Großes Trara um Sterbehilfe
Roger Kusch gehörte mal zur Regierung der schönsten Stadt der Welt.
Heute ist er hauptberuflich Sterbehelfer, wenn man so will.
Er hat einen Apparat entwickelt, mit dem sich Menschen sanft umbringen können. Der kam zwar noch nicht zum Einsatz, aber der Justizsenator a.D. hat einer 79 Jahre alten Frau Sterbehilfe geleistet.
Und es hagelt kritische Fragen und Vorwürfe: Darf der das? Wollte die Frau wikrlich? Ist das alles richtig?
Das Thema Sterbehilfe ist eigentlich immer heiß, diskutiert wird schnell emotional und es ist ja außerdem ein Thema, dass jeden irgendwie berührt – sofern man sich nicht für unsterblich hält.
Ich würde sagen, man kann in diesem Fall sicher davon ausgehen, dass die Frau wirklich sterben wollte. Das bedeutet natürlich nicht, dass man das Instrument Sterbehilfe nicht auch missbrauchen könnte und es bedeutet auch nicht, dass es nicht möglich wäre, Menschen zu überreden, sich beim sterben helfen zu lassen. Denkbar ist so Einiges in dieser verrückten Welt.
Aber reichen solche Argumente aus, um der Sterbehilfe und damit letztlich dem Wunsch von Menschen, sterben zu wollen, gesetzliche Riegel vorzuschieben? Ich denke nein. Nichts ist privater, als das eigene Leben und kein Mensch sollte irgendeinem Staat gehören, der an seiner statt bestimmen darf, ob ein Mensch leben oder sterben darf.
Eine andere Frage ist, ob man Sterbehilfe gewerblich betreiben dürfen sollte oder nicht. Geschäftemacherei mit dem Tod – ist das in Ordnung?
Die Frage ist eigentlich leicht zu beantworten: So wie Bestattungsunternehmen längst ihr Geschäft mit dem Tod machen und selbstverständlich, so makaber das auch klingt, mit mehr Leichen auch mehr Geld verdienen, so sollte das doch analog auf gewerbliche Sterbehelfer auch zutreffend sein.
Natürlich tu ich mich etwas schwer mit der Vorstellung, demnächst Werbespots von Kuschs Tötungsmaschine im Fernsehen zu sehen. Noch etwas skuriler wäre die Vorstellung von “Informationsveranstaltungen” in Altenheimen mit anschließendem Broschürenverteilen.
Das läge dann natürlich im Ermessen der Beteiligten, solche Werbemaßnahmen zuzulassen oder nicht aber das spricht ja so für sich genommen auch nicht dagegen, Derartiges gegen Geld anzubieten.
Der denkbare Missbrauch ist natürlich ein Thema. Aber keins, dass sich nicht auch vernünftig klären ließe. Man kann mit Zeugen arbeiten, mit Anwälten oder Notaren – Möglichkeiten gibts genug.
Ich bin der Meinung, man kann Sterbehilfe so regeln, dass sie sicher, menschlich und ethisch nicht nur als vertretbar, sondern auch als das einzig Richtige erscheint.
Und ich bin der Meinung, dass das jedem Kritiker letztlich auch klar ist. Das Brimborium das jetzt um Kusch gemacht wird und die emotionalen Ausbrüche, die solche Themen immer wieder hervorrufen, auch zum Beispiel als kürzlich das Thema Patientenverfügungen im Bundestag behandelt wurde, hat wohl letztlich seinen Ursprung in der Religion vieler Meinungsführer.
Für religiöse Menschen stellt sich die Frage nämlich anders. Das Schicksal des Betroffenen ist erstmal zweitrangig – vorher muss die Frage geklärt werden, ob er, also der Abgeordnete oder auch der Sterbehelfer, Gott spielen oder ihm zumindest assistieren darf. Wenn man den Vorzug genießt, nicht über einen konkreten Fall reden zu müssen, in dem vielleicht sogar ein Familienmitglied oder ein enger Freund oder Bekannter die tragische Rolle eines Sterbewilligen spielt, beantwortet sich die Frage nach dem Gottspielen sicher nicht mehr ganz so einfach.
Nur: Vielleicht ist der Betroffene gar nicht religiös? In dem Fall wäre es höchst unethisch, ihn den religiösen Regeln einiger Abgeordneter einfach so unterzuordnen.
Im Fall der Patientenverfügung, wo erst vor wenigen Tagen im Bundestag darüber debattiert wurde, ob der letzte Wille von Menschen, die im sterben liegen, unbedingt bindend befolgt werden müssen oder nicht, führt man noch ein anderes Argument an: Was, wenn der Patient zum Zeitpunkt des Abschaltens der Lebenserhaltenden Maßnahmen längst anderer Meinung ist, dass aber nicht mehr mitteilen kann?
Hier würde ich dafür plädieren, davon auszugehen, dass das nicht der Fall ist. Ich bin seit einiger Zeit Organspender und habe eingewilligt, dass man mir Organe entnehmen kann, wenn ich zwar technisch gesehen nicht mehr am Leben bin, mein Herz aber trotzdem noch schlägt. Selbstredend lässt es sich ohne Leber, Niere oder Herz erst recht nicht weiterleben, weshalb die Einwilligung zur Organspende natürlich nicht das Gleiche ist, wie eine Patientenverfügung – aber irgendwo artverwandt. Denn je nach Ausfertigung einer Patientenverfügung könnte die ja auch nahelegen, im Falle eines beinahe ausgeschlossenen Erwachens aus dem Koma, Lebenserhaltende Maßnahmen nach einer gewissen Zeit einzustellen.
Um die Einwilligung zur Organspende wird aber kein Glaubenskrieg geführt: Im Gegenteil: Hier diskutiert man ganz offen, ob nicht jeder Mensch von vornherein als Organspender gelten sollte und man dem erstmal widersprechen sollte. Das halte ich wiederum für nicht ethisch, zeigt im Zusammenhang aber ein merkwürdiges Menschenbild von Teilen der Politik auf die Menschen: Die Möglichkeiten jedes Einzelnen über sein Leben und seine körperliche Unversehrtheit zu etnscheiden, werden ohne große Bedenken beschnitten – wenn der Staat das selbe mit seinen Menschen tun will, dann finden sich plötzlich viele Befürworter.
Insofern muss man auf die ethischen Grundsätze diverser Meinungsfrüher nicht allzuviel Geben. Der Gesunde Menschenverstand empfiehlt allerdings: Ob bei Patientenverfügungen, Organspende oder Sterbehilfe, im Zweifel muss der Betroffene das entscheidende letzte Wort haben und das sollte dann auch möglichst respektiert werden.
PS: Da ich nicht müde werde, Organspendeausweise unter die Leute zu bringen, empfehle ich dir, lieber Leser, bei der Gelegenheit gerne nochmal, kostenlos einen zu bestellen. Man kann dort auch ankreuzen, dass man NICHT zum Spender werden möchte – dass nur als Tipp. Denn wer weiß, vielleicht setzen sich in diesem Land irgendwann doch diejenigen durch, die das Erstzugriffsrecht des Staates auf unsere Organe befürworten… ich empfehle allerdings, anderes anzukreuzen, Schließlich kann man selbst, die Freundin oder Frau oder die eigenen Kinder auch mal in die dumme Lage kommen, ein Spenderorgan zu benötigen.
Schule der Nation
Es ist schon ein bisschen Schizophren: Die Politik nimmt massiven Zorn in Kauf, wenn sie die Zeit bis zum Abitur um ein Jahr verkürzt, möchte aber nunmal dem Fachkräftemangel begegnen und jungen Menschen schneller ermöglichen, ein Arbeitsleben zu beginnen.
Auf der anderen Seite verpflichtet der Staat ständig junge Männer gegen ihren Willen zum “Dienst an der Waffe” und bildet sie zu Soldaten aus.
Selbst wenn man die Zwangsverpflichtung von Menschen für irgendwelche staatlichen Dienste in Ordnung findet muss man schon zur Kenntnis nehmen, das mit diesen Soldaten im Grunde keiner mehr etwas anfangen kann. Die Zeiten, in denen Bataillone voller Kanonenfutter benötigt wurden, sind halt vorbei, zum Glück!
Grenzwertig auch, dass Vater Staat sich inzwischen einerseits die Rosinen rauspickt und die Zahl derjenigen, die er ziehen muss, durch ständiges Ändern seiner eigenen Regeln herunterschrumpft. Wer noch vor 20 Jahren dazu taugte, Deutschland zu verteidigen, der ist es heute halt einfach nicht mehr. Auf diese Weise entgehen ziemlich viele dem Wehrdienst – ich bin einer davon.
“Wehrgerechtigkeit”, ein tolles Wort, das impliziert dass es irgendwie “gerecht” wäre, wenn möglichst alle hin müssten. Das war natürlich noch nie so. Frauen sind schließlich noch nie Wehrpflichtig gewesen, was das Argument, im Extremfall würde nunmal jeder gebraucht, irgendwie lächerlich erscheinen lässt. Und bei Männern waren schon immer etliche Gruppen ausgenommen. Ganz früher zum Beispiel musste man nur nach West-Berlin ziehen und war fein raus. Oder man musste der drittgeborene Sohn sein. Ich meine auch mal gehört zu haben, dass die Zugehörigkeit zu bestimmten Religionen oder Abstammungen von der Wehrpflicht befreit.
Alles sehr fragwürdig und skuril also und kaum mit Demokratie und Grundrechten vereinbar, jedenfalls meiner Ansicht nach.
Vernünftige Argumente für eine Wehrpflicht, die sich auf bürgerliche oder liberale Moral gründen, sind mir bisher nicht begegnet. Die sollten aber schon wesentliche Grundlage für so extreme Mittel wie Zwangsdienste sein. Es ist ja kein Pappenstiel, junge Menschen notfalls mit Gewalt dazu zu zwingen, einige Monate lang alle ihre Pläne zurückzustellen und sich ganz dem Willen einer nicht unbedingt beliebten Organisation unterzuordnen.
Wer meint, dieses “notfalls mit Gewalt” wäre jetzt ein bisschen arg übertrieben, dem hau ich mal eben folgende Pressemeldung um die Ohren:
“Jede Stunde wird Soldat Matthias Schirmer vom Logistikbataillon 142 in Viereck bei Pasewalk vom Diensthabenden geweckt. Dazu ein Bundeswehr-Sprecher der Heeresführung in Koblenz gegenüber unserer Redaktion: “Soldaten im Hungerstreik werden medizinisch überwacht, das ist so verfahrensüblich.” Schließlich sei die Bundeswehr für die Gesundheit ihrer Soldaten verantwortlich.”
Was die Bundeswehr “verfahrensüblich” nennt, nennen Menschenrechtler vermutlich Folter. Wenn man jemanden über längere Zeit jede Stunde weckt, dann ist das doch wohl nichts weiter als Schlafentzug und hat gewiss nichts mit irgendeiner gesundheitlichen Fürsorge zu tun.
Der junge Mann wurde von der Bundeswehr eingesperrt, weil er keine Befehle befolgen wollte – was irgendwo nachvollziehbar ist, weil er offensichtlich besseres zu tun hat, als für Leute den Hampelmann zu spielen, mit denen er nie etwas zu tun haben wollte. Noch dazu ohne irgend etwas anderes verbrochen zu haben als als “wehrtauglicher” Mann auf die Welt gekommen und seinen 18. Geburtstag erlebt zu haben. Gegen diese Behandlung protestierte er dann mit Hungerstreik und nun zeigt ihm Vater Staat eben wo der Hammer hängt – indem er scheinheilig einmal die Stunde “wie gehts?” fragt.
Mehr Berichte über diesen und einen weiteren Totalverweigerer bieten übrigens die Blogs Realsatire.net und Zwanglos.
Letzteres findet sich ab sofort auch in meiner Blogroll wieder.
Eine Frage des “Willens”
Wir haben kein Energieproblem, wir haben ein Energieumwandlungs- und Verteilungsproblem.
Und um das zu beseitigen, habe ich mir etwas ausgedacht. Da sich für den Radsport so langsam durch die alljährlichen Dopingskandale keine Sau mehr interessiert, könnte man doch diese dank der modernen Medizin zu wahren Maschinen gewordenen Sportler zur Stromerzeugung einsetzen – man braucht ja nur effiziente Dynamos an gängige Strampelmaschinen anzubringen. Energiespitzen könnten durch ein paar zusätzliche Hamster in Laufrädern kompensiert werden.
Die Technik ist da, die Sportler sind da. Einzig ein paar Fragen wären noch zu klären:
Verkraften die Franzosen es, wenn es keine Tour de France mehr gibt? Und Kann man sich auf einen gemeinsamen garantierten Einspeise-Tarif für solarthermischen Strom einigen? Denn die Sportler sind ja Spitzengagen gewöhnt und die ausbleibende Publicity muss ich ihnen irgendwie vergüten.
Völliger Schwachsinn? Stimmt. Aber so ähnlich kommt mir diese Desertec-Idee vor, von der Spiegel Online berichtet. Ich zitiere:
Die Technik ist da, die Industrie will investieren – nur die Politik zögert.
Die böse Politik! Warum zögert sie?
Eben weil die ach so investitionsbereite Industrie diese garantierten Einspeisepreise braucht, damit sich diese Weltverbesserungs-oder-gar-rettungs-Idee überhaupt lohnt. Mit anderen Worten: Die Zeit dafür ist noch nicht reif und bisherige Energieträger einfach immer noch – trotz der derzeitigen Rekordpreise – zu günstig.
Doch statt sich zurückzulehnen und auf die Marktreife zu warten, fordert die Solarlobby Preisgarantien, die natürlich zulasten der Kundschaft gehen und den vermeintlich uneigennützigen Umweltrettern die Taschen füllen.
Und Spiegel Online lässt sich für diesen Werbefeldzug auch noch gerne einbinden und titelt locker flockig “Wie Europa von Kohle und Gas loskommt” – und tut so, als wäre es (im Gegensatz zur Mondlandung – doch, den Vergleich bringen die!) allein eine Frage des Wollens:
“Die Technik ist da, aber am Willen mangelt es noch.”
Es könnte so leicht und bequem sein, Geld zu scheffeln. Wenn nur die vermaledeite Kundschaft nicht wäre, die ihre Kohle einfach freiwillig nicht rausrückt sondern auf einer angemessenen Gegenleistung besteht.
Zweiklassenmedizin
Heißt das Thema heute bei Maybritt Illner. “Gleiche Bedingungen für alle, und dann kann es auch Wahlrecht geben,” sagt Blüm dazu und scheint den Schwachsinn, der in diesem Satz steckt, nichtmal nachträglich zu bemerken. Wie war das noch beim alten Ford? Das T-Modell gibts in jeder Farbe, solange sie schwarz ist? Und Herrn Blüm ist auch egal, in welcher Krankenkasse ich bin, solange die ohnehin alle gleich schlecht sind. Wie großzügig von Herrn Blüm, der ja auch schon meine Rente gesischert hat (übrigens heißen Dank dafür nochmal!).
Ansonsten prallen in der Sendung eh Welten aufeinander. Währen zum Beispiel Otto Fricke von der FDP an die Erfahrungen von Einheitssystemen in sozialistischen Gesundheitssystemen erinnert, fordern Manche einen “fairen Wettbewerb” zwischen privaten und gesetzlichen Zwangskassen – die Regeln dieser Fairness werden aber natürlich vom Staat und damit vom Quasi-Hausherrn der gesetzlichen Kassen aufgestellt. Man ahnt, dass das eine eigenartige Sorte Fairness sein dürfte.
Und wenn dann die große Blüm/Lauterbach-Koalition moniert, private Krankenversicherung dürfe keine Rosinenpiekerei veranstalten, wird deutlich worum es geht: Private Versicherungen, Unternehmen also, die Steuern zahlen statt (wie die gesetzlichen Krankenversicherungen) Kosten, sollen sich verhalten wie gesetzliche Krankenkassen und nicht mehr soviel Wert auf Kostendeckung legen, wie bisher. Oder so ähnlich.
Der ursprüngliche soziale Gedanke, der hinter einer allgemeinen Krankenversicherung steht, bleibt bei solchen Denkmustern völlig auf der Strecke. Welchen Sinn sollen öffentlich geförderte Krankenversicherungen denn sonst haben, wenn nicht den, auch den wirtschaftlich schwachen und damit für private Versicherungen ungeeigneten Patienten zu versichern? Will man den privaten Vorschreiben, sich entgegen wirtschaftlicher Vernunft genauso zu verhalten, dann kann man sie auch gleich abschaffen und den Sozialismus im Gesundheitswesen perfekt machen.
Kurz- und Langfriststrategien gegen Ärztemangel
“Fast jeder dritte jetzt noch praktizierende Arzt wird nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen bis zum Jahr 2015 in den Ruhestand gehen”
und
Um aber eine Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen, müssten rund neue 430 Hausärzte gefunden werden.
Der Artikel nennt auch ganz offen die Ursachen, warum genau dass wohl nicht so einfach sein wird:
“Seit zehn Jahren wird mit Budgetierungen gearbeitet. Der finanzielle Handlungsspielraum wird für Ärzte immer kleiner, somit wird es immer schwieriger, eine Praxis wirtschaftlich zu betreiben.”
wird Oliver Christoffers von der Ärztekammer zitiert.
Die immer schlechter werden ärztliche Versorgung ist also im Grunde genommen der logische Nebeneffekt des Versuchs, “das Gesundheitswesen” von “Geschäftemacherei” zu trennen.
Nach meiner persönlichen Einschätzung ist der Haupteffekt übrigens auch nicht eingetreten, wie Kartelle zum Beispiel bei den Apotheken beweisen. Dass im Gesundheitsbusiness in Deutschland kein Geld verdient wird und es keine Abzockerei gibt sehe ich auch insgesamt mal als Binsenweisheit an.
Aber diese Erkenntnis löst natürlich keine Probleme. Sie wirft allerdings die Frage auf: Wozu leisten wir uns dann überhaupt noch ein derart überreguliertes Gesundheitssystem, dass zunehmend ungeeigneter und schlechter wird, woran jede der alle paar Jahre mit großem Tamtam vorgenommene Jahrhundertreform nichts ändert, jedenfalls nichts Positives?
Die “Geschäftemacherei” der freien Ärzteschaft wurde jedenfalls so gründlich durch die allwissende Staatswirtschaft bürokratisiert und verunmöglicht, dass viele fertig ausgebildete Ärzte lieber gleich ins Ausland gehen, wo sie für ihre Arbeit anständig bezahlt werden und wo sie nicht allein durch ihre Berufswahl Eigentum des Gesundheitsministeriums werden.
Eine entschlossene Maßnahme gegen zu wenig Ärzte wäre also ein Ausstieg aus der Planwirtschaft im Gesundheitswesen und Mut zur Marktwirtschaft. Leider wird es aber viel zu lange dauern, bis die Mehrheit der Menschen dass dann irgendwann mal begreift, weshalb kurzfristige Lösungen her müssen.
Medizin zu studieren ist meines Wissens nach gar nicht so einfach, es gibt ziemlich viele Bewerber und relativ wenige Stellen. Das sind Zustände, die sich zur Beseitigung des drohenden Mangels eigentlich ausnutzen lassen müssten.
Mein Vorschlag: Land und/oder Kommunen verteilen Stipendien, mit der Auflage mindestens soundsoviele Jahre in einer bestimmten Gegend zu praktizieren. Damit nimmt man nebenbei auch Studiengebühren-Gegnern ein bisschen den Wind aus den Segeln, weil man zeigt dass auch mit Gebühren für ausreichend Fachkräfte gesorgt werden kann.
An den grundlegenden Problemen des Systems und den zwingenden Bedarf den staatsbürokratischen Wahnsinn zu beenden ändert das natürlich nichts.
Doping: Pimp my Body
Es nervt irgendwie, obwohl mich Sport hauptsächlich in Formen von größeren Events wie Weltmeisterschaften oder Olympiaden interessiert. Aber auch an klassischen Dopingfällen bei großen Radrennen wie der Tour de France kommt man als Mediennutzer irgendwie nicht vorbei.
Bei jeder Sportart – und eigentlich bei jeder Art von Wettbewerb – gelten normalerweise fest vereinbarte Regeln. Wer teilnehmen möchte, der muss sich daran halten. Ganz einfach eigentlich.
Beim Fussball gilt halt das Tor nur dann, wenn der Ball im Netz landet und nicht etwa wenn er knapp drüber weg fliegt.
Wer seinem Körper eine Art chemisch-biologisches Zusatztraining, das man gemeinhin Doping nennt, verpasst, der verstößt in jeder mir bekannten Sportart gegen die Regeln, er schummelt halt. Und es ist für mich als Zuschauer interessanter, wenn sich da Menschen messen, nicht die Leistungen ihrer Giftmischermedizinischen Betreuer.
Nach dem Auftritt von Ex-Radprofi Bert Dietz bei Reinhold Beckmann (das war vergangenen Montag), bei dem er recht bereitwillig aus dem Nähkästchen plauderte, was das Doping in seinem Sport und seinem alten Team (Team Telekom) angeht, wabert nun mal wieder eine Welle der Entrüstung durch die Medienwelt.
Dabei ist grade der Profi-Radsport schon seit langem immer wieder wegen Doping ins Gerede geraten. Darum interessiert er mich mittlerweile auch so gut wie gar nicht mehr, außer wenn die Vattenfall Cyclassics mal wieder bei mir vor der Haustür vorbeiradeln. Dann muss es mich allerdins schon aus feuerwehrdienstlichen Gründen interessieren.
Es ist eigentlich ganz einfach: Je mehr Geld in einem Sport verdient wird, desto größer ist die Bereitschaft, den Wettbewerb mit verbotenen Mitteln wie Doping zu verfälschen.
Die Aufregung über solche Fälle ist verständlich und mag sogar den Druck auf die Schummler vielleicht etwas erhöhen. Letztlich bekämpfen kann man diese Dopingmafiosi wohl aber nur durch eiskaltes ignorieren des jeweiligen Sports.
Über Verwickeltes bin ich auf einen Artikel der Süddeutschen gestoßen, wo ich folgenden Absatz fand:
Politiker, Sportler und Funktionäre befürworteten einen Neuanfang in der Antidoping-Politik. Der Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages, Peter Danckert (SPD), forderte eine Amnestie für Sportler, die ein Geständnis über ihre Doping-Praktiken ablegen. ,,Wir können den Dopingsumpf nur trockenlegen, wenn die Aktiven reinen Tisch machen und alle belastenden Dinge freimütig einräumen‘‘, sagte er. Auch Dietz forderte eine Amnestie für geständige Sportler.
Das kanns ja nun auch nicht sein. Wenn Sportler ohne ihr Wissen gedopt worden sind ist das eine Sache, bei der man sicher ein Auge zudrücken kann und sich aufs Staunen über die jeweilige Naivität der Betroffenen Sportler beschränken mag.
Aber wer so etwas nachweisbar bewusst tut oder zugelassen hat, dem kann ich doch schon aus Fairness gegenüber jenen, die nicht schummeln, keine Amnestie gewähren!
Davon abgesehen ist es ein eigenartiges Signal, dass von so einem Schritt ausgehen würde. Einmal schummeln und erwischen lassen ist also erlaubt, oder wie?
Und, um mal den Bogen zurück zu Sport und Geld zu schlagen: Es wird ja mit den durch Doping erziehlten Erfolge nicht selten viel Geld verdient. Geld, dass ungedopte Sportler nie erhalten konnten.
Wer schummelt, der soll auch Angst vor dem erwischt-werden haben. Sonst würde es jeder tun und dann können wir Doping auch gleich erlauben und den Leistungssport zu einem Wettkampf der Mediziner, Chemiker und Biologen machen.
Schlankheits- und Fitnesswahn erreicht Bundestag
Im immer wieder gerne bemühten “Interesse der Allgemeinheit” zieht die Bundesregierung nun einmal mehr in den Kampf. Gegner diesmal: Dicke Kinder, dicke Erwachsene, Diabetes, politisch unkorrekte Ernährung und Sportmuffel.
Wer mindestens einen dieser Tatbestände erfüllt, der schadet der Allgemeinheit. Denn er kommt die Krankenkassen teuer zu stehen. Völlig klar also, dass dagegen etwas getan werden muss.
Im Interesse der Allgemeinheit wird nun also zur Hatz auf Dicke geblasen.
Werde ich mich demnächst im Restaurant vor aufgebrachten anderen Gästen rechtfertigen müssen, dass ich ein Bier zum Essen bestelle? Oder dass ich überhaupt etwas anderes esse, als einen Salat (den dann aber bitte ohne Dressing!)?
Mancher mag es begrüßen, dass sich die Regierung des Themas Ernährung annimmt. Für mein Verständnis von Staat und Gesellschaft geht es dagegen Niemanden – und noch weniger die Regierung – etwas an, was ich in meiner Freizeit mache oder was ich esse, beziehungsweise was nicht.
Bisher sind es nur Anregungen. Und es soll mehr informiert werden. So fängt es immer an. Leider bleibt es nur selten bei Kampagnen, wenn diese nichts bringen.
Anregungen das Essen betreffend sind keine neue Erfindung:
“Das deutsche Volk vom einfachen Arbeiter bis hin zum Führer vereint vor dem Eintopf.”
Sowas hat es schonmal gegeben. Nun ist der aktuelle Aktionismus auf diesem Gebiet sicher nicht mit glücklicherweise längst vergangenen Zeiten vergleichbar. Trotzdem ist es schon interessant, dass eine ähnliche Bevormundung heute gar nicht mehr sooo undenkbar erscheint.
Aus diesem Wikipedia-Text über die Medizin im Nationalsozialismus:
Das nationalsozialistische Konzept zur „Gesundheitsführung“ wurde vom stellvertretenden Reichsärzteführer Friedrich Bartels im Jahr 1936 ausformuliert. Es enthält für jeden Einzelnen gewissermaßen eine Verpflichtung zur Gesundheit um die „aufgrund seines Erb- und Rassegutes überhaupt erreichbaren Leistungsfähigkeit und Gesundheit“ des „deutschen Volkes“ zu sichern. Vor dem Hintergrund der Kriegsvorbereitungen und der dazu benötigten Arbeitskräfte war es für Bartels nicht hinnehmbar, dass Arbeiter bereits vor Erreichen des Rentenalters deutlich in ihrer Leistungsfähigkeit nachließen.
ließe sich mit einigen kleinen Änderungen (die ich mal kursiv gemacht habe) auch eine heute denkbare Presseerklärung des Verbraucher- oder Gesundheitsministeriums machen:
Das nationale Konzept zur „Gesundheitsführung“ wurde gemeinsam vom Ministerium für Verbraucherschutz sowie vom Ministerium für Gesundheit ausformuliert. Es enthält für jeden Einzelnen gewissermaßen eine Verpflichtung zur Gesundheit um die Funktionsfähigkeit des Gesundheitssystems zu sichern. Vor dem Hintergrund der leeren Kassen und des sich abzeichnenden Fachkräftemangels ist es nicht hinnehmbar, dass Arbeiter bereits vor Erreichen des Rentenalters deutlich in ihrer Leistungsfähigkeit nachließen.
Ja, ich übertreibe möglicherweise gerade ein bisschen. Manchmal muss man das aber, um frühzeitig auf Fehlentwicklungen hinzuweisen.
Wann ich zu dick bin, dass möchte ich selbst entscheiden und nicht von irgendwelchen Normwerten festgelegt wissen, die die Regierung vorgibt. Wenn ich abnehme oder Sport treibe, dann will ich das nicht um einen Beitrag zur Kostensenkung im Gesundheitssystem zu leisten, sondern weil ich es will. Wenn es der Politik nicht passt, dass zu viele Dicke die Ausgaben für Gesundheit erhöhen, dann soll sie doch meinetwegendie gesetzliche Krankenversicherung abschaffen und das Problem zum Privatproblem der Betroffenen machen.
Den Menschen Verhaltensnormen eintrichtern zu wollen, geht jedenfalls immer in Richtung Volkserziehung und Bevormundung. Und so etwas entspricht nun gar nicht meinem Verständnis einer freien und Mündigen Gesellschaft – ich hoffe, ich bin da nicht der Einzige.
Weise Volksvertreter
In der Bundestagsdebatte zum Thema “Patientenverfügungen”, die ich zufällig gerade verfolge, fallen immer wieder Sätze wie (sinngemäß und annähernd genau so gehört)
Muten wir den Bürgern ohne juristische oder medizinische Ausbildung nicht zuviel zu?
Natürlich kann nicht jedes niedere Objekt, dass im Volksvertretermund gerne “Wähler” genannt wird genauso intelligent sein wie unsere den Bundestag bildende gesellschaftliche Elite. Aber muss man deswegen in einer Live im Fernsehen übertragenen Debatte wirklich so auf die Kacke hauenvom hohen Ross herunter zu seinen Untergebenen reden?
Es ist wieder diese verquere Sichtweise einiger Politiker, die meinen sich in alles ungefragt einmischen zu müssen. Mit welchem Recht nehmen sich Abgeordnete eigentlich heraus, darüber zu bestimmen, ob ich selbst bestimmen darf, wann ich nicht mehr künstlich am Leben erhalten werden will?
Was geht es die Regierung an, ob ich gewisse Dinge, die ausschließlich mich selbst etwas angehen (vielleicht noch meine Familie und Freunde) regeln möchte oder nicht? Denn niemand muss eine solche Patientenverfügung verfassen.
Es mag an meiner liberalen Gesinnung liegen. Aber ich bin dafür, dass sich Politiker um Dinge kümmern sollten, die meine Stadt, meine Region, mein Land, Deutschland und Europa etwas angehen und sich so weitgehend wie möglich aus meinem Privatleben heraushalten. Und zum Privatleben gehört nunmal auch, dass ich allein entscheide ob, unter welchen Umständen und wie ich es beende. Basta.