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Der Preis der Freiheit ist stetige Wachsamkeit.

Blumen contra Pfingsten

So langsam muss der Leser meinen, ich betriebe hier systematisches Konservativen-Bashing, nachdem ich in kürzester Zeit erst gegen die krampfhafte Rettung der deutschen Sprache und dann für ein Adoptionsrecht von homosexuellen Paaren argumentiert habe und mich jetzt gedenke, über den hausgemachten Gewissenskonflikt in meinem Gastland Baden-Württemberg, wo jetzt die konservativen Projekte heilige religiöse Feiertage und Rettung der des Muttertags sozusagen gegeneinander ausgespielt werden müssen.

Viele kirchliche Feiertage fallen jedes Jahr auf einen anderen Tag. Das nervt und hat auch so überhaupt keinen Sinn. In diesem Jahr führt das dazu, dass Maifeiertag und Himmelfahrt an einem Tag sind – was einen freien Tag kostet und für Winsener den schwierigen Gewissenskonflikt birgt, ob sie am 30. April das Stadtfest besuchen oder irgendwo in den Mai tanzen sollen.

Viel schwerwiegender: Muttertag fällt auf Pfingstsonntag. Zwar weiß kaum jemand, was Pfingsten eigentlich bedeutet – aber da er einer der höchsten kirchlichen Feiertage ist, gehört er geschützt.

Und darum streitet man nun im Baden-Württembergischen Landtag, in dem die CDU die absolute Mehrheit der Sitze inne hat, ob am Muttertag Blumen grundsätzlich verkauft werden dürfen oder ob die Gemeinden selbst entscheiden dürfen, ob ihre Blumenhändler öffnen dürfen oder ob nicht doch die Heiligkeit des Tages wichtiger ist, als das Bedürfnis vieler Mütter nach frischen Blumen.

Wer sich um solche Fragen schert, scheint entweder sonst keine Probleme zu haben oder nimmt sie zumindest nicht wahr.

Zeitungen – Print vs. Online

Die Bundesregierung hat, wieder mal, ein akutes Problem entdeckt und in Angriff genommen:

Zeitungsleser werden immer weniger!

Zu dieser Analyse kommt man wohl nur, wenn man gedruckte Zeitungen zählt und andere Verbreitungswege ignoriert.

Wenn ich meinen alten Herrn schwadronieren höre, dass das Veröffentlichen von Annoncen im Internet doch gar nichts bringen würde, weil der Großteil der Leute doch da gar nicht reingucken würde, wird mir immer sehr deutlich, dass es diese digitale Kluft, von der oft geredet wird, tatsächlich gibt.

Natürlich hat er Unrecht, jede Statistik belegt eigentlich, dass man bei Auto- oder Wohnungssuche im Prinzip längst nicht mehr aufs Internet verzichten kann – auch wenn natürlich nichts gegen eine ergänzende Recherche in Zeitungen spricht.

Da offenbart sich allerdings das Grundproblem, dass häufig ältere Herrschaften mit den längst nicht mehr “Neuen Medien” (Internetbrowser in der heutigen Form gibts immerhin schon seit 15 Jahren!) haben: Sie nehmen sie nicht ernst, weil sie ihnen suspekt sind und weil sie sie nicht verstehen. Würden sie sich auch nur einen Nachmittag mal mit dem Thema befassen, würde das ihre Meinung vermutlich ändern – aber dazu sind viele auch nicht bereit.

So verwundert es nicht, dass die Bundesregierung, die zum Teil offenbar ebenfalls aus Technikverweigerern besteht, ein Problem darin sieht, dass die Printausgaben vieler Medien an Auflagen verlieren.

Da werden dann die abenteuerlichsten Thesen draus abgeleitet. Etwa, dass junge Leute weniger lesen würden, dass weniger gedruckte Zeitungen weniger Interesse an Politik bedeutet, dass langfristig die Demokratie in Gefahr wäre und so weiter und so fort.

Dahinter steht wohl das Denken alter Leute, die, bewusst oder nicht, sich gegen Neues stämmen. Jeder, der ein bisschen grundsätzlicher nachdenkt, kommt schnell darauf dass es ziemlich oberflächlich ist, sich an eine einzige Verbreitungsform zu klammern. Als käme es darauf an, dass Nachrichten gedruckt würden. Als wäre eine Meldung erst dann seriös, wenn sie unauslöschbar auf Papier steht.

Menschen die so denken, verkennen, worum es wirklich geht: Um den Inhalt. Und da sind viele Onlinemedien absolut brauchbar. Mehr noch: Sie sind praktischer, als gedruckte Nachrichten es jemals waren. Meine Tageszeitung werfe ich normalerweise am nächsten Tag weg. Wenn mir dann nach einer Woche noch was einfällt, das ich nochmal lesen will, dann habe ich ein Problem – das bei guten Onlinemedien inzwischen meist entfällt. Für die Freunde der gedruckten Zeitung mag es komisch klingen, aber Onlinemedien sind heutzutage meistens langlebiger als gedruckte.

Der Spiegel-Verlag hat zum Beispiel sogar seine sämtlichen gedruckten Artikel aus den letzten 60 Jahren inzwischen gebührenfrei im Netz – Online überholt Print an dieser Stelle komplett. Und ich kann mir gut vorstellen, dass andere Verlage nachziehen werden.

Ich persönlich gehe davon aus, dass gedruckte Tageszeitungen in nicht allzu ferner Zukunft größtenteils Geschichte sein werden. Das Einzige, was den flächendeckenden Untergang bisher noch aufhält, ist der Mangel an wirklich praktischen Lesegeräten für elektronische Zeitungsartikel – und natürlich die Technikverweigerer. Beides wird sich aber irgendwann erledigen, und sei es nur dadurch, dass die Kosten für elektronische Zeitungen erheblich geringer sind und der Anreiz, lieber elektronisch als gedruckt zu lesen, steigt.

Das die Bundesregierung jetzt obskure Initiativen zur Rettung von PostkutschenPrintmedien startet, wird da auch nicht dran rütteln können. Wer so etwas nötig hat, der hat eigentlich schon verloren.

Verlieren werden auch alle die Verleger, die heute noch eine “Print-Only”-Strategie fahren – so wie meine heimische Zeitung beispielsweise. Der Winsener Anzeiger hat zwar eine Website (wow…), die zwar lästigerweise komplett in königsblau blau gehalten ist (eher untypisch für Nachrichtenseiten, die einzigen anderen Farben stammen von den paar Werbebannern, wenn sie denn funktionieren…), aber immerhin täglich aktualisiert wird. Aber, und das ist eigentlich der größte Lacher dabei, es wird immer nur die “Lokales”-Seite ausgetauscht, da stehen dann halt immer 3-4 Artikel aus der aktuellen gedruckten Ausgabe drin, die man allerdings vorher immer von den ihnen zugehörigen Fotos befreit. Am nächsten Tag sind diese ohne schon spärlichen Nachrichten dann auf nimmerwiedersehen verschwunden.

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Wer aus Winsen ist und, wie ich, an Nachrichten von Zuhause interessiert ist, obwohl er die meiste Zeit woanders wohnt, der wird auf ein reichlich teures Sonder-Printabo verwiesen, da käme dann die Zeitung allenernstes mit der Post.

Wer sowas anbietet, ignoriert die neuen Möglichkeiten vollständig. Denn: 1. lege ich doch keinen Wert auf die Printausgabe, mir gehts um den Inhalt und nicht um das Altpapier, 2. käme die Zeitung irgendwann nachmittags mit der Post, ich könnte sie dann so um 16-17 Uhr lesen – also dann, wenn beinahe schon die nächste Ausgabe in Druck ist und die Nachrichten entsprechend veraltet sind und 3. zahle ich außer den überflüssigen Druckkosten auch noch überflüssige Versandkosten. Würde ja alles entfallen, wenn man beispielsweise ein Email-Abo anbieten würde, wenn man sich schon nicht zu einer echten Online-Ausgabe durchringen kann.

Ich bin mir sicher, dass der Winsener Anzeiger keineswegs ein Einzelfall ist. Es gibt ja viele dieser kleinen Lokalblätter, die immer noch so arbeiten, als gäbe es das Internet nicht. Wahrscheinlich hängt das auch damit zusammen, das es für derartige technische Revolutionen kein Personal gibt, dass sich mit den daraus abzuleitenden Konsequenzen befassen könnte.

Das ist die praktische Seite. Wenn die Regierung einfach nur die Rückgänge bei Printmedien betrachtet und als Problem auffasst, daraus sogar schließt, die Leute würden weniger lesen, dann verkennt sie kurzerhand nichts weniger als eine kulturelle Umwälzung. Ich habe jedenfalls noch nie soviel gelesen wie heute. Dank des Internets sind aktuelle Nachrichten (und damit meine ich Minuten-Aktuell, nicht etwa Tages-Aktuell) zu Geringsten Kosten Verfügbar.

Dazu kommen noch unzählige Blogs und Dienste wie Google-News, die per Feed-Abo zu einer Art interessengelenktem Filter werden. Auf die Art entgeht mir so schnell nichts, was mich interessiert. Weder Print noch Fernsehen haben dem irgendwas entgegenzusetzen – mal ganz zu schweigen davon, dass das Internet ohnehin das Zeug dazu hat, alle bisherigen Medien zumindest technisch in sich zu vereinen. Das geschieht ja auch immer mehr; Keine Nachrichtenseite kommt ohne Videos aus und Podcasts werden auch immer beliebter – und wer partout seine Zeitung gedruckt lesen will, druckt sich den Kram halt selber aus.

Nicht nur Informationsjunkies wie ich lesen mehr denn je, ich stelle mal die wilde, weil ausschließlich aus subjektiven Eindrücken aus meiner Umgebung basierenden These auf, dass es der überwiegenden Mehrzahl der unter-35-Jährigen so ähnlich geht. Und da nahezu jedes (Winsener Anzeiger mal ausgenommen) Onlinemedium inzwischen über eine Kommentarfunktion verfügt, verliert Zeitunglesen zunehmend seinen rein passiven Charakter.

Auf Kommentare in anderen Medien kann ich zwar dank meines Blogs, dass für mich die gleiche Funktion erfüllt, verzichten. Aber auch hier wage ich die Vermutung, dass die meisten Menschen heute mehr schreiben, als sie es ohne das Internet tun würden.

Eine Pro-Print-Kampagne, die den Übergang vom Zeitalter der Papiermedien zum Zeitalter der elektronisch verfügbaren Informationen nicht nur nicht als Fortschritt anerkennt, sondern sogar für grundsätzlich falsch hält, wirkt auf mich wie eine der Wirklichkeit entrückte Lobby-Veranstaltung.

Menschen die so denken, haben vermutlich auch bei der Verbreitung von Waschmaschinen für das gute alte Waschbrett argumentiert und die Passagierluftfahrt mit Hinweis auf die doch so gut funktionierende Linienschifffahrt als überflüssig erachtet. Wäre es nach solchen Leuten gegangen, dann hätte die Menschheit wohl auch nie den Schritt vom Faustkeil zum Kupferbeil gemacht, weil sich der Faustkeil doch mehrere zehntausende Jahre lang bewährt hat und man doch so ein kulturelles Erbe nicht einfach auf dem Altar des Fortschritts opfern könnte.

Ich für meinen Teil trenne längst nicht mehr zwischen Print und Online, für mich sind es einfach nur Nachrichten – egal wie sie zu mir gelangen.

Stadtfest Winsen

Nächste Woche Mittwoch, also am 30. April, ist es wieder soweit: Das mittlerweile 31. Winsener Stadtfest beginnt. Fünf Tage lang verwandelt sich Winsens normalerweise eher mäßig aufregende Innenstadt in eine Partymeile.

Meine persönlichen Highlights:

  • Mittwoch gehts einfach nur los, das reicht eigentlich schon;)gehts nicht einfach nur los, sondern auf der Herforder-Bühne an der Kirche spielen ab 19.30 Olaf und Dieter Klassiker aus Rock und Pop.
  • Donnerstag um 19 Uhr auf der Herforder-Bühne – 104 Elements
  • Freitag 20.30 Uhr Bühne Sparkasse Harburg-Buxtehude – Rock n Roll Deputyz (genau, die von unserer legendären Faslamsparty!)
  • Samstag: Crush2002 und April May June ab 19 Uhr auf der Herforder-Bühne (könnte auch n Fehler auf der Website sein, vielleicht treten die aber wirklich irgendwie abwechselnd auf)
  • Sonntag: 15 Uhr Elbdeichbrummer

Mir ist durchaus bewusst, dass der letzte Programmpunkt ein bisschen aus der Reihe fällt. Aber der Chor besteht nunmal zu einem nicht unerheblichen Teil aus Hooptern, darunter logischerweise diverse Bekannte und sogar Verwandte meinerseits und außerdem ist das eine lustige Truppe. Trotzdem ist es an sich eher ein Chanty/Männerchor und eben keine Rockband. Rockt trotzdem, nur eben anders;)

Das wären, wie gesagt, die Punkte, die mich neben dem allgemeinen Trubel besonders interessieren. Es findet natürlich noch mehr statt – Einzelheiten gibts hier.

Zum Landeskongress der JuLis Niedersachsen

Der fand nämlich vergangenes Wochenende in Langenhagen bei Hannover statt.

Auf der Website der niedersächsischen JuLis findet sich dazu eine Pressemitteilung, in der der frischgebackene JuLi-Vorsitzende, Matthias Seestern-Pauly so zitiert wird:

“Ein freiheitliches Politikangebot ist immer mehr als ein Parteiprogramm. Bei aller Richtigkeit unserer Programmatik fehlt ein gesellschaftliches Bild, dass glaubwürdig ist, den Menschen wieder Mut macht und den Wunsch zum Engagement weckt.”

…was für mich durchaus vernünftig klingt aber die Schwierigkeit liegt ohnehin eher darin, dass tatsächlich umzusetzen. Aber der Ansatz gefällt mir.

Der neue Landesvorstand besteht nun aus

  • Matthias Seestern-Pauly, Vorsitzender (Osnabrück)
  • Stefanie Schaffer, Presse- und Öffentlichkeit (Schwanewede)
  • Felix Bensmann, Programmatik (Hasbergen)
  • Gerd Hermann-Rahmann für Finanzen (Göttingen)
  • Tanju Satiloglu für Organisation (Delmenhorst)

sowie den Beisitzern

  • Verony Reichelt (Wolfsburg)
  • Julian Schulte (Georgsmarienhütte)
  • David Salm (Hambergen)
  • Carolin Covolo (Lastrup)

Einzelheiten zum Lako und dem Drumherum kann man im Bericht meiner Kreisverbandskollegen und Lako-Neulinge Phillip und Isabel auf unserer KV-Website nachlesen.

Erdgaspipeline durch Stöckte

In Stöckte, einem kleinen Nachbarort meines noch kleineren Heimatortes (beides sind verwaltungstechnisch Ortsteile der Stadt Winsen) regt sich seit geraumer Zeit Unmut über eine geplante Erdgaspipeline, die nicht nur mitten durch den Ort sondern auch durch eine Bebauungslücke führen soll, die im Falle einer Explosion eindeutig viel zu klein wäre.Explosion? Ja, sowas kommt vor. In Deutschland. Zum Beispiel vor nicht mal einem Jahr in Hessen. Die Aufregung ist also keine substanzlose Panikmache, auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass sowas ausgerechnet an der Stelle geschieht, sicherlich nicht groß ist. Aber man muss die Bedenken der Anwohner und Eigentümer trotzdem ernst nehmen.

Aus liberaler Sicht stellt sich das Problem so dar: Natürlich darf meinetwegen jeder auf seinem Grund und Boden machen, was er will – wenn er ne Gaspipeline bauen will, soll er. Der liberale Grundsatz funktioniert aber immer nur mit der Einschränkung, dass die Freiheit anderer durch Wahrnehmen der eigenen Freiheit nicht beschränkt werden darf. Und das wäre bei dieser Pipeline der Fall, eine 1,20 Meter dicke Gaspipeline rummst nämlich im Fall eines Unfalls ganz ordentlich – aber auch wenns glatt geht, dürfte sich das Bauwerk negativ auf die Immobilien- und Grundstückspreise auswirken.

“Energiesicherheit” hin oder her – die im Augenblick bevorzugte Trasse wird von denen, die sie betrifft, abgelehnt. Und die Betroffenen sind für mich die wichtigsten Beteiligten in dieser Sache. Ich würde vergleichbares neben meinem Haus jedenfalls auch nicht dulden wollen.

Das sieht der Rat der Stadt Winsen inzwischen geschlossen genauso, wäre ja auch irgendwie putzig wenn nicht. Eine Alternative gibt es außerdem auch, die schied bisher aber vor allem aus “umweltpolitischen Gründen” aus, weil sie länger ist und damit mehr Natur zerstört (ein wahnsinnig stichhaltiges Argument, wenn es um Gesundheit und Eigentum von Menschen geht!). Das war jedenfalls das genannte Hauptargument dagegen – dass längere Rohre auch erheblich mehr kosten, wurde lieber gar nicht erst erwähnt, dürfte aber sicherlich auch eine wichtige Rolle gespielt haben.

Interessant ist, dass aber die Stadt nicht das letzte Wort über die Trassenführung hat. Nichtmal der Landkreis Harburg, sondern die Regierungsvertretung Lüneburg (so wie ich das verstehe ist das wohl der Überrest der an sich abgeschafften Bezirksregierung).

Das ist wirklich erstaunlich. Ich könnte ja gut damit Leben, wenn übergeordnete Gebietskörperschaften die Planung und das Genehmigungsverfahren für sowas übernehmen – aber die Möglichkeit ein Veto einzulegen, die gehört möglichst nahe an die betroffenen Bürger und das hieße für mich, dass mindestens der Stadtrat so etwas befürworten müsste, wenn man schon nicht die direkt betroffenen Anwohner fragen mag.

Ich wünsche meinen Stöckter Nachbarn, dass man ein Einsehen hat in der Lüneburger Regierungsvertretung – auch wenn die potenziell so weit weg von den Bürgern vor Ort ist, dass ihre Sorgen und Nöte allenfalls eine Fußnote bei diesem Projekt sein dürften.

Neu in der Blogroll: Wilfried Rieck

Gerade als ich dachte, dass es nach Ninos und meinem Blog auch ein drittes politisches Blog aus Winsen gibt, schien sich das auch schon wieder erledigt zu haben:

Momentan ist dieser Blog gestoppt.
Ich muß darüber nachdenken, ob dies der richtige Weg ist.

Schade dachte ich, konnte es allerdings verstehen.

Denn immerhin handelt es sich bei dem Autoren um den ehemaligen zweiten Vorsitzenden der Freien Winsener, Wilfried Rieck, und da gibt es in Augenblick einen recht verbitterten Zwist zwischen ihm und dem Vorsitzenden Oliver Berten, der inzwischen sogar über Anwälte zu laufen scheint. Näher will ich da im Moment nicht drauf eingehen, weil ich das gar nicht weiter beurteilen kann. Das man unter solchen Umständen sein Konzept nochmal etwas überdenkt und alles in Frage stellt, kann ich absolut nachvollziehen.

Jetzt allerdings scheint es dort doch weiterzugehen:

Nachdem ich nun hoffentlich unmissverständlich klargestellt habe, dass ich jederzeit, an jedem Ort, über jede Person und über jedes Thema meine persönliche Meinung äußern kann und bei Bedarf auch werde, möchte ich das Thema “Freie Winsener” für mich hier an dieser Stelle beenden.

In Zukunft soll dieser Blog eine Meinungsplattform zu allgemeinen und kommunalpolitischen Themen der Stadt Winsen (Luhe) sein.

Sehr schön, damit gibt es dann endlich mehr als nur eine private Sicht auf die Winsener Politik im Internet – das ist auf jeden Fall ein Gewinn!

Ich hatte, glaube ich, bisher keinen einzigen Anlass, mal etwas Positives über die Freien Winsener zu schreiben, über ihren Vorsitzenden schon gar nicht. Ich habe die Truppe bisher so wahrgenommen, dass sie sich ausschließlich für Dinge einsetzt, die die Leute so hören wollen und sich nicht darum kümmern, wie teuer oder sinnlos manche Vorhaben dabei sind.

Dementsprechend sind sie bei den anderen Stadtratsfraktionen nach meinem Eindruck auch nur mäßig beliebt und da ich selten aus meiner Abneigung gegen allzu platten Populismen einen Hehl mache, dürfte es kaum überraschen, dass mich vieles von dem, was Oliver Berten so fordert und macht, nicht amüsiert.

Ich kenne die politischen Ansichten von Herrn Rieck ehrlichgesagt nicht, gehe aber davon aus, dass es künftig zu einigen spannenden kommunalpolitischen Diskussionen auf Bloggerebene bei bestimmten Themen kommen könnte.

Angesichts des ausbaufähigen Stellenwertes von Kommunalpolitik, kann das eigentlich nur gut sein. Darum: Willkommen in Winsens winziger politischen Blogosphäre, Herr Rieck!

Kinder haben Rechte – vor allem in der Verfassung

…schreibt unsere örtliche SPD – und dem kann ich nur zustimmen: Da auch Kinder trotz ihres Alters und ihrer Größe zweifellos Menschen sind, räumt ihnen die Verfassung des Landes Niedersachsen (um die geht es in diesem Fall) natürlich genau wie jedem Erwachsenen auch entsprechende Rechte ein.Das man aber dann unter dieser Überschrift, die ja eigentlich schon suggeriert, dass man sich über die verfassten Rechte von Kindern offensichtlich keine Sorgen machen muss, ein Plädoyer für die Aufnahme von “Kinderrechten” in die Verfassung hält, irritiert etwas.

Ganz verstanden habe ich dieses Anliegen ehrlichgesagt ohnehin noch nie. Gibt es da einen tatsächlichen Anlass, einen Bedarf? Oder möchten sich nicht doch einfach nur Diejenigen, die so etwas fordern sich einfach nur mit etwas politischer Symbolik beim Wähler einschleimen?

Ich gehe nach allem, was ich bisher zu diesem Theme gehört und gelesen habe eher vom zweiten Fall aus. Es ist ja auch durchaus legitim, sowas zu machen und soweit ich das sehe, wird in diesem Fall auch nicht mal sinnlos das Geld anderer Leute zum Fenster raus geworfen, was bei Populismen ja sonst meistens der Fall ist.

Richtig finden muss man das trotzdem nicht. In meinem scherzhaften Verfassungsentwurf habe ich solche Ansinnen mit dem Zusatz, “sogar heterosexuelle, nicht-behinderte, fleischessende weiße Männer” seien gleichberechtigt, durch den Kakao gezogen. Denn wollte man gerecht und konsequent handeln, müsste man jede wie auch immer definierte Sorte Menschen aufzählen und ihre Rechte erwähnen. Lässt man das sein und macht das nur mit einigen Randgruppen, benachteiligt man ja in gewisser Weise den Rest der Menschheit. Man würde im Prinzip einige “gleicher als gleich” machen und damit den Wert der Verfassung, der ja vor allem in der kompromisslosen Gleichbehandlung aller Menschen liegt, in Frage stellen – dass das aus zweifellos guten Motiven passiert macht die Sache leider nicht besser.

Davon unabhängig finde ich Verfassungsänderungen ohne konkrete wichtige Gründe ohnehin etwas daneben. Dass in diesem speziellen Fall nicht ein einziges Kind irgendwas davon hätte, dass ihm in der Verfassung irgendwelche abstrakten Rechte garantiert werden, ist ein weiterer Punkt, der dieses Vorhaben irgendwie überflüssig erscheinen lässt.

Harburg ist nicht Harburg

Mein JuLi-Kreisverband heißt Harburg-Land, es handelt sich dabei mitnichten um das liberale Pendant zum in diesem Beitrag genannten JuSo-Verband, denn der kommt aus Hamburg-Harburg.

Für Menschen, die sich mit den hiesigen leicht irreführenden Namensgebungen nicht auskennen sei kurz erklärt, dass es einen niedersächsischen Landkreis namens Harburg, gleichzeitig aber auch einen unmittelbar daran angrenzenden Hamburger Stadtteil und Bezirk mit diesem Namen gibt.

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Es handelt sich also nicht nur um zwei unterschiedliche Landkreise, sondern sie liegen zudem auch noch in zwei verschiedenen Bundesländern, obwohl sie gleich heißen und der Name auch den selben Ursprung hat.

In schöner Regelmäßigkeit werden übrigens immer wieder Pläne diskutiert, dem niedersächsischen Landkreis endlich einen eindeutigeren Namen zu geben. Und ebenso regelmäßig fällt niemandem etwas wirklich konsenztaugliches ein. Würde man den Kreis einfach nach seinem Verwaltungssitz “Kreis Winsen” nennen, wären Buchholzer und Seevetaler verständlicherweise etwas pikiert, zumal ihre Gemeinden ein Stück größer als Winsen sind.

Am Aussichtsreichsten wären vielleicht noch Konstruktionen, wie “Landkreis Elbmarsch-Heide” aber auch dagegen gibts gewisse Vorbehalte und außerdem wäre der Name schon etwas unbequem lang und so ungewöhnlich ist die Kombination aus Heide und Elbe wohl auch nicht.

Jedenfalls blieb man bisher dann letztendlich doch immer beim alten Namen Harburg, auch wenn der mit dem Landkreis weniger zu tun hat als alle noch so ungeliebten Alternativvorschläge.

Easy Vespa-Riders wieder auf Tour

Vergangenen Mai berichtete ich das erste Mal über sie, wenig später über den etwas chaotischen Tourauftakt in New York City.

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Ende Juli kam dann eine Email, in der unter Anderem stand, was grade alles so kaputt ist und wie schwer es ist, in Amerika für 50 Jahre alte Mopeds Ersatzteile zu kriegen.

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Immerhin waren sie da aber schon in den Straßen von San Francisco, man befand sich also quasi schon wieder auf dem Rückweg, der sie wenig später tatsächlich auch nach Florida führte.

Die bis dort wirklich mit den Vespas gefahrenen 12.000 Kilometer (geplant waren ja deutlich mehr, der Wille war also da – nur das Metall war irgendwann schwach…) sind offensichtlich noch nicht genug gewesen, die Oldtimertour der besonderen Art geht in die nächste Runde: Hendrik und Christian brechen nächste Woche zum zweiten Teil ihrer “America by Vespa”-Tour auf.

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Bereits im letzten Sommer hatten die passionierten Roller-Fans, von denen einer mein Nachbar ist, eine Tour mit den Eckdaten New York – Seattle – San Francisco – Mexico – Florida quer durch Nordamerika auf ihren 50er-Jahre-Maschinen der Baureihe „Königin“ gemacht und dabei soviel erlebt und fotografiert, dass es nach der Rückkehr in einem eigens angemieteten Saal des fabelhaften Winsener Kinos einen Vortrag in Spielfilm-Überlänge gegeben hat.

Ab dem 18. März sind die Beiden wieder in Florida und bereiten ihre im vergangenen September eingemotteten Oldtimer auf die nächste Etappe der großen Reise vor.

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Sobald dann alle Schrauben fest, die Reifen aufgepumt und die Getriebe geölt sind, gehts dann zunächst in die Conch Republic, einer auf den Bahamas gelegenen sogenannten Micronation mit dem schönen Wahlspruch „Die Besänftigung von Spannungen auf der Welt durch die Anwendung von Humor“.

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Übrigens ein recht interessanter Flecken Erde: Die Bewohner erklärten sich 1982 für unabhängig von den Vereinigten Staaten und erklärten dem ehemaligen Mutterland umgehend den Krieg. Der endete allerdings bereits eine (!) Minute später mit der Kapitulation der noch jungen Conch Republic, was deren Vertreter nicht davon abhielt, eine Milliarde Dollar an “Wiederaufbauhilfe” zu fordern… klingt alles lustig und ist es eigentlich auch, trotzdem war das nicht nur als Joke gemeint, sondern die Bewohner fühlten sich durch die tourismusschädigende Zollstation, die ihre Stadt vom Rest der USA trennte doch arg benachteiligt.

Von den eigensinnigen Insulanern aus geht es mit dem Postboot weiter nach Cuba. Die Zucker-, Rum-, und Zigarreninsel wird auf den knatternden Zweirädern einmal komplett umrundet.

Und während Hendrik und Christian bei ihrer Tour durch die USA vereinzelt als “Kinder mit Fahrrädern auf dem Freeway” der Polizei gemeldet wurden, weil die kleinen Maschinen den meisten Amis wie Spielzeuge vorkamen, werden sie in Cuba, dem Sozialismus sei Dank, zwischen all den anderen Fahrzeugen aus den 1950er Jahren vermutlich niemandem besonders auffallen.

Nach dieser Reise in die Vergangenheit gehts dann wieder zurück nach Florida, wo die Reise endgültig enden soll.

Spannend wird bei alledem nicht nur, ob Hendrik und Christian das letzte Bisschen guten niedersächsischen Hardenberger Korn, den sie von Hamburg über New York, Seattle, San Francisco bis Florida gebracht haben – wofür im Zweifel lieber auf ein zweites Paar Ersatzunterwäsche verzichtet wurde, 50er Jahre Roller können nämlich nicht so fürchterlich viel Gewicht tragen, erst recht über nicht bei Strecken von tausenden von Kilometern!

Interessant wird auch, ob sich die Pannenstatistik ein bisschen bessert und nicht wie beim ersten Teil der Tour wieder alle paar Kilometer mehr oder weniger umfangreiche Zwangspausen eingelegt werden müssen, weil irgendwas an den Uralt-Rollern wieder meint, ausfallen zu müssen (ohne Flachs: mindestens jedes vierte bis fünfte Foto im Vortrag handelte von einer Panne! Und sie haben nichtmal jede fotografiert…).

Und falls die beiden nicht in Amerika wegen groben Unfugs verhaftet werden (mit Spielzeugen auf der Autobahn rumkurven und so) oder in Castros “Paradies” aus irgendwelchen Gründen Hopps genommen werden (es muss sich zum Beispiel erst noch zeigen, wie eine sozialistische Diktatur mit Leuten umgeht, die ihre Mopeds mitten auf der Straße reparieren), freu ich mich schonmal auf den zweiten Teil des Reiseberichtes und die Welcome-back-Party in einigen Monaten.

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Bis dahin werde ich mich aber sicherlich noch einige Male mit den Easy Ridern beschäftigen, die Aktion ist einfach nur irre.

Für die Zwischenzeit gibts hier mehr Infos und noch viel mehr Bilder. Die hier gezeigten hab ich mit Hendriks freundlicher Genehmigung ebenfalls von dort.

Steuerhinterzieher

Sicherlich: Straftat bleibt Straftat und sollten Gerichte Zumwinkel & Co schuldig sprechen (nur zur Erinnerung: Auch wenn die Medien den Eindruck erwecken, das wäre längst geschehen, steht das erst noch aus), dann handelt es sich um Straftäter.

Statt aber nur immerfort mit dem Finger auf Menschen zu zeigen, denen die Steuerlast in Deutschland offensichtlich zu hoch ist (was objektiv eigentlich jeder verstehen können müsste, egal was er von Steuerhinterziehern hält), wäre es zwischendurch auch mal ganz erfrischend zu sehen, wenn sich die normalen Steuerbürger ein Stückweit zu wenigstens ein bisschen Kritik am deutschen Steuersystem hinreißen ließen. Denn nicht nur die Zumwinkels dieses Landes zahlen zuviel, sondern auch jeder Angestellte oder Arbeiter.

Aber statt das System an sich zu beleuchten, gucken sich die BILD-Leser und Tagesschau-Gucker lieber einen prominenten Prügelknaben und schimpfen über Liechtenstein, dass frech genug ist, sich trotz seiner überschaubaren Größe (in der Tat hat Liechtenstein nur unwesentlich mehr Einwohner als z.B. die Kreisstadt Winsen an der Luhe…) nicht auf jede Anweisung der Bundeskanzlerin und ihres Finanzministers einzugehen.

Nicht dass ich Klaus Zumwinkel irgendwie sympathisch fände – der Zorn trifft da durchaus den Richtigen. Aber spätestens wenn der erste Ärger verflogen ist, könnte sich die steuerzahlende Gesellschaft ruhig mal solidarisieren, um ein einfacheres, niedrigeres und gerechteres Steuersystem zu fordern.

Auch weil gilt: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Wenigstens nicht mit zu großen (dazu würde ich mal die Verteidigung der BND-Methoden zählen, die den sonst Geheimdiensten eher kritischen ATTACern scheinbar gar keine Bauchschmerzen bereitet).

« go backkeep looking »
  • Löffel voller Weisheit

    Wir haben indessen gemerkt, dass wir mit dem Schröpfen der Heute Lebenden nicht mehr auskommen und deshalb längst begonnen, per Schuldenaufnahme bereits heute die Besitztümer der morgen Lebenden mit zu versaufen. Das läuft zwar auf bankrott hinaus, aber den Neuanfang feiern wir dann mit Champagner. Prost! — DieterNuhr, 4. Juli 2009 in seinem Blog

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