Archiv für das Tag 'Saufen'

Aug 03 2008

“Aber in Irland funktioniert es doch!”

Autor: Jan. Abgelegt unter JuLi-Blogs.de, Politik

Das scheint mir, nach tapferem Zuendegucken von “Anne Will”, so dass wichtigste Argument für Rauchverbote in der Gastronomie zu sein. Da wäre doch die Zahl der Herzinfarkte zurückgegangen und die der Raucher sowieso und was das nicht alles für tolle Auswirkungen auf die Gesellschaft gehabt hätte!

Ich bin mir ziemlich sicher, dass all diese segensreichen folgen noch viel drastischer ausfallen würden, würde man Zigaretten oder besser Tabak komplett verbieten. Das Alkoholgesaufe am besten gleich dazu. Und andere völlig Nutzlose Gifte wie Zucker oder Fett.

Wobei – gestern Abend kam ja mal wieder “Die Unbestechlichen” – die Folgen davon müssen also nicht ausnahmslos positiv sein.

Aber solche Begleiterscheinungen werden doch unsere Experten und Guttuer genauso wenig davon abhalten, unser großartiges (weil staatlich organisiertes) Gesundheitssystem mit allen Mitteln retten zu wollen wie die Tatsache, dass seit Jahrzehnten stetig jedes Jahr weniger Menschen rauchen oder saufen.

Die persönliche Freiheit ist doch ein wirklich unbedeutend kleiner Preis für totale Gesundheit!

Es lässt nebenbei bemerkt tief blicken, dass ausgerechnet Irland immer wieder als Beispiel für “gute” Drogenpolitik genannt wird. Die Biersteuer ist dort mehr zehn mal so hoch wie in Deutschland (steht hier, PDF, Seite 30) und aus “Jugendschutzgründen” dürfen Erwachsene dort bei vielen Sportveranstaltugnen und auch im freien in der Regel keinen Alkohol trinken. Kein Wunder, dass grün, rot, schwarz oder (bedauerlicherweise) auch der ein oder andere gelb gestrichene Gesundheitsapostel beim Gedanken an Irland ganz feuchte Träume kriegt.

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Aug 01 2008

Alkoholverbot für Kinder

Autor: Jan. Abgelegt unter Allgemein

In den Stuttgarter Nachrichten schlägt man sich mal wieder mit einem altbekannten Problem herum:

“Bis zur Besinnungslosigkeit betrunkene Kinder lassen auch in der Region den Ruf nach strengeren Alkoholverboten laut werden. Um den Jugendlichen das Koma-Saufen zu erschweren, denken etliche Städte über die Sperrung öffentlicher Plätze nach.”

Hm. “Strengere Alkoholverbote” – wie macht man das? Für Kinder isser ja in jeglicher Form verboten, wie sollte man das noch strenger regeln können?

Ich empfehle: Die Kräfte, die im Fall einer solchen Sperrung diese Sperrung kontrollieren müssten, könnte man auch einfach dazu verwenden, den Kindern ihre Drogen wegzunehmen. Das hat den Vorteil, dass den Kindern ihre Drogen weggenommen werden und gleichzeitig Städte vor dem Spießerimage bewahrt werden.

Zumindest würde diese Argumentation dann ziehen, wenn es wirklich um “betrunkene Kinder” und nicht um die fortschreitende Prohibition für alle gehen würde.

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Jul 30 2008

Wasser predigen, Wein saufen

Autor: Jan. Abgelegt unter Allgemein

Wenn unsere großen Volkstribunen die Massen regelrecht besoffen machen mit ihren staatlich organisierten Segnungen wie Mindestlöhnen, gebührenfreiem Studieren, Sozialtarifen für Energie und dutzenden anderen Vorschlägen, bei denen eine “Solidargemeinschaft” geschaffen werden soll für Menschen, die weniger haben als andere, dann funktioniert das fast immer.

Fast immer finden sich ganz schnell große Mehrheiten in der Bevölkerung, die es als menschlich geboten und im Sinne einer noch nie definierten und darum schwammigen, schön dehnbaren “sozialen Gerechtigkeit” geradezu notwendig erscheinen lassen, immer mehr “soziale Errungenschaften” zu fordern und auf das unterdrückte Volk herabregnen zu lassen.

Gleichzeitig beobachten wir, dass ehrenamtliches Engagement spürbar nachlässt. Erste Feuerwehren werden quasi aus Personalmangel geschlossen oder mit anderen zusammengelegt, Sportvereine suchen händeringend nach engagierten Helfern, Umweltschutzorganisationen finden keine Mitglieder mehr, die bereit wären, Führungsaufgaben zu übernehmen.

Für mich ist ziemlich offensichtlich, dass es da einen Zusammenhang gibt. Dass beispielsweise ein BUND-Kreisverband seit Ewigkeiten seinen Vorstand nicht voll bekommt, das mag einerseits an gewissen bürokratischen Hürden hängen, auf die viele Engagement-willige Bürger schlicht keinen Bock haben. Schuld an diesen Hürden hat natürlich der Staat, der sie geschaffen hat.

Es könnte aber auch daran liegen, dass der Verein nicht mehr Mitglieder hat. Denn mehr Mitglieder bedeuten in der Regel natürlich auch mehr engagierte Mitglieder. Doch wozu einem Umweltschutzverein beitreten, wenn man schon Mitglied der Bundesrepublik Deutschland ist und einen immensen Mitgliedsbeitrag für Weltretter wie Angela Merkel oder Sigmar Gabriel zahlt?

Denn so ist doch die Wahrnehmung: Die Herrschaften eiern in der Welt herum und gerieren sich als die Umweltschützer schlechthin. Kein Wunder, dass viele mit dem Umweltschutz befasste Menschen das Gefühl bekommen, ihr privater Beitrag täte so nötig nun auch wieder nicht.

Das war ein Beispiel.

Ein anderes: Ich komme bekanntlich aus dem Speckgürtel um Hamburg. Zu uns ziehen häufig Großstädter, die gewohnt sind, dass Dinge wie Feuerwehr “von selbst” also mit Steuergeld und sonst gar nichts geregelt werden. Geht natürlich bei uns nicht, bei uns machen die Bürger diesen Job selbst, lediglich Gerät und Ausbildung werden mit Steuermitteln finanziert.

Das wiederum wissen aber viele der Zugezogenen nicht, vermutlich weil sie über den Zusatz “Freiwillige” vor “Feuerwehr” an den Gerätehäusern nicht weiter nachdenken und es ihnen sonst auch niemand erzählt. Ich unterstelle mal, einige können sich auch schlicht nicht vorstellen, dass man etwas so Wichtiges wie den Brandschutz tatsächlich mit ähnlichen Methoden sichern kann, mit denen sonst profane Schützenvereine oder Fussballclubs organisiert werden: Nämlich durch ganz normale Menschen mit ganz normalen Berufen. Okay, natürlich gibt es einen Haufen Gesetze und Vorschriften, die andere Vereine nicht haben – aber im Endeffekt sorgen lauter unbezahlte Amateure für Sicherheit in Orten ohne Berufsfeuerwehren – also in fast allen.

Was wir erleben ist, dass immer mehr Menschen das Gefühl bekommen, der Staat regele alles.

Und leider ist das nicht bloß so ein Gefühl, sondern vielfach die Realität.

Ich habe den Eindruck, dass dieses Denken längst eine gewisse Eigendynamik entwickelt hat. Die Menschen rufen inzwischen bei jedem Problem nach dem Staat. Wenn sie das zur Abwechslung mal nicht tun, kommt stattdessen irgendein Politiker daher, sagt “Chefsache” und kriegt dafür dann ebenfalls die Unterstützung der Bevölkerung.

Ist ja auch viel bequemer, als sich erstmal selbst darum zu kümmern. Oder sich auch nur zu fragen, ob man etwas tun kann.

Wer von denen, die von einem Mindestlohn zwar nicht profitieren würden, ihn aber dennoch lautstark unterstützen, hat denn jemals seinem Frisör ein so hohes Trinkgeld gezahlt, dass der Frisör am Ende faktisch einen Lohn in Höhe des Mindestlohns gehabt hätte? Die Ausrede, solange das nicht jeder machen würde, würde das ja auch nichts helfen gilt nicht, es geht um die Bereitschaft, mehr zu zahlen und die müsste man, wenn man ehrlich ist, jawohl so oder so haben.

Aber ich habe nicht den Eindruck, diese Leute hätten auch nur eine Sekunde einen solchen Gedanken gehabt. Ebensowenig rennen Menschen, die sich als “sozial”bezeichnen würden ständig zum teuersten Frisör.

Oder zahlen für jeden “zu billig” gekauften Liter Aldi-Milch dem Milchviehhalter ihres Vertrauens 10 Cent extra.

Das wär zu kompliziert? Okay, also dann mein Alternativvorschlag: Wo bleibt der Verein, der diese 10 Cent zugunsten notleidender Landwirte einsammeln geht? Genug Freiwillige zum sammeln müsste es ja geben, Spendenwillige sowieso, so wie die Bevölkerung nach hohen Milchpreisen schreit.

Statt solcher Initiativen ist jeder Andere der Böse: Die Politik, wenn sie sich nicht kümmert (genau deswegen “kümmert” sie sich allerdings ständig, Politiker können es sich nicht leisten, böse zu wirken), “die Wirtschaft”, weil sie frecherweise nach marktwirtschaftlichen Prinzipien arbeitet, gerne auch mal “der Kapitalismus” insgesamt, denn wäre der erstmal abgeschafft, gäbs keine Geldsorgen mehr (wie auch, ohne Geld…).

Wer jedenfals nie schuld an irgendwelchen Miseren ist und wer nie einen Beitrag zur Verbesserung der Gesellschaft leisten kann, dass sind wir selbst, finden wir.

Und gehen weiter bei Lidl & Co billige Milch einkaufen*, freuen uns auch sonst über jedes Schnäppchen oder verbringen unseren Urlaub lieber mit Faulenzen als mit nervigem sozialem Engagement.

*Nur dass wir uns richtig verstehen: Ich kaufe ausschließlich nach dem Kriterium Preis ein, außer irgendwas taugt nichts. Aber ich halte niedrige Preise auch nicht für einen staatliche Interventionen rechtfertigenden Missstand

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Jun 24 2008

Gähn

Autor: Jan. Abgelegt unter JuLi-Blogs.de, Politik

Das Thema Alkoholverbote hab ich jetzt ne ganze Weile mal schleifen lassen, weils scheinbar sowieso nicht mehr aufzuhalten ist.

Aber in Amberg hat man jetzt in der kompletten Altstadt das Alkoholtrinken in der Öffentlichkeit verboten und das ist mir jetzt schon mal wieder nen kurzen Hinweis wert gewesen.

Verhindert werden soll dadurch das so genannte “Gruppensaufen” von Jugendlichen” und selbstverständlich hält das die Amberger Stadtväter nicht davon ab, es jedem mündigen Bürger zu verbieten.

Mir scheint, man hat sich folgendes gedacht: Jeder darf zwar grundsätzlich tun und lassen was er will aber wenn zuviele Menschen die ihnen gewährte Freiheit nutzen, sollten sie mit einem Verbot rechnen. Freiheit scheint für manche Menschen seinen Sinn darin zu haben, sich bloß frei zu fühlen. Dass sie aber wirklich wahrgenommen wird, ist dagegen nicht unbedingt erwünscht.

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Jun 11 2008

Punkrock war auch schonmal systemkritischer

Autor: Jan. Abgelegt unter JuLi-Blogs.de, Politik

Ich war vergangenes Wochenende auf einem „Ärzte“-Konzert.

Okay, ich weiß ja: Für echte Punks sind „Die Ärzte“ sowieso noch nie richtig punk gewesen und wahrscheinlich sind sie sowieso schon immer viel zu erfolgreich gewesen und kommerziell und so weiter und so fort.

Dass man als mutmaßliche Millionäre genauso wenig ein Punk im ursprünglichen Sinn sein kann, wie wenn man, wie ich, ein Studium macht, um irgendwann mal einen hoffentlich gut bezahlten Job zu bekommen, liegt ohnehin auf der Hand.

Für mich gilt allerdings, dass mich vor allem die Musik mitreißt und die ihr zugrunde liegende politische Ungestümheit, Wildheit – vor allem ihr keine Grenzen kennender Freiheitsdrang. Das ist dann auch schon alles, was mich mit Punk verbindet – ich wasche mich nämlich regelmäßig und gehe sogar mal arbeiten oder wählen.

Und den Ärzten merkt man auch an, dass sie sich der echten Punkszene in erster Linie nostalgisch zugehörig fühlen und soweit ich weiß auch noch etliche Freunde dort haben. Aber trotzdem kommen die drei Berliner ja doch irgendwie aus der Punkszene, egal wie man zu ihnen stehen mag.

Kommerziell im Sinn von Coca-Cola- oder Mercedes-Benz-kommerziell ist die Band aber trotzdem ganz eindeutig. Die Ticketpreise lagen zwar mit knapp über 30 Euro für eine seit Jahrzehnten erfolgreiche Chartstürmerband wirklich sehr im Rahmen (man vergleiche das mal mit Tickets für die Weltverbesserer Grönemeyer, 59 Euro  oder Maffay, 51-68 Euro).

Die angebotenen Merchandise-Artikel waren aber teilweise preislich sowas von jenseits von gut und böse: Beispielhaft seien der Original Ärzte-Kaffeebecher für 9,99 Euro oder das Ärzte-Schlüsselband, ebenfalls 9,99 Euro genannt. Das ist, um mal im linken Fachjargon zu sprechen, schon irgendwo eine Ausbeutung der Fangemeinde.

Aber egal, auf solches Zeugs kann ich ohnehin verzichten, ich war ja wegen der Musik da.

Und eigentlich nur wegen der Musik, nicht etwa, um das Klima vor seinem sicheren Tod zu retten. Das hab ich aber dabei offenbar auch noch getan.

Denn das erste, was mir am Ticket aufgefallen war, war ein kleiner runder Button, der darauf hinwies, dass 50 Cent des Ticketpreises dafür verwendet werden, die Klimaneutralität des Tickets zu sichern.

Nun meine ich mal gelesen zu haben, dass z.B. Krombacher für den Quadratmeter Regenwald nur einen Cent zahlt – keine Ahnung obs stimmt, ist an sich ja auch Rille, weil ungefähr genausoviele Menschen Krombacher saufen, um die Welt zu retten, wie aus dem selben Grund Ärztekonzerte besuchen. Wenn da aber etwas dran ist, wenn vielleicht der Quadratmeter sogar 10 oder 50 Cent kostet (was ich angesichts des damit nicht steigenden Kistenpreises für unwahrscheinlich halte, weil die Herren Jauch und Völler sich schließlich mit deutlich über 50 Cent ihren Weltrettungseinsatz vergüten lassen dürften), dann scheinen allein die Tickets unfassbare Klimakiller zu sein, wenn man den Gegenwert von womöglich mehreren Quadratmetern Regenwald benötigt, um ihre Existenz umweltpolitisch korrekt zu rechtfertigen.

Oder aber das Konzert-Management hat eine von diesen neuen Ablass-Händlern beauftragt, der davon (weil er ebenfalls kommerziell ist) diverse Angestellte und vermutlich die eine oder andere Dienstreise an Amazonas oder Kongo finanziert, was dann natürlich teurer werden kann.

Ein weiterer Button wies darauf hin, dass das Konzert insgesamt „klimaneutral“ veranstaltet wird. Was war ich beruhigt, monatelang hatte mich mein Gewissen schon geplagt und mir so jede Vorfreude auf das Konzert verhagelt!

Nun gut, damit können die Veranstalter allerdings nicht meine Anreise aus Baden-Württemberg bis nach Kiel gemeint haben. Und damit meinen sie wohl auch nicht, dass meine Kumpels immerhin auch aus dem südlichen Hamburg nach Kiel fahren mussten und schon gar nicht kann die Rede von den vielen völlig Verrückten sein, die sich jedes einzelne Konzert geben und der Band durchs ganze Land hinterherreisen.

Konsequente Klimaneutralität ist also so oder so nicht zu erreichen – wer aber an die Menschengemachte Klimakatastrophe glaubt, der soll meinetwegen gerne versuchen, so klimaneutral wie er kann zu leben. Auf Konzertbesuche würde ich dann allerdings verzichten. Und auf Bananen und Fernsehen auch.

Ärgerlich wird’s natürlich, wenn man als Kunde keine Wahl hat und zum Beispiel von Konzertveranstaltern zu Klimaneutralität gezwungen wird.

Oder hatte man umweltethische Bedenken, dass Ärztefans doch nicht so politisch korrekt sind, wie sie es sein sollten und man Klimaneutralität darum lieber nicht per freiwillige Abgabe sondern durch „Druck von oben“, durch das Management eben, sichern wollte?

Naja, egal. Ich habe ja gewusst was es kostet, bevor ich das Ticket gesehen hatte und der Preis war für mich okay, insofern will ich mich darüber jetzt gar nicht beschweren.

Das aber ausgerechnet eine Band, die sich grob dem Punk zurechnet, zu Bütteln multinationaler Organisationen und sogar der Regierung macht, indem sie deren Politik bis ins kleinste Detail nachvollzieht, ja sie übererfüllt und sich gnadenlos politisch korrekt verhält, das ist die reinste Realsatire.

Sid Vicious würde sich im Grab umdrehen. Vorausgesetzt, er hätte Bock dazu.

Allerdings: Überraschend kam das nicht. Denn ich habe die Ärzte vor Jahren kurz vor den Senatswahlen in der Hamburger Color-Line-Arena gesehen, wo sie dann vor vielen Tausend ihnen lauschenden Fans ziemlich offen Partei ergriffen haben. Die Vorband Fettes Brot übrigens auch.

Spricht ja auch im Prinzip nichts dagegen aber mit Punkrock im ursprünglichen Sinn hat das noch weniger zu tun, als bloßer kommerzieller Erfolg es hätte.

Man kann allerdings beobachten, dass viele andere Bands und Künstler, die sich selbst gerne als „kritisch“ inszenieren, ziemlich unkritisch vielen kollektivistischen, paternalistischen und etatistischen Ideologien nachrennen. Vielfach wird da mehr oder weniger Stimmung in bestimmte, konkret durch Parteien darstellbare Richtungen gemacht, statt einfach nur die eigene Meinung zu vertreten.

Nun lass ich mich von der politischen Einstellung von Künstlern ohnehin nicht einlullen und sie ist mir meistens auch schnurzegal, wenn mir die Produkte und Werke denn ansonsten gefallen. Ich finde mich halt damit ab, dass Genie und Wahnsinn dicht beieinander liegen – was solls. Wenn ich nur Musik hören wollte, die von vernünftigen Menschen gemacht wird, könnte ich wahrscheinlich gut 90 Prozent meiner Tonträger sofort entsorgen.

Aber muss man meine Toleranz immer gleich so sehr auf die Probe stellen? Was Bands wie die Ärzte, vielen genialen Songs zum Trotz, aus dem einstmals parteipolitisch neutralen und unkommerziellen Punk gemacht haben, macht einen spätestens am Tag nach dem Konzert (wenn man so langsam wieder nüchtern wird und alles revue passieren lässt) schon etwas wehmütig.

Und lässt einen dann doch lieber zu den Klassikern des Punkrock greifen.

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Mai 29 2008

Festung Europa

Autor: Jan. Abgelegt unter JuLi-Blogs.de, Politik

Die französische Regierung arbeitet offenbar daran, wirklich arme Menschen aus Europa effektiver als bisher fern zu halten.

Mit wirklich arm meine ich Menschen, die nicht bloß, wie bei uns, willkürlich als ”relativ arm” in irgendwelche Statistiken einfließen, weil sie mit weniger als 781 Euro im Monat öfter mal die Noname-Pizza statt Dr. Oetker kaufen müssen und bei denen es Oettinger statt Beck’s zu trinken gibt, sondern die, die schon auch mal hungern müssen und womöglich noch nie in den Genuss eines guten kalten deutschen Bieres gekommen sein dürften.

Europa, dass sich selbst gern und oft als weltoffen und, natürlich, Weltzentrum der sozialen Wärme sieht und fühlt. Selbstredend sind wir auch die Oberhüter der Menschenrechte und Moralapostel gegen die wirklich fiesen Länder der Welt, schließlich haben wir ja aus unserer Geschichte gelernt. Wir halten uns in grenzenloser Selbstgerechtigkeit natürlich für viel besser als zum Beispiel die bösen Amis mit ihrem Schutzzaun gegen mexikanische Einwanderer.

Wir kriegen es also spielend hin, auszublenden, dass auch bei uns tausende Einwanderungswillige dank der von uns gewollten Politik im Mittelmeer ersaufen, weil sie – ich erwähnte ja, dass es sich um wirklich arme Menschen handelt – sich nunmal nicht alle ein seetaugliches Boot bauen oder Floß zimmern können und wir ihnen andere Einreisewege schlicht verweigern.

Aber all die menschenverachtenden Schutzmaßnahmen sind noch nicht so gut, wie mancher sie gern hätte.

“Der Migrationsdruck werde “wegen der sozialen und internationalen Realitäten” weiter zunehmen. Daher solle Europa seine Grenzkontrollen verschärfen und illegale Einwanderer “effektiver” abschieben.”

schreibt Spiegel-Online dazu. Und nennt konkret folgende Maßnahmen:

  • härtere Auflagen für legale Einwanderung
  • Abschiebepraxis durch Abkommen mit den Flüchtlingsstaaten verschärfen
  • verbesserte Kontrolle der Außengrenzen durch gemeinsame Grenzpolizei
  • Visa für Nicht-EU-Ausländer nur noch mit biometrischen Daten
  • keine Generalamnestien mehr für illegal eingewanderte Menschen

Hauptsache uns hier drinnen gehts gut und wir beweisen uns ständig selbst wie gut und sozial wir alle sind, indem wir was von gerechter einer Welt faseln, gegen “Armut” auf die Straße gehen, Regenbogenfahnen schwenken und uns bei Erdbeben und Naturkatastrophen zu Spendenweltmeistern mausern, sofern sowas nicht grade in China passiert.

Aber wenns darum geht, wirklich großzügig, wirklich sozial und solidarisch mit den Ärmsten dieser Welt zu sein, dann zeigt sich doch, dass wir in Wahrheit ein feiger Haufen von Egoisten sind. So wie wahrscheinlich der Rest der Menschheit auch – nur dass wir es nie zugeben würden.

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Mai 08 2008

Filterblog macht Schule

Autor: Jan. Abgelegt unter In Eigener Sache

Es entbehrt ja nicht einer gewissen Ironie, wenn jetzt schon Texte von mir offenbar Teil von Abiturprüfungen werden – wo ich doch Gymnasien bisher ausschließlich betreten habe, um Party zu machen oder um einer Freundin beim Theaterspielen zuzusehen.

Ersteres passt irgendwie auch wieder ganz gut, weil es in dem Artikel immerhin ums “Flatratesaufen” geht…

Ich fühle mich geehrt – aber hätte ich das damals geahnt, dann hätte ich etwas mehr auf meine Zeichensetzung geachtet;)

Ich wünsche natürlich allen, die sich heute mit meinen Ergüssen so detailliert auseinander setzen mussten, dass sie das möglichst erfolgreich hinbekommen haben.

Und nochmal sorry für die fehlenden Kommas.

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Apr 15 2008

Und wieder Neues zum Thema Alkohol

Autor: Jan. Abgelegt unter JuLi-Blogs.de

Fast 75 Jahre nach dem Ende der Amerikanischen Prohibition steht dieser Gipfel des Bevormundungsstaat in Deutschland scheinbar vor einer Renaissance:

  • Partielle Verkaufsverbote
  • Promillegrenze im Straßenverkehr mittelfristig auf 0,2 und langfristig auf Null
  • Warnhinweise auf Bier- und Weinflaschen
  • Steuererhöhungen
  • Altersgrenze für den Verkauf Bier und Wein soll von 16 auf 18 Jahre anheben

Das sind die Vorschläge des “Nationalen Drogen- und Suchtrats” (richtig, ein Rat genügt ja auch, wozu das Parlament fragen?) an Bund und Länder. In Deutschland wohlgemerkt, nicht in Amerika.

Der Grund für diese drastischen Maßnahmen ist einfach: Da der Staat den Menschen großzügigerweise das Saufen erlaubt, tun sie das auch – und so war das mit der Freiheit eben einfach nicht gemeint, für den oben genannten Rat saufen die Deutschen nämlich dann doch viel zu viel.

Man könnte jetzt sagen “Okay, irgendso ein dahergelaufener Rat halt” – aber da dieser Rat eine gewisse Frau Bätzing berät, die in der Vergangenheit mit Bevormundungsmaßnahmen selten zurückhaltend war (sie hält zum Beispiel ein Rauchverbot für Autofahrer für “dringend erforderlich“…), stehen vermutlich demnächst auf den zwar gütigerweise noch ab 18 Jahren, jedoch nicht mehr an Tankstellen erhältlichen Bierflaschen erziehende, warnende, gutmeindende Sprüche zum Thema Alkoholismus.

Nur zur Klärung: Jugendschutz ist in Ordnung. Die jungen Komasäufer ballern sich zwar eher weniger mit Bier und Wein aus dem Leben – aber wenn unsere Regierung anderer Meinung ist, kann ich damit auch noch leben. Und natürlich ist die Promillegrenze für Autofahrer gerechtfertigt. In Wahrheit gilt sie ja auch schon längst, wenn auch lediglich für Fahranfänger

Aber es ist ein Trend erkennbar. Ein Trend, der eben doch ziemlich stramm in Richtung Prohibition marschiert. Verkaufsverbote für alle beschränken auch alle und das lässt sich eben nicht mit Jugendschutz entschuldigen, sondern ist ein Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Menschen.

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Feb 03 2008

Anne Will

Autor: Jan. Abgelegt unter JuLi-Blogs.de

„Das verdient keinen Schutz“

sagt Karl Lauterbach von der SPD in der heutigen ARD-Sendung „Anne Will“ – und meint damit Flatratepartys.

Ein Zitat, über dass man kurz nachdenken sollte. Die Denkweise, die dahinter steht, ist offenbar die Folgende: Was der Staat erlaubt, dass schützt er also demnach. Solange Flatratepartys nicht explizit verboten sind, sind sie staatlich „geschützt“ – vor wem auch immer und alles was wir tun dürfen, wird vom wohltätigen, allwissenden und allmächtigen Staat gönnerhaft gestattet.

Dieses extrem paternalistische Weltbild ist eigentlich an sich schon Grund genug, sich Sorgen zu machen. Zumal gerade Lauterbach ja einigen Einfluss auf die Politik der Bundesregierung hat.

Natürlich sind All-Inclusive-Partys ein Geschäftsmodell, dass man kritisieren kann. Aber eigentlich sollte es genügen, Minderjährigen die Teilnahme daran zu verbieten und nicht gleich das ganze Geschäftsmodell. Ich war auf vielen solcher Partys (als Winsen noch seine Disko hatte, fanden die dort nämlich regelmäßig statt) und habe nicht feststellen können, dass es dort schlimmer getrieben wurde als an Abenden mit normalen Preisen. Es ist nicht so, dass auf Flatratepartys reihenweise die Leute aus den Latschen kippen, weil sie auf Krampf soviel (oder mehr) getrunken haben, wie sie können. Wer, wie die ebenfalls in der Sendung anwesende Renate Künast von den Grünen, so etwas behauptet, der hat offenbar keine eigenen Erfahrungen mit den Veranstaltungen, die er verbieten will, gemacht.

Die Ganze Talkrunde scheint allerdings, mit Ausnahme von Herrn Kubicki (FDP), dafür inklusive der Moderatorin, der Meinung zu sein, dass Flatrateparty nur ein anderes Wort für Komasaufen ist und schon deshalb verboten gehört.

Letzteres sagt Einiges über den Wissensstand der Talkgäste aus, die sich offenbar lieber an irgendwelchen Schlagworten hochziehen, statt das moralisch eigentlich sehr interessante Thema, „Rauchen, Saufen, Fressen – was verbietet der Staat als nächstes?“ ernsthaft anzugehen.

Bleibt zu hoffen, dass viele Zuschauer lieber dem Rat des ebenfalls eingeladenen Karnevalspräsidenten folgen, der sich für Entscheidungsfreiheit und Zivilcourage einsetzte und der Meinung ist, dass es mehr als genug Regeln und Verbote gibt und man jetzt mal wieder die Menschen machen lassen sollte.

Dem kann ich mich nur anschließen.

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Jan 28 2008

Prohibitionsdebatte in Berlin

Autor: Jan. Abgelegt unter JuLi-Blogs.de

In der Hauptstadt hat sich im vergangenen Jahr ein Minderjähriger buchstäblich todgesoffen. Das löste die Debatte, deren Auswirkungen wir heute stärker denn je spüren, überhaupt erst aus: Berlin ist bereits die achte deutsche Stadt, in der partielle Alkoholverbotszonen (ähnlich wie Umweltzonen, nur dass man hier wohl auch für 6 Euro keine Ausnahmegenehmigungen bekommen wird) diskutiert werden.

Dafür ist auch, aufgepasst, die POLIZEIGEWERKSCHAFT, jawohl!

Gewerkschaften sind dafür bekannt, dass sie stehts das Wohl aller Menschen im Blick haben. Nunja, jedenfalls aller Menschen, die sie ihre Mitglieder nennen, was in diesem Fall bedeutet: Die Berliner Polizisten sind für Alkoholverbote. Klar, denn das verbessert die Arbeitsbedingungen der Berliner Polizei ja durchaus. Wenn man sich die Arbeit per Gesetz erleichtern kann, dann muss man das als Gewerkschaft schon mal einfordern.

Wenn darüber ein weiteres Stückchen individueller Freiheit verloren geht – na wenn schon – ein kleines Opfer für das Richtige, das Gute, das Vernünftige!

Als besonderes Bonbon fordert die Gewerkschaft dann auch gleich noch mehr Stellen, damit so ein Verbot auch durchgesetzt werden kann. Auf diese Weise haben dann wirklich alle was davon: Dem Bürger wird das Saufen erschwert, die friedlichen Bürger Berlins vor besoffenen Pöplern geschützt und die Gewerkschaft nimmt langfristig mehr Kohle durch mehr Mitglieder ein.

Folglich gibts nur eines zu bemängeln – und zwar, um es mal mit Westerhagen zu sagen, “Freiheit ist die Einzige, die fehlt.” Das scheint allerdings niemanden ernsthaft zu stören.

Dass der Todesfall des Jungen im letzten Jahr in einem Lokal stattfand, verblasst zunehmend. Ein Alkoholverbot in der Öffentlichkeit hätte ihn also nicht gerettet.

Aber seit wann braucht man logische Argumente für neue Verbote und Freiheitsberaubungen?

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