Großes Trara um Sterbehilfe
Roger Kusch gehörte mal zur Regierung der schönsten Stadt der Welt.
Heute ist er hauptberuflich Sterbehelfer, wenn man so will.
Er hat einen Apparat entwickelt, mit dem sich Menschen sanft umbringen können. Der kam zwar noch nicht zum Einsatz, aber der Justizsenator a.D. hat einer 79 Jahre alten Frau Sterbehilfe geleistet.
Und es hagelt kritische Fragen und Vorwürfe: Darf der das? Wollte die Frau wikrlich? Ist das alles richtig?
Das Thema Sterbehilfe ist eigentlich immer heiß, diskutiert wird schnell emotional und es ist ja außerdem ein Thema, dass jeden irgendwie berührt – sofern man sich nicht für unsterblich hält.
Ich würde sagen, man kann in diesem Fall sicher davon ausgehen, dass die Frau wirklich sterben wollte. Das bedeutet natürlich nicht, dass man das Instrument Sterbehilfe nicht auch missbrauchen könnte und es bedeutet auch nicht, dass es nicht möglich wäre, Menschen zu überreden, sich beim sterben helfen zu lassen. Denkbar ist so Einiges in dieser verrückten Welt.
Aber reichen solche Argumente aus, um der Sterbehilfe und damit letztlich dem Wunsch von Menschen, sterben zu wollen, gesetzliche Riegel vorzuschieben? Ich denke nein. Nichts ist privater, als das eigene Leben und kein Mensch sollte irgendeinem Staat gehören, der an seiner statt bestimmen darf, ob ein Mensch leben oder sterben darf.
Eine andere Frage ist, ob man Sterbehilfe gewerblich betreiben dürfen sollte oder nicht. Geschäftemacherei mit dem Tod – ist das in Ordnung?
Die Frage ist eigentlich leicht zu beantworten: So wie Bestattungsunternehmen längst ihr Geschäft mit dem Tod machen und selbstverständlich, so makaber das auch klingt, mit mehr Leichen auch mehr Geld verdienen, so sollte das doch analog auf gewerbliche Sterbehelfer auch zutreffend sein.
Natürlich tu ich mich etwas schwer mit der Vorstellung, demnächst Werbespots von Kuschs Tötungsmaschine im Fernsehen zu sehen. Noch etwas skuriler wäre die Vorstellung von “Informationsveranstaltungen” in Altenheimen mit anschließendem Broschürenverteilen.
Das läge dann natürlich im Ermessen der Beteiligten, solche Werbemaßnahmen zuzulassen oder nicht aber das spricht ja so für sich genommen auch nicht dagegen, Derartiges gegen Geld anzubieten.
Der denkbare Missbrauch ist natürlich ein Thema. Aber keins, dass sich nicht auch vernünftig klären ließe. Man kann mit Zeugen arbeiten, mit Anwälten oder Notaren – Möglichkeiten gibts genug.
Ich bin der Meinung, man kann Sterbehilfe so regeln, dass sie sicher, menschlich und ethisch nicht nur als vertretbar, sondern auch als das einzig Richtige erscheint.
Und ich bin der Meinung, dass das jedem Kritiker letztlich auch klar ist. Das Brimborium das jetzt um Kusch gemacht wird und die emotionalen Ausbrüche, die solche Themen immer wieder hervorrufen, auch zum Beispiel als kürzlich das Thema Patientenverfügungen im Bundestag behandelt wurde, hat wohl letztlich seinen Ursprung in der Religion vieler Meinungsführer.
Für religiöse Menschen stellt sich die Frage nämlich anders. Das Schicksal des Betroffenen ist erstmal zweitrangig – vorher muss die Frage geklärt werden, ob er, also der Abgeordnete oder auch der Sterbehelfer, Gott spielen oder ihm zumindest assistieren darf. Wenn man den Vorzug genießt, nicht über einen konkreten Fall reden zu müssen, in dem vielleicht sogar ein Familienmitglied oder ein enger Freund oder Bekannter die tragische Rolle eines Sterbewilligen spielt, beantwortet sich die Frage nach dem Gottspielen sicher nicht mehr ganz so einfach.
Nur: Vielleicht ist der Betroffene gar nicht religiös? In dem Fall wäre es höchst unethisch, ihn den religiösen Regeln einiger Abgeordneter einfach so unterzuordnen.
Im Fall der Patientenverfügung, wo erst vor wenigen Tagen im Bundestag darüber debattiert wurde, ob der letzte Wille von Menschen, die im sterben liegen, unbedingt bindend befolgt werden müssen oder nicht, führt man noch ein anderes Argument an: Was, wenn der Patient zum Zeitpunkt des Abschaltens der Lebenserhaltenden Maßnahmen längst anderer Meinung ist, dass aber nicht mehr mitteilen kann?
Hier würde ich dafür plädieren, davon auszugehen, dass das nicht der Fall ist. Ich bin seit einiger Zeit Organspender und habe eingewilligt, dass man mir Organe entnehmen kann, wenn ich zwar technisch gesehen nicht mehr am Leben bin, mein Herz aber trotzdem noch schlägt. Selbstredend lässt es sich ohne Leber, Niere oder Herz erst recht nicht weiterleben, weshalb die Einwilligung zur Organspende natürlich nicht das Gleiche ist, wie eine Patientenverfügung – aber irgendwo artverwandt. Denn je nach Ausfertigung einer Patientenverfügung könnte die ja auch nahelegen, im Falle eines beinahe ausgeschlossenen Erwachens aus dem Koma, Lebenserhaltende Maßnahmen nach einer gewissen Zeit einzustellen.
Um die Einwilligung zur Organspende wird aber kein Glaubenskrieg geführt: Im Gegenteil: Hier diskutiert man ganz offen, ob nicht jeder Mensch von vornherein als Organspender gelten sollte und man dem erstmal widersprechen sollte. Das halte ich wiederum für nicht ethisch, zeigt im Zusammenhang aber ein merkwürdiges Menschenbild von Teilen der Politik auf die Menschen: Die Möglichkeiten jedes Einzelnen über sein Leben und seine körperliche Unversehrtheit zu etnscheiden, werden ohne große Bedenken beschnitten – wenn der Staat das selbe mit seinen Menschen tun will, dann finden sich plötzlich viele Befürworter.
Insofern muss man auf die ethischen Grundsätze diverser Meinungsfrüher nicht allzuviel Geben. Der Gesunde Menschenverstand empfiehlt allerdings: Ob bei Patientenverfügungen, Organspende oder Sterbehilfe, im Zweifel muss der Betroffene das entscheidende letzte Wort haben und das sollte dann auch möglichst respektiert werden.
PS: Da ich nicht müde werde, Organspendeausweise unter die Leute zu bringen, empfehle ich dir, lieber Leser, bei der Gelegenheit gerne nochmal, kostenlos einen zu bestellen. Man kann dort auch ankreuzen, dass man NICHT zum Spender werden möchte – dass nur als Tipp. Denn wer weiß, vielleicht setzen sich in diesem Land irgendwann doch diejenigen durch, die das Erstzugriffsrecht des Staates auf unsere Organe befürworten… ich empfehle allerdings, anderes anzukreuzen, Schließlich kann man selbst, die Freundin oder Frau oder die eigenen Kinder auch mal in die dumme Lage kommen, ein Spenderorgan zu benötigen.
Debatte zum legalen Organhandel
Bei den Bissigen Liberalen ohne Gnade findet im Moment eine interessante Debatte statt. Thema ist Organhandel und die Frage, ob man ihn zulassen darf, kann oder soll.
Das ist im Kern natürlich eine ethische Frage. Einerseits: Ist es in Ordnung, wenn man Menschen erlaubt, teile von sich zu verkaufen, was ja letztlich auch kriminelle Handlungen in diese Richtung bedeuten kann? Andererseits: Ist es in Ordnung, Menschen sterben zu lassen weil die Zahl verfügbarer Organe viel zu gering ist, weil eben kaum ein Anreiz besteht, Organspender zu werden?
Die Diskussion über das Für und Wider findet wie gesagt dort statt und nicht hier, weshalb ich meine Meinung dazu jetzt hier nicht weiter ausführen will.
Was aber auch ethisch gesehen keine Frage sein dürfte: Debatten dieser Art sind immer gut und richtig, weil sie auf das Problem aufmerksam machen. Ohne Medienrummel hätte ich mir im April jedenfalls keinen Organspendeausweis besorgt, den ich seitdem so gut wie immer bei mir habe.

Der Ausweis ist übrigens nicht einfach dazu da, Rettungskräften im Fall des eigenen Hirntods zu signalisieren, dass die eigenen Organe anderen das Leben retten dürfen. Man kann auf dem Ausweis auch angeben, dass man genau dies nicht wünscht. Denn in Deutschland ist es so, dass normalerweise die Hinterbliebenen diese Frage beantworten sollen.
Man kann sich vorstellen, dass das nicht immer geschieht, weil es schon hart ist, um einen lieben Menshcen trauernde mit solchen Fragn zu konfrontieren. Damit sich nach meinem Ableben keiner mit solchen Fragen quälen muss, habe ich die Antwort immer bei mir.
Die Ausweise kosten nur ein paar Mausklicks, können möglicherweise Leben retten und die eigenen Verwandten vor unpassenden Fragen beschützen. Nachteile haben sie also keine, weshalb jeder Leser sich aufgefordert fühlen darf, sich einfach mal einen (oder gleich mehrere, um den Rest der Familie zu versorgen) zu bestellen. Zu beziehen sind sie über www.organspende-kampagne.de/.
Und falls es irgendwann genug potentielle Spender gibt, erübrigt sich die bei den B.L.O.G. diskutierte Frage von ganz alleine.
Organspende als Reality-TV
Ich muss zugeben, ich bin tief beeindruckt von den Machern der holländischen Organspende-Show.
Da wurde angekündigt, dass eine todkranke Organspenderin sich unter mehreren Menschen, die dringend eine Niere benötigen sich einen aussucht, dessen Lebensgeschichte sie am meisten beeindruckt.
Sittenwächter aus ganz Europa horchen – und regen sich – auf, sprechen vom Untergang des Abendlandes und dem kulturellen Niedergang Europas.
Zugegeben: Ich fand den Gedanken mit so etwas Quote zu machen auch geschmacklos, habe aber von Anfang an beeindruckt festgestellt, was diese Welle der Entrüstung doch für die Debatte um knappe Spender-Organe tun kann.
Gestern abend stellte sich dann raus, dass es sich um eine clevere PR-Aktion gehandelt hat – die angeblich totkranke Frau war eine Schauspielerin, die Kandidaten waren eingeweiht. Organe brauchen sie allerdings trotzdem dringend.
In meinen Augen ein genialer Coup, bei dem es keine Verlierer gibt: Diejenigen, die sich über die Show aufgeregt haben können erleichtert sein. Die Menschen, die die Show gesehen haben, haben sich die Lebensgeschichte von Menschen angehört, die aufgrund viel zu weniger Spender mit zu hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann sterben müssen.
Insgesamt dürften viele Menschen ins Grübeln gekommen sein und haben sich vielleicht das erste Mal ernsthaft mit dem Thema Organspende auseinander gesetzt.
Ich habe das ja bereits vor einiger Zeit mal thematisiert (auch wenn ich durch den Nationalen Ethikrat aufgeschreckt worden bin, nicht von dieser Show) und bin seitdem Besitzer eines Organspendeausweises.
Und aus Anlass dieser Show und weil heute Tag der Organspende ist, ich die Situation in Deutschland und Europa für absolut verbesserungsfähig halte und jeder ohne große Mühe etwas zur Verbesserung beitragen kann (genaueres daszu hatte ich neulich schon erläutert), Weise ich auch heute nochmal auf die Kampagnenseite zum Thema hin, auf der man kostenlos Organspendeausweise bestellen kann und auch ansonsten jede Menge Informationen zum Thema findet, die keine Frage offen lässt.
Meine Organe gehen nicht in den Staatsbesitz über!
Der Nationale Ethikrat empfiehlt heute eine “Neuregelung bei Organspenden“.
Die Situation ist die Folgende: Es gibt einen Mangel an Spenderorganen und diesem könnte man nun nach Meinung des Ethikrates begegnen, indem man das Prinzip der Spenderausweise umkehrt und jeden, der dem nicht ausdrücklich widersprochen hat als potentiellen Spender ansieht.
Ich spende regelmäßig Blut (bislang immerhin über 7 Liter), ich bin in der Knochenmarkspender-Datei der DKMS registriert und ich würde auch meine Organe hergeben, wenn ich selbst damit nichts mehr anfangen könnte, weil ich zum Beispiel hirntot bin.
Aber die Vorstellung, dass irgendwelche Behörden bei meinem Tod automatisch quasi zu Eigentümern meines Körpers oder auch nur einiger Teile davon werden, sofern ich es versäume dagegen zu widersprechen, die finde ich einfach nur gruselig. Ich hoffe von ganzem Herzen, dass sowas niemals eingeführt wird.
Gleichwohl sehe ich das Problem. Auf der Kampagnen-Website zur Organspende der “Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung” (welch herrlich griffiger Name) wird es recht deutlich formuliert:
“Ca. 70 % der Bürger wären bereit, nach ihrem Tod Organe zu spenden, allerdings halten nur wenige Menschen ihre Entscheidung schriftlich fest oder teilen sie den nahe stehenden Menschen mit.”
Das ist natürlich schlecht, auch wenn es grundsätzlich nichts an meiner Einstellung dazu ändert.
Mich hat es aber sofort dazu gebracht, mir an gleicher Stelle einen entsprechenden Ausweis zu bestellen. Das geht hier kostenlos und dauert selbst mit ISDN-Geschwindigkeit keine 5 Minuten.
Auf der oben genannten Website stand zu den Ausweisen noch folgender Hinweis:
Der Organspendeausweis wird an keiner offiziellen Stelle registriert oder hinterlegt. Es ist sinnvoll den Ausweis mit den Personalpapieren bei sich zu tragen. In Notfällen schauen Rettungskräfte dort als erstes nach und können die Angehörigen verständigen. Möglich ist aber auch, den Ausweis bei Angehörigen oder einer nicht verwandten Vertrauensperson zu hinterlegen.
Wenn ich das richtig verstanden habe, dann muss ich diesen Ausweis einfach nur bei mir haben und wenn mir dann irgendwas geschieht, dass mich zwar kaputt macht, einzelne Organe aber heile lässt, dann kann ich damit halt signalisieren, dass es in meinem Sinne ist wenn ich damit eventuell irgendwem nochmal das Leben retten kann.
Wenn das wirklich so ist, dann finde ich das eine gute Sache, die absolut unterstützenswert ist. Und bevor mein Körper noch per Gesetz verstaatlicht wird, wie es dem Ethikrat scheinbar irgendwie ein Anliegen ist, bleibe ich doch lieber bei meinem Grundprinzip der Freiwilligkeit.
Übrigens: Man kann sich einen solchen Ausweis auch als eindeutigen Widerspruch zulegen, das lässt sich da genauso drauf schreiben. Außerdem ist ein formloser, selbstgemachter Ausweis genauso gültig. Es geht also in erster Linie darum, ganz klar zu sagen was einem Recht ist und was nicht, auch um seinen Angehörigen diese Entscheidung im Falle des eigenen Todes von vornherein abzunehmen.
Weils so wichtig ist zu guter letzt nochmal den Link zum Bestellformular auf der Seite Organspende-Kampagne.de (klick auf den Link öffnet gleich die Seite wos zur Bestellung geht).