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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

E Pluribus Unum

So heißt dass neben JuLi-Blogs.de andere Blogaggregat, über dass mein Blog seit einer Weile ebenfalls “verteilt” wird.

Wasn das, n Blogaggregat?

Das ist, wenn man so will, eine Art Metablog: Viele, optimalerweise thematisch irgendwie verbundene, Blogs veröffentlichen ihre Artikel auf einer besonderen Seite, um auf diese Weise Lesern, die sich für bestimmte Themen interessieren, einfachen Zugang zu mehreren Blogs zu geben.

So verbindet die Autoren bei JuLi-Blogs.de vor allem ihre Mitgliedschaft bei den Jungen Liberalen, der Jugendorganisation der Freien demokratischen Partei – und ist damit zumindest nach meinem Kenntnisstand nach wie vor Vorreiter, weil es Ähnliches weder von den Jusos (SPD) noch von der Grünen Jugend (Bündnis 90 / Die Grünen) oder der Jungen Union (CDU / CSU) gibt.

Wer jedenfalls bei JuLi-Blogs.de reinklickt oder gleich den Feed abonniert, der kriegt meist politische Artikel, die immer von Menschen unter 35 stammen und liberaler Gesinnung sind. Obendrein betreiben die meisten Autoren aktiv Politik, sei es rein programmatisch bei den Jungen Liberalen, sei es in der Kommunalpolitik oder in andern FDP-Gliederungen.

E Pluribus Unum (oder kurz EPU) ist ebenfalls ein weitgehend politisches Blogaggregat. Das politische Spektrum ist etwas breiter, bewegt sich zwischen libertär (z.B. PAXX) und konservativ-liberal (wie der immer wieder gerne auch hier zitierte Zettel).

Was irgendwie passt. Ich zitiere mal Wikipedia:

E Pluribus Unum (lat.: aus vielen Eins) ist, unter anderem, der Wahlspruch der USA. Ursprünglich bezog er sich auf die einzelnen Bundesstaaten, die zusammen die Vereinigten Staaten bilden. Nach heutiger Interpretation bezieht sich E Pluribus Unum auf die verschiedenen Völker und Ethnien, aus denen das Volk der Amerikaner entstanden ist (Schmelztiegel).

“Aus vielen Eins” also. Man ist beileibe nicht immer einer Meinung, gibt dem Leser aber auf diese Art eben eine umfassende, liberale Sichtweise auf die Themen, die grade auf dem Tisch liegen.

Und dabei geht es nicht nur um originär politische Themen. Oekologismus.de befasst sich zwar mit Umweltpolitik, hält aber wissenschaftliche Fakten und Beurteilungen dagegen und vergleicht kritisch. Und das im vergangenen Jahr für den Grimme-Online-Award nominierte USAerklärt ist sowieso betont unpolitisch und möchte schlicht und einfach über Land, Leute und Kultur Amerikas aufklären, was dort seit Jahren auf informative und locker unterhaltsame Weise bestens gelingt.

Etliche der “EPU”-Blogs finden sich seit langem in meiner Blogroll, die beiden soeben genannten gehören dazu und B.L.O.G. und das Antibürokratieteam sind so ungefähr seit ich eine Blogroll habe auch in ihr vertreten.

Ich kann regelmäßiges anschauen oder abonnieren des “E Pluribus Unum“, hinter dem maßgeblich Daniel Fallenstein von den “Freunden der Offenen Gesellschaft” (auch die sind hier schon lange Zeit verlinkt) steckt also nur wärmstens empfehlen.

Da jetzt mein Theme wieder voll funktionsfähig zu sein scheint, weise ich darauf hin, dass die neuesten Artikel des EPU ab sofort in der Sidebar angezeigt werden. Und in der Blogroll findet sich das Aggregat nun auch wieder.

Besserwisser

Zum Wochenanfang lass ich mal eben den Besserwisser gegenüber der TAZ raushängen:

“Undenkbar ist, dass Jusos, Julis oder Jungunionisten an die Spitze einer Landespartei gewählt würden. Zumindest in diesem Punkt ist die GAL, trotz schwarz-grüner Senatsbeteiligung, noch anders gestrickt.”

Soweit sich das nicht bloß auf Hamburg beziehen sollte, ist die Aussage natürlich Quatsch.

Denn Philipp Rösler war seit seiner Wahl zum Landesvorsitzenden der FDP-Niedersachsen noch ungefähr zwei Jahre lang JuLi. Das ist er erst seit seinem Geburtstag in diesem Februar nicht mehr (der witzigerweise exakt am Tag der Hamburg-Wahl gewesen ist…).

StudiVZ-Spiesser

Vor einigen Tagen lernten wir bereits, dass Zugehörigkeiten zu den falschen StudiVZ-Gruppen, auch wenn deren “Programme” offensichtlich nicht ernst zu nehmen sind, politische Karrieren beenden können, bevor sie begonnen haben.

Jetzt haben sich Bewohner eines Ortes über eine Gruppe namens “Oestrich-Winkel: Studieren, wo andere für immer leben müssen” solange aufgeregt, bis diese aus dem Studentennetzwerk verschwunden (worden?) ist.

Bis vor kurzem war ich übrigens Mitglied in einer StudiVZ-Gruppe namens “Wannweil – langweil” und auch sonst wird im StudiVZ mit dem Herziehen über kleine, langweilige Ortschaften nicht gespart, genau wie die mal mehr mal weniger ironische Überhöhung von Wohnorten völlig normal ist.

Als jemand, der in einer für Außenstehende wahrscheinlich ähnlich klein und langweilig wirkenden Ortschaft groß geworden ist, weiß ich, dass sich dumme Sprüche keineswegs auf Internetverschmähungen beschränken. Ich weiß aber auch, dass nichts lächerlicher ist, als so etwas ernst oder gar persönlich zu nehmen. Wenn wer behauptet, mein Ort wäre öde/blöde, dann weiß ich es entweder besser und nehme ihn nicht weiter ernst – oder aber ich gebe ihm im Stillen Recht und raste trotzdem aus, mach dabei dann mich selbst und meinen Ort peinlich.

Die Oestrich-Winkeler haben sich jedenfalls nicht dafür entschieden, den Jux einen Jux sein zu lassen, drüber zu lächeln, vielleicht auch mal etwas selbstkritisch auf die eigene Ortschaft zu schauen.

Nein, sie haben richtig Stress gemacht und die örtlichen Jungsozialisten zu einer Art politische Spiesservertretung gemacht:

“Mit ihrem StudiVZ-Auftritt hat die Gruppe einen großen Personenkreis in der Bevölkerung von Oestrich-Winkel angegriffen”, sagt Sebastian Busch, Vorsitzender der Jusos im Rheingau. Die jungen Politiker schrieben deshalb im April an die EBS-Hochschulleitung und forderten, dass der StudiVZ-Eintrag gelöscht werden müsse. Dieser sei eine “erhebliche Belastung der Beziehung” zwischen der privaten EBS und den Oestrich-Winklern. Die Mitgliedschaft in solchen Gruppen werfe zudem “ein bedenkliches Licht auf die geistige Reife der betroffenen Personen (wohlgemerkt potentiellen zukünftigen Führungskräften)”

Die örtliche Hochschule verwies auf den Grundsatz der Meinungsfreiheit, wegen dem sie nichts wegen der StudiVZ-Gruppe unternehmen wollte. Meiner Meinung nach hat sie auf diese Weise nochmal versucht, den Leuten vor Ort ihr Gesicht zu lassen – denn sie hätten die Angelegenheit auch einfach eine Lächerlichkeit nennen und kopfschüttelnd zum Alltagsgeschäft zurückkehren können.

Insgesamt völlig überflüssiger Streit um gar nichts. Warum eine politische Jugendorganisation sich bei diesem Theater so hat einspannen lassen, kann ich auch nicht nachvollziehen.

Aber wahrscheinlich ist da wirklich sonst nix los, mit dem man sich profilieren könnte? Oder man wollte, ganz Sozialist, einfach nur auf einer Privaten Hochschule rumhacken – auch das wäre ja denkbar.

Oestrich-Winkel kriegt jetzt jedenfalls das für seine Verhältnisse denkbar größte Medienecho und steht dadurch gewiss schlechter da, als hätten seine Bewohner einfach eine alberne, 140 Leute zählende StudiVZ-Gruppe hingenommen – von der ohne diesen Schlamassel ja auch kein Mensch je gehört hätte.

Weg mit dem ideologischen Käse in der Schulpolitik

Muss das eigentlich sein, die Frage nach der richtigen Schulform vor allem auf die Länge der Grundschulzeit zu reduzieren?

Ich habe mit dem dreigliedrigen Schulsystem ja auch meine Probleme, besonders wenn es wirklich so verstanden wird, dass Hauptschule für “praktisch begabte”, das Gymnasium für “theoretisch Begabte” und die Realschule für alles dazwischen da sein soll, weil ich so eine Einteilung für vollkommen schwachsinnig halte. Auch aus eigener Erfahrung.

Aber es ist doch letztlich völlig Banane, wieviele Jahre lang man die Grundlagen des Lernens (eben im Schwerpunkt: Lesen, Schreiben, Rechnen) erlernt, bevor man endlich richtige Fächer bekommt. Wichtig ist nur, dass mans dann kann und normalerweise langen dazu vier Jahre aus.

Und es ist eigentlich auch völlige Nebensache, ob man einen Jahrgang in A-, B- und C-Kurse einteilt oder auf weniger “diskriminierende” Weise unterscheidet, wer wie weit ist. Worauf es ankommt ist nur, dass jeder in jedem Fach die Chance bekommt, dass zu leisten, was er zu leisten bereit und fähig ist.

Alles Andere ist doch nichts als ideologischer Käse.

Mindestlohn für Pizzafahrer?

Die Harburger Jungsozialisten argumentieren in Bezug auf Mindestlohn mit der schon häufiger gehörten Aussage, dass zum Beispiel ein Pizzaausfahrer sich von seinen 4-Euro Lohn diese Pizza selbst ja gar nicht leisten könnte.

Okay, ich könnte es mir jetzt ganz einfach machen und für, um in Hamburg zu bleiben, Airbus-Mitarbeiter Löhne einfordern, die es ihnen ermöglichen, von einem Stunden- oder wenigstens einem Monatslohn ein Flugzeug zu kaufen.

Wäre reichlich albern und ich sehe ein, dass ein Flugzeug doch was anderes als ne Pizza ist – aber grundsätzlich hinkt dieses Argument, man müsse sich dass Produkt, mit dem man beruflich zu tun hat gefällgst auch selbst leisten können ja schonmal.

In Wahrheit gibt es relativ wenige Jobs, die so gut bezahlt werden, dass man sich davon ständig das Produkt kaufen könnte, mit dem man tagtäglich zu tun hat.

Zumal der Pizzafahrer sein Produkt ja nichtmal herstellt, sondern nur verkauft. Ich hab noch nie gehört, dass irgendwer es sittenwidrig findet, dass sich zum Beispiel nicht jede Aldi-Kassiererin jeden Monat einen der Aldi-Computer und nicht jeder Autoverkäufer von seiner Provision für den Verkauf eines Autos gleich selbst eins für sich leisten kann (und gleiches dürfte für den weitaus größten Teil der Arbeitnehmerschaft gelten).

Bleibt die Frage: Ist Pizzafahrer wirklich ein Job, bei dem gesetzlich geregelt werden sollte, dass er zur Lebensgrundlage am besten gleich einer ganzen Familie taugt?

Ich weiß nicht, wie das in Hamburg so ist aber bei uns wird die Pizza hauptsächlich von Studenten ausgeliefert, die diesen Job nicht als Lebensaufgabe betrachten sondern sich nur ein bisschen was dazuverdienen wollen.

Wenn ich die Kollegen von den Jusos da richtig verstehe, dann verdienen ihrer Meinung nach Pizzafahrer ungefähr 40%-50% zu wenig. Aber gerade Essensbringdienste sind etwas, auf das wirklich jeder verzichten kann, wenn die Preise eine bestimmte Schmerzgrenze übersteigen. Vor dem Hintergrund glaube ich eher nicht, dass eine Lohnverdopplung unter dem Strich zu mehr ausgezahlten Löhnen insgesamt führen würde.

4 Euro in der Stunde sind natürlich nicht viel. Allerdings: Das Beliefern von Kunden mit Essen ist kein Ausbildungsberuf, das kann im Prinzip jeder mit halbwegs brauchbarem Orientierungssinn und Klasse-B-Führerschein machen. Entsprechend groß ist das potenzielle Angebot an Arbeitskräften - und das drückt auf die Preise.

4 Euro sind so wenig, dass sich jeder Lieferfahrer irgendwann überlegen wird, ob er nicht vielleicht doch einen etwas lohnenderen Job kriegen kann, auch wenn er dafür vielleicht eine Ausbildung machen müsste.

Bei einem Mindestlohn von 8 Euro wird er sich diese Frage womöglich gar nicht stellen. Dafür verkleinert sich die Zahl derer, die sich am Samstagabend mal ne Pizza bestellen, weil die ohne irgendwelche sichtbaren Gründe oder Qualitätssteigerungen plötzlich nen Euro teurer geworden ist. Ich unterstelle mal, dass nichtmal die Harburger Jungsozialisten steigende Preise ohne erkennbaren Mehrwert akzeptieren würden.

Was mir beim Thema Mindestlohn auch noch nicht klar ist: Wie stellen sich die in ihrem Ziel eines Mindestlohns längst vereinigten Proletarier aller Parteien denn vor, dass dieser angepasst wird? Gibts da dann eine Klausel für automatischen Inflationsausgleich? Vielleicht noch plus irgendwelcher Ausgleichsfaktoren für die natürliche Lohnentwicklung (also die, die tatsächlich durch Leistung gerechtfertigt wird und nicht durch per Gesetz angeordnete Löhne)?

Immerhin kennt man ja diese interessante Auffassung von Gerechtigkeit, dass nicht die Leistung des Einzelnen die tragende Rolle spielt, sondern sich Löhne insgesamt partout nicht auseinanderentwickeln dürfen, weil das ja Menschen ungleich macht und die Gefahr der Elitenbildung entsteht und so weiter. Diese ewige sozialistische Phobie gegen Menschen, die aus der Reihe tanzen könnten eben.

Produktivität und wirtschaftliche Gründe für die Höhe eines Lohns spielen bei solchen sozialistischen Überlegungen ohnehin keine Rolle, daran habe ich mich inzwischen ein bisschen gewöhnt. Aber wenn man dann nicht solche wahrscheinlich bürokratisch recht aufwendigen automatischen Anpassungen gleichzeitig einführt, können die drei oder vier (je nachdem, wie das Unions-Fähnchen gerade weht) sozialistischen Parteien bei jedem Wahlkampf schön um die Wette bieten, auf was der Mindestlohn “aus sozialen Gründen” unbedingt angehoben werden sollte.

Gesetzlich geregelte Mindestlöhne werden mir bis auf Weiteres suspekt bleiben, so sehr ich auch jedem von Herzen ein ordentliches Einkommen gönne. Aber um letzteres zu erreichen, scheint mir ein Bürgergeld dann doch der sinnvollere, weil wirtschaftlich sauberere und vor allem die Menschen nicht verhohlepiepelnde Methode zu sein.

Hallo, n-tv

Ist erst wenige Tage her, da stand in Eurem Videotext als Erklärung, wer Johannes Vogel ist, dass er der “Vorsitzende der Jungliberalen” wäre. Und heute steht bei euch im Internet der gleiche Mist:

julis.jpg

Ja ich weiß, es gibt noch mehr Menschen, die der Meinung sind, nur weil JuSos Jungsozialisten bedeutet, müssten JuLis logischerweise die Jungliberalen sein – aber normalerweise erwarte ich von bezahlten Journalisten, dass sie sich schon die Mühe machen, den Namen der Vereine richtig zu schreiben, dessen Vertreter sie einladen.

Darum extra für die n-tv-Redaktion (und ich weise daraufhin, dass ich den Sendernamen nicht nur richtig, sondern sogar “Corporate-Identity”-konform komplett klein schreibe! Ohne journalistische Ausbildung!!) nochmal eben die Erklärung:

JuLis, das steht für “Junge Liberale”, weil wir nämlich Liberale sind und gleichzeitig jung. Das gilt analog für junge Sozialisten und die JuSos wahrscheinlich auch aber die nennt ja trotzdem keiner “Junge Sozialisten”.

Der Pedant in mir würde es jedenfalls gut finden, wenn auf solche Kleinigkeiten ein bisschen mehr geachtet würde, vor allem wenn gut bezahlte Journalisten am Werk sind.

Im Gegenzug verspreche ich, auch weiterhin von “Enntehfauh” statt von “Enntiehwieh” zu reden, wie ich es schon manches mal gehört habe.

Neues vom Spocht

Und zwar vom für mich so langsam interessantesten Sport der Welt: Dem Reball. Nicht dass ich inzwischen mal Live ein Spiel gesehen hätte und noch weniger habe ich es jemals gespielt. Aber die Diskussionen und sportfeindlichen Äußerungen von Politikern und Medien sind absolut bemerkenswert, bezeichnend und hochinteressant.

Basierend auf dieser Pressemitteilung der Jungen Liberalen strickte sich das „Wochenblatt Elbe Geest“ folgenden netten Artikel zusammen:

2007-07-11wochenblatt-zu-reball.gif

Mit dem Artikel stimmt so einiges nicht, da wird beispielsweise vermutlich eine Pressemitteilung der Kreis-FDP mit der der Kreis-JuLis vermengt. Diese Angelegenheit ist aber zugegebermaßen nicht immer optimal kommuniziert worden und der Verfasser dieses Zeitungs-Artikels ist nicht der Einzige, der so langsam nicht mehr durchblickt, wer wofür steht.

Solange aber deutlich wird, dass ich konsequent auf meine liberale Position in Sachen Reball poche, ärgert mich das nicht weiter. Und wenn das Kommentare wie den rechts neben dem Artikel stehenden nach sich zieht, dann sehe ich das als Auszeichnung an: Jemand, der (wie die meisten der Verbotsforderer) ganz offensichtlich keine Ahnung hat, wovon er redet, im Artikel und im Kommentar unsachlich argumentiert (im Gegensatz zu allem was dort von uns so steht), so jemand darf mich gerne öffentlich als „für die Politik disqualifiziert“ hinstellen. Ich bin stolz darauf, von nun an zusammen mit meinen Mitstreitern (die das hoffentlich ähnlich sehen) das Medien-Etikett “Ungeeignet für die Freiheit einschränkende Politik” zu tragen.

Frechheiten wie „nichts Besseres zu tun“ sind die JuLis gewohnt. Meine Theorie ist ja, dass diese Unterstellung immer von genau denen kommt, die mit Freuden die etwas „sensationelleren“ Forderungen der JuLis abdrucken – dafür aber die vielen anderen Themen, mit denen wir uns beschäftigen, unter den Tisch fallen lassen.

Ich werde das mal beobachten, als Kreisverbandsvorsitzender werde ich nämlich dafür sorgen, dass wir regelmäßig Pressemitteilungen zu für uns wichtige Themen rausbringen. Ich bin gespannt, ob die wirklich wichtigen Themen auch im Wochenblatt ihren Widerhall in Form von Berichten finden, gehe in wohlwollendem Optimismus auch erstmal einfach davon aus.

Was mich an dem Artikel aber stört, ist die Vermengung von JuLis und FDP. Ja sicher, die JuLis sind die „offizielle“ Jugendorganisation der FDP. Aber wenn wir als JuLis uns anhören dürfen, dass wir „junge Wilde“ nicht einmal in der eigenen Kreistagsfraktion Rückhalt hätten, dann suggeriert dass doch, dass wir und die FDP der gleiche Verein sind.
Das trifft in meinem Fall irgendwie zu, ich bin ja in der FDP. Nur: Mit der Kreis-FDP habe ich mich bis jetzt aber nie wirklich auseinander gesetzt. Und ich sehe auch keine unbedingte Notwendigkeit nach Rückhalt dort. Unsinnige politische Positionen kann es auch in der eigenen Partei geben und nur um des lieben Friedens willen dann die Klappe halten, dass überlasse ich dann doch lieber Junger Union oder den JuSos. Wir sind da halt anders und notfalls auch mal unbequem – wenn es denn nicht anders geht. Ich fände es schlimm, wenn aufgrund unserer Feigheit unvernünftig gehandelt und entschieden würde.

Fest steht: Wir haben sehr vieles Besseres zu tun, als uns jahrelang mit einer Albernheit wie dieser zu beschäftigen. Wir werden aber durch desinteressierte, jugendfeindliche, verbotsgeile Medien und Politiker geradezu herausgefordert, uns einzusetzen.

Auf jedem Schützenfest und auf jedem Fussballplatz geht es gewalttätiger und gewaltverherrlichender zu, als es in unserer kleinen Stadt in der abgeschlossenen Halle zugehen würde. Wäre ich gemein (und noch dazu kein Liberaler), ich würde mit den Begründungen, dass ich Gewalt ablehne und die Menschenwürde durch sich gegenseitig tretende junge Menschen in Gefahr sehe, eine Kampagne gegen diese beiden Sportarten starten. Ich wäre sehr gespannt, wie konsequent mir als „Geläutertem“ ein Herr Wiezorek dann zur Seite springen würde und an meiner Seite gegen alles, was mindestens so gewaltverherrlichend ist wie Reball zu Felde ziehen würde.

Der Hinweis auf die Anzeigenkampagne ist eigentlich eine Frechheit und an Unsachlichkeit nicht zu überbieten. Für diejenigen, die das nicht aus erster Hand kennen: Es gab vom politisch verhinderten Reball-Anlagen-Betreiber eine Kampagne, die in der Tat geschmacklos war und die ich als wenig förderlich empfunden habe.

Ich war NICHT Reball-Spielen während dieser Kampagne – die ging auch über Monate, dazu hätte selbst meine legendäre Fitness nicht ausgereicht. Mal abgesehen davon wie idiotisch diese an sich Feststellung ist, ist es an Zynismus kaum zu überbieten mir zu unterstellen, ich würde mich auf einer sich nicht in betrieb befindlichen Anlage sportlich betätigen. Der Kommentator weiß doch selbst ganz genau, dass man bei uns (noch) kein Reball spielen darf, was soll also so ein Blödsinn? Er gehört doch zu denen, die mir (falls ich daran interessiert wäre) genau das verbieten wollen.

Die Anzeigenkampagne des Betreibers haben die Jungen Liberalen weder im Landkreis noch im Landesverband jemals gutgeheißen. Sie war auch nicht Thema unseres Engagements – sollte aber auch nichts damit zu tun haben, ob eine solche Sportart „gut“ oder „schlecht“ für Winsen oder den Landkreis ist.

Wir sehen, dass ein Betreiber einer Freizeitanlage und seine Kunden weniger Rechte haben sollen, als jene im Rest Niedersachsens und in vielen Ländern der Welt. Eine Anzeigenkampagne – und sei sie noch so geschmacklos – darf nicht der ausschlaggebende Punkt für die Beurteilung dieses Sachverhalts sein und wer aufgrund dieser Kampagne gleich die gesamte Sportart ablehnt, der tut damit auch jedem anderen Betreiber ohne eine solche Kampagne und natürlich den vielen Spielern unrecht.

Ein buntes Spielfeld, auf dem freiwillig zwei Mannschaften im Wettstreit um die beste Taktik und die bessere Fitness um Punkte kämpfen, erinnert vermutlich auch den fantasievollsten Waffennarren mehr an Sport, denn an einen Krieg.
Die eher Malerwerkzeugen ähnelnden Markierer eignen sich ohnehin nicht dazu, realistische Kriegsszenarien nachzustellen, selbst wenn dergleichen auch nur ansatzweise etwas mit der Sportart selbst zu tun hätte.

Als Kreisverbandsvorsitzender der Jungen Liberalen in Harburg-Land und als liberaler Demokrat wünsche ich mir, dass auch für junge Erwachsene attraktive Freizeitangebote nicht unnötig behindert werden.

Ich werde das Thema allmählich zu den Akten legen, um mich endlich wieder wichtigen Themen widmen zu können. Zumindest, sofern die weitere Entwicklung mich nicht zwingt, zu reagieren. Aber der Winsener Stadtrat will nach aktuellen Presseberichten wohl auf eine Berufung verzichten. Vielleicht hat es wirklich ein wenig Hirn geregnet in Winsen, auch wenn ich das eigentlich hätte mitbekommen müssen… Sogar der sonst von mir häufig angegriffene Oliver Berten findet, dass Steuergeld sinnvoller ausgegeben werden könnte als für zum Scheitern verurteilte Gerichtsverfahren gegen harmlose Trendsportarten.

Sollte der Kreis trotzdem in Berufung gehen, dann soll er das meinetwegen tun. Mein Vertrauen in die Justiz ist groß genug, um zu erwarten, dass auch höhere Instanzen nichts Menschenunwürdiges am Reball finden werden.

Peinlich wäre es aber schon, wenn es erst so weit kommen muss. Muss die Politik hier einmal mehr ihr ohnehin nicht allzu großes Ansehen gerade unter jüngeren Menschen aufs Spiel setzen?

Ich will, dass alt und jung tolerant und respektvoll miteinander umgehen. Der Großteil derjenigen, die über eine Ablehnung der Reball-Anlage zu bestimmen hatten und haben, dürfte wohl kaum zur Zielgruppe für diesen Sport gehören.

Zu Toleranz und Respekt gehört aber nicht nur, von jungen Erwachsenen Flexibilität im Job, Engagement in der eigenen Ausbildung, mehr ehrenamtliche Tätigkeit und nicht zuletzt die über unsere Sozialsysteme vor allem der heute jungen Menschen aufgebürdeten Belastungen zu verlangen.

Auch umgekehrt sollte Verständnis und Offenheit für die Interessen junger Menschen vorherrschen. Eine derart beliebte Sportart hat es verdient, dass sich ihre Gegner wenigstens mit ihr beschäftigen, sich mit dem Spiel auseinandersetzen statt reflexhaft mit Verboten und Ablehnung zu reagieren.

Es ist bezeichnend für unsere Gesellschaft, dass man sich mittlerweile so massiv für die Kritik an einem Verbot rechtfertigen muss, statt dass die eigentliche Verbotsforderung mal kritisch beäugt wird.

Wie weit ist es mit unserer Freiheit eigentlich her, wenn Verbieten von neuartigen, unbekannten Dingen und Aktivitäten der Normall fall geworden ist?

Politische Jugendorganisationen und Technik

Ich dachte grade so, dass es vielleicht interessant sein könnte die Newsfeeds von Junger Union, Jungen Sozialisten, Jungen Liberalen, Grüner Jugend und Sozialistischer Jugend zu abonnieren. Also schnell mal hingesurft – und relativ ernüchtert festgestellt, dass den genannten Vereinen außer dem Grünen-Nachwuchs diese eigentlich nicht mehr so ganz taufrische Technik unbekannt zu sein scheint.

Das ist nicht nur schade sondern ärgert mich auch ein wenig. Denn besser kann man interessierte junge Leute doch gar nicht erreichen, als per Feed. Das Newsletter längst sowas von out sind scheint man zwar bei den Mutterparteien weitgehend verstanden zu haben (die Feeds von denen habe ich nämlich schon länger alle abonniert). Gerade die Jugendorganisationen hinken da aber erstaunlicherweise noch hinterher, auch wenn die Seiten ansonsten gut gemacht sind und allesamt viel an Information und Material bieten. Daher geb ich mal die Hoffnung nicht auf und setze auf die nächsten Wahlen, die erfahrungsgemäß gerne als Anlass für umfangreiche Aufrüstungen unter politisch motivierten Seiten genutzt werden.

Die jungen Grünen könnten sich das zwar sparen. Ein wenig (leichte) Kritik habe ich aber auch hier zu üben. Ein Bild sagt hier vielleicht mehr als Tausend Worte:

jf-2007apr23_120730.jpg

Klar: Fällt auf und wirkt irgendwie jung und frech, was es vermutlich auch soll. Davon abgesehen tut es aber auch ein bisschen in den Augen weh, vielleicht doch mal über etwas angenehmere Farben nachdenken?

Auche die Vielfalt der abonnierbaren Feeds hat mich ehrlichgesagt erstmal eher verwirrt. Scheinbar versuchen die Grünen die Feed-Defizite der konkurrierenden Organisationen durch eine Art Überreaktion noch deutlicher herauszustellen:

feeds_gj.jpg

Mag ja gut gemeint gewesen sein aber irgendwie… naja. Ich hab mich spontan für den ersten der angebotenen Feeds entschieden, langt mir für meine Zwecke der rudimentären Information was die politische Konkurrenz so treibt, voll und ganz aus.

Trotzdem gefällt mir das Grüne Konzept am besten. Information in brauchbarer Form anzubieten ist wichtiger als beispielsweise irgendwelche Flash-Intros (wie bei der Jungen Union) oder extrem BILDhaft verkürzte Kampagnenslogans (wie bei den JuSos). Die Seite der Jungen Liberalen kommt mir dagegen schon ein wenig zu ernsthaft und nüchtern rüber.

Und die PDS-Jugendorganisation “Solid – Die Sozialistische Jugend” hat ihre Glaubwürdigkeit bei mir mit prominent platzierten Links zu ganz anderen Organisationen arg strapaziert. Was soll man von einer politischen Vereinigung halten, die direkt auf ihrer Startseite für mehr oder weniger eigenständige Organisationen wie Attac und Antifa wirbt? Ich weiß zwar, dass die politisch auf ähnlicher Linie wie PDS & Co liegen. Aber ein wenig mehr Selbstvertrauen hätte ich selbst von einem sozialistischen Verein erwartet.

Fazit: Es gibt einiges zu verbessern, wenn die großen politischen Jugendorganisationen ihren Beitrag zur Begeisterung des interessierten Nachwuchses für Politik und Demokratie leisten möchten, auch wenn ich keinen der erwähnten Internetauftritte als grottenschlecht einstufen würde.

  • Löffel voller Weisheit

    Mit einigen rühmlichen Ausnahmen, sind Geschäftsleute für die freie Marktwirtschaft im allgemeinen, aber dagegen wenn es um sie selbst geht. — Milton Friedman

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