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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

2,5 Millionen Zivildienstleistende

Gestern wurde der 2,5 Millionste Zivldienstleistende zum Dienst ohne Waffe verpflichtet. Das ist dem Tagesspiegel einen Artikel Wert gewesen, in dem wir so manche interessante Information finden können.

Zum einen die, dass es mittlerweile deutlich mehr Zivildienstleistende als Wehrdienstleistende gibt. Das Verhältnis steht bei 68.000 zu 88.000. Es leisten also satte 20.000 Männer mehr einen Wehrersatz- als einen Wehrdienst ab.

Das mag man begrüßen, spricht es doch dafür, dass die meisten jungen Männer offenbar eher friedfertig zu sein scheinen. Allerdings erregt diese Schieflage bei den Zahlen, dass mittlerweile eher der Wehrdienst der Ersatzdienst wird.

Dieser Verdacht erhärtet sich, wenn man das hier liest:

“Heute gelten “Zivis” als jung, billig und in der Pflege oder Betreuung von alten, kranken oder behinderten Menschen als unentbehrlich. “Wenn wir sie nicht hätten, hätten wir große Not”, sagte etwa der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes in Baden-Württemberg, Lorenz Menz. Knapp 1000 “Zivis” würden im Südwesten etwa das Essen auf Rädern oder die Behindertenhilfe aufrechterhalten. “Ich habe große Hochachtung vor diesen jungen Männern”, betonte Menz.”

Klar hat er große Hochachtung: Da schuften immerhin junge Männer für einen ziemlich lächerlichen Lohn. Natürlich tun die meisten dass nach wie vor nur, weil sie es müssen. Insofern ist das Gerede dieses Rotkreuz-Menschen schon ziemlich dahingeheuchelt.

Wie der Hase läuft wird später im Artikel noch ein bisschen deutlicher:

“Drohte der Wehrdienst zu kippen, zuletzt im Jahr 2004, zitterten auch die Sozialverbände um ihre zuverlässigen – und relativ günstigen – Mitarbeiter. Zivildienstleistende erhalten nicht mehr Geld als Wehrpflichtige. Ein Großteil des Soldes wird zudem vom Bundesamt übernommen.”

Ja, die Sozialverbände und ihre zuverlässigen, günstigen Mitarbeiter. In anderen Zusammenhängen spricht man bei sowas schnell mal von Ausbeutung, in diesem Fall sogar staatlich subventioniert. Damit steht Zivildienst moralisch wohl so ungefähr auf einer Stufe mit Ein-Euro-Jobs. Je größer nun aber das Verhältnis Zivildienstleistende zu Wehrdienstleistenden wird, desto größer wird womöglich das Interesse dieser Sozialverbände, entsprechend gute Lobbyarbeit zu leisten damit nicht irgendwann selbst die Union auf die Idee kommt, es all unseren Nachbarn gleichzutun und junge Männer in Ruhe ihr Leben leben zu lassen, statt sie zu mehr oder weniger sinnvollen Tätigkeiten zu zwingen.

Wo wir grade beim Thema Sinn und Unsinn in diesem Zusammenhang sind – auch dazu kann man ja unterschiedlicher Auffassung sein, denn

“inzwischen sagen nicht wenige, dass die “Zivis” aus ihrer Dienstzeit sehr viel fürs Leben mitnehmen. Viele Arbeitgeber schätzten die Zivildienstzeit inzwischen als “klares Plus im Lebenslauf”. Die sozialen Kompetenzen wiegen schwerer als vermeintlich verlorene Monate.”

Wer meint, dass wäre ein Argument für diesen Zwangsdienst, der irrt. Denn wenn Zivildienste so heilsam auf Lebensläufe wirken, dann dürften sich unsere Sozialverbände sicher auch ohne Pflicht vor Bewerbern kaum retten können.

Ich halte es da ganz mit dem jugendpolitischen Sprecher der Grünen, Kai Gehring, der sagt:

“Da aber kaum jemand, der den Kriegsdienst verweigere, am Zivildienst vorbeikommt, habe sich das Gesamtkonstrukt “überlebt”, stellt Kai Gehring, jugendpolitischer Sprecher der Bundestags-Grünen, fest. Auch volkswirtschaftlich sei es vernünftiger, die Zivildienststellen in reguläre Arbeitsplätze umzuwandeln und freiwilliges Engagement zu fördern.”

Die DNA-Datei des BKA

Man kennt das: Da wird aufgrund abscheulicher Verbrechen zur freiwilligen Abgabe einer DNA-Probe aufgerufen (vorzugsweise werden Männer aufgerufen) und wer sich nicht irgendwelcher komischen Verdächtigungen ausgesetzt sehen will, der muss beinahe schon hingehen.

Die Daten werden allerdings keineswegs in erster Linie für dieses spezielle Verbrechen benutzt, sondern landen in einer Datenbank des BKA. Und da bleiben sie, zumindest viele Jahre lang.

Über 670.000 solcher Datensätze gibt es und nach BKA-Angaben kommen jeden Monat 9.000 Datensätze hinzu.

Was machen die Beamten mit all den Daten? Verbrechen aufklären natürlich!

Seit bestehen der Datenbank ist das immerhin ungefähr 50.000 mal gelungen! Darunter Mörder, Raubmörder, Vergewaltiger, sonstige Gewalttäter. Leute eben denen man froh sein kann, dass sie nicht frei rum laufen. Laut BKA-Statistik sind 8.000 der 50.000 aufgeklärten Straftaten dieser Kategorie zuzuordnen.

Nanu, und was haben die verbleibenden 42.000 Menschen ausgefressen, dass man zu so extremen Mitteln wie einem Datenbankabgleich greifen musste?

Es waren vor allem Diebe. 41.000 Diebstähle wurden mithilfe der BKA-Datenbank aufgeklärt, ohne dass man sie dafür jemals eingerichtet hätte.

Na gut, aber bei Dieben ist das auch noch vertretbar? Okay, einen hab ich noch.

Denn es wurden auch an die Tausend Fälle von

  • Betrug / Untreue
  • Sachbeschädigung
  • Verstoß gegen Nebengesetze wie Betäubungsmittel- oder Waffengesetz
  • Straftaten gegen die öffentliche Ordnung und
  • Beleidigung

aufgeklärt.

Das nur mal für die, die tatsächlich denken, einmal gesammelte Datensätze würden tatsächlich nur zu den Zwecken dienen, die man bei der Erhebung angegeben hat.

Wer also das nächste mal politisch korrekt irgendwelchen Massen-DNA-Sammel-Aufrufen folgen will, der sollte sich dieser Folgen bewusst sein.

[Zahlenquelle gefunden beim Datenschutzbeauftragten, via gehupftwiegesprungen]

Argumente für und gegen liberale Waffengesetze

Argumente sind kein Plädoyer. Ich glaube nicht, dass mehr Waffen die Welt zu einem besseren Ort machen.

Aber das ist für mich trotzdem kein durchschlagendes Argument gegen liberale Waffengesetze. Spätestens wenn man sich heute, als ganz normaler, harmloser Bürger, fragen muss, ob man mit dem gerade erst erworbenen Set teurer Küchenmesser durch die Kontrolle am Flughafen wagen sollte oder nicht, darf man wohl die Frage stellen, ob das Deutsche Waffen”recht” nicht doch ein wenig übers Ziel hinausschießt.

Und ob nicht auch eine 11,9 Zentimeter lange Klinge ausreicht, um jemandem die Kehle aufzuschlitzen.

Sehr viel mehr an die Substanz geht es, wenn man die Frage in den Raum wirft, ob vielleicht die so harte Gesetze formulierenden Politiker womöglich Angst vorm gemeinen Bürger haben, der sich irgendwann mit Gewalt gegen die zunehmende Bevormundung zur Wehr setzen könnte.

Und verschaffen Bewaffnungsverbote nicht Kriminellen Vorteile, da die sich ohnehin nicht an Gesetze halten (das ist nunmal das Wesen von Kriminellen…), wie es bei den Freunden der offenen Gesellschaft vermutet wird?

Wie sollen wir uns, gemäß unseres Grundgesetzes, eigentlich gegen einen neuen Hitler oder einen neuen Ulbricht wehren, wenn unsere Machthaber uns schon jetzt entwaffnet haben?

Auf der anderen Seite gilt es als erwiesen, dass in waffenstarrenden Gesellschaften die vielen vorhandenen Waffen auch zu vermehrtem Waffeneinsatz führen.

Die Frage, ob überhaupt und wie weit eine Regierung ihren Bürgern Waffenbesitz verbieten darf, ist also offensichtlich nicht ganz leicht zu beantworten. Das zeichnet sich auch in der Diskussion bei den FDOG ab, die verfolgen sollte, wer sich mit dem Thema beschäftigt.

Studiengebühren als Maßnahme sozialer Gerechtigkeit

Wie ich gestern Abend kurz angedeutet habe, hat in Hessen die parlamentarische Mehrheit aus 2xRot und 1xGrün die Studiengebühren abgeschafft.

Man rühmt sich, der “sozialen Gerechtigkeit” einen Dienst erwiesen zu haben und lässt sich dementsprechend von der Basis feiern.

Ich nehme allerdings stark an, dass diese Entscheidung mehr als Machtdemonstration gedacht war, als als “gute Politik fürs Land”, wie das immer so schön heißt, zu machen. Denn was hätten die hessischen Sozialisten davon, der Regierung Koch eine nach ihren Maßstäben gute Politik unterzujubeln? Viel zu leicht könnte der sich diese so oder so populären Projekte zu eigen machen und die Lorbeeren dafür kassieren.

Es wird sich zeigen, ob die parlamentarische Mehrheit der Regierung noch weitere Prestigeprojekte aufdrückt. Der einzige Grund dafür wäre im Moment wohl der, einer Pro-Neuwahl-Stimmung zu begegnen, denn die würde die Mehrheitsverhältnisse im Moment eindeutig zu Kochs Gunsten verschieben.

Aber zurück zur Politik. Studiengebühren für sich genommen sind nicht so unsozial, wie gern getan wird. Sie sind natürlich eine Belastung für Menschen mit wenig Geld und nicht jeder spart sich vorher in der Berufsausbildung und danach ein bisschen was zusammen, so wie ich das getan habe.

Mancher hat aber zum Beispiel auch von Haus aus Geld, weil seinen Eltern vielleicht ein gut gehender “Global Player” / Heuschrecke gehört oder sie geerbt haben oder im Lotto gewonnen oder das Tamagotchi erfunden haben oder weiß der Kuckuck was.

Jedenfalls gibts halt Menschen mit Geld.

Gut: ich weiß, auch dagegen möchte die neue vereinigte Linke gern etwas unternehmen. Aber bis es soweit ist, sind die nunmal da.

Und in Hessen studieren diese Leute nun dank real existierender sozialer Gerechtigkeit auf Kosten der steuerzahlenden Allgemeinheit – zu der viele gehören, die nie studiert haben.

Ich erwarte nicht, dass jene, bei denen das Herz links schlägt, beziehungsweise die im Gegensatz zu eiskalten, machthungrigen Lakaien des Großkapitals (und so weiter und so fort, man kennt ja die vielfältigen Beschimpfungen linksradikaler antiliberaler) wie mir sowas glauben oder auch nur ernsthaft drüber nachdenken.

Für diesen Fall liefert mir Jens Brandt aber flugs die ultimative Geheimwaffe:

vlnr: Blogautor, Marx-Denkmal in Berlin“Wenn in einigen Staaten der letzteren auch “höhere” Unterrichtsanstalten “unentgeltlich” sind, so heißt das faktisch nur, den höheren Klassen ihre Erziehungskosten aus dem allgemeinen Steuersäckel bestreiten.”

Das soll der auf dem Bild rechts neben mir mal gesagt haben.

 

Diese Aussage ließe sich auch auf Lehrmittelfreiheit oder andere “Freibier-für-alle”-Ideen anwenden.

Sie deutet an, was ich unter sozialer Gerechtigkeit verstehe: Nämlich, das es eine Sache ist, armen Leuten helfen zu wollen – aber eine ganz andere, deswegen bestimmte Dinge für alle kostenlos anzubieten, damit auch arme Leute sie sich leisten können.

Das Eine ist sozialistische Marktvergewaltigung: Alles für alle “umsonst” – sie müssen halt “nur” die entsprechenden Steuern zahlen. Das Andere ist Ausdruck sozialen Ausgleichs und staatlicher Fürsorge, ist eindeutig eine Maßnahme um armen Menschen Möglichkeiten zu bieten, die sie sonst nicht hätten.

Ich habs ja schon öfter mal in den Raum geworfen und mach das in diesem Zusammenhang wieder:

Warum sollte die Allgemeinheit reichen Leuten ihr Studium finanzieren? Analog dazu ist hinterfragenswert, ob Kindergeld oder Pendlerpauschale für reiche Leute wirklich sozial gerecht oder einfach nur überflüssiger und bürokratisch aufwendiger Ausdruck falsch verstandener Chancengleichheit sind.

Dieser Gedanke etwas konsequenter auf sämtliche sozialstaatlichen Segnungen angewandt, könnte Milliarden nicht nur an Bürokratie sparen, ohne dieses Land in die neoliberale Hölle zu verwandeln, vor der uns Linke Rattenfänger ständig warnen.

Jean Ziegler “Im Dialog” auf Phoenix

schwadronierte so herum. Heutige Konzerne hätten ja Teilweise mehr Macht als je ein Kaiser gehabt hat und so weiter und so fort.

Haben sie? Sie mögen mehr Geld verdienen, als es Kaiser je durch Steuern eingetrieben haben. Vielleicht haben sie auch mehr Kunden, als so mancher Kaiser je Untertanen gehabt hat.

Aber was soll das Gefasel von einem neuen Feudalismus? Wann hat Coca Cola jemanden jemals mit Vorgehaltener Waffe zum Kauf einer Coke Light gezwungen? Wann hat Microsoft Truppen unter seinen Kunden ausgehoben, um vielleicht in Mountain View die Google-Zentrale zu stürmen?

Die Macht selbst der größten Konzerne gründet sich nach wie vor auf Freiwilligkeit der Kunden und nach wie vor gilt, dass man auch zur Konkurrenz gehen kann. Kapitalismuskritik ist ja okay aber ganz so billig und oberflächlich muss sie doch wohl auch nicht sein, oder?

Schule der Nation

Es ist schon ein bisschen Schizophren: Die Politik nimmt massiven Zorn in Kauf, wenn sie die Zeit bis zum Abitur um ein Jahr verkürzt, möchte aber nunmal dem Fachkräftemangel begegnen und jungen Menschen schneller ermöglichen, ein Arbeitsleben zu beginnen.

Auf der anderen Seite verpflichtet der Staat ständig junge Männer gegen ihren Willen zum “Dienst an der Waffe” und bildet sie zu Soldaten aus.

Selbst wenn man die Zwangsverpflichtung von Menschen für irgendwelche staatlichen Dienste in Ordnung findet muss man schon zur Kenntnis nehmen, das mit diesen Soldaten im Grunde keiner mehr etwas anfangen kann. Die Zeiten, in denen Bataillone voller Kanonenfutter benötigt wurden, sind halt vorbei, zum Glück!

Grenzwertig auch, dass Vater Staat sich inzwischen einerseits die Rosinen rauspickt und die Zahl derjenigen, die er ziehen muss, durch ständiges Ändern seiner eigenen Regeln herunterschrumpft. Wer noch vor 20 Jahren dazu taugte, Deutschland zu verteidigen, der ist es heute halt einfach nicht mehr. Auf diese Weise entgehen ziemlich viele dem Wehrdienst – ich bin einer davon.

“Wehrgerechtigkeit”, ein tolles Wort, das impliziert dass es irgendwie “gerecht” wäre, wenn möglichst alle hin müssten. Das war natürlich noch nie so. Frauen sind schließlich noch nie Wehrpflichtig gewesen, was das Argument, im Extremfall würde nunmal jeder gebraucht, irgendwie lächerlich erscheinen lässt. Und bei Männern waren schon immer etliche Gruppen ausgenommen. Ganz früher zum Beispiel musste man nur nach West-Berlin ziehen und war fein raus. Oder man musste der drittgeborene Sohn sein. Ich meine auch mal gehört zu haben, dass die Zugehörigkeit zu bestimmten Religionen oder Abstammungen von der Wehrpflicht befreit.

Alles sehr fragwürdig und skuril also und kaum mit Demokratie und Grundrechten vereinbar, jedenfalls meiner Ansicht nach.

Vernünftige Argumente für eine Wehrpflicht, die sich auf bürgerliche oder liberale Moral gründen, sind mir bisher nicht begegnet. Die sollten aber schon wesentliche Grundlage für so extreme Mittel wie Zwangsdienste sein. Es ist ja kein Pappenstiel, junge Menschen notfalls mit Gewalt dazu zu zwingen, einige Monate lang alle ihre Pläne zurückzustellen und sich ganz dem Willen einer nicht unbedingt beliebten Organisation unterzuordnen.

Wer meint, dieses “notfalls mit Gewalt” wäre jetzt ein bisschen arg übertrieben, dem hau ich mal eben folgende Pressemeldung um die Ohren:

“Jede Stunde wird Soldat Matthias Schirmer vom Logistikbataillon 142 in Viereck bei Pasewalk vom Diensthabenden geweckt. Dazu ein Bundeswehr-Sprecher der Heeresführung in Koblenz gegenüber unserer Redaktion: “Soldaten im Hungerstreik werden medizinisch überwacht, das ist so verfahrensüblich.” Schließlich sei die Bundeswehr für die Gesundheit ihrer Soldaten verantwortlich.”

Was die Bundeswehr “verfahrensüblich” nennt, nennen Menschenrechtler vermutlich Folter. Wenn man jemanden über längere Zeit jede Stunde weckt, dann ist das doch wohl nichts weiter als Schlafentzug und hat gewiss nichts mit irgendeiner gesundheitlichen Fürsorge zu tun.

Der junge Mann wurde von der Bundeswehr eingesperrt, weil er keine Befehle befolgen wollte – was irgendwo nachvollziehbar ist, weil er offensichtlich besseres zu tun hat, als für Leute den Hampelmann zu spielen, mit denen er nie etwas zu tun haben wollte. Noch dazu ohne irgend etwas anderes verbrochen zu haben als als “wehrtauglicher” Mann auf die Welt gekommen und seinen 18. Geburtstag erlebt zu haben. Gegen diese Behandlung protestierte er dann mit Hungerstreik und nun zeigt ihm Vater Staat eben wo der Hammer hängt – indem er scheinheilig einmal die Stunde “wie gehts?” fragt.

Mehr Berichte über diesen und einen weiteren Totalverweigerer bieten übrigens die Blogs Realsatire.net und Zwanglos.

Letzteres findet sich ab sofort auch in meiner Blogroll wieder.

Militärische Option

Bei den Freunden der offenen Gesellschaft wird die “militärische Option” für die Zyklonopfer in Burma diskutiert:

Die Amerikaner liegen mit ihrer Flotte vor der Küste bereit. Das ist keine Kanonenbootpolitik, sondern zunächst ein Hilfsangebot. Sie sollten aufhören zu zögern, die angedachte Luftbrücke beginnen und am besten gleichzeitig das Regime mit Waffengewalt entmachten. Anschließend ab damit nach Den Haag zum internationalen Gerichtshof. Da käme schon einiges an strafwürdigen Tatbeständen zusammen. Und das Burmesische Volk zu seinem Recht, seiner Freiheit. Und viele der 1,5 Mio, die vom Tode bedroht sind, könnten gerettet werden. Es gibt eine militärische Option. Sie ist zu nutzen.

Am ersten Tag hieß es zunächst von der dortigen Militärregierung, dass es nur einige hundert Opfer zu beklagen gäbe. Die Bevölkerung wusste sofort nach Verkündung der offiziellen Zahlen, dass sie nicht etwa durch Zählung ermittelt, sondern einfach aus der Luft gegriffen worden waren – denn ihre Quersumme war 9.

Dieses irre Regime hatte, wie üblich, seine Astrologen gefragt, wieviele Opfer es gegeben hat. Und bei denen muss alles immer mit einer 9 zu tun haben. In den Achtzigern wurden sogar mal Geldscheine mit den Werten 100 und 50 durch 90 und 45 ersetzt.

Und jetzt erwarten diese Pfeifen, dass die internationale Hilfsgemeinschaft ihnen die Verteilung der Hilfsgüter überlässt. nur damit die Bevölkerung in ihrer Not nicht mitbekommt, dass ihre “Regierung” aus einem Haufen unfähiger Wurstblinker besteht? Die Angst dieser Leute, nach dem Zyklon von einem wütenden Proteststurm hinweggefegt zu werden ist nicht ganz unbegründet, scheint mir. Sicher ist: Die Welt wäre eindeutig besser ohne abergläubische Despoten, die sich nur mit Gewalt an der Macht halten können.

1.500.000 Menschenleben stehen auf dem Spiel. Da sollte die Entscheidung, ob man diesen Menschen helfen soll auch wenn die Regierung das nicht will, eigentlich nicht schwer fallen.

Spricht auch irgendwas dagegen? Nunja, das Völkerrecht.

Im Endeffekt geht es wieder einmal darum, unter welchen Umständen man sich darüber hinwegsetzen darf. In diesem Fall wird wohl kaum jemand die Notwendigkeit dazu abstreiten wollen. Aber trotz der so offensichtlichen Notwendigkeit darf, wer militärisches Eingreifen in die Katastrophe befürwortet, nicht vergessen, dass er das Völkerrecht damit relativiert – und sich ein Stückweit unglaubwürdig macht, wenn er beispielsweise in Afghanistan oder Irak mit dem Völkerrecht kommt.

Gleichwohl man diese beiden Beispiele auch aus anderen Gründen negativ bewerten kann. Nur fällt eben der Anspruch, dass nichts und niemand Völkerrechtsbruch rechtfertigt, einfach weg, wenn man konsequent bleiben will. Es handelt sich also um eine moralische Zwickmühle, wenn man so will – und ich bin geneigt, die Leben von eineinhalb Millionen Menschen im Zweifel als schützenswerter anzusehen, als ein theoretisches rechtliches Konskrukt, dass in diesem Fall eindeutig nicht weiterhilft.

Rechtzeitig zur gerade beginnenden Grillsaison

Famos:

“Seit Dienstag gibt es im deutschen Waffengesetz eine Novelle. Sie besagt unter anderem, dass man Einhandmesser und Messer mit einer feststehenden Klinge ab 12 Zentimeter Klingenlänge nicht mehr außerhalb seiner Wohnung führen darf.”

Tja, liebe Grillfreunde ohne Balkon (der im Gegensatz zum Garten sicher noch der Wohnung zugerechnet werden kann. Oder?), ihr schneidet euer Brot und euer Fleisch dann wohl sicherheitshalber gleich mit Axt oder Kettensäge…

via Sicherheitswahn.de

“Etwas unglücklich”

fand Joachim Bischof, Die-Linke-Abgeordneter in Hamburg die erste Senats-Rede seiner Kollegin Christiane Schneider.

In der Tat: Für eine Partei, die sich viel Mühe gibt, den begründeten Vorbehalten gegen den Kommunismus mit einem demokratischen Außenanstrich zu begegnen, ist es wirklich “etwas unglücklich”, wenn jemand aus den eigenen Reihen (und diesmal wirklich aus den eigenen Die-Linke-Reihen, nicht nur aus der eigenen Fraktion wie Mauer- und Stasifan Christel Wegner) Sachen wie

“Die VR China hat sich aus der Erniedrigung kolonialer Abhängigkeit durch das imperialistische Ausland durch einen langen Krieg befreit”

sagt und klar macht, dass man die Solidarität mit Tibet nicht teilen mag.

Was anderes als Imperialismus ist es eigentlich, dass China in Tibet veranstaltet? Ach ne, stimmt ja: Kommunisten sind ja antiimperialistisch (daher errichten sie auch keine Mauern, sondern antiimperialistische Schutzwälle usw. usf.) und befreien die Menschen bloß von ihren Unterdrückern.

Besagter langer Krieg wurde seit der Machtübernahme der Kommunisten allerdings vor allem gegen die eigene Bevölkerung geführt. Aber egal, wer eine Weltrevolution befeuern will, der kann sich mit geschichtlichen Fakten natürlich nicht ewig aufhalten.

Von sich gegeben hat diese offensichtlich der uralten Waffenbrüderschaft geschuldeten Kalter-Krieg-Rethorik Christiane Schneider, für die der Dalei Lama eine Art tibetischer Khomenei zu sein scheint. Immerhin führte sie nämlich letzteren als Hinweis dafür an, was religiös motivierte Führer anrichten können. Ein berechtigter Hinweis, denn Personenkulte wie die um Khomenei, Hitler, Stalin oder Mao haben der Welt in der Tat selten etwas Gutes gebracht.

Natürlich kann man von dieser Frau Schneider aber nicht im Ernst erwarten, den kommunistischen Glaubensgrundsatz, Staat und Partei hätten immer Recht, ebenfalls als quasi-religiös zu verurteilen. Die größten Weltreligionen zeichen sich schließlich genau dadurch aus, alle anderen Lehren als hinfällig und falsch anzusehen, weil nur der eigene Glaube die endgültige und einzige Wahrheit gepachtet habe.

Christiane Schneider hat inzwischen verlauten lassen, dass sie wohl “für den Ort nicht die richtige Rede” gehalten habe.

Das stimmt. Ihre ganzen Kollegen in den Länderparlamenten und im Bundestag jedenfalls sagen vorsichthalber auch nur die Hälfte dessen, was sie wirklich denken.

Gefahr durch falsche Waffen endlich gebannt

Der Bundesrat hats heute beschlossen: Spielzeugwaffen sind verboten. Jedenfalls, wenn sie besonders echt aussehen.

Bleibt die Frage, wie der entmilitarisierte Bürger nun beurteilen soll, wann eine Waffenattrappe besonders echt aussieht. Denn mit einer echten vergleichen darf er sie jawohl auch nicht.

Positiv ist aber: Von Attrappen wird jetzt jedenfalls endlich niemand mehr erschossen!

keep looking »
  • Löffel voller Weisheit

    Das Recht auf Arbeit ist ein Missbrauch der Sprache, da es nicht erzwingbar ist; das Recht, nicht zu arbeiten, ist hingegen ein liberales Prinzip. — Lord Ralf Dahrendorf

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