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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

2,5 Millionen Zivildienstleistende

Gestern wurde der 2,5 Millionste Zivldienstleistende zum Dienst ohne Waffe verpflichtet. Das ist dem Tagesspiegel einen Artikel Wert gewesen, in dem wir so manche interessante Information finden können.

Zum einen die, dass es mittlerweile deutlich mehr Zivildienstleistende als Wehrdienstleistende gibt. Das Verhältnis steht bei 68.000 zu 88.000. Es leisten also satte 20.000 Männer mehr einen Wehrersatz- als einen Wehrdienst ab.

Das mag man begrüßen, spricht es doch dafür, dass die meisten jungen Männer offenbar eher friedfertig zu sein scheinen. Allerdings erregt diese Schieflage bei den Zahlen, dass mittlerweile eher der Wehrdienst der Ersatzdienst wird.

Dieser Verdacht erhärtet sich, wenn man das hier liest:

“Heute gelten “Zivis” als jung, billig und in der Pflege oder Betreuung von alten, kranken oder behinderten Menschen als unentbehrlich. “Wenn wir sie nicht hätten, hätten wir große Not”, sagte etwa der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes in Baden-Württemberg, Lorenz Menz. Knapp 1000 “Zivis” würden im Südwesten etwa das Essen auf Rädern oder die Behindertenhilfe aufrechterhalten. “Ich habe große Hochachtung vor diesen jungen Männern”, betonte Menz.”

Klar hat er große Hochachtung: Da schuften immerhin junge Männer für einen ziemlich lächerlichen Lohn. Natürlich tun die meisten dass nach wie vor nur, weil sie es müssen. Insofern ist das Gerede dieses Rotkreuz-Menschen schon ziemlich dahingeheuchelt.

Wie der Hase läuft wird später im Artikel noch ein bisschen deutlicher:

“Drohte der Wehrdienst zu kippen, zuletzt im Jahr 2004, zitterten auch die Sozialverbände um ihre zuverlässigen – und relativ günstigen – Mitarbeiter. Zivildienstleistende erhalten nicht mehr Geld als Wehrpflichtige. Ein Großteil des Soldes wird zudem vom Bundesamt übernommen.”

Ja, die Sozialverbände und ihre zuverlässigen, günstigen Mitarbeiter. In anderen Zusammenhängen spricht man bei sowas schnell mal von Ausbeutung, in diesem Fall sogar staatlich subventioniert. Damit steht Zivildienst moralisch wohl so ungefähr auf einer Stufe mit Ein-Euro-Jobs. Je größer nun aber das Verhältnis Zivildienstleistende zu Wehrdienstleistenden wird, desto größer wird womöglich das Interesse dieser Sozialverbände, entsprechend gute Lobbyarbeit zu leisten damit nicht irgendwann selbst die Union auf die Idee kommt, es all unseren Nachbarn gleichzutun und junge Männer in Ruhe ihr Leben leben zu lassen, statt sie zu mehr oder weniger sinnvollen Tätigkeiten zu zwingen.

Wo wir grade beim Thema Sinn und Unsinn in diesem Zusammenhang sind – auch dazu kann man ja unterschiedlicher Auffassung sein, denn

“inzwischen sagen nicht wenige, dass die “Zivis” aus ihrer Dienstzeit sehr viel fürs Leben mitnehmen. Viele Arbeitgeber schätzten die Zivildienstzeit inzwischen als “klares Plus im Lebenslauf”. Die sozialen Kompetenzen wiegen schwerer als vermeintlich verlorene Monate.”

Wer meint, dass wäre ein Argument für diesen Zwangsdienst, der irrt. Denn wenn Zivildienste so heilsam auf Lebensläufe wirken, dann dürften sich unsere Sozialverbände sicher auch ohne Pflicht vor Bewerbern kaum retten können.

Ich halte es da ganz mit dem jugendpolitischen Sprecher der Grünen, Kai Gehring, der sagt:

“Da aber kaum jemand, der den Kriegsdienst verweigere, am Zivildienst vorbeikommt, habe sich das Gesamtkonstrukt “überlebt”, stellt Kai Gehring, jugendpolitischer Sprecher der Bundestags-Grünen, fest. Auch volkswirtschaftlich sei es vernünftiger, die Zivildienststellen in reguläre Arbeitsplätze umzuwandeln und freiwilliges Engagement zu fördern.”

SPD will keine Volkspartei mehr sein

Dass muss man jedenfalls nach dem Rauswurf des ehemaligen Ministerpräsidenten des größten deutschen Landes, ehemaligen Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit sowie ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Nordrhen-Westfalen sowie ehemaliger stellvertretender Vorsitzender der Bundes-SPD Wolfgang Clement feststellen.

Denn egal wie man in der Sache zu dem steht, was der Mann vor der hessischen Landtagswahl von sich gegeben hat, Clement hatte und hat auch innerhalb der SPD seine Anhänger. Jetzt wirft ihn sein eigener Landesverband raus, wenn sein Widerspruch bei der Bundespartei scheitert wird das endgültig.

Seine Politik war eine völlig andere, als sie Andrea Nahles oder Andrea Ypsilanti vertreten. So wie man sich das in einer Volkspartei eben vorstellt – denn die braucht natürlich ihre Flügel.

Dass es dazwischen nie friedlich zugehen kann, ist schon klar. Dass es dabei zu Opfern kommt auch. Aber ein Rauswurf ist eine neue Qualität. Es wirkt, als wehre sich die Partei gegen Leute mit “falschen” Meinungen.

Und dass derzeit nur in eine Richtung, hatte man doch Dagmar Metzger auch mit den unterschiedlichsten Konsequenzen gedroht, als sie ankündigte, die SPD-Spitzenkandidatin in Hessen nicht mitzuwählen, wenn diese entgegen aller Ankündigungen eine Zusammenarbeit mit Die Linke anstreben würde.

Als die Agenda-Politk von der Regierung Schröder Vertreter der SPD-Linken zu nicht immer fairen Äußerungen bewegt hat, wurde jedenfalls nicht permanent mit Ausschlussverfahren gedroht, geschweigedenn die auch noch durchgeführt – gänzlich undenkbar gewesen wäre Derartiges gegen prominente Mitglieder.

Wenn von oben herab jeweils unbequeme Flügel mundtot gemacht werden, dann zeugt dass einerseits von schwacher Streitkultur, sorgt andererseits sicherlich für einigen Unmut bei den Betroffenen. Auch wenn Clement mit seiner Warnung davor, Ypsilantis hessische SPD zu wählen, sicher weiter gegangen ist, als es sich gehört, lässt der Parteiausschluss nichts Gutes für die Zukunft der SPD erwarten.

Bleibt die Frage, was Menschen dazu bewegt, in eine Partei einzutreten, in der es sogar bei ziemlich grundlegenden Fragen vollständig entgegengesetzte Meinungen gibt. Eine echte Grundidee, ein großes Motto, dass die komplette Partei eint, fehlt nach meinem Eindruck vollständig.

Wozu tut man sich so etwas an, statt gleich zu Parteien zu gehen, in denen wenigstens die Grundrichtung klar ist und die großen Glaubenskriege um mehr oder weniger wichtige Details, nicht aber um elementare Werte und Grundsätze geführt werden?

Kein Wunder also, dass die Mitgliederzahlen der SPD nach wie vor stärker sinken, als bei allen anderen Parteien.

Petition gegen Vorratsdatenspeicherung verworfen

Lese bei MMsenf grade die Begründung dafür, dass die Petition gegen die Vorratsdatenspeicherung verworfen wurde:

“Die Petitenten hatten ihr Anliegen unter anderem damit begründet, dass eine Speicherung von Verbindungsdaten für die Bekämpfung von Terrorismus und organisierter Kriminalität wegen der Verfügbarkeit von Kryptographie- und Anonymisierungsdiensten unzweckmäßig sei. Das Justizministerium wies darauf hin, dass deutsche Anynomiersierungsdienste zur Vorratsdatenspeicherung verpflichtet werden können.”

Denn ist ja gut.

Martin weist zwar daraufhin, dass Terroristen doch einfach ausländische Verschlüsselungsdienste nutzen könnten.

Sämtliche Terroristen der Welt dazu zu bewegen, sich nur noch deutscher Anonymisierungsdienste zu bedienen, ist aber doch viel einfacher, als wir aufmüpfigen Petitenten denken: Der Bundestag wird einfach ein entsprechendes Gesetz verabschieden!

Ne aber im Ernst: Wenn unsere Parlamentssitz-Besitzer und die Regierung schon diese Petition ablehnen wollen, dann hätten sie sich wenigstens die Mühe machen können, sich dafür eine halbwegs stichhaltige Begründung auszudenken.

Natürlich weiß ich, dass etliche dieser Leute den blöden Wähler sowieso nicht für voll nehmen – aber man kann doch wenigstens versuchen, dass mal zu verbergen.

Warum schreib ich nicht mal was zur Außenpolitik?

Ja, warum? Viele andere lesenswerte Blogs tun das sehr viel. Ich lese sie genauso viel und bilde mir auch eine gewisse Meinung zu den meisten internationalen Vorgängen.

Trotzdem tu ich mich ein wenig schwer mit abschließenden Urteilen zu einschlägigen außenpolitischen Fragen.

Zum einen, weil Außenpolitik sehr viel mehr mit nationalen Eigeninteressen zu tun hat als mit irgendwelchen moralischen oder ideellen Abwägungen. Die lege ich aber ja nunmal den meisten meiner Artikeln zugrunde. Sie sind der Maßstab, ob ich etwas befürworte oder ablehne.

Zum anderen, weil mein Interesse an Außenpolitik generell nicht besonders groß ist. Wahrscheinlich unter anderem deswegen, weil ich die meisten zwischenstaatlichen Abkommen für irgendwie überflüssig halte – jedenfalls dann, wenn ihre Regierungen wirklich liberal wären.

Ich weiß, ich mache es mir da womöglich ein bisschen zu leicht. Aber jeder hat so seine Interessen und Desinteressen. Die verändern sich auch mal und womöglich fange ich schon übermorgen an, mich doch für die großen außenpolitischen Fragen zu interessieren.

Aber wenn nicht, dann weiß der regelmäßige Leser jetzt immerhin, was mich mich davon abhält.

EUdSSR

Okay, man kann sich über vieles, was aus Brüssel kommt aufregen. Seien es die Vorlagen für Vorratsdatenspeicherung, verbraucherverdummende einheitliche Regeln für die Nennung von Preisen fürs Fliegen oder gar Preisobergrenzen fürs Mobiltelefonieren und von der katastrophalen Agrarpolitik will ich gar nicht erst anfangen.

Aber was da jetzt in der Pipeline ist, toppt meines Erachtens alles.

Da ist beispielsweise eine Art Internet-Verbannung für Menschen angedacht, die Raubkopien im Internet anbieten. Da frage ich mich doch: Wann kommt das Straßennutzungsverbot für Straßenräuber? Das dürfte eine ähnlich sinnvolle, ähnlich durchsetzbare und ähnlich zuendegedachte Bestrafung sein. Mal davon abgesehen, dass Mediennutzungsverbote nach China, Kuba, Nordkorea oder in die DDR, meinetwegen auch nach Venezuela gehören und nicht in ein freies Land. Davon entfernt sich Europa allerdings zusehends und diese Pläne untermauern das ja auch.

Denn wie vermutlich extrem kompetente Experten und Expertinnen weiter planen, will man wohl Regierungen die Entscheidungsgewalt geben, welche Programme wir noch nutzen dürfen, sofern diese Zugang zum Internet haben sollten:

Die Gesetze erlauben auch, dass die Regierungen entscheiden können, welche Software “rechtmäßig” im Internet verwendet werden kann.

Wozu auch solche wichtigen Entscheidungen dem Nutzer überlassen? Und wenn übermorgen Google oder Microsoft dem zuständigen Minister ordentlich Honig ums Maul schmieren, dann fällt vielleicht endlich dieses komplizierte Vergleichen verschiedener Software auch weg, weil man seitens der Bundesregierung doch lieber auf Monopole setzt (wegen weniger Bürokratieaufwand für staatliche “Softwareprüfer” oder Schnüffler und so weiter).

Bisher habe ich ja den spöttischen Ausdruck “EUdSSR” noch lustig gefunden, Menschen mit Macht scheinen den allerdings zunehmend ernst zu nehmen.

via opponent.de

Verfassungsrang

Sooo, liebe Leser. Wer von Euch hat denn in letzter Zeit mal wieder das Grundgesetz durchgelesen? Na, nicht so schüchtern. Niemand? Na sowas.

Ging mir genauso, bis ich gestern Abend darauf gestoßen wurde, dass es seit 2002 einen Artikel 20a gibt, der Umwelt- und Tierschutz zum Staatsziel erhebt.

Das war mir irgendwie völlig entgangen und wie wir eben vermutlich gemeinsam festgestellt haben, befasst man sich ja mit dem eigentlichen Inhalt des Grundgesetzes doch eher selten.

Mich überkam angesichts dieser Erkenntnis , nämlich dass „wir alle“ als Staat jetzt wohl, jedenfalls in meiner blühenden Fantasie, irgendwie alle das „Ziel“ haben müssten, Vegetarier zu werden – oder noch besser, gar nichts mehr zu essen, was mal gelebt hat, ein leichtes Gruseln.

Die Artikel 1 und 20 sind übrigens die einzigen, die unveränderbar sind. Das legt den Verdacht nahe, dass man diese Tierschutzgeschichte am liebsten sogar direkt in den Artikel 20 gepresst hätte.

In dem geht es um so unwichtige Dinge wie das Recht auf Widerstand gegen einen wildgewordenen Staat. Das in einen Kontext mit Natur- und Tierschutz zu stellen ist schon famos, irgendwie.

Aber egal, meine eigentliche Überlegung ist jetzt die folgende:

Tiere und die Natur sind also so wichtig, dass ihr Schutz im Grundgesetz der Bundesrepublick Deutschland verankert ist. Kinder, Homosexuelle, Ausländer, Frauen, ehrliche Politiker und Telefone mit Wählscheibe sind uns also weniger „wichtig“, als Radiesschen und Kreuzottern.

Noch muss man sagen, denn es gibt ja für jedes irgendwie positiv klingende Ziel längst auch Menschen, die seinen Verfassungsrang fordern. Bei den JuLis ist das immer wieder gerne die „Generationengerechtigkeit“, viele wünschen sich einen Kinderschutz in der Verfassung, andere wollen sogar den Bau von Atomkraftwerken per Verfassung verunmöglichen.

So gesehen kann man in dieser Sache also nur zwei Positionen vertreten, wenn man konsequent sein möchte:

Entweder bekommt jedes Tierchen sein Pläsierchen und das alles und noch viel mehr darum in die Verfassung, bis das Teil so dick ist, dass wir auf andere Gesetze verzichten können.

Oder wir denken mal eben kritisch über die Frage nach, ob eine Verfassung nicht doch lieber grundsätzlicherer Natur bleiben sollte und damit von ideologischen und parteipolitischen Spinnereien, verschont bleiben

Zu denen sich unter Umständen ja auch mal das Verständnis der Bevölkerung veränden kann (den Tierschützer möchte ich mal sehen, der sich nach einem Atomkrieg oder so noch darum kümmert, wieviel Platz ne Henne in ihrem Käfig hat…um mal ein Extrembeispiel zu nennen).

Fest steht für mich, dass es viel zu einfach ist, unsere Verfassung zu ändern. Und wenn da noch mehr Krempel reingepackt wird, der eher tagespolitischen oder gar ideologischen Charakter hat, dann entwertet dass die guten und wichtigen Teile und schafft statt einem besseren Umgang mit Natur oder was auch immer höchstens Verfassungsgegner. Denn ich bin mir völlig sicher, dass es nicht wenige Menschen gibt, die diesen Artikel 20a nicht unterschreiben könnten, selbst wenn sie den Rest vom Grundgesetz uneingeschränkt befürworten.

Ein Grundgesetz sollte der kleinste gemeinsame Nenner möglichst aller Menschen sein und kein Regierungsprogramm .

Bundesweite Alkoholverbote in Planung

Kaum lobt man, wenn auch nur ganz vorsichtig, mal die Bundesregierung, schon planen die Berliner Häuptlinge weitere Freiheitsberaubung.

Weil die Baden-Württemberger Regierung verrückt geworden ist und die Drogeninquisitorinbeauftragte der Bundesregierung Sabine „irgendwann-verbiete-ich-Euch-auch-noch-das-Rauchen-im-Auto“ Bätzing im Zweifel immer für Verbote zu haben ist, denken die klügsten Männer und Frauen der Welt in Berlin nun über bundesweite Alkohol-Verkaufsverbote nach.

Erstmal an Tankstellen und Raststätten und erstmal zwischen 22 und 6 Uhr. Man muss kein Prophet sein um vorherzusehen, dass das nur ein Anfang sein dürfte. Denn in einem Land, in dem die Freiheit des Einzelnen schon lange nichts mehr gilt und die Volksgesundheit zunehmend zulasten unserer Rechte optimiert wird, kann das endgültige Ziel sowieso nur die totale Prohibition sein.

Ja klar, in diesem Fall geht es – wie immer – nur darum, die Jugend vor Alkohol zu schützen. Scheinbar rennt die nachts permanent in die Tankstellen und Autobahnraststätten und kauft sich Stoff.

Wobei sich dann doch die Frage aufdrängt, wie Menschen unter 18 denn bitteschön zu Autobahnraststätten kommen sollen.

Und überhaupt sieht jeder Blinde, dass das ein vorgeschobenes Argument ist. Als ich noch keine 18 war, da hab ich mir meine Bierchen nämlich tunlichst nicht an der Tanke gekauft, wo sie erheblich teurer gewesen wären, sondern bin rechtzeitig vorm gesetzlich verordneten Ladenschluss in die Supermärkte gegangen.

Normalerweise wurde ja auch irgendwann mal ein Jugendschutzgesetz beschlossen, damit erwachsene Menschen nicht entmündigt werden müssen, nur weil manche Eltern versagen.

All das zeigt uns doch, dass es kein bisschen um Jugenschutz geht sondern dass hier das Wohlergehen junger Leute vorgeschoben wird, um den Menschen politisch nicht gewünschte Verhaltensweisen abzugewöhnen.

Liberalisierung der Hochzeit – nach 133 Jahren

Ich habe sicherlich öfter mal den Eindruck erweckt, als würde die Größte Koalition aller Zeiten in Berlin nichts anderes tun, als unser aller Freiheit in Salamitaktik einzuschränken.

Das ist natürlich falsch und wie wir heute bei Spiegel-Online, dem größten Online-Nachrichtenmagazin aller Zeiten nachlesen können, stellt die Bundesregierung das jetzt unter Beweis. Denn Heiraten darf man künftig auch dann, wenn der Staat zuvor noch nicht seinen Segen zur Ehe dazugegeben hat.

In meinem jugendlichen Leichtsinn war ich zwar bisher davon ausgegegangen, dass das schon imm möglich gewesen ist aber laut Spiegel-Online mussten Geistliche seit 1875 mit Strafen rechnen, wenn sie staatlich unverheiratete Menschen verheirateten.

Trotzdem bitter, dass man sich in Berlin bei solchen Lapalien zu mehr Freiheit durchringen kann, während bei den wirklich wichtigen Themen im Zweifel immer für mehr Staat und dessen Einmischung in privateste Angelegenheiten votiert wird.

Großes Trara um Sterbehilfe

Roger Kusch gehörte mal zur Regierung der schönsten Stadt der Welt.

Heute ist er hauptberuflich Sterbehelfer, wenn man so will.

Er hat einen Apparat entwickelt, mit dem sich Menschen sanft umbringen können. Der kam zwar noch nicht zum Einsatz, aber der Justizsenator a.D. hat einer 79 Jahre alten Frau Sterbehilfe geleistet.

Und es hagelt kritische Fragen und Vorwürfe: Darf der das? Wollte die Frau wikrlich? Ist das alles richtig?

Das Thema Sterbehilfe ist eigentlich immer heiß, diskutiert wird schnell emotional und es ist ja außerdem ein Thema, dass jeden irgendwie berührt – sofern man sich nicht für unsterblich hält.

Ich würde sagen, man kann in diesem Fall sicher davon ausgehen, dass die Frau wirklich sterben wollte. Das bedeutet natürlich nicht, dass man das Instrument Sterbehilfe nicht auch missbrauchen könnte und es bedeutet auch nicht, dass es nicht möglich wäre, Menschen zu überreden, sich beim sterben helfen zu lassen. Denkbar ist so Einiges in dieser verrückten Welt.

Aber reichen solche Argumente aus, um der Sterbehilfe und damit letztlich dem Wunsch von Menschen, sterben zu wollen, gesetzliche Riegel vorzuschieben? Ich denke nein. Nichts ist privater, als das eigene Leben und kein Mensch sollte irgendeinem Staat gehören, der an seiner statt bestimmen darf, ob ein Mensch leben oder sterben darf.

Eine andere Frage ist, ob man Sterbehilfe gewerblich betreiben dürfen sollte oder nicht. Geschäftemacherei mit dem Tod – ist das in Ordnung?

Die Frage ist eigentlich leicht zu beantworten: So wie Bestattungsunternehmen längst ihr Geschäft mit dem Tod machen und selbstverständlich, so makaber das auch klingt, mit mehr Leichen auch mehr Geld verdienen, so sollte das doch analog auf gewerbliche Sterbehelfer auch zutreffend sein.

Natürlich tu ich mich etwas schwer mit der Vorstellung, demnächst Werbespots von Kuschs Tötungsmaschine im Fernsehen zu sehen. Noch etwas skuriler wäre die Vorstellung von “Informationsveranstaltungen” in Altenheimen mit anschließendem Broschürenverteilen.

Das läge dann natürlich im Ermessen der Beteiligten, solche Werbemaßnahmen zuzulassen oder nicht aber das spricht ja so für sich genommen auch nicht dagegen, Derartiges gegen Geld anzubieten.

Der denkbare Missbrauch ist natürlich ein Thema. Aber keins, dass sich nicht auch vernünftig klären ließe. Man kann mit Zeugen arbeiten, mit Anwälten oder Notaren – Möglichkeiten gibts genug.

Ich bin der Meinung, man kann Sterbehilfe so regeln, dass sie sicher, menschlich und ethisch nicht nur als vertretbar, sondern auch als das einzig Richtige erscheint.

Und ich bin der Meinung, dass das jedem Kritiker letztlich auch klar ist. Das Brimborium das jetzt um Kusch gemacht wird und die emotionalen Ausbrüche, die solche Themen immer wieder hervorrufen, auch zum Beispiel als kürzlich das Thema Patientenverfügungen im Bundestag behandelt wurde, hat wohl letztlich seinen Ursprung in der Religion vieler Meinungsführer.

Für religiöse Menschen stellt sich die Frage nämlich anders. Das Schicksal des Betroffenen ist erstmal zweitrangig – vorher muss die Frage geklärt werden, ob er, also der Abgeordnete oder auch der Sterbehelfer, Gott spielen oder ihm zumindest assistieren darf. Wenn man den Vorzug genießt, nicht über einen konkreten Fall reden zu müssen, in dem vielleicht sogar ein Familienmitglied oder ein enger Freund oder Bekannter die tragische Rolle eines Sterbewilligen spielt, beantwortet sich die Frage nach dem Gottspielen sicher nicht mehr ganz so einfach.

Nur: Vielleicht ist der Betroffene gar nicht religiös? In dem Fall wäre es höchst unethisch, ihn den religiösen Regeln einiger Abgeordneter einfach so unterzuordnen.

Im Fall der Patientenverfügung, wo erst vor wenigen Tagen im Bundestag darüber debattiert wurde, ob der letzte Wille von Menschen, die im sterben liegen, unbedingt bindend befolgt werden müssen oder nicht, führt man noch ein anderes Argument an: Was, wenn der Patient zum Zeitpunkt des Abschaltens der Lebenserhaltenden Maßnahmen längst anderer Meinung ist, dass aber nicht mehr mitteilen kann?

Hier würde ich dafür plädieren, davon auszugehen, dass das nicht der Fall ist. Ich bin seit einiger Zeit Organspender und habe eingewilligt, dass man mir Organe entnehmen kann, wenn ich zwar technisch gesehen nicht mehr am Leben bin, mein Herz aber trotzdem noch schlägt. Selbstredend lässt es sich ohne Leber, Niere oder Herz erst recht nicht weiterleben, weshalb die Einwilligung zur Organspende natürlich nicht das Gleiche ist, wie eine Patientenverfügung – aber irgendwo artverwandt. Denn je nach Ausfertigung einer Patientenverfügung könnte die ja auch nahelegen, im Falle eines beinahe ausgeschlossenen Erwachens aus dem Koma, Lebenserhaltende Maßnahmen nach einer gewissen Zeit einzustellen.

Um die Einwilligung zur Organspende wird aber kein Glaubenskrieg geführt: Im Gegenteil: Hier diskutiert man ganz offen, ob nicht jeder Mensch von vornherein als Organspender gelten sollte und man dem erstmal widersprechen sollte. Das halte ich wiederum für nicht ethisch, zeigt im Zusammenhang aber ein merkwürdiges Menschenbild von Teilen der Politik auf die Menschen: Die Möglichkeiten jedes Einzelnen über sein Leben und seine körperliche Unversehrtheit zu etnscheiden, werden ohne große Bedenken beschnitten – wenn der Staat das selbe mit seinen Menschen tun will, dann finden sich plötzlich viele Befürworter.

Insofern muss man auf die ethischen Grundsätze diverser Meinungsfrüher nicht allzuviel Geben. Der Gesunde Menschenverstand empfiehlt allerdings: Ob bei Patientenverfügungen, Organspende oder Sterbehilfe, im Zweifel muss der Betroffene das entscheidende letzte Wort haben und das sollte dann auch möglichst respektiert werden.

PS: Da ich nicht müde werde, Organspendeausweise unter die Leute zu bringen, empfehle ich dir, lieber Leser, bei der Gelegenheit gerne nochmal, kostenlos einen zu bestellen. Man kann dort auch ankreuzen, dass man NICHT zum Spender werden möchte – dass nur als Tipp. Denn wer weiß, vielleicht setzen sich in diesem Land irgendwann doch diejenigen durch, die das Erstzugriffsrecht des Staates auf unsere Organe befürworten… ich empfehle allerdings, anderes anzukreuzen, Schließlich kann man selbst, die Freundin oder Frau oder die eigenen Kinder auch mal in die dumme Lage kommen, ein Spenderorgan zu benötigen.

Stell dir vor Europa steckt in der Krise…

…und alles, was denen da oben einfällt ist es, bestimmte Alltagsgegenstände zu illegaler Ware zu machen.

Gestern noch wundert sich das offizielle Europa über die undankbaren Iren, die der EUkratie einfach mal gezeigt haben, was sie von ihr halten – heute schon geben sie allen EU-Gegnern ein weiteres exemplarisches Argument an die Hand, denn der Glühlampenkauf wird illegal, jawohl!

Wie entrückt muss man sein, um so ein “Projekt” als irgendwie der europäischen Einigung oder irgend etwas anderem positiven dienlich zu empfinden? Warum zum Geier besteht die Notwendigkeit, sowas bescheuertes wie ein Glühlampenverkaufsverbot europaweit einzuführen? Wieviel Zeit müssen diese Bürokraten wohl haben, dass sie sich um so einen Scheiß kümmern, statt sich auf einen Verfassungsvertrag zu einigen, den nicht bloß die bevormundenden Regierungen der EU-Länder, sondern auch seine Bürger unterschreiben können?

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