was ich mal empört zurückweisen möchte.

Aber ich fühle mich geschmeichelt, dass man scheinbar automatisch immer auf Winsen an der Luhe kommt, wenn man grade spontan den Namen einer x-beliebigen niedersächsischen Provinzstadt sucht.

Dabei geht es in dem kleinen Artikel eigentlich eher darum, dass der neue niedersächsische CDU-Chef David McAllister die Mandatsaltersgrenze für Kommunalpolitiker weghaben möchte.

Dagegen habe ich gar nichts einzuwenden, auch wenn Kommunalparlamente nicht grade vor Jugendlichkeit strotzen. Ich würde sogar noch weiter gehen und neben dem passiven auch das aktive Wahlalter in Kommunen auf 16 herabsetzen, damit man sich auch in dem Alter schon wählen lassen kann. Die “Gefahr”, dass das wirklich mal passiert, ist, da kann ich wohl getrost Entwarnung geben, ohnehin eher gering und eine echte Notwendigkeit für die ab-18-Regel sehe ich so nicht – abgesehen von einigen rechtlichen Punkten, an denen man nachbessern müsste (ich bin mir nicht sicher, ob minderjährige Ratsmitglieder z.B. in Aufsichtsräten von Betrieben der Kommunen sitzen dürfen).

Berlusconi dürfen die Italiener aber trotzdem herzlich gern behalten.

Einbürgerungstest

Warum wir unbedingt einen Einbürgerungstest brauchen, ist mir bisher nicht klar geworden.

Ich gehe aber auch ganz naiv davon aus, dass wer unbedingt Deutscher werden möchte, sich das gut genug überlegt hat, um es ernst zu meinen. Mir persönlich langt das voll und ganz als Vorbedingung, weil derjenige sich immerhin mehr Gedanken darüber gemacht hat, als ich oder die meisten anderen Deutschen es je machen mussten – denn ich bin seinerzeit ja nur per Geburt, also eher zufällig, deutscher Staatsbürger geworden.

Aber wenn denn unbedingt so ein Test her muss, warum auch immer, dann kann ich damit leben. Dadurch wird eben von den neuen Deutschen erwartet, dass sie sich nicht nur mit der Frage ob sie Deutscher werden wollen auseinandersetzen, sondern auch mit Kultur und Gesellschaft des Landes.

Ich gehe in einem weiteren Anflug von Naivität davon aus, dass man das sowieso tut, wenn man Bürger eines anderen Landes werden möchte. Immerhin muss man ja Gründe dafür finden, irgendwo Bürger zu werden – ich würde es jedenfalls so machen, wollte ich auswandern.

Die sieben bisher veröffentlichten Fragen sind auch nicht schwer, auch wenn Politiker aus SPD, Grünen und FDP das anders sehen mögen.

Gefragt wird zum Beispiel:

  • Wie viele Bundesländer hat die Bundesrepublik Deutschland?
  • Welche Aufgaben die parlamentarische Opposition im Bundestag hat
  • Was wollte Willy Brandt mit seinem Kniefall 1970 im ehemaligen jüdischen Ghetto in Warschau ausdrücken?
  • Wann wurde die Bundesrepublik Deutschland gegründet?
  • Ab welchem Alter ist man in Deutschland volljährig?
  • Was es bedeutet, dass Jugendliche mit 14 Jahren strafmündig werden und
  • Wie die Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens heißt.

Insgesamt solls 310 solcher Fragen geben und alle kann man sich vorher ansehen. Ein Test besteht dann aus einer Auswahl von 33 Fragen daraus und von denen muss man 17 richtig beantworten.

Natürlich: Aus dem Stand sind ein paar der Fragen schon ne Nummer für sich. Was Willy Brandt genau ausdrücken wollte zum Beispiel, das weiß nicht unbedingt jeder. Aber dass er mit seinem Kniefall nicht Unterwerfung gegenüber dem Warschauer Pakt signalisiert haben wird, wie als Antwort vorgeschlagen wird, dass kann man sich doch wohl denken.

Mit den jeweils vorgegebenen Antworten ist der Test spätestens nach einiger Vorbereitung wirklich machbar, zumal man ja fast die Hälfte der Fragen auch noch falsch machen darf.

Wer Bock hat, kann das bei Spiegel-Online selber mal austesten.

Trotzdem: Statt solche Tests auszuarbeiten, sollten sich unsere Herrschaften im Bundeskabinett lieber darum kümmern, dass man gerne Deutscher ist oder werden will – und vor allem: Bleiben will.

Und würden bei uns einfach alle Menschen gleich behandelt werden, egal welcher Nationalität sie angehören, bestünde für viele Einwanderer vielleicht gar nicht so sehr der Wunsch, die deutsche Staatsbürgerschaft zu erhalten.

Noch mehr politische Unkorrektheiten

In einer StudiVZ-Gruppe mit eher mittelprächtiger Satire ein Nachbarland beleidigen, führt zu ernsten Konsequenzen, wenn man einer politischen Jugendorganisation angehört.

Das Gleiche mit dem eigenen Land zu machen scheint nichtmal eine Zeitungsschlagzeile wert zu sein. Inzwischen berichtet Welt.de auch schon darüber (dank an Jens für den Link).

Dieses Bild, dass inzwischen nur noch bei CDU-Politik.de zu finden ist, stammt vom Parteitag der Grünen Jugend – auf deren Website wurde das Originalbild auch zunächst veröffentlicht:

Nur falls jemand nicht auf Anhieb erkennt, was da vor sich geht: Das, was da auf dem Boden liegt, ist eine Deutschlandfahne, die Herrschaften außen rum pissen grade drauf.

Streng genommen dürfte das mindestens in der Nähe eines Gesetzesbruchs liegen, wenn man denn ne Riesensache daraus machen wollte.

Nun halte ich persönlich nicht besonders viel von diesem Paragraphen:

§ 90a
Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole

(1) Wer öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3)

  1. die Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder oder ihre verfassungsmäßige Ordnung beschimpft oder böswillig verächtlich macht oder
  2. die Farben, die Flagge, das Wappen oder die Hymne der Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder verunglimpft,

wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Ebenso wird bestraft, wer eine öffentlich gezeigte Flagge der Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder oder ein von einer Behörde öffentlich angebrachtes Hoheitszeichen der Bundesrepublik Deutschland oder eines ihrer Länder entfernt, zerstört, beschädigt, unbrauchbar oder unkenntlich macht oder beschimpfenden Unfug daran verübt. Der Versuch ist strafbar.

(3) Die Strafe ist Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe, wenn der Täter sich durch die Tat absichtlich für Bestrebungen gegen den Bestand der Bundesrepublik Deutschland oder gegen Verfassungsgrundsätze einsetzt.

Weil ich in ihm eine ziemlich weitreichende Beschränkung der Meinungsfreiheit sehe. Für mich ist dass, was die jungen Grünen da gemacht haben ein dummer Streich und eigentlich nicht der Rede wert. Ähnlich eben, wie die Mitgliedschaft in StudiVZ-Gruppen, die “Auf Frankreich fahr ich nur auf Ketten” heißen.

Naja, der Unterschied ist halt nur der, dass in dem einen Fall womögiich gegen ein Gesetz verstoßen wurde und keine Zeitung drüber schreibt und in dem anderen Fall bestenfalls gegen die Regeln des guten Geschmacks, was aber zig Zeitungen eine Meldung wert war.

Ein Unterschied auch, dass die Rechten in diesem Fall nach Konsequenzen rufen, obwohl sie beim vermeintlichen StudiVZ-Kriegstreiber vorher noch sein Recht auf freie Meinungsäußerung gepocht haben. Bei den Linken ist es genau umgekehrt.

Auf die Idee, dass man entweder beides hin nimmt oder beides verbietet, kommt keine der beiden Seiten. Ich befürchte allerdings, dass man sich im Zweifel gegen die Meinungsfreiheit entscheidet, denn wenn es etwas gibt, das rechts und links verbindet, dann ist es die Notwendigkeit Freiheit einzuschränken als zulässiges politisches Mittel ohne weiteres hinzunehmen.

Immerhin: So schlecht kann es einem Land nicht gehen, in dem man sich über solchen Schwachsinn streiten muss.

StudiVZ-Spiesser

Vor einigen Tagen lernten wir bereits, dass Zugehörigkeiten zu den falschen StudiVZ-Gruppen, auch wenn deren “Programme” offensichtlich nicht ernst zu nehmen sind, politische Karrieren beenden können, bevor sie begonnen haben.

Jetzt haben sich Bewohner eines Ortes über eine Gruppe namens “Oestrich-Winkel: Studieren, wo andere für immer leben müssen” solange aufgeregt, bis diese aus dem Studentennetzwerk verschwunden (worden?) ist.

Bis vor kurzem war ich übrigens Mitglied in einer StudiVZ-Gruppe namens “Wannweil – langweil” und auch sonst wird im StudiVZ mit dem Herziehen über kleine, langweilige Ortschaften nicht gespart, genau wie die mal mehr mal weniger ironische Überhöhung von Wohnorten völlig normal ist.

Als jemand, der in einer für Außenstehende wahrscheinlich ähnlich klein und langweilig wirkenden Ortschaft groß geworden ist, weiß ich, dass sich dumme Sprüche keineswegs auf Internetverschmähungen beschränken. Ich weiß aber auch, dass nichts lächerlicher ist, als so etwas ernst oder gar persönlich zu nehmen. Wenn wer behauptet, mein Ort wäre öde/blöde, dann weiß ich es entweder besser und nehme ihn nicht weiter ernst – oder aber ich gebe ihm im Stillen Recht und raste trotzdem aus, mach dabei dann mich selbst und meinen Ort peinlich.

Die Oestrich-Winkeler haben sich jedenfalls nicht dafür entschieden, den Jux einen Jux sein zu lassen, drüber zu lächeln, vielleicht auch mal etwas selbstkritisch auf die eigene Ortschaft zu schauen.

Nein, sie haben richtig Stress gemacht und die örtlichen Jungsozialisten zu einer Art politische Spiesservertretung gemacht:

“Mit ihrem StudiVZ-Auftritt hat die Gruppe einen großen Personenkreis in der Bevölkerung von Oestrich-Winkel angegriffen”, sagt Sebastian Busch, Vorsitzender der Jusos im Rheingau. Die jungen Politiker schrieben deshalb im April an die EBS-Hochschulleitung und forderten, dass der StudiVZ-Eintrag gelöscht werden müsse. Dieser sei eine “erhebliche Belastung der Beziehung” zwischen der privaten EBS und den Oestrich-Winklern. Die Mitgliedschaft in solchen Gruppen werfe zudem “ein bedenkliches Licht auf die geistige Reife der betroffenen Personen (wohlgemerkt potentiellen zukünftigen Führungskräften)”

Die örtliche Hochschule verwies auf den Grundsatz der Meinungsfreiheit, wegen dem sie nichts wegen der StudiVZ-Gruppe unternehmen wollte. Meiner Meinung nach hat sie auf diese Weise nochmal versucht, den Leuten vor Ort ihr Gesicht zu lassen – denn sie hätten die Angelegenheit auch einfach eine Lächerlichkeit nennen und kopfschüttelnd zum Alltagsgeschäft zurückkehren können.

Insgesamt völlig überflüssiger Streit um gar nichts. Warum eine politische Jugendorganisation sich bei diesem Theater so hat einspannen lassen, kann ich auch nicht nachvollziehen.

Aber wahrscheinlich ist da wirklich sonst nix los, mit dem man sich profilieren könnte? Oder man wollte, ganz Sozialist, einfach nur auf einer Privaten Hochschule rumhacken – auch das wäre ja denkbar.

Oestrich-Winkel kriegt jetzt jedenfalls das für seine Verhältnisse denkbar größte Medienecho und steht dadurch gewiss schlechter da, als hätten seine Bewohner einfach eine alberne, 140 Leute zählende StudiVZ-Gruppe hingenommen – von der ohne diesen Schlamassel ja auch kein Mensch je gehört hätte.

Auch Nebensächlichkeiten können brisant werden

Wer sich selbst schonmal etwas intensiver im StudiVZ umgesehen hat, kennt diese politisch völlig unkorrekten aber für jeden denkenden Menschen erkennbar nicht ernst gemeinten Gruppen bestimmt, die zum Beispiel

  • Nach Frankreich fahr ich nur auf Ketten
  • Krieg ist scheiße, aber der Sound ist geil
  • Brot für die Welt – Fleisch für mich
  • Wär’ ich Kreuzritter gewesen, hätten wir Jerusalem noch

heißen.

Wer in solchen Gruppen ist, von dem wird wohl niemand erwarten, dass er wirklich einen “Leo” bei der Bundeswehr klaut und durch den Arc de Triomphe brettert, sich in seiner Freizeit Maschinengewehrgeknatter  anhört oder an einer Zeitmaschine tüftelt, um Jerusalem zu verteidigen.

Es gibt dort auch etliche andere, nunja, eher grenzwertige Gruppen, in denen sich teilweise sogar solidarisch mit irgendwelchen Diktatoren erklärt wird. Diese Sorte Scherz erlauben sich schätzungsweise hunderttausende StudiVZ-Nutzer. Ich möchte mal behaupten: Wären das alles potentielle Massenmörder, Militaristen oder gnadenlose Zyniker, wäre die Akademiker-Flucht aus Deutschland eher ein Segen als Fluch.

Nun sind StudiVZ-Nutzer aber meistens jung, haben dementsprechend Spaß an humoriger Provokation aller Art und denken dabei nicht unbedingt immer darüber nach, was humorlose Menschen über ihre manchmal derben Scherze denken könnten.

Die oben genannten und meiner Meinung nach allenfalls geschmacklosen, aber politisch absolut bedeutungslosen Gruppen, wurden nun einem 25-Jahre-jungen Politiker aus Hessen zum Verhängnis, der offensichtlich etwas bot, dass vielfach schmerzlich bei vielen jungen Leuten vermisst wird: Politisches Engagement. Er war Geschäftsführer eines Kreisverbandes seiner Partei, stellvertretender Landesvorsitzender der Jugendorganisation seiner Partei, Leiter eines Stadtverbandes dieser Jugendorganisation und Beisitzer des Stadtverbandes seiner Partei.

Jung, engagiert, interessiert und bereit viel Freizeit in die Politik zu stecken. Im Grunde genommen genau dass, was sich Parteien wünschen.

Das Bekanntwerden der oben genannten Gruppenzugehörigkeiten haben offenbar gereicht, um ihn zum Rücktritt von sämtlichen dieser Ehrenämtern zu bewegen, beziehungsweise ihn davon zu entheben.

Er hat nicht etwa eine Politik betrieben, die in Richtung eines Angriffskrieges ging, er hat auch nie dazu aufgerufen, die Spardosen von “Brot für die Welt” zu plündern um mit dem Geld Grillparties zu organisieren. Er hat einfach nur die beiden Mausklicks ausgeführt und war dann halt in den Gruppen, über die er vorher ein paar Sekunden lang geschmunzelt hatte.

Man kann sich jetzt hinstellen und sagen gut, aber von einem Politiker, auch einem jungen, erwarte ich immer und überall absolute ernsthaftigkeit und politisch unkorrekte Witze darf er nicht reißen, nichtmal auf einer politisch völlig unbedeutenden Internetplattform, die für derartige Späße bekannt ist.

Ich allerdings finde das übertrieben und albern und lasse daher auch jeden Hinweis weg, zu welcher Partei der junge Mann nun gehörte. Denn das ist nicht der Punkt. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass man in jeder Partei jemanden finden wird, dessen Karriere man ebenso leicht aus dem Takt bringen könnte.

Aber mein gut gemeinter Ratschlag an politisch Aktive StudiVZ-Mitglieder: Macht, wenn ihr in lustigen, aber geschmacklich umstrittenen Gruppen seid und da drin bleiben wollt, vielleicht besser euren Namen unkenntlich, damit Spaßbremsen in euren Parteien oder die Medien oder gar der politische Gegner auf allerbilligste Weise den großen Aufklärer auf Eure Kosten spelen können.

Denn der Öffentlichkeit ist im Zweifel wirklich egal, dass ihr halt keine mit allen Wassern gewaschenen Medienprofis mit PR-Abteilung seid, sondern neben eurem politischen Leben auch noch eine Jugend habt und ein Privatleben, dass ihr im Gegensatz zu bezahlten Polit-Profies beides nicht zu 100% der Politik unterordnen wollt oder könnt.

Wenn politisches Engagement wegen solcher Nichtigkeiten entwertet wird, ist das einfach nur schade und völlig übertrieben. Aber die Welt ist schlecht – das sollten wir auch dann bedenken, wenn wir uns in vermeintlich unpolitischen Kreisen darstellen und äußern.

Kostenloses Studium

Ein Mensch, der sich als “Jugendpolitischer Sprecher” vorgestellt hat, hat grade auf dem Die-Linke-Parteitag ein “kostenloses Studium” gefordert.

Hm. Dozenten, die kostenlos arbeiten? Im Freien, notwendigerweise? Denkbar. Aber nicht unbedingt der Qualität dienlich.

Wahrscheinlich meinte er dann doch ein gebührenfreies Studium und hat einfach nur verdrängt, dass jedes Studium unabhängig davon, wer es bezahlt, Geld kostet.

Diese Art von Versprechern passiert natürlich nicht nur Menschen, denen es nur darum geht, das irgendwer irgendwas bezahlt, dass dann für sie selbst “kostenlos” wird.

Aber bei solchen Leuten ist es in sofern etwas pikanter, weil man in dieser kleinen Sprachverdrehung auch absichtliches Ablenken davon sehen kann, dass natürlich alles etwas kostet, wenn es eine gewisse Qualität haben soll – egal zu welchem Preis man es anbietet.

Kurt Becks Regierung drängt Pokerspieler ins Internet

Jedenfalls dürfte das das Ergebnis des weitreichenden Pokerverbots sein, dass demnächst in Rheinland-Pfalz gilt.

Ausgenommen sind allerdings Partien, die an denen Becks Finanzminister über Konzessionen und Steuern mitverdient (nein, nicht aus offensichtlichen wirtschaftlichen Motiven, sondern wegen der “besseren Kontrollierbarkeit” – is klar;)…).

Becks Innenminister Karl Peter Bruch hat festgestellt:

“Zu dem Kreis der Pokerbegeisterten gehören immer mehr auch Jugendliche und Heranwachsende”

und was Menschen begeistert, das muss nach Meinung der Spaßbremsen und Miesmacher in den Regierungen aller Länder natürlich verboten werden. Wie üblich nicht bloß für die offen als problematische Zielgruppe anvisierten “Jugendlichen und Heranwachsenden” – sondern, logisch, für alle Menschen – jeden Alters, jeder geistiger Verfassung und ohne Rücksicht darauf, dass sie womöglich niemals süchtig nach auch nur irgendwas waren oder werden.

Und nur als Hinweis: In Sachsen gelten Pokerverbote schon eine ganze Weile. Die CDU steht der SPD in dieser Art Politik in absolut nichts nach. Wem Verbotspolitik auf den Sack geht, der kommt an der FDP schwer vorbei.

So geht es halt zu, in der “Verboten!”-Republik Deutschland: Rauchen, Trinken, Spielen – was Spaß macht und die Menschen den Alltag ausblenden lässt, wird von dem Alltag offensichtlich entrückten Politikern als unheimlich empfunden, kriminalisiert und scheibchenweise immer weiter eingeschränkt oder gleich verboten.

Man könnte das auch als Taschenspielertrick der Regierungen begreifen: Während wir uns nämlich über solchen Mumpitz aufregen, stellen wir unseren Regierungen wenigstens keine unangenehmen Fragen zu den horrenden Steuern, den kaputten Sozialkassen oder der Verschuldung.

Die größten Spieler mit den besten Pokerfaces sitzen wohl doch an den Kabinetts- und nicht an den Spieltischen.

Biosiegel für Menschen

Scherzanträge haben in politischen Jugendorganisationen eine gewisse Tradition.

Mein JuLi-Kreisverband hat zum Beispiel mal den Antrag gestellt, das Wahlmindestalter komplett aufzuheben und stattdessen den Wahlzettel durch einen kurzen Multiple-Choice-Test gültig zu machen. Das ganze sollte so eine Art satirischer Gegenentwurf zum durch Eltern ausgeübten Stellvertreterwahlrecht sein, dass damals grade mal wieder in Mode kam.

Und bei den Kollegen in Hessen habe ich mal einen Antrag gelesen, in dem die Schaffung einer öffentlich-rechtlichen Zeitung gefordert wurde, für die Jeder, der einen Briefkasten “bereithält” eine Gebühr zu zahlen hat. Eine klare Persiflage auf das Zwangsgebührensystem beim Fernsehen also.

Aber die Grüne Jugend kann das auch:

Der Bundeskongreß möge beschließen:

“Die Grüne Jugend setzt sich dafür ein, daß ein Regelwerk geschaffen wird, das regelt, unter welchen Vorraussetzung man sich das Biosiegel tätoowieren lassen darf. Wer das Biosiegel als Tatoo tragen möchte, muß sich vorher mindestens drei Jahre lang ausschließlich mit Lebensmitteln aus ökologischer Landwirtschaft ernähren und diese Ernährung auch danach einhalten. Es ist ein Abteilung in der Öko-Kontrollstelle DE-01 zu schaffen, die die Einhaltung dieser Regeln kontrolliert.”

Begründung: Auch KanibalInnen sollten die Wahl haben, sich ökologisch zu ernähren. Dazu muß es feste Regeln gibt.

Und solange nicht irgendwer auf die Idee kommt, dieses Siegel oder seine Voraussetzungen zur Pflicht zu machen, finde ich das ungeachtet meiner eigenen Einstellung zu Biosiegel und Öko-Food für eine witzige Idee.

Und solche Scherzanträge insgesamt für ein gutes Mittel, Kongresse und Parteitage ein wenig aufzulockern, ohne völligen Klamauk zu produzieren. denn es geht ja trotzdem immer um konkrete politische Anliegen, auf die man so aufmerksam machen kann.

Bilanz

Seit ungefähr 10 Monaten bin ich Kreisverbandsvorsitzender der Jungen Liberalen Harburg-Land. Die meiste Zeit davon war ich zwar 700 Kilometer weiter südlich im Praxissemester – mein Kreisverband hat sich trotzdem in dieser Zeit ganz erfreulich entwickelt. Die stetige Anwesenheit des Vorsitzenden ist wohl nicht zwingend erforderlich, wie es scheint.

Wichtige Voraussetzung dafür sind allerdings engagierte, aktive Kollegen, auf die ich mich verlassen konnte und kann.

Als ich damals angefangen habe, war eigentlich klar, dass der etwas eingeschlafene Verband erstmal ein bisschen geweckt werden musste. Die Treffen wurden zuletzt immer seltener, die aktiven Mitglieder dementsprechend auch (ich selbst habe mich, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, über Jahre so gut wie gar nicht mehr für die JuLis interessiert) und die Themen sowieso. Der Kreisverband existierte – das wars dann aber auch beinahe. Dagegen etwas zu tun, dass hatte also erstmal oberste Priorität. Und ich denke, da hat sich in den letzten Monaten auch einiges getan.

Wir haben endlich mal wieder einen Antrag beim Kreisparteitag der FDP gestellt, der insgesamt positiv aufgenommen wurde und nun weiter bearbeitet wird. Außerdem haben wir Bundes- und Landeskongresse besucht und werden dass auch in Zukunft wieder aktiver tun und uns dort auch programmatisch stärker beteiligen. Einer aus unseren Reihen ist jüngst ein weiteres Mal in den Landesvorstand der FDP gewählt worden, was uns außerdem noch einen gewissen “Draht nach oben” gibt.

Die Palette unserer Themen wächst beständig, genau wie die Aktivität unseres Kreisverbandes insgesamt. Darum ist es gut, dass die Harburger JuLis ihren Vorstand gestern erheblich verbreitert haben: Ab sofort haben wir mit Isabel Maria Lichtnau eine stellvertretende Vorsitzende für Programmatik und mit Phillip Franke einen stellvertretenden Vorsitzenden für Organisation. Für die Finanzen ist Lars Neffe verantwortlich.

Unter diesen erfrischenden Voraussetzungen freue ich mich nach der gestrigen Kreismitgliederversammlung auf meine damit gestartete zweite “Amtszeit” beim programmatisch aktivsten Kreisverband einer politischen Jugendorganisation im Landkreis Harburg.

« go backkeep looking »
  • Löffel voller Weisheit

    Beim Glühbirnenverbot kann man ja auch wirklich die Fassung verlieren! — Guido Westerwelle

  • Filterblog@Facebook


  • Switch to our mobile site