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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Ein wenig Kaffeesatzleserei zur lokalen Presselandschaft

Passend zu einer kurzen Diskussion, die ich gestern mit meinem Vater hatte, bringt Spiegel Online heute einen Artikel zum Thema Lokalzeitungen und Internet.

Beide Male geht es letztendlich um die Frage, wie Medien das Internet für sich nutzen können oder sollten oder wie sie es bereits tun.

Im SPON-Artikel wird eines der Hauptprobleme der Lokalzeitungen recht eindeutig beim Namen genannt:

“Den Lokal- und Regionalzeitungen – klassische Abo-Zeitungen – sterben buchstäblich die Kunden weg. Im vergangenen Jahrzehnt schnurrte der Anteil der 14- bis 19-jährigen, die Zeitung lesen, von 50 Prozent auf gerade einmal 38 Prozent zusammen.”

Es ist davon auszugehen, dass der Anteil weiter zurückgeht – aber das liegt wohl vor allem daran, dass Zeitung scheinbar immer noch nur dann Zeitung ist, wenn sie aus Buchstaben auf totem Baum besteht.

Bevor der gute Gutenberg seine Druckmaschine erfunden hat, wurden Nachrichten entweder von Kurieren verlesen oder „per Deichfunk“, wie man bei uns sagt, von Mund zu Mund verbreitet. Die Zeitung auf Papier war da natürlich ein Fortschritt, ein sehr bedeutender noch dazu. Aber technisch gesehen hatte sich eigentlich nur die Methode verändert, wie Nachrichten verbreitet wurden.

Dummerweise ist das natürlich so lange her, dass sich heute niemand mehr daran erinnert.

Junge Leute lesen viele Nachrichten im Internet. Ich beziehe mittlerweile etwa 95 Prozent meiner täglichen Information über irgendwelche Onlinemedien, den Rest teilen sich Fernsehen und gedruckte Zeitung und ganz marginal auch das Radio. Aber ganz subjektiv habe ich nicht den Eindruck, dass junge Leute sich weniger für aktuelle Nachrichten interessieren als früher, zumindest nicht in dem Ausmaß, dass den drastischen Rückgang der Zeitungsabos erklären könnte.

Was vor allem viele kleinere Zeitungen noch nicht begriffen haben oder zumindest zu ignorieren scheinen ist, dass wir gerade wieder einen ähnlichen technischen Umbruch erleben, wie er nach Gutenbergs Erfindung stattgefunden hat. Während vor allem viele ältere Menschen wahrscheinlich nur ungern auf ihre gedruckten Nachrichten verzichten würden, steht für jüngere meistens der Inhalt im Vordergrund, während die Darreichungsform Nebensache ist und man sich halt so einfach wie möglich informieren will. Das hat seine Gründe, am Bildschirm lesen ist nicht jedermanns Sache und daran will sich erstmal gewöhnt werden. Hier ist es allerdings nur noch eine Frage der Zeit, bis es erschwingliche technische Möglichkeiten gibt, die der gedruckten Zeitung in nichts mehr nachstehen. Amazons „Kindle“ ist da schonmal ein vielversprechender Ansatz. Ansonsten muss man wohl feststellen, dass das selber Drucken der Nachrichten, die einen wirklich interessieren, um sie beispielsweise unterwegs zu lesen, auch nur unwesentlich teurer ist als der Kauf einer fertig gedruckten Zeitung.

Zumindest ist das bei meiner Lokalzeitung so. Den Teil, der mich wirklich interessiert, könnte ich regelmäßig auf eine Doppel-A4-Seite kriegen, wenn überhaupt.

Handydisplays werden immer größer, PDAs verbreiten sich immer mehr und ich warte im Moment noch darauf, dass die ersten Navis auf den Markt kommen, die einem automatisch ausgewählte Nachrichten herunterladen und unterwegs vorlesen.

Ich fasse mal zusammen:

  • die technischen Möglichkeiten für rein elektronische Zeitungen sind längst da
  • es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich entsprechende Geräte verbreiten – das wird dann aber schneller gehen, als wir glauben, man denke nur, wie schnell MP3-Player oder Digitalkameras eine Selbstverständlichkeit geworden sind
  • junge Leute, aka die Zeitungsleser der Zukunft, nutzen so oder so bevorzugt elektronische Medien

Nun haben aber gedruckte Lokalblätter ein großes Problem. Und zwar ein so großes, dass man eine große Halle braucht, um es unterzubringen.

Man nennt es Druckmaschine. Die Dinger sind nunmal da und waren mal sauteuer. Das dürfte wohl einer der Gründe sein, weshalb viele Verlage sich mit dem elektronischen Anbieten ihrer Inhalte nicht recht anfreunden mögen.

Das ist nachvollziehbar, denke ich, schützt aber nicht vor Konkurrenz: War früher das kleine Lokal-Käseblatt das Nonplusultra, wenn es um Fotos von Veranstaltungen, Ankündigungen und Werbung für lokale Belange aller Art, so kann heute buchstäblich jedes Kind binnen weniger Minuten eine Website basteln und die Adresse per Email an seine Freunde senden – von den Möglichkeiten, die soziale Netzwerke oder Newsfeeds bieten, ganz zu schweigen.

Viele Fussballvereine schreiben ihre Spielberichte selbst und stellen sie Online, die Zielgruppe für diese Informationen weiß das natürlich im Regelfall und hat womöglich einen Grund weniger, eine Zeitung zu kaufen.

Für so simple Sachen wie Partyfotos gibt es allein in meiner relativ überschaubaren Region bereits diverse sogar sehr gute Portale.

Und was Politik angeht, so bemühen sich auch kleine Verbände um eine aktuelle Website – sieht nicht immer professionell aus und mit der Aktualität ist das auch immer so eine Sache für sich. Aber oft sorgt schon der Wettbewerb zwischen unterschiedlichen Meinungen und Positionen für den nötigen Druck, sich selbst um die Veröffentlichung zu kümmern.

Seit außer mir Nino und Wilfried Rieck regelmäßig bloggen, die Ortsverbände der SPD und der FDP sogar einen Newsfeed anbieten, finden aktuelle und Meldungen, Meinungen und Kommentare zur Kommunalpolitik auch immer öfter online statt – natürlich intensiver, als es in einer gewöhnlichen Zeitung möglich wäre.

Gleiches gilt für private Vereine aller Art – man sehe sich nur an, wie hiesige Faslamsvereine in den letzten Jahren technisch aufgerüstet haben oder auch die Feuerwehr.

Das alles sind Sachen, die der gedruckten Lokalpresse direkt Konkurrenz machen und das tun sie immer besser und erfolgreicher, als es eine Zeitung könnte, die immer eine begrenzte Seitenzahl hat und den auch noch zu einem großen Teil mit Werbung füllen muss, damit der Kaufpreis nachher noch stimmt.

Ein echter Strukturwandel ist nie einfach und so habe ich ein gewisses Verständnis für die Situation von Zeitungsverlegern, die sich nicht zu einer zeitgemäßen Internetstrategie durchringen können. Trotzdem bleibt es aber doch dabei, dass letztendlich die Inhalte das sind, worauf es ankommt und einzig und allein der Leser sollte entscheiden, wie ihm diese Inhalte vermittelt werden.

Wers gedruckt will, der solls gedruckt haben. Aber allzulange würde ich mich als Verleger nicht mehr zieren, alle meine Inhalte auch online anzubieten – selbstverständlich werbefinanziert und nicht per Abogebühr.

Denn es gibt genügend Menschen in jeder Stadt, die die paar Inhalte, die eine kleine Zeitung Tag für Tag druckt, mindestens genauso gut ehrenamtlich und hobbymäßig ins Netz stellen könnten. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis solche Leute das Bloggen für sich als Hobby entdecken – und ohne überheblich wirken zu wollen, gibt vermutlich selbst mein kleines Blog hier an manchen Tagen mehr her, als die örtliche Tageszeitung.

Der Trend ist für mich eindeutig und die vielleicht letzte Chance für etablierte Zeitungen hier in der Gegend, ihm noch zu folgen und damit erfolgreich zu sein, rückt unaufhaltsam näher.

Was an den Grünen nervt

Boche schreibt angesichts jüngster Äußerungen von Bärbel Höhn von den Grünen

“Die Grünen stehen inzwischen, neben ihrem Kernthema Ökohysterie, nur noch für eine patriarchalische Spießermoral,”

womit ich ihm einfach mal Recht geben muss.

Das Einzige, was ich grüner Politik im Augenblick noch abgewinnen kann, sind einige Ansätze was Bürger- und Freiheitsrechte angeht.

In dem Zusammenhang nervt mich allerdings, dass diese andauernd von ideologischen Prestigeprojekten in den Hintergrund gedrängt werden. Wirtschaftliche Freiheit? Klar, nur würden uns viele von den Grünen insgeheim wohl am liebsten schon den bloßen Kauf eines SUVs verbieten. Bekenntnisse zum mündigen Bürger kriegt man auf Nachfrage wohl auch jederzeit – aber das hält bekannte Grünen-Gesichter wie zum Beispiel Frau Höhn auch nicht davon ab, Werbeverbote für alles Mögliche zu fordern.

Meine Definition von Freiheitsrechten schließt das Recht auf Dummheit, auf eine eigene Meinung, die ich nicht der gerade vorherrschenden politischen Korrektheit anpasse oder das Recht ein Auto vor allem deswegen zu kaufen, weil ich es einfach geil finde jedenfalls mit ein.

Mir scheint, die Grünen übertreiben es ständig erst mit ihren Forderungen – und verheddern sich dann in ihrer eigenen Moral, weil sich ihre Ziele manchmal nur schwer unter einen Hut bringen lassen.

Zum Beispiel beim offensichtlichen Konflikt Klima- gegen Umweltschutz: Das Klima vor Kohlendioxid retten und gleichzeitig Atomkraftwerke abschalten ist unmöglich, sofern man auf Importe verzichten will (die natürlich auch irgendwo her kommen müssen…). Statt vernünftigerweise erst das eine und dann das andere Ziel zu verfolgen, wird betonkopfig beides gleichzeitig bei jeder Wahl in die Städte gekleistert.

Oder bei der Gentechnik: Würde man effizientere Nutzpflanzen zum Beispiel zur Herstellung von Bioenergie entwerfen und anbauen, hätte man letztendlich wohl auch mehr Fläche zum Anbau von Nahrung und könnte vielleicht so zwei soziale Probleme auf einmal lindern, nämlich das steigender Nahrungsmittelpreise und das steigender Spritpreise – bei gleichzeitig weniger “Kohlendioxidbelastung”, was bekanntlich ja auch eine grüne Herzensangelegenheit ist. Diese Chance ist in der grünen Ideologie allerdings verbaut, weil alles, was mit Gen-Design zu tun hat, Tabu ist – sofern es nicht züchten heißt, jedenfalls.

Beispiel Drogenpolitik: Auch hier ist man als Grüner schnell bei Werbeverboten (Bärbel Höhns Süßigkeiten sind im Grunde ja auch Drogen, ich kenne jedenfalls etliche schokoladesüchtige Menschen), auch Konsumverbote sind kein Tabu, wie man beim Thema “Nichtraucherschutz” sieht. Vor diesem Hintergrund wirkt das anhaltende Engagement für Cannabis-Legalisierung wie ein Relikt aus Zeiten, als man noch etwas gegen staatliche Bevormundung gehabt hat. Die Grünen von heute kämen vermutlich niemals auf den Gedanken, irgendetwas, dass der Gesundheit schaden könnte, zu legalisieren, wenn sich das irgendwie vermeiden ließe.

Grüne haben bei mir allmählich einfach das Klischee des politisch hyperkorrekten besserverdienenden Spielverderbers weg und offenbar bin ich da ja auch nicht der Einzige. Dabei gab es mal eine Zeit, in der ich so ziemlich jeder politischen Strömung seine Chance gegeben hatte – wem aber außer verbieten, moralisieren und bevormunden aber nichts einfällt, für dessen Sache kann ich mich nunmal nicht erwärmen.

Dabei ist das in diesem Fall eigentlich schade, weil die Grünen gesellschaftspolitisch doch einiges an Potenzial haben. Zentrale Grüne Themen wie die faire Behandlung und Gleichberechtigung von Homosexuellen oder Frauen sind Ansätze, die ich sofort unterschreiben kann.

Aber was machen sie daraus? Die Mehrzahl von Poliker ist mitlerweile PolitikerInnen, egal wie schwachsinnig sich das liest. Als würde das irgendwas verbessern!

Und weil man weiß, dass eine so sinnlose und nervtötende Sprachverhunzung nichts bringt, tritt man noch vehement für sogenannte Gleichbehandlungsgesetze ein, die an bürokratischem Unsinn kaum zu überbieten sind – dafür aber so klingen, als wären sie ein gewaltiger Fortschritt.

Auch hier wieder: Übers Ziel hinaus geschossen. Es verbessert eine Gesellschaft nicht, wenn ihre Mitglieder ständig Angst davor haben müssen, gegen die gesetzgewordene political correctness zu verstoßen, bloß weil sie sich nicht vorsehen. Dazu genügt in unserer heutigen verrückten Welt schon eine unbedacht formulierte Stellenausschreibung – nicht unbedingt ein geeigneter Weg, leider nunmal vorhandene Schranken und Vorbehalten gegen Ausländern, Schwulen oder Frauen abzubauen, wenn man sich, zumindest gefühlsmäßig, wegen dieser Randgruppen juristisch so richtig in die Scheiße reiten kann.

Auch gewisse Leitmotive in der Umweltpolitik der Grünen sind ja so verkehrt nicht. Jeder Blinde sieht, dass das mit dem Erdöl sich in nicht allzu ferner Zukunft wohl erledigen wird. Alternativen Kraftstoffen sollte man da von politischer Seite offen gegenüber stehen und die Vorstellung, jedes Haus würde sich künftig selbst mit Energie versorgen, klingt für mich überaus verlockend. Doch daraus dann ein Dogma zu stricken, das auch noch für alternativlos zu erklären und parallel gegen zu große, zu spritverfressene, zu pferdegestärkte und zu schnelle argumentativ wie auch in politischem Handeln vorzugehen, erweckt eher den Eindruck eines Feldzugs gegen das Auto im Allgemeinen und dass wohlhabenderer Menschen im Besonderen. Und gegen “die Industrie” natürlich, die für einen Grünen, so scheint es mir manchmal, ein bösartiges Monster zu sein scheint. “Die Industrie” hört man Grüne nämlich nur sagen, wenn es um etwas negatives geht. Fast scheint es, als gehörten Windmühlenbauer oder Solarzellenhersteller nicht zu dieser Industrie. Und Ökofood-Hersteller, egal wie groß und profitabel sie sein mögen, erst recht nicht.

Was aber am meisten nervt ist dieser unbändige Staatsglaube. Für die Grünen muss der Staat ständig dies verbieten und jenes ahnden. Am liebsten mag man gar nichts dem Markt oder dem gesunden Menschenverstand überlassen. Der durchschnittliche Grüne scheint zu meinen, dass Freiheit ja gut und schön ist, dass aber grüne Spitzenpolitiker und ihre Positionen besser für die Menschen sind, als die Ansichten der Menschen selbst, weshalb man ihnen gewisse Entscheidungen meint abnehmen zu müssen.

Nicht ich soll entscheiden, wie lieb und teuer mir meine Umwelt ist, nicht ich soll entscheiden, ob ich ein Problem mit Ausländern, Frauen oder Schwulen habe, nicht ich soll entscheiden, ob und wie sehr mich Süßigkeitenwerbung beeinflusst oder Tabakrauch quält. Solche Dinge nehmen mir die Grünen ab – ohne nach meiner Meinung zu fragen.

Liberal ist das nicht.

Wieso brauchen wir den Staat, um uns unterhalten zu lassen?

Fragt Zettel in einem älteren Artikel, in dem er einen schönen Vergleich zwischen Postkutschen und Eisenbahnwagon-Abteilen und dem gebührenfinanzierten staatlichen Rundfunk herstellt.

Ein schöner Artikel zum Sinn von Rundfunkgebühren überhaupt.

Darüber hinauslässt sich aber die Frage, wozu öffentlich-rechtlicher Rundfunk gut ist, ganz gut auf die Frage in der Überschrift reduzieren:

Wozu brauchen wir den Staat, um uns unterhalten zu lassen?

Meint irgendwer, RTL oder Pro7 würden nicht Netzer und Delling für ihre Fussballsendungen einkaufen, wenn es die ARD nicht gäbe? Oder denkt jemand, dass Pay-Tv für die Sachen, die einen interessieren, im Durchschnitt wirklich teurer als 17-18 Euro werden könnten?

Das ein Sender wie Phoenix sich allein mit Werbung finanzieren könnte, ist natürlich fraglich. Aber der Sender gehört sicherlich zu den finanziellen Leichtgewichten im gigantischen öffentlich-rechtlichen Senderkonglomerat. Einen solchen Sender könnte und sollte man so oder so aus Steuermitteln finanzieren – dient er doch vor allem dazu, Worte, Visionen und Dummheiten unserer Politiker in die Wohnzimmer zu transportieren. Wenn das keine Aufgabe von gesamtgesellschaftlichem Interesse ist dann weiß ich auch nicht!

Das einzig Vernünftige wäre, die GEZ als Institution abzuschaffen, die Zahlung der Gebühr mindestens freiwillig machen, beziehungsweise die Nichtzahlung nicht mehr zu behandeln, als täte man etwas moralisch Verwerfliches oder Verbotenes – oder die Gebühr kommt eben komplett weg.

So ziemlich alles ist besser, als der gegenwärtige, unhaltbare Zustand.

Mutig

ist es, wenn jemand erst Jahrelang unter keinem Geringeren als Bundesumweltminister Jürgen Trittin als Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit arbeitet und dann “zu einer Unternehmensberatung mit PR-Mandat für längere Laufzeiten von Atomkraftwerken” wechselt.

Wendehälsigkeit im Dienste eigener wirtschaftlicher Vorteile macht eben auch vor grünen Umweltengeln nicht halt. Daraus folgt: Selbst Grüne sind Menschen und keine selbstlosen Rächer einer gebeutelten Umwelt.

Das i-Tüpfelchen: “Margareta Wolf – Zuverlässig grün” – Eigenwerbung auf ihrer Website. Integrität sieht anders aus.

Generationengerechtigkeit – aber bitte in beide Richtungen!

In einer hiesigen “Umsonst-weil-pickepackevoll-mit-Werbung”-Zeitung steht heute ein Leserbrief, in dem jemand (vermutlich ein Rentner) die durch Aussetzen des Generationengerechtigkeits-Werkzeugs “Riester-Faktor” auf 1,1 Prozent geschummelte Rentenerhöhung lächerlich niedrig und jene, die diesen Schritt als Schlag ins Gesicht der heute jüngeren geißeln, doof findet.

Lächerlich niedrig finde ich die Rentenerhöhung auch. Darum bin ich ja auch für ein faires Rentensystem, dass nicht alt gegen jung aufhetzt, sondern sozial ist und allen dient, statt alle zu nerven.

Jener Leserbriefschreiber echauffiert sich allerdings auch über jene, die die unfaire Behandlung heutiger und künftiger Rentner kritisieren. Wie es denn um diejenigen, die sich jetzt über das gescheiterte Rentensystem so aufregten, bestellt wäre, wenn seine Generation damals, nach 1945, auch einfach “unfair” geschrien und das mit dem Wiederaufbau sein gelassen hätte, fragt er (sinngemäß).

Mal ehrlich: Wer so argumentiert, der muss sich über Zoff und Neid zwischen den Generationen nicht wundern.

Ich nutze mal die Chance und danke allen, die unser Land (der Leserbriefschreiber nennt es ganz liebevoll “Vaterland”) damals, 1945, wieder aufgebaut haben, nachdem sies nach allen Regeln der Kunst in Schutt und Asche gelegt hatten. Das wenige Jahre danach etablierte Rentensystem hat das Zeug dazu, unser Land ein weiteres Mal so richtig zu ruinieren, auch wenn dabei voraussichtlich und hoffentlich keine Menschen sterben.

Ist das die Rache der Kriegsverlierer und Naziwähler von früher? Wenn die Jugend von heute schon keinen Weltkrieg miterleben muss, dann brummt man uns wenigstens einen Staatsbankrott auf?

Ich erwarte nicht, dass heutige Rentner zufrieden sind, mit dem was sie bekommen. Aber ich erwarte Verständnis dafür, dass das Geld erstmal irgendwo her kommen muss und ich erwarte Verständnis dafür, dass wir, im Gegensatz zu ihnen, nicht nur für ihre Rente, sondern parallel auch für unsere eigene aufkommen müssen. Wie dass dauerhaft funktionieren soll, weiß heute kein Norbert Blüm und auch kein anderer Volksverblender aber stumpfes Gezeter und Gejammere wird uns schonmal nicht weiterhelfen.

BuKo

Nein, ich mach jetzt keine Werbung für Frischkäse. BuKo ist nämlich die JuLi-offizielle Abkürzung für Bundeskongress und genau der endete heute in Braunschweig.

Für mich wars der Erste und auch wenn ich “nur” Gast gewesen bin, also nicht selbst mitentscheiden konnte, war das eine schöne Erfahrung. Die Atmosphäre auf so einem Kongress, auf dem sich junge engagierte Leute treffen und Meinungen austauschen, auch mal streiten wenn es sein muss, ist schon eine ganz besondere. Ich hab das genossen – sogar heute, obwohl ich dank der obligatorischen Party völlig übermüdet war.

Überhaupt die Party: Phasenweise wehte da schon ein Hauch von Faslam durch das zum Hotel gehörende Lokal, zum Beispiel bei den ebenso obligatorischen Sirtaki-Einlagen zu “Sieben Tage lang”. Was mir außerdem gut gefallen hat war. dass ich einige (nämlich diesen, jenen und den hier) der anderen bloggenden JuLis mal “in echt” kennenlernen konnte.

Ein paar negative Aspekte gabs natürlich auch, den Ärger im Hotel wegen dem angeblichem Pay-TV-Konsum (für 5 Minuten beim zappen nicht aufgepasst gleich 10 Euro zahlen zu müssen ist wirklich mehr als albern!)  meiner Kreisverbandskollegen zum Beispiel und dass die Bahn mit ihrer Verspätung dafür gesorgt hat, dass ich ne Stunde später als geplant wieder im beschaulichen Wannweil angekommen bin hat mich auch etwas genervt.

Naja, aber das kann man den Organisatoren des BuKo natürlich nicht vorwerfen, auch nicht, dass ich Braunschweig irgendwie hässlich finde (ich sollte dazu sagen, dass ich von der Stadt fast nichts gesehen habe, was sich nicht zwischen Bahnhof und Stadthalle befindet, die Innenstadt soll ja angeblich doch was hermachen).

Der Kongress selber und das Drumherum haben mir aber insgesamt gut gefallen und wenn ichs irgendwie einrichten kann, werde ich beim nächsten Mal wohl auch wieder hinfahren.

Ein paar Fotos haben wir eigentlich auch gemacht, sobald ich die hab und für veröffentlichungswürdig befinde, stell ich die sicher auch noch mal an dieser Stelle ins Netz.

Wahlkampfschrott

Da man an eigenartigen Gesetzen und Äußerungen immer wieder ablesen kann, wie mies es um die digitale Kompetenz vieler Spitzenpolitiker leider oft bestellt ist, sollte es einen eigentlich zuversichtlich stimmen, wenn wenigstens im Wahlkampf “neuartige” Methoden wie Newsfeeds angeboten werden, um Wähler über die Kandidaten zu informieren.

Das ist trotz der mittlerweile eigentlich recht großen Verbreitung dieser immerhin sieben Jahre alten Technik längst nicht selbstverständlich und um so überraschter war ich, als ich feststellte, dass die beiden Spitzenkandidaten des Niedersächsischen Ministerpräsidentenamtes, Wolfgang Jüttner und Christian Wulff, auf ihren Seiten sowas anlässlich der kommenden Wahl anbieten.

Nachdem ich mir jetzt aber einige Wochen lang angeguckt hab, was mit die beiden Herren so in den Reader spülen, muss ich allerdings schon wieder rummaulen.

Bei Christian Wulffs Wahlkampf-Feed bringt zwar durchaus ordentliche Artikel in den Reader, ganz so, wie ich es erwartet hatte. Nur passiert das extrem selten und so Sachen wie Wahlkampfauftritte stehen da bisher gar nicht drin.

Jüttners Feed schießt allerdings den Vogel ab: Information im engeren Sinn kam da bisher gar nicht. Stattdessen lauten die Beiträge fast immer gleich:

“Viele Niedersachsen unterstützen den SPD-Spitzenkandidaten Wolfgang Jüttner. Auf seinen Internetseiten kommen sie zu Wort.”

So fängt die “Nachricht” immer an und naja, dann kommt halt wieder ein Niedersachse zu Wort und wiederholt meistens irgendeine Wahlkampfplattitüde von Wolfgang Jüttner (gerne irgendwas mit “Niedersachsen soll gerechter werden”, so richtig pauschal und nichtssagend also). Ich hätte da inhaltlich (ist ja nunmal typisch Wahlkampf) gar nix gegen einzuwenden – aber diesen Unsinn gleich als Feed anbieten? Dann hätte man doch besser gleich Jüttner sein Programm der Reihe nach aufsagen lassen können, immerhin will ich als Wähler ja wissen, warum ich Jüttner wählen soll und nicht, warum andere das vor haben.

Wobei es auch irgendwie eigennützig klingende Stimmen zum Thema “Jetzt: Jüttner!” gibt:

“Ich unterstütze Wolfgang Jüttner, damit wir in Oldenburg wieder Sitz einer Regionalregierung werden.”

Aha, welch ehrenwerter Beweggrund… vermutlich sind damit die Bezirksregierungen gemeint, die 2004 abgeschafft wurden. Ihre Kompetenzen gingen dann auf die Landkreise über, wenn ich das noch richtig weiß und eigentlich habe ich Regierungen auf Kreis- und Gemeindeebene auch immer für Regionalregierungen gehalten.

Ich kenne den Herrn nicht, der aus diesem Grund Wolfgang Jüttner wählen will aber wenn ich ein bisschen drüber nachdenke: Wer außer den ehemaligen Beamten der Bezirksregierung kann eigentlich ein vitales Interesse daran haben, die Bezirksregierungen wieder einzuführen? Was hätte ich zum Beispiel davon, wenn manche Dinge wieder in Lüneburg, statt in Winsen entschieden würden, außer dass noch eine Regierung natürlich noch mehr Bürokratie und einen noch größeren Mitarbeiterstab nach sich ziehen würde? Ich bin mir sicher, das Wolfgang Jüttner mir schon erklären könnte, was er sich dabei denkt. Aber auf diese Weise ist das keine besonders motivierende Werbung.

Wie auch immer, für solche und andere Sinnlosigkeiten hätte nicht unbedingt ein an sich tolles Medium wie der Newsfeed missbraucht werden müssen. Da kann man Termine bekannt machen, aktuelle Pressemitteilungen rausgeben, auf Angriffe des Gegners reagieren und und und. Das hatte ich eigentlich auch erwartet aber beides ist zumindest bei den beiden Kandidaten von CDU und SPD leider Fehlanzeige.

Die Spitzenkandidaten von FDP und den Grünen bieten übrigens gar nicht erst einen Feed an. So kann mans zwar auch machen – aber eigentlich hätte man da wirklich relativ leicht ein sinnvolles Wahlkampfinstrument haben können, dass interessierten Wählern wie mir sogar etwas gebracht hätte. Chance vertan.

DNS-VZ

Wer schon bei den nicht selten ausgedachten Daten, die man so bei StudiVZ veröffentlichen kann Bauchweh bekommt, der wird die bloße Existenz dieses interessanten Internetservices wohl nur schwer nachvollziehen können: “23andMe” analysiert die eigenen Gene anhand einer Speichelprobe und sagt einem dann zum Beispiel (laut Eigenwerbung)

  • Was die Gene über einen sagen
  • ob man den Geschmackssinn der Mutter geerbt hat
  • wer zu seinen Vorfahren gehört

Na denn… das Internet bietet also immer noch Überraschungen und Neuheiten.

via web2null.de

So sieht also angewandter Tierschutz aus

Drauf gestoßen bin ich durch Juli-Blogger Oliver Luksics kurzen Beitrag:

Die “weltgrößte Tierrechtsorganisation” (Eigenwerbung) hat dem Stuttgarter Stürmer Mario Gomez einen Brief geschrieben, indem sie ihn freundlich auffordert, sich von seinem neuen Spitznamen “Tor-Rero” zu distanzieren. Den hat er, wenn ich das richtig verstanden habe, wegen Matador-ähnlichem Jubel-Verhalten nach Toren verpasst gekriegt und äh.. naja, das geht den Tierrechtlern natürlich zu weit.

Ich stehe der Peta eigentlich seit jeher äußerst kritisch gegenüber aber nach der Geschichte ist der Verein für mich einfach nur noch lächerlich. Und mit Tierschutz oder irgendwelchen Rechten für Tiere hat das wirklich nichts mehr zu tun.

Sündenbock McDonalds

Was ist eigentlich schlimm daran, wenn viele Millionen Menschen auf der ganzen Welt es gern haben, dass sie sich in weltweit quasi genormten Restaurants einer gewissen Burgerkette auf nahezu gleiche Qualität und Geschmack der Produkte verlassen können?

Dass das Essen dort nicht unbedingt schlank macht, weiß ja jedes Kind – dass es nicht gerade ein billiges Essen ist, ist ebenso bekannt. Aber anders als bei vielleicht günstigeren, jedoch nicht unbedingt gesünderen Alternativen wie dem allgegenwärtigen Dönermann, der Pizzabude an der Ecke oder der klassischen Currywurst im Imbiss, weiß man vorher, was man kriegt. Das ist ein wesentlicher Vorteil von McDonalds (oder anderen Ketten) gegenüber anderen Fressbuden, die man vorher zumindest mal getestet haben sollte, bevor man sicher sagen kann, ob sie was taugen.

Im Vorfeld des G8-Gipfels erklärte ein Attac-Experte, er würde grundsätzlich nicht bei McDonalds essen, ihn würde irgendwas am Produktionsprozess stören oder so (den genauen Wortlaut bekomme ich nicht mehr zusammen, ist aber auch nicht so wichtig, denke ich). Nunja, viele seiner Kollegen haben sich während der Demonstrationen ja dann trotzdem beim “Goldenen M” versorgt, so dass die Ablehnung der Kette keine offizielle Attac-Position zu sein scheint sondern nur eine Einzelmeinung.

Und in Berlin wird so vehement gegen die Eröffnung einer Mc Donalds-Filiale demonstriert, wie andernorts gegen den Bau einer Moschee.

Was haben diese Leute? Warum soviel Intoleranz? Wems dort nicht schmeckt oder wem die Produktionsmethoden nicht passen (man soll ja nicht alles glauben, was einem die Werbung verspricht – aber in diesem Punkt bin ich mir einigermaßen sicher, dass Mc Donalds tatsächlich kein Schindluder mit seinen Produkten betreibt – haben die nicht nötig und man zahlt schließlich genug dafür), der braucht doch nicht hingehen.

In Berlin argumentiert man, dass dort irgendwelche Strukturen zerstört werden könnten und man einfach keinen Mc Donalds haben wolle. Naja, wenn den wirklich keiner haben will, dann macht er ja sowieso ganz schnell wieder dicht, sagt mir jedenfalls der gesunde Menschenverstand. Was diese gefährdeten Strukturen angeht: Darüber, dass immer mehr Dönerläden die gute alte Currywurst verdrängen hat sich irgendwie noch keiner aufgeregt. Okay, mir persönlich schmeckt der Döner im Zweifel sowieso lieber – aber Strukturen gehen so trotzdem verloren.

Aber was solls: Wenn bei uns endlich auch eine Sonder-Steuer auf Salziges, Süßes und Fettes eingeführt wird, kann sich mit etwas “Glück” eh keiner mehr seinen Burger leisten.

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  • Löffel voller Weisheit

    Ich bin Politiker, dass heißt ich bin ein Betrüger und Lügner, und wenn ich kleinen Kindern keine Küsschen gebe, klaue ich ihnen ihre Bonbons. — Jeffrey Pelt (Figur aus “Jagd auf Roter Oktober))

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